Archiv der Kategorie: Fantasy / Science-Fiction

William Shatner (mit Judith u. Garfield Reeves-Stevens) – Sternendämmerung (Star Trek)

Das geschieht:

James Tiberius Kirk, Raumschiff-Captain außer Dienst aber weiterhin als Retter des Universums tätig, möchte mit seinem neuen Freund Jean-Luc Picard einige Tage Abenteuerurlaub machen. Aus Gründen der Handlungsdramatik beschließen die beiden, dies auf dem Planeten Bajor und im Schatten der Raumstation „Deep Space Nine“ zu tun. Sie haben keine Ahnung, dass sie ihre Atmosphären-Gleitsprünge ausgerechnet über einem Wüstengebiet absolvieren, das vor dreißig Jahren Schauplatz einer merkwürdigen Episode des bajoranisch-cardassianischen Krieges war. In Bar‘trila, der verlorenen Stadt, wurde eines jener als „Tränen der Propheten“ bekannten Artefakte vermutet, die der im Wurmloch über Bajor hausenden Superintelligenz zugeschrieben werden und dem Finder quasi übernatürliche Macht verleihen. Damals konnten die Bajoraner die Cardassianer unter hohen Opfern von diesem Platz verjagen. Die Überlebenden beider Seiten haben den ungehobenen Schatz freilich nicht vergessen.

Unsere gleitenden Helden werden zum Absturz gebracht. Die Notlandung lässt sie in der glühenden Wüste stranden. Während sie dem feuchten Horizont zustreben, bleibt viel Zeit, sich über Vergangenes zu unterhalten. Das bedingt eine lange Kette primär Kirkscher Reminiszenzen an glorreiche „Enterprise“-Zeiten und die Einsamkeit des Captains, der in brenzliger Lage kurzentschlossene Entscheidungen treffen muss.

Die Handlung wird wieder aufgenommen, als Kirk und Picard in eine archäologische Ausgrabung stolpern. Die verlorene Stadt wurde gefunden: von den Bajoranern, aber wohl nicht nur von ihnen, denn just fiel Professor Nilan einem merkwürdigen Unfall zum Opfer. Der Tod weiterer Forscher zeigt eine feindliche Macht am Werk ist. Oder sind es religiöse Fundamentalisten, die es nicht dulden, eventuelle Artefakte als Objekte der Wissenschaft missbraucht zu sehen? Die Lage ist undurchsichtig und eskaliert, als auf Kirk und Picard ein Mordanschlag verübt wird, der Letzteren in einem See versinken lässt. Ist Picard tot? Mit der für ihn typischen Mischung aus Elan und Zorn geht Kirk auf Konfrontationskurs und stört den Gegner auf …

Alter Mann mit jugendlichem Ego

Der rasende Rentner macht erneut das All unsicher. „Sternendämmerung“ ist der furiose Auftakt einer weiteren „Star-Trek“-Kirk-Trilogie. Weil er trotz seines überlebensgroßen Egos kein Dummkopf ist, hat sich William Shatner wiederum der Unterstützung des schreibenden Ehepaars Judith und Garfield Reeves-Stevens versichert. Eine kluge Wahl, denn kaum jemand kennt sich so gut im „Star-Trek“-Universum aus und trifft vor allem den Ton, der uns seine Protagonisten seit vielen Jahren zu lieben und teuren Feierabend-Gästen im Fernsehzimmer macht.

Shatner möchte selbstverständlich „Star-Trek“-Luxus-Science-Fiction produzieren. Das meint er sich und seinem Publikum als der leibhaftige und einzige James T. Kirk schuldig zu sein. Der Leser honoriert und schätzt es, nicht zum x-ten Male mit einem Abenteuer der legendären Fünfjahresmission behelligt zu werden, die sich längst alle irgendwie ähneln. „Sternendämmerung“ gelingt darüber hinaus, was man in Kino und Fernsehen oft entbehren muss: die (überzeugende) Verklammerung von „Star-Trek“- Vergangenheit und -Gegenwart, zwischen denen die Handlung immer wieder springt.

Damit stellt sich „Sternendämmerung“ tapfer der quasi realen, Jahrhunderte umspannenden Fiktion, welche die „Star-Trek“-Saga heute darstellt. Das Autorentrio fürchtet nicht die faktenreiche Historie (oder ihre detailversessenen, pingeligen Kenner), sondern stellt sie in den Nutzen ihrer Geschichte. Noch in den Nebensätzen werden immer wieder Ereignisse aufgegriffen, an die sich womöglich nur der absolute Trekkie erinnert. Das lässt ein außerordentlich dichtes Hintergrundgewebe entstehen, auf dem der eigentliche Plot stabil ruht.

Aller Anfang ist – langsam

‚Ruht‘ ist der zutreffende Ausdruck, denn obwohl stets etwas geschieht, ist „Sternendämmerung“ sichtlich die Ouvertüre zu einem Spektakel, das sich über mindestens 1200 Druckseiten hinziehen wird. So reihen sich zunächst zwar spannend geschriebene aber zusammenhanglos wirkende Episoden aneinander, bis endlich ein roter Faden – der Kampf gegen die „Totalität“ – sichtbar wird. Wer barockes Breitwand-Fabulieren schätzt, wird mit „Sternendämmerung“ nur allmählich auf seine Kosten kommen.

Wer ist der beste „Enterprise“-Kapitän aller Zeiten? William Shatner kennt die Antwort auf diese Frage genau, und seit er ‚Schriftsteller‘ geworden ist, nutzt er jede Gelegenheit, die Trekkies auf seine Seite zu ziehen. Dieses Mal konnten ihn die Reeves-Stevens offenbar nicht so gut kontrollieren wie sonst. Das Ergebnis: ein durch Raum und Zeit kapriolender Kirk, den sein Freund Picard gnädig begleiten darf (wenn er denn Schritt halten kann).

Jean-Luc Picard ist in der Tat ein manchmal dröger Zeitgenosse, aber zum Steigbügelhalter des entfesselten Kirk degradiert zu werden, hat er ganz sicher nicht verdient! Auf der anderen Seite weiß Shatner anschaulich zu machen, dass die Sturm- und Drangzeit der Föderation Männer wie ihn – Tatmenschen – benötigte, die nach der Konsolidierung einer nüchterner forschenden Generation Platz machen konnten und mussten.

Picard ist in der Krise durchaus zu schnellen, die Regeln großzügig auslegenden Entscheidungen fähig. Kirk lebt allerdings in einer Welt, der jedem Moment eine potenzielle Ausnahmesituation entspringen kann. Das hat ihn geprägt und zu dem unberechenbaren Strategen werden lassen, der geachtet und gefürchtet (oder verflucht) wird.

Interessant sind Kirks Selbstreflexionen, die viel vom wahren William Shatner verraten. „Im Gegensatz zu den verlorenen Details standen die Gefühle der damaligen Zeit … Einen Traum verwirklicht zu haben, mit hoch angesehenen Profis und guten Freunden zusammenzuarbeiten … Er konnte immer noch auf jene Erinnerungen zurückgreifen, auch wenn manche von ihnen dunkler und schmerzhafter waren“ (S. 100). Diese Passage spiegelt womöglich Shatners lückenhafte und geschönte Erinnerung an seine „Star-Trek“-TV-Tage wider, die er nach Auskunft seiner erbosten Schauspieler-Kollegen weitgehend vergessen hat, um sie erst im Alter autobiografisch und lukrativ wieder zum Leben zu erwecken.

Autor/en

William Shatner wurde am 22. März 1931 im kanadischen Montreal geboren. Er studierte Wirtschaftswissenschaften, wurde aber schon in jungen Jahren Schauspieler – zunächst beim Theater, wo er u. a. in zahlreichen Shakespeare-Stücken auftrat. 1956 ging Shatner nach New York zum Broadway. Parallel dazu spielte er in TV-Dramen, die damals noch live gesendet wurden. Zwei Jahre später tauchte Shatner in „The Brothers Karamazov“ (dt. „Die Brüder Karamasow“) an der Seite von Yul Brunner und Maria Schell im Kino auf.

Der echte Durchbruch blieb aus. In den nächsten Jahren spielte Shatner in zahlreichen aber schnell vergessenen Kinofilmen und TV-Shows mit. Darin lieferte er trotz seiner theatralischen bis pathetischen Darstellungsweise durchaus achtbare Leistungen ab, die ihm die Kritik bekanntlich gern abspricht. 1966 bis 1969 folgte die Hauptrolle in „Star Trek – The Original Series“, gefolgt von einer langen Durststrecke und den für Shatner typischen Rollen in B-Movies und Fernsehserien.

Aber Shatner blieb am Ball. Die Rückkehr als Captain Kirk in den „Star-Trek“-Kinofilmen brachte ihm endlich die Popularität, die er sich wünschte. Er nutzte sie geschickt, um in den 1980er und 90er Jahren eine parallele Karriere als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent in Gang zu bringen. Seine Aktivitäten als Schauspieler schränkte er keineswegs ein, versuchte sich als Sänger, wurde Pferdezüchter, gründete eine Firma für Spezialeffekte – und entwickelte schriftstellerische Ambitionen.

Von Anfang an sah sich Shatner primär als Lieferant von Plots und Ideen, die von Profischreibern in literarische Form gegossen wurden aber unter seinem zugkräftigen Namen erschienen. Als Ghostwriter für die „Tek-War“-Serie (ab 1994) fungierte SF- Veteran Ron Goulart. Da der Erfolg sich in Grenzen hielt, besann sich Shatner seines Alter Egos James T. Kirk, den er mit tatkräftiger Unterstützung der Reeves-Stevens (s. u.) ins Leben zurückkehren ließ.

Trotz seines Alters denkt Shatner nicht an den Ruhestand. In seiner Rolle als unwürdiger Greis besetzt er im Kulturleben der USA heute etwa dieselbe Nische wie hierzulande Dieter Bohlen oder Jürgen Drews und hat sich als Trash-Ikone und Amerikas liebster Toupet-Träger eine solide Alterskarriere aufgebaut. William Shatner ist in dritter Ehe verheiratet, hat vier Kinder und lebt in Südkalifornien und Kentucky.

Website

Judith und Garfield Reeves-Stevens schreiben Romane und Drehbücher. Außerdem sind sie Produzenten für Kinofilme und Fernsehserien, Ideenlieferanten für SF- und Fantasy-Games und, und, und … Im „Star-Trek“- Universum zählen die Reeves-Stevens zu den Besten unter den Fließband-Literaten des Franchises. Garfield allein schrieb bisher fünf Thriller, die Elemente der Science Fiction mit der des Horrors verknüpfen.

Garfield und Judith sind kompetente „Star-Trek“-Chronisten, die über die verschiedenen Serien großformatige, sehr informative und unterhaltsame Sachbücher verfasst haben.

Taschenbuch: 404 Seiten
Originaltitel: Captain‘s Peril (New York : Pocket Books 2002)
Übersetzung: Andreas Brandhorst
http://www.randomhouse.de/heyne

eBook: 730 KB
ISBN-13: 978-3-641-11518-0
http://www.randomhouse.de/heyne

Der Autor vergibt: (3.0/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (No Ratings Yet)

Bradbury, Ray – Fahrenheit 451

In einem totalitären Zukunftsstaat sind Bücher verboten. Die Feuerwehr dient nicht dem Löschen von Feuer, sondern dem Verbrennen der gefährlichen Literatur. Einer der Feuerwehrmänner wandelt sich in seinen Ansichten zum Systemgegner, doch der Ausstieg ist gar nicht so einfach, wie er schnell herausfindet.

_Der Autor_

Raymond Bradbury, geboren 1920 (und immer noch quicklebendig!) in Waukegan, Illinois, ist einer der bekanntesten Erzähler der USA, und zwar nicht nur in der Science-Fiction, sondern auch im sogenannten Mainstream. Als Ray 14 Jahre alt war, übersiedelte seine Familie nach Kalifornien, wo er 1938 seinen Highschool-Abschluss machte. Diesen Verlust der Heimat hat er immer wieder thematisiert.

1937 kam er erstmals mit der Science-Fiction-Szene in Kontakt, als er Ray Harryhausen (Film), Forrest Ackerman (Fandom) und Henry Kuttner (Autor) traf. Zum Teil konnte er seine Träume mit ihnen erfüllen. Harryhausen wurde zu einem der größten Trick- und Special-Effects-Könner auf dem Gebiet des phantastischen Films („Kampf der Titanen“ u. v. a.), während Bradbury später als Autor weit über die Grenzen des Genres hinaus bekannt wurde.

Die Schriftstellerin und Drehbuchautorin („Star Wars Episode V“) Leigh Brackett beeinflusste ihn wesentlich in seiner Entwicklung. 1943 wurde sein Stil poetischer, nostalgisch und zeigte einen Hang zum Makabren. Die damals großen Magazine wie die „Saturday Evening Post“ sollen sich angeblich um seine Storys gerissen haben. Er schrieb für John Huston das Drehbuch zu „Moby Dick“.

In letzter Zeit ist es still um Bradbury geworden, aber von ihm erscheinen immer noch aufwendig gemachte Novellen- und Storybände. Ridley Scott hat in seinem Film „Blade Runner“ eine Hommage eingebaut: Das Hotel, in dem der Showdown stattfindet, heißt „The Bradbury“. Und der Regen fällt wie in Bradburys Story „The Day It Rained Forever“ unablässig.

Seine wichtigsten Werke:

Fahrenheit 451 (1953, verfilmt 1966 von F. Truffaut)
Der illustrierte Mann (1951, verfilmt 1968 mit Rod Steiger, dt. Titel: „Der Tätowierte“)
Die Mars-Chroniken (1946-50, verfilmt 1980 mit Rock Hudson)

_Handlung_

Fahrenheit 451 – oder 232° Celsius – ist die Temperatur, bei der Buchpapier Feuer fängt. Und um Bücher scheint es vordergründig zu gehen. Sie sind nämlich selten – und außerdem ist ihr Besitz strengstens verboten. Wer damit erwischt wird, ein Buch zu besitzen, zu lesen, daraus für andere zu rezitieren, dessen Haus wird mitsamt der Bibliothek abgefackelt. Das ist nicht so schlimm, wie es klingt, denn die meisten modernen Häuser in dem geschilderten Land sind sowieso feuerfest. Bis auf gewisse Ausnahmen.

Die Jungs, die das Verbrennen besorgen, sobald eine entsprechender Befehl in der Zentrale eingegangen ist, sind natürlich die Feuerwehrmänner. Jungs wie Guy Montag: brav in der Berufsausübung, effizient in der Aktion und vor allem linientreu. Montag ist ein Feuerwehrmann, also Angehöriger des Staatlichen Ordnungsdienstes, der mit seinem „Salamander“ bzw. „Feuerwehrauto“ in den Einsatz fährt, um das Kerosin zu verspritzen.

Als er einmal zu einem Haus gerufen wird und das ordnungsgemäße Bücherverbrennen beginnen soll, weigert sich die alte Hausbewohnerin, ihr Domizil zu verlassen. Doch wie die Pflicht erfüllen? Montags Boss Beatty hat zum Glück keine Skrupel, doch er kommt zu spät. Die alte Dame hat selbst ein Streichholz angerissen und das überall verspritzte Kerosin in Brand gesteckt. Montag ist ziemlich verstört. Etwas kann hier nicht stimmen.

Er lebt in einem totalitären Zukunftsstaat, der sich bemüht, das Denken und Handeln seiner Bürger vollständig zu kontrollieren. Bücherlesen ist ein unkalkulierbarer Risikofaktor. Hauptmann Beatty erklärt es Montag haarklein, immer wieder: |Das Wichtigste ist das Glück, das in der Gemütsruhe, dem Seelenfrieden liegt. Alles andere ist zweitrangig. Was den Seelenfrieden und die allgemeine Ordnung stört, muss eliminiert werden.| Doch wer legt fest, was dem „Seelenfrieden“ förderlich und was schädlich ist? Nun, jedenfalls sind Bücher schädlich und die Dauerberieselung durch multimediale Funkkanäle mit Seifenopern förderlich.

Während sich Montags Frau Mildred bis zur Besinnungslosigkeit von den drei bis zur Decke reichenden Fernsehwänden mit dem staatlichen Unterhaltungsprogramm berieseln lässt, hält es Montag nicht bei solchem Stumpfsinn. Er lernt beim Spazierengehen die 16-jährige Clarisse McClellan kennen. Sie kennt nicht nur Bücher und wie man liest, sondern führt auch, o Wunder, ein reges Familienleben. Durch sie ändert sich seine Einstellung ziemlich grundlegend. Außerdem hat er selbst etwa 20 Bücher mitgehen lassen und in seinem Haus versteckt.

Doch Montags Wandel stößt auf allseitigen Widerstand: Mildred ist zunächst unverständig, dann ablehnend, schließlich denunziert sie ihn. Clarisse McClellan wird mitsamt ihrer Familie abgeführt und getötet. Und Hauptmann Beatty, der linientreue Vertreter der Regierung, liest seinem „Fireman“ Montag die Leviten. Dabei zeigt sich Beatty als ein sehr belesener Zeitgenosse, der sogar Shakespeare auswendig zu zitieren vermag.

Die einzige Hilfe erhält Montag von dem alten Mann Faber, der nicht nur eine Bibliothek sein Eigen nennt, sondern auch ein Elektrobastler ist. Er gibt Montag einen Funkempfänger, den er in die Ohrmuschel stecken kann. So kann er Montag vor kritischen Situationen warnen. Das ist auch vielfach notwendig, denn Montags Wut und Frustration kennt nach Clarisses Tod kaum noch Grenzen. Emotionaler Höhepunkt ist Montags Rezitation des viktorianischen Gedichts „Dover Beach“: „ignorant armies clash by night“ (sehr Kuttner-esk).

|(Achtung: Spoiler!)|

Es kommt zur Katastrophe: Der nächste Einsatz führt zu Montags eigenem Haus. Doch ihm gelingt es, Beatty auszuschalten und zu fliehen. Doch der mechanische Hund ist nun die größte Gefahr: Das künstliche Tier lähmt oder tötet seine Opfer mit einer „Procain“-Spritze, die es aus dem Maul ausfährt. Beinahe erwischt es auch den Fliehenden, bevor er in den Fluss springen kann, der die Stadt von der Wildnis abgrenzt.

In der Wildnis begegnet er Leuten, von denen ihm schon Clarisse erzählt hatte: Jeder der ehemaligen Professoren der Literatur und Philosophie hat ein Buch oder Buchteil memoriert. Diese Erinnerungen sind das Einzige, was von den Büchern übrig geblieben ist. Die Angehörigen der Gruppe, die im ganzen Land Kontakte hat, ziehen umher und verbreiten das Wort denjenigen, die es hören wollen. Es ist sehr passend, dass Montag Teile des Bibelteils „Buch des Predigers Salomo“ erinnert.

