Archiv der Kategorie: Zeitgeschichte & Gesellschaft

Hesemann, Michael – Geheimakte John F. Kennedy

_Quo Vadis – Ein Überblick zum Fall Kennedy_
John Fitzgerald Kennedy dürfte den Meisten wegen seines berühmten Spruches an der Berliner Mauer „Ick bin ain Berlina“ bekannt sein – und natürlich wegen seines gewaltsamen Ablebens, das damals am denkwürdigen 22. November im Jahre 1963 weltweit für Furore sorgte. Der amerikanische Präsident war allseits beliebt – zumindest beim Volk, aber wohl doch nicht in allen Kreisen, bis hoch in die Ämter seiner eigenen Regierung. Das Attentat in Dallas/Texas gilt heute als DER Startschuss für den Vietnam-Krieg, den Kennedy seinerzeit unter keinen Umständen billigen wollte. Seine Liberalität war sein Todesurteil. Michael Hesemann greift die losen Fäden der Geschichte und des Mythos Kennedy noch einmal auf und fügt sie in diesem Buch zusammen.

Nein, Präsident Kennedy hatte wahrlich nicht nur Freunde, sondern auch überaus zahlreiche und mächtige Feinde: Waffenlobby, CIA, Mafia, Exil-Kubaner – um nur die Wichtigsten zu nennen. Vor allem die CIA hatte allen Grund zur Freude über seinen Tod, hatte er doch kurz zuvor ihre Zerschlagung angedroht, was gleichzusetzen mit einer Quasiauflösung des Dienstes gewesen wäre, sprich: erheblichem Machtverlust. Sie waren nicht die Einzigen, die davon profitierten, dass nach den tödlichen Schüssen beinahe im Vorbeigehen und noch am gleichen Tag des Attentats sein Vize Lyndon B. Johnson buchstäblich on-the-fly vereidigt wurde und Kennedys bereits eingeleitete Reformen sofort stoppte. Doch schon die Vorbereitung des Präsidentenbesuchs in Dallas bringt bei genauerer Betrachtung Erstaunliches zu Tage:

Kurz vorher wurde beispielsweise – vollkommen ungewöhnlich – die Fahrtroute der Kolonne gravierend geändert, sodass der offene Wagen des Präsidenten zwangsläufig an der Stelle der tödlichen Schüsse sehr langsam fahren musste. Ein Unding. Die ursprünglich geplante Route hätte ihn erst gar nicht auf den Präsentierteller des Dealey Plaza geführt, doch sein Sicherheitsschef – der dies nach eigenen Angaben niemals zugelassen hätte – wurde kurzerhand an einen anderen Einsatzort abberufen. Der ganze Einsatz des Sicherheitspersonals beim Präsidentenbesuch ist scheinbar ziemlich schief und stümperhaft gelaufen und weist einige Unstimmigkeiten auf, die man nur mit vorsätzlicher Absicht erklären kann. Offiziell fielen bei diesem Hinterhalt drei Schuss und diese allesamt aus den 5. Stock eines Schulbuchlagers hinter der Wagenkolonne des Präsidenten. Zeugen behaupten etwas anderes – sowohl was die Anzahl der Schüsse, als auch die Position der mutmaßlichen Schützen angeht – und auch ein von einem anwesenden Zuschauer aufgenommener Amateurfilm zeigt, dass der tödliche Kopftreffer von vorn kam und nicht von hinten.

Die Geschichte von der „magischen Kugel“, die Kennedy letztendlich getötet haben soll, gehört zu den lächerlichsten Chimären in der Geschichte der Neuzeit – und fast alle haben sie geglaubt. Denn um die vielfältigen Einschüsse und dieser 3-Schuss-Theorie widersprechenden Verletzungen Kennedys und seiner Mitfahrer zu erklären, dichtete man dem Projektil Fähigkeiten an, die der Physik und der Logik Hohn sprechen. Die Autopsie wurde hastig, mehr als mangelhaft durchgeführt und dokumentiert, Teile des Berichts darüber verschwanden oder wurden offensichtlich manipuliert, doch die mit der Klärung beauftragte Kommission nahm offensichtlich keinen Anstoß an solchen ‚Kleinigkeiten‘ wie Plausibilität und Physik. Die Warren-Kommission tat im Gegenteil augenfällig ihr Bestes, sich möglichst schnell auf einen Attentäter zu einigen: Lee Harvey Oswald – der konnte als Leiche ja auch schlecht widersprechen. Bekannterweise wurde Oswald kurz nach dem Attentat von einem angeblichen, irren Fanatiker liquidiert, welcher später unter ebenfalls äußerst mysteriösen Umständen verstarb. Solcherlei ‚ungeklärtes, plötzliches Ableben‘ (böse Zungen mögen es auch ‚Mord‘ nennen) potenzieller Petzen war kein Einzelfall, sondern eher die Regel.

Auch massenhaft der offiziellen Darstellung widersprechende, aber sehr glaubwürdige, unabhängige Zeugenaussagen, welche mehrere Schüsse aus einer ganz anderen Richtung als dem fraglichen Schulbuchlager wahrgenommen haben, wurden ignoriert, oder die betreffenden Zeugen unter Druck gesetzt, diffamiert oder gar peu à peu aus dem Weg geräumt. Summa summarum beläuft sich der Bodycount in diesem Zusammenhang auf 42 am Fall mehr oder weniger beteiligter Menschen (hauptsächlich Augenzeugen), die unter teils kuriosen Arten ihr Leben aushauchten. Zeugen zu beeinflussen oder zu beseitigen, Tatsachen zu verdrehen, Akten verschwinden zu lassen und die gesamte Sache möglichst in Nebel zu hüllen, zieht sich wie ein roter Faden durch den Fall Kennedy. Im Laufe der Zeit wankten die offiziellen Darstellungsversuche vom „alleinigen Einzeltäter“ Lee Harvey Oswald immer mehr und es kamen berechtigte Zweifel auf, dass Oswald überhaupt abgedrückt hatte – seine Verstrickung in diese tief verschachtelte Geschichte ist hinlänglich erwiesen, doch ist er auch der Täter gewesen?

Die Begleitumstände lassen das fragwürdig erscheinen und legen eher den Schluss nahe, dass er ein simples Bauernopfer war. Das Gewehr, dass er zur Tat angeblich verwendet hat, war ein Uralt-Prügel und alles andere als ein Präzisionsgewehr, doch soll er in knapp sieben Sekunden auf dreihundert Meter drei Schuss treffsicher abgefeuert haben. So ein Kunststück bringen selbst Scharfschützen mit besseren Gewehren kaum fertig. Zudem war das Zielfernrohr nachweislich defekt und er als mieser Schütze bekannt. Selbst wenn er es fertig gebracht haben sollte, so bleibt immer noch der bildliche Beweis des Amateurfilmers, dass der tödliche Treffer von vorne in Kennedys Schädel eindrang. Das spricht für noch mindestens einen weiteren Heckenschützen, der die Kolonne von vorn unter Feuer nahm. Wahrscheinlicher ist, dass es sogar eher drei Gunmen waren. Wieder belegen Zeugenaussagen, dass dem tatsächlich so war. Doch all das wurde geflissentlich übersehen.

Der Staatsanwalt von New Orleans – Jim Garrison – war Jahre später der Einzige, der sich getraute, den Fall noch einmal weitreichend und minutiös aufzurollen, weil es himmelschreiende Ungereimtheiten und Anzeichen für eine Verschwörung im großen Stil im Abschlussbericht der Kommission gab. Sein hartnäckiges Engagement war offensichtlich zu weitreichend für einige Gestalten. Er hatte geradewegs in ein Wespennest gestochen. Trotzdem man ihn versuchte, öffentlich zu diffamieren und sogar offen zu bedrohen, brachte er es bis zum Prozess und auf zwei Bücher zum Thema. Mehr als die Öffentlichkeit aufzurütteln, konnte er aber nicht bewirken, der Prozess gegen einige der mutmaßlichen Verschwörer endete aufgrund einer formaljuristischen Spitzfindigkeit mit einem – recht zweifelhaften – Freispruch. Auf diesem Stoff basierend, schuf Oliver Stone 1992 den Film „JFK – Tatort Dallas“ mit Kevin Costner in der Hauptrolle, der kurioserweise schon im Vorfeld durch eine Hetzkampagne niedergemacht wurde, jedoch das Interesse am Mordfall Kennedy in der Öffentlichkeit wieder entfachte.

Garrisons geradezu inquisitorischem Ermittlungseifer damals und auch dem ambitionierten Film Oliver Stones ist es jedoch zu verdanken, dass die amerikanische Regierung heutzutage immerhin – gezwungenermaßen zwar – „die Möglichkeit eines Komplotts“ offiziell einräumt, jedoch weiterhin stur an Oswald als Täter festhält – allen gegenteiligen Indizien, die in all den Jahren auftauchten und zusammengetragen wurden, zum Trotz. Der Mord und die weitreichende Vertuschung der Vorgänge sind längst Legende und alle Sachverhalte bei weitem nicht zufrieden stellend geklärt, nicht zuletzt deswegen, weil aufschlussreiche Akten weiterhin unter fadenscheinigen Vorwänden von offizieller Seite unter Verschluss gehalten werden. Das Mauern geht also auch jetzt, vierzig Jahre nach dem Attentat, munter weiter.

_Qui Bono – Kritik_
Die Konsequenzen des Anschlags ziehen bis zur Jetztzeit ihre Kreise und selbst einige der heute im Amt Sitzenden waren damals schon offensichtlich mehr oder weniger involviert. George Herbert W. Bush Senior beispielsweise. Das jedenfalls recherchiert Hesemann aus Akten aus der aktiven CIA-Zeit des Ex-Präsidenten und Daddys des aktuellen Chefs des Weißen Hauses. Obwohl es mittlerweile ja en vogue ist, auf den Bush-Clan einzuprügeln, nimmt dieses Kapitel nicht viel Platz ein. Bush Senior war wohl nur ein kleines Rad im Getriebe der damaligen Vorgänge – eins von vielen. Als treibende Kraft hinter allem macht Hesemann hauptsächlich die CIA und auch andere Gruppierungen aus, die sich zusammenschlossen, um den bei ihnen so verhassten liberalen Präsidenten über die Klinge springen zu lassen. Genüsslich zerpflückt er die Einzeltäter-Theorie und nimmt CIA, Mafia, Waffenlobby und die Exilkubaner aufs Korn– ja selbst die Freimaurer kriegen ihr Fett weg. Letzteres ist ein recht neuer Aspekt und gar nicht mal so abwegig, muss aber heikle Spekulation bleiben. Dennoch interessant hergeleitet.

Den anderen Aspiranten auf die Täterschaft kann man mit belegbaren Facts schon eher zu Leibe rücken, viel Neues hat Hesemann aber nicht zu bieten – die meisten Erkenntnisse stützen sich auf die Ermittlungsarbeit von Jim Garrison und rekapitulieren sie nur noch einmal zusammenfassend. Zeugenaussagen, Protokolle und der berühmte „Zapruder“-Film (benannt nach Abraham Zapruder, der das Attentat mit seiner Super8-Kamera filmte, dessen Bilder später um die Welt gingen) sind unlängst bekannt, wenn auch vielleicht nicht in unseren Landen. Vieles von dem, was er schreibt, kommt in dieser oder abgewandelter Form auch im oben erwähnten Film von Oliver Stone vor, den Hesemann auch mehr als einmal lobt – da gebe ich ihm Recht, der Film ist um einiges verdaulicher als die Literatur. Nicht dass der Schreibstil etwa langweilig wäre, nein, es ist nur verdammt schwer, die ganzen Namen der Beteiligten keinem Gesicht zuordnen zu können. Es gibt eine Menge Namen und Ämter zu verdauen, quasi ein Who-is-Who aus Wirtschaft, Politik und Geheimdienst dieser Zeit. Oftmals verwirrend für jemanden, der sich noch nie zuvor damit auseinander gesetzt hat und somit, denke ich, recht schwere Kost.

