Dark, Jason / Döring, Oliver – John Sinclair – Ich stieß das Tor zur Hölle auf (Folge 60)

_Komplexer Auftakt: Johns Sturz in die Hölle_

„Geisterjäger“ John Sinclair ist Oberinspektor in einer Sonderabteilung von Scotland Yard, die sich mit übersinnlichen Fällen befasst. Sinclair wird von einem Kreuz beschützt und gewarnt, das vom Propheten Hesekiel selbst stammt. Zur doppelten Sicherheit trägt er auch eine Beretta-Pistole mit sich, die mit Silberkugeln geladen ist. Werwölfe und ähnliches Gelichter mögen so etwas gar nicht. Heißt es.

John Sinclair und seine Gefährten stehen der Mordliga gegenüber. Doch auch Morasso, ihr Anführer, hat Feinde, nämlich Asmodina, die Tochter des Teufels. Sinclair & Co. befinden sich zwischen diesen beiden Fronten. Er kann nur hoffen, dass in der folgenden Schlacht die eine oder andere Seite geschwächt oder gar vernichtet wird – und dass er nicht zwischen die Fronten gerät.

Folge Nr. 60 entspricht dem Band 200 der Bastei-Romanserie und ist der Auftakt zu einem Dreiteiler.

Die Hörspiele dieser Reihe sind Vertonungen der gleichnamigen Bastei-Heftserie. Mit der Folge 60 feiert die Hörspielreihe ein weiteres Jubiläum – mit einem Online-Gewinnspiel. Der Verlag empfiehlt sein Werk ab 18 Jahren.

_Der Autor_

Der unter dem Pseudonym „Jason Dark“ arbeitende deutsche Autor Helmut Rellergerd ist der Schöpfer des Geisterjägers John Sinclair. Am 13. Juli 1973 – also vor 37 Jahren – eröffnete der Roman „Die Nacht des Hexers“ die neue Romanheft-Gruselserie „Gespenster-Krimi“ aus dem Hause Bastei. Inzwischen sind über 1700 „John Sinclair“-Romane erschienen, die Gesamtauflage der Serie beträgt laut Verlag über 250 Millionen Exemplare.

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Frank Glaubrecht spricht den Geisterjäger himself und ist die deutsche Stimme von Al Pacino.
Joachim Kerzel, die deutsche Stimme von Jack Nicholson und Dustin Hoffman, spricht den Erzähler.
Suko: Martin May
Sir James Powell: Karlheinz Tafel
Myxin: Eberhard Prüter
Kara: Susanna Bonaséwicz
Lucille Adams: Marie Bierstedt (dt. Stimme von Kirsten Dunst u.a.)
Madame Tanith: Karin Buchholz
Solo Morasso: Tilo Schmitz (t. Stimme von Ving Rhames etc.)
Asmodina: Martina Treger
Marvin Mondo: Till Hagen (dt. Stimme von Kevin Spacey u.a.)
Pamela Scott: Katrin Fröhlich
Vampiro del Mar: Helmut Krauss (dt. Stimme von Samuel L. Jackson, Marlon Brando u.a.)
Lupina: Claudia Urbschat-Mingues (dt. Stimme von Angelina Jolie)
Xorron: Udo Schenk (dt. Stimme von Ralph Fiennes u.a.)
Spuk: Boris Tessmann
Todesengel: Tanja Geke (dt. Stimme von Kate Hudson („Almost Famous“), Scarlett Johannson („The Prestige“) und Beyoncé Knowles)
Asmodis: Bernd Rumpf
Dämon: Oliver Stritzel
Kugel-Dämon: Sebastian Rüger
Logan Costello: Bernd Vollbrecht
Und weitere Sprecher.

