Christie, Agatha – blaue Geranie, Die

Beim |Hörverlag| sind in letzter Zeit diverse Lesungen von Agatha-Christie-Romanen als Hörbuch erschienen, und jedes dieser Hörbücher erstreckt sich über die Spielzeit von 3 CDs bzw. ungefähr 170 Minuten. Im Rahmen dieser Serie sind unter anderem Klassiker wie „16 Uhr 50 ab Paddington“, „Mord im Orientexpress“ oder „Die Morde des Herrn ABC“ erschienen, Meisterleistungen und Klassiker der Krimi-Geschichte. Das mir vorliegende Hörbuch zu „Die blaue Geranie“ mit gerade mal knappen vierzig Minuten Spielzeit fällt da in der Konzeption etwas aus dem Rahmen, sowohl, was die Aufmachung, aber auch die Güteklasse der Story an sich und die Umsetzung als Lesung angeht. Die hektische Erzählweise und die über weite Strecken fehlende Spannung, welche man ja sonst aus den Erzählungen der legendären Krimi-Autorin gewohnt ist, überraschen nämlich durchaus unangenehm. Dabei könnten die Rahmenbedingungen kaum besser sein; mit der deutschen Stimme des Gandalf aus den „Herr der Ringe“-Filmen, Achim Höppner, hat man einen sehr guten Sprecher für diese Geschichte finden können und die Story an sich gibt in den Grundzügen auch einiges her; doch das Resultat gehört einerseits sicherlich zu den schwächeren Arbeiten der Krimikönigin und wird zudem durch die Umsetzung der Lesung selbst noch geschmälert.

Zur Story: Eine Wahrsagerin hat Mrs. Pritchard immer wieder vor blauen Blumen gewarnt. Dennoch kann sich die ältere Dame nicht vor den Pflanzen schützen, denn auf der Tapete ihres Krankenhauszimmers tauchen immer wieder blaue Blumen auf, und das, obwohl der Raum gründlich untersucht worden war. Beim dritten Mal ist Mrs. Pritchard dann plötzlich tot, und niemand hat auch nur die geringste Vorstellung davon, welche Ursache das unerwartete Dahinscheiden der Patientin haben könnte.
Allen Vermutungen bezüglich übersinnlicher Kräfte zum Trotz nimmt sich die schrille Miss Marple des Falles an und sucht nach einer Erklärung für den Tod von Mrs. Pritchard. Dabei macht sie einige Entdeckungen, die auf Zyankali und Lackmuspapier schließen lassen. Wurde Mrs. Pritchard etwa ermordet?

Wie gesagt, die Geschichte und vor allem die seltsamen Erklärungen für den Tod von Mrs. Pritchard hätten sehr viel Freiraum gelassen, den man hätte ausfüllen können. Das Resultat jedoch wirkt überstürzt und unfertig; zudem überschlägt sich Achim Höppner beim Lesen förmlich und lässt das Ganze so wirken, als müsste der Text möglichst flott erzählt werden. Das ist nicht nur deswegen unverständlich, weil die Spannung enorm darunter leidet, sondern auch deshalb, weil man alleine aus Platzgründen ruhig mehr Gemütlichkeit hätte einplanen bzw. investieren können. So geschieht alles ganz schnell; die Dame wird vorgestellt, kommt aufgrund ungeklärter Umstände ums Leben, Miss Marple nimmt sich des Mysteriums an und kommt schließlich zu einem Resultat. Ruckzuck sind die vierzig Minuten um, und der Zuhörer weiß gar nicht, wie ihm geschieht.

Das ist ganz sicher nicht im Sinne des Charakters Miss Marple, und noch weniger ist es einer Ikone wie Agatha Christie, die mitunter die weltweit beste Krimi-Lektüre verfasst hat, würdig. Im Gegenteil, man kann zu Recht enttäuscht sein und ist mit den anderen Christie-Hörbüchern des |Hörverlags| auch deutlich besser beraten, zumal die 3-CD-Varianten mit nur zwei Euro mehr zu Buche schlagen.