Hesemann verknüpft aber auch die derzeitige Großwetterlage Amerikas mit den damaligen Ereignissen, sind doch viele der Handelnden ehedem zu Amt und Würden gelangt und haben den Lauf der Geschichte in der Folge maßgeblich beeinflusst. Ein vordergründig ziemlich wackeliges Argument, denn jede geschichtliche Begebenheit zieht unweigerlich einen Rattenschwanz an Kausalitäten hinter sich her, inwiefern das steuerbar ist, sei dahingestellt. Erstaunlich jedoch, abgesehen vom Wie, dass die alten Seilschaften (oder deren Zöglinge) zum Teil immer noch an den Fäden ziehen bzw. in Machtpositionen sitzen; Kennedys Beseitigung hat diese Entwicklung auf jeden Fall begünstigt und beschleunigt – wenn nicht gar erst ermöglicht -, insofern muss man ihm beipflichten. Unstrittig ist auch die These des Komplotts, denn eine solche Vertuschungsaktion entspricht nicht der Handschrift eines verblendeten Einzeltäters, sondern erfordert eine Menge Leute und setzt eine komplizierte Planung, Logistik und hohe Machtposition voraus, etwas in diesem groß angelegten Stil durchzuziehen. Die Indizien, die gegen Oswald als Todesschützen sprechen, waren und sind erdrückend. Das dokumentiert Hesemann auch mit zahlreichen Quelltexten, Fotos und Schaubildern, die trotz ihrer Brisanz bemerkenswerterweise frei zugänglich sind und zum Nachdenken anregen.

_Status Quo – Fazit_
Durch die Gnade der späteren Veröffentlichung im Jahre 2003 ist das Buch natürlich um einige Erkenntnisse reicher als ältere Publikationen und illustriert, wie Verschleierungstaktik seit jeher zur amerikanischen Politik gehörte und gehört. Notfalls geht man dabei auch über die Leiche des eigenen Präsidenten. Diese Einsicht ist nicht gerade neu und wird zähneknischend nun auch von offizieller Seite bestätigt – halbwegs jedenfalls. Publikationen wie diese geraten schnell unter Beschuss und der Grat zwischen Phantasterei und wirklicher Enthüllung ist denkbar schmal. Hesemann geht den sicheren Weg und resümiert hauptsächlich den Tathergang und Hintergründe, wie sie allgemein hin schon als erwiesen angesehen werden – basierend auf der Vorarbeit von Jim Garrison – und reichert die ohnehin dichte Indizienkette gegen die Verschwörer mit einigen eigenen Theorien an. Die leitet er gut her, sie entbehren nicht einer gewissen Logik. Letztendliche Gewissheit aber kann man wohl nur erlangen, wenn die derzeit noch unter Verschluss gehaltenen Akten tatsächlich irgendwann der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Wenn. So sicher ist das nämlich nicht. Unterm Strich bleiben eine sehr detaillierte Zusammenfassung zum aktuellen Stand der Dinge im Mordfall Kennedy und eine prima Ergänzung/Nachschlagewerk zum Film Oliver Stones.

McCoy, Alfred W. – CIA und das Heroin, Die. Weltpolitik durch Drogenhandel

Was haben Drogen und internationale Politik miteinander zu tun? Wie ist der weltweite Anstieg des Drogenkonsums zu erklären? Das sind nur zwei der vielen Fragen, die in diesem über 800 Seiten starken Buch beantwortet werden.

Die Allianz zwischen Drogenwirtschaft und CIA baut auf einer langen Geschichte internationalen Drogenhandels auf. Sie beginnt mit dem Schlafmohn und dem Opium, dem „Ahnherr aller illegalen Drogen“ in der Antike. Damals wurde Opium lokal gehandelt, seit dem 17. Jahrhundert wurde es eine Welthandelsware, seit dem 20. Jahrhundert ist es als illegales Heroin gewinnbringender denn je.

Mit einer einmaligen Fülle an Fakten (Quellen- und Stichwortverzeichnis umfassen 150 Seiten) wird eine auf den ersten Blick befremdliche These belegt: Die rigide Antidrogenpolitik reagiert nicht auf weltweite Kriminalität – sondern im Gegenteil: sie schürt diese. In nie gekanntem Maße werden Verbrechen durch immer härteren Kampf gegen Kriminalität erzeugt. Zum Beispiel: „Nachdem die Häftlingsrate in den USA über ein halbes Jahrhundert lang stetig bei 100 Gefängnisinsassen auf 100.000 Einwohnern gelegen hatte, stieg sie, in die Höhe getrieben von immer höheren gesetzlichen Mindeststrafen für Drogenvergehen, von 138 Inhaftierten 1980 auf 702 im Jahr 2002 an…“ (S. 66). Außerdem senken Antidrogengesetze nicht den Konsum, sondern erschweren nur Anbau- und Handelskonditionen. In vielen Gebieten der Erde ist Drogenanbau die einzige Basis zum Überleben, und solange der Westen diese Armut erzwingt, sind alle Bemühungen gegen die Drogeninflation in der 1. Welt reine Sisyphusarbeit.

Aus irgendeinem bescheuerten Grund wird die US-Außenpolitik gern „pragmatisch“ genannt. Aber nichts liegt ferner, als dem Machtkampf der CIA Scharfblick und das Bedenken der langfristigen Folgen des eigenen Tuns zu unterstellen. Diese ach so ‚pragmatische‘ Machtpolitik verbraucht Bündnisse schneller, als neue geschlossen werden. Die CIA findet ‚Freunde‘, die für sich selbst und die CIA um lokale Macht kämpfen. Dafür brauchen sie mehr Ressourcen. Der Schlüssel sind Drogenanbau und -handel, in den Andenländern Südamerikas genauso wie in Zentralasien und Südostasien. Die CIA, internationaler Hauptarm der US-Politik, kann nicht alle strategischen Bündnisse weltweit selbst finanzieren, und das Kräftegleichgewicht kippt immer wieder, wenn ihre Partner eigene Interessen verfolgen – was sie früher oder später tun. Ein Beispiel unter vielen sind die Taliban in Afghanistan.

Umfangreich schildert McCoy die Entwicklung des Drogenhandels seit der Kolonialzeit. Eine neue Phase begann mit dem Kalten Krieg. Denn ab jetzt ging es nicht mehr nur um Profit, sondern der Kampf um ideologische Vorherrschaft in den Regionen kam hinzu und machte das Abhängigkeitsgefüge noch komplexer. Wirtschaft konnte Konkurrenz vertragen, der American Way of Life nie, und so eskalierten die aus politischen Gründen geführten Territorialkämpfe. Heute sind 50 (fünfzig!) US-Regierungsbehörden in den Handel mit Drogen involviert, in Anbau, Herstellung und Transport – auch ins eigene Land.
Die CIA macht mit Heroin Politik, indem sie ihren Einfluss auf den internationalen Drogenhandel zur Durchsetzung amerikanischer Interessen in aller Welt einsetzt: Drogenpolitik ist das Mittel, um Macht zu sichern. Destabilisierung von Regionen und Ländern und Kriege sind Begleiterscheinungen. McCoy, Professor an der Universität Wisconsin, zeigt die Dimensionen und Mechanismen. Es ist keine Verschwörung, kein unter Druck entwickelter finsterer Plan, der da verfolgt wird. Es ist ein Einblick in die Mechanismen einer Weltmacht.

Beispiele:
Der US-Geheimdienst kooperierte im 2. Weltkrieg mit der Mafia in Italien, in den Nachkriegsjahren mit korsischen Verbrechersyndikaten in Marseille, um dort die Macht der gewählten Kommunisten zu brechen. Mit Erfolg. Mit Bedacht legte die CIA das Fundament für die über zwanzigjährige Dominanz der Korsen-Connection im expandierenden US-Heroingeschäft.
Den Krieg in Nicaragua finanzierten CIA und Contras durch Drogenschmuggel. Das wurde in den USA zum Skandal, als sich Bürger aus L.A. über die Crack-Schwemme beschwerten, die mit CIA-Hilfe in den Markt gepumpt wurde. Die Polizei hatte Beweise, doch nichts passierte – zu viele Freunde in Regierungsnähe.
Seit dem Sieg der USA über die afghanischen Taliban blüht dort der Mohnanbau wie nie zuvor: Das Land gilt heute als die erste Opium-Monokultur der Welt mit historischen Rekordernten.

Versuche der CIA, das Buch zu verhindern, scheiterten.

_Knut Gierdahl_
für das Magazin [AHA]http://www.aha-zeitschrift.de

Chomsky, Noam – Hybris

Professor Noam Chomsky, der im Dezember 75 Jahre alt wurde, ist bereits zu Lebzeiten eine Legende. Und umstritten, denn sein Schaffenswerk und seine Einstellungen zu diversen Themenbereichen sind alles andere als leicht und in Schubladen einzuordnen. Dennoch ist er derzeit der meist zitierte lebende Intellektuelle. Besonders in linkspolitischen Studenten- und Akademikerkreisen genießt er ähnlichen Kultstatus wie beispielsweise der „Drogenprofessor“ Timothy Leary, ohne jedoch (zum Glück?) mit dessen abenteuerlicher Biographie mithalten zu können. Zugleich wird er von der radikalen Linken ebenso angefeindet wie vom Establishment und diversen anderen Kreisen, denn Chomsky ist kontrovers, erhitzt die Gemüter und füttert Gesprächsthemen – und ist dennoch aufgrund seiner messerscharfen Logik und seines akademischen Leumunds bislang nicht überzeugend angreifbar.

Chomsky, geboren in Philadelphia als Sohn des renommierten Hebräischgelehrten William Chomsky, studierte Philosophie, Linguistik und Mathematik an der University of Pennsylvania, promovierte in Harvard und ist seit 1955 am Massachusetts Institute of Technology (MIT) tätig. Zudem war er unter anderem in Princeton, Oxford, Cambridge, Neu-Delhi und Leiden aktiv. Er bekam Dutzende von akademischen Ehrengraden verliehen und ist in zahlreichen Gesellschaften aktiv. Seine linguistischen Theorien (am bekanntesten sind die „Chomskyhierarchien“, aber auch die „generative Transformationsgrammatik“ u.a.) haben bis in die Informatik und Psychologie hinein bedeutsamen Einfluss genommen, selbst die Medizin nutzt seine Werke (so baute beispielsweise Jerne seine nobelpreisprämierte Theorie über das Immunsystem auf Chomskys Arbeiten auf). Er gehört zu den weltweit führenden Autoritäten als Linguist und Politologe. Besonders in letzterem Wirkungsfeld ist er über rein akademische Kreise hinaus der aufmerksamen Weltöffentlichkeit bekannt, und genau dieses soll uns hier vornehmlich interessieren.

Auch politisch gesehen, ist Chomsky nicht leicht einzuordnen und hat seinen ganz eigenen Willen, der sich handlicher Schubladisierungen zu widersetzen weiß. So sieht er sich in der Tradition des „libertarian socialism“; eine anarchistische Ausrichtung, die gegen Hierarchien und Autoritäten orientiert ist. Obwohl er in seinen Schriften vehement und treffsicher analysierend gegen Machenschaften der amerikanischen Regierung angeht, ist er alles andere als „anti-amerikanisch“ (ein Kampfbegriff, der mittlerweile fälschlicherweise gleichbedeutend mit „kritisch gegenüber amerikanischer Politik“ gesetzt wird; wer nicht für uns ist, ist gegen uns und ein potenzieller Terrorist) oder unpatriotisch und unterstützt durchaus die republikanischen und demokratischen Grundsätze. Und eben die Verstöße gegen diese Prinzipien der staatlichen Freiheit prangert er an.