Doch kaum ist Montag in die Gruppe aufgenommen, bricht der schon lange erwartete Krieg aus. Flogen bislang nur Düsenbomber über den Himmel, so fallen nun die Wasserstoffbomben. Es ist ein Drei-Minuten-Krieg: kaum begonnen, schon vorbei. Doch danach existiert die Stadt nicht mehr. Und so ist für Montag und Co. die Zeit gekommen, einen Neuanfang zu machen und „das Wort“ zu verbreiten: „und die Blätter des Baumes dienten zur Heilung der Völker“.

|(Spoiler Ende)|

_Mein Eindruck_

In „Fahrenheit 451“ hat Bradbury Anfang der fünfziger Jahre seine Wut und Frustration herausgelassen. Sein Wutschrei gilt den Massenmedien des 20. Jahrhunderts, die er in Form des frühen Fernsehens bereits aufkommen sah und vor deren vermeintlichen Folgen er warnte. Fernsehen, Popmusik, Massensportveranstaltungen, sogar Comics und Freizeitparks – Bradbury lehnt alles ab, was nicht der Erbauung, sondern nur dem bloßen Vergnügen dient. Deshalb kommt es für ihn einer Todsünde gleich, Bücher, dieses Gedächtnis einer Kultur, verbannen und vernichten zu wollen. Denn er weiß (mit Heinrich Heine): „Wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch bald Menschen.“ So geschehen in Nazi-Deutschland, über das Bradbury sicher einige Berichte gehört, gelesen oder sogar gesehen hat.

Allerdings ist das Buch, das er geschrieben hat, auch die Litanei eines konservativen, puritanischen Moralisten. Montag macht eine moralische Entwicklung durch, angestoßen durch ein junges, intellektuell erscheinendes Mädchen (Clarisse). Seine Kontrahenten sind seine Frau Mildred und sein Hauptmann Beatty. Bradbury ist regelrecht sexistisch, wenn er Montag seine Frau als „stupid, empty-headed woman“ bezeichnen lässt, wenn sie Seifenopern via Wandfernsehen und Kopfhörersound in sich aufnimmt und darin versinkt. Doch im Gegensatz zu Montag hat sie noch Freunde. Beatty hingegen ist ein aufgeklärter Regimevertreter, der sehr an Winstons Peiniger in Orwells Roman „1984“ (1948) erinnert. Er hat selbst eine Menge Bücher gelesen und heuchelt seine Linientreue lediglich. Um seinen Job zu behalten, muss er allerdings Abweichler wie Montag ausmerzen.

Der einzige Freund, den Bradbury Montag gestattet, ist im Grunde Faber. Dieser „Handwerker“ (von lateinisch ‚faber‘) und Bücherfreund wird Montags Verbindung zum Untergrundnetz. So gelangt er zu den lebenden Büchern, die sich in der Wildnis treffen. Montag wandelt sich hier in Bradburys Ideal: zum Prediger des Wortes, zum Bewahrer der buchbasierten Kultur. Hätte Bradbury sein Buch dreißig Jahre später geschrieben, hätte er sicher gegen Computerspiele und Heimvideos gewettert. (Montag würde heute aber nicht mehr als Wanderprediger auftreten, sondern auch im Fernsehen oder Internet.)

Es ist daher kein Wunder, dass seine Botschaft bei Lehrern und anderen Kulturwächtern gerne gehört wurde. Da die Botschaft in eine unterhaltsame Geschichte mit poetischen Untertönen verpackt ist, stellte sie sich auch mit der Zeit als sehr akzeptabel heraus – nicht nur im Westen, sondern auch in der UdSSR (1956, 1963ff) und in der DDR (1974), wie Erik Simon in einer Fußnote zur |Heyne|-Ausgabe darlegt. Schön, wenn da ein Westler mal gegen die modernen Auswüchse des kapitalistischen Systems wettert.

Bradburys Buch ist daher weltweit in den Bücherkanon und die Lehrpläne aufgenommen worden – nicht nur weil es so schön schmal ist, sondern weil es auch frei von Sex und ähnlich schlüpfrigen Dingen ist. (Natürlich ist Clarisse kein weibliches Wesen; sie spricht ja nicht einmal wie ein Mächen, sondern genau wie Mädchen bei vielen anderen Science-Fiction-Autoren der vierziger und fünfziger Jahre, etwa bei Asimov: hölzerne Phrasen, die allesamt wie Botschaften eines Alter Ego des Autors klingen.) Dass sich darin eine Frau verbrennt und der Atomkrieg ausbricht, scheint nicht weiter schlimm zu sein. Man könnte das Buch ja sonst für harmlos halten.

Als Traktat für Teenager hat diese einfach gehaltene Dystopie sicher ihre Meriten, doch es handelt sich nicht um einen Science-Fiction-Klassiker für Erwachsene. „Fahrenheit 451“ ist zu unausgewogen, als dass man es als ernsthaften Versuch betrachten könnte, mit erzählerischen Mitteln die moralischen Folgen des Mediensperrfeuers, dem Montags Gesellschaft und Heim ausgesetzt sind, umzusetzen und darzustellen. Vielmehr ist Montag von vornherein immun gegen die Medienberieselung, die seine „dumme, hohlköpfige“ Frau über sich ergehen lässt. Er lehnt „Big Brother“ – in jedem Sinne – ab. Das macht seinen Sinneswandel aber nur wenig verständlicher.

_Unterm Strich_

Man sollte das Buch nicht mit François Truffauts Film vergleichen. Und wer die Story des Films ohne weiteres auf das Buch überträgt, begeht einen Fehler. Beide folgen ihren eigenen Gesetzen, verfügen über ihre eigenen Ausdrucksmittel. Die poetische Sprache ist im Film kaum je wiederzufinden, doch die Bilder des Films sagen etwas anderes als das Buch. Ein Vergleich täte beiden Unrecht, deshalb versuche ich das gar nicht.

Wer kann, sollte den Roman im Original lesen, nicht nur wegen der schöneren und genaueren Sprache, sondern auch wegen der Vollständigkeit des Textes. Ist schon die |Diogenes|-Fassung länger als die bei |Heyne| abgedruckte, so erfährt man in der „Encyclopedia of Science Fiction“, dass in den letzten Textfassungen zwei Kurzgeschichten, eine Coda und ein Nachwort des Autors hinzugekommen sind. Das wäre dann die definitive Ausgabe.

Wer wirklich gute Prosa von Bradbury lesen will, der greife zu den „Mars-Chroniken“ und dem „illustrierten Mann“, also sehr frühen Texten. Beide wurde verfilmt.

Nicholls, Stan – Orks, Die

Der „Herr der Ringe“, dessen Verfilmung zahllose Fans begeistert hat, mag ein Grund sein, warum auf einmal die fantasy-typischen Standardbösewichte,

_DIE ORKS_,

sich so großen allgemeinen Interesses erfreuen dürfen.

|Piper| legt mit Stan Nicholls‘ „Die Orks“ einen Sammelband von drei Ork-Geschichten vor, die uns ein Abenteuer aus Ork-Sicht schildern. So erhält man mit dem 800 Seiten dicken Buch eine komplette und abgeschlossene Trilogie!

Der eher unbekannte australische Autor Stan Nicholls schrieb neben den Orks die bisher ausschließlich im englischen Original erschienene „Quicksilver“-Trilogie und die „Nightshade-Chronicles“, die beide klassische Fantasythemen behandeln.

Der Sammelband „Die Orks“ ist ein sehr sauber und solide broschiertes/kartoniertes Buch. Auf dem breiten Buchrücken sowie dem schwarzen Cover ist eine riesige, vermeintliche Ork-Axt abgebildet – ironischerweise die Axt „Snaga“ des Helden Druss von David Gemmell … Darüber prangt der goldene Schrifzug „Die Orks“ – eine sehr gefällige Gestaltung! Eine SW-Karte zeigt den Handlungsort Maras-Dantien, zur Einstimmung beginnt das Buch mit einem alten Orks-Kriegslied, das sehr schön und sich gut reimend übersetzt wurde.

Das Buch besteht aus den Einzelromanen:

Leibwächter des Blitzes (Bodyguard of Lightning)
Legion des Donners (Legion of Thunder)
Krieger des Sturms (Warriors of the Tempest)

– alle von Stan Nicholls, zusammen eine abgeschlossene Handlung bildend.

_Piper-Orks, Heyne-Orks?_

Wer sich wundert, warum „Die Orks“ auf einmal bei |Piper| und nicht wie ursprünglich bei |Heyne| erscheinen: |Heyne| gehört zu der Verlagsgruppe |Random House|, deren Anteil im Fantasytaschenbuchmarkt so groß wurde, dass vom Bundeskartellamt der Verkauf einiger Reihen gefordert wurde. Die Reihe |Heyne Fantasy|, zu der auch „Die Orks“ gehören, erscheint somit neben anderen klangvollen Namen wie Ursula K. LeGuin, Terry Pratchett und Robert Jordans „Rad der Zeit“ nun bei |Piper Taschenbuch|. Optisch wurde nur der Schriftzug des Verlags auf dem Cover der „Orks“ verändert, alle genannten Reihen werden weiterhin erscheinen. Man kann auf die kommende und nun wahrlich opulente Fantasy-Vorschau des Piper-Verlages zu Recht gespannt sein! Weitere Details finden sich in den [Buchwurminfos III/2004]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=19.

_Zur Sache – was mordet Ork in diesem Buch?_

Der von dem Ork Stryke geführte Kriegstrupp der „Vielfraße“ führt auf den Schlachtfeldern Maras-Dantiens einen blutigen Krieg im Namen ihrer halborkischen Königin Jennesta. Die „älteren“ Rassen der Orks, Zwerge und Elfen stehen im Kampf mit den „Spätankommer“ genannten Menschen. War das Land Maras-Dantien reich an Magie, zehrt die Ankunft der Menschen an dessen Substanz, und der Zauber wird immer schwächer. Glaubenskriege zwischen den die älteren Göttern verehrenden „Mannis“ und den an den einen Gott glaubenden „Unis“ prägen das Land von der Kirgizil-Wüste bis zum Hojanger-Ödland im Norden. Dabei kämpfen Menschen und andere Rassen auch untereinander. Die Orks gelten als die besten Krieger Maras-Dantiens, treten jedoch nicht als eigene Nation auf, sondern werden als Leibwächer oder Kriegstrupps von vielerlei Herren angeworben, von den Menschen verständlicherweise weniger.

Eines Tages erhält Stryke den Auftrag, seiner Herrin Jennesta ein besonderes magisches Artefakt zu überbringen. Der Trupp gerät jedoch in einem Hinterhalt, Kobolde können das Artefakt entwenden. Bei der erzürnten Jennesta fällt der Trupp sofort in Ungnade, und sie hetzt ihre Soldaten, Kopfgeldjäger und sogar Drachen den „Vielfraßen“ hinterher …

Stryke erfährt bald mehr über das Artefakt, eines von fünf sogenannten „Instrumentalen“ … Zusammengesetzt werden sie zu einem Objekt großer Macht, das den Niedergang der Magie stoppen und vielleicht sogar die Orks aus der in Strykes Augen unwürdigen Leibknechtschaft befreien könnte.

Auf der Flucht vor Jennesta und der Suche nach den weiteren Instrumentalen stoßen Stryke und sein Trupp mehrfach mit fanatischen Menschen, Zentauren, Fischwesen und allen Arten von Geschöpfen, welche die Fantasyliteratur bisher hervorbrachte, zusammen. Der geheimnisvolle Seraphim sowie die ebenfalls recht widerwärtigen beiden Schwestern Jennestas mischen sich immer wieder in die Geschicke des Trupps ein … bis es zum Showdown zwischen Stryke, seinen „Vielfraßen“ und der bösen Königin kommt.

_Doch keine „echten“ Orks?_

Auch wenn der Klappentext „Ein etwas anderes Fantasy-Epos – mit den Bösen aus J. R. R. Tolkiens |Herr der Ringe| in den Hauptrollen“ verspricht: Die Welt Maras-Dantien ist doch sehr verschieden von Tolkiens Mittelerde!

Die Orks sind nicht ganz so hässliche Kreaturen wie die anscheinend das Zahnersatz-Bonusheft verachtenden Stinkfüße aus dem Herrn der Ringe, die zudem extreme Hautprobleme und miserable Beauty-Berater haben.

Groß, kräftig, wild, tödlich – im Gegensatz zum |Herrn der Ringe| wirbelt hier ein Ork locker drei, vier Menschenkrieger durch die Luft, nicht umgekehrt. Geblieben ist die Denkart: Orks lösen ein Problem direkt – mit dem Schwert und Körpereinsatz. Zimperlich sind sie nicht, im Gegenteil, sie leben erst so richtig auf, wenn Körperteile und Blut nur so spritzen! Vorurteile gegen die geldgierigen Zwerge hegen sie ebenso, was sich in den unterhaltsamen Streitigkeiten des Ork-Feldwebels Haskeer mit dem einzigen Zwerg im Trupp, Feldwebel Jup, zeigt.

Ein Unterschied zum klassischen Ork ist die Disziplin der Vielfraße: Professionelle, gut ausgebildete und schlachtenerprobte Krieger, die vor allem auch |diszipliniert| sind, das sind Nicholls Orks. Trotz dieser Unterschiede bleibt das barbarische Wesen der Orks dennoch weitgehend unangetastet.

Kämpfe gibt es im Verlauf der sehr linearen Storyline zuhauf. Obwohl einige wirklich brutale Dinge wie die Opferungen menschlicher Gefangener durch die halborkische Königin Jennesta, denen sie zu magischen Zwecken das Herz herausreißt (vorher „vergnügt“ sie sich gerne mit ihren Opfern im Bett oder auf dem Altar …) enthalten sind, gehen Gräuel und Fanatismus selten von den Orks aus. So sind menschliche Söldner oder hetzerische Menschen-Prediger die wahren Bösewichte, nicht die gewalttätigen, kämpferischen und etwas dummen Orks.

Die Vielfalt an fantasytypischen Rassen und Figuren, die im Handlungsverlauf auftreten, ist enorm. Für Abwechslung ist gesorgt, auch beschränkt sich die Story nicht nur auf Hauen und Stechen. Der Zwerg Jup darf so z. B. in einer Menschenstadt spionieren, einzelne Truppmitglieder werden geschnappt von ihren Jägern und erleben parallel zum Haupttrupp ihr eigenes Abenteuer. Gelegentlich wird zu Jennestas ebenfalls bösartiger Schwester Adpar und ihrem Kampf gegen die fischartigen Merz umgeblendet. Besonders amüsant ist auch der fanatische Menschenprediger Kimball Hobrow, seine hartherzige Tochter mit dem passenden Namen „Milde“ und die gemeinen Söldner um Micah Lekmann.

Die Kampfszenen sind sehr lebendig und spannend, sogar Drachen tauchen kurz auf, alles was das Herz des Orkfreunds begehrt. Was will man mehr?

Leider können die schöne Aufmachung und der geglückte Versuch, auf der Massenbegeisterungswelle des |Herrn der Ringe| mitzureiten, nicht verbergen, dass Nicholls einfach kein zweiter Tolkien ist.

Neben dem Ork Stryke, der für einen Ork ungewöhnlich schlau ist, zeigen nur die Figuren in seinem Kriegstrupp wie Alfray, Coilla, Jup und Haskeer so etwas wie Charakter. Alle anderen Orks, auch die des Trupps, sind bedeutungs- und weitgehend sogar namenlos. Dasselbe gilt für die anderen Fantasyrassen: Sie werden wie Statisten nacheinander besucht, ihres Artefakts beraubt und abgehandelt. Königin Jennesta wird als ziemlich flacher, böser Charakter dargestellt. Die Menschen werden ganz gut zum Teil als üble Bösewichte geschildert, ohne zu platt zu werden.

Die furiosen Gefechte können nicht über im späteren Handlungsverlauf auftretende Durststrecken hinwegtäuschen. Das von Nicholls selbst erdachte Finale kam bei mir sogar noch weniger gut an als seine oft geradezu zwanghaft in die Handlung integrierten, geklauten Fantasywesen/rassen an. Alles in allem jedoch keinesfalls ein schlechtes Buch. Allerdings auch keine wirkliche Empfehlung.

Eine kleine Leseprobe aus dem orkischen Marschlied am Anfang des Buchs:

|“Wir sahn einen Bauern so fett mit seiner Tochter so nett,
die Spitzen unserer Dolche weckten ihn rau,
er fing an zu stammeln und zu kreischen, gab uns Gold ohne zu feilschen,
die Tochter floh, also brieten wir seine Frau.

Und jetzt, orkische Lumpen, hebt euren vollen Humpen,
in tüchtigen Schlucken sauft das starke Bier,
spießt sie auf im Geplänkel wie von Schweinen die Schenkel,
fett und reich, so sehen wir Vielfraße uns wieder hier!“|

_Fazit_

Für Fantasy-Freunde ein Paradies. Die Ork-Perspektive des Buches weiß zu gefallen. Trotzdem kommt das Buch oft nicht über gutes Mittelmaß hinaus. Wer selten Fantasy liest oder Tiefgang und Anspruch sucht, der wird hier nicht fündig. Da das Buch ein sehr schön gestalteter Riesenwälzer von 800 Seiten ist, stellt es jedoch ein sehr schönes Geschenk für die entsprechende Zielgruppe dar.

|Tipp – oder Warnung (?)|

Dank des großen Verkaufserfolgs der Orks gibt es nun auch die „Zwerge“ und die „Elfen“ sowie Weiteres von Stan Nicholls. Man kann nur hoffen, dass hier nicht auf Kosten bekannter Fantasylieblinge deren Fans mit reihenweise Mittelmaß bombardiert werden. „Die Zwerge“ zumindest kamen bei der Zielgruppe allerdings überwiegend gut an.

Homepage des Autors: http://herebedragons.co.uk/nicholls/

Heinlein, Robert A. – Zwischen den Planeten

Robert Anson Heinlein (1907-1988) hat zweifellos eine ganze Menge bedeutenderer und unterhaltsamerer Romane geschrieben als „Zwischen den Planeten“. Die Karriere des Autors begann 1939 mit der Veröffentlichung einer Kurzgeschichte in |Astounding Science Fiction|, herausgegeben von John W. Campbell, der viele weitere Storys folgen sollten, ehe ihm der Absprung aus den Pulps hin zum viel beachteten Romanautor gelang, der in den siebziger und achtziger Jahren regelmäßig in den amerikanischen Bestsellerlisten zu finden war. Neben zahlreichen Science-Fiction-Romanen für ein erwachsenes Publikum, wie den allesamt mit dem |Hugo Award| ausgezeichneten „Double Star“ (1956), „Starship Troopers“ (1959), „Stranger in a Strange Land“ (1961) und „The Moon is a harsh Mistress“ (1966) veröffentlichte Heinlein zwischen 1947 und 1963 eine Reihe von Romanen für Jugendliche, zu denen – wenngleich eindeutig zu den qualitativ schwächeren – auch „Between the Planets“ zu rechnen ist.

