Archiv der Kategorie: Horror & Unheimliches

S. Craig Zahler – Wie Schatten über totem Land

Die Befreiung zweier Schwestern aus der Gewalt eines sadistischen Irren endet 1902 als blutige Orgie grotesker Gewalt, wobei sich die Unterschiede zwischen Verbrechern und Rettern zunehmend verwischen … – Quasi existenzieller Western, der die archaische Landschaft als Bühne eines Geschehens nutzt, das die Allgegenwart des Bösen im Menschen nicht nur darstellt, sondern förmlich zelebriert und dabei (pseudo-) literarisch aufpimpt; der Verfasser ist bemerkenswert einfallsreich, wenn es darum geht, Gewalt in Worte zu fassen: als Historien-Horror unterhaltsam. S. Craig Zahler – Wie Schatten über totem Land weiterlesen

Mats Strandberg – Die Überfahrt

Auf einem skandinavischen Fährschiff geht es hoch her: Der Alkohol ist zollfrei und billig, es wird heftig getrunken, die Hemmungen schwinden. Die üblichen Exzesse werden durch zwei mitreisende Vampire erheblich verstärkt, denn die Suff-Fähre verwandelt sich in ein Totenschiff … – Die ungewöhnliche Kulisse sorgt für Interesse, doch ungelenk und viel zu ausführlich setzt Autor Strandberg sein Garn an, das erst nach Ausbruch der Vampir-Katastrophe in Schwung kommt und diese vor allem blutig auf die Spitze treibt: Grusel-Mission recht bedingt erfüllt. Mats Strandberg – Die Überfahrt weiterlesen

David Moody – Straight to You

Kurz nachdem sich die Eheleute Steven und Samantha getrennt haben, beginnt die Sonne zu pulsieren. Das Ende der Welt durch stetig zunehmende Hitze steht bevor, aber bevor es soweit kommt, will Steven seine Frau wiedersehen und schlägt sich durch ein England im Zusammenbruch zu ihr durch … – Die übliche Apokalypse-Story wird ‚individualisiert‘ und aus der begrenzten Sicht eines ‚normalen‘ Mannes beschrieben; das Geschehen bietet keine Überraschungen, die emotionalen Einschübe wechseln zwischen pathetisch und peinlich: ein Routine-Garn, dem der Ehrgeiz des Verfassers nachdrücklich schadet. David Moody – Straight to You weiterlesen

Edward Lee – Golem

Ende des 19. Jahrhunderts sollten magisch belebte Lehm-Menschen („Golems“) die jüdische Gemeinde von Lowensport schützen. Das misslang bzw. gipfelte in einem Massaker. Während die Tragödie in Vergessenheit geriet, blieb das Wissen um die Golems erhalten; sie sollen nun Gangstern helfen, den lokalen Drogenmarkt zu übernehmen … – Verfasseruntypisch, d. h. nicht auf die bloße Reihung ekliger Sex-Szenen beschränkt, erzählt Edward Lee auf zwei Zeitebenen eine Geschichte, die sich in der Gegenwart verzahnt; dies buchstäblich, denn Lees Golems sind Mord-Monster, die für Horror der simplen, aber unterhaltsamen Art sorgen.
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Michael Cadnum – Totenlicht

Leonard, in dessen Oberstübchen große Unordnung herrscht, ist bei der Untersuchung eines angeblichen Geisterhauses verschwunden. Auf Bitten der Mutter macht sich Cousin Paul in die Wildnis auf, um ihn zu suchen, stößt dabei jedoch auf Leonards Großvater, der nachweislich schon lange tot ist … – Gelungene Mischung aus Psychothriller und Horror; der Mensch bzw. sein Hirn bilden die Quelle des eigentlichen Schreckens, was erfreulich überzeugend in Szene gesetzt ist. Michael Cadnum – Totenlicht weiterlesen

Nate Southard – Down

Als das Flugzeug einer Rockgruppe abstürzt, landet es nicht nur in einem menschenleeren Einöd-Wald, sondern auch im Territorium eines Bigfoot-Monsters, das umgehend mit der Jagd auf die Eindringlinge beginnt … – Handwerklich solider, über weite Strecken geradezu altmodischer Horrorroman, der das oben skizzierte Szenario leichenreich durchdekliniert, sich abschweifungsarm auf das Wesentliche konzentriert einen unerwarteten Verlauf nimmt, jedoch unter einem schwachen Finale leidet: Futter für blutrünstige Monster und Leser, die solches Wüten lieben.
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Edward Lee – Gewürm

Ahnungslose Forscher, geile Teenies und mörderische Rednecks geraten auf eine Tropeninsel, die von mutierten Würmern heimgesucht wird, die ihre menschlichen Wirtskörper kontrollieren und nach neuen Opfern gieren … – Typischer Trash-Horror, der auf vordergründigen Ekel, Schmuddel-Sex und Brachial-Gewalt setzt, was auf die Spitze (und darüber hinaus) getrieben wird, sodass es durch die Übertreibung klamaukhaften Unterhaltungswert gewinnt: Hier ist richtig, wer gern lacht, weil unsympathische Zeitgenossen geschreddert werden!
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Edward Lee – Innswich Horror