Dass Washingtons Ansichten dazu, was demokratisch ist und was nicht, der eigentlichen Definition beständig widersprechen, wird in seinem aktuellen Buch ebenfalls an Beispielen betrachtet. Ebenso richtet er sich explizit gegen die mehr als bedenklichen politischen Vorstöße der israelischen Regierung, was selbstverständlich als antisemitisch uminterpretiert wird. Eigens zu solchen Zwecken wurde ja auch der urbane Mythos vom „sich selbst hassenden Juden“ inszeniert. Chomsky selbst betrachtet sich als Unterstützer des Zionismus; mit dem Unterschied, dass der Begriff in den vergangenen Dekaden radikal neu interpretiert wurde und inzwischen so ziemlich das Gegenteil darstellt. Chomsky bleibt bei der traditionellen und tatsächlichen Bedeutung, und als Linguist von Format muss er es wissen. Derartige Standpunkte haben ihm natürlich den Vorwurf der Haarspalterei eingebracht. Ja, warum sollte man es mit der Sprache auch so genau nehmen, letztlich ist die derzeitige amerikanische Hetzkampagne ein Musterbeispiel dafür, wie beliebig Begriffe wie „Terrorist“ und „Terrorismus“, „humanitäre Intervention“, „anti-amerikanisch“, „unpatriotisch“ oder „Achse des Bösen“ schlagfertig und massenkompatibel aufbereitet je nach Situation zum Einsatz gebracht werden können.

Diese wirksamen verbalen Spitzfindigkeiten (oder eher Plattitüden?) werden in Chomskys Buch „Hybris“ ebenso beleuchtet wie das politische Gebaren der U.S.A. insgesamt. Dabei ist der Autor zugleich hochaktuell wie auch historisch orientiert, denn viele derzeitige Abläufe lassen sich an fast identischen Ereignissen der neueren Geschichte amerikanischer Politik erklären und in Parallelen analysieren.

Erklärtes Ziel derzeitiger amerikanischer (Macht-)Bestrebungen ist es, eine einseitig definierte weltweite Hegemonie zu erschaffen und also die alleinige Vorherrschaft der Vereinigten Staaten von Amerika zu sichern. Dies geschieht dabei aus dem Anspruch heraus, der einzig legitime Heilsbringer von Freiheit und Demokratie zu sein, der weiß, was für seine Kinder gut ist und wie man ungehorsame Kinder im Sinne amerikanischer Freiheit zu erziehen und zu bestrafen hat. Das klingt pathologisch, ist es auch und wird von Chomsky ausführlich analysiert, auch und gerade sprachlich, indem unzählige Zitate in die Fließtext eingestreut werden, die von besorgten „Demokratieverfechtern“ stammen (die wohl entweder nicht wissen, was sie da eigentlich reden oder aber gedankenlos in Kauf nehmen, dass ihre wirklichen Motive durch solche Aussprüche offenkundig werden).

Die U.S.A. definieren dabei auf breiter Basis neu. Oben erwähnte Begriffe gehören dazu, außerdem wird mit Nachdruck definiert, was Demokratie ist, was Freiheit ist, was Willkür und was nicht, was Krieg ist und was nicht, wann Menschenrechte zur Geltung kommen und wann nicht (in diesem Zusammenhang und in Sachen Aufrüstung wird übrigens auch die Türkei im Buch unter die Lupe genommen; wer danach noch für eine EU-Erweiterung in den Nahen Osten ist, der hat einige Grundprinzipien nicht verstanden), wann die UN und die mit ihnen verknüpften Institutionen etwas beizutragen, und wann sie sich gefälligst herauszuhalten haben, wer welche Auflagen zu erfüllen hat, Sperrverträge zu unterzeichnen hat, sich auf- oder abzurüsten hat – und warum die U.S.A. daran selbst nicht gebunden sind.

Überhaupt ist ein wesentliches Merkmal des Hegemonialbestrebens und seiner unmittelbaren Aktivitäten, dass beständig mit zweierlei Maß gemessen wird. Was auf einen missliebigen Staat anwendbar ist, ist bei gleichem Sachverhalt noch lange nicht für Washington gültig, so zum Beispiel beim Begriff des „internationalen Terrorismus“. Die „Think Tanks“ sind dabei, die ursprünglich von den U.S.A. selbst aufgestellten Kriterien für Terrorismus- und Kriegsfälle umzugestalten, da sämtliche Definitionen bislang einwandfrei auf amerikanisches Verhalten anwendbar sind. Chomsky hält es hier wie auch bei den oben angeführten Begriffen, indem er schön bei den ursprünglichen, noch unverfälschten Bedeutungen bleibt und sie auch dementsprechend zum Einsatz bringt.

Chomsky führt einige Fälle amerikanischer Intervention aus, so unter anderem Kosovo und Ost-Timor, Kuba oder Nicaragua. Bezeichnend war, um ein Beispiel zu nennen, dass die sowjetische Stationierung von Raketen auf Kuba als kritische Bedrohung aufgefasst wurden (zu Recht), die gleichzeitige Stationierung amerikanischer Raketen an der türkischen Grenze allerdings nicht einmal Medienerwähnung fand. Kuba ging gegen Blockaden und Sanktionen sowie militärische Übergriffe der Amerikaner vor, indem es sich ordnungsgemäß an die UN und den Sicherheitsrat wandte (abgeblockt von, man errät es, den U.S.A. und Israel, den beiden Chefblockierern bei jeder Abstimmung, die „amerikanische Interessen“ tangiert), während die U.S.A. eine abgefeuerte Patrone (oder ein wahlweise von ihnen selbst gesprengtes Schiff) als ausreichenden Grund ansehen, um sofort massiv zu bombardieren (und dabei auf die korrekte Fütterung der Medien zu achten).

Aber einen genüsslich großen Teil der Drecksarbeit müssen die Staaten dabei gar nicht selbst erledigen, dafür sind sie zu sehr Meister darin, Kontras, Guerillas, revolutionäre und militante Gruppierungen zu finanzieren, auszubilden und mit Waffen zu versorgen und zudem für ein ausreichend hohes Kriminalitätspotenzial des jeweiligen Landes zu sorgen, um dann im Zusammenspiel mit einem geeigneten und medienwirksamen Schreckensereignis (auch wenn man es sich zunächst aus den Fingern saugen und irgendwelche Massaker erfinden oder notfalls selbst inszenieren muss, später interessiert es sowieso keinen mehr – ähm, was war noch mal der Kriegsgrund? Und Kriegsverbrechen durch die Streitkräfte der U.S.A.? Gibt es nicht.) mit patriotischer Inbrust und im Superman-Kostüm die Welt vor irgendwelchen schrecklichen Terroristen retten zu dürfen. Ganz altruistisch natürlich; wovon, so Chomskys Analyse, ein erschreckend hoher Teil der Aktivisten amerikanischen Imperialbestrebens aufgrund ihres Selbstverständnisses tatsächlich und aufrichtig überzeugt ist. Missionarischer Eifer mit ein paar netten machtpolitischen Nebeneffekten, wie wir ihn seit den Kreuzzügen nicht mehr hatten – aber dafür wurde jetzt ein neuer Kreuzzug ausgerufen und wir marschieren selbst pflichtbewusst in vorderster Reihe mit.

Der „war on terror“ ist natürlich keine Innovation neuerer Zeit, er wurde zuletzt bereits Anfang der Achtziger von den U.S.A. ausgerufen und die Terrorismus- bzw. Kommunismuskeule packen die Macher in Washington ja bekanntlich auch nicht erst seit gestern erfolgreich aus. Immer wieder beliebt und gern gesehen, haben sich diverse – ironischerweise eigentlich wirklich plumpe – Stilelemente als beständig wirksam erwiesen und werden in immer gleichem Schauspiel mit neuer Besetzung aufgeführt – und das Publikum scheint den Nepp nicht zu bemerken und spendet tosenden Applaus. Brot und Spiele für das Volk. Und dank neuester Technologien so werbewirksam in die Menge zu streuen wie nie zuvor. Da schafft man es auch ganz schnell und rechtzeitig vor dem nächsten Irakkrieg, die Öffentlichkeit (ca. 70 Prozent laut Umfrageergebnissen) davon zu überzeugen, dass der böse Hussein mit den ach so nützlichen Anschlägen vom 11.9. ganz bestimmt etwas zu tun hatte und die Mehrheit der nach unbekannten Kriterien festgelegten Flugzeugattentäter wohl Iraker gewesen sein müssen. Die „Schöne neue Welt“ und der „Große Bruder“ machen’s möglich.

Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihre Grenzen ausgelotet und sind folgerichtig zu dem Schluss gekommen, dass sie nunmehr eine aggressive und unilateral legitimierte „Nationale Sicherheitsstrategie“ verkünden dürfen, die es ihnen gestattet, auf jedwede durch sie selbst definierte Bedrohung ihrer Interessen mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln zu reagieren, bevorzugt mit militärischer Überlegenheit. Das wird natürlich zunächst gegen wehrlose Ziele gerichtet, weshalb beispielsweise Nordkorea erst einmal vor Übergriffen sicher sein dürfte. Allein die bloße Verkündung dieser Gewaltbereitschaft führt allerdings in Wirklichkeit bereits zu einer neuen Aufrüstungsspirale, die Ausführung dieser Androhung zu terroristischen Gegenmaßnahmen, die wiederum als Legitimierung weiterer militärischer Interventionen (oh, es heißt ja nun „humanitäre Intervention“) dienlich sind und ihre Existenz und Notwendigkeit somit tautologisch begründen können.
Um die innenpolitischen Sorgenkinder wird sich im gleichen Zuge fachgerecht gekümmert, Patriot Act (Teil II demnächst auch in Ihrem Kino), Homeland Security und andere ganz unbedenkliche Einrichtungen zum Schutz und Wohle der amerikanischen Freiheit (wie war der Begriff gleich noch definiert?) machen es möglich.
Chomsky stellt dabei heraus, dass gerade die „Sicherheitspolitik“ dafür sorgt, dass sowohl Amerika als auch das stabile Weltgefüge in massive Gefahr geraten. Statt „Überleben durch Hegemonie“ stellt er eher die Wahlfrage: „Hegemonie oder Überleben“? [Originaltitel: „Hegemony or Survival“]

Noam Chomsky ist erneut eine explosive Analyse gelungen, untermauert von zahllosen Zitaten und Quellenbelegen und scharfsinnig zu einem schlüssigen Bild zusammengefügt, dabei alles, was dem argumentativen Totschlaghammer „Verschwörungstheorie“ Nahrung geben könnte, vermeidend. Nackte Fakten, die für sich sprechen, gewürzt mit einer griffigen Prise Zynismus, und ein angenehmer Schreibstil abseits von akademischen Wortungetümen machen „Hybris“ zu nahrhafter Vollwertkost für aufmerksame Beobachter derzeitigen Weltgeschehens. Pflichtlektüre.

Eine herausragende und beispielhafte Aktion hat der Europa-Verlag in Kooperation mit „attac Deutschland“ gestartet, indem unter http://www.chomsky-forum.de/ neben allerhand Sekundärliteratur zu Chomsky die Volltexte der sechs vor „Hybris“ erschienenen Werke veröffentlicht wurden. Shareware-Prinzip, wie es Schule machen sollte.