Don Harvey erhält überraschend ein Telegramm seiner Eltern. Drei Monate vor dem Ende seiner schulischen Ausbildung wird er darin aufgefordert, die Erde zu verlassen und zu seinen Eltern auf den Mars zu kommen. Dieser ist ebenso wie die Venus von den Menschen kolonisiert. Noch bevor er sein Schiff besteigen kann, lernt Don einen der Eingeborenen der Venus, Saurier-ähnliche Wesen, die der Einfachheit halber als „Drachen“ bezeichnet werden, namens „Sir Isaac Newton“ kennen. Aus dem Flug zum Mars wird nichts, da kurz nach dem Start auf der Venus eine Rebellion gegen die irdische Regierung ausbricht: Das Schiff wird abgefangen, Don selbst wird zur Venus gebracht. Eigentlich hält er sich in diesem Konflikt für neutral, sieht er sich doch selbst als Bürger des ganzen Sonnensystems, da sein Vater Erdgeborener ist, seine Mutter eine Venus-Kolonistin der zweiten Generation und er auf einem Raumschiff geboren wurde. Doch einem vermeintlich billigen Plastikring, den er bei sich trägt, scheint eine größere Bedeutung beizukommen, als Don ahnt, was ihn in den Mittelpunkt der Auseinandersetzungen rückt.

Der mageren Handlung zum Trotz liest sich der Roman auch über fünfzig Jahre nach seiner Erstveröffentlichung noch recht flüssig, was für Heinleins erzählerische Begabung spricht, auch einem mäßig interessanten Stoff noch halbwegs unterhaltsame Seiten abzugewinnen. Damit hat es sich aber weitgehend: Der naive und gleichzeitig völlig von sich eingenommene Protagonist Don stößt dem Leser ebenso sauer auf wie die verschenkte Möglichkeit, die Urzivilisation der Venus detaillierter und nicht gar so oberflächlich zu schildern, wie es hier geschieht. Von der wenig prickelnden, sehr schwarz-weiß und amerikanisch gemalten Kolonisten-Rebellion gegen die obligatorische irdische Diktatur ganz zu schweigen. So bleibt „Zwischen den Planeten“ unterm Strich einer der schwächsten Romane Heinleins, den man ganz sicher nicht unbedingt gelesen haben muss.

Heinleins Jugendbücher in chronologischer Reihenfolge:
1947: Rocket Ship Galileo (dt. Reiseziel: Mond; BL 24293)
1948: Space Cadet (dt. Weltraumkadetten; BL 23220)
1949: The red Planet (dt. Der rote Planet; BL 23214)
1950: Farmer in the Sky (dt. Farmer im All; BL 24286)
1951: Between Planets (dt. Zwischen den Planeten, BL 23263)
1952: The rolling Stones (dt. Die Tramps von Luna; BL 24311)
1953: Starman Jones (dt. Gestrandet im Sternenreich; BL 24220)
1954: Star Beast (dt. Die Sternenbestie; BL 24163)
1955: Tunnel in the Sky (dt. Tunnel zu den Sternen; BL 23201)
1956: Time for the Stars (dt. Von Stern zu Stern; BL 23191)
1957: Citizen of the Galaxy (dt. Bewohner der Milchstraße; BL 23167)
1958: Have Space Suit – will travel (dt. Invasion der Wurmgesichter; noch nicht bei BL, zuletzt 1982 als Heyne TB 06/3862)
1963: Podkayne of Mars (dt. Bürgerin des Mars, noch nicht bei BL, zuletzt 1980/82 als Goldmann TB 23354)
(Zusammenstellung von Gunther Barnewald)

_Armin Rößler_ © 2004
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung unseres Partnermagazins [buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de/ veröffentlicht.|

Rollins, James – Sub Terra

McMurdo Base, eine Forschungsstation der US-Navy, auf Ron Island und unweit des Mount Erebus an der Antarktisküste – oder eigentlich darunter, ganze drei Kilometer sogar. Dort wurde ein gigantisches System unterirdischer Kavernen entdeckt; allein die Haupthöhle weist einen Durchmesser von acht Kilometern auf. Aber es kommt noch toller: Die Spähtrupps der Navy stießen auf Artefakte, die zwar primitiv, aber eindeutig einer intelligenten Zivilisation zuzuordnen sind. Datiert wurden sie auf ein stolzes Alter von 5,2 Mio. Jahre, und nun wird es unheimlich, weil sich der Mensch erst eine Million Jahre später zu entwickeln begann.

Da es in der unterirdischen Düsternis nichts gibt, auf das sich schießen ließe, ist nun der Zeitpunkt gekommen, wissenschaftliche Hilfe von außen anzufordern. Das chronische Misstrauen der Militärs – vielleicht findet sich da unten ja etwas, mit dem sich die vielen Feinde Amerikas noch besser in Schach halten lassen – bringt den Geologen und Vulkanologen Dr. Andrew Blakely ins Spiel. Er arbeitet ohnehin schon unter McMurdo für die Navy – da kann er wohl auch eine Expedition planen und mit anerkannten Fachleuten besetzen.

Professor Ashley Carter, Paläoanthropologin und Archäologin, gräbt gerade in Neumexiko alte Indianersiedlungen aus, als sie der Ruf aus der Antarktis erreicht. Sie sagt zu, bringt aber ihren elfjährigen Sohn Jason mit. Der Australier Benjamin Brust, Ex-Soldat und Höhlenforscher, organisiert den eher Körpereinsatz erfordernden Part der Kletterei; das Team wird komplettiert durch noch einen weiblichen Professor – die Biologin Linda Furstenberg aus Kanada -, Khalid Najmon, Geologe ägyptischer Herkunft, sowie Major Dennis Michaelson und zwei kernige Marines, die offiziell für die Logistik des Unternehmens, aber außerdem für den Schutz der Wissenschaftler zuständig sind. Denn der recht zwielichtige Blakely hat seinen Forschern eine kleine, aber wichtige Tatsache verschwiegen: Sie sind nicht das erste Team, das sich in die Tiefe wagt. Ihre Vorgänger sind allerdings spurlos verschwunden – und mit ihnen immer wieder Soldaten, die sich ein Stück zu weit ins Unbekannte gewagt hatten. Die Menschen sind ganz sicher nicht allein hier |sub terra|, und sie werden keineswegs gastfreundlich empfangen. Als ob dies nicht genug der Gefahr sei, entpuppt sich dann auch noch einer der Forscher als fanatischer Terrorist, der sicherstellen soll, dass sich die verhassten USA nicht auch noch unter der Erdoberfläche breit machen …

Dreimal geraten, liebe Leser, wer das wohl sein könnte aus unserer Runde! Nun ja, einmal wird wohl reichen (dazu unten mehr) – und damit wissen wir schon, wessen Geistes (Findel-)Kind der Roman „Sub Terra“ ist. Der Doktor und das liebe Leservieh … James Rollins alias James Clemens, geboren 1961 in Chicago, Illinois, als James Czajkowski, Doktor der Veterinärmedizin, vulgo Tierarzt, im kalifornischen Sacramento, dazu Reisender und Geschichtenerzähler – ein Lebenslauf, wie ihn die US-Amerikaner lieben, suggeriert er doch Weltläufigkeit und dass in diesem Land jedermann berühmt und reich werden, wenn er (oder sie) sich nur recht eifrig darum bemüht.

Die Qualität dessen, was dabei das Licht der Welt erblickt, ist von sekundärer Bedeutung. In unserem Fall ist das einleuchtend, wenn wir Dr. Czajkowski lauschen, wie er in Erinnerungen schwelgt an die schöne Zeit, als er mit der Linken hustende Dobermänner kurierte und mit der Rechten „Subterranean“, seinen Romanerstling, niederschrieb: drei Seiten an jedem schönen Tag, den der Herr werden ließ, nicht mehr, nicht weniger, bis das Werk getan. (Diese und weitere Informationen zur Person und zum Werk des James Rollins liefert die Website www.jamesrollins.com, die sich allerdings mit demselben Adjektiv wie das schriftstellerische Potenzial ihres Herrn beschreiben lässt: dürftig.)

Diese ungewöhnliche Art der Schriftstellerei bedingt natürlich gewisse Einschränkungen. Um den Tagesdurchschnitt von drei Seiten nicht zu gefährden, gilt es beispielsweise auf jeglichen Ehrgeiz zu verzichten, sein Werk um den Faktor Originalität zu bereichern. Wozu denn auch, steckt doch die Welt des Abenteuerthrillers voller erprobter und bewährter Szenen und Figuren, die förmlich danach schreien, dass sich ein fix und ökonomisch arbeitender Schreiber(ling) ihrer bedient.

Oder wollen wir männlichen Leser etwa behaupten, wir verfolgten nicht gern – in allen Ehren selbstverständlich – die Abenteuer der 2.004ten schönen Frau, die auf den Spuren Lara Crofts die Unterwelt der Antarktis erobert? Wir müssen uns da keine Vorwürfe machen, ist diese Ashley Carter doch nicht nur hübsch, sondern auch schlau und eine gute Mutter obendrein, so dass sie politisch völlig korrekt bewundert werden darf. Sicher, das Treiben ihres Sprösslings – einer Nerven sägenden Heimsuchung, die das Disney-Studio geschickt haben könnte – lässt insgeheim den Wunsch aufkommen, ein gütiges Schicksal – vielleicht in Gestalt eines hungrigen Höhlenbären? – möge ihn möglichst rasch aus dem Geschehen reißen, aber schließlich muss Autor Rollins schon eine zukünftige Verfilmung bedenken, und da ist eine Identifikationsfigur für die eintrittskartenkaufende US-Teenagerschaft unbedingt erforderlich.

Aber keine Sorge: Guter, altmodischer Abenteuer-Machismo manifestiert sich in der Figur des Australiers Benjamin Brust, der eine Art Stalaktite Dundee gibt und noch in lebensbedrohlicher Notlage die Muße findet, die unbemannte Ashley ordentlich zu bebalzen (was sich auch die moderne Frau des 21. Jahrhunderts insgeheim ganz gern gefallen lässt, wie Rollins mit einem Augenzwinkern deutlich macht). In Reserve hält sich Frau Nr. 2, Linda Furstenberg, der aber eher die Rolle der schwarzhaarigen Verderbnis zugedacht wurde, die ein übles Ende nimmt: In dieser Geschichte ist nur Platz für eine Heldin.

Klassisch auch die Schurkenrollen: Mit falschem Lächeln zieht Dr. Blakely – intrigant, egoistisch, ehrgeizig: kein vom Wissensdurst beseelter Forscher, sondern ein Politiker eben – feige hinter den Kulissen die Fäden. Fürs grobe Tücken vor Ort (Belügen & Bedrohen der Helden, Bestehlen & Umbringen der Eingeborenen, Versündigen gegen Mutter Erde etc.) ist Khalid Najmon zuständig, dessen Namen im Ohr des wachsamen Durchschnittsamerikaners verdächtig nach Ausland und Nahem Osten klingt. (Ägypten? Ist das nicht die Hauptstadt des Iran?)

Bleiben noch der stramme Major Michaelson und seine beiden Mannen, harter Kern in stählerner Schale, mutig und dringend erforderlich, um die gar zu sorglosen Wissenschaftler zu ihrem eigenen Besten vor den Gefahren der Finsternis zu schützen. Außerdem gilt es uramerikanische Interessen zu vertreten: Wo kämen wir denn dahin, wenn am Mittelpunkt der Erde ein anderes als das Sternenbanner wehte? Hei, da kommt patriotischer Stolz auf, wenn tapfere Marines den Polar-Morlocks tüchtig in die Ärsche treten! Ach, wenn das mit den Iranern (Libyern, Kubanern u. a. Strolchen) doch auch nur so einfach wäre!

Der Blick auf die Handlung zeigt indes, dass mit den oben beschriebenen Protagonisten genau die richtigen Personen „Sub Terra“ gegangen sind. Was in der Theorie paradox klingt, weiß Autor Rollins wunderbar zu realisieren: Geografisch geht es klaftertief hinab, während die Geschichte durchweg flach bleibt. Hier Jules Vernes wunderbare [„Reise zum Mittelpunkt der Erde“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=325 („Voyage au Centre de la Terre“, 1864) als Vorbild zu nennen, zeugt von einem gut ausgebildeten Selbstbewusstsein – oder kündet vom dreisten Versuch, den zögerlichen Buchladen-Besucher zwecks Kauf des Bandes zu überrumpeln. Parallelen gibt es in der Tat: Auch Vernes Forscher sind Papier gewordene Klischees. Allerdings fand ihre Reise vor fast anderthalb Jahrhunderten statt. Inzwischen hat sich in Sachen Figurenzeichnung und -entwicklung einiges getan – oder eben nicht, wie Rollins hier deutlich macht. Es reicht nicht, sich populärwissenschaftlich auf den aktuellen Stand zu bringen. Natürlich ist es richtig, dass es dieses Mal nicht mehr zum Mittelpunkt der Erde hinab geht, weil wohl heute selbst dem dümmsten Zeitgenossen klar ist, dass dieser einen glühenden, flüssigen und deshalb ziemlich unzugänglichen Kern bildet.

Ein bisschen Realität braucht auch ein Phantastik-Garn wie „Sub Terra“. Auch ein gewisser naiver Charme in Form und Inhalt schadet nicht in einem Genre, dessen Autoren kaum um den Nobelpreis für Literatur zu buhlen pflegen. Doch Rollins übertreibt es bzw. versucht erst gar nicht, Bekanntes wenigstens zu variieren, Das Ergebnis ist spannend dort, wo reine Aktion die Szene bestimmt. Rollins Darstellung einer exotischen Höhlenwelt tief unter der Erde hat ganz sicher ihre Reize. Doch sobald seine Protagonisten auf der Bildfläche erscheinen und womöglich auch noch den Mund aufmachen, ist der Zauber verflogen.

„Sub Terra“ ist ein Debütwerk und muss deshalb mit einer gewissen Nachsicht beurteilt werden. Allerdings lassen Rollins Nachfolgewerke nicht die geringste Tendenz erkennen, die oben beschriebenen Probleme in den Griff zu bekommen. Wie könnte dies auch geschehen, da es doch erklärtes Ziel des Verfassers ist, die lesende Welt mit mindestens einem Abenteuer/Mystery-Thriller und einem Fantasy-Roman – in Deutschland veröffentlicht Rollins als James Clemens die Serie „The Banned and the Banished“ – pro Jahr zu beglücken? Der selbst auferlegte Arbeitsdruck führt denn auch dazu, dass „Excavation“ (1999; dt. „Das Blut des Teufels“), „Deep Fathom“ (2000; dt. „Im Dreieck des Drachen“) und „Amazonia“ (2001, dt. „Operation Amazonas“) unter den bekannten Schwächen leiden.

Da „Sub Terra“ erfreulich preisgünstig erstanden werden kann, ist ein Kauf trotz der beschriebenen Mankos kein Fehler, wenn man einfach nur (irgendwie) und ohne jeden Tiefgang unterhalten werden möchte, was ja manchmal auch ganz angenehm ist.

Foster, Alan Dean – Aliens – Die Rückkehr

Mit letzter Kraft hat sich Ellen Ripley, Deckoffizier an Bord des Raumfrachters NOSTROMO, des unheimlichen, schier unsterblichen Aliens erwehren können, das sie und ihre Kameraden auf Geheiß der „Gesellschaft“, eines mächtigen Konzernmultis, ahnungslos vom Planeten LV-426 bergen mussten. Mit Jones, der Schiffskatze, treibt sie im Kälteschlaf in der Rettungskapsel der untergegangenen NOSTROMO im All und wartet auf ihre Rettung. (Die Vorgeschichte beschreibt Alan Dean Foster in [„Alien – Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=645 .)

Schließlich findet man die Kapsel, doch inzwischen sind 57 Jahre vergangen. Ripley kehrt zur Erde zurück, wo ihre Angehörigen und Freunde längst gestorben sind. Die Schatten der Vergangenheit lassen sie nicht los. Da sind die ständigen Albträume. Schlimmer sind allerdings die Intrigen der „Gesellschaft“, die das so fatal fehlgeschlagene und höchst heikle Projekt LV-426 unbedingt vertuschen will und Ripley zum Sündenbock für den Verlust der NOSTROMO und ihrer Mannschaft stempelt. Ripley findet sich auf einer schwarzen Liste wieder, was es ihr doppelt schwer macht, in einer ihr völlig fremd gewordenen Welt Fuß zu fassen.
Da wendet sich Carter Burke, ein Repräsentant der „Gesellschaft“, an Ripley. Sie muss erfahren, dass die „Gesellschaft“ in den vergangenen Jahrzehnten eine Kolonie auf LV-426 – jetzt „Acheron“ genannt – eingerichtet hat. Riesige Maschinen sollen den unwirtlichen Planeten in eine zweite Erde verwandeln. Im Verborgenen wird gleichzeitig das Wrack untersucht, in dem die Mannschaft der NOSTROMO einst auf das Alien stieß.

Ganz plötzlich ist der Kontakt zur Vorzeige-Kolonie abgebrochen. Hat Ripley womöglich doch die Wahrheit gesagt? Die „Gesellschaft“ geht kein Risiko ein. Sie schickt den Truppentransporter SULACO und eine kleine Gruppe kampferprobter Soldaten nach Acheron, die dort nach dem Rechten sehen sollen. Ripley wird ihnen als Beraterin zur Seite gestellt; ihr bleibt keine Wahl, denn der lange Arm der „Gesellschaft“ wird sonst dafür sorgen, dass sie nirgendwo eine Heimat findet.
Nach der Ankunft findet die Gruppe die Kolonie menschenleer und zerstört vor. Ripley findet die einzige Überlebende: die sechsjährige Newt, die ihnen berichtet, wie Horden von Aliens die Kolonie überfallen und sämtliche Bewohner getötet oder verschleppt haben.

Rasch müssen die Soldaten, die Ripleys Warnungen über die Gefährlichkeit der Aliens bisher keinen Glauben geschenkt haben, die Erfahrung machen, dass ihre Bewaffnung und ihre Ausbildung gegen diesen Feind wenig ausrichten. Ein erster Vorstoß in das Nest der Aliens endet in einem Fiasko; einige Männer, darunter der Kommandant, sterben, das Landefahrzeug wird zerstört. Nun ist die Gruppe auf Acheron gefangen – und in der Nacht werden die Aliens kommen …

Seit etwa 1980 ist der „tie-in-Roman“ – die Nacherzählung eines Kino- oder TV-Films – eine feste Größe im Vermarktungskonzept der Film- und Fernsehindustrie. Das Drehbuch liegt sowieso vor; warum es dann nicht als Grundlage eines Romans noch einmal profitbringend recyceln? Im schlimmsten Fall werden die schon vorhandenen Dialoge und Handlungsvorgaben mit einigen Überleitungen verbunden, und schon kann das Produkt – und mehr ist es dann nicht – auf den Markt geworfen werden.
Unter diesem Aspekt ist es einleuchtend, dass sich eine ganze Reihe von zweit- und drittklassigen Autoren auf das Verfassen von Filmromanen spezialisiert hat. Aber auch Schriftsteller von Rang und Namen verdienen sich gern ein kleines Zubrot, wenn die Karrierekurve einmal einen Knick erfährt.