Auf den Spuren des Schriftstellers H. P. Lovecraft gerät Hobby-Forscher Morley in die neuenglische Kleinstadt Olmstead, die sich als reales Vorbild des Schreckensortes Innsmouth erweist und von furchterregenden Wesen aus dem Meer beherrscht wird. Das soll nicht an die Öffentlichkeit, weshalb dem allzu neugierigen Morley besagte Wesen bald hart auf den Fersen sind … – Lees Hommage an sein Idol Lovecraft lehnt sich inhaltlich eng an dessen Novelle aus dem Jahr 1936 an, erweitert das Geschehen durch grotesk-sexuelle Drastik und Splatter-Gewalt und ist vordergründig dort, wo Lovecraft Grusel-Stimmung bot: trotzdem unterhaltsam und angenehm kurz.
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Tim Curran – Skull Moon

In einem Wild-West-Nest kommen 1878 zwielichtige Bürger bizarr zu Tode. Ein US-Marshall untersucht den Fall und muss feststellen, dass eine uralte, böse Kreatur geweckt wurde, um ein bitteres Unrecht zu rächen … – Bis es zum großen, besonders gewalttätigen Finale kommt, bleibt dem Verfasser genug Raum, um detailreich die Zergliederung diverser Pechvögel zu schildern. Interessant ist die gänzlich pathosfreie Darstellung eines wahrlich wilden = nur oberflächlich ‚zivilisierten‘ Westens: ein interessanter Zwitter aus Western- und Horrorroman.
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Greg F. Gifune – Savages

Vergnügungsreisende Freunde stranden schiffbrüchig auf einer einsamen Tropeninsel. Das nackte Überleben wird zur Bewährungsprobe, die nicht jede/r übersteht, zumal sich herausstellt, dass man nicht allein auf der Insel ist: Eine bizarre Kreatur ist der Gruppe mordend auf den Fersen … – Horror-Kurzroman, der den nun einsetzenden Kampf und – sehr detailfroh – die tödlichen Folgen beschreibt: simpel in der Handlung, rabiat im Ton, arm an Überraschungen: routinierter Splatter-Grusel.
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Cheryl Bradshaw – Die Heimsuchung von Grayson Manor


In der geerbten Villa geht es um, weshalb die ohnehin hellsichtige Addison versucht, das Rätsel eines offensichtlich ungesühnten Mordes zu lüften. Da sowohl die Geister als auch einige noch lebendige Zeugen des alten Dramas finstere Pläne verfolgen, gerät Addison erwartungsgemäß unter zweiseitigen Druck … – Eher leichtfüßiges Geistergarn, das ideenschwach in den Fußstapfen ähnlicher Mystery-Storys wandelt; obwohl die Hauptfigur ein wandelndes Klischee ist, erspart die Autorin ihr (und den Lesern) allzu ranzige Gaslicht-Romantik und „Mr.-Right“-Gesülze: Lesefutter.
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Carsten Stroud – Die Rückkehr (Niceville-Trilogie, Band 2)

Handlung:

Ein kleiner Ort im Süden der USA wird zum Schauplatz einer Folge nie da gewesener, schockierender Ereignisse, und mit einem Mal ist alles anders als je zuvor.

Der Learjet einer Delegation dubioser chinesischer Unternehmer gerät kurz nach dem Abflug in einen Schwarm pechschwarzer Krähen, stürzt ab und explodiert. Ein Excop wird gefasst, in seinem Hummer-SUV liegen 100.000 Dollar eines kürzlich verübten Banküberfalls. Doch ihm gelingt die Flucht, weil der Gefangenentransport in einen bestialischen Unfall verwickelt wird, bei dem ein Hirsch eine nicht unerhebliche Rolle spielt. Der Excop verschanzt sich in einem Laden für Survivalausrüstung und provoziert eine üble Schießerei. Gleichzeitig betritt ein Gentleman die Bühne, bis auf die Zähne bewaffnet und skrupellos, denn drei Machos im Knast haben einen Plan. Auf dem Highway rast ein tiefergelegter Sportwagen, verfolgt von einer Streife, mit über dreihundert Sachen in eine Reihe schaulustiger Trucker. Der kleine Rainey hört eine Stimme aus der Vergangenheit und mutiert von einem normalen Jungen in ein gnadenloses Monster. Und mittendrin der Ermittler Nick Kavanaugh und seine Frau Kate, die versuchen, Ordnung in das Chaos zu bringen. Aber über Niceville liegt ein Fluch, der nicht enden will … (Verlagsinfo)

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Tim Curran – Der Leichenkönig