[Deutsches Noam-Chomsky-Forum]http://www.chomsky-forum.de
[Offizielle Homepage von Noam Chomsky]http://www.chomsky.info/
[Chomsky bei Wikipedia]http://en.wikipedia.org/w/wiki.phtml?title=Noam__Chomsky&printable=yes

Weiterführende Lektüre:
[Die Kriegslüge]http://www.stern.de/politik/ausland/index.html?id=521345
Neunteiliger Rückblick-Artikel des „stern“ über US-Außenpolitik, Kriegstreiben und Desinformation seit dem Amtsantritt von George W. Bush

[Schlecht für Irak, gut für die Welt]http://www.taz.de/pt/2004/03/20/a0162.nf/textdruck
taz Nr. 7314 vom 20.3.2004, Seite 3, 313 Interview mit Noam Chomsky von ERIC CHAUVISTRÉ

[Projekt für ein neues europäisches 21. Jahrhundert]http://www.medienanalyse-international.de/projekt.html
Analysen und Lösungsvorschläge von Jochen Scholz, erschienen beim Internationalen Institut für Medienanalyse und Friedensforschung.
Scholz: Nach 38 Jahren als Berufsoffizier der Luftwaffe nun außenpolitischer Berater. Die letzten sechs Dienstjahre im Bundesministerium der Verteidigung im Stab des Generalinspekteurs eingesetzt. Davor zwölf Jahre in NATO-Gremien, sechs Jahre in NATO-Stäben.

Inhaltsverzeichnis:

_I. Hegemonie oder Überleben_
„Zwei Supermächte“
Der Feind im Innern
Der Feind jenseits der Grenzen

_II. Die imperiale Strategie_
Die Hegemonie erzwingen
Neue Normen des internationalen Rechts
Die Herrschaft des Gesetzes
Das internationale Recht und seine Institutionen
Besorgnisse der US-Eliten
Absichtsvolle Ignoranz

_III. Die neue Epoche der Aufklärung_
Kosovo und Ost-Timor
„Die Notwendigkeit der Kolonisierung“
Wie man unartige Kinder vor Ansteckung bewahrt

_IV. Gefährliche Zeiten_
„Nur ein Wort vom Atomkrieg entfernt“
Internationaler Terrorismus und Regimewechsel: Das Beispiel Kuba
Erfolgreicher Widerstand
Leitlinien US-amerikanischer Politik
Internationaler Terrorismus und Regimewechsel: Das Beispiel Nicaragua

_V. Die Irak-Connection_
Das Drehbuch I: Außenpolitik
Das Drehbuch II: Innenpolitik
Unbedeutende Risiken
„Die wilden Flügelstürmer“
Demokratie und Menschenrechte
Befreiung von der Tyrannei: Konstruktive Lösungen

_VI. Weltmachtprobleme_

_VII. „Ein Hexenkessel von Feindseligkeiten“_
Ursprung und Entwicklung der israelisch-amerikanischen Beziehungen
Camp David II: Palästina als „dauerhafte koloniale Dependenz“

_VIII. Terrorismus und Gerechtigkeit_
Binsenweisheiten und Terror
Die Kunst, unerwünschte Tatsachen verschwinden zu lassen
Binsenweisheiten und die Theorie des gerechten Krieges
In Konfrontation mit dem Terror

_IX: Ein Alptraum, der vorübergeht?_

_Anmerkungen_
_Personenregister_

Carmin, E. R. – schwarze Reich, Das

„Die radikalen sozialen, politischen, kulturellen und technologischen Umwälzungen, die dieses abgelaufene 20. Jahrhundert prägten und das Gesicht der Welt wie nie zuvor in der bekannten Geschichte veränderten, waren keine Zufälle.“

So beginnt das Monumentalwerk „Das schwarze Reich“ von E. R. Carmin, das zuerst vor zehn Jahren im Verlag Ralph Tegtmeier erschien, seit 1997 bei Heyne verlegt wird (was mich angenehm überrascht) und trotz eher stiefmütterlicher Beachtung eine der erstaunlichsten und fundamentalsten Sachbuch-Veröffentlichungen der letzten Jahre darstellt.

Und in der Tat – dass hinter den diversen Entwicklungen mehr als bloßer Zufall steckt und es stets diverse Graue Eminenzen gab, die von den „unerwarteten“ Ereignissen nicht wirklich überrascht waren, zeigt sich nicht zuletzt in den Geschehnissen seit dem 11. September 2001. Doch davon soll hier nicht zu sehr die Rede sein, wenngleich sich in den Ausführungen von Carmin interessante Bezugspunkte dazu finden lassen, die einiges erhellen. Und das, obwohl Carmin zur Zeit der Veröffentlichung natürlich noch nichts von den zukünftigen Veränderungen ahnen konnte – oder vielleicht doch ein wenig, wenn man die verschiedenen Muster und Hintergründe besser zu verstehen beginnt. Zumindest sind Erwähnungen zu Machenschaften in den Neunzigern, einschließlich des damaligen Golfkriegs, ein hilfreiches Puzzle-Stück für ein Gesamtbild, das an sich bereits erschütternd genug sein dürfte.
Die Tatsache, dass Großvater Prescott Bush dabei als ein Vermögensverwalter Hitlers und Hauptgeldwäscher für Nazitransaktionen auftaucht sowie die Tatsache, dass der Grundstock für das Bush-Vermögen aus Geschäften mit Nazi-Deutschland stammte, damals aufgebaut u.a. im Verein mit Baron Thyssen und Prinz Bernhard der Niederlande, ist bereits bezeichnend genug. Der Flachland-Prinz ist dabei ein „Globalisierungsfreund“ besonderer Art, der natürlich rein zufällig auch die „Bilderberger“-Treffen ins Leben rief, die bedeutendsten Zusammenkünfte von Politik, Hochfinanz, Kirchen, Wirtschaft und Medienmogulen unter Ausschluss der Öffentlichkeit, die erst in den Siebzigern unangenehmerweise publik wurden. Auch taucht so mancher Name noch in Carmins bis 1992 reichender Abhandlung auf, der jetzt im imperialen Kabinett an Bushs Seite erneut (bzw. noch immer) von Bedeutung ist. Allein unter diesem Blickwinkel eine faszinierende Lektüre, befreit von der Versuchung, Verbindungen zu aktuellen Ereignissen herstellen zu wollen, denn diese waren noch ferne Zukunft für Carmin.

Um allerlei „Zufälle“ und Hintergründe der besonderen Art geht es Carmin auch vorrangig in seinem erstaunlichen Werk, das seinen Anfang mit Betrachtungen zum Dritten Reich nimmt, wie es Aufmachung und Titel durchaus bereits vermuten lassen. Aber im Laufe der Darstellung geht der Autor deutlich über diesen Themenrahmen hinaus, wenn zunehmend die Frage danach brennend wird, wer wie und warum da offenkundig manipulativ in das Weltgeschehen eingreift, und vor allem: einzugreifen imstande ist.
Politisch korrekt dressierte Gutmenschen, eifrige „Spiegel“-Leser und jene, die es immer gern eine Spur bequemer in ihrem Weltverständnis haben – Realitätstunnelblick gratis inklusive, Bob, und das alles zum Supersondervorzugspreis eines völlig verödeten Lebens im kognitiven Gleichschritt –, werden an dieser Stelle vermutlich bereits müde lächelnd abwinken und mit dem neuen verbalen Totschlaghammer „Verschwörungstheorie“ winken, noch bevor die eigentlichen Inhalte dargelegt und die Darstellungsweise ausgeführt wurden.

Um zu sehen, was wir nun mit diesem hässlichen, gezielt in seiner Bedeutung umgepolten Neusprechwort anfangen können, möchte ich aus einem Vortrag von Mathias Bröckers an der Freien Universität Berlin zitieren:

„Verschwörungen sind eigentlich das Selbstverständlichste der Welt: A und B verabreden sich hinter dem Rücken von C, um sich einen Vorteil zu verschaffen. […] Verschwörungstheorien haben eine besondere Eigenschaft, die sie so attraktiv machen: sie reduzieren Komplexität. Vielschichtige, komplexe Ursachen von Ereignissen werden auf einen einfachen Sündenbock reduziert. Dieser Sündenbock-Mechanismus ist uns offenbar sogar genetisch eingebaut – schon Schimpansen haben die Eigenschaft, bei Blitz und Donner auf Hügel zu rennen und mit der Faust oder gar Knüppeln gen Himmel zu drohen. Für das chaotische Ungemach, das über sie hereingebrochen ist, machen sie einen vermeintlichen Drahtzieher im Himmel verantwortlich.“

Nun, der erste Teil ist sicherlich in den hier dargelegten Betrachtungen gegeben und eine Selbstverständlichkeit in Politik und Wirtschaft, wobei im ersten Falle die Frage besteht, inwiefern damit ein demokratisches Mandat eingelöst wird. Den zweiten Teil in „Das schwarze Reich“ ausfindig machen zu wollen, dürfte ein aussichtsloses Unterfangen sein. Natürlich werden Namen und Drahtzieher genannt, und davon hunderte, aber es ergibt sich kein simplifizierendes Gesamtbild (Oh nein, simpel nachzuvollziehen und schön handlich sind die Buchinhalte nun wirklich in keiner Weise!), es zeigt sich kein zentral Schuldiger, keine zentral verantwortliche Organisation, keine klare Linie der ideologischen Argumentation, wie dies bei „der großen Erzählung von Osama und den 19 Räubern“ [Bröckers] und der so herrlich mit einem handlichen Feindbild ausstaffierten islamischen Schläferverschwörung der Fall ist. Kurzum: Werfen wir dieses orwellsche Manipulationsinstrument der öffentlichen Meinung über Bord und widmen uns wieder dem Wesentlichen, nämlich dem mir vorliegenden Buch.

„Geheimgesellschaften und Politik im 20. Jahrhundert“ lautet der Untertitel von Carmins Buch, und das trifft den Inhalt durchaus besser, auch wenn vom Dritten Reich und seinen Hintergründen der Ausgangspunkt genommen wird. „Das schwarze Reich“ ist letztlich in zwei wesentliche Hauptteile gegliedert: Das Nazi-Reich mit seinen eigentlichen, von den Historikern sorgsam ausgeblendeten Ursprüngen und die Nachkriegszeit bis 1992 mit all ihren geopolitischen Verwicklungen, für deren Fundament die Experimente des Naziregimes wie des Ostblockkommunismus wesentliche Voraussetzungen waren.

Die begründete Kernthese dabei ist, dass sich das Dritte Reich mit all seinen Auswüchsen aus dem okkulten Untergrund entwickelt hat und aus okkult-magischen Gesellschaften hervorging, wofür Thule oder die Theosophie nur Beispiele wären. Nirgends sonst sind die okkulten Hintergründe so massiv und offen zu Tage getreten wie während des Naziregimes, daher eignet es sich am besten für eine Analyse der Einflüsse okkulten Gedankengutes auf Politik und Gesellschaft. Und dass allerlei Logen sowie mehr oder minder geheime Gesellschaften eine deutliche Rolle spielen, haben nicht zuletzt die in den Achtzigern aufgeflogene (aber dank Berlusconi, Vatikan, Mafia und Konsorten noch immer ausreichend einflussreiche) „Propaganda due“ Italiens sowie die Verbindungen der amerikanischen „Skull & Bones“ (Bush lässt erneut grüßen) gezeigt. In die gleiche Liste gehören natürlich auch die diversen vatikanisch unterstützten Bewegungen wie das faschistisch umtriebene und bereits mit General Franco kooperierende katholische „Opus dei“.
Die Einflussnahme solcher Gruppierungen spielt nicht nur eine Randrolle, sondern ist zentraler Punkt beim Aufbau des „novus ordo seclorum“, der Neuen Weltordnung, des Neuen Europa, der Globalisierungspolitik, und wie die diversen austauschbaren Neusprech-Euphemismen nicht alle heißen; derzeit vorangetrieben vom wunderbar praktikablen „war on terror“ mittels „humanitärer Intervention“ nach eigenem Definitionsgrad (wofür sich schon der Kosovo und angrenzende Bevölkerungsgruppen herzlich bedankt haben), was sogar die als globalpolitisches Werkzeug der Mächtigen initialisierten Vereinten Nationen, nicht zuletzt dank diverser Machtdemonstrationen und geschickter Neudefinitionen, mithin ihrer Nützlichkeit enthoben hat. Auf die humanitären Interventionen, imperiale Machtspiele und politische Verbalakrobatik bin ich in meiner Rezension zu Noam Chomskys [„Hybris“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=196 eingegangen.