Alan Dean Foster gehört zu den redlichen Vertretern seiner Zunft. Er begann als „richtiger“ Autor und debütierte 1972 mit dem Roman „The Tar Aiym-Krang“ (dt. „Das Tar Aiym Krang“) dem er bis heute knapp 100 (!) weitere folgen ließ: Foster gilt als schneller, aber versierter und unterhaltsamer Handwerker. Als solcher erregte er schon früh die Aufmerksamkeit der Film- und Fernsehindustrie, der er schon vorher durch seine Arbeit in der PR-Abteilung eines kleinen kalifornischen Studios verbunden war. Zwischen 1974 und 1978 verwandelte er die Drehbücher der STAR TREK-Zeichentrickserie in eine zehnbändige Buchreihe. Anschließend ging es Schlag auf Schlag: Neben den „Alien“-Romanen entstanden Bücher zu Filmen wie „Starman“, „Das Ding aus einer anderen Welt“ oder „Outland – Planet der Verdammten“, aber auch zu Western wie „Pale Rider – Der namenlose Reiter“ – bis Anfang der 90er Jahre insgesamt etwa 25 Romane.

Der fleißige Autor hatte 1979 bereits den ersten Teil der „Alien“-Saga in Romanform gebracht und dabei sehr gute Arbeit geleistet. Die Fortsetzung sollte ihn vor ungleich größere Probleme stellen. „Aliens – Die Rückkehr“ ist ein James-Cameron-Film. Dieser Regisseur und Drehbuchautor ist bekannt und berühmt für seine fabelhaften Action-Filme (u. a. „Terminator“, „Terminator II“, „Abyss“). Gegen sein enormes Talent, eine spannende Geschichte in packende Bilder zu kleiden, fällt seine Fähigkeit, dieser Geschichte Tiefe zu verleihen, ab. Zumindest der frühe Cameron (mit „Titanic“ hat sich seine inszenatorische Bandbreite stark erweitert) achtete deshalb darauf, dass vor der Kamera immer etwas geschieht. In „Aliens – Die Rückkehr“ gibt es durchaus ruhige Passagen (das gilt besonders für den „Director´s Cut“, der fast eine halbe Stunde länger ist als die Kinofassung), der Film weist dennoch einen völlig anderen Grundton auf als sein Vorgänger.

Zwangsläufig erschwert die Betonung des Körperlichen einem Schriftsteller wie Alan Dean Foster die Arbeit. Er denke sich gern in die Köpfe seiner Figuren, sagte er in einem Interview einmal (nachzulesen in: Jens H. Altmann, „Am Ende passt alles zusammen“. Ein Interview mit Alan Dean Foster, in: Wolfgang Jeschke [Hg.], Das Science Fiction Jahr 1998, Heyne Verlag, Nr. 06/5925, S. 565-574). Dazu lässt ihm das Drehbuch zu „Aliens“ wenig Spielraum. Foster kann in die actionbetonte Story keine längeren Passagen einfügen, die dieser völlig entgegenlaufen. Also muss er sich mit Andeutungen begnügen. (So erfährt man beispielsweise zum ersten Mal etwas über das Privatleben Ellen Ripleys, die hier zudem endlich zu ihrem Vornamen kommt). Trotzdem gelingt ihm wieder ein spannend zu lesender Roman, der gegen den auf seine Art überragenden Film, der sich wie sein Vorgänger sofort zu einem Klassiker des Genres entwickelte, allerdings dieses Mal deutlich abfällt.

Asher, Neal – Drache von Samarkand, Der

Im Jahr 2432 hat sich die Menschheit über die ganze Galaxis ausgebreitet. Die Regierungsgewalt liegt bei einem riesigen Netzwerk künstlicher Intelligenz, „Earth Central“ genannt. Entfernungen spielen kaum noch eine Rolle, denn mit Hilfe der so genannten „Runcible“-Stationen kann man sich in Sekundenbruchteilen von Planet zu Planet beamen. Runcible-Stationen werden ebenfalls von künstlichen Intelligenzen betrieben und gelten als absolut zuverlässig. Bis auf dem Planeten Samarkand ein Runcible in einem gewaltigen Feuerball vergeht, tausende von Menschen tötet und den terrageformten Planeten in eine lebensfeindliche Wüstenei zurückverwandelt.

Ein Fall für ECS (Earth Central Security). Diese schickt ihren besten Agenten, Ian Cormac, ins Gefecht. Der seit Jahrzehnten mit der KI vernetzte Cormac muss diesen Einsatz ohne Direktlink zu Earth Central bestreiten: Bei seinem letzten Einsatz zeigten sich Schwächen seinerseits, mit „normalen“ Menschen umzugehen. Deshalb musste er die Schwester des Separatisten Arian Pelter töten, die ihn entlarven konnte.

Während Cormac auf Samarkand auf die exotische, außerirdische Lebensform „Drache“ stößt, hetzt Pelter ihm mit dem Söldner Stanton und dem irren Androiden Mr. Crane hinterher …

_Der Autor_

Neal Asher wurde 1961 in Essex geboren. Seine Homepage gibt sich recht zurückhaltend mit persönlichen Daten. Bereits im Alter von 17 Jahren veröffentlichte er mehrere Fantasy-Geschichten, außerdem einige Drehbücher für in Deutschland unbekannte TV-Serien (u. a. „Trines“). „Der Drache von Samarkand“ (Gridlinked) erschien im Jahre 2001 und stellt sein erstes größeres Werk im Bereich der Science-Fiction dar. Im so genannten „Polis“-Universum sind auch die Romane [„Skinner – Der blaue Tod“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=291 und „Das Erbe Dschainas“ angesiedelt, deren Hauptakteure stets ECS-Agenten sind. Cormac hat erst im „Erbe“ seinen nächsten Auftritt, auf „Skinners“ Wasserwelt Spatterjay vertritt ihn Agent Keech.

_Science-Fiction, Agententhriller … oder eine Mogelpackung?_

Ian Cormac ist ein Bond-Verschnitt erster Güte: Ausgestattet mit einem Arsenal exotischer Waffen, z. B. einem Wurfstern mit KI, macht er von seiner Lizenz zum Töten ausgiebig Gebrauch.

Asher zeichnet ein komplexes Universum, mit allem, was die Science-Fiction zu bieten hat: Von der Serie „Stargate“ und Simmons‘ „Hyperion“ inspirierten Teleport-Toren und künstlichen Intelligenzen bis hin zu Golems genannten Androiden. Inklusive eines vermeintlich komplexen Helden, der, nach Jahren von der |Earth-Central|-KI getrennt, nun wohl gewaltigen persönlichen Problemen gegenübersteht, sowie einer absolutig fremdartigen, mysteriösen, ja geradezu gigantischen außerirdischen Lebensform namens „Drache“. An und für sich klingt das alles nicht schlecht, eher vielversprechend. Genauso wie der Klappentext:

|Abwechslungsreich und farbenfroh, für alle Freunde von Peter F. Hamilton.|

Ich möchte dem heftigst widersprechen: Massenweise Ideen anderer Autoren zu übernehmen, garantiert keinen guten Roman. Denn leider ist der Ozean an Ideen, den Asher angezapft hat, bei ihm zwar umfassend, aber so oberflächlich, dass er weniger Tiefgang als eine Pfütze hat.

So ist Ian Cormac von Anfang bis Ende eher unpersönlich, kein starker Heldencharakter oder Antiheld – eher ein Langweiler. Wie der Rest seiner Antagonisten auch. Die angepriesene High-Tech-Waffenspielerei beschränkt sich auf seinen KI-gesteuerten Shuriken. Dann gibt es noch den „Golem“ Mr. Crane, der ein wenig an den „Beißer“ aus diversen James-Bond-Filmen erinnert. Er ist zwar ein Stereotyp, aber er hat mehr Charakter als die lauen Opfer und Nebencharaktere, die blass in der Bedeutungslosigkeit versinken.

Schleierhaft ist mir die Titelgebung des Romans: Der erwähnte Drache taucht mitten in einer kleinen Privatfehde zwischen dem Separatisten Pelter und Cormac, den dieser seit Jahren erfolgreich bekämpft, auf. Das Schlimme ist: Diese kleine Fehde macht den Hauptteil der Handlung aus!

Und leider … ist sie unglaublich langweilig. Angerissen, aber nie zuende gebracht – das zeichnet alle Handlungsstränge dieses Buches aus. Cormac war lange mit der KI vernetzt – aha, jetzt hat er wohl Probleme ohne diese. Pustekuchen – keinerlei Konflikt. Genauso fallengelassen wie ein wenig Licht ins Dunkel der Motivation des Drachen zu bringen, der wohl ein wenig Grauen ob des Unbekannten in die Handlung bringen sollte. Ansonsten rüsten sich alle Protagonisten gerne genetisch oder technologisch auf. Aber auch hier beschränkt sich Asher auf die rein physischen Resultate, ohne näher ins Detail zu gehen. Die künstlichen Intelligenzen werden auch nicht gerade berauschend in der Art körperloser Stimmen aus dem Off beschrieben, Kontakt per Funk oder Vernetzung in der Regel – wenn Simmons, Asimov und andere Autoren über KIs schreiben, wird wesentlich mehr geboten.

Ein weiterer Schwachpunkt ist die Übersetzung, die für ein und dieselbe Technik, die „Runcible“ genannten Teleporttore à la Stargate, einen Mix aus Deutsch und Englisch („Runcible“ meets „Zinklöffel“ – wie bitte?) bietet, auch die Namensgebung kann abschrecken. Anglophoner geht es nicht: Arian Pelter, Horace Blegg, Mr. Crane … es fehlt nur der so beliebte und für Engländer anscheinend wohlklingende Name Artemis für einen Mann, dann würde ich schreiend davonrennen. Desweiteren gibt es noch das krude übersetzte „‚Wie es aussieht‘ von Gordon“ …

Was das ist? Zu Beginn jedes Kapitels gibt es eine kleine Einleitung mit Infos zu Geschichte und Technik, eben „Gordon“ oder das „Quittenhandbuch“. An und für sich eine gute Idee, aber meistens ohne Bezug zur aktuellen Handlung und ohne dem vielfältigen Universum ein wenig mehr Tiefe zu verleihen. Ob es am Autor liegt oder am Übersetzer, sei dahingestellt: Sprachlich ist der Roman ein plattes Machwerk. Die Handlung ebenso. Mischen wir den irreführenden Klappentext hinsichtlich der fremdartigen Alien-KI Drache hinzu, haben wir eine literarische Katastrophe: Wer hat den Drachen erbaut, und zu welchem Zweck? Ist er nicht vielmehr ein Lebewesen denn eine KI? Dies wird nie geklärt, anscheinend auch nicht in den zwei folgenden Romanen.

Eine reine Nebenhandlung, die Interesse auf die uninteressante Haupthandlung lenken soll. Wer einen Roman zum Thema KI oder außerirdische Intelligenz erwartet, wird hier ganz klar irregeführt. Dieser Roman ist zu allem Überfluss auf jedem Gebiet, das er anschneidet und fallen lässt, leider nur mäßig bis unterdurchschnittlich.

_Der seichte SciFi-Bruder von James Bond_

Man darf Cormac weder mit James Bond vergleichen, noch anspruchsvolle Science-Fiction erwarten. Andererseits bieten selbst Heftserien wie Perry Rhodan markigere Charaktere, im vorliegenden Buch wird leider nur zwischen blass und stereotyp abgewechselt.

Obwohl es oft blutig zugeht und die Zahl der Todesopfer bemerkenswert hoch ist, die Cormacs Fehde mit Pelter fordert, für einen Actionroman wird zu wenig Finesse geboten. Oberflächliche, unausgegorene Handlungsstränge gibt es dafür zuhauf – die Vergleiche mit Hamilton sind sehr schmeichelhaft, an den |sense of wonder| eines Armageddon-Zyklus oder die Krimis der Mindstar-Reihe kommt dieser Roman bei weitem nicht heran.

Alleine Earth Central, die Regierungs-KI, hätte so viele Möglichkeiten geboten… hätte man daraus nicht zwangsweise etwas machen müssen? Eine KI zum Guten oder Bösen? Fehlanzeige. Gemäß dem scheinbaren Motto des Romans eingeführt und dann sofort wieder fallengelassen worden wie eine heiße Kartoffel.

Neal Asher hätte einen großartigen Mix aus Science-Fiction, Action und Agententhriller schaffen können. Diese Vielfalt hat einen gewissen Reiz. Leider kann der „Drache“ weder einzeln noch in Kombination der Genres das Mittelmaß überbieten.

Homepages des Autors:
http://freespace.virgin.net/n.asher/

Dick, Philip K. – Ubik

_Was ist UBIK?_

In nicht allzu ferner Zukunft werden immer mehr parapsychisch Begabte in der Menschheit auftauchen. Das Sonnensystem ist besiedelt, man arbeitet an den ersten Fernflügen. Nicht wenige Menschen fühlen sich durch die |Psis| bedroht, beobachtet, in ihrer Privatsphäre geschändet. Telepathen überwachen Geschäftspartner oder Gegner, Präkogs können aus vielen Zukunftsvariationen die wahrscheinlichste ermitteln und damit zum Beispiel bei der Verbrechensbekämpfung helfen.

|UBIK hilft bei allen Problemen|
In dieser Situation verlangen immer mehr Menschen nach Psi-Bekämpfung, und der Unternehmer Glen Runciter macht sich diese Furcht zunutze: Er gründet die Schutzgesellschaft „Runciter Associates“, die bald zur angesehensten und größten Anti-Psi-Organisation avanciert. Seine Mitarbeiter sind Anti-Psis, Inerte, die keine Begabung wie die Psis haben, sondern eine entgegengesetzte Fähigkeit, die sie speziell gegen eine Art von Talent einsetzen können – und dieses je nach Stärke des mentalen Feldes neutralisieren. Die Inerten entwickelten ihre Fähigkeiten aus der bedrohlichen Situation heraus, ihren psibegabten Eltern unterlegen zu sein. Runciter engagierte unter anderem auch eigene Psis, die mit ihren Sinnen Inerte aufspühren, um sie der Firma zu vermitteln. Ein Techniker, Joe Chip, ist Runciters wichtigster Angestellter: Er testet mit elektronischem Equipment die Felder der Inerten oder – vor Beginn eines Anti-Psi-Einsatzes – das zu neutralisierende Gegnerfeld.

|UBIK könnte ein Deospray sein, das im Alltag jeglichen Körpergeruch entfernt|
Chip und Runciter verfügen über einen geheimen Code, mit dem sie sich auf Testergebnissen gegenseitig kundtun, ob jemand einzustellen, gefährlich, ungeeignet oder was auch immer ist. Damit verhindern sie, dass Gegner die Firma infiltrieren, selbst wenn sie Testergebnisse zu fälschen versuchen. Als schließlich offenbar wird, dass die meisten der beobachteten Gegner-Psis spurlos untertauchen, wird man bei Runciter Associates misstrauisch. Chip vermittelt eine neue Mitarbeiterin, deren Talent man nicht genau spezifizieren kann. Sie kann die Wirklichkeit über die Vergangenheit manipulieren und scheint dieses Talent gnadenlos zu ihrem Vorteil auszunutzen, doch Chips geheime Notiz |Gefährlich!| ist ihr entgangen.

|UBIK könnte ein geräuschloser Elektro-Ubik sein, der für jeden erschwinglich in einwandfreiem Zustand zu haben ist|
Der größte Einsatz der Inerten in der Firmengeschichte steht bevor: Elf Inerten wurden angefordert, und Runciter und Chip begleiten die Truppe zum Mond. Ihnen kommt einiges spanisch vor, doch als sich der vorgebliche Kunde in die Luft erhebt, ist es fast schon zu spät: Die Körperbombe explodiert, Runciter wird erschlagen. In einer panischen Flucht versucht sein Nachfolger Chip, den noch nicht ganz toten Toten zu retten und einem Moratorium zu überstellen, wo die noch nicht ganz gehirntoten Toten gefriergelagert werden und in ihrem Halbleben leben; dort können sie auch noch für die letzten Jahre, bis zum völligen Gehirntod, mit ihren Angehörigen kommunizieren.

|UBIK könnten knusprige Ubik-Flocken sein, die den Start in den Tag zu einem wundervollen Ereignis machen|
Die Einlagerung Runciters entpuppt sich als ausgesprochen problematisch, dazu kommen weitere Ungereimtheiten, als die Realität zu zerfließen beginnt: Zigaretten sind alt und vertrocknet, es erscheinen Münzen mit Runciters Konterfei – überhaupt scheint alles zu altern und zu verfallen. Dann kommt es zu mysteriösen Todesfällen unter den elf Inerten. Nacheinander werden sie eingefallen und vertrocknet aufgefunden. Schreckliche Angst, aber auch der Wille zur Wahrheit greifen nach Chip.

_Was ist UBIK?_

Die Kapitel beginnen stets mit einem Werbespot zu Ubik, wobei es wirklich jede Ware als Ubik zu geben scheint. Was die Spots verbindet: Der Hinweis, dass Ubik bei vorschriftsgemäßer Verwendung völlig ungefährlich sei …
Über Chips Erlebnisse und seine seltsamen Charakterzüge (so kann er beispielsweise nicht mit Geld umgehen) wird die zukünftige Welt gezeichnet. Gebrauchsgegenstände wie Kühlschrank oder Toaster, Duschen oder Haustüren müssen, selbst wenn sie im persönlichen Besitz stehen, mit Crediteinheiten bezahlt werden. Ironischerweise kann Chip mehrfach seine Wohnung nicht verlassen, weil er völlig pleite ist. Und als die Realität immer stärker zerfällt, ist er irgendwann angenehm berührt, als Radio, Tür und sogar Auto ohne Bezahlung funktionieren.

Das außergewöhnliche Talent der neuen Mitarbeiterin wird eindrucksvoll vorgestellt, als sie, die siebenzehnjährige Pat, sich vor Chips Augen entkleidet und ihm auf seine Frage erklärt, dass er ihre Testergebnisse zu schlecht dargestellt hat in einer Realität, in der sie sich nicht auszog. Zum Beweis zeigt sie ihm das entsprechende Testergebnis – mit seinem geheimen Symbol für |ungeeignet|.