_Der Regisseur_

… ist Oliver Döring, Jahrgang 1969, der seit 1992 ein gefragter Allrounder in der Medienbranche ist. „Als Autor, Regisseur und Produzent der „John Sinclair“-Hörspiele hat er neue Maßstäbe in der Audio-Unterhaltung gesetzt und ‚Breitwandkino für den Kopf‘ geschaffen“, behauptet der Verlag. Immerhin: Dörings preisgekröntes Sinclair-Spezial-Hörspiel „Der Anfang“ hielt sich nach Verlagsangaben wochenlang in den deutschen Charts.

Buch und Regie: Oliver Döring
Realisation: Patrick Simon
Tontechnik und Schnitt: ear2brain productions
Hörspielmusik: Christian Hagitte, Simon Bertling, Florian Göbels
Produktion: Alex Stelkens (WortArt) und Marc Sieper (Lübbe Audio)

_Handlung_

Asmodina, die Tochter des Höllenfürsten Asmodis, fädelt die Entscheidungsschlacht gegen Solo Morasso und seine Mordliga ein. Der SPUK sei ihr ein loyaler Partner und für John Sinclair, so berichtet sie, halte sie eine böse Überraschung bereit, um ihn in die Hölle zu locken. Jetzt bitte sie nur noch um die Unterstützung ihres Gesprächspartners: Daddy.

|Paris|

Es ist Freitagabend auf dem Montmartre von Paris, als das Medium Lucille Adams die Seherin Madame Tanith aufsucht. Madame hat ein Artefakt von großer Macht in ihrem Besitz: Die Kugel, die ihr einmal ein Abt geschenkt hat, könne Dimensionstore öffnen, versichert Lucille. Doch jener Abt, ein gewisser Pierre Dumont und Freund von Madame, sei ermordet worden, um in den Besitz der Kugel zu gelangen. Doch wer steckt dahinter?

Um dies herauszufinden, müssten Lucille und Madame die Kugel benutzen. Leider geht dabei etwas mächtig schief: Die Todesengel, Abgesandte Asmodinas, erscheinen und berühren die Kugel, bevor die herbeiteleportierte Zauberin Kara sie wieder vertreiben kann. Kara schwant Schlimmes. Sie beauftragt ihren Freund, den Magier Myxin, John Sinclair zu warnen …

|London|

John Sinclair und Suko sind bei Sir James Powell, dem Chef von New Scotland Yard, um die Lage zu besprechen. Meldungen aus dem Südatlantik weisen darauf hin, dass sich Solo Morasso und seine Dämonenbande in Feuerland verschanzt haben. Bestimmt hecken sie etwas aus. Sir Powell will jedoch nichts überstürzen, um beobachten und planen zu können – ein schwerer Fehler, wie sich bald zeigt. Denn der Feind ist bereits auf dem Vormarsch.

Als John mit seinem Bentley in die Tiefgarage seines Wohnkomplexes fährt, sieht er einen Mann am Boden liegen. Er will ihm helfen, als ihn ein schwerer Schlag von hinten niederstreckt. Als er wieder erwacht, sind Mann, Handy, Geldbörse, Waffe und Autoschlüssel weg. Nur sein Kreuz hat er noch, zum Glück. Dieses braucht er wider Erwarten sofort, denn ein gieriger Kugeldämon trachtet ihm nach dem Leben. John streckt ihm wie gewohnt sein geheiligtes Kreuz entgegen, eine der mächtigsten Waffen des Lichts. Doch nichts geschieht – das Kreuz ist wirkungslos! Erst Suko kann den Dämon unschädlich machen.

|Feuerland|

Unterdessen freut sich Solo Morasso über den Empfang des echten Kreuzes aus den Händen des Londoner Gangsters Costello, dessen Handlanger das echte Kreuz durch ein Duplikat ersetzt haben – mit Hilfe eines Scanners, den Marvin Mondo erfunden hat. Morasso gedenkt, das Kreuz im Kampf gegen Asmodina einzusetzen. Das Labor von Scotland Yard bestätigt, dass es sich um eine Fälschung handelt, was John da besitzt.

|London|

Niedergeschmettert sucht John nach einer weiteren mächtigen Waffe gegen das Böse. Er schaut in seinen unversehrten Tresor und holt den Kelch des Feuers heraus, dessen Eigenschaften allerdings unbekannt sind. Er versucht gerade, die eingravierten Zeichen zu entzifffern, als Blitze hervorschießen und ein Dimensionstor öffnen. Wohin verschwindet der Sohn des Lichts?

