Archiv der Kategorie: Hörspiele / Hörbücher

Die drei ??? – O du finstere (Adventskalender 2020)

Die Handlung:

Für Tante Mathilda erfüllt sich ein lang gehegter Wunsch: Gemeinsam mit Onkel Titus, Justus, Peter und Bob will sie Weihnachten in einer verschneiten Berghütte feiern. Die besinnliche Stimmung wird schnell getrübt, als eine gehörnte Schreckgestalt in die Idylle hereinbricht. Doch auch unheimliche Vorfälle und Drohbotschaften halten die drei ??? nicht davon ab, diesem Rätsel auf den Grund zu gehen.
Ein Weihnachtsfall in 24 Kapiteln. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

2019 wars der Adventskalenderfall zum Lesen, 2020 gibts das Abenteuer im Schnee nun auch zum Hören.

Tante Mathilda möchte Weihnachten in den verschneiten Bergen feiern, fernab von Stress und Trubel und Internet und Handyempfang. So stehts im Klapptentext, so soll es sein und so wirds mit Sicherheit nicht kommen … obwohl die gesamte Familie mit Freunden im Auto lustig „Jingle Bells“ singt und Plätzchen futtert … noch.

Die drei ??? – O du finstere (Adventskalender 2020) weiterlesen

Lem, Stanislaw – Robotermärchen (Lesung)

Wer das Wort „Märchen“ hört, denkt jetzt vielleicht an Rotkäppchen, den bösen Wolf oder an Hänsel und Gretel. Das ist Kinderkram. Denn die vorliegenden Märchen richten sich nicht an Kinder von Menschen, sondern an die neuprogrammierten Sprösslinge von Robotern, klar? Es sind Märchen von Robotern für Roboter, und Menschen kommen darin nur am Rande vor, und das nicht einmal in einer positiven Rolle. Dennoch interessieren sie uns brennend und bereiten uns Vergnügen. Und warum? Weil die hier geschilderten Silbrigen, Eisernen und Kupfernen noch menschlicher sind als Menschen es je sein können. Märchenhaft.

Hinweise zur Bezeichnung: „Bleichlinge, Weiche, Bleiche“ usw. sind Menschen. Alle anderen sind Roboter, also die Silbrigen, Eisernen und Kupfernen, ja, sogar die, die unter Wasser leben, wie König Hydrops und sein Volk. Tja, und dann gibt es noch den Großen Kosmogonischen Konstrukteur. Über den gibt es viele Theorien und wenig Wissen. Deshalb kommt er nur in Märchen vor. Oder dergleichen.

Der Autor

Stanislaw Lem, geboren am 12. September 1921 in Lwòw, dem galizischen Lemberg, lebt heute in Krakow. Er studierte Medizin und war nach dem Staatsexamen als Assistent für Probleme der angewandten Psychologie tätig. Privat beschäftigte er sich mit Problemen der Kybernetik, der Mathematik und übersetzte wissenschaftliche Publikationen. 1985 wurde Lem mit dem |Großen Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur| ausgezeichnet und 1987 mit dem |Literaturpreis der Alfred Jurzykowski Foundation|. Am bekanntesten wurde er für die literarische Vorlage für zwei Filme: „Solaris“, das 1961 veröffentlicht wurde.

Wichtige weitere Bücher Lems:

Eden, 1959
Summa technologiae, 1964
Der Unbesiegbare, 1964
Kyberiade; Robotermärchen, 1965
Sterntagebücher, 1959/1971
Der futurologische Kongress, 1971

Der Sprecher

Michael Schwarzmaier verzeichnet in seinem Wirken Engagements am Staatstheater Hannover, den Kammerspielen München. Unzählige Film- und Fernsehrollen unter Regisseuren wie August Everding, Peter Beauvais und anderen. Seine Spezialität ist das komödiantische Charakterschauspiel.

Der Regisseur

Regie führte Hans Eckardt. 1939 in Berlin geboren, studierte Germanistik und Sprachwissenschaft, wurde Buchhändler und Schauspieler. Vierzehn Jahre arbeitete er am Theater als Schauspieler, Regisseur und Chefdramaturg. Zahlreiche Lehrverpflichtungen an verschiedenen Hochschulen, auf Rezitationsveranstaltungen und bei Studioproduktionen schlossen sich an. 1982 übernahm Eckardt für zehn Jahre die Leitung der ältesten Hörbücherei in Deutschland, der Deutschen Blindenhörbücherei in Marburg a. d. Lahn. Lehre, Regie, eigene Rezitation und die Förderung von Sprechertalenten in seiner Eigenschaft als Verleger stehen nunmehr im Zentrum seiner Arbeit.

Die zwölf Märchen

I) Drei Elektritter

Es war einmal ein genialer Konstrukteur, der schuf nicht nur viele geniale Kleinodien an Maschinen, sondern auch ein ganzes Volk, die Kryoniden. Auf deren ruhmreiche Schätze hatten es aber etliche Raubritter abgesehen. Der erste davon war der Messinger, danach kamen der Eiserne und der Quarzer. Diese drei Elektritter abzuwehren, oblag den Feldmarschällen und Obersten der Kryoniden: Boreal, Albucid und Ohroaster. Doch den Quarzer abzuwehren, gelang nur dem Weisen Baryon, der eine raffinierte List einsetzte.

II) Die Uranohren

Ein wahrlich traurige Fabel! Einst war es dem großen Konstrukteur gelungen, zusammen mit seinem „Zauberlehrling“ Sonnen und Planeten zu erschaffen, darunter auch den Planeten Aktinurioa, auf dem das Reich der Palatiniden entstand, das von einem bösen Tyrannen namens Archithor beherrscht wurde.

Sonder Zahl waren die Aufstände und Rebellen, die versuchten, sein Joch abzuwerfen. Doch weil die einfachen Bewohner allesamt radioaktiv waren und, um das Zustandekommen einer kritischen Masse samt Kettenreaktion zu vermeiden, ihre Köpfe nicht zusammenstecken konnten, flog jede Vorbereitung eines Aufstands auf.

Der wichtigste Rebell war Pyron, doch den steckte Archithor in seinen tiefsten Kerker, wo er elendiglich verschmachten musste. Davon hörte endlich der Große Kosmogonische Konstrukteur und kam dem unterdrückten Volk zu Hilfe.

III) Erg Selbsterreg überwindet den Bleichling

König Schlagenot sammelt Kuriositäten und ist mächtig stolz auf sie. Ständig denkt er über Neuerwerbungen nach. Also ruft er den Elektrowisser Halazon herbei. Der schlägt ihm einen lebenden Antrobus aus dem Zwischensternreich vor, den er für ihn fangen wolle. Gesagt, getan! Der König lässt bereits einen Käfig errichten, in den alsbald der gefangene Antrobus gesteckt wird. Dieser Bleichling, der mit einer edlen Maschine keinerlei Ähnlichkeit aufweist, ist von ekelerregender Widerwärtigkeit.

Doch Prinzessin Elektrina, die ein klein wenig unterbelichtet ist, freundet sich mit ihm an, weil er gar so exotisch ist. Sie will von ihm einen Zahn haben, denn so etwas kennt sie nicht. Doch der Bleichling verlangt von ihr im Tausch ihren goldenen Schlüssel, mit dem sie jeden Morgen aufgezogen wird. Vertrauensselig überreicht sie ihm das lebenswichtige Werkzeug. Doch er betrügt sie, und nach Ablauf ihrer Feder fällt sie um.

Nun ist guter Rat teuer. Denn für den Schlüssel verlangt der Bleichling ein Raumschiff, das ihn zu seiner Heimat bringe. Das bekommt er, doch er nimmt den Schlüssel mit – zur Rache! Wer kann nun die schlafende Prinzessin erwecken? Der König, nicht faul, verkündet, derjenige Ritter, der ihm den Schlüssel beschafft oder den Bleichling, solle die Hand der Prinzessin erhalten und den Thron erben.

Viele Scharlatane folgen Schlagenots Ruf, doch nur einer, der quecksilbrige Erg Selbsterreg, vermag die holde Elektrina zu erwecken, auf geniale Weise.

IV) Die Schätze des Königs Biskalar

König Biskalar behauptet stolz, es gebe nichts mehr, dass er nicht schon besäße. Dieser Stolz fordert den Konstrukteur Kreazius heraus. Er lässt sich die Schatzliste geben und eine Prise Sand. Diesen verwandelt er in ein neuartiges Kleinod – und verwandelt es in Sand zurück. Der König ist darob sehr erbost und befielt Kreazius, ihm das Radium-Ei aus seiner tiefsten Schatzkammer zu bringen.

Doch Kreazius verfügt über ein Döschen winziger Assistenten, die ihm nicht nur helfen, zahllose Wächter, sondern auch die raffiniertesten und tödlichsten Schlösser zu überwinden. Wütend deportiert Biskalar den Konstrukteur auf einen Wüstenplaneten, auf dass er von dort zurückfinden möge. Erschreckt stellt Kreazius fest, dass ihm die königlichen Handlanger sein Döschen stibitzt haben. Was nun? Doch erst die dritte Aufgabe stellt Kreazius‘ Fähigkeiten auf eine harte Probe.

V) Zwei Ungeheuer

Es waren einmal drei Städte der Argenser, der Silbrigen. Sie wurden von der Dynastie der Energer beherrscht. Noch können sie die Invasion der Siderianer abwehren, doch Schlimmeres wird prophezeit: Dereinst würden zwei Ungeheuer die Argenser vernichten. König Inhiston lässt seine Vielwisser kommen und befielt Maßnahmen. Der Groß-Archidynamikus, der Groß-Kyberneur und der Groß-Abstraktor stecken die Köpfe zusammen.

Gegen das erste Ungeheuer, das den ganzen Planeten verwüstet, bauen die Weisen drei Ritter: den Kupfernen, einen Riesen; den Quickkopf, einen Vielgestaltigen; und etwas, das der Groß-Abstraktor verborgen hält. Und als dessen Zeit gekommen ist, da entpuppt er sich als Antimaterie. Doch weh und ach! Der Ungeheuer entstanden viele auf einem alten Schrottfriedhof, und der Untergang des Energerreiches war nahe.

