Clemens, James – Buch der Prophezeiung, Das (Alasea / Banned and the Banished 4)

Band 1: [Das Buch des Feuers]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=969
Band 2: [Das Buch des Sturms]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=996
Band 3: [Das Buch der Rache ]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1007

Elena und ihre Gefährten haben den Krieg um A’loatal gewonnen und das Buch des Blutes errungen. Aber jetzt scheint die Situation plötzlich festgefahren! Seit Wochen sitzen die Verbündeten im Thronsaal herum und streiten sich über das weitere Vorgehen. Schließlich platzt Elena der Kragen, sie würgt die Beratung ab und stellt ein Ultimatum: Bis morgen wird sie über das weitere Vorgehen entschieden haben. Wem das nicht passt, der braucht zur nächsten Beratung gar nicht zu erscheinen!

Dabei ist sie selbst noch gar nicht sicher, was sie tun soll. Da erreichen sie zwei Hilferufe. Einen überbringt ein Zo’ol-Schamane, einen Merik, der Ni’lahns Laute hütet. Ein Blick in das Buch des Blutes gibt den Ausschlag: Die Wehrtore, Skulpuren der mythischen Tiere Greif, Mantikor, Basilisk und Wyvern, mit dem heiligen Hammer der Zwerge aus Schwarzstein gehauen, müssen zerstört werden! Ein schier hoffnungsloses Unterfangen, aber was bleibt ihnen übrig?

Der Wyvern floh während der Schlacht um A’loatal mit dem Dunkelmagier Schorkan nach Schwarzhall, dem Sitz des dunklen Herrschers, und ist damit unerreichbar. Die drei anderen Tore müssen zuerst gefunden werden. Also machen sich drei Gruppen auf den Weg:
Die erste, bestehend aus Merik und dem Zo’ol-Schamanen auf einem Windschiff der El’ven, folgt Mikela und ihrer Truppe zum Nordwall, um ihnen zu Hilfe zu eilen. Denn dort wurde ein Greif gesichtet …
Die zweite Gruppe, bestehend aus Joach, Kast und Saag’wan, folgt einer jungen Frau namens Kesla auf einem weiteren Windschiff in die südlichen Ödlande. Denn Kesla hat um Hilfe gebeten. Sie erzählt von einem schwarzen Basilisken, der monatlich einen Tribut von dreißig Kinder fordere!
Die dritte Gruppe, bestehend aus Elena, Er’ril, Mama Freda und einer Gruppe Zwerge, folgt Tol’chuk nach Gul’gotha. Tol’chuk soll nach Anweisung der Seelen den Herzstein dorthin bringen, wo er gebrochen wurde. Elena hofft, dort auch die Skulptur des Mantikor zu finden. Um die junge Frau, in der das Blut ihres verlorenen Königs fließt, nicht aus den Augen lassen zu müssen, besteht die El’ven-Königin Tratal darauf, dass Elena auf ihrem Windschiff reist.

Während die drei Gruppen sich auf den Weg machen, braut sich an anderer Stelle neues Unheil zusammen. Und als ob die Suche nicht schon gefahrvoll genug wäre, wird der Zusammenhalt der Gefährten auch noch durch Egoismus und Ignoranz aufs Glatteis geführt …

Allmählich macht es sich bemerkbar, dass der Zyklus sich seinem Ende nähert. Im Verhältnis zu den neu aufgeworfenen Fragen sind die erhaltenen Antworten eindeutig in der Überzahl. So erfährt der Leser endlich, wo sich Ni’lahns alte Heimat Lok’ai’hera befand, was es mit den Wehrtoren auf sich hat und wo Chi, die alte Magie Alaseas, sich befindet. Die diversen Prophezeiungen, die gelegentlich am Rande erwähnt wurden, werden gedeutet. Und außerdem erfährt der Leser auch ein paar Antworten, zu denen er sich bisher noch gar keine Fragen gestellt hat.

Die Antworten auf die entscheidenden Fragen hat sich der Autor natürlich für den letzten Band aufgehoben: Was wird aus Joach? Was aus den Si’lura-Zwillingen? Natürlich auch: Was wird aus Elena? Und vor allem: Wer ist der dunkle Herrscher? Nach den Andeutungen, die bisher gefallen sind, wird vor allem die letzte Antwort immer interessanter. Im Hinblick auf die vorletzte stellt sich die Frage, ob der Autor seine Geschichte tatsächlich mit einem Scheitern Elenas enden lassen wird.