Ungewöhnlicherweise ist es Chip nach derlei Manipulationen möglich, sich an die erste Variante zu erinnern, was sonst niemand zu können scheint. Dabei verblassen seine Erinnerungen allerdings sehr schnell. Bei dieser ersten Demonstration ihres Talents wird ihm unheimlich, und er markiert ihr hervorragendes Testergebnis mit dem Symbol für |Gefährlich!!| – Pat gegenüber deutet er es als Empfehlung.

Dick zeichnet eine interessante, glaubwürdige Welt und benutzt dabei seine Charaktere und ihre Gedanken als Leinwand. Runciter erscheint den Umstehenden stets als energisch und überlegen, fühlt sich selbst aber schwach und spürt die Schmerzen des voranschreitenden Alters. Dass nach seinem Tod ständig verschlüsselte Nachrichten von ihm an Chip erscheinen, ob im Fernsehen als UBIK-Werbespot oder in einer beliebigen Zigarettenschachtel in einem beliebigen Supermarkt in einer beliebigen Stadt eines beliebigen US-Staates, macht die Geschichte spannend und verwirrend. Wer ist denn nun gestorben, wer steckt in der Kaltpackung, wer lebt ein Halbleben?

Schon bald nach Runciters Tod werden Informationen eingestreut, die sowohl Chip als auch dem Leser vermitteln wollen, Runciter sei am Leben und Chip stattdessen getötet, doch Dick verstrickt den Informationsweg geschickt mit widersprüchlichen Erlebnissen, so dass der Leser mit Chip gemeinsam zweifelt.

_Was UBIK ist_

Genau, das ist die Frage. Was ist dieses ominöse Ubik, das von Anfang an als Werbespot angepriesen wird, in der Handlung aber erst recht spät nach Runciters Tod erscheint, wieder als Werbespot, aber direkt an Chip gerichtet? Runciter selbst erscheint im Spot und ermahnt Chip, nicht zu lange zu zögern, sondern es zu nutzen! Es sei eine Sprayflasche, deren Inhalt die Realität für Chip zu stabilisieren vermöchte. Aber leider altert dieses Ubik gemeinsam mit dem Rest der Realität, so dass Chip einmal ein handgemachtes Fläschchen Ubik-Medizin und einmal eine Ubik-Fettcreme findet, die für ihn nutzlos sind.

Chip trifft schließlich, knapp dem Tod entronnen, auf Runciters Frau Ella, die ihm mit wissenschaftlicher Genauigkeit erläutert, um was es sich bei Ubik handelt. Chip versteht nur „[…] Negativionisator […]“ und verzweifelt, denn negative Ionen gibt es nicht, weiß er. Ionen sind immer negativ, hält er ihr entgegen. |Was| also ist Ubik nun?

Das zu verstehen, muss jeder für sich selbst versuchen. Es ist ein sehr interessantes Phänomen, dass Dick eine Handlung ausbreitet, die, unterbrochen von Ubik-Werbespots, völlig ubiklos auszukommen scheint, und doch läuft alles auf eine Dose Ubik hinaus. Ich kenne nicht allzu viele Romane von Dick, aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass „Ubik“ nicht zu Unrecht als bester Roman Dicks gepriesen wird. In der Komplexität und Genauigkeit seiner Welt, und dabei in erstaunlicher Kürze, läuft mindestens eine hervorragende Charakterstudie ab. Sie lässt sich auf einige Aspekte des Romans beziehen, unter anderem natürlich und wohl vorrangig auf die Zukunftsvision, andererseits auf Chips nur zu menschlichen Schwächen.

Der Roman endet mit der Erkenntnis, dass noch lange nicht alles so ist, wie es zu sein scheint. Ein absolut fesselndes Lesevergnügen, mal wieder mit dem Nicht-aus-der-Hand-legbar-Effekt.

_Philip K. Dick_

… wurde 1928 in Chicago geboren. Er arbeitete in einem Plattenladen in Berkley und schrieb schon sehr früh eine große Anzahl eigener Storys. 1952 wurde er hauptberuflicher Schriftsteller und gilt allgemein als einer der bedeutendsten seiner Zunft in Amerika. Etliche seiner über dreißig Romane zählen heute zu den Klassikern der amerikanischen Literatur, über hundert Erzählungen und Kurzgeschichten erschienen in Anthologien und Magazinen.
Dick starb am 2.3.1982 in Kalifornien an den Folgen eines Schlaganfalls.
Weitere bekannte und wichtige Werke:
„Blade Runner“, „Minority Report“, „Das Orakel vom Berge“, „Zeit aus den Fugen“ u. v. a. Zahlreiche seiner Kurzgeschichten, Novellen und Romane wurden verfilmt.

Offizielle Website: http://www.philipkdick.com.

Dan Simmons – Endymion – Pforten der Zeit

„Sie lesen diese Seiten aus dem falschen Grund …“, so beginnt der Ich-Erzähler die neue Geschichte aus dem Hyperion-Universum. Ich muss zugeben, dass ich tatsächlich erwartet hab, eine direkte Fortsetzung der Hyperion-Saga zu lesen – genau wie der Erzähler mir und jedem Leser vorhält. Es gehe nicht um die Charaktere, die der Erzähler nicht einmal persönlich kennt, sondern nur aus den bekannten Cantos von Martin Silenus, dem Leser der Hyperion-Bände eine vertraute Figur. Trotzdem stellt sich heraus, dass jene Ereignisse ihre Arme bis in diese Jahrhunderte entfernte Zukunft ausstrecken und Wege markieren, denen zu folgen dem Erzähler angeraten ist.

Inhalt

Raul Endymion ist (mal wieder) zum Tode verurteilt. Warum? Und wie kann man mehrfach zum Tode verurteilt werden? Diese Fragen werfen sich schon bei den ersten Sätzen auf und fangen den Leser sofort. Dan Simmons gelingt dieses Spiel mit dem Interesse mit überragender Meisterschaft, wie uns schon die Begegnung mit dem Hegemoniekonsul auf den ersten Seiten von „Hyperion“ deutlich zeigt.

Endymion ist der Ich-Erzähler der Geschichte und geleitet uns durch das ganze Buch. Er sitzt in einer Raumkapsel und wartet auf den Tod durch Blausäure, ausgelöst von einem System, durch das dem unbeteiligten Zuschauer diese Todesstrafe wie ein Experiment nach „Schrödingers Katze“ erscheint. Endymion wartet und schreibt seine Erinnerungen auf.

Bei seiner ersten Todesstrafe auf Hyperion (verurteilt wegen Mordes an einem reichen Sonntagsjäger) wird Endymion auf geheimnisvolle Weise gerettet und trifft in der gleichnamigen Stadt Endymion auf den uralten, durch Poulsen-Behandlungen überlebenden Martin Silenus, Verfasser der Cantos und ehemaliger Shrike-Pilger. Hier erhält er die Aufgabe, das Mädchen Aenea, die Tochter von Brawne Lamia (einer weiteren Pilgerin) vor den Schergen des Pax zu retten, sobald sie die Sphinx verlassen würde. Vor einigen Jahrhunderten verließ Aenea auf gleiche Weise Hyperion, und aus ungenannten Quellen wissen sowohl der Pax als auch Silenus das genaue Datum ihrer Ankunft aus der Zeit.

In den Jahren seit dem Fall der Hegemonie ist die katholische Kirche erstarkt und hat mit Hilfe der Kruziform genannten Auferstehungs-Symbionten die Herrschaft über das ehemalige Weltennetz ergriffen. Der Pax ist die militärische Polizei- und Kontrollinstanz der Kirche.

Aenea, als Tochter eines Cybrids, wird als große Gefahr für die Kirche und den Pax eingeschätzt und soll überwältigt werden. Irgendwie gelingt es Raul Endymion mit Hilfe der alten Hawking-Matte (ein fliegender Teppich), das Mädchen vor dem Zugriff zu erretten – dabei leistet das unheimliche Shrike uneingeladen blutige Unterstützung. Mit dem alten Raumschiff des Konsuls entkommen die beiden von Hyperion und fliehen zu einer Welt, auf der in Zeiten der Hegemonie ein Teil des Tethys floss – ein gigantischer, über Farcaster weltenverbindender Fluss.

Die Farcaster-Portale sind unzerstörbar durch Menschenhand, doch seit dem Fall unbrauchbar. Nur in Begleitung Aeneas gelingt die Passage – womit sich die Frage stellt, ob der kurz vor dem Fall vernichtet geglaubte Techno-Core (eine KI-Zivilisation und Erbauer der Farcaster) tatsächlich nicht mehr existiert.

Durch die Farcaster des alten Verlaufs des Tethys entkommen Aenea und Endymion den Schergen des Pax mehrmals, immer auf der Suche nach Möglichkeiten, ihr Ziel – die Vernichtung des Pax und der Kruziformen als Joch der Menschheit – zu erreichen. Als plötzlich eine neue Instanz eingreift und Silenus‘ Extraauftrag – „… und finde heraus, was der Core im Schilde führt!“ – eine neue Bedeutung erhält …

Kritik

Bei mir wirkt er: Simmons‘ Erzählstil. Am Anfang rätselhaft, langsam einem Höhepunkt zustrebend und dabei an den richtigen Stellen Informationen einstreuend, mit einer spektakulären Klimax und einem etwas beruhigenden Spannungsabfall auf den letzten zwei Seiten. Es ist einfach unglaublich. Sogar jetzt, wo ich dies schreibe, überschüttet mich mein Körper mit Adrenalin, die Herzfrequenz ist aufgeregt hoch.

Mit dem „Fall von Hyperion“ hätte die Saga ein befriedigendes Ende finden können. Oder doch nicht? In „Endymion“ sprüht Simmons wieder nur so von Ideen, allesamt perfekt zum Kontext der vorher erzählten Geschichte um die Pilger und das Weltengebilde von „Hyperion“ passend. Da ist das Shrike, das seinen Meister findet; die Farcaster, die plötzlich doch funktionieren; Widersprüche, die aufgeklärt werden – und nicht zuletzt Gedankengänge zu der unbekannten Macht, die den „Fall“ perfekt gemacht hat mit der Sperrung des Fatline-Raums. Die Tiger, Löwen und Bären der Metasphäre spielen ebenso eine Rolle wie die Entdeckungen des Keats-Cybrids. Aenea, als Jene Die Lehrt vom Pax gefürchtet, scheint Fähigkeiten zu besitzen, die sie selbst bisher nur erahnen kann. Ob uns diese Fähigkeiten im zweiten Teil die großen Antworten bescheren, die wir – nun auch im Nachhinein bezüglich mancher Hyperion-Aussage – so dringend suchen und erwarten?

Es ist ein fesselndes Gedankenkonstrukt, das Dan Simmons mit diesem gigantischen, großartigen Meisterwerk „Hyperion“ und „Endymion“ entworfen hat. Man merkt jetzt wirklich, dass „Hyperion“ zwar für sich allein stehen kann, aber einige offene Enden tatsächlich noch zu verknüpfen sind, was wahrscheinlich in der Wucht des Hyperion-Endes einfach untergeht. Endymion führt uns zu Wahrheiten, die wir nicht in den abwegigsten Träumen hätten erahnen können.

Fazit

Atemberaubend im Zusammenhang mit der Hyperion-Saga; für sich allein stehend komplex und verwirrend. Neue Ideen knüpfen nahtlos an alte Aspekte an, unverstandene oder offene Fäden aus Hyperion finden ihre überraschende Weiterführung. „Endymion – Pforten der Zeit“ ist absolut empfehlenswert und führt uns wieder einmal Dan Simmons‘ große Meisterschaft vor Augen.

Paxson, Diana L. – Ahnen von Avalon, Die

Mit „Die Ahnen von Avalon“ ist ganz unerwartet noch einmal ein Band über die geheimnisvolle Insel aus Marion Zimmer-Bradleys „Die Nebel von Avalon“ erschienen.

Erdbeben erschüttern die Inseln von Atlantis. Die Priester wissen, was das bedeutet, denn es wurde schon vor langer Zeit prophezeit. In größter Eile werden die Inseln evakuiert. Ziel der auslaufenden Schiffe ist die Zinnküste, wo Atlantis bereits einen Stützpunkt hat.
Doch eines der Schiffe wird von den übrigen getrennt und landet an einer anderen Stelle der Küste. Während der Hauptteil der Flotte sich mit dem Stützpunkt als Basis relativ leicht tut und sofort versucht, in dem neuen Land seine alte Kultur wieder aufzubauen, ist das einzelne Schiff darauf angewiesen, sich mit den Ureinwohnern zusammen zu tun, um zu überleben. Als die beiden Gruppen sich wiederfinden, ist der Konflikt vorprogrammiert.

Der Band schließt eine Lücke, die ursprünglich gar keine war. Lange vor dem Erfolg von „Die Nebel von Avalon“ schrieb Marion Zimmer-Bradley eine Geschichte über Atlantis, die erst nach ihrem Durchbruch unter dem Titel „Das Licht von Atlantis“ veröffentlicht wurde. Auch wenn in Igraines Traum über Uther, der die goldenen Schlangen an den Armen trägt, eine Verbindung zu Atlantis angedeutet ist, entstand der eigentliche Bogen von einer Geschichte zur anderen erst durch „Die Wälder von Albion“, deren Charaktere Eilan und Caillean deutliche Parallelen zu Domaris und Deoris aus Atlantis aufweisen. Reinkarnation wurde zu dem roten Faden, der durch sämtliche Bände führt.
Die Lücke zwischen „Die Wälder von Albion“ und „Die Nebel von Avalon“ versuchte „Die Herrin von Avalon“ zu füllen, doch das gelang nur mäßig. „Die Ahnen von Avalon“ schließlich stellt die endgültige Verbindung zwischen Atlantis und Avalon dar, erzählt, wie das Wissen aus Atlantis nach Avalon kam.

Eigentlich eine interessante Idee. Leider hat es mit der Umsetzung nicht so ganz geklappt!
Das Buch bietet eine Fülle an Personen. Die Hauptpersonen sind Micail, Sohn von Domaris und Mican, und Tiriki, Tochter von Deoris, Domaris‘ Schwester. Die beiden sind verheiratet, werden aber auf der Flucht von Atlantis getrennt.
Tiriki erreicht mit ihrem einzelnen Schiff einen Berg in den Sümpfen, der von der Macht der Muttergöttin nur so vibriert. Außerdem findet sie großes Wissen um die Mysterien bei den Frauen der Ureinwohner. Die Verbindung zwischen den beiden Gruppen legt den Grundstein für das spätere Avalon.
Micail dagegen ist damit beschäftigt, an einem Knotenpunkt magischer Energiestränge einen Steinkreis zu errichten, der genügend Kraft konzentrieren soll, um einen neuen Tempel des Lichtes zu bauen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass Tjalan, Prinz von Alconath, noch ganz andere Absichten verfolgt.
Der größte Teil der anderen Personen sind Priester oder Priesterinnen, die eine mehr oder weniger große Rolle spielen. Nur wenige von ihnen sind detaillierter dargestellt, sodass man sie als Charaktere bezeichnen kann, die meisten wirken eher wie Statisten. Dieser Umstand zusammen mit den oft sehr ähnlich klingenden Namen, vor allem bei den Priesterschülern, hat zur Folge, dass der Leser immer wieder überlegen muss, wer jetzt eigentlich nochmal die Person ist, die da gerade etwas tut. Der Überblick fehlt! Zwar gibt es im Anhang ein Namensregister, aber jedes Nachschlagen reißt aus dem Zusammenhang und wirkt daher störend!
Abgesehen davon sind auch die Hauptcharaktere nicht besonders lebendig gezeichnet. Zwar sind Handlungen, Gedanken und Gefühle nachvollziehbar, es fehlt ihnen aber sehr an Intensität, als wären bei einem Bild alle Farben verblichen.

Der Handlung fehlen ebenfalls Leben und Farbe. Lediglich während der Flucht vor dem Vulkanausbruch und dem Einsatz der Ringsteine kommt so etwas wie Spannung auf, beide Spannungsbögen ebben jedoch rasch wieder ab. Der größte Teil der Handlung verläuft ziemlich gleichförmig, der allmähliche Konfliktaufbau zwischen den Erbauern des Steinkreises und den Eingeborenen sowie den beiden Gruppen der Atlanter bei ihrem ersten Treffen weiß nicht wirklich zu fesseln.
Ganz eigenartig wirkt die Idee des Omphalos, eines eiförmigen Steines, der offenbar große Macht besitzt. Er wird auch als Nabel der Welt bezeichnet und von den Atlantern auf ihrer Flucht von den Inseln mitgenommen. Was es genau mit diesem Stein auf sich hat, warum er überhaupt mitgenommen wurde und was er bewirken kann, bleibt jedoch im Dunkeln, sodass der Leser sich fragt, warum er überhaupt vorkommt. Hier hätte ein ausführlicherer Ausbau der Idee bestimmt nicht geschadet.

Desweiteren haben sich, wie so oft bei der nachträglichen Füllung von Lücken, Brüche eingeschlichen. Es wirkt irgendwie seltsam, wenn ausgerechnet Morgaine den Prolog spricht, der erzählt, wie der Omphalos nach Britannien kam. Schließlich spielte er in Morgaines eigentlicher Geschichte, in den „Nebeln von Avalon“ überhaupt keine Rolle! Ja, er spielt nicht mal in diesem Buch die Rolle, die man aufgrund des Prologes erwarten könnte.
Und die Darstellung, dass die Atlanter ihr Wissen zuerst und hauptsächlich nach Avalon brachten, beißt sich irgendwie mit dem Anfang der „Wälder von Albion“, wo die Frauen davon erzählen, dass das religiöse Zentrum vor dem Angriff der Römer die Insel Mona gewesen sei.
Außerdem gibt es Probleme mit dem Begriff „Merlin“. Bereits der Magier Chedan, der mit Tiriki nach Britannien kam, wurde von den Ureinwohnern Sonnenfalke oder Merlin genannt. In den „Wäldern von Albion“ wird Eilans Sohn Gawen als erster Merlin Britanniens bezeichnet. Gawen ist aber die Reinkarnation Micails, nicht Chedans!

Mit anderen Worten: Die Sache ist nicht konsequent durchdacht. Vielleicht liegt es aber nur daran, dass Entwurf und Buch nicht aus derselben Feder stammen. Das sollte jeder beachten, der Bücher von Marion Zimmer-Bradley gelesen und ein Faible für diese Autorin hat: Dieses Buch ist nicht von ihr! Von ihr stammt nur das Exzerpt. Die Ausarbeitung stammt von Diana Paxson, und das merkt man! Dem Buch fehlt es an Flair.
Es ist also wahrscheinlich ganz gut, dass das Buch wesentlich kürzer ist als die „Nebel von Avalon“ oder die „Nebel von Albion“, die sechshundert Seiten sind ziemlich groß gedruckt. Vielleicht wollte man das Format und die Dicke an die Vorgänger-Bände angleichen, dann wäre es allerdings auch sinnvoll gewesen, dies auf die Gestaltung des Einbands auszuweiten!
Das Lektorat war auch nicht berauschend. Bestimmte und unbestimmte Artikel für dasselbe Hauptwort im selben Satz, das ist ein Fehler, der wirklich nicht vorkommen sollte! Und es war nicht der einzige dieser Art.