Da entsann sich der König der prophetischen Inschrift auf seinem Zepter, zerbrach’s und las die leuchtende Schrift an der Wand. Hinter all dem steckte der schlimmste Feind der Maschinen: der Mensch. Da ward König Inhiston sehr traurig und bitter und befahl das Einzige, was zu tun übrig blieb.

VI) Der weiße Tod

Der Planet Aragena ist nicht von Städten bedeckt, sondern nach innen, in die Tiefe ausgebaut, wo es vor Edelsteinen und Spiegeln wimmelt. Solcherart versteckt sich das listige Volk der Enteralen vor seinen Feinden. König Metamerius aber besteht aus Milliarden von Gliedern, in deren erstem jeweils der Verstand wohnt. Er stammt von den Aurigonen ab, deren Erzfeinde von jeher die Weichen oder Bleichen gewesen sind. Seit Jahrtausenden wacht Metamerius und schützt sein Volk vor den Verfolgungen der Bleichen, und seine Raumgegend wird gemieden.

Doch eines Tages zerschellt ein Raumschiff vor einem Höhleneingang der Enteralen. Man zerrt das harmlos aussehende Schiff in eine Höhle und öffnet vorsichtig eine Hülle nach der anderen. Das letzte Türschloss muss mit einem Wort geöffnet werden. Eingedenk uralter Legenden erinnert sich Metamerius, dass es „Rache“ lautet.

Das Schiff ist tot und leer, auf dem Boden schwimmt nur eine rote Pfütze, daneben liegen Kleiderfetzen. Doch weh! „Das Rot ist des Weißen Todes Lebenselixier!“ Eilig befielt der umsichtige König die sofortige Zerstörung und Atomisierung des Schiffes. Zu spät! Eine Spore des Weißen Todes ist der Sterilisation entkommen. Die Katastrophe nimmt ihren Lauf …

VII) Wie Winzlieb und Gigelanz die Nebelflucht auslösten

Dieses Märchen liefert eine Erklärung für das, was vor dem Urknall passiert sein könnte. – Im vorigen Universum gab es nämlich zwei kosmogonische Konstrukteure, nicht bloß einen: Winzilieb und Gigelanz. Sie zerstritten sich, weil sie unterschiedlicher Meinung darüber waren, wie ein neues Denkinstrument zu konstruieren sei, mit dem sie die Geheimnisse der Materie erkunden könnten.

Um die Richtigkeit ihrer Meinung unter Beweis zu stellen, konstruieren sie jeweils einen Krieger für sich und schicken diese in einen Zweikampf. Gigelanz erschafft den Kosmobold, doch Winzlieb nur Kleinzeug: einen Rubin. Dieser Winzling verspottet den galaxiengroßen Kosmobold. Der aber sucht den Winzling und dreht sich dabei ständig um die eigene Achse, wodurch die in ihm enthaltenen Galaxien schon bald aus der Mitte nach außen fliehen. Es kommt zum Urknall. Doch darüber, wer den Disput für sich entschieden hat, streiten ihre Schöpfer noch heute.

VIII) Das Märchen von der Rechenmaschine, die gegen den Drachen kämpfte

König Poleander, der auf der Kyberei lebt, ist Kybernetiker und Krieger, so dass sein Reich vollkommen geschützt ist. Leider ermangelt es ihm an Gegnern. Daher lässt er künstliche Ziele erschaffen, um sie zu vernichten, auch wenn darob die Untertanen murren. Denn wo gehobelt wird, fallen bekanntlich Späne. Doch so mächtig auch der Gegner ist, stets gelingt es Poleander, ihn zu bezwingen. Schließlich geht er mit seinem Krieg netterweise auf den Mond. Dort konstruiert er eine tüchtige Rechenmaschine, die alles herstellen kann. Doch wegen eines Übermittlungsfehlers bei ihren neuen Befehlen erschafft sie nicht Elektrokrach, sondern einen Elektrodrach.

Schon bald fallen Felsen mit zerstörerischer Wirkung vom Mond auf die Kyberei. Nun ist guter Rat teuer. Der König, dessen Palast bombardiert wird, sucht den Rat einer uralten Strategie-Rechenmaschine, die er schon lange nicht mehr konsultiert hat. Das hätte er lieber bleiben lassen sollen, denn es bedeutet, den Teufel mit dem Beelzebub auszutreiben.

IX) Die Räte des Königs Hydrops

Die Wasserwelt Aquatia wird von König Hydrops regiert. Er hat beschlossen, einen Sohn als Erben und Nachfolger erschaffen zu lassen und fragt seine Räte, wie denn dieser Sohn optimal beschaffen sein soll, damit dieser Aquatias würdig sei. Die Räte sind Ammasid, Diopterich, Bricklerich und Philonaut. In der Kammer, in der sie bei ihrem Konklave eingesperrt sind, hebt nun eine Welle von Intrigen gegeneinander an. Denn jeder denkt nur an den eigenen Vorteil. Endlich kommt ein Kompromiss zustande und sie legen die Matrize für die Sohneserschaffung fest.

Der künftige Sohn wird nur kleine Dinge lieben. Um sich aber Liebkind zu machen, lassen sich die Räte verkleinern. Der Rat Diopterich nimmt dazu die Hilfe eines Kesselflickers namens Froton in Anspruch, der sich als Belohnung die Hand von Diopterichs Tochter Aurentina erbittet. Doch er empfängt nur Undank, und damit beginnen für ihn und Diopterich schwere Zeiten, wobei auch Frotons wissbegierige erste Frau eine Rolle spielt.

X) König Globares und die Weisen

Auf dem Planeten Eparis herrscht der allwissende König Globares. Er ist es müde, schon alles zu kennen und befiehlt seinen Weisen, ihm bei Strafe des Geköpftwerdens eine wundersame Geschichte zu erzählen. Köpfe rollen, als die beiden ersten Weisen kläglich versagen, den König zu amüsieren. Denn dieser ist sehr spitzfindig und hat immer Recht, selbst wenn er Unrecht hat.

Da tritt der dritte Weise auf und weigert sich rundweg. Der König verlangt, dass er ihn verspotte und lächerlich mache. Der Weise entgegnet, er werde beweisen, dass es etwas gebe, das absolut lächerlich sei und dennoch von niemand verspottet werde: der Kosmos. Und er werde zeigen, dass dieser Kosmos der Beweis sei, wie lächerlich der König sei. (Was ihm auch gelingt, allerdings nur über etliche Umwege.)

XI) Das Märchen vom König Murdas

Der junge König Murdas, der gerade den Thron bestiegen hat, ist ängstlich und obendrein ehrsüchtig. Er will sich den Beinamen „der Große“ erwerben. Er lässt alle Prophezeiungen, Omen und Orakel verbieten. Doch in einem alten Wachturm stößt er eines Tages auf eine winzige Pforte, hinter der ein alter Orakelkasten ihm eine Weissagung bereithält. Es ist ein sehr langes Gedicht, das ihn vor bösen Verwandten warnt und ihn zu deren Ermordung auffordert. Schon bald rollen die Köpfe aller seiner Verwandten.

Fast aller: Denn er träumt, ein Onkel namens Zenander sei seiner Verfolgung entgangen. Also lässt er eine riesige Statue von sich herstellen. Diese ist so groß, dass sie die ganze Hauptstadt umfasst und noch einiges Land darüber hinaus. Nun kann Murdas mit Recht sagen: „Der Staat bin ich.“ Doch er hat weiterhin Träume von einer königsfeindlichen Verschwörung. Er beschließt, einen Anti-Traum zu träumen. Es gelingt ihm nur unter Mühen. Kann man träumen, wach zu sein? Allmählich vermag Murdas kaum mehr zwischen Traum und Wachen zu unterscheiden, und ein wahrer Krieg der Träume entbrennt, es gibt sogar Träume n-ter Potenz.

Das kann nicht lange gut gehen, und so ist es dann auch.

XII) Zifferotikon

Der genaue Titel dieses Textes lautet: „Aus dem Werk ‚Zifferotikon‘, das ist: Von Irr- oder Abschweifferey, Versteiffung & Thorheit des Hertzens“.

Dies ist das Märchen vom Königssohn Ferrenz und der Prinzessin Kristalla. Ferrenz hat sich in sie verliebt, doch seine Verwirrung ist groß, als ihm sein Vater verrät, dass Kristalla komplett wahnsinnig sei: Sie wolle nur einen Bleichling zum Mann nehmen. Dabei sei doch die ekelerregende Evolution der Bleichlinge bekannt sowie ihre abstoßende Art, sich zu vermehren. Sie programmieren nicht einmal ihre Nachkommen! Leider ist es auch wahr, dass diese Wesen die Maschinen erschufen. Dank sei Urvater Genetophorius, der die Maschinen aus der Knechtschaft in die Freiheit führte!

Was ist zu tun? Ferrenz konsultiert den Weisen Polyphases. Er rät dem Prinzen, sich als Bleichling zu verkleiden und so Kristalla zu täuschen. Doch es ist nicht damit getan, den edlen Körper des Prinzen mit Klitsch und Schleim und Fransen zu bedecken, er muss auch noch Blasen voll Luft und Wasser versteckt transportieren. Ferrenz ist von sich selbst angeekelt. Doch Polyphases überzeugt ihn und gibt ihm noch ein paar richtige Antworten auf zu erwartende Fragen Kristallas auf den Weg. Ferrenz besteht auf seiner Begleitung.

In König Aurenzius‘ Hauptstadt bietet Polyphases, verkleidet als Kaufmann, den neuen Bleichling feil, was sofort die Mägde Kristallas der Prinzessin hinterbringen. Sie lässt Polyphases vorladen. Die Stunde der Wahrheit ist gekommen. Sie stellt den Bleichling, der sich selbst „Sabbermümmel“ nennt, auf die Probe. Ob er sie wohl besteht und ihr Mann wird? Lest selbst, ob seine Liebe groß genug ist!

Mein Eindruck

Stanislaw Lem hat sich in den hier versammelten „Robotermärchen“ mit drei Themenbereichen befasst.

I) Der unschuldigste und abstrakteste Bereich ist die Entstehung des Kosmos. Dafür bemüht er in seinen Märchen den Großen Kosmogonischen Konstrukteur – da Maschinen keine Vorstellung von abstrakten leiblichen Eltern haben, die sie Gott und Göttin nennen können, kommt ihnen die Vorstellung des Konstrukteurs – oder Programmierers – natürlich vor. Das ist wiederum ironisch, denn sie selbst sind keine Geschöpfe der Natur, noch verfügen sie über eine natürliche Evolution. Also muss ein Konstrukteur den Kosmos und alles, was sich darin feststellen lässt, erschaffen haben.

