Cinda Williams Chima – Das Erbe der Krieger (Heir Chronicles 1)

Heir-Chronicles

Band 1: “Das Erbe der Krieger“
Band 2: „Das Vermächtnis der Zauberer“ (März 2015)
Band 3: “The Dragon Heir“ (noch ohne dt. Titel)
Band 4: “The Enchanter Heir” (noch ohne dt. Titel)
Band 5: “The Sorcerer Heir” (noch ohne dt. Titel)

Jack ist ein ganz normaler Teenager. Bis er eines Morgens verschläft und in der Hektik vergisst, seine Medizin zu nehmen! Seltsamerweise fühlt er sich ohne Medizin viel wohler als sonst. Aber seine Vergesslichkeit hat auch noch andere Auswirkungen. Solche, auf die er sehr gut hätte verzichten können …

Jacks Geschichte spielt in der realen Welt, allerdings versetzt mit einem Schuss Magie. Diese Magie bestand zunächst lediglich in einem Drachen. Wie daraus eine Welt mit Zauberern, Hexen und Wahrsagern wurde, war gut ausgedacht und umgesetzt.

Dabei ist der Ausbau der Magie bisher noch gar nicht so weit fortgeschritten. Am stärksten gewichtet ist die Gabe des Beschwörens, wobei es sich hier nicht um Dämonenbeschwörung handelt, sondern um Beeinflussung anderer. Wie Zauberei als solche funktioniert, darüber erfährt der Leser vorerst so gut wie nichts.

Im Zusammenhang mit dem Erlangen der magischen Gaben ging auch ein Betrug einher, der zu einem dauerhaften Konflikt zwischen den einzelnen Begabten führte. Die Umsetzung dieses Konfliktes auf historische Begebenheiten ist eher rudimentär ausgearbeitet, aber trotzdem interessant gemacht.

Aufgrund der massiven Auswirkungen des Konfliktes wurde irgendwann beschlossen, die Austragung auf Duelle zu verlegen, um übermäßiges Blutvergießen zu vermeiden. Im Grunde eine noble Idee, wäre die Umsetzung nicht so menschenverachtend. Denn die Duellanten werden nicht danach gefragt, ob sie bereit sind, für eine der beiden Seiten zu kämpfen. Dass es sich außrdem um ein Duell auf Leben und Tod handelt, verleiht der ganzen Angelegenheit den Charakter von Brot und Spielen, nur ohne Brot.

Ausgetragen werden die Duelle von Kriegern, die wenn möglich von Kindes Beinen an dazu ausgebildet werden. Jack ist ein solcher Krieger, doch seine Tante Linda hat dafür gesorgt, dass er bis zu seiner Mannesreife versteckt bleibt, um ihn vor Attentaten der Gegner zu schützen. Diese Schonfrist ist nun vorbei.

Jack trägt die Entdeckung der Wahrheit mit erstaunlicher Fassung. Überhaupt zeichnet er sich durch eine recht stoische Gelassenheit aus, ihn zu provozieren, ist nicht einfach. Seine Entscheidungen zeugen von Mut und einer geradlinigen Ehrlichkeit. Gute Eigenschaften für einen Krieger und Helden, dankenswerterweise hat Jack ansonsten jedoch nichts Heldenhaftes an sich. Trotzdem entsteht zu keiner Zeit der Eindruck, dass die Autorin sich hätte Mühe geben müssen, um eben dieses Heldenklischee zu vermeiden. Jack ist tatsächlich ein ganz normaler Junge, abgesehen von dem Kriegerstein in seiner Brust.

So kommt es, dass Jack mitunter auch Fehler macht und dadurch ohnehin brenzlige Situationen noch verschärft. Das sorgt für die nötige Abwechslung, während sich die Schlinge um Jack herum allmählich immer weiter zuzieht. Der Spannungsbogen zieht sich dabei nicht allzu straff, da letztlich doch ziemlich absehbar ist, wohin die Ereignisse führen werden. Der Showdown fiel dann eher unspektakulär aus, obwohl eine kleine Wendung in diesem Zusammenhang doch überraschte, zwar weniger in Bezug darauf, was geschieht, sondern eher wie es geschieht.

Zwar ging mir die Sache in der Kirche in London doch etwas zu leicht – ich hätte von der Anführerin der weißen Rosen nicht erwartet, dass sie Lindas Aussage einfach so hinnimmt, zumal sie im Prolog bereits bewiesen hat, dass sie es spüren kann, wenn Linda ihre Gabe einsetzt – und es ist mir auch nicht ganz klar, warum die Narbe einer Herz-OP sternförmig sein sollte. Im Großen und Ganzen aber war die Geschichte in sich logisch und zu den Hintergrundgeschichten der Nebencharaktere logisch.

Unterm Strich fand ich das Buch durchaus lesenswert. Es war nicht so spannend, dass ich feuchte Hände bekommen hätte, bot aber viel Abwechslung innerhalb der Handlung, einen wohltuend durchschnittlichen Helden und einen einfallsreichen Magieentwurf, der im nächsten Band wohl noch weiter ausgebaut werden dürfte. Ein solides Jugendbuch ohne Schmalz und Übertreibung.

Cinda Williams Chima schrieb schon in der Schule Geschichten, die meist von ihren Lehrern konfisziert wurden. Nach einem abgeschlossenen Studium in Philosophie war sie zunächst als freie Mitarbeiterin einer Clevelander Zeitung Plain Dealer tätig. Mit einem weiteren Abschluss in Ernährungswissenschaften arbeitete sie mehrere Jahre lang im medizinischen Bereich, ehe sie sich ganz aufs Schreiben verlegte. Der vierte und letzte Band ihres Zyklus Seven Realms erscheint am 20. Oktober unter dem Titel „Die Purpurkrone“. „Das Erbe der Krieger“ ist der erste Band der Heir Chronicles, deren zweiter Teil im März nächsten Jahres unter dem Titel „Vermächtnis der Zauberer“ in die Buchläden kommen soll.

Taschenbuch 480 Seiten
Originaltitel: „The Warrier Heir“
Deutsch von Hans Link
ISBN-13: 978-3-442-26970-9

cindachima.com
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