Also ich hätte diesen Band nicht unbedingt gebraucht. Schon „Die Herrin von Avalon“ hatte stark nachgelassen, obwohl das Buch noch aus Zimmer-Bradleys eigener Feder stammte. „Die Ahnen von Avalon“ haben es nicht geschafft, daran vorbeizuziehen. Ich hoffe, es sind jetzt keine weiteren unfertigen Konzepte mehr übrig, denn ich glaube kaum, dass Diana Paxson sie besser umsetzen kann als in diesem Fall. „Die Nebel von Avalon“ werden wohl für immer der unerreichte Gipfel von Marion Zimmer-Bradleys Schaffen bleiben.

http://www.diana-paxson.com/

Arkadi und Boris Strugatzki – Das Experiment

„Das Experiment ist das Experiment“ … Verzweiflung, Schicksalsergebenheit, Desinteresse, Lethargie – all das kann aus diesem einen Satz sprechen, den die Bewohner der „Stadt“ ständig wiederholen und vor allem in undurchsichtigen Situationen resigniert plappern. Was ist das Experiment? Wer sind die Experimentatoren, wer die mysteriösen Mentoren?

Die Autoren

Die Strugatzki-Brüder gelten unumstritten als die besten SF-Autoren Russlands. Viele ihrer Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und zählen zu den bedeutendsten SF-Werken des 20. Jahrhunderts. Arkadi Strugatzki starb im Jahre 1991 – damit endete eine der faszinierendsten Kooperationen der Literaturgeschichte.

Arkadi und Boris Strugatzki – Das Experiment weiterlesen

Alan Dean Foster – Alien. Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

Die angebliche Rettung havarierter Raumfahrer entpuppt sich als Falle, die der Crew eines Erzfrachters ein schier unsterbliches Alien beschert, das für Terror & Tod an Bord sorgt. Erbittert kämpfen die Männer und Frauen der „Nostromo“ um ihr Leben, das anderenorts längst als entbehrlich abgehakt wurde … – Foster erzählt nicht nur das Drehbuch zu einem der besten SF-Filme aller Zeiten nach, sondern verwandelt es in einen eigenständigen Roman, der den Film ergänzt und erweitert. Alan Dean Foster – Alien. Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt weiterlesen

Clarke, Arthur C. – Lied der fernen Erde, Das

Einige tausend Jahre in der Zukunft. Thalassa ist eine menschliche Kolonie, fünfzig Lichtjahre von der Erde entfernt. Es ist ein sonniges Paradies mit unbegrenztem Ozean und zwei kleinen Kontinenten, auf denen sich die Menschen niederließen.
Seit Jahrhunderten ist die allgemeine Meinung gefestigt, dass es mit höchster Wahrscheinlichkeit keine außerirdischen Intelligenzen in der Milchstraße gibt. Da geschieht das Unglaubliche: Ein gigantisches Raumschiff erscheint über Thalassa! Die friedliche Idylle wird gestört; als sich herausstellt, dass die |Magellan| eine Million Überlebende von der Erde an Bord hat, steigt die Aufregung ins Unermessliche.

Bis zu diesem Zeitpunkt war bemannte Raumfahrt unmöglich, die Kolonien wurden durch Saatschiffe gegründet, welche die genetische Anlage der Menschen dem Planeten einimpften. Kurz vor der finalen Katastrophe, die Entstehung der solaren Supernova, gelang es irdischen Wissenschaftlern, den Quantenantrieb zu entwickeln, mit dem echte Großraumschiffe realisiert werden konnten. Die |Magellan| ist das erste und einzige Schiff seiner Art.

Die Lage beruhigt sich, als sich herausstellt, dass die Flüchtenden ausschließlich an einigen tausend Tonnen Wasser interessiert sind, die ihren ausgedienten Eisschirm erneuern sollen. Auf einem kleinen Teil des südlichen Kontinents wird eine Eisanlage errichtet, von der aus das Wasser in gefrorenem Zustand in den Raum befördert wird.

Das Zusammentreffen der Thalassier mit den Menschen der Erde gestaltet sich recht unproblematisch, nachdem kulturelle Unterschiede geklärt werden konnten. Die thalassische Ungezwungenheit in Beziehungen birgt die letzten Probleme, als sich eine intelligente Thalassierin in einen Offizier der |Magellan| verliebt und dafür ihren bisherigen Begleiter verlässt. Das Dilemma ist kompliziert, da die „Magellan“ nach Fertigstellung des Eisschildes weiterziehen wird.

Zu allem Überfluss taucht gerade in dieser Zeit eine unbekannte Spezies aus den Meeren Thalassas auf und verbreitet Verwirrung, da es sich anscheinend um nichtmenschliche Intelligenzen handelt …

_Charaktere_

Mirissa ist eine junge Frau, derzeit die intelligenteste und geistig beweglichste Person auf Thalassa. Sie ist glücklich mit ihrem Freund Brant, der ein begabter Techniker und interessanter Mensch ist. Doch nun erscheinen die Fremden von der Erde mit ihrer fremden Kultur. Von ihnen geht eine Faszination aus, der sich Mirissa nicht entziehen kann. In dem Offizier Loren Lorensson vereinigen sich alle faszinierenden Eigenschaften. Mirissa will lernen, und sie will Leidenschaft und ein Kind … Man erfährt viel über die Gefühle und die Gedanken Mirissas, die Beweggründe, die zu der dramatischen Verbindung von ihr und Loren führen, werden einleuchtend dargestellt. Auch wenn man es nicht fassen kann, man weiß, dass sie Brant noch liebt.

Loren Lorensson ist einer der Überlebenden der Katastrophe, die die Erde vernichtete. Dieses Erlebnis hat ihn gefühlskalt werden lassen. Erst die Beziehung zu Mirissa lässt ihn das Ende der Erde verkraften. Brant gegenüber verhält er sich schuldbewusst, ist sich jedoch klar, dass die Verhaltensweisen der Thalassier nicht seinem erlernten Wissen von der Erde entspricht. Man glaubt Loren, dass er einerseits ein Kind mit Mirissa haben will, andererseits seine Plicht der |Magellan| gegenüber erfüllen muss.

Brant ist ein ungeduldiger Thalassier, der sich trotzdem verständnisvoll aus der Beziehung zu Mirissa zurückzieht. Man erkennt, dass er Mirissa noch immer liebt, doch ihr zuliebe zeitweise verzichten kann.

Kumar ist der Bruder Mirissas. Er ist nicht ehrgeizig, nicht so intelligent wie seine Schwester, aber ein angesehener Bürger Thalassas. Loren und er verstehen sich prächtig, und er rettet Loren das Leben, zu einem hohen Preis …

_Konfliktpotenzial, Spannung, Unterhaltung_

Der Roman beginnt langsam und sacht, man lernt die Hauptpersonen Thalassas kennen. Ein erster Einbruch erfolgt durch das Erscheinen der Magellan, darin erwartete ich eine stetig steigende Konfliktsituation. Die dramatische Entwicklung der Beziehung zwischen Loren, Mirissa und Brant hielt ich anfangs für schmückendes Beiwerk. Dabei ist genau das die Quelle des Konflikts, der durch den Roman gelöst werden soll. Die Beziehung einer Frau zu einem Sternfahrer, wobei beiden klar ist, dass er nach kurzer Zeit weiterreisen wird und es kein Wiedersehen geben kann. Über Funknachrichten kann er nach seiner Tiefschlafreise das Altern seiner Liebe nacherleben …

Der Konflikt um die Magellan ist sehr zurückhaltend beschrieben und führt zu wenigen Höhepunkten. Einige Spannung entsteht durch das Auftauchen der Skorps (der nichtmenschlichen Intelligenzen), aber auch diese Verbindung dient nur der Vertiefung der tragischen zwischenmenschlichen Situation von Loren und Mirissa.

Leider hat Clarke das hohe Konfliktpotenzial (in drei Stufen angelegt) nicht ausgeschöpft. Der Roman plätschert vor sich hin, nie so langweilig, dass man ihn weglegen müsste (immerhin gibt es interessante Fragen zum Kontext, die man beantwortet haben will), aber auch nie so mitreißend, dass man nicht aufhören könnte zu lesen. Ich hätte mir gewünscht, dass Clarke der Skorp-Thematik mehr Gewichtung hätte zukommen lassen. Zum Ende des Romans erhalten sie noch eine kurze, unaufgelöste Bemerkung, die erneuten Konflikt prophezeit. Leider werden wir das wirkliche Ende nie erfahren.

Von diesem Gesichtspunkt aus hat Clarke doch wieder einen guten Griff getan: Der Roman hat ein relativ offenes, für Fantasie freies Ende.
Mit Kumar stirbt die einzige Person in dem Roman, und sein Ende ist wirklich ergreifend geschildert in seiner Ausweglosigkeit und Tragik. Damit löst sich der Konflikt auf, treibt die Geschichte einem Ende zu, doch konnte ich nicht in meiner Trauer als Leser schwelgen, denn kurz werden zum Schluss noch die Schicksale anderer Aspekten angedeutet.

_Fazit_

Das Buch liest sich entspannt und unterhaltsam, in einigen Teilen geht Clarke meiner Meinung nach zu wenig in die Tiefe, andererseits schafft er es sehr gut, ergreifende Szenen zu schildern. Zum Beispiel die namengebende Szene zum Schluss, wo mit der alten Musik der zerstörten Erde das Ende der direkten Beziehung zwischen Magellan und Thalassa seinen Anfang nimmt.
Das Buch hat mich emotional berührt, auch wenn ich nicht völlig befriedigt von seinem Inhalt bin und einige Fragen offen bleiben. Trotzdem möchte ich es jedem empfehlen, der gute Unterhaltung ohne Action, Mord und Totschlag genießen möchte.

Eschbach, Andreas – Eine Billion Dollar

Nahezu jeder von uns hat schon einmal davon geträumt: Von einem Tag auf den anderen reich zu werden. Warum spielt man sonst Lotto oder gibt „ab und zu mal“ das Geld für einen Telefonanruf oder eine Briefmarke aus, um an einem Gewinnspiel teilzunehmen? In Eschbachs „Eine Billion Dollar“ wird das Unglaubliche wahr für jemanden, der so ziemlich in der finanziell ausweglosesten Situation steckt, die man sich vorstellen kann. Es ist hier die Rede von John Fontanelli, einem Mann Anfang zwanzig, der nach einigen beruflichen Fehlversuchen nun verzweifelt versucht, seinen Lebensunterhalt durch das Ausfahren von Pizza zu bestreiten. Per Fahrrad durch New York unterwegs, bemüht er sich so schnell wie möglich zu sein, damit er seinen Job nicht verliert. Als John allerdings eines Nachts angefahren und sein Fahrrad und die Pizzen dabei ramponiert werden, wird ihm auch diese Existenzgrundlage genommen. Völlig ausweglos, ohne Job und ohne Fahrrad, muss John feststellen, dass er nicht einmal mehr genug Geld für die U-Bahn hat, um nach Hause zu fahren.

Doch bereits einen Tag später wird dieser Miesere ein Ende gesetzt: Von einem Vorfahren aus dem 16. Jahrhundert erbt John ein Vermögen, das durch Zins und Zinseszins über die Jahrhunderte Dimensionen erreicht hat, die Johns kühnste Träume bei weitem übersteigen. Von einem Tag auf den anderen wird John Fontanelli zum reichsten Mann der Welt. Doch ebenso gigantisch wie das Vermögen ist auch die Bürde, die John damit auferlegt wird. Er soll laut Prophezeiung seines Urahns den Menschen ihre verlorene Zukunft zurückgeben.

Die Frage, was man mit so viel Geld – außer sich seine Träume zu erfüllen – auch noch Sinnvolles bewirken kann, ist nicht einfach zu beantworten. Es gibt zahlreiche Probleme auf der Welt, die mit Geld auf den ersten Blick einfach zu lösen wären. Doch kann man so den Menschen ihre verlorene Zukunft wieder geben? Dies ist eine Frage, die beim Lesen unentwegt in mir brannte und bewirkte, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Doch es ist eine Geschichte, die nicht nur fesselt. Sie regt auch zum Nachdenken an über die bestehenden Verhältnisse unserer Zeit. Darüber, ob |wir| eine Zukunft haben. Es gibt zahlreiche Prognosen, die ein Zweifeln daran begründen. Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung, Zerstörung des Regenwaldes sind nur kleine Beispiele dessen. Zudem erfährt man einiges über die Macht des Geldes in unserer Zeit, beispielsweise, was das Vermögen John Fontanellis mit der Existenz eines Fischers auf den Philippinen zu tun hat. Sehr interessant sind auch die Angaben der Seitenzahlen in Milliardenhöhe, zum Teil mit Informationen über diesen Summen entsprechende Wirtschaftsausgaben versehen, die mächtig ins Staunen versetzen.

Mit „Eine Billion Dollar“ hat Eschbach eine geniale Idee sehr spannend und mitreißend verfasst, nicht nur für SF-Fans. Längen und Schnitzer fielen mir dabei nicht auf. Die umfassenden Recherchen, die er dazu betreiben musste, haben sich gelohnt. Man kann das Geschehen, trotz Komplexität und wirtschaftlicher Fachtermini, nachvollziehen und sich besonders aufgrund der Belege vorstellen, dass Derartiges tatsächlich geschehen könnte.

Sehr authentisch sind auch die darin vorkommenden Charaktere. Beispielsweise die arme Wurst John Fontanelli, der plötzlich zum Billionenerben wird und nicht recht weiß, wie er sich in der Welt der Reichen zurechtfinden soll und ob er überhaupt der Richtige ist für eine solch anspruchsvolle Aufgabe, wo er doch bisher noch praktisch nichts in seinem Leben erreicht hat. Auch McCaine, Fontanellis rechte Hand, stellt einen interessanten Charakter dar. Durch Zufall erfährt er schon Jahre zuvor von der gigantischen Erbschaft und verwendet von nun an all seine Zeit und Kraft darauf, Fontanelli bei der Erfüllung der Prophezeiung zu leiten und zu unterstützen. Doch ist er wirklich der, der er zu sein scheint? Die Vaccis, eine Anwaltsfamilie, die das Vermögen über all die Jahrhunderte hinweg verwaltet hat, geleitet von dem Glauben an die Prophezeiung Fontanellis, trauen ihm jedenfalls nicht.

_Über den Autor_

Andreas Eschbach wurde am 15.9.1959 in Ulm geboren. Er studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, gab das Studium aber ohne Abschluss auf. In den folgenden Jahren arbeitete er als Software-Entwickler und später in geschäftsführender Position bei einer Beratungsfirma. Im Frühjahr 1995 erschien sein erster Roman „Die Haarteppichknüpfer“, der in weiten Kreisen als sein bisher bestes Werk angesehen wird. Neben weiteren Erzählungen und Romanen wie „Das Jesus-Video“ und „Der Letzte seiner Art“ brachte Eschbach im Jahre 2001 seinen bis dato ambitioniertesten Roman „Eine Billion Dollar“ unter das Volk. Inzwischen lebt und arbeitet er in der Bretagne.

Lloyd Alexander – Taran – Der Fürst des Todes

Dies ist der fünfte Roman eines fünfbändigen Fantasy-Zyklus, der es vielleicht nicht mit Tolkiens „Herr der Ringe“ aufnehmen kann, der aber ebenso stark auf Mythen und Fantasythemen zurückgreift. Und die Hauptfigur Taran, die im Laufe des Zyklus eindrucksvoll heranreift, lieferte wie Tolkiens „Herr der Ringe“ die Vorlage zu einem Zeichentrickfilm.

Der Autor

Lloyd Alexander, geboren 1924, ist der Autor der „Chroniken von Prydain“ (= Britannien). Ähnlich wie bei Tolkien, der mit „The Hobbit“ (1937) zunächst eine Fantasy für Kinder schrieb, beginnt auch Alexander mit einer leichtfüßigen Kinder-Fantasy, um dann jedoch schnell auf tiefere, dunklere Themen zu sprechen zu kommen. Der erste und Teile des zweiten Bandes fanden Eingang in einen gleichnamigen Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1985: „Taran und der Zauberkessel“.

Lloyd Alexander – Taran – Der Fürst des Todes weiterlesen

Asimov, Isaac – frühe Foundation-Trilogie, Die

„Die frühe Foundation-Trilogie“ – das sind drei Romane aus den frühen fünfziger Jahren, die später von Asimov in das berühmte Foundation-Universum eingeordnet wurden. Die Romane sind im Grunde eigenständige Konzeptionen, weshalb sich auch einige Widersprüche zum bekannten Foundation-Zyklus ergeben. Das stört jedoch nicht wirklich, es bieten sich für Insider vielmehr einige Blicke in die Entstehung dieses Universums, für „Uneingeweihte“ hingegen ist auch kein Vorwissen nötig.

Der erste Geschichte, „Ein Sandkorn am Himmel“, handelt von einem Mann aus den fünfziger Jahren, der durch ein unerklärtes Phänomen einige tausend Jahre in die Zukunft versetzt wird. In dieser Zukunft ist die Erde nur ein unbedeutender Randplanet im gigantischen galaktischen Imperium. Der Anspruch der Erde als „Ursprungswelt der Menschheit“ wird von der übrigen Galaxis lächelnd ignoriert, die menschliche Zivilisation hat sich endgültig von ihren Wurzeln gelöst. Die Erdenbewohner hingegen klammern sich an ihre mythische Vergangenheit und pflegen ihren uralten Hass gegenüber dem Rest der Galaxis. Angesichts der bedrückenden Übermacht des galaktischen Imperiums können sie jedoch wenig tun, außer ihren Hass der nächsten Generation zu vererben. Bis eines Tages das Kräfteverhältnis durch eine neue Entdeckung radikal in Frage gestellt wird …

Der zweite Roman handelt ebenfalls vom Konflikt zwischen der Erde und dem Rest der Galaxis. Hier dreht sich alles um die Jagd nach einem rätselhaften Dokument aus der irdischen Vergangenheit. Die verschiedensten Blöcke und Machtgruppen der Menschheit sind hinter diesem einen Schriftstück her. Doch niemand weiß genau, worum es sich dabei handelt. Verlorenes technologisches Wissen, Anleitungen zum Bau einer Wunderwaffe oder etwas ganz anderes? Sicher ist nur eines: Das Dokument hat die Macht, das Leben aller Menschen der Galaxis zu verändern.