Carmin beginnt seine Betrachtungen zum Ende des 19. Jahrhunderts, als okkulte Vereinigungen wie der Hermetische Orden der Goldenen Dämmerung, der Orden vom Silbernen Stern, der Ordo Templi Orientis, die Fraternitas Saturni, Skull & Bones, der Thule-Orden mit seiner Fußvolk-Peripherie aus Thule-Gesellschaft und später diversen Verlagen, Arbeiterbünden etc., diverse Freimaurer- und Rosenkreuzerlogen, völkische und germanische Logen und Zirkel usw. zu enormer Bedeutung gelangten und in ihren Reihen die bedeutendsten Persönlichkeiten vorweisen konnten.
Zu diesen historisch bedeutsamen Personen, die in derlei Bündnissen organisiert waren, zählen u.a. (Zusammenstellung aus mehreren Referenzwerken bei vornehmlicher Nennung der im Buch auftauchenden Personen):

Helena Petrovna Blavatski
Franz Hartmann
Annie Besant
Karl Kellner
Rudolf Steiner
Rudolf Freiherr von Sebottendorf
Werner List
Jörg Lanz von Liebenfels
Theodor Reuß
Winston Churchill
Lloyd George
MacGregor Matthers
A. E. Waite
Eliphas Levi
William Butler Yeats
Claude Debussy
Emma Calvi
Robert Fludd
Clinton Roosevelt
Harry Spencer Truman
Gerald Ford
König Gustav IV.
Napoleon I. und sein General Kléber
König Murat von Neapel
Adam Weishaupt
Jean Baptiste Bernadotte
Aleister Crowley
Bram Stoker
Sir Gerald Kelly
Gustav Meyrink
Alan Benett
Eugen Grosche (Gregor A. Gregorius)
Guido von List
Rudolf Heß
Karl Haushofer
Alfred Rosenberg
Adolf Hitler
Hermann Göring
Heinrich Himmler

…, wobei Letztere vornehmlich dem Thule-Orden zugeordnet werden können, in dem allerlei andere magische Schulen und Weltsichten vermengt wurden. Die Zusammenstellung ist ohne die jeweilige Gruppenzuordnung, denn es lässt sich feststellen, dass die meisten davon in diversen Gruppierungen aktiv waren. Auch wem nicht alle Namen etwas sagen sollten, der wird manch bekannten Politiker oder Künstler darunter entdecken.

Aus diesen sich neu formenden Weltbildern heraus entsteht nun u.a. das Thule-Bündnis, daraus wiederum so manch anderer Bund als Satellitengebilde, und wie es dann zur Reichsgründung und Machtergreifung kommen konnte, mit wessen Unterstützung und auf welch eigentümlichen Wegen, das mag der geneigte Leser bei Carmin nachlesen. Wahrhaft erhellend. In jedem Falle waren sowohl die mit den Ordenszugehörigkeiten verbundenen Bekanntschaften und Verflechtungen wie auch die dahinter stehenden okkulten Weltsichten entscheidend für die politischen Entwicklungen jener Zeit, ebenso wie sie es auch heute noch sind.

Im zweiten Teil nun geht es um die Neuordnung nach dem zweiten Weltkrieg, eine Neuordnung übrigens, die schon lange vorgeplant war und ebenso wenig überraschend kam wie der Krieg selbst. Zumindest, wenn man Äußerungen betrachtet wie „Wir werden Hitler den Krieg aufzwingen, ob er will oder nicht!“ (Churchill, 1936) oder „Wir haben ein schriftliches Dokument, das uns Krieg in zwanzig Jahren garantiert“ (Lloyd George, 1919 nach Unterzeichnung des Versailler Vertrages), oder wenn man sich fragt, warum Roosevelt bereits 1937 die Rüstung massiv hochfahren ließ (während die Welt zeitgleich positiv beeindruckt die u.a. von Coca Cola gesponserten Olympischen Spiele in Berlin verfolgte), obwohl ja noch niemand von den unerwarteten Greueln, die kommen sollten, etwas ahnen konnte, nicht wahr.

Nun, in diesem zweiten Teil, nach einer sehr ausführlichen Beleuchtung des okkulten Untergrundes, der vielfältigen personalen Verflechtungen auf Logen-, Wirtschafts- und Politikebene, einer auch psychologisch interessanten Einführung in das okkulte Denken seit der Jahrundertwende (die Idee vom Übermenschen, von Rassenüberlegenheiten usw. hatte ja nun wirklich nicht zuerst Hitler während einer Erleuchtung auf dem Abort), tauchen zwar immer noch diverse Bruderschaften wie die oben erwähnte „Propaganda due“ auf, doch allgemein beendet Carmin hier die esoterischen Betrachtungen.

Nach dem Krieg spielen die „alten“ Verbindungen weiterhin eine wesentliche Rolle, fließen zudem in Neugründungen wie die verschiedenen Geheim- und Nachrichtendienste (unter massiver Verwendung des Nazi-Personals und ihrer Netzwerke), die UN, den Council on Foreign Relations, die Trilaterale Kommission, die Bilderberger, das Wirtschaftsforum, die Propaganda due usw. ein und läuten eine neue Phase für die Bestrebungen der Weltverbesserer und -neuordner ein. Es gibt dabei keine zentrale Person oder Instanz, auch keine lineare Abfolge oder kausale Linie.
Nein, letztlich wird alles so komplex, dass Eines in das Andere einfließt und sich gegenseitig beeinflusst, zum guten Teil sogar scheinbar gegen einander arbeitet oder sich gegenseitig auszuschließen scheint. Doch wenn man beispielsweise die personellen und finanziellen Bande zwischen Kommunisten, Vatikan und us-amerikanischen Einflusszonen betrachtet, dürfen arge Zweifel an diversen medienträchtig inszenierten Feindschaften aufkommen (obwohl ein offizielles Embargo bestand, war zum Beispiel die Finanzierung der Oktoberrevolution nicht die einzige Einflussnahme amerikanischer Banken und Firmeninteressen auf das Ostblockexperiment, ebenso wie eben auch die deutschen Nationalsozialisten massiv unterstützt und überdies auch offiziell, ebenso wie Mussolini, lange Zeit weltweit für ihre Errungenschaften und Politikführung hoch gelobt wurden).

Wenn die mannigfaltigen Verflechtungen und Namen es bereits im ersten Teil notwendig machten, dass ich mir eine Beziehungsskizze der wesentlichen Akteure notieren musste, so wird die Informationsflut im zweiten Teil dank hinzu kommender Firmen, Kartelle, Geheimdienste, Banken und dergleichen mehr schier erschlagend unüberschaubar. Aber speziell das Nachvollziehen des Weges der Gelder sowie der Feder führenden Banken- und Wirtschaftsmogule ist eine erhellende Erfahrung.
Neben dem Verständnis für die Wurzeln dieser Entwicklungen im Okkulten bewirken diese Ausführungen mit Sicherheit zumindest eines: Eine Ahnung davon, dass es letztlich unerheblich ist, wer welche „demokratischen“ Wahlen gewinnt, wen man gerade wieder als „gut“ oder „böse“ ansieht oder darstellt oder vor allem, was in Zeitungen und Geschichtsbüchern wohldiktiert nachzulesen ist – es ist stets die gleiche Sorte Gutmenschen, die zum Wohle aller, für Frieden, Stabilität und Sicherheit, ganz altruistisch die Fäden zieht, um jenen den Weg zu weisen, die den „großen Plan“ nicht durchschauen können und daher wie Kinder bei der Hand genommen und auf den rechten Pfad geführt werden müssen. Hierbei zeigt sich ein erstaunlicher Gleichklang im Marschschritt der Großen und Mächtigen (die besonders in unserer wirtschaftlich kontrollierten Welt des schnellen und oberflächlichen Konsums nicht identisch sein müssen mit den Figuren, die sich der Wählerschaft als Wagenlenker und Steuermann präsentieren), unabhängig von äußeren Konfessionen und scheinbar widersprüchlichen Weltbildern. Es gibt keine simple Trennung des Weltgeschehens in Blöcke, in Achsen des Bösen, in ein „Wer nicht mit uns ist, ist für die Terroristen“. _Das_ sind Verschwörungstheorien reinsten Wassers. Vereinfachende Sündenbockkonzepte und bipolare Logik, das Valium für die Massen, verbunden mit politisch delikaten Ausdrucksformen.

Um die ohnehin bereits übermäßig ausführliche Buchvorstellung (man möge mir verzeihen) nicht gänzlich ausufern zu lassen, möchte ich die inhaltliche Betrachtung hierbei bewenden lassen und noch einige Worte zur Veröffentlichung an sich niederschreiben.

Carmin präsentiert seine extrem gründlich recherchierten und weit reichenden Informationen (die letztlich sogar nur ein sehr komprimiertes Kompendium darstellen – erschreckend genug) auf gut 600 klein gedruckten Buchseiten. Hinzu kommen fast 300 Seiten mit 1336 Anmerkungen und Quellenverweisen (die teils selbst wieder längere Ausführungen sind), einer ausufernden Bibliographie sowie einem Personen- und Sachregister von 85 Seiten. Eine enorme Leistung, die „Das schwarze Reich“ auch als Referenzenbuch und Nachschlagewerk unentbehrlich macht.
Aussagen sind gründlich belegt und kommentiert, unsichere Informationen oder Hörensagen werden als solche gekennzeichnet, aber zu einer Abrundung des Bildes dennoch verwendet. Dass es dem Leser selbst obliegt, dabei für sich zu selektieren und Quellen sowie Sekundärliteratur für ein eigenes Gesamtbild heranzuziehen, versteht sich von selbst. Es ist übrigens erstaunlich, wie gut es Carmin trotz der enormen Informationsdichte versteht, eine thematische wie zeitliche Linie beizubehalten.
„Das schwarze Reich“ ist eine unentbehrliche Quelle der Information für jeden aufgeschlossenen Zeitgenossen, der unter Wahrnehmung seiner demokratischen Rechte und Pflichten mehr versteht als Generalsgehorsam, geistlosen Medienkonsum und das unreflektierte Übersichergehenlassen selbstzufriedener Fremdbeeinflussung. Die geflüsterten Vorgänge hinter der Bühne sind es, die die Gesamtzusammenhänge deutlich werden lassen, nicht das oberflächliche, abgesprochene Schauspiel auf der Bühne; und die Souffleure haben deutlich mehr zu sagen als die dem Publikum präsentierten Akteure. Geschichte wird von den Siegern und Mächtigen diktiert und geschrieben. Für ein vollständigeres und basales historisches Verständnis neuerer Geschichte bis in die aktuelle Gegenwart hinein jedenfalls ist die Lektüre dieses Werkes akademischen Anspruchs (aber dennoch mit einem erfrischend zynischen Unterton versehen und trotz Schachtelsatzbaus, wie ihn auch der Schreiber dieser Rezension nur allzu oft produziert, fesselnd zu lesen) unverzichtbar.