II) Dieser Mythos wird jedoch durch das zweite Thema als Fiktion und Wunschvorstellung der Robotergenerationen entlarvt. Hier geht es um die Auseinandersetzung mit den Erschaffern der Maschinen und Roboter, bis hin zu deren Exodus und ihrer Emanzipation. Dafür verfolgen ihre menschlichen Schöpfer sie offenbar bis zum Jüngsten Tage, denn wo immer Menschen Roboterwelten heimsuchen, spielt das Wort „Rache“ eine Rolle („Der weiße Tod“, „Zwei Ungeheuer“).

Selbst so harmlos scheinende Märchen wie „Erg Selbsterreg bezwingt den Bleichling“ und „Zifferotikon“ durchzieht die Linie der Konfrontation mit den Menschen auf einer existentiellen Ebene. Nicht nur, dass Menschen so widerwärtige Leiber besitzen, stößt die Roboter ab, sondern noch vielmehr die Boshaftigkeit der Menschen. Selbst in der „Schneewittchen“-Parodie „Erg Selbsterreg …“ ist der Bleichling das Inbild von Lug und Trug. (Das wäre jeder Mensch, den man gefangen genommen hat.) Und für diese Tat der Roboter, die ihn gefangen haben, sinnt er auf Rache.

III) Der dritte, umfangreiche Bereich, der den eigentlich Stoff der Märchen verarbeitet, greift die menschlichen, allzu menschlichen Eigenschaften der Roboter und ihrer diversen eigenartigen Welten und Herrscher auf. Könige mit unermesslichem Reichtum, größtem Wissen und Fürsorglichkeit stehen Tyrannen von arroganter Kühnheit, ängstlicher Paranoia oder schierer Gedankenlosigkeit gegenüber.

Ihre Weisen und Ritter erweisen sich in der Mehrzahl – dem Märchengesetz gehorchend – als in aller Regel unfähig oder Scharlatane. Es ist stets der Letzte der Weisen und Ritter, der obsiegt oder die Aufgabe erfolgreich bewältigt, möge sie noch so perfide gestellt worden sein. Eines der Märchen folgt beispielsweise dem Muster, das die Abenteuer des Herakles vorgegeben haben.

Die Boshaftigkeit des Tyrannen fällt in aller Regel auf ihn zurück. Denn wie heißt es so schön am Ende von „Erg Selbsterreg“? „Und der Schwindel kam nie ans Licht. Daraus seht ihr sogleich, dass ich kein Märchen erzählt habe, sondern die Wahrheit. Denn im Märchen siegt immer die Tugend.“ Man kann sich Lem gut mit einem Augenzwinkern vorstellen, wenn er dies schreibt. Denn fast alle seine Märchen lassen die Tugend siegen.

Der Märchenbrunnen

Der Brunnen, aus dem Lem seine Märchenmuster schöpft, sind in der Mehrzahl die bekannten Texte der Gebrüder Grimm und nicht etwa russische Märchen. So kommt etwa kein einziges Mal eine böse Hexe oder Zauberin vor, wie sie etwa die ukrainische Hexe Baba Yagá verkörpert (die sogar im Film verewigt wurde). Auch ein Überheld wie der „Starke Wanja“ fehlt, der als Einziger die Baba Yagá zu bezwingen vermag. Griechische Sagen standen häufig Pate: Die Abenteuer des Herakles und das Trojanische Pferd („Der weiße Tod“) lieferten Stilvorlagen für Lems Kyberiaden.

Vielmehr sind es oftmals Heroen des Geistes, die den Sieg davontragen: Weise, Konstrukteure und dergleichen. Besonders lächerliche Geistesheroen sind jedoch die Konstrukteure Trurl und Klapauzius, die leider in dieser Sammlung fehlen. Diese beiden erfinden sogar einen „Dämon zweiter Ordnung, um Mäuler den Mäuler zu besiegen“. Lem ist der Dünkel der Erfinder nicht unbekannt. Er hat ihn schon in den „Sterntagebüchern“ durch den Kakao gezogen.

Die Räte hingegen sind Opfer persönlicher und fremder Machtinteressen – Inbegriff oder Karikatur von Politikern (vgl. „Die Räte des Königs Hydrops“). Am schlechtesten kommen eigentlichen Prinzessinnen weg: Die arme Elektrina in „Erg Selberreg“ ist leider naiv und ahnungslos, als sie dem durchtriebenen Bleichling ihren goldenen Aufziehschlüssel aushändigt. Und Kristalla in „Zifferotikon“ ist sogar so verblendet, dass sie nur einen Bleichling heiraten will. Kein Wunder, dass sie für wahnsinnig gehalten wird. Ob sie wohl geheilt werden kann? Leset selbst!

Sprachkunstwerke

Das Wichtigste an den „Robotermärchen“ ist jedoch die Sprache. Mit ihrem Einfallsreichtum, ihrer Variationsbreite und der Treffsicherheit der Parodie, an Wortwitz und unwahrscheinlichen Gedankenfiguren suchen sie bis heute ihresgleichen. Diese raffiniert ausgesponnenen Lügenmärchen à la Münchhausen vom Kuriosen bis zum Wunderbaren und Traurigen sind eine Lust zu lesen. Es ist den beiden Übersetzern I. Zimmermann-Göllheim und Caesar Rymarowicz zu verdanken, dass sie den Sprachreichtum des Originals in ein angemessenes Deutsch übertragen haben, das uns doch selbst an alte Buchausgaben von Grimm’schen Märchen gemahnt.

Denn mögen auch die Ideen der einzelnen Texte auf Wissenschaft und Psychologie, Politik und Biologie zurückverweisen, so bleibt doch das Fundament, auf dem sie stehen, die Sprache. Wäre das nicht so, so könnten dies keine Märchen mehr sein, sondern man würde sie als trockene Traktate und Pamphlete betrachten, die nur von kurzem Reiz wären. Das Kleid des Märchens verleiht ihnen überzeitliche Dauer und Aussagekraft. Außerdem sind sie fast überall, wo man Märchen liest, zu verstehen – in Zeiten der Globalisierung sicherlich kein Nachteil.

Der Sprecher

Der dritte wichtige Beiträger zur Wirkung dieser herrlichen Texte ist der Sprecher. Michael Schwarzmaier hat die Seele der Märchen erfasst, trägt sie absolut ernst und überzeugend vor, um so die Stoßrichtung der Aussage jedes Textes klarzumachen, bis die Aussage ihre Pointe gefunden hat. Dabei hat der Hörer den Eindruck, als ob Schwarzmaier nicht zum ersten Mal Märchen und Fantasien vortrage. Das ist zutreffend: Er hat auch schon „Ijon Tichys Erinnerungen“ aus Lems „Sterntägebüchern“ vorgetragen, und zwar mit ebenso viel Verve und Einfühlungsvermögen für das Tempo und die Intonation von Sätzen. In einem Märchen steigert er das Tempo bis zum Gehtnichtmehr. Normalerweise würde dies grotesk erscheinen, doch der Text ermuntert dazu: Es ist der dramatische Höhepunkt von „König Murdas“, als sich der Vortrag im |prestissimo| seinem Finale nähert. Herrlich.

Unterm Strich

Die „Robotermärchen“ sind eine Reihe von Parodien, in denen der Autor weder Zukunftsprobleme noch aktuelles Geschehen der Entstehungszeit (1964/65) aufgreift, sondern vielmehr überzeitlich gültige Themen wie: Ursprung und Entstehung des Kosmos, allzu menschliche Fehler und Schwächen von Herrschern, auf Roboterkulturen übertragen und das künftige Verhältnis von Mensch und – unabhängig gewordener – Maschine, Schöpfer und Schöpfung (vgl. „Frankenstein“).

Dabei rührt das Vergnügen am Lesen der Texte nicht mal so sehr von den konventionellen Erzählmustern oder den mitunter ungewöhnlichen Ideen her, sondern vor allem von der herrlichen Sprache, die wir auch in der Übersetzung genießen dürfen. Der Sprecher Michael Schwarzmaier ist in der Lage gewesen, dieses sinnliche Vergnügen weiterzugeben – mit einem lebendigen Vortrag, der es auch an Sensibilität für Sätze und einzelne Wörter nicht mangeln lässt.

Ich habe das gesprochene Wort mit dem gedruckten in der |Suhrkamp|-Ausgabe von 1978 verglichen und konnte keine Fehler von Bedeutung feststellen. Und ich kann euch sagen, dass es in einem Lem-Text immer ein paar schwere Brocken gibt: Groß-Kyberneur, Abstraktor, Kosmogoniker – das sind noch die leichtesten.

Mein Fazit lautet daher, dass dieses Hörbuch ein lohnender Kauf ist, sofern man auch nur ein winziges Bisschen für Märchen übrig hat. Dass der Preis ein wenig höher ist als etwa bei |Lübbe|-Hörbüchern, liegt vermutlich an der niedrigen Auflage, die der Verlag produzieren konnte. An der Ausstattung lag es wohl nicht, denn die ist recht bescheiden ausgefallen: Es gibt weder Musik noch Geräusche, und auch ein Booklet sucht man im Faltkarton vergeblich.

Wer kann, sollte sich die zusätzlichen Texte in der Buchausgabe sichern, die im Hörbuch weggelassen wurden. Das Buch trägt den Titel „Kyberiade“.

John Sinclair – Shao (Teil 2 von 2, Folge 141)

Die Handlung:

Noch immer war mein bester Freund und Partner Suko in Shimadas Höllenschloss gefangen. Würde es mir gelingen, ihn aus den Fängen des Ninja-Dämons zu befreien? Und wie sollte ich ihm erklären, dass Shimada sich in seiner Abwesenheit bereits das nächste Opfer geholt hatte? Es war – Sukos Freundin Shao! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, dieser zweite Teile der aktuellen Dilogie ist nicht nur aufgrund der Handlung interessant. Die Inhalte der Folge 140 stammten aus Heft 364, das im Juni 1985 erschienen ist und gar kein Teil eines Mehrteilers war. Dieser zweite Hörspielteil lehnt sich laut Verlagsinfo an die Inhalte aus gleich drei Romanheften an. Heft 450 („Sukos Totenfeier“ vom 16.02.1987), 451 („Drei Gräber bis Soho“ vom 23.02.1987) und 456 („Shao – Phantom aus dem Jenseits“ vom 30.03.1987). Wir machen also einen Zeitsprung von zwei Jahren zwischen den Teilen, interessant.