Im dritten Roman geht es um die Unterdrückung eines ganzen Volkes. Die Menschen des Planeten Florina werden von der Bevölkerung des Nachbarplaneten seit Jahrhunderten brutal unterdrückt. Denn nur auf Florina wächst ein wertvoller Pflanzlicher Rohstoff, das Kyrt. Dieser Stoff sichert den Unterdrückern ein sorgenfreies Leben und den Unterdrückten die ewige Sklaverei. Bis eines Tages das Geheimnis des Kyrt gelüftet wird. Die Basis der Knechtschaft beginnt zu bröckeln, und Florina bekommt die erste echte Chance auf Befreiung.

Diese drei Romane sind typische Produkte aus Asimovs früher Schaffensphase, sie spiegeln alle Stärken und Schwächen der SF der Fünfzigerjahre wieder. Einerseits machte das Genre damals einen Sprung aus dem Ghetto heraus, aus reinen Action-Reißern mit technokratischen Heilsversprechungen wurden differenziertere Romane mit verschiedenen Handlungsebenen und lebendigen Charakteren. Andererseits stand der wirkliche Bruch mit der Vergangenheit noch aus. Meist findet man das Amerika der 50er lediglich in die Zukunft verlängert, auch in zehntausend Jahren erscheint das Einfamilienhaus mit gepflegtem Vorgarten als Gipfel der Zivilisation.
Auch die vorliegende Neuauflage unterstreicht diese Kontinuität durch das riesige phallusförmige Raumschiff auf dem Titelbild. Gekonnter hätte man die Schwächen des damaligen Genres kaum darstellen können, obwohl es sich bei dieser Wahl wohl eher um unfreiwillige Komik handelt.

Einen wirkliche Bruch mit der alten SF brachte dann jedoch die „New-Wave“ der ausgehenden sechziger Jahre. Autoren wie John Brunner unterzogen damals die Wirklichkeit einer viel grundlegenderen Kritik und stellten die bestehenden Werte einschließlich des verbreiteten Fortschrittsoptimismus radikal in Frage.

Dennoch – mit Asimov machte die SF damals einen großen qualitativen Sprung, auch wenn uns viele seiner Ideen heute recht naiv erscheinen mögen. Daher lohnt sich die Lektüre dieser Romansammlung durchaus, sie bietet die Gelegenheit, ein einmaliges Kapitel der SF-Geschichte zu erfahren.

_Ralf Hoffrogge_ © 2001
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung unseres Partnermagazins [Buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de veröffentlicht.|

Felten, Monika – Nebelsängerin, Die (Das Erbe der Runen 1)

Einst lebten die Stämme der Menschen mit den Ureinwohnern, den Uzoma, in Frieden und Eintracht. Doch dies ist lange her, denn ein finsterer Gott verlangt die Auslöschung derjenigen, die ihm nicht den hinreichenden Respekt und die entsprechenden Opfer bringen. Durch Intrige und religiösen Fanatismus erlangte seine Hohepriesterin Macht über die Uzoma und ihr Hass übertrug sich auf die Seelen der Ureinwohner. Nun streben sie danach, die Menschen von ihrem Land zu tilgen. Doch die Menschen schlossen sich trotz unterschiedlicher Herkunft zusammen zu einem Bund der Stämme und zogen sich auf ein gut zu verteidigendes Terrain zurück. Aber die militärische Macht der Uzoma war zu groß. Nur ein Wunder konnte die Menschen retten.
Und so geschah es, dass ein Schiff der Elfen an der Küste der Menschen strandete. Die Neuankömmlinge erkannten schnell, dass sie in derselben Gefahr schwebten wie die Menschen. Ihre größte Zauberin beschloss, einen unglaublichen Zauber zu wagen. Verbunden mit einer List sperrte sie die Uzoma in einen Nebel ein, den kein Wesen lebend durchqueren konnte. Doch sie selbst blieb in höchster Gefahr und ihr Leben konnte sie selbst dadurch nicht retten, dass sie die Grenzen der Welten überschritt. So verfügte sie in einem letzten Zauber, dass die Frauen ihrer Blutlinie die Kraft erben sollten, den Zauber des tödlichen Nebels zu erneuern. So sollte es auch jahrhundertelang sein. Immer wieder fand die neue Nebelsängerin ihren Weg und wurde von ihrer Mutter angeleitet. Doch die Kräfte der Hohepriesterin des finsteren Gottes werden immer stärker. Durch Zeit und Raum kämpft sie gegen das Gefängnis aus Nebelschleiern. Und schließlich gelingt es ihr, dass das Wissen über den Nebelzauber verloren scheint. Auch ist die Blutlinie so schwach, dass die Erbin des Zaubers nichts von ihrer Bestimmung weiß. Und dann weichen die Nebel zurück und das mächtige Heer der Uzoma marschiert auf, die Menschen zu vernichten.

Schon der nach sorgfältig aufgebauter Legende schmeckende Hintergrund des Romans lässt erahnen, dass Monika Felten hier weitaus mehr Arbeit hineingesteckt hat als in ihre Geschichten um den Thale-Hintergrund. Vom „Elfenfeuer“ zur „Nebelsängerin“ war es ein großer Schritt, auch wenn unweigerlich Parallelen auftauchen. So wird auch in diesem Roman die Protagonistin zwischen vorherbestimmtem Schicksal und eigenen Vorstellungen hin und her geworfen. Doch nun ist der Konflikt schärfer herausgearbeitet. Sie zweifelt an der moralischen Richtigkeit ihrer Aufgabe. Zwar erfüllt sie ihr Schicksal – aber ihre menschliche Seite und ihre christlich-moralische Gesinnung lehren sie, das Leben aller zu achten. Sie ahnt den Preis, den die Uzoma bezahlen müssen und leidet mit dem Volk, an dessen Unglück sie nun eine Schuld trägt.

Dass die Uzoma mehr sind als Tolkiens Orks, wird in verschiedenen Szenen klar. Zwar drängt sich der Vergleich mit Szenen aus Tolkiens Romanen auf, wenn man Uzoma als Orks und die Echsenreiter als Nazgul betrachten will. Doch nachdem sich die Tolkienschen Szenen auf solch cineastische Weise in das Gedächtnis gebrannt haben, wird jede Schlacht mit Helms Klamm und jeder Drachenreiter mit einem Nazgul verglichen werden. Der Verlag tat Recht daran, den schon fertig gedruckten Roman noch eine Weile in der Schublade zu halten.

Monika Felten hat ein sehr klassisches Thema der Fantasy gewählt. Sie beschreitet Pfade, die vor ihr schon von Größen wie Stephen R. Donaldson, David Gemmel, Philip José Farmer und Roger Zelazny beschritten wurden. Hier mit dem Argument der Einfallslosigkeit oder der Abkupferung zu kommen, wäre wohl albern, da dies seit Homer nichts Neues ist. Gerade die Neuinterpretation und das Aufzeigen von Varianten des gleichen heroischen Schemas machen das Buch interessant. Und Monika Felten meistert diese Aufgabe, indem sie dem Zwang des Schicksals den Wunsch nach Eigenbestimmung entgegensetzt. Wie schon Thomas Covenant (in Stephen R. Donaldsons meisterlicher Zyklus) fügt sich ihre Protagonistin nur unwillig in ihr Schicksal. Doch während Thomas Covenant nicht an sich selber glauben kann, zweifelt sie an der moralischen Richtigkeit ihrer Vorherbestimmung. Dies nicht von ungefähr, denn historische Vergleiche mit der Besiedlung Amerikas oder der Kolonialisierung Afrikas drängen sich schnell auf. Auch hier waren aus der Sicht der Weißen die aufständigen andershäutigen Ureinwohner die primitiven Fieslinge. Moralisch befanden sich die Ureinwohner allerdings unzweifelhaft im Recht. Ob es wieder Frieden zwischen den Menschen und den Uzoma geben wird, bleibt zu hoffen und wird in einem eventuell noch folgenden Band geklärt werden.

Neben der zentralen Figur zeichnet Monika Felten noch weitere Charaktere, die ihrem persönlichen Schicksal gegenübergestellt sind. Die Aufgaben sind so unterschiedlich wie die Personen selbst. Und trotz starrer Strukturen im Hintergrund der erfundenen Welt, kämpfen sie alle um ihre individuelle Größe.

Der Roman wird versierten Lesern nicht perfekt erscheinen, denn Monika Felten ist sicherlich keine Expertin für mittelalterliche Belagerungen und Strategien. Doch die Geschichte ist äußerst lesenswert und stellt für Jugendliche und Erwachsene ein sehr empfehlenswertes Buch da. Der flüssige Erzählstil und die spannende Entwicklung fesseln, während gleichzeitig das Bild einer fantastischen Welt vor den Augen entsteht.

Verlagsinformationen:
Monika Felten, geboren 1965, lebt mit ihrer Familie in der Holsteinischen Schweiz, einem Landstrich, wo zwischen Wäldern, Seen und Hünengräbern immer noch Elfen und Feen ihr Wesen zu treiben scheinen. Ihre Romane »Elfenfeuer« und »Die Macht des Elfenfeuers«, für die ihr jeweils der |Deutsche Phantastik-Preis| verliehen wurde, knüpfen an den Mythen und Legenden ihrer Kindheit an und begeisterten auf Anhieb zahlreiche Leser.
Mehr zur Autorin: http://www.monikafelten.de , http://www.daserbederrunen.de und http://projekt.daserbederrunen.de

Nachbemerkung des Editors: Das Buch wird mit einer Musik-CD von Anna Kristina ausgeliefert, die einen Soundtrack zum Buch beisteuert.

Bitte beachtet auch das [Interview]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=32 mit der Autorin anlässlich dieser Buchveröffentlichung.

_Jens Peter Kleinau_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de/ veröffentlicht.|

Alexander, Lloyd – Taran – Der Spiegel von Llunet

Dies ist der vierte Roman eines fünfbändigen Fantasy-Zyklus, der es vielleicht nicht mit Tolkiens „Herr der Ringe“ aufnehmen kann, der aber ebenso stark auf Mythen und Fantasythemen zurückgreift. Und die Hauptfigur Taran, die im Laufe des Zyklus eindrucksvoll heranreift, lieferte wie Tolkiens „Herr der Ringe“ die Vorlage zu einem Zeichentrickfilm.

|Der Autor|

Lloyd Alexander, geboren 1924, ist der Autor der „Chroniken von Prydain“ (= Britannien). Ähnlich wie bei Tolkien, der mit „The Hobbit“ (1937) zunächst eine Fantasy für Kinder schrieb, beginnt auch Alexander mit einer leichtfüßigen Kinder-Fantasy, um dann jedoch schnell auf tiefere, dunklere Themen zu sprechen zu kommen. Der erste und Teile des zweiten Bandes fanden Eingang in einen gleichnamigen Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1985: „Taran und der Zauberkessel“.

Der |Taran|-Zyklus

1. „Taran und das Zauberschwein“ bzw. „Das Buch der Drei“ (engl. The Book of Three) (1964)
2. „Taran und der Zauberkessel“ bzw. „Der schwarze Kessel“ (engl. The Black Cauldron) (1965)
3. „Taran und die Zauberkatze“ bzw. „Die Prinzessin von Llyr“ (engl. The Castle of Llyr) (1966)
4. „Taran und der Zauberspiegel“ bzw. „Der Spiegel von Llunet“ (engl. Taran Wanderer) (1967)
5. „Taran und das Zauberschwert“ bzw. „Der Fürst des Todes“ (engl. The High King) (1968) – Gewinner der Newbery Medal, 1969
6. „Der Findling und andere Geschichten aus Prydain“ (engl. The Foundling) (1973) – Sammlung von Kurzgeschichten, die in Tarans Welt Prydain spielen

_Handlung_

Endlich will sich Taran auf die Socken machen, um herauszufinden, wer seine Eltern sind. Auf dieser Wanderung begleitet ihn lediglich der Tiermensch Gurgi, der sein treuster Begleiter geworden ist. Zunächst zieht Taran zu Gurgis Entsetzen zu den drei weisen Frauen, die in den Marschen von Morva leben. Orddu rät ihm, sich selbst im „Spiegel von Llunet“ zu erkennen, der im östlichen Gebirge zu finden sei.

Sodann lernen sie den Bauern Aeddan kennen und erfahren, dass es allen Bauern und dem Land allgemein schlecht geht, denn der Todesfürst Arawn hat alle Geheimnisse darüber, wie man das Land am besten bebaut, geraubt, so dass die heutigen Bauern nur noch die einfachsten Methoden anzuwenden wissen. Entsprechend gering ist ihr Ertrag; er bewahrt sie gerade mal so vor dem Verhungern.

Auch das Land selbst ist alles andere als sicher. Bewaffnete Ritter glauben nicht, dass ein Sauhirte ein so edles Pferd wie Melynlas besitzen kann und schnappen es ihm unterm Hintern weg. Auf der Burg der Ritter treffen sie ihren Herrn, Fürst Goryon den Kühnen, der so ehrpusselig ist, dass es Taran ein Leichtes ist, ihm den störrischen Melynlas wieder abzuschwatzen. Wenig später gelangen sie zur Burg von Goryons Feind, Fürst Gast dem Großmütigen. Er ist aber nur großmütig und freigebig gegen sich selbst, und alle anderen müssen an seiner Tafel hungern. Hier trifft Taran auch Fflewdur Fflam wieder, den Barden mit der wahrheitsliebenden Harfe und der Riesenmiezekatze Llyan.

Zusammen gelangen sie an König Smoits Burg, den wir schon aus Band 2, „Der schwarze Kessel“, kennen: ein Bär von einem Mann, aber nicht gerade einer der hellsten Köpfe. Als die Kunde vom Krieg zwischen Goryon und Gast eintrifft, weiß Taran als Einziger den Konflikt zu aller Zufriedenheit zu schlichten. Dass er Smoit das Leben rettet, trägt nicht wenig zur Autorität des Sauhirten bei.

Als nächstes verliert Taran sein gutes Schwert an einen Banditen namens Dorath. Doch das ist gar nichts gegen das, was eine Kreatur namens Morda anrichtet. Dieser Möchtegern-Weltbeherrscher hat den Zwergen ein magisches Kleinod aus dem Haus der Zauberer von Llyr gestohlen und den Gefährten Doli in einen Frosch verwandelt. Beim Versuch, dem durchgeknallten Morda das Handwerk zu legen, werden Fflewdur und Gurgi verwandelt, doch an Taran scheitert der Irre. Warum nur? Das sei hier nicht verraten.

In einer Bergschlucht stoßen Taran und Gurgi auf einen verkrüppelten Schafhirten namens Craddoc, der behauptet, Tarans Vater zu sein. Das kann Taran nicht widerlegen, und so hilft er dem Alten, seine verfallene Hütte, seine Herde und seine Weiden wieder auf Vordermann zu bringen. Auch Craddoc stöhnt über die Verluste, die Fürst Arawn verursacht hat. Doch als Craddoc schwer stürzt, ertappt sich Taran bei dem Wunsch, der Alte, der ihn hier ein halbes Jahr festgehalten hat, möge sterben, damit er wieder frei sein und weiter wandern könne. Ein magisches Geschenk Eilonwys, ein Horn der Zwerge, ruft Hilfe herbei …

Als wichtigste Station erweist sich jedoch das Land der „Freien Commots“. Diese Menschen regieren sich selbst und helfen einander. Taran lernt, Glück zu erkennen, ein neues Schwert zu schmieden, einen neuen Mantel zu weben und eine Schale zu töpfern. Es sind Wege, die Welt zu erkennen, aber auch sich selbst. Doch dann scheint alles aus, als sich ihm der Bandit Dorath abermals in den Weg stellt. Nun wird Taran erkennen, aus welchem Holz er geschnitzt ist – oder ob sein Schwert brechen wird.

_Mein Eindruck_

Das Buch hat eine ganz andere Struktur als die vorhergehende Trilogie: Es besteht aus Episoden. Die Kämpfe sind in der Mehrzahl nicht heroischer Natur, sondern dienen dazu, Taran mehr über sein Inneres mitzuteilen. Der Hilfsschweinehirt erfährt nun, wo sein Platz in der Gesellschaft ist und wozu er alles fähig oder nicht fähig ist. Der Zweck der Wanderung ist also ein zweifacher: Selbsterfahrung und Erfahrung der Welt.

Und um diese Welt ist es nicht gut bestellt. Es ist eine Welt unter dem Schatten des Todesfürsten Arawn, der ihr Wissen und Kraft aussaugt und diese Beute für sich selbst hortet. Arawn ist der negative Pol der Schöpfung, und es sieht so aus, als stünde seinem Ent-Wirken keine positive Kraft entgegen. Die menschlichen Herrscher sind untereinander zerstritten oder pervertieren Werte. Taran weiß es noch nicht, doch das HEILEN der Welt ist seine Aufgabe. Diese wird er im nächsten, dem letzten Band der Chroniken von Prydain erfüllen. Und wie immer ist der Preis für den Erfolg sehr hoch. Darin gleicht Taran Frodo Beutlin bei Tolkien sowie Alvin Maker bei Orson Scott Card.

_Unterm Strich_

Die Geschichte ist in diesem Band wider Erwarten nicht weniger spannend als in den Vorgängerbänden. Der Schwerpunkt scheint nun allerdings auf die innere Entwicklung der Hauptfigur verlagert zu sein. Das aber geht nicht ohne dramatische Szenen vor sich, die die Lektüre wirklich lohnenswert machen. Wie in Band 3 gibt es auch hier wieder Auflockerung in Form von heiteren Szenen.

_Die Übersetzung_

… stammt nun vom dritten Übersetzer, der sich an dem Zyklus versucht. Machte zu Anfang Otfried Preußler einen ausgezeichneten Job, so schrieb Roland Vocke den 3. Band zu einem zeitgenössischen Kindermärchen um, was an sich schon recht fragwürdig war. Aus einem literarischen Meisterwerk wurde eine 08/15-Story.

Obendrein wurde in Band 3 die neue deutsche Rechtschreibung umgesetzt, so dass von da ab der erweiterte Infinitiv mit „zu“ nicht mehr durch Komma abgetrennt wird {was von der neuen Rechtschreibung so durchaus nicht vorgesehen war; Anm. d. Lekt.}. Das erweist sich an etlichen Stellen nun als Stolperstein beim Lesen. Der Leser muss sich erst klarmachen, wo denn der Hauptsatz aufhört und der Nebensatz anfängt. Inzwischen wurde diese Regelung wieder aufgegeben, aber im vorliegenden Band 4 setzt sich diese Malaise anderweitig fort. Übersetzer ist nun Ulrike Killer, die etliche Jahre bei |Klett-Cotta| die Hobbitpresse als Lektorin betreute (bis 2003). Sie führt sich schlecht ein, indem sie auf Seite 31 das Wort „mannighaft“ statt des vertrauten und richtigen „mannigfach“ verwendet. Der DUDEN kennt das Wort „mannighaft“ nicht. Handelt es sich um eine Verwechslung mit „mannhaft“? Das kann auch nicht sein, denn die Sprecherin Orddu redet von sich selbst – und sie ist keineswegs ein Mann. „Mannighaft“ ist also ebenso falsch wie „mannhaft“.