Inhaltsverzeichnis:

_Vorwort_

_“Von einem fremden Planeten…“_
Von Thule nach Wien und München
Schwarze Magie unter dem Hakenkreuz
Die unsichtbaren Meister
Goldene Morgendämmerung über London
„Töte und foltere, schone nicht!“
Die Übermenschen von Agarthi
Ein Institut zur Entwicklung des Menschen
Die frohe Botschaft des magischen Sozialismus
Knetmasse für ein neues Menschentum

_Wir machen die Melodie, und Hitler tanzt danach_
Eine alte Karte mit modernen Grenzen
Ein Auftrag für den Freiherrn „von der Rose“
Sebottendorfs „germanische Loge“
Eingeweihte und Nichteingeweihte
Die Keimzelle der NSDAP
Kampfzeit für Thule
„Trebitsch-Lincoln im Komplott mit Wilhelm …“
Ein umherirrender Hund auf der Suche nach seinem Herrn
Hitler und die Heilige Zahl 7
Das Noviziat bei Meister Eckart
„Wir brauchen einen Diktator!“
Thule wird liquidiert
Letzter Schliff in Landsberg
Der Kampf der Götter
Der Mensch als werdender Gott
Weiße oder Schwarze Magie?
Jede Tat ist sinnvoll, auch das Verbrechen
Übermenschen, Untermenschen und Sklaven
Die Planlandschaften der Zukunft
Rassismus als Mittel zum Zweck
Magie gegen Intellekt
Die Gegenwelt aus Eis und Feuer
Gottmensch und Massenmensch
Die Juden und die Welt der bloßen Vernunft
Die Schwarze Orden
Himmlers „Jesuitenstaat“
Zuchtelite und Tötungsmaschine
Eine andere Welt, eine andere Moral, eine andere Ehre
Laienbrüder, Priester und Hohepriester
Die Gußform für die Gesellschaft der Zukunft
In der Sippe ewiger Kette bist du nur ein Glied …
„Den Hauch des Bösen hat er nicht gesehn …“
Götterdämmerung
Ein schlechter Stern über England

_Und die im Dunklen sieht man doch …_
Die Verschwörung der Verschwörer
Im Zeichen des Dollars

_Im Zeichen des Pentagramms_
Bakunins „Oberster Freiheitskämpfer“
Das schielende Auge Gottes
Wenn nur die Zwecke erfüllt werden
Wir werden eine Weltregierung haben!
Und immer wieder: Der werdende Gott
Hitler und der Heilige Gral
Was suchte Himmler im Montségur?
Multinationale Kapitalisten und Banker: Die Templer
Die Hohe Schule der geheimen Macht
Reformation im Zeichen der Rose
Dein ist die Rache, o Herr!
Die Ritter der Vereinigten Staaten von Europa
Die verborgene Kraft der Geschichte
Die Gegenkirche
Die Weisen von Sion …

_Das Haus der Neuen Ordnung_
Das Reich zerfiel …

_Nazis, CIA und Vatikan: Das Fundament_
Ein multinationaler Konzern
Das Netzwerk
Die Moslem-Connection
Das Khomeini-Projekt
Welt-Theater am Persischen Golf
Der europäische Untergrund
Nationalismus + Sozialismus = Europa?
Am Anfang war … die Korruption
Die Neue Weltordnung

_Anhang
Anmerkungen
Bibliographie
Personen- und Sachregister_

Bröckers, Mathias – Hauß, Andreas – Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.

Zugleich ein Kommentar.

Wenn man der gleichgeschalteten und sich selbst schulterbeklopfenden Massenmedien-Berichterstattung die letzten zwei Jahre gefolgt ist, so hat man vermutlich inzwischen das „Märchen von Osama und den 19 Räubern“ tiefeninhaliert und durch beständiges Nachkäuen aus dem Reich der Mythen in die Welt der Wahrheiten empor gehoben. Die Geburtshelfer dieser herrlich simplifizierenden und wunderbar schwarz-weiß gemalten Feindbild-Projektion üben sich – unabhängig ihrer vorherigen Äußerungen und Einstellungen; Wendehals-Journalismus vom Feinsten – seither massiv bemüht darum, jedwede anders geartete Sichtweise als „Verschwörungstheorie“ zu degradieren und zumindest ins Lächerliche zu ziehen. Es zeigt sich allerdings ganz deutlich, dass gerade die konstruierte Mogelpackung, welche die amerikanische Regierung und ihre Medienpropaganda (eigentlich recht schlampig, aber erstaunlich effektiv) erschaffen haben, nichts anderes präsentiert als eben eine waschechte Verschwörungstheorie. Im Zuge des verzweifelten Selbstverteidigungsversuches der ‚etablierten‘ Presse macht diese auch bei verdienten und zweifelsfrei fachkundigen Persönlichkeiten wie Andreas von Bülow keine Ausnahmen (siehe Kommentar und Link am Ende des Textes) und scheut nicht davor zurück, ausgesprochen persönlich und aufbrausend zu reagieren (ein Fest für jeden Psychoanalytiker) oder mit dem immer wieder wirksamen Spott und Hohn aufzufahren, natürlich bar jeder wirklichen Argumentationslinie. Damit würdigen sie sich selbst allerdings nur noch mehr herab, als sie dies durch ihr Todesurteil über den investigativen Journalismus ohnehin schon tun.

Besonders angetan hat es ihnen aber der Sturmdränger Mathias Bröckers, der zehn Jahre den Kulturteil der taz leitete, für „Die Zeit“ und „Die Woche“ tätig war und insbesondere der Netzgemeinschaft durch seine Artikelserie und verschiedene Kommentare im Web-Magazin [Telepolis]http://heise.de/tp/ bekannt sein dürfte. Im September 2002 erschien bei Zweitausendeins sein Buch „Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.“, das inzwischen in die 33. Auflage ging und dessen Verkaufszahlen sich direkt hinter Bohlen’s Machwerk „Nichts als die Wahrheit“ bewegten – nur bekam man davon nichts mit, denn Bücher von Zweitausendeins gibt es eben nur dort zu kaufen, daher tauchen sie auch in keiner Verkaufsstatistik und damit auch in keiner Bestsellerliste auf.

Gemeinsam mit Andreas Hauß vom [Internationalen Institut für Medienanalyse und Friedensforschung]http://www.medienanalyse-international.de hat sich Bröckers nun an eine Bestandsaufnahme der Untersuchungen zur Akte 9/11 gemacht, und Ende Juli haben sie ihre gemeinsame Anklageschrift „Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.“ veröffentlicht, die natürlich direkt wieder in unsachlichster Weise und peinlicher Selbstbloßstellung von den Massenmedien verbellt wird. Die ersten beiden Auflagen waren bereits vor Erscheinen ausverkauft und Zweitausendeins rotiert im Blätterwald, um mit dem Interessenansturm mitzuhalten. Gemäß einer aktuellen Umfrage der ZEIT ist jeder Fünfte in Deutschland davon überzeugt, dass die US-Regierung bei den Anschlägen die Finger im Spiel hatte, bei den Unterdreißigjährigen ist es gar jeder Dritte. Knapp 70 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass sie über die wahren Details nicht vollständig informiert werden. Wie sieht es aktuell in Amerika damit aus? Diese Information kann man gleich auf der ersten Seite des neuen Buches nachlesen, und da fällt dem Rezensenten geradezu das Frühstück aus dem Gesicht: „Nach einer CBS-Umfrage im Februar 2003 halten mittlerweile 42 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner Saddam Hussein für den Hauptverantwortlichen der Anschläge und die Flugzeugentführer mehrheitlich für Iraker. Und im März antworteten bei einer CNN-Umfrage auf die Frage, ob Saddam Hussein in diese Anschläge ‚persönlich involviert‘ sei, 72 Prozent mit einem ’sehr wahrscheinlich oder wahrscheinlich‘.“ Man beachte die in Zusammenhang gebrachten Namen und Herkunftsländer – ich glaube, die dressierten Nationalhymnensänger verwechseln da etwas sehr Grundlegendes, aber wer kann bei den ganzen Kriegen für Frieden und Freiheit schon die einzelnen Protagonisten und Länder auseinander halten, nicht wahr, zumal die so angenehm handliche „Achse des Bösen“ diverse Kleinigkeiten ohnehin nivelliert.

„Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.“ ist nun keine aufgewärmte Version des Vorgängerbuches, sondern zum einen ein kritischer Blick auf die aktuelle Sachlage zum 11.9., zum andren ist die Schwerpunktsetzung auch anders gelagert als bei Bröckers Einzelarbeit. Bis auf die jeweils von Bröckers allein verfasste Einleitung und das Nachwort „Lügen haben kurze Beine“ bleiben die gemeinsam Feder führenden Autoren dicht an den Ereignissen des 11.9. selbst. Somit wird diesmal weitgehend auf Exkurse zum „Weg des Geldes“, zur Vergangenheit derzeitiger politischer Entscheidungsträger, zu Verflechtungen zwischen den Geheimdiensten oder zu Vorgängen in Afghanistan und Pakistan verzichtet. Anhand einer beeindruckenden Fülle von – nicht selten sofort wieder verschwundenen oder ignorierten – Medienberichten aus aller Welt, größtenteils aus den sog. „renommierten“ und „seriösen“ Fachblättern, trägt das Autorenteam eine völlig andere Darstellung der Ereignisse zusammen und stellt wie bereits vor einem Jahr eine schier endlose Zahl von Fragen, die noch immer nicht beantwortet wurden. Die Unmenge an offensichtlichen Halbwahrheiten, Lügen und Unstimmigkeiten lässt den Leser schwindlig werden; an einigen Stellen empfiehlt es sich wirklich, Bröckers Vorgängerbuch oder seine Artikelserie gelesen zu haben, um den Überblick zu behalten. Und dass, so eine resultierende Feststellung der Beobachtungen, von offizieller wie auch Presseseite aus kein wirkliches Interesse an tieferer Wahrheitssuche besteht, wird bereits an Unstimmigkeiten und schlichtweg blankem Unsinn deutlich, der durch die Medienlandschaft ventiliert wurde und bereits bei oberflächlicher Betrachtung als Humbug oder Propaganda-Ente enttarnt werden kann. Die Autoren nehmen auch weitestgehend Abstand von allzu verzweigten Verschwörungszusammenhängen, Vermutungen und Hypothesen, sondern hangeln sich knallhart an den immer wieder reproduzierten ‚Fakten‘ entlang, die sie bloßstellen und in Widerspruch zur Wirklichkeit setzen; der Schritt von Verschwörungstheorien zu Verschwörungsfakten ist längst vollzogen.

Ich möchte ein wenig die betrachteten Details umreißen, die letztlich keinen anderen Schluss zulassen als den, dass demokratische Regierungen ihr Volk an der Nase herumzuführen versuchen. Nach der lesenswerten und wichtigen Einleitung widmen sich Hauß & Bröckers zunächst der allzu schnell verkündeten ‚Wahrheit‘ von Osama und den 19 Räubern, insbesondere sehen sie sich die 19 Übeltäter einmal genauer an.
Wenn dann belegbar nachgewiesen wird, dass die allzu schnell präsentierte und noch immer unveränderte Liste mindestens sechs lebende Personen (wie unschicklich für Selbstmordattentäter) enthält, die sich teils nie in den USA aufhielten; dass es von einigen der benannten ‚Terroristen‘ Doppel- und Dreifachgänger zu geben scheint; dass mit diesen präsentierten Listen so einiges im Argen liegt und die Originaldokumente noch immer unter Verschluss sind; dass so mancher der mutmaßlichen Terroristen in US-Militäreinrichtungen ausgebildet wurde; dass die meisten Attentäter – neben einigen hundert andren arabischem Schülern – in der gleichen Flugschule in Florida ausgebildet wurden, die zudem einem Freund von Gouverneur Jeb Bush gehört (der übrigens persönlich direkt nach den Anschlägen sämtliche Flugschulunterlagen mit einer Transportmaschine abholte); und dass sich verschiedene Geheimdienste an diesem Ort praktisch seit Jahrzehnten die Klinke in die Hand geben und die verdächtigten Personen seit geraumer Zeit unter geheimdienstlicher Observierung standen – nun, dann ist offensichtlich (sic) einiges faul im Staate von „BrainWashington“ und unmöglicher Begrenztheit.