John Sinclair – Shao (Teil 2 von 2, Folge 141) weiterlesen

Die drei ??? Kids – Schrottplatz in Gefahr (Folge 78)

Die Handlung:

Der Schrottplatz brennt! Ausgerechnet vor der großen Jubiläumsfeier. Die drei ??? Kids sind sich sicher: das kann kein Zufall sein. Die Spuren führen Justus, Peter und Bob weit zurück in die Vergangenheit … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wow, 20 Jahre gibts die Drei ??? Kids schon? Kommt mir gar nicht so lange vor. Vielleicht, weil ich mich seit genau dieser Zeit nicht mehr nur auf die neuen Abenteuer der Drei ??? freuen kann, sondern weil auch die Junior-Variante absolut vergleichbaren Lese- und Hörspaß bietet.

Die drei ??? Kids – Schrottplatz in Gefahr (Folge 78) weiterlesen

Die drei ??? – Die falschen Detektive (Folge 207)

Die Handlung:

Die Drei ??? sind fassungslos: Sie haben Doppelgänger! Drei Jungen, die sie noch nie gesehen haben, geben sich als „Die drei ???“ aus. Justus, Peter und Bob heftensich an die Fersen der falschen Detektive und beginnen ihre Ermittlungen. Wieso haben die Unbekannten ihre Identität angenommen? Und können Justus, Peter und Bob ihnen das Handwerk legen? (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Merkwürdig gehts los … in einem Baumarkt. Nicht, dass Bob jemand den letzten Metalldetektor vor der Nase wegkauft ist das Besondere, sondern der Junge selbst. Der nennt sich nämlich nicht nur wie der dritte Detektiv, der behauptet auch, er würde den gleichen Nachnamen tragen und bei den ??? dabei sein. Wie jetzt? Den würden wir uns doch gern greifen und zur Rede stellen … tja, Bob auch … nur, der andere Bob entkommt (ach was!) und wir haben direkt unseren Fall der doppelten Detektive. Wobei, Singular … bislang ists ja nur einer.

Die drei ??? – Die falschen Detektive (Folge 207) weiterlesen

Die drei !!! – Nacht der Wölfe (Folge 69)

Die Handlung:

Ein Wolf wird im Wald nahe der Stadt gesichtet! Franzi ist total begeistert über die Rückkehr der Wölfe. Doch die Tiere sorgen für verhärtete Fronten zwischen Tierschützern und besorgten Anwohnern, die die Wölfe für einige Vorfälle verantwortlich machen. Aber haben sie wirklich etwas mit dem Verschwinden von zwei Jungs aus dem Waldkindergarten zu tun? Kim,Franzi und Marie machen sich im Wald auf die Suche nach den beiden. Und stehen dort dem Wolf plötzlich selbst gegenüber. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

„Der Problemwolf“ … ja, das Thema ist bei uns in der Lokalpresse im Sommerloch auch fast jeden Tag auf der Titelseite (neben Corona). Hier gehts allerdings um gerissene Schafe und nicht um verschwundene Kinder.

Die drei !!! – Nacht der Wölfe (Folge 69) weiterlesen

H. P. Lovecraft – Das gemiedene Haus (Gruselkabinett Folge 162)


Geisterjäger gegen das Unheil im Keller

Providence, 1919: Was ist dran an den unheimlichen Gerüchten um das Haus der Familie Harris, das nach unzähligen Todesfällen, die es dort gab, nun nicht mehr bewohnt wird? Dr. Elihu Whipple und sein Neffe Howard wollen dem Rätsel auf die Spur kommen und beschließen, eine Nacht im Keller des Gebäudes zu verbringen, um das vermeintliche Böse auszurotten. Ihr Gegner erwartet sie dort bereits… … (Verlagsinfo)

Der Verlag empfiehlt das Hörbuch ab 14 Jahren.
H. P. Lovecraft – Das gemiedene Haus (Gruselkabinett Folge 162) weiterlesen

John Grisham – Das Manuskript

Die Handlung:

Hurrikan Leo steuert mit vernichtender Gewalt auf Camino Island zu. Die Insel wird evakuiert, doch der Buchhändler Bruce Cable bleibt trotz der Gefahr vor Ort. Leos Folgen sind verheerend: Mehr als zehn Menschen sterben. Eines der Opfer ist Nelson Kerr, ein Thrillerautor und Freund von Bruce. Aber stammen Nelsons tödliche Kopfverletzungen wirklich vom Sturm? In Bruce keimt der Verdacht, dass die zwielichtigen Figuren in Nelsons neuem Roman realer sind, als er bisher annahm. Er beginnt zu ermitteln und entdeckt etwas, was weit grausamer ist als Nelsons Geschichten. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Nach drei Jahren (Echtzeit-)Pause sind wir wieder zurück auf Camino Island. Das letzte Mal gings noch um einen raffinierten Diebstahl, diesmal um Mord … mutmaßlich. Ob das wohl wieder so eine entspannt-spannende Strandlektüre wird, wie der erste Inseltrip?

John Grisham – Das Manuskript weiterlesen

Donna Leon – Sanft entschlafen (Lesung)

Finstere Machenschaften „heiliger“ Männer

Commissario Brunettis sechster Fall. Er hat gerade nicht viel zu tun, denn Venedig erwacht erst allmählich aus seinem Winterschlaf. Doch da beginnen die Machenschaften der Kirche sein Berufs- und Privatleben zu überschatten: Suor Immacolata, die schöne Sizilianerin und aufopfernde Altenpflegerin von Brunettis Mutter, ist nach dem unerwarteten Tod von fünf Patienten aus ihrem Orden ausgetreten. Sie hegt einen schrecklichen Verdacht, denn die Verblichenen haben zuvor ihr gesamtes Vermögen der Kirche vermacht. Wird Brunettis Mutter das nächste Opfer sein? Brunetti stößt auf einen zwielichtigen Geheimorden.

Die Autorin

Donna Leon, geboren 1942 in New Jersey, ging mit 23 Jahren nach Italien, um in Perugia und Siena zu studieren (wunderschöne Städte!). Sie arbeitete im Anschluss daran als Reisebegleiterin in Rom, als Werbetexterin in London und als Lehrerin an amerikanischen Schulen in Europa und Asien. Gegenwärtig lehrt sie laut Verlagsinfo englische und amerikanische Literatur an einer Uni in der Nähe von Venedig, wo sie seit 1981 lebt. Ihre Krimis mit Commissario Brunetti sind weltweit Bestseller. Sie werden in Deutschland exklusiv vom ZDF verfilmt, u. a. mit Joachim Król in der Titelrolle („Nobiltà“).

Der Sprecher

Christoph Lindert, 1938-2005, ist laut Verlag „einer der renommiertesten Hörbuchsprecher“. Nach seiner Ausbildung an der Otto-Falckenberg-Schauspielschule in München arbeitete er an verschiedenen Bühnen: Münchner Kammerspiele, Ateliertheater Bern, Theater am Dom in Köln. Er ist freier Film- und TV-Schauspieler und regelmäßig als Sprecher im Rundfunk zu hören. Zudem liest er leidenschaftlich gerne vor Publikum. (abgewandelte Verlagsinfo)

Lindert liest die ungekürzte Textfassung. Die Aufnahmeleitung hatte Guido Heidrich, die Technik steuerte Volker Gerth.

Handlung

Vicequestore Patta ist in Urlaub und Guido Brunetti vertritt ihn. Zunächst gibt’s nicht viel zu tun, doch der Besuch einer Ex-Nonne ändert dies. „Schwester Immacolata“ kommt ihm bekannt vor, aber da sie in Zivilkleidung auftritt, kann er sie nicht zuordnen. Als sie ihm auf die Sprünge hilft, fällt es ihm ein: Sie ist bzw. war eine der Pflegerinnen in dem Venediger Altenheim, in dem sich seine Mutter aufhält, in der Casa di Cura. Aber wieso ist sie aus ihrem Schwesternorden ausgetreten?

Maria Testa, wie sie mit bürgerlichem Namen heißt, berichtet, dass sie im Pflegeheim San Leonardo im vergangenen Jahr auf eine seltsame Häufung von Todesfällen gestoßen sei. Dabei waren die Patienten alle kerngesund, bevor sie starben. Sie alle vermachten ihr Vermögen dem Orden vom heiligen Sakrament, der das Pflegeheim betreibt. Als sie ihren Verdacht, man könnte beim Sterben etwas nachgeholfen haben, gegenüber dem Ordensvorsteher und der Mutter Oberin äußert – sie weiß wenig von der Welt –, wird sie bestraft, dann geht sie heimlich und unerlaubt von selbst. Maria übergibt Brunetti eine Liste der fünf Gestorbenen – es handelt sich um Angehörige der besseren Kreise Venedigs und des Umlandes.

Plötzlich macht sich Brunetti einige Sorgen um seine Mutter. Doch wie soll er Maria Testas Verdacht nachgehen? Er sagt sich: cui bono – wem nützt das? Folge der Spur des Geldes! Seine Sekretärin, die diskrete Signorina Elettra, hat den Zugangscode für den Standesamtcomputer und kommt an Kopien der fraglichen Testamente ebenso leicht heran wie an die Adressdaten. Brunetti will lieber nicht wissen, ob sie in jeden Rechner der öffentlichen Dienste hineinkommt. Nach dem Mittagessen, das Paola Brunetti so üppig und schmackhaft wie stets zubereitet und serviert, liegen die ersten Daten bereit.

Zusammen mit seinem Kollegen Sgt. Vianello besucht Brunetti die Angehörigen der drei venezianischen Erblasser. Lodovico da Pre ist der zwergwüchsige und bucklige Bruder einer der Verstorbenen, ein geldgieriger Sammler von Schnupftabaksdosen. Er prozessiert mit den Nonnen von Casa di Cura um nicht weniger als 100 Millionen Lire. „Aber sie werden sie nicht kriegen!“, triumphiert er etwas voreilig. Nummer 2 auf der Liste ist die ebenso fette wie übel riechende und arrogante Contessa Claudia Crivoni, die stets sehr auf die öffentliche Moral bedacht ist und den Verkauf von Kondomen in Apotheken verbieten lassen will. Sie weiß nichts davon, dass ihr Gatte jemand anderem Geld vermacht habe. Brunetti heuchelt immense Erleichterung und entfernt sich schleunigst aus dem Dunstkreis dieses Weibes.

