Archiv der Kategorie: Horror & Unheimliches

Suzy McKee Charnas – Der Vampir-Baldachin

Ein charmanter Vampir wie du und ich

Dr. Weyland soll ein Vampir sein, der seit langer Zeit unter den Menschen gelebt hat? Die Psychotherapeutin kann es nicht glauben. Doch als er seine – umfangreiche und merkwürdige – Lebensgeschichte erzählt, beginnt sie seinem Charme zu verfallen…

„The Vampire Tapestry“ gilt als einer der besten Vampir-Romane überhaupt. Er wurde für den Nebula Award nominiert, und der dritte Teil des Romans, mit dem Titel „Der Einhorn-Gobelin“, gewann diesen Preis auch 1981.
Suzy McKee Charnas – Der Vampir-Baldachin weiterlesen

Christopher Fowler – Über den Dächern von London

Postviktorianischer Steampunk: An Seilen über Londons Dächer

Eigentlich will der Drehbuchautor Robert Linden nur für einen neuen Film recherchieren, doch dabei kommt er einer Geheimbande auf die Spur, die mit ihren Ritualmorden der Polizei Rätsel aufgibt. Auf den Dächern von London leben sonderbare junge Leute nach eigenen Gesetzen. Nachts fliegen sie an Nylonschnüren über die verhasste, laute Metropole.

Doch während die einen die Freiheit ihrer Schattenwelt bewahren wollen, haben die anderen der ganzen Stadt den Krieg erklärt. Robert Linden gelingt es, einen Weg in jenes dunkle Reich auf Londons Dächer zu finden. Und bald steckt er mitten in einem Bandenkrieg, wie er grausamer nicht sein könnte… (Verlagsinfo)

Dies ist Chris Fowlers erster Roman, und er machte ihn schlagartig berühmt – zumindest in der phantastischen Literatur. In so manchem Aspekt erinnert die Story an Tim Powers‘ Roman „Die Tore zu Anubis‘ Reich“, der im viktorianischen London spielt (siehe meinen Bericht). Seine folgenden Romane wie etwa „Gilde der Nacht“ oder „Runen“ erreichten nicht wieder dieses hohe Niveau.
Christopher Fowler – Über den Dächern von London weiterlesen

Nancy A. Collins – Wildes Blut

Die Werwölfe des wilden Westens

„Wildes Blut“ ist die ultramoderne Hochrasanzversion des Werwolf-Mythos! Das konnte nur von Nancy A. Collins kommen, der Verfasserin des erotischen Vampirthrillers „Der Todeskuss der Sonja Blue“.

Die Autorin

Nancy A. Collins (* 10. September 1959 in McGehee, Arkansas) ist Schriftstellerin. Am bekanntesten ist sie für ihre Serie von Vampirromanen mit Sonja Blue. Collins schrieb mehrere Romane. Einige handeln von einer Rasse, die sich Pretender nennt: Monster aus Mythen und Legenden, die sich als Menschen ausgeben, um leichter an ihre Beute zu kommen.

Nancy A. Collins – Wildes Blut weiterlesen

Nancy A. Collins – Der Todeskuss der Sonja Blue

Langzahn-Grusel: Jäger in der Nacht

Dies war 1989 der beste Vampirroman seit Kings „Brennen muss Salem“, ein packender, erotischer Psychothriller. Dieser Erstlingsroman machte Nancy A. Collins mit einem Schlag in der Horrorliteratur berühmt. Ihre weiteren Werke lösten dieses Versprechen hundertprozentig ein: „Wildes Blut“ und viele weitere. Das Buch erhielt seinerzeit den Bram Stoker Award und den British Fantasy Award.
Nancy A. Collins – Der Todeskuss der Sonja Blue weiterlesen

Stephen King – Mind Control (Bill Hodges 3)

Nach Jahren im Koma erwacht „Mercedes-Mörder“ Hartsfield und entdeckt, dass er die Hirne seiner Mitmenschen manipulieren kann, was ihm die Gelegenheit verschafft, wieder als Killer tätig zu werden sowie Rache an denen zu nehmen, die ihn einst aufhalten konnten … – Der letzte Band der Bill-Hodges-Trilogie greift auf die Ereignisse des Auftaktromans zurück. Während der Krimi-Anteil so gut wie verschwindet, kehrt Stephen King zum Übernatürlichen zurück und legt ein routiniert geschriebenes Garn vor, das sich autorentypisch sehr gut lesen lässt, obwohl es keineswegs originell ist. Stephen King – Mind Control (Bill Hodges 3) weiterlesen