Unwahrscheinlich, denn obwohl der Mann mit seinen Protagonisten um einiges rüder umspringt als mancher seiner Kollegen, ist er immer noch Amerikaner, und die Amerikaner scheinen irgendwie immer ein Happyend zu brauchen. In diesem Falle müsste allerdings noch ein Weg gefunden werden, um das Ende der Geschichte mit dem Rahmen des Buches in Einklang zu bringen, in dem Elena als bösartig und der Erzähler ihrer Geschichte als Irrer dargestellt wird. Man darf gespannt sein.

Und das ist gut so. Auf die bisherige Vorgehensweise, am Ende des Bandes schon die Bedrohungen im nächsten anzudeuten, hat der Autor diesmal nämlich verzichtet. Jemand, dem der Zyklus allmählich doch etwas lang wird, könnte jetzt am ehesten in Versuchung geraten aufzuhören. Der Spannungsbogen ist nicht annähernd so straff gespannt wie bei seinen Vorgängern, vor allem dem zweiten Band. Zwar hat jede Gruppe mit ihren eigenen Schwierigkeiten zu kämpfen, allerdings sind es diesmal keine übermächtigen oder besonders zähen, hartnäckigen Gegner, sondern eher lauter kleine Widrigkeiten, die war aufhalten, aber doch alle verhältnismäßig schnell überwunden sind. Das ganze wirkt ein wenig wie ein Hindernisrennen.
Auch kappt der Autor diesmal die Erzählstränge der einzelnen Gruppen nicht unbedingt an einem Punkt, an dem man unbedingt wissen will, wie es jetzt weitergeht. Das nimmt ebenfalls einiges von der Spannung raus, die bei den Vorgängerbänden noch vorhanden war.

Wie es bei vorletzten Bänden oft der Fall ist, scheint auch hier ein gewisses Innehalten gegeben zu sein, ein Atemholen für den Endspurt sozusagen. Fäden müssen zusammengeführt und auf das Ende hin gebündelt, Personen entsprechend gruppiert und die Ausganssituation für den letzten Kampf vorbereitet werden. Je länger der Zyklus, desto schwieriger wird es, alle Details bis zum letzten Band aufzuheben und dann den angesammelten Knoten auf einen Schlag aufzulösen. Eine gewisse Windstille ist einfach notwendig.

Insofern mangelt es vielen vorletzten Bänden ein wenig an Eigenständigkeit, auch diesem vierten Band von |Banned and the Banished|. Er zieht sich manchmal ein wenig, was gerade im Vergleich zu dem atemlosen Tempo der Vorgänger stark auffällt. Dennoch bietet er ein paar interessante Wendungen, und die gebotenen Antworten fügen sich lückenlos in das Puzzle, das der Autor aufgebaut hat. Allein einen kleinen Logikfehler hab ich gefunden: Kral tut sich bei seinem Kampf gegen die Besatzer seiner Heimatburg ein wenig zu leicht damit, mehrmals seine Gestalt zu wechseln, wenn man bedenkt, dass kurz vorher erklärt wurde, eine Gestaltwandlung koste viel Kraft, und zwei an einem Tag ließen bereits nicht mehr genug für eine dritte übrig! Ein relativ kleiner Fehler und im Hinblick auf die Gesamtheit der bisherigen weit über 2.000 Seiten nicht wirklich gravierend.

Auch diesmal hat sich die Übersetzerin wieder eine gewisse Freiheit beim Buchtitel erlaubt. Der Originaltitel „Wit’ch Gate“ wurde diesmal mit „Buch der Prophezeiung“ übersetzt, obwohl die Prophezeiungen in diesem Band nur wenig mehr Raum einnehmen als die Rache im dritten Teil, wohingegen die Wehrtore das alles beherrschende Thema darstellen. Vielleicht kann mir irgendwann mal jemand erklären, was gegen eine originalgetreue Übersetzung von Buchtiteln spricht. Auch hier hatte sich der Autor bei der Namensgebung seines Buches durchaus etwas gedacht!

James Clemens ist gebürtiger Amerikaner, wuchs aber in Kanada auf. Er studierte Veterinärmedizin und eröffnete schließlich eine Praxis in Kalifornien. 1998 erschien der erste Band des Zyklus |Banned and the Banished| unter dem Titel „Wit’ch Fire“. In der deutschen Übersetzung wurde daraus „Das Buch des Feuers“. Die übrigen Bände folgten, jedes Jahr einer. Nach einer längeren Pause kam im Juli dieses Jahres der erste Band des neuen Zyklus |Godslayer Chronicles| heraus unter dem Titel „Shadowfall“. Die deutsche Übersetzung erschien im September unter dem Titel „Schattenritter“.

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