Nr. 3 ist die frömmelnde Signorina Benedetta Lerini, die ein ganzes Zimmer voller silbergerahmter Autogramme von Papst, Kardinalen, Bischöfen und Nonnen hat, dass es Brunetti an das Zimmer eines Teenagers gemahnt, der Poster seiner Stars an die Wände pinnt. Sie ist offenbar ein großer Fan der Kirche. Auch Lerini will den Nonnen des Ordens, die ihren Vater pflegten, angeblich nichts vermacht haben. Das stellt sich als Lüge heraus, als Brunetti seine Schwiegermutter besucht. Gräfin Donnatella Falia erzählt ihm den neuesten Klatsch über die Lerini und die Crivoni, wobei sie sich köstlich amüsiert. Möglicherweise gehöre die Crivoni einer fundamentalistischen Bewegung der katholischen Kirche an, da sie beispielsweise Messen in Latein propagiert, nicht in profanem Italienisch. Die Contessa trifft den Nagel mit dieser Vermutung beinahe auf den Kopf.

Schon will Brunetti die Ermittlungen ergebnislos einstellen, zumal ja auch Patta zurückgekehrt ist, da gibt er Maria Testa noch eine letzte Chance. Er besucht ihren Beichtvater und Prior, Pater Pio Cavaletti. Dieser freundliche und würdevolle Mann stellt sich als großer Fan von Flieder heraus. Sogar aus Minne-sotà, so der Gärtner, lasse er Fliedersorten beschaffen. Maria Testas Verdacht gegen ihn tut der fromme Mann mit großem Bedauern über die Einbildungskraft der Jugend als Selbsttäuschung ab.

„Tja, das war’s dann wohl, Suor Immacolata“, sagt sich Brunetti. Da ereilt ihn die Kunde, dass Maria auf dem Lido von einem Auto angefahren wurde. Während der Fahrer sich aus dem Staub machte, landete die radelnde Maria im Graben, mit Rippenbrüchen, einer ausgerenkten Schulter, aber vor allem mit einer Schädelverletzung. Sie liegt seitdem im Koma. Das war bestimmt kein Versehen, sagt er zu Vianello. Das war ein Mordversuch. Könnte die junge Ex-Nonne am Ende doch mit ihrem Verdacht Recht haben? Dann befindet sich auch Brunetti in Gefahr.

Mein Eindruck

Das Buch ist anno 2006 zwar schon fast neun Jahre alt, doch das Eisen, das die Autorin anfasst, ist immer noch heiß. Der geheime Orden von katholischen Fundamentalisten wird hier zwar Opera Pia (fromme Werke) genannt, doch für jeden informierten Leser ist klar, dass es sich um eine Organisation handelt, die viel Ähnlichkeit mit Opus Dei hat. Diese Organisation ist direkt dem Papst unterstellt und hat sich einen üblen Leumund eingehandelt, unter anderem durch die Nachrichten, die über ihre strenge Behandlung ihrer Mitglieder an die Öffentlichkeit gedrungen sind.

Im Roman zieht Opera Pia alle Löhne seiner Mitglieder ein, zahlt aber keine Steuern. Obendrein werden Unverheiratete und Frauen benachteiligt, und Sex wird generell missbilligt. Brunetti findet es erstaunlich, dass gegen eine so repressive Organisation keine Prozesse geführt werden. Aber die entsprechenden Artikeln in den Zeitungen, die er sich in der Stadtbibliothek bringen lässt, sind sowieso alle von Unbekannten herausgeschnitten worden. Kein Wunder, dass man über Opera Pia hauptsächlich nur Gerüchte weiß.

Ehrenmänner wie Dottore Messini, der allein in Venedig fünf Pflegeheime des Geheimordens alias des Ordens vom heiligen Sakrament betreibt, bieten den Machenschaften das Deckmäntelchen ehrenwerter und vor allem legaler Tätigkeit. Dabei läuft es auf die Ausbeutung wehrloser Arbeitskräfte hinaus, denn es gibt selbstverständlich keinerlei Gewerkschaft in den Pflegeheimen. Die Arbeiterinnen halten sich zudem illegal im Land auf, getarnt als Touristen und Studenten. Dass auch noch die Patienten geschröpft werden, will Dr. Messini aber nicht zugeben. Und Pater Pio erst recht nicht.

Aber was hat dies alles mit Maria Testa zu tun? Nun, sie ist natürlich der Verräter, der „whistleblower“, der die Machenschaften aufdeckt und schleunigst zum Schweigen gebracht werden muss. Alles ist ruhig, solange Maria im Koma liegt, weiß Brunetti. Um die Ratten aus ihren Löchern zu locken, braucht er daher nur die Meldung verbreiten, dass Maria aufgewacht sei und es ihr besser gehe. Er findet es sehr interessant, dass seine Meldung von der Zeitung wider Erwarten nicht abgedruckt wird, dafür funktionieren aber die Buschtrommeln, die er eingesetzt hat, umso besser. Er hat Pater Pio, die Mutter Oberin und Messini persönlich angerufen, einfach um sicherzugehen.

In die Falle, die er, mit der bewusstlosen Maria als Köder, aufgestellt hat, tappt denn auch prompt ein Attentäter, der sich als Krankenschwester verkleidet hat und statt einer Tablette ein langes Messer mitbringt. In dem nachfolgenden Kampf wird der Wache haltende Brunetti verletzt, doch der Attentäter erweist sich als fanatisiert und paranoid – das ideale Werkzeug für einen Geheimorden. Ich verrate nicht, ob der Attentäter männlich oder weiblich ist.

Diesen schönen Erfolg aber hat sich Brunetti gegen seinen eigenen Vorgesetzten erkämpfen müssen. Offenbar hört Vicequestore Patta lieber blindlings auf die Einflüsterungen und Klagen von Kirchenmenschen wie Pater Pio als seinem Kriminalisteninstinkt zu folgen – falls er denn einen solchen hat. Denn Patta ist mehr mit Politik beschäftigt als mit Ermittlungen und bereit, jeden Preis für sein Prestige zu zahlen. Er zieht die Bewachung von Maria Testa ab und gibt sie schutzlos jedem Angriff preis. Brunettis Einwand wischt er weg. Doch Brunetti weiß, dass Patta wenigstens nicht über die Freizeit von Polizisten verfügen kann und bittet seine Kollegen, ihre Freizeit zu opfern, um das Leben der komatösen Ex-Nonne zu schützen.

Man fragt sich natürlich, aus welchem Grund sich ein Kommissar für eine junge Frau von 27 Jahren einsetzen sollte, die gar nicht ansprechbar ist und obendrein von ihren Vorgesetzten schlecht beurteilt wird (unterliegt einer Selbsttäuschung, aufsässig, immer noch den Regeln des Ordens unterworfen usw.). Und da an ihren Vorwürfen zunächst nichts dran zu sein scheint, will Brunetti den Fall einstellen. So muss er sich nicht gegenüber Patta wegen Zeitverschwendung rechtfertigen.

Doch drei Ereignisse ändern seinen Sinn: der als Unfall getarnte Mordversuch an Maria Testa, der ebenso als Unfall getarnte Mord an einem der drei besuchten Erben und schließlich das, was seine eigene Tochter Chiara in der Schule erlebt. Der Teenager ist sehr aufgeweckt und hat von seinen Eltern, die beide Atheisten sind, logisches Denken beigebracht bekommen. Folglich hat Chiara bei ihrem Religionslehrer, dem Pfarrer Don Luciano, gleich Anstoß erregt und ein gepfeffertes „Ungenügend“ ins Zeugnis geschrieben bekommen – ein Zeugnis, das bis auf diesen Schandfleck hervorragend ausgefallen ist.

Doch Don Luciano ist nicht nur dogmatisch, sondern legt auch ein ungebührliches und ungesundes Interesse an den sexuellen Untaten seiner Schülerinnen – und nur an diesen – an den Tag. Er nimmt den Mädchen die Beichte ab, doch statt ihnen zu vergeben, lässt er sich jedes Detail haarklein schildern, als ob er sich daran aufgeile. Was Chiara erzählt, lässt einen finsteren Verdacht in ihren Eltern aufsteigen. Als eine Mutter bei Paola Brunetti, die ja ebenfalls Lehrerin ist, anruft und erzählt, Don Luciano habe sich an ihrer Tochter Nicoletta womöglich vergangen, reicht es. Paola schwört, sie werde diesem Schmutzfink das Handwerk legen und ihn, so wörtlich, „vernichten“. Dass sie es mit der Hilfe ihres Vaters kann, zeigt der Schluss des Buches (siehe unten).

Hier greift die Autorin eine Reihe von Meldungen auf, denen zufolge sich katholische Priester an ihren Schützlingen vergangen haben, beispielsweise in Österreich. Nicht nur repressive Sexualmoral, sondern auch latente Homosexualität werden dafür verantwortlich gemacht. Und als Brunetti die Akte von Don Luciano durch Signorina Elettras Kanäle beschaffen lässt, erweist sich dieser Verdacht als berechtigt: Dessen Lebensweg ist eine Reihe von Versetzungen und einmal sogar ein Aufenthalt in einer Besserungsanstalt. Dass Luciano Benedetto indirekt auch ein Menschenleben auf dem Gewissen hat, ahnt er zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Unterbewusst identifiziert er Chiara mit der jungen Maria Testa, die als 15-Jährige in den Orden eintrat. Er hofft unbewusst, dass, wenn er Marias Leben rettet, auch seine Tochter vor Schaden bewahren kann. Eine Haltung, die man von einem guten Vater erwartet.

Die Autorin ruft zu einem kritischeren Umgang mit kirchlichen Organisationen auf, nicht nur mit der katholischen Kirche, sondern auch mit deren angegliederten Orden. Das ist aber anno 1997 auch höchste Zeit gewesen, denn die Problematik um die Einstellung von Schwangerschaftsberatung bzgl. Abtreibung befand sich damals und heute immer noch in der Diskussion. Schließlich wurde die Abtreibungsberatung von höchster Stelle, dem Papst, verboten. Dies alles ist in der Presse nachzulesen.