Alma Katsu – The Hunger. Die letzte Reise

1846 schleppt sich ein Siedlertreck schlecht vorbereitet nach Westen. Die Gruppe ist untereinander zerstritten, falsche Entscheidungen werden getroffen, bis man im unwegsamen Gebirge strandet. Der Winter kommt, die Nahrung wird knapp, und aus dem tiefen Wald greift eine böse Macht nach ihren hilflosen Opfern … – Eine tragische Episode der US-Geschichte wird mit phantastischen Elementen aufgeladen und ‚erklärt‘. Die Schilderung des harten Treckalltags überzeugt, während Story und Figurenzeichnung etwas zu deutlich auf eine zukünftige TV-Serie ausgerichtet sind: solides, aber wenig originelles (Psycho-) Gruselgarn. Alma Katsu – The Hunger. Die letzte Reise weiterlesen

Alma Katsu – The Hunger. Die letzte Reise

Verhängnisvoller Treck nach Westen
Springfield, Illinois, im Jahr 1846. Ein ansehnlicher Wagenzug zieht unter der Leitung von George Donner nach Kalifornien. Doch die Reise in den Goldenen Westen ist gefährlich, und die Vorräte sind knapp. Dann kommt ein kleiner Junge unter mysteriösen Umständen zu Tode, und weitere Menschen verschwinden spurlos. Offenbar sind die Siedler nicht alleine in den Weiten der Prärie. Etwas begleitet sie. Etwas, das großen Hunger hat… (Verlagsinfo)
Alma Katsu – The Hunger. Die letzte Reise weiterlesen

Lucius Shepard – Grüne Augen

Dieser Horror kann Dean Koontz nicht das Wasser reichen

Magie, Woodoo und modernste Wissenschaft habe sich zusammengetan zu einem Geheimprojekt, das von der amerikanischen Regierung finanziert wird. In den Sümpfen Virginias werden makabre Experimente durchgeführt. Man injiziert frisch Verstorbenen mutierte Bakterienkulturen, die im Körper des Toten eine Umwandlung bewirken, durch die eine Rückkehr zu einem Scheinleben möglich ist.

Bei den meisten Verstorbenen ist dieses zweite Leben nur von kurzer Dauer, aber es treten immer wieder sog. Langsambrenner auf, denen so eine monatelange Lebensspanne ermöglicht wird. Mit diesen Phänomenen geht dien phänomenale Intelligenzsteigerung einher, die durch eine bakterielle Umformung des Gehirns zustande kommt. Die Probanden werden in ein abgelegenes ehemaliges Herrenhaus gebracht, wo man daran arbeitet, den zweiten Tod immer weiter hinauszuschieben.

Lucius Shepard, dem mit seinem Roman „Das Leben im Krieg“ weltweit ein aufsehenerregender Durchbruch gelang, hat diesem seinem Erstling seine Erfahrungen mit Voodoo-Zauber und Naturreligionen der Karibik einfließen lassen, die er während seines jahrelangen Aufenthalts in Mittelamerika beobachtete und studierte. (Verlagsinfo)
Lucius Shepard – Grüne Augen weiterlesen

Mary Hottinger (Hg.) – Horror. Klassische und moderne Gruselgeschichten von Charles Dickens bis Ernest Hemingway

22 kurze und längere Geschichten erzählen von einem Schrecken, der nicht immer übernatürlich ist, sondern im Menschenhirn geboren wird, wo er sich monströs entwickelt und für einen realen Horror verantwortlich ist, vor dem jedes Gespenst kapitulieren muss. Die Herausgeberin gibt sich streng literarisch, liegt dabei keineswegs immer richtig, legt aber insgesamt eine Sammlung vor, die ihre Wirkung nicht verloren hat, obwohl (oder gerade weil) manche Story inzwischen nostalgisch tüchtig angestaubt = veredelt ist.
Mary Hottinger (Hg.) – Horror. Klassische und moderne Gruselgeschichten von Charles Dickens bis Ernest Hemingway weiterlesen