Sodann widmen sie sich den fehlenden oder stets als Indizien angeführten Beweisen rund um den 11.9.: Fragen zum Verbleib von Attentäter-Leichen, zu den offenkundig falschen Passagierlisten, zu den ominösen und für die Rekonstruktion des Tathergangs wesentlichen Handy-Anrufen und weiteren angeblichen Telefonaten zeigen, dass hier „Beweise, die nichts beweisen“ konstruiert wurden.

„Eine kurze Geschichte des Nichtfliegens“ untersucht, warum während des gesamten Ablaufs keinerlei Einsatztruppen auftauchten, nicht einmal über der best gesicherten Lufthoheit der Welt. Ein akribisch dargelegter Zeitablauf sowie das genaue Flugverhalten der Entführer und verschiedene Aussagen von offizieller Seite und aus den Einsatzzentralen offenbaren so manche Unstimmigkeit, um nicht zu sagen: völlig absurde Zufälle. Statt dessen tauchen seltsame Flugzeuge auf, die eigentlich gar nicht hätten vor Ort sein dürfen – und nähere Betrachtungen legen nahe, dass wohl ein wenig „ferngesteuert“ nachgeholfen wurde.

Aber nicht nur die Militärs waren ausgesprochen untätig (natürlich muss inzwischen eine absurde „Inkompetenztheorie“ dafür herhalten), auch die Entscheidungsträger der Regierung haben sich genüsslich im Nasebohren geübt in der kritischen Zeitphase. Und so fragen sich die Autoren: „Wer tat was wann am 11.9.?“ Der dargelegte Zeitplan zaubert ein paar hübsche Fragezeichen über des Lesers Haupt. Sehr hilfreich ist hier eine tabellarische „Timeline“.

Es stellt sich die Frage nach dem „Vorauswissen“ der involvierten Dienste und Persönlichkeiten, und dieser Frage gehen Bröckers & Hauß natürlich nach, wobei sie auch hier nicht abschweifen und dicht am Geschehen und seiner Vorgeschichte bleiben. Zufällig zuvor stattgefundene Terror-Simulationen im Pentagon und bei der CIA werden unter die Lupe genommen, ebenso zufällige Neubaumaßnahmen genau im betroffenen Pentagonflügel oder einige sehr interessante, natürlich ebenso zufällige, Zusammentreffen unmittelbar vor oder während des 11.9.

Mohamed Atta (oder zumindest einer seiner Inkarnationen) und seinem Umfeld widmet sich das nächste Kapitel, wobei dessen Verflechtungen mit allerlei geheimdienstlichen Organisationen in Pakistan, Deutschland und den USA von Interesse sind. In diesem Zusammenhang wird die bereits oben erwähnte Flugschule in Venice bedeutsam und damit komme ich auf den dem Buch beigefügten Dokumentarfilm „Mohamed Atta and the Venice Flying Circus“ zu sprechen. Faszinierenderweise gelang es dem Autor und Freien Journalisten Daniel Hopsicker nicht, dieses brisante und vor Ort recherchierte Material in der Presse unterzubringen, nicht einmal die „Yellow Press“ zeigte sich interessiert, was ich wiederum ausgesprochen interessant finde. Ohne Letztbearbeitung, aber immerhin mit deutschen Untertiteln versehen, liegt die 60-minütige Dokumentation auf SVCD bei und fügt somit dem Buch die noch fehlender Prise hautnahen Investigations-Journalismus‘ bei.

Das Kapitel „Nichtermittlungen“ nimmt sich der „Elefantenspuren“ fabrizierter Beweise an, aber ebenso der Liste von zurückgehaltenen oder merkwürdigerweise verschwundenen Beweisen, die bislang Hörensagen bleiben müssen. Die blockierten Ermittlungsversuche und Ergebnisse eher suspekter Ermittlungsausschüsse werden ebenfalls beleuchtet.

Im umfangreichen Nachwort zieht Bröckers noch einmal Resümee, zeigt weitere Ergebnisse heutigen Wissensstandes auf, widmet sich der Vorgeschichte des „Dschihad Inc. – made in USA“, präsentiert sodann drei mögliche Szenarien, die das vorgelegte Material zusammenfassend erklärbar machen, und schließt mit einigen Gedanken zu Europas Rolle in den US-amerikanischen Strategien (die übrigens in der nunmehr Wirklichkeit gewordenen Fassung bereits seit etlichen Jahren ausgearbeitet und zu Papier gebracht waren).

Zum Anhang gilt es noch einige Sätze zu verlieren: Neben dem Register findet sich ein Quell- und Belegverzeichnis, das zum Großteil aus Internetadressen besteht. Dies wurde natürlich sofort von der Mainstream-Presse als Beweis dafür angeführt, dass das Buch blanker Unsinn sein muss (ebenso wie beim Vorgänger), was aber natürlich selbst wiederum Quatsch ist. Da es sich in erster Linie um Berichte der „seriösen“ Pressewelt handelt, spielt es wohl kaum eine Rolle, ob man auf das Druckwerk verweist, das sich der geneigte Leser erst mühevoll zusammensuchen müsste, oder ob man direkt auf den identischen Inhalt im Web verlinkt. Faktisch macht das keinen Unterschied, es hat für die „Verbrennt ihn!“-Brüller nur den deutlichen Nachteil, dass jeder Leser sich, sofern die Artikel noch online sind oder die Datenbank von google Kopien gespeichert hat, unmittelbar mit den Originalquellen auseinander setzen kann. Es sei denn natürlich, die Meister der amtlichen Verschwörungstheorie-Theorie unterstellten, dass gelangweilte Hacker die online-Inhalte von SPIEGEL, ZEIT, FAZ, TIMES etc. massiv verändert hätten, nicht wahr.

Abschließend findet sich im Buch noch eine Abschrift des deutschen Wortlautes zum beigelegten Dokumentarfilm; zum einen zur besseren Handhabe, zum andren für jene Leser, die Probleme mit der SVCD haben sollten.

Was im Gesamtbild bleibt, ist eine fabelhaft geschriebene und sauber recherchierte, aber zugleich geradezu erschreckende Anklageschrift und Beweisführung (bzw. -widerlegung), ein Appell an den gesunden Menschenverstand, an demokratische Rechte, eine Bloßstellung von Informationsbetrug, Amtsmissbrauch, Lug und Trug und politischem Verrat auf höchsten Ebenen, die zusammen mit dem Vorgängerbuch jedes politische Weltbild erschüttern dürfte und für einen aufgeklärten und demokratisch-rechtlich überzeugten Bürger, der nicht länger tumber Spielball ihn ausnutzender und irreführender Kräfte sein will und dem „Pearl Harbor des 21. Jahrhunderts“ keine weitere Chance gibt, schlichtweg zur Pflichtlektüre gehört. Punkt.

[Hintergrundinfos im Interview mit Dr. Andreas von Bülow 12/2001]http://www.broeckers.com/buelow.htm
(25 Jahre Bundestagsmitglied, u.a. in der Parlamentarischen Kontrollkommission für die Geheimdienste; Staatssekretär im Verteidigungsministerium; Bundesminister für Forschung & Technologie; heute Rechtsanwalt in Bonn. – Witzigerweise urteilte ausgerechnet der SPIEGEL vor dem 11.9. über Bülow’s ‚Verschwörungsbuch‘: „Das ist eine eingehend dokumentierte, bissige Kritik an den Machenschaften der CIA und anderer West-Dienste.“ Wie’s danach aussah, ist ja allgemein bekannt bzw. wurde weiter oben ausgeführt.)

[Reaktionen – Pressestimmen – Kommentare]http://www.broeckers.com/reaktionen.htm

[Homepage von Mathias Bröckers]http://www.broeckers.com

[Internationales Institut für Medienanalyse und Friedensforschung]http://www.medienanalyse-international.de

[Infoseite von Daniel Hopsicker]http://www.madcowprod.com/

[SteinbergRecherche]http://www.steinbergrecherche.com (speziell unter „Texte“)

[Faktensammlung von GEHU]http://home.debitel.net/user/andreas.bunkahle/default.htm

[Themenseite bei Muslim Markt]http://www.muslim-markt.de/wtc/antiterrorspezial.htm

[UnansweredQuestions.org]http://unansweredquestions.org/

Für Interessierte gibt es nur die Möglichkeit, das Buch direkt bei [Zweitausendeins]http://www.zweitausendeins.de zu beziehen oder z. B. über die Amazon-Gebrauchtanbieter zu bestellen (2001 liefert auch von dort aus).

Peter Priskil , Beate Mittmann – Kriegsverbrechen der Amerikaner und ihrer Vasallen gegen den Irak und 6000 Jahre Menschheitsgeschich

Zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung erfolgt zum politisch richtigen und notwendigen Zeitpunkt die vierte aktualisierte und stark erweiterte Auflage dieses brisanten Buches. Kriegsverbrecher in Washington waren dabei, zugunsten des US-Monoimperialismus den Irak restlos zu zerstören, was im Grunde bereits 1991 begann und mit bislang 1,5 Millionen Toten bereits jetzt den ersten neuzeitlichen Genozid des von den Türken an Armeniern begangenen Völkermords erreicht hat. Die Begründung, mit dem der aktuelle politische Coup gegen den Irak ausgelöst wurde, lieferte der 11. September 2001 – keiner versteht zwar, was das mit dem Irak zu tun haben solle – und die Herausgeber dieses Enthüllungsberichtes halten es zudem für sehr wahrscheinlich, dass die Angriffe auf das World Trade Center auch selbst inszeniert worden sein könnten und erinnern an die Art des von den Nazis gelegten Reichstagsbrands [oder an Pearl Harbor; Anm. d. Lektors].

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Grobe-Hagel, Karl – Krieg gegen Terror? El Qaeda, Afghanistan und der Kreuzzug der USA

Der Autor schreibt seit 30 Jahren für die „Frankfurter Rundschau“ und geht davon aus, dass Kriege noch nie wegen Religionen stattfanden, sondern solches immer der Deckmantel für ganz andere Interessen ist. Nach dem ersten Entsetzen und der daraus erfolgten weltweiten US-Solidarität haben die USA aber sehr schnell unverblümt ihr wahres Interesse gezeigt: das der absoluten Weltherrschaft mit den Mitteln bis hin zum atomaren Erstschlag, selbst gegen nicht nuklear gerüstete Staaten. Nicht weniger perfide sind biologische und chemische Waffen, deren Herstellung, Lagerung, Kühlung und Sicherheit so kompliziert sind, dass sie im kriegszerstörten Irak sowieso nicht vorhanden sein konnten. Wohl aber in den USA, aus deren Labors die postalisch verschickten Milzbrand-Erreger, die die Bevölkerung in Atem hielten, stammten. Neben diesen doch brisanten Feststellungen gelingt es dem Autor, eine Neutralität zu wahren, die den meisten anderen Berichterstattern fehlt. Es ist nämlich nicht einfach, in diesen Konflikten keine Position zu ergreifen. Grobe-Hagel führt lediglich die Fakten der Realität auf. Wichtig ist das Buch vor allem, weil es intensiv auf die politische Situation Afghanistans eingeht und auch detailliert die jetzige Regierung analysiert. Die zukünftigen Kriegsziele der USA von Irak (mittlerweile schon erfolgt), Iran, Nordkorea und was da sonst alles noch in Planung ist, werden am Ende kurz angerissen. Lesenswert, da derartige Informationen entweder sowieso kaum zugänglich sind oder aber leider die Durchschnittsbevölkerung erst gar nicht interessieren.