Der Sprecher

Lindert stellt in dieser schönen Lesung sein bemerkenswertes Einfühlungsvermögen unter Beweis. Er charakterisiert jede Figur genau und unterscheidbar, ganz besonders aber die unangenehmen Typen, mit denen es Brunetti und sein Kollege Vianello zu tun bekommen. In der heuchlerischen Art und Weise, wie diese Begegnungen sich entwickeln, damit der Kommissar Zugang zu Person und Informationen findet, hat die Autorin Meisterstücke ironischer Charakterisierung geschrieben. Und mit Gusto macht sich Lindert daran, die grotesken Aspekte dieser Begegnungen herauszuarbeiten. Das ist zuweilen großartige Unterhaltung.

Ebenso große Lust bereitet es ihm zu schildern, welche Freude es Brunettis Frau Paola und seiner Schwiegermutter Contessa Donatella Falia bereitet, mit ihm Klatschgeschichten auszutauschen, dabei aber geflissentlich und diskret zu verbergen, woher sie selbst diese Informationen beziehen. Das trifft auch auf Brunettis Sekretärin Elettra zu, die das Passwort zum Computer des Standesamtes besitzt, aber keinesfalls sagen will, wie sie daran gekommen ist. Offenbar haben venezianische Frauen ebenso ihr Informationsnetzwerk wie die Polizei.

Einen der Höhepunkte von Linderts Vortragskunst bildet der letzte Dialog des Buches. Ohne sich vorzustellen, über gibt Brunetti dem Religionslehrer seiner Tochter, dem Pater Don Luciano, sein Versetzungsschreiben, das direkt vom Patriarchen Venedigs kommt. Aber nicht eine weitere Pfarrei ist sein Bestimmungsort, sondern eine einsame Gefängnisinsel für Schwerverbrecher. Zunächst reagiert Luciano mit Unverständnis, dann mit Protest, bevor er zu Jammern und Wüten übergeht. Doch anders als Signora Lerini geht Luciano nicht auf Brunetti los, der die ganze Zeit – etwa eine Viertelstunde – mit aller Macht an sich hält. Schließlich hat er es mit einem Mann zu tun, der kleine Mädchen missbraucht hat, von denen sich eines umbrachte, weil ihm niemand glauben wollte, was sie über Luciano erzählte. Die Versetzung ist das Werk von Brunettis Schwiegervater. Der Graf hat einen erstaunlich langen Arm, findet Brunetti.

Unterm Strich

Der sechste Fall führt Commissario Brunetti in das religiöse Unterholz der italienischen Gesellschaft, die sich anno 1997 sich noch stärker als heute zur Herrschaft und den Lehren der katholischen Kirche bekannte. Und seitdem der Papst zum Popstar geworden ist, dürfte der Einfluss des Vatikans eher zu- als abgenommen haben. Dabei haben seine Botschaften sich nur selten permissiv mit den Problemen der Frauen – Schwangerschaft, Verhütung, Abtreibung und vor allem Aids – auseinander gesetzt, sondern sind stets reaktionär geblieben.

Was Brunetti in der Lagunenstadt an Machenschaften vorfindet, wird der deutsche Leser nicht ohne weiteres auf seine heimatlichen Verhätlnisse übertragen können. Dennoch bleibt Brunettis Fall sehr interessant. Und unterhaltsam und spannend ist er allemal. Zwar ist Brunetti beileibe kein Wallander oder van Veeteren, aber das macht ihn uns so sympathisch. Er ist ein guter Vater, Gatte und Polizeibeamter, auch wenn er seine Fehler hat. Die zählt er sogar selbst auf.

Am Schluss, wenn es hart auf hart kommt, wird er selbst zum Opfer – und wieder sieht es wie ein Unfall aus. Wir können amüsiert darüber schmunzeln, wenn er phantasiert, wie schön es doch wäre, wenn er die vier Stockwerke in sein Büro nicht hochsteigen müsste, sondern einfach emporfliegen könnte. Dass seine Phantastereien einen ernsten Grund haben, kapieren weder Patta noch Elttra, sondern lediglich der Kollege Vianello. Da bleibt dem Leser bzw. Hörer das Lachen im Halse stecken. Aber die Szene zeigt, wie virtuos die Autorin es versteht, mit den Gefühlen ihres Publikums zu spielen.

Eine ungekürzte Lesung wie diese ist ein hartes und langes Stück Arbeit. Normalerweise. Nicht so bei Linderts Vortrag. Da wird Arbeit zum Vergnügen. Zum Vergnügen, einer Stimme zu lauschen, die die Figuren und die Stimmung der jeweiligen Umgebung zum Leben erweckt. Und dieses Vergnügen des Hörens spiegelt sich in Linderts Vergnügen, ja, seiner Lust daran, dies mit seinem Sprechorgan zu Wege zu bringen. Es ist, als betrachte er es als sein Privileg, einen so schönen und spannenden Text vortragen zu dürfen. Diese Freude hört man ihm an. Daher ist es ein doppelter Verlust, dass er im Jahr 2005 für immer verstummt ist.

Originaltitel: Quietly in their sleep, 1997
Aus dem US-Englischen übersetzt von Monika Elwenspoek
497 Minuten auf 7 CDs

http://www.sprechendebuecher.de/

Perry Rhodan NEO – Arkon erwacht (Folgen 220-229)

Worum gehts in der Staffel?

Seit Perry Rhodan im Jahr 2036 auf dem Mond die Arkoniden Thora und Crest getroffen hat, verbindet die Menschen und das Imperium eine wechselvolle Geschichte. Ende Dezember 2089 bricht eine neue Epoche an: Im Imperium nehmen die Machtkämpfe zu, ein offener Bürgerkrieg droht.
Perry Rhodan bricht mit der MAGELLAN, seinem Raumschiff, nach Arkon auf. Doch seine Mission, den Frieden zu stiften, führt ihn hinein in Intrigen und Kämpfe. Die Menschen müssen feststellen: Eine Gefahr aus ferner Vergangenheit ist erwacht – und die Zukunft des Großen Imperiums steht auf dem Spiel … (Verlagsinfo)

NEO 220 – Imperium am Abgrund (Oliver Plaschka)

Gut fünfzig Jahre nachdem Perry Rhodan auf Außerirdische getroffen und die Menschheit zu den Sternen aufgebrochen ist, haben sich terranische Siedlungen auf verschiedenen Welten entwickelt. Die Solare Union bildet die Basis zu einem Sternenreich der Menschheit.

Perry Rhodan NEO – Arkon erwacht (Folgen 220-229) weiterlesen

Perry Rhodan – Die Altmutanten (Silber Edition 65)

Die Handlung:

Man nennt sie die Altmutanten: acht menschliche Bewusstseine, die ein tragisches Schicksal verbindet. Über Jahrhunderte hinweg kämpften sie an der Seite Perry Rhodans für Terra, bis sie der sogenannten Second-Genesis-Krise zum Opfer fielen. Doch nur ihre Körper starben, während ihre Bewusstseine im Hyperraum weiterlebten. Das seltsame PEW-Metall erwies sich als ihre einzige Chance, wieder in den Normalraum zurückzukommen. Jetzt ist ihr einziges Ziel das „wirkliche Leben“ – und dafür ist ihnen jedes Mittel recht. Sie bringen den Supermutanten Ribald Corello und Alaska Saedelaere, den Mann mit dem Cappin-Fragment, in ihre Gewalt. Die beiden Verbündeten wider Willen erschaffen in einer uralten Geheimstation der Lemurer, tief unter dem Pazifischen Ozean, acht künstliche Körper.In diesen übereilt gezüchteten Hüllen wollen die Altmutanten überleben. Als die Körper absterben, beginnt ein verzweifelter Kampf gegen den Zerfall. Perry Rhodan wagt alles, um seinen alten Freunden zu helfen. Doch die Altmutanten folgen nicht seinen Vorschlägen und verfolgen nun ihre eigenen Pläne … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wo waren wir? Auf der Flucht waren wir! Der Supermutant Corello wird fremdgesteuert und hat wiederum Alaska mitgenommen. Mit denen gehts in die Südsee, um schlafende Lemurer zu wecken … um genau was zu machen? Ich weiß es immer noch nicht. Egal, Corellos Herren werdens wissen. Und so produzieren wir ein paar synthetische Menschen und machen uns von Perry und seinen Leuten gejagt wieder aus dem Wasser.

Perry Rhodan – Die Altmutanten (Silber Edition 65) weiterlesen

Perry Rhodan – Stalker (Silber Edition 150)

Die Handlung:

Die Menschheit hat zu Beginn des Jahres 429 NGZ die großen Gefahren abgewehrt, die durch die Mächte des Chaos verursacht worden sind. Nun werden zahlreiche Terraner vom Sternweh ergriffen – mit den sogenannten Virenschiffen streben sie hinaus ins All.
In dieser Phase erreicht der Bote einer Superintelligenz die Erde: Sein Name ist Stalker, und er bietet einen Handel an. Doch sein Besuch sorgt für neue Unruhe in der Milchstraße … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Lang und ausführlich machen wir am Anfang der Lesung Bekanntschaft mit STALKER. Der vorgebliche Bote der Mächtigkeitsballung ESTARTU heißt eigentlich Sotho Tal Ker, aber Menschen lieben halt Abkürzungen und Sprachvereinfachungen.

Perry Rhodan – Stalker (Silber Edition 150) weiterlesen

John Sinclair – Shimadas Höllenschloss (Teil 1 von 2, Folge 140)

Die Handlung:

Würde ich Suko noch einmal lebend wiedersehen? Seit Wochen suchte ich nach einer Spur meines Freundes, den der Ninja-Dämon Shimada durch ein Dimensionstor in sein Höllenschloss entführt hatte. Als ich schon glaubte, dass es nicht mehr schlimmer kommen konnte, schickte mir Shimada die Dämonentrommler – und kurz darauf war auch Sukos Freundin Shao verschwunden! (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 364 gemacht, das erstmalig am 24. Juni 1985 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Bild wurde übernommen, beim Titel wurde die aktuelle Rechtschreibung angewandt und „Schloss“ nicht mehr „Schloß“ geschrieben.