Im weiteren Text treten noch etliche Druckfehler wie etwa vergessene Punkte und Ausrufezeichen auf. Gegenüber den ersten beiden Bänden ist unterm Strich ein starker Abfall der Qualität der Textform und der Übersetzung an sich festzustellen. Hoffentlich setzt sich dieser negative Trend nicht bis in Band 5 fort.

Pohl, Frederik – Gateway-Trilogie, Die

Mit dieser neu überarbeiteten und ungekürzten Fassung von Frederik Pohls Gateway-Trilogie gibt |Heyne| SF-Lesern Gelegenheit, einen der beliebtesten Klassiker und Meilensteine des SF-Genres zu lesen. Diese Trilogie enhält die Übersetzungen des legendären „Gateway“ (1977), „Beyond the Blue Event Horizon“ (1980) und „Heechee Rendezvous“ (1984).

„Gateway“ gewann im Jahre 1978 sowohl |Hugo| als auch |Nebula Award|, aber damit nicht genug: Auch |Locus| und |John W. Campbell Memorial Award| sowie zahllose weitere heimste der Roman ein. Darüber hinaus inspirierte der Roman ein gleichnamiges Brettspiel und die Firma |Legend Entertainment| zu zwei ebenfalls hochklassigen Textadventures („Gateway“ und „Homeworld“).

Wie kaum ein anderer SF-Roman schafft es Gateway, den Reiz des Fremdartigen, Unbekannten und großer ko(s)mischer Zusammenhänge mit ganz einfachen menschlichen Problemen zu verbinden.

_|GATEWAY|_

Eines Tages entdeckt die Menschheit den Asteroiden Gateway. Auf diesem Raumhafen befinden sich Hunderte von kleinen Raumschiffen einer „Hitschi“ genannten außerirdischen Rasse. Hitschi-Technologie ist Millionen wert, obwohl man meistens ihre Funktion nicht versteht und darum auch nicht mit ihr umgehen kann. So ist es auch mit den Raumschiffen: Sie können leicht gestartet werden, aber man weiß nie, wann und wo die Reise endet.

Glückspilze finden ferne Planeten und wertvolle Hitschi-Artefakte und werden unendlich reich, Pechvögel verhungern auf übermäßig langen Reisen, kehren niemals oder als Leichen zurück … oder fliegen nur zehn Minuten lang und landen auf dem Erdmond.

Es herrscht dennoch kein Mangel an Freiwilligen für die riskanten Reisen, denn auf der nahezu aller Ressourcen beraubten Erde regieren Not und Elend, Nahrungsmangel und soziale Missstände treiben auch Robinette Broadhead (trotz des Namens ein Mann) nach Gateway. Sein letzter Flug endet in einer persönlichen Katastrophe, die ihn aber zu einem reichen und berühmten Mann macht.

_|BEYOND THE BLUE EVENT HORIZON|_

Eine von Robinette Broadhead ausgesandte Expedition entdeckt eine CHON-Nahrungsfabrik der Hitschi in der Oortschen Wolke. Doch was machen ein offensichtlich dort aufgewachsener junger Mensch, elektronische Bewusstseinskopien, Urmenschen und ein Roboter der Hitschi dort? Sind sie für die seit einigen Jahren auftretende, „Traumfieber“ genannte Epidemie von regelmäßigen Wahnzuständen der gesamten Menschheit verantwortlich?

Die weitere Erforschung der „Hitschi-Himmel“ genannten Fabrik fördert Erstaunliches zutage … In Broadhead keimt Hoffnung auf, seine Geliebte Gelle-Klara Moynlin doch noch retten zu können.

_|HEECHEE RENDEZVOUS|_

Dank der Entschlüsselung von Hitschi-Datenspeichern sind Flüge von Gateway aus nun kein russisches Roulette mehr. Doch man bemerkt, welch schrecklichen Fehler man begangen hat: Die Hitschi haben der Galaxis mit gutem Grund den Rücken gekehrt. Es droht eine Gefahr, der bisher noch niemand Widerstand leisten konnte. Wieso und wo die Hitschi sich verstecken, erzählt dieser Roman.

_Über den Autor_

Frederik Pohl (* 1919, New York) ist einer der SF-Schreiber der ersten Stunde, von den Anfängen in Fanzines bis hin zu den ersten Pulp-Romanen war er dabei. Im Gegensatz zu anderen Gründervätern wie Robert A. Heinlein und Ray Bradbury sind die meisten seiner zahlreichen Werke außerhalb der USA unbekannt, mit Ausnahme der Gateway-Romane.

Seine Romane prangerten stets in stilvoll überzogener und satirischer Weise Trends und Missstände der amerikanischen Gesellschaft an, etwas, das man auch in der Gateway-Trilogie feststellen kann. Mehrere seiner Kurzgeschichten wurden ebenfalls für |Nebula| und |Hugo| nominiert und gewannen diese sogar mehrfach.

Mit „Tales and Vignettes of the Heechee“ (1990) veröffentlichte Pohl eine Sammlung von Kurzgeschichten im Heechee-Universum (dt. Hitschi), während „The Boy Who Would Live Forever“ (2004) direkt an die Gateway-Trilogie anschließt. Diese Romane sind in dieser Trilogie nicht enthalten, man kann dies in etwa mit Star Wars vergleichen: Trotz eines etwas unbefriedigenden Endes ist die im Sammelband enthaltene Serie durchaus in sich abgeschlossen. Aber anscheinend möchte Pohl offene Fragen nach nun so vielen Jahren doch noch beantworten …

_Ein Gateway der Ideen_

Pohl ist ein witziger und kritischer Autor. So beginnt Gateway auch mit dem Helden, Robinette Broadhead, auf der Couch des psychoanalytischen Therapieprogramms Sigfrid Seelenklempner. In elliptischer Weise erzählt dieser selbst, was sich auf Gateway zugetragen hat und welche Probleme ihn plagen. Insofern ist unser Held geradezu das Paradebeispiel eines reichen Amerikaners mit seelischen Problemen, der seine Sorgen beim Psychiater loswird.

Auf diese Weise erfährt der Leser von den Problemen der Erde: Nahrungsmangel infolge von Überbevölkerung, kein Krankenversicherungsschutz für Arme und Robinettes Schicksal als glückloser Versager, der auf einmal das große Los gezogen hat. Gewürzt mit einer Prise Erotik und Sexismus, wenn Broadhead voller Begeisterung über seine neue Freundin S. Ya. Laworowna spricht – der Name seiner späteren Gemahlin wird nur einmal ganz ausgeschrieben …

Bei Pohl spiegelt sich die Angst vor der von der Malthusschen Bevölkerungslehre postulierten Hungersnot wider: Exponentielles Wachstum der Weltbevölkerung, aber nur lineares der Anbaufläche für Nahrungsmittel. Darum ist auch die CHON-Nahrungsfabrik der Hitschi von so großem Interesse: Kohlenstoff (C), Wasserstoff (H), Sauerstoff (O) und Stickstoff (N) sind die Hauptbestandteile von Kometen, und mit ein paar Vitaminen und Spurenelementen auch der Hauptbestandteil der menschlichen Nahrung … Wenn die Menschheit in Schiefergruben Hefepilzkulturen anbauen und sich davon ernähren kann, warum nicht auch Kometen fressen?

Über solche Fragen kann man natürlich schlecht mit einem robotischen Seelenklempner philosophieren, darum unterhält sich Broadhead darüber natürlich mit Albert Einstein. Beziehungsweise dem Programm Albert Einstein, welches seine liebe Frau S. Ya. oder „Essie“ für ihn geschrieben hat. Einen ganzen Schritt weiter ist die Technologie im „Hitschi-Himmel“: Der dort geborene Wan hat Jahre seines Lebens mit den elektronisch gespeicherten Bewusstseinsinhalten verstorbener Prospektoren geredet. Hauptsächlich über Sex. Demzufolge ist sein Verhalten den ersten Prospektorinnen gegenüber auch relativ ungebührlich, die sich innerlich auf die Erstbegegnung mit einem Hitschi, nicht aber auf einen pubertierenden Jüngling mit Hormonkoller vorbereitet haben …

Besonders in den damals noch puritanischeren Vereinigten Staaten müssen Pohls sexuelle Eskapaden an Bord von Dreier- oder Fünfer-Schiffen der Hitschi einigen Aufruhr verursacht haben, sogar rein homosexuelle Prospektorengruppen schlugen sich auf ihre Weise die ungewisse Wartezeit im Dreier tot.

Ein weiterer sozialkritischer Aspekt ist der oft angesprochene „medizinische Vollschutz“. Der reiche Broadhead kann ihn sich leisten – die meisten nicht. Eine Parallele zum quasi nicht existenten staatlichen Krankenversicherungssystem der USA. Broadhead kann sogar seine von einem Bus zermalmte Frau S. Ya. in strahlender Schönheit vollständig wiederherstellen, kann meterweise Gedärme und reihenweise neue Organe, Hornhäute und sonstiges anfordern, während arme Schlucker ihre Nieren verkaufen müssen – ein wahrer Organhandel-Horror.

Zum Glück ist Gateway nicht so sehr auf amerikanische Probleme zentriert, wie man befürchten könnte, sondern sehr international – der Asteroid Gateway spiegelt die Entwicklung der menschlichen Gesellschaft wider. Treffen sich dort erst locker Angehörige aller Nationen und arbeiten multinational unter der Schirmherrschaft der mächtigen Gateway-Behörde (später eine Gesellschaft, eine AG – moderne Zeiten …), entwickeln sich dort im dritten Band nach und nach nationalistische Tendenzen und die gute, alte Kneipe wird in Sektoren aufgeteilt.

Die Faszination des Unbekannten macht einen großen Reiz der Trilogie aus, die Hitschi werden selbst bei ihrem Erscheinen nicht entzaubert, sondern nur noch mysteriöser. Robinette wird seiner größten Seelenpein, Gelle-Klara Moynlin, schließlich näher kommen – wenn auch auf andere Weise, als wir und er es erwarten würden. Man holt schließlich nicht alle Tage die Ex vom Ereignishorizont eines schwarzen Loches zurück! Die Gefahren des Weltraums schrecken unseren mutigen und dann privat doch so ängstlichen und verstörten Prospektoren nicht:

|“Die Assasinen! Sie werden irgendwann herauskommen, und was sollen wir dann tun? Wenn sie den Hitschi Angst einjagen, machen sie mir Todesangst!“

„Keine Feinde, Klara (…) Lediglich Quellen zu neuem Reichtum.“|

_Fazit_

Gateways Mix aus Science-Fiction und Menschlichkeit ist unterhaltsam, spannend und amüsant. Alleine die Erzählweise Pohls ist genial, die oft in grauen Kästchen eingeblendeten Zusatzinfos zu Gateway (inklusive des Gateway-Vertrages für Prospektoren) sowie die lustigen, ernsthaften oder auch tragischen Anzeigen aller Art zeugen von seinem Sinn für Humor. Von Organhandel bis hin zu Angeboten zu gemeinsamen Dreierflügen, mit dem Angebot eines späteren Eheglücks in Nordirland im Falle des großen Treffers reicht das Spektrum. „Gateway“ zündet ein Feuerwerk der Ideen, dem der zweite Band kaum nachsteht. Lediglich der dritte ist nicht mehr so lustig und fällt deutlich ab, das Buch endet mit dem oben zitierten letzten Satz. Ein ziemlich offenes und unbefriedigendes Ende, was der Trilogie jedoch keinen Abbruch tut. Die Übersetzung ist exzellent, wurde noch einmal korrigiert und man hat sich jegliche Kürzung der Originale verkniffen.

Pohl setzte erst in diesem Jahr (2004) die Handlung fort – hoffentlich kann er sein hohes Niveau halten. Die Hitschis hätten es verdient. Die Gateway-Trilogie sollte in keiner gut sortierten SciFi-Sammlung fehlen. Es gibt keinen besseren Beweis dafür, dass gute Science-Fiction auch ohne die Blaster, Raumgefechte und Laserschwertduelle moderner Soap-Operas faszinieren kann.

Kettlitz, Hardy / Geus, Klaus / Ritter, Hermann – vergessenen Science-Fiction-Klassiker, Die (SF Personality Sammelband 1)

„Es gibt allgemein sehr wenig Sekundärliteratur über Science Fiction in Deutschland“ – mit diesen leider zutreffenden Worten leitet Herausgeber Hardy Kettlitz den ersten „SF Personality Sammelband“ ein. Wer sich nicht vor vielen Jahren zur Blütezeit der Science-Fiction erschienene Bücher wie „Reclams Science Fiction Führer“ oder Brian W. Aldiss’ „Der Milliarden Jahre Traum“ sicherte, kann noch nicht einmal auf diese längst überholten Werke zurückgreifen.

Umso erfreulicher ist das – von Hardy Kettlitz mehrmals als „fannisch“ benannte – Projekt des |Shayol|-Verlages zu bewerten, sich aus der immensen Liste an SF-Autoren (und SF-Autorinnen!) zumindest ein paar herauszupicken und ihr Gesamtwerk einer näheren Betrachtung zu unterziehen. Dass dabei nicht die mutmaßlich besten Schriftsteller (wobei sich über „beste“ natürlich trefflich streiten ließe) erfasst werden, sondern solche, die Hardy Kettlitz und den Mitarbeitern besonders am Herzen liegen, sollte mehr als entschuldbar sein. Fanarbeit lebt vom Spaß an der Sache, und sobald etwas mit Unlust verbunden nur mehr „erledigt“ wird, merkt man dies dem „Produkt“ an.

„Die vergessenen Science-Fiction-Klassiker“ haben offensichtlich den notwendigen Spaß gebracht, denn mit sehr viel Akribie und außerordentlichem Aufwand wurden die in der Regel auf Deutsch verfügbaren Romane und Kurzgeschichten besprochen. Nicht alle Elaborate der behandelten Autoren, aber auf jeden Fall die, welche wichtig sind. Und ein gutes Maß an Schriftgut, nach dem sich heute kein Lektor die Finger lecken würde. Aber damals war alles anders.

Der Terminus „damals“ trifft es sehr gut, denn die sechs Autoren haben noch das „Golden Age“ der Science-Fiction erlebt, das von 1938 bis 1950 währte und maßgeblich von John W. Campbell geprägt wurde, dem Herausgeber des amerikanischen SF-Magazins |“Astounding“|.

Wer jedoch heute nach Veröffentlichungen der besprochenen Autoren Murray Leinster, C. L. Moore, Henry Kuttner (Ehemann von C. L. Moore), H. Beam Piper, Leigh Brackett oder Gustav Meyrink (der ein wenig aus der amerikanischen Riege heraussticht) sucht, wird es schwer haben. Die einschlägigen SF-Antiquariate oder der gescholtene, aber von vielen heimgesuchte Internetauktionator müssen aufgesucht werden, um noch eines der längst vergriffenen „Terra“ oder „Terra Fantasy“-Taschenbücher oder – ach, selig, wer diese sein Eigen nennen darf – die „Utopia“-Romanhefte zu entdecken, die das bevorzugte Publikationsmedium vergangener Tage darstellten.

Mit ein wenig Wehmut habe ich deswegen auch die zahlreichen Abbildungen nicht nur deutscher Coverabbildungen, sondern auch die der amerikanischen Originale betrachtet, die sich im Innenteil des Bandes wiederfinden. Die Abbildungen sind zwar „nur“ schwarz-weiß, aber in Anbetracht des mehr als gerechtfertigten Preises ist dieser Umstand zu verschmerzen.

Hardy Kettlitz, Klaus Geus und Hermann Ritter nehmen sich mit sehr viel Sachverstand der genannten Schriftsteller an. Sie greifen dabei auf einen großen Fundus an Veröffentlichungen zurück, und bei ihren teilweise sehr ausführlichen Besprechungen nehmen sie gottlob keine Rücksicht auf Namen, so dass Anmerkungen wie: „Diese Story war, wie der Großteil des Leinsterschen Schaffens, eine geballte Ladung routiniert erzählten Unsinns“, (Seite 48) nicht ungewöhnlich, sondern amüsant (und zutreffend) sind. Aber es handelt sich halt um „Unsinn“, den man sich als SF-Fan ins Gedächtnis rufen muss, denn er gehört zur Geschichte des Genres.

Wer bisher dachte, alles über Brackett oder Kuttner zu wissen, wird enttäuscht. Klar, Brackett schrieb nicht nur am Drehbuch zu „The Big Sleep“ mit, sondern verfasste auch das zu „Rio Bravo“. Dies weiß man als Western-Fan – aber dass der Roman dazu bei |Heyne| erschien, genau das habe ich trotzdem verpasst. Doch Hardy Kettlitz klärt mich auf. Auf diese Weise wird jeder noch ein Detail aus seinem und ihrem Schaffen erfahren, das ihm bis dato unbekannt geblieben ist.

Erleichtert wird die eigene Suche nach den „vergessenen“ Autoren durch Bibliographien und einen Titelindex. Der Sammelband ist im Übrigen ordentlich verarbeitet und sauber gedruckt. Und den Kauf ohne Wenn und Aber wert! Wer über die heute modernen Autoren hinaus ein Interesse an Science-Fiction hegt, sollte auch einmal zurückschauen. Ein solcher Band bietet dazu den idealen Einstieg, um sich entweder zu erinnern oder erstmals Erfahrung zu machen mit denen, die den Boden bereitet haben für Schriftsteller wie – ach, ihr wisst ja selbst, wer momentan „angesagt“ ist.

Ich habe erst durch einen Freund von der mittlerweile auf 12 Einzelbände angewachsenen Reihe erfahren, die in kleiner Auflage erschien und deshalb teilweise längst vergriffen ist. Die Nachfrage mündete zum Glück im vorliegenden Sammelband, in dem die ersten Bände nicht einfach nachgedruckt, sondern korrigiert und ergänzt wurden. Aber, lieber Hardy Kettlitz, wann erscheint Sammelband 2?, denn die Betrachtungen zu Marion Zimmer Bradley oder Jack Vance sind nicht mehr lieferbar. Und wer folgt Michael Moorcock, der im jüngsten Band gewürdigt wurde?

Zumindest kann ich mit einer Antwort auf die Frage dienen, ob Sekundärliteratur langweilig sein muss: Nein, wie eindrucksvoll bewiesen wird. Und deshalb bleibt für den SF-Fan nur eins: das Buch bestellen. Und die Folgebände.

_Karl-Georg Müller_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de veröffentlicht.|