_Mein Eindruck_

Dieser Auftakt zur Trilogie „Morasso vs. Asmodina“ geizt nicht mit Schauplätzen und Akteuren. London, Paris, Feuerland und selbst Hölle sehen finstere Vorbereitung für den großen Showdown zwischen der Mordliga und der Tochter des Teufels. Während sich die Gegner ihre Waffen und andere Vorteile verschaffen, verliert unser Streiter des Guten sämtliche Trümpfe an die gegenseite. Es sieht für John Sinclair gar nicht gut aus. Dennoch landet er mitten in der Bredouille.

|Rätsel und Fragen|

Lange habe ich gerätselt, was der Erzählstrang um Madame Tanith eigentlich soll. Die Seherin und das Medium Lucille Adams sorgen sich um eine mysteriöse Kugel, einem Erbstück der katholischen Kirche mit mystischer Vergangenheit: Kein Geringerer als Nostradamus war einer ihrer Besitzer. Und wie sich herausstellt, steht die Kugel in enger Beziehung zum Kelch des Feuers – die Grals-Symbolik ist mehr als offensichtlich. Schließlich müssen die Guten, wenn sie gegen die höllischen Scharen bestehen wollen, entsprechend heilige und geweihte Objekte ins Feld führen. Wieder einmal sind die religiösen Untertöne der Sinclair-Geschichten deutlich.

Diese Beziehung von Kugel und Kelch erweist sich bei etwas Nachdenken insofern als folgenreich, als Asmodina nun mit Hilfe der von ihren Dienern berührten Kugel auf den Kelch zugreifen kann, der sich in Johns Besitz befindet – woher weiß sie das? – und den John als Ersatz für das gestohlene Kreuz – das kann sie ebenfalls nicht wissen – einsetzen will. Dieser Einsatz wird ihm zum Verhängnis: Madame Taniths Kugel zerrt ihn durch das von Kelch und Kugel erzeugte Dimensionstor in die Hölle. Wie man sieht, bleiben etliche Fragen der Logik offen.

|Kopie mit Pfiff|

Die Duplikation von Johns Kreuz ist nicht ohne Pfiff. Wie erwähnt, hat Marvin Mondo einen speziellen Scanner (und Kopierer) gebaut. Der Pfiff dabei: Nicht eine zweidimensionale Vorlage wie etwa Papier wird gescannt und kopiert, so ein 3D-Objekt – gibt es erst seit Kurzem und dürfte zu einer Menge Urheberrechtsstreitigkeiten führen.

Und angetrieben wird der Apparat nicht etwa von schnödem Benzin, auch nicht von Nukleartechnik, sondern von „kalter Verschmelzung“. Das ist die Übersetzung von „Cold Fusion“, der Atomverschmelzungstechnologie. Sie wurde mehrfach als erzielt berichtet, doch jedes Mal entpuppten sich die Versuche als Fakes. Marvin Mondo hat also wirklich die Nase vorn!

_Die Sprecher/Die Inszenierung_

Die Macher der „Geisterjäger“-Hörspiele suchen ihren Vorteil im zunehmend schärfer werdenden Wettbewerb der Hörbuchproduktionen offensichtlich darin, dass sie dem Zuhörer nicht nur spannende Gruselunterhaltung bieten, sondern ihm dabei auch noch das Gefühl geben, in einem Film voller Hollywoodstars zu sitzen. Allerdings darf sich niemand auf vergangenen Lorbeeren ausruhen: Bloßes Namedropping zieht nicht, und So-tun-als-ob ebenfalls nicht.