Dan Simmons – Göttin des Todes

Apokalypse in Kalkutta

Der Publizist Robert Luczak wird nach Kalkutta geschickt, um ein seltenes Manuskript zu erwerben. Unversehens gerät er dabei in einen Albtraum: Denn das geheimnisvolle Manuskript enthält Beschwörungsformeln, mit deren Hilfe Kali, die Göttin des Todes, auf die Erde zurückgeholt wird. Luczak muss mit ansehen, wie das Böse von unserer Welt Besitz ergreift… (Verlagsinfo)

Dan Simmons‘ Erstlingsroman „Göttin des Todes“ wurde mit dem World Fantasy Award ausgezeichnet. Es handelt sich nicht nur um eine Reise in das Herz der Finsternis, sondern auch um eine Erörterung der Rolle, die Dichter und Schriftsteller in der Welt spielen können.
Dan Simmons – Göttin des Todes weiterlesen

Michel Parry (Hg.) – Draculas Rivalen

Sammlung von zehn Kurzgeschichten, in denen unterhaltsam und manchmal einfallsreich bewiesen wird, dass der Vampir-Kosmos Platz genug für Blutsauger bietet, deren Name nicht Dracula lautet; klassischer Grusel trifft auf den eher trashigen Horror der „Pulp“-Ära, hinzu kommen einige moderne Storys: keine Meisterwerke, aber sämtliche Storys sind „Edward“- und „Betsy“-frei und schon deshalb die Lektüre wert!

Michel Parry (Hg.) – Draculas Rivalen weiterlesen

S. Craig Zahler – Wie Schatten über totem Land

Die Befreiung zweier Schwestern aus der Gewalt eines sadistischen Irren endet 1902 als blutige Orgie grotesker Gewalt, wobei sich die Unterschiede zwischen Verbrechern und Rettern zunehmend verwischen … – Quasi existenzieller Western, der die archaische Landschaft als Bühne eines Geschehens nutzt, das die Allgegenwart des Bösen im Menschen nicht nur darstellt, sondern förmlich zelebriert und dabei (pseudo-) literarisch aufpimpt; der Verfasser ist bemerkenswert einfallsreich, wenn es darum geht, Gewalt in Worte zu fassen: als Historien-Horror unterhaltsam. S. Craig Zahler – Wie Schatten über totem Land weiterlesen

Mats Strandberg – Die Überfahrt

Auf einem skandinavischen Fährschiff geht es hoch her: Der Alkohol ist zollfrei und billig, es wird heftig getrunken, die Hemmungen schwinden. Die üblichen Exzesse werden durch zwei mitreisende Vampire erheblich verstärkt, denn die Suff-Fähre verwandelt sich in ein Totenschiff … – Die ungewöhnliche Kulisse sorgt für Interesse, doch ungelenk und viel zu ausführlich setzt Autor Strandberg sein Garn an, das erst nach Ausbruch der Vampir-Katastrophe in Schwung kommt und diese vor allem blutig auf die Spitze treibt: Grusel-Mission recht bedingt erfüllt. Mats Strandberg – Die Überfahrt weiterlesen

David Moody – Straight to You

Kurz nachdem sich die Eheleute Steven und Samantha getrennt haben, beginnt die Sonne zu pulsieren. Das Ende der Welt durch stetig zunehmende Hitze steht bevor, aber bevor es soweit kommt, will Steven seine Frau wiedersehen und schlägt sich durch ein England im Zusammenbruch zu ihr durch … – Die übliche Apokalypse-Story wird ‚individualisiert‘ und aus der begrenzten Sicht eines ‚normalen‘ Mannes beschrieben; das Geschehen bietet keine Überraschungen, die emotionalen Einschübe wechseln zwischen pathetisch und peinlich: ein Routine-Garn, dem der Ehrgeiz des Verfassers nachdrücklich schadet. David Moody – Straight to You weiterlesen