John Sinclair – Shimadas Höllenschloss (Teil 1 von 2, Folge 140) weiterlesen

TKKG – Verbrechen im Moorsteiner Wald (Folge 215)

Die Handlung:

Tim, Karl, Gaby und Klößchen sind zum Baden am Moorsteiner See, als Karl ein mysteriöser Hilferuf ereilt, der sich rasant über Soziale Medien verbreitet. Ein Foto zeigt einen geknebelten Mann, der seine Augenbinde für ein schnelles Selfie etwas nach oben geschoben hat. Dem Bild ist ein eiliges „hilfe“ beigefügt. Soll das etwa ein schlechter Webwitz sein? Tim erkennt den Hintergrund der Aufnahme: Es handelt sich eindeutig um die Fischerhütte eines alten Bekannten gleich hier am Moorsteiner See! TKKG eilen zur Hütte, um das Opfer zu befreien, und werden in einen brenzligen Fall verwickelt, dessen Tragweite sie nicht erahnen konnten …(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Dem geübten Hobby-Detektiv fällt nach dem Lesen des Klappentexts direkt die Frage ein: Wie kann ein geknebelter Mann eine Augenbinde verschieben? Und dann kommt die Frage danach, wie er geknebelt ein Selfie machen kann … so das Foto denn als solches erkennbar ist und nicht von jemand anderem aufgenommen sein könnte. Dem Knebler vielleicht?

TKKG – Verbrechen im Moorsteiner Wald (Folge 215) weiterlesen

Die drei ??? Kids – Die Musikdiebe (Folge 77)

Die Handlung:

Aus dem Tonstudio des Popstars Modena wurde ein Song gestohlen. Kann Modena ihrem Team nicht mehr vertrauen? Als Chorsänger getarnt begeben sich die drei ??? Kids auf die Spur des Diebes. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Wie jetzt? Ein KIDS-Fall zum Mitsingen? So was gibts? Gibts! Und laut Verlag kann man sogar die Noten kaufen, damit man die Töne auch trifft und in die nächste Runde kommt … Ob das Justus, Peter und Bob wohl auch gelingt? Die Idee, undercover zu agieren, ist ja clever … aber, können sie auch gut genug singen, damit das Ganze nicht sofort auffliegt? Aber hey, es geht hier um Popmusik, da wird doch eh am Mischpult-Computer so lange an den Aufnahmen rumgepitcht, bis es stimmig klingt. Wirklich klassisch singen können muss da im Grunde kaum noch einer.

Die drei ??? Kids – Die Musikdiebe (Folge 77) weiterlesen

Die drei !!! – Gefahr im Netz (Folge 68)

Die Handlung:

Beim Girls Computer Club wird der Laptop einer Teilnehmerin gestohlen. Doch Kim, Franzi und Marie, bemerken, dass sie nicht die einzige ist, die bestohlen wurde: Einige Jugendliche, die eine neue angesagte App spielen, werden durch das Spiel in eine verlassene Gegend gelockt und ausgeraubt! Die drei Detektivinnen beginnen zu ermitteln und geraten immer tiefer in das Netz dieses schwierigen Falls. Realität und Spiel scheinen sich zu vermischen … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Mädchen und Computer? Und ob! Nicht nur Jungs haben daran Interesse, es gibt auch MINTe Mädels. Ob man deshalb aber gefühlt 20 mega hippe Anglizismen in jeden Satz einbauen muss … ist Geschmackssache. Die gackernden Hasis, die am Anfang zu hören sind, brauchen das offenbar. Nicht nur unsere Detektivclubberinnen sind von denen schnell genervt, der Hörer auch.

Die drei !!! – Gefahr im Netz (Folge 68) weiterlesen

Stephen King – Blutige Nachrichten

Die Handlung:

In der Vorweihnachtszeit richtet eine Paketbombe an einer Schule nahe Pittsburgh ein Massaker an. Kinder sterben. Holly Gibney verfolgt die furchtbaren Nachrichten im Fernsehen. Der Reporter vor Ort erinnert sie an den gestaltwandlerischen Outsider, den sie glaubt vor nicht allzu langer Zeit zur Strecke gebracht zu haben. Ist jene monströse, sich von Furcht nährende Kreatur wiedererwacht?

Die titelgebende Geschichte »Blutige Nachrichten« – eine Stand-alone-Fortsetzung des Bestsellers »Der Outsider« – ist nur einer von vier Kurzromanen in Stephen Kings neuer Kollektion, die uns an so fürchterliche wie faszinierende Orte entführt. Mit einem Nachwort des Autors zur Entstehung jeder einzelnen Geschichte. (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ok, wer den „Outsider“ von Stephen King noch nicht gelesen oder die HBO-Fernsehverfilmung noch nicht gesehen hat, brauchts nun nicht mehr zu tun, der Klappentext spoilert mehr oder weniger schon das Wichtigste. Wer das Buch aber gelesen hat, wird sich über ein Wieder-Wiedersehen mit Holly Gibney freuen, die wir vor dem „Outsider“ schon bei „Mr. Mercedes“ getroffen haben.

Stephen King – Blutige Nachrichten weiterlesen

John Sinclair Classics – Der Albtraum-Friedhof (Folge 40)

Die Handlung:

Inmitten des Schwarzwalds nahe einem Friedhof liegt das Waldhotel König, in dem der deutsche BKA-Beamte Will Mallmann seinen Urlaub verbringt. Am Frühstückstisch begegnet er dem sonderbaren Archäologen Xaver Jurc, der in der Umgebung nach Zeugnissen der Etrusker sucht – und kurz darauf steigen die Toten aus ihren Gräbern!(Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Diesmal hat sich der Verlag an die Hörspielumsetzung des GESPENSTER-KRIMI-Heftromans mit der Nummer 176 gemacht, der erstmalig am 25. Januar 1977 am gut sortierten Bahnhofskiosk oder manchmal auch in einer Buchhandlung zu bekommen war. Das Titelbild des Hörspielcovers ist dabei eine Neuinterpretation der Thematik.

John Sinclair Classics – Der Albtraum-Friedhof (Folge 40) weiterlesen

Márai, Sándor – Die Nacht vor der Scheidung (Lesung)

Wahrheit, Schönheit, Lüge, Tod_

Richter Kömüves kommt übermüdet mit seiner Frau von einer Veranstaltung nach Hause. Überrascht erfährt er, dass sich ein Fremder in seiner Wohnung befinde, um ihn zu besuchen. Es ist Imre Greiner, ein Schulkamerad und Jugendgefährte, den er seit neun Jahren nicht mehr gesehen hat. Der Richter weiß, dass er Greiners Ehe mit der schönen Anna Fazekas am folgenden Morgen scheiden soll. Gibt es ein Problem damit? Und ob! „Die Verhandlung kann nicht stattfinden, weil ich heute meine Frau getötet habe“, antwortet Greiner. Und er will herausfinden, wer ihm seine Frau weggenommen hat – vor zehn Jahren. Wen hat Anna wirklich geliebt? Den Richter etwa?

Der Autor

Der ungarische Erzähler Sándor Márai (ausgesprochen „schandor maroi“) lebte von 1900 bis 1989. Sein Roman [„Die Glut“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1367 erschien 1942. Jahrzehntelang war das umfangreiche schriftstellerische Werk des Ungarn in seiner Heimat verboten. Er hatte 1948 Ungarn verlassen und setzte – wie der ebenfalls ins Exil gegangene Stefan Zweig (gestorben 1942) – seinem Leben 1989 in San Diego ein Ende. Zu früh, so kurz vor der politischen Wende des Ostblocks. (Mehr Details am Schluss.)

Der Sprecher

Charles Brauer, geboren 1956, ist am bekanntesten als Kommissar Brockmüller an der Seite von Manfred Krug im „Tatort“. Er gehört zu den beliebtesten Hörbuchsprechern.

Regie führte Gabriele Kreis. Die Lesung umfasst den ungekürzten Text.

Das Titelbild zeigt „Charlotte von Hagn“, gemalt von Joseph K. Stieler. So könnten wir uns Anna Fazekas vorstellen.

Handlung

Es passiert wahrlich nicht allzu viel in der Geschichte, und doch könnte das Ergebnis tragisch ausfallen.

Christoph Kömüves, an die 40 und seines Zeichens Scheidungsrichter in Budapest, stammt aus einer Dynastie von Richtern, der „Kömüves-Schule“. Sein Büro liegt in den bedrückenden Gebäuden einer Haftanstalt. Am folgenden Tag soll er wieder einmal lösen statt zu binden, doch diesmal sind es zwei gute Bekannte, und das verleiht dem Fall eine besondere Bedeutung.

Imre Greiner, 38, war Christophs Schulkamerad und Jugendgefährte, den er aber seit rund neun Jahren nicht mehr gesehen hat, seit jener Zeit, als Imre die schöne Anna Fazekas heiratete. Christoph hatte vor rund zehn Jahre die ein wenig verwöhnte junge Dame ein paar Mal getroffen, und sie hatte dabei einen tiefen Eindruck hinterlassen. Dass sie und Imre seit einem halben Jahr getrennt leben, betrübt ihn ein wenig, aber da er selbst eine wohlgeordnete Familie hat, macht er sich keine falschen Hoffnungen auf eine Begegnung mit Anna.

Als er am Abend vor der Verhandlung übermüdet mit seiner Frau nach Hause zurückkehrt, erfährt er überrascht, dass sich ein Fremder in seiner Wohnung befinde, um ihn zu besuchen. Es ist Imre Greiner.

Christoph fragt, ob es wohl ein Problem mit der anstehenden Scheidung gebe? Und ob! „Die Verhandlung kann nicht stattfinden, weil ich heute meine Frau getötet habe“, antwortet Greiner. Er sei gekommen, um seinem Jugendfreund alles zu erzählen. Diese Erzählung nimmt fast die ganze Nacht in Anspruch. Vor vier Jahren hat der geschulte Arzt entdeckt, dass seine Frau frigide ist. Die folgenden Jahre waren die Hölle. Er will herausfinden, wer ihm seine Frau weggenommen hat – vor zehn Jahren. Wen hat Anna wirklich geliebt?