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wühlen zwei Grabräuber zu tief in Glasgows Friedhofserde; sie erregen die Aufmerksamkeit des „Leichenkönigs“, einer uralten, bösartigen und überaus schlauen Kreatur, die nichts gegen Frischfleisch einzuwenden hat und dem Duo auf den Fersen bleibt … – Mit brachialer Wonne lässt Autor Curran eine Vergangenheit erstehen, die vor Schmutz, Brutalität und Bosheit förmlich trieft, um vor diesem Hintergrund eine ebenso stimmungsvolle wie unappetitliche Horrorgeschichte zu erzählen: Wer seinen Grusel filigran vorzieht, sollte hier lieber Abstand halten!
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William Hope Hodgson – Carnacki, der Geisterdetektiv

Vollständige Sammlung der neun Kurzgeschichten um den „Geisterdetektiv“ Carnacki, mit dem William Hope Hodgson (1877-1918) einen der ersten der noch heute in der Phantastik beliebten Erforscher übernatürlicher Phänomene bzw. ‚Ghostbuster‘ schuf. Die Storys sind spannend und angemessen gruselig, die Übersetzung ist ausgezeichnet, und als ‚Features‘ gibt es eine alte, weiterhin zutreffende Hodgson-Wertung durch H. P. Lovecraft sowie eine moderne, vorzügliche Einschätzung der Carnacki-Storys: elementarer Horror für die Leser klassischer Gruselgeschichten. William Hope Hodgson – Carnacki, der Geisterdetektiv weiterlesen

Paul Finch – Das Gespenst von Killingly Hall

Vier Storys und eine Novelle lassen die Tradition der weihnachtlichen Gruselgeschichte aufleben; dass dieses Fest einen frühzeitlich ‚heidnischen‘ Ursprung besitzt, lässt der Autor diverse Pechvögel spüren, die nur den „Friede-auf-Erden“-Aspekt kennen und böse bis tödliche Überraschungen erleben. Leider ist der Krimi-Autor Paul Finch dem Schöpfer von Geistergeschichten deutlich überlegen; er erzählt gut, wärmt aber eher altbackene Plots auf und setzt auf finale ‚Überraschungen‘, die sich nicht einstellen wollen: Lesefutter für Winterabende.
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Stephen King & Owen King – Sleeping Beauties

Die Handlung:

Die Welt sieht sich einem faszinierenden Phänomen gegenüber. Sobald Frauen einschlafen, umhüllt sie am ganzen Körper ein spinnwebartiger Kokon. Wenn man sie weckt oder das unheimliche Gewebe entfernen will, werden sie zu barbarischen Bestien. Sind sie im Schlaf etwa an einem schöneren Ort? Die zurückgebliebenen Männer überlassen sich zunehmend ihren primitiven Instinkten. Eine Frau allerdings, die mysteriöse Evie, scheint gegenüber der Pandemie immun zu sein. Ist sie eine genetische Anomalie, die sich zu Versuchszwecken eignet? Oder ist sie ein Dämon, den man vernichten muss? Schauplatz und Brennpunkt ist ein kleines Städtchen in den Appalachen, wo ein Frauengefängnis den größten Arbeitgeber stellt. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

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Robert E. Howard – Die Kinder der Nacht

14 Storys eines Meisters der klassischen „Pulp“-Phantastik und des Abenteuers; der unerhörte Schwung eines geborenen Geschichtenerzählers trägt über Logiklücken, Flachfiguren oder Inhaltsklischees mühelos hinweg und lässt vor den Leseraugen versunkene Welten und archaische Gräuel quicklebendig werden: Auch Band 5 der Howard-Edition bietet hohen Lektüregenuss! Robert E. Howard – Die Kinder der Nacht weiterlesen

Jennifer McMahon – Winter People. Wer die Toten weckt

In einer abgelegenen Region Neuenglands kehren die Toten zurück, wenn man sie ruft. Leider haben sie sich sehr verändert, weshalb die Wiedersehensfreude rasch Entsetzen und Mord weicht … – Auf zwei Zeitebenen (1908 und Gegenwart) spinnt die Autorin ein erfreulich klassisches Gruselgarn, das mit modernen Schauerlichkeiten durchwebt ist und stimmungsdämpfende Seifenoper-Elemente auf ein erträgliches Maß dämpft: leicht überdurchschnittliche Phantastik.
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Peter James – Das Haus in Cold Hill

Familie Harcourt zieht in ein Spukhaus ein, dessen Bewohner es nach dem Willen des dort regierenden Ober-Geistes selbst tot nicht verlassen dürfen; aus Irritation wird Angst, aus nächtlichen Vorfällen nackter Terror, während besagte Familie die Todesfalle zu verlassen versucht … – Quasi ein Kompendium sämtlicher Klischees, die das Genre „Ghost Story“ zu bieten hat; das dürftige, in die Länge gezogene Garn leidet zusätzlich unter Flach-Figuren und objektiv dämlichen Geistern: Stärker als Familie Harcourt leidet wieder einmal die Leserschaft. Peter James – Das Haus in Cold Hill weiterlesen