Edward Lee – Golem

Ende des 19. Jahrhunderts sollten magisch belebte Lehm-Menschen („Golems“) die jüdische Gemeinde von Lowensport schützen. Das misslang bzw. gipfelte in einem Massaker. Während die Tragödie in Vergessenheit geriet, blieb das Wissen um die Golems erhalten; sie sollen nun Gangstern helfen, den lokalen Drogenmarkt zu übernehmen … – Verfasseruntypisch, d. h. nicht auf die bloße Reihung ekliger Sex-Szenen beschränkt, erzählt Edward Lee auf zwei Zeitebenen eine Geschichte, die sich in der Gegenwart verzahnt; dies buchstäblich, denn Lees Golems sind Mord-Monster, die für Horror der simplen, aber unterhaltsamen Art sorgen.
Edward Lee – Golem weiterlesen

Michael Cadnum – Totenlicht

Leonard, in dessen Oberstübchen große Unordnung herrscht, ist bei der Untersuchung eines angeblichen Geisterhauses verschwunden. Auf Bitten der Mutter macht sich Cousin Paul in die Wildnis auf, um ihn zu suchen, stößt dabei jedoch auf Leonards Großvater, der nachweislich schon lange tot ist … – Gelungene Mischung aus Psychothriller und Horror; der Mensch bzw. sein Hirn bilden die Quelle des eigentlichen Schreckens, was erfreulich überzeugend in Szene gesetzt ist. Michael Cadnum – Totenlicht weiterlesen

Nate Southard – Down

Als das Flugzeug einer Rockgruppe abstürzt, landet es nicht nur in einem menschenleeren Einöd-Wald, sondern auch im Territorium eines Bigfoot-Monsters, das umgehend mit der Jagd auf die Eindringlinge beginnt … – Handwerklich solider, über weite Strecken geradezu altmodischer Horrorroman, der das oben skizzierte Szenario leichenreich durchdekliniert, sich abschweifungsarm auf das Wesentliche konzentriert einen unerwarteten Verlauf nimmt, jedoch unter einem schwachen Finale leidet: Futter für blutrünstige Monster und Leser, die solches Wüten lieben.
Nate Southard – Down weiterlesen

Edward Lee – Gewürm

Ahnungslose Forscher, geile Teenies und mörderische Rednecks geraten auf eine Tropeninsel, die von mutierten Würmern heimgesucht wird, die ihre menschlichen Wirtskörper kontrollieren und nach neuen Opfern gieren … – Typischer Trash-Horror, der auf vordergründigen Ekel, Schmuddel-Sex und Brachial-Gewalt setzt, was auf die Spitze (und darüber hinaus) getrieben wird, sodass es durch die Übertreibung klamaukhaften Unterhaltungswert gewinnt: Hier ist richtig, wer gern lacht, weil unsympathische Zeitgenossen geschreddert werden!
Edward Lee – Gewürm weiterlesen

Edward Lee – Innswich Horror

Auf den Spuren des Schriftstellers H. P. Lovecraft gerät Hobby-Forscher Morley in die neuenglische Kleinstadt Olmstead, die sich als reales Vorbild des Schreckensortes Innsmouth erweist und von furchterregenden Wesen aus dem Meer beherrscht wird. Das soll nicht an die Öffentlichkeit, weshalb dem allzu neugierigen Morley besagte Wesen bald hart auf den Fersen sind … – Lees Hommage an sein Idol Lovecraft lehnt sich inhaltlich eng an dessen Novelle aus dem Jahr 1936 an, erweitert das Geschehen durch grotesk-sexuelle Drastik und Splatter-Gewalt und ist vordergründig dort, wo Lovecraft Grusel-Stimmung bot: trotzdem unterhaltsam und angenehm kurz.
Edward Lee – Innswich Horror weiterlesen

Tim Curran – Skull Moon

In einem Wild-West-Nest kommen 1878 zwielichtige Bürger bizarr zu Tode. Ein US-Marshall untersucht den Fall und muss feststellen, dass eine uralte, böse Kreatur geweckt wurde, um ein bitteres Unrecht zu rächen … – Bis es zum großen, besonders gewalttätigen Finale kommt, bleibt dem Verfasser genug Raum, um detailreich die Zergliederung diverser Pechvögel zu schildern. Interessant ist die gänzlich pathosfreie Darstellung eines wahrlich wilden = nur oberflächlich ‚zivilisierten‘ Westens: ein interessanter Zwitter aus Western- und Horrorroman.
Tim Curran – Skull Moon weiterlesen