„Sag mir, Christoph, hast du in den letzten zehn Jahren von Anna geträumt?“ Was für eine unverschämte Frage! Träume?! Unsinn! Kömüves weist solche unwägbaren Kategorien weit von sich, denn in der Kömüves-Schule haben sie keinerlei Relevanz. Doch das Gespräch findet mitten in der Nacht statt, und zu dieser Zeit erhalten Träume sehr wohl eine Bedeutung …

Mein Eindruck

Das nächtliche Gespräch ist der Kulminationspunkt einer langen psychologischen Entwicklung, die sowohl in der Ehe Imres stattgefunden hat als auch im Leben Christophs. Nachdem der Autor detailreich jedes Ereignis im Leben des Richters ausgebreitet und erörtert hat, um seine geistige Disposition zu beschreiben, taucht sein Jugendfreund Imre wie das personifizierte Chaos auf. Und tatsächlich erlebt Christoph die nächtliche Begegnung wie einen hinterlistig vorgetragenen Angriff auf seine Person, sein Amt und seine Lebensphilosophie (die „Kömüves-Schule“).

Weitaus interessanter, weil romantischer, ist Imres Liebe zu Anna. Nach Imres Worten kann er sich keine innigere und absolutere Einheit zwischen zwei Menschen vorstellen. Sie hatten keine Geheimnisse voreinander, denn die Ehe war ihm eine heilige Einrichtung, ein Sakrament, und die Bindung an seine Ehefrau nur durch den Tod zu lösen. Er war süchtig nach Annas Gegenwart, so dass er seine Arztpraxis in seiner eigenen Wohnung einrichtete, um ihr nah sein zu können. Demzufolge war auch seine Eifersucht eine absolute, bis hin zur Krankhaftigkeit. Er will ihren Körper besitzen, diesen „wundervollen Mechanismus“.

Doch vor vier Jahren meldete sich sein Unterbewusstsein damit, dass es etwas suchte, was es nicht kannte, aber dringend brauchte. Was war es? Imre weiß nur so viel, dass es ohne dieses Etwas nicht mehr weitergehen kann. Denn dann ist seine Ehe, ja, sein ganzes Leben nur eine leere Formel, deren Sinn abhanden gekommen ist. Wie sich herausstellt, liegen bei Anna alle Symptome der Frigidität vor, eine sexuell geäußerte Gefühlskälte. Anna ist selbst am meisten davon überrascht. Doch wie konnte es dazu kommen, fragt sich Imre, wer hat ihm Anna weggenommen? Wer erscheint ihr in ihren Träumen?

Da Anna ihm offenherzig alle ihre Lebenserlebnisse erzählt hat, weiß Imre natürlich von Annas Begegnungen mit dem vor zehn Jahren jungen Rechtsassessor Christoph Kömüves. Diese wenigen Begegnungen müssen sie aber so erschüttert haben, dass ihr die Ehe mit Imre nicht als ihre eigentliche Bestimmung erschien. Nun ist Anna tot, doch Christoph lebt. Ergeht es dem Richter ebenso? Erscheint ihm sein eigenes Leben nicht ebenfalls als eine Art Missverständnis? Als eine Formel ohne Sinngehalt?

Da gerät der Richter schwer ins Grübeln, und wir müssen uns seiner gesamten Biographie und der langen Gesellschaftsbeschreibung erinnern, die wir durch ihn erhalten haben. Erst dann können wir seine Reaktion verstehen. Wird er „ja“ sagen, oder wird er Imre, diesen personifizierten Angriff, wegschicken? Eines ist sicher: Nach dieser Nacht wird es keine Scheidungsverhandlung für Imre Greiner und Anna Fazekas geben. So oder so.

Die Gesellschaftsbeschreibung konzentriert sich immer wieder auf den sozialen Umbruch, den der Erste Weltkrieg zur Folge hat: den Untergang der KuK-Monarchie, das Auseinanderbrechen der Einheit Österreich-Ungarn, die Entlassung der Ungarn in eine Freiheit, die erst noch zu determinieren ist. Die alten Amtsträger treten ebenso ab, wie ihre Wertvorstellungen mit Füßen getreten werden. Die „Kömüves“-Schule ist ein Anachronismus, und ihr Begründer ist noch nicht einmal unter der Erde.

Innerhalb dieser katholischen und lateinisch-humanistisch orientierten Schule begreift Christoph Kömüves das Leben als Pflichterfüllung und freiwilligen Gehorsam gegenüber einer Gemeinschaft, die er als konkret seine Familie oder als erweiterte Quasi-Familie begreift. Die Pflicht ist in Demut zu erfüllen, denn dies ist die Vorbedingung für die göttliche Gnade. Doch die erweiterte Familie, die Volksgemeinschaft, hat aufgehört zu existieren, und alles um ihn herum scheint ebenso zu zerfallen wie die Ruinen der Burg in Buda, dem alten Teil der Doppelstadt Budapest.

Warum hat er also Anna Fazekas, die er doch so anziehend fand, seinerzeit nicht geheiratet? Er hielt nie um ihre Hand an, sondern wählte stattdessen Hertha. War es, weil eine Verbindung mit Anna eine Bindung des Herzens gewesen wäre statt eine der Pflichterfüllung? Wohl möglich. Dann ist sein Leben eines der Entsagung, das seine wichtigste Erfüllung in der Familiengemeinschaft und dem Dienst an seinen Klienten findet. Ist es darum ein „Missverständnis“, wie Imre behauptet? Der Leser muss diese Frage ebenso beantworten wie der Richter selbst. Wovon träumt er nachts?

Der Sprecher

Charles Brauer, inzwischen rund 70 Jahre alt, erledigt seinen Job mal wieder einwandfrei. Als erfahrener Schauspieler – etwa im „Tatort“ – hat er ein Gespür für das Besondere an einer Szene. Da weiß er einfach, wo die Pausen gesetzt werden müssen, so etwa in der extrem angespannten Begegnung zwischen Imre Greiner und Christoph Kömüves. Bewunderswert ist auch Brauers Aussprache der ungarischen Namen. Ich kann mir keinen besseren Sprecher für einen Sprachkünstler wie Sandor Márai vorstellen.

Unterm Strich

Auf ironische Weise wird aus dem Mann, der täglich sein Amt als Scheidungsrichter ausübt, ein Angeklagter, dem selbst einige recht zudringliche und höchst intime Fragen gestellt werden. Dies darf sich auch nur ein Jugendfreund erlauben. Dennoch beruft sich der Richter auf sein Recht, die Aussage zu verweigern – ein Schuldeingeständnis?

Zwei Lebensprinzipien stoßen ebenso aufeinander wie zwei Epochen: hier die alte, versunkene Welt der KuK-Monarchie, dort die neue Republik, hier Pflichterfüllung bis zur Selbstverleugnung in Demut, dort die totale Erfüllung in einem geliebten Partner. Imres Erfüllung stellt sich als Täuschung heraus, als Lebenslüge – wie steht es um die Lebenslüge des Richters?

Trotz der völligen Abwesenheit einer Handlung ist die Geschichte des Aufeinandertreffens dieser zwei Welten eine Angelegenheit, die zunehmend an Spannung gewinnt, je kritischer die Fragen des Arztes an den Richter werden. Etwas muss brechen, denn es ist die Nacht vor der Scheidung. Anna, die zwischen den beiden stand, ist bereits tot (ich verrate nicht, auf welche Weise sie starb) – wird es weitere Opfer zu beklagen geben?

Der Leser bzw. Hörer muss jede Menge Geduld und Aufmerksamkeit mitbringen, um über den Berg der Vergangenheit in die spannenden Gefilde der Gegenwart zu gelangen, die in einer einzigen Nacht ihren Kulminationspunkt findet. Große Literatur, die Anstrengung fordert, aber dafür umso mehr lohnt.

Mehr Details über den Autor

Sándor Márai, geboren am 11. April 1900 in Ungarn, studierte Philologie. Sein erster Gedichtband erschien 1918. Nach dem Ersten Weltkrieg lebte Márai als Student und literarischer Feuilletonist in Deutschland und Paris. 1928 kehrte er zurück in die ungarische Heimat und erlebte dort in den dreißiger Jahren eine Zeit größter Schaffenskraft und literarischer Erfolge. 1948 floh er in den Westen und lebte in der Schweiz, in Italien und in Amerika. Nach dem Tod seiner Frau nahm Márai sich im Februar 1989 in San Diego, Kalifornien, das Leben.

Das Original erschien posthum in Toronto, deutsch zuerst 2004
aus dem Ungarischen von Margit Ban
377 Minuten auf 5 CDs

Perry Rhodan – Die Stimmen der Qual (Silber Edition 64)

Die Handlung:

Nachdem die Menschheit die Schwarm-Krise erfolgreich bestanden hat, wenngleich unter großen Schäden, wird die Erde von politischen Konflikten erschüttert. Vor allem Perry Rhodan steht in der Kritik. Zu dieser Zeit erreicht ein terranisches Raumschiff die Erde: An Bord ist ein Wesen vom Planeten Asporc, und es bringt das Grauen mit sich.Es sind die „Stimmen der Qual“, die der Asporco zur Erde gebracht hat, eine unheimliche Macht, die sogar die fähigsten Mutanten der Menschheit zu einem Spielball macht. Vor allem der Supermutant Ribald Corello und Alaska Saedelaere, der Mann mit der Maske, werden von den seltsamen Kräften aus dem Raumschiff beherrscht.Perry Rhodan will die Hintergründe für das Geschehen ergründen. Ohne sich um die politische Diskussion zu kümmern, reist der Terraner mit dem Raumschiff TIMOR nach Asporc. Doch die fremde Macht, die sich dort austobt, kennt kein Erbarmen mit jenen, die sie herausfordern … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Neuer Zyklus, neues Glück. Und da wir in der letzten Silberlesung einen echten Abschluss erlebt hatten, ist jetzt der Tisch rein für die ALTMUTANTEN, denn so heißt der neue Zyklus. Viel zu erzählen scheints aber über die nicht zu geben, denn mit nur vier Lesungen ist dieser Zyklus recht kurz … im Vergleich zu einigen anderen. Aber, in der Kürze liegt die Würze und die altgedienten Mutanten waren mir eh schon immer ans Herz gewachsen und deren Abenteuer habe ich am liebsten erlebt. Wenn ich mir aber den Titel der Einstiegslesung so betrachte, dann scheint den Jungs und Mädels gar nicht gut zu gehen.

Perry Rhodan – Die Stimmen der Qual (Silber Edition 64) weiterlesen