_Berthold Röth_
für die Zeitschrift [AHA]http://www.aha-zeitschrift.de
Ausgabe 04/2003 (August/September)

Wer an einer ausführlicheren inhaltlichen Darstellung interessiert ist, möge sich dazu die Buchbesprechung in der [TAZ]http://www.taz.de/pt/2002/10/15/a0208.nf/textdruck besehen. [Anm. d. Lektors]

Ingeborg Drewitz – Gestern war Heute – Hundert Jahre Gegenwart

Der Roman „Gestern war Heute – Hundert Jahre Gegenwart“ von Ingeborg Drewitz beschreibt das Leben einer kleinbürgerlichen Familie in Berlin vom Geburtsjahr der Hauptfigur Gabriele 1923 bis zum Jahr 1978. Dabei zweigt sich vor allem, was in den Familien an Problemen, Gewohnheiten und vor allem Rollenverhältnissen gleichgeblieben ist und was sich verändert hat. So ist zum Beispiel das unterschiedliche Emanzipationsbestreben der verschiedenen Frauen in dieser Familie ein zentrales Thema des Romans: Die Urgroßmutter und die Großmutter Gabrieles zweifeln ihre Rolle als Hausfrau und Mutter gar nicht an. Aber schon Susanne, die Mutter der Hauptperson, hat eine Chance auf Karriere, weil sie gelernt hat Klavier zu spielen.

Als Gabriele auf die Welt kommt gibt sie diese Zukunftspläne jedoch zu Gunsten der Familie auf. Gabriele ist in dieser Hinsicht eine gegensätzliche Figur. Schon an den ersten Wörtern: „Ich“ und „Heute“ (S. 26) die das Kind spricht kann man ihren Drang nach Selbstverwirklichung erkennen. Sie engagiert sich in der Nazizeit für verfolgte Randgruppen und später gilt ihr Engagement einer Zeitschrift, die sie mit einigen anderen zusammen herausgeben möchte. Als sie dann mit der Begründung „Warum eigentlich nicht“ (S.188) heiratet und auch bald ein Kind bekommt, verwirft sie ihre Emanzipationspläne und schlüpft in genau die Frauenrolle hinein, die sie eigentlich vermeiden wollte.

Doch irgendwann bemerkt sie, dass sie so nicht glücklich werden kann, verlässt ihren Mann Jörg und zieht mit den beiden Kindern zu einer Freundin. Über diese Zeit erfährt man als Leser nur das, was Gabriele in ihren Briefen an Jörg schreibt. Dies hat den Nachteil, das man nur Gabrieles Sicht der Dinge erfährt und eine Gegendarstellung von Jörgs Standpunkt aus ausbleibt. Nach dem Tod der jüngeren Tochter Cornelia, die in der Schule beim Geländerrutschen verunglückt, kehrt Gabriele wieder zu Jörg zurück, weil sie an der Selbstverwirklichung zweifelt, die ihrer Meinung nach durch den Tod immer wieder aufgehoben werden würde. Bei der letzten Generation in diesem Buch, zeigen sich zwei unterschiedliche Frauenbilder: Die älteste Tochter Renate ist in der 68er-Bewegung engagiert und setzt sich für die „Emanzipation aller“ (S. 369) ein. Sie verlässt dazu die Familie und lebt in einer Wohngemeinschaft mit anderen Jugendlichen zusammen. Doch auch sie kann ihre Ziele nicht erreichen, denn am Ende steht sie unbeachtet auf der Straße und verteilt Flugblätter gegen die Fußball Weltmeisterschaft in Argentinien 1978. Das dritte und letzte Kind Claudia, das erst auf die Welt kommt, als Gabriele wieder bei Jörg lebt, verhält sich vollkommen anders: Sie stellt die Rolle der Frau gar nicht in Frage, heiratet früh und bringt einen Sohn zur Welt.

Doch der Roman handelt nicht nur von der Entwicklung der Frauen, sondern beinhaltet auch viele geschichtliche Inhalte, die natürlich immer aus der Perspektive der Personen geschildert werden. Besonders sind Themen wie der zweite Weltkrieg, der Mauerbau und die 68er-Bewegung in das Romangeschehen mit eingearbeitet. Manche Geschehnisse fallen dafür ganz oder zum Teil weg, weil sie für Gabriele und die Menschen in ihrem Umfeld nicht so wichtig sind.

Ein Problem in dem Roman stellt jedoch die Schreibweise von Ingeborg Drewitz dar: So erschweren häufige Perspektivenwechsel, unvollständige Sätze und fehlende Zeichenangaben bei wörtlicher Rede das Lesen. Gleichzeitig macht dies das Buch jedoch interessanter, weil es auch beim zweiten Lesen noch nicht langweilig wird.

Wer sich also für die oben beschriebenen Themen interessiert und sich mit einem anspruchsvolleren Schreibstil anfreunden kann, der kann sich das Buch getrost kaufen.

Leseprobe:

„Es ist alles so schnell gegangen, Jörgs Anstellung bei Schering, im Altbau, sehr beengt, aber Chemie – da wird was draus! Und seine Frage. Und ihre zögernde Antwort: Warum eigentlich nicht? Warum eigentlich nicht. Sie mögen sich. Sie erzählt ihm von dem Sommertag in Grünau. Ganz nüchtern, ganz offen wollen sie beginnen. Seine Mutter ist gestorben, ein Männerhaushalt, der Vater und der Sohn brauchen eine Frau.
Angst, Angst vor dieser Idylle: Mann und Frau, vielleicht auch ein Kind oder zwei. Angst vor der Immer-Wiederkehr: Mann und Frau und Mann und Frau. Angst vor dem Leben, das Mutter gelebt hat und Großmutter und Urgroßmutter: Draußen die Welt und hinter den vier Wänden – nein keine Geborgenheit.

Bisher hat sie doch immer gehofft, mit jedem Jahr deutlicher zu werden, endlich wieder so unbefangen Ich zu sagen, wie als Kind. ICH.“ (S. 188)

Taschenbuch: 416 Seiten
ISBN-13: 978-3123537004
www.klett-cotta.de

Baecker, Dirk / Krieg, Peter / Simon, Fritz B. (Hrsg.) – Terror im System – Der 11. September 2001 und die Folgen

„Terror im System“ zeigt, wie und aus welchen Gründen der Westen weiterhin seine eigene Rolle beim Anschlag vom 11. September verdrängt. Durch den 11.9. zerplatzte der westliche Traum von Frieden und Sicherheit und es wurde deutlich, dass Terror gerade für die Länder der „Ersten Welt“ eine Gefahr darstellt, die nicht gebannt werden kann (höchstens eingedämmt). Wie kam es zu diesem Konflikt? Worin besteht er? Wie könnte er wirklich gelöst werden oder zumindest reguliert? Die Autoren des Sammelbandes legen erstmals eine systemische Analyse des Terrors als globalem Phänomen vor.

Gemeinsam ist allen Autoren (es sind insgesamt zwölf) der systemtheoretische Hintergrund bei der Erörterung verschiedenster Aspekte globalen Terrors; angefangen bei der Frage, was Terror(ismus) ist, über politische Aspekte und Auswirkungen auf die Weltpolitik, Djihad und Menschenrechte, die „ewige Gerechtigkeit“, bis hin zum Schock für die Gesellschaft und die Rolle der Medien (die nicht nur eine abbildende ist). Das Buch ist auch ohne Vorwissen über Systemtheorie für interessierte Laien gut verständlich und kein trockener Stoff.

Das wichtigste ist m.E., dass durch die systemische Betrachtungsweise neue Standpunkte zum Terrorismus möglich sind: eine kritische Position zum Terror und Kritik an den Vergeltungsmaßnahmen der cowboymäßig agierenden Weltmacht USA. Oder keines von beidem. Je nachdem. Nachdem Bushs Slogan „Wer nicht für uns ist, ist gegen uns“ zum Paradigma erhoben wurde, war Kritik egal welcher Art zugleich eine Kampfansage an die gesamte westliche Welt. Durch dieses Buch wird Terrorismus als Teil des (Welt-)Gesellschafts-Ganzen verständlich. Es stellen sich Fragen nach wechselseitigen Bedingtheiten und Folgen, die zuvor verschleiert wurden. Nach Ansicht von Simon z.B. ist es schädlich, einen Krieg gegen den Terrorismus zu führen. Begründung: „Kriege sind Systeme, die sich durch die gegenseitigen Grausamkeiten der Kontrahenten die Gründe für ihre Fortsetzung selbst liefern.“

Ein Jahr ist vergangen, seit am 11. September 2001 die Doppeltürme des New Yorker Wold-Trade-Centers in sich zusammensackten. In nachdenklicher Distanz zum damaligen Geschehen versucht dieses Buch, das zunächst Unfassbare fassbar zu machen. Es zeigt sich, dass der Westen noch(?) nicht gelernt hat, seine eigene Rolle in den globalen Zusammenhängen dieses Anschlages angemessen zu bewerten und die entsprechenden Konsequenzen zu ziehen. Dafür liefert der Band Hinweise und Ansätze für ein angemessenes Verständnis.
Ziel des Bandes sei es, so Baecker, „die Ambivalenz jedes Urteils, also auch des Urteils gegen den Krieg, herauszuarbeiten, um auf diese Art und Weise Material zur Reflexion möglicher Beobachtungen zu beschaffen und so überhaupt erst einmal Mut zur Beobachtung (und nicht zum wie immer erschrockenen Augenverschließen) zu machen.“
Diese bewusste Vieldeutigkeit drückt sich in unterschiedlichen Bewertungen der Autoren aus: Der französische Philosoph Alain Badiou liefert eine Begriffs-Analyse von Terrorismus: „Es ist bemerkenswert, wie es dazu kommen konnte, dass das Wort ‚Terrorismus‘, das eindeutig eine bestimmte Form der Ausübung der Staatsgewalt charakterisiert, nach und nach genau das Gegenteil bezeichnete (…)“, wundert sich der Autor. Am Ende seiner semantischen Entwicklung sei „Terrorismus“ heute im Grunde eine propagandistische Vokabel. „Sie enthebt aller vernünftigen Untersuchung der politischen Situationen, ihrer Ursachen und Konsequenzen.“

Insgesamt kein Buch mit glatten schnellen Antworten, dafür mit vielen Fragen für Selbst-Denker.

Knut Gierdahl
Chefredakteur der [AHA-Zeitschrift]http://www.aha-zeitschrift.de

Peter Hertel – Schleichende Übernahme – Josemaría Escrivá, sein Opus Dei und die Macht im Vatikan

Peter Hertel beschreibt das ‚Opus Dei‘, das ‚Werk Gottes‘. Dessen Geschichte ist die Geschichte der erfolgreichsten kirchlichen Organisation der letzten Jahrhunderte. Angetreten mit dem Ziel einer Rekatholisierung der katholischen Mutterkirche, kann man viele Parallelen zur Gegenreformation und den Jesuiten ziehen. Dennoch kennen viele selbst nach 80 Jahren das Opus Dei nicht, nicht als fundamentale Hauptkraft der Papstkirche, die die Richtung des Vatikans bestimmt.

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