Die Sprecher, die vom Starruhm der synchronisierten Vorbilder zehren, müssen selbst ebenfalls ihre erworbenen Sprechfähigkeiten in die Waagschale werfen. Zum Glück tun Helmut Krauss (Xorron), Kerzel, Glaubrecht und Co. dies in hervorragender und glaubwürdiger Weise. Statt gewisse Anfänger zu engagieren, die mangels Erfahrung bei den zahlreichen emotionalen Szenen unter- oder übertreiben könnten, beruht der Erfolg dieser Hörspielreihe ganz wesentlich darauf, dass hier zumeist langjährige Profis mit schlafwandlerischer Sicherheit ihre Sätze vorzutragen wissen.

Übertriebene Ausdrucksweisen heben die Figuren in den Bereich von Games- und Comicfiguren. Das kann bei jugendlichen Hörern ein Vorteil sein. Die Figuren schreien wütend, fauchen hasserfüllt oder lachen hämisch. Besonders unheimlich ist die Darstellung des Spuks, eines wirklich mächtigen Dämons. Leider erfahren wir auch in dieser Trilogie rein gar nichts über seine Herkunft und Entstehung bzw. darüber, warum er aus Asmodinas Reihen zu Morasso übergelaufen ist.

Auch alle anderen Figuren muss der Hörer bereits kennen, um sie zuordnen zu können. Aber als Fan der Serie kennt man ja Sinclair, Asmodina, Kara, Myxin usw. bereits aus dem Effeff. Recht nett wirken die Todesengel, allesamt weiblich (keine Neutren also) und von höchst bösartiger Natur – so dienen sie Asmodina optimal. Tanja Geke kann hier wirklich die Sau rauslassen und gehässig lachen.

Besonders gefiel mir Marie Bierstedt als Lucille Adams. Sie setzt ihren Charme als Geschlechtsgenossin gegenüber der vorsichtigen Madame Tanith sehr erfolgreich ein und findet Dinge aus deren Vergangenheit heraus, die man einem Unbekannten nicht unbedingt auf die Nase binden würde. Karin Buchholz spricht Madame Tanith mit gewisser Reserviertheit und Autorität, wird aber von Lucille zunehmend verunsichert. Später schließt sie sich dem Club der Sinclair-Helfer an. Doch Lucille segnet das Zeitliche – bis auf Weiteres.

|Geräusche|

Die Geräusche sind genau die gleichen, wie man sie in einem halbwegs realistischen Genre-Spielfilm erwarten würde, und die Geräuschkulisse wird in manchen Schlüsselszenen recht stimmungsvoll aufgebaut. Stets sorgen die magischen Objekte für nette Effekte, die oftmals aus Blitzgeräuschen und gefährlichem Zischen bestehen – sie sind meist dann zu hören, wenn Gut und Böse aufeinandertreffen. Gerne werden auch Hall und Donner eingesetzt. In den Schlachtszenen kommen noch zahlreiche Geräusche wie Zischen und Einschläge von den Projektilen hinzu – man kommt sich vor wie in Mittelerde, wenn die letzte Schlacht tobt.

|Musik|

Die Musik leitet in den kurzen Pausen bzw. Übergängen gleich zur nächsten Szene über. Sie wurde von einem kleinen Orchester eingespielt, und bevorzugt werden düstere, basslastige Instrumente und Effektgeräte eingesetzt, beispielsweise metallische Hammerschläge, wie sie in „Terminator 2“ erklingen. Die Titelmelodie der Serie erschallt in einem hämmernden Rock-Rhythmus aus den Lautsprecherboxen. Sehr sympathisch. Sie wird am Schluss der CD kurz zitiert und erklingt in voller Länge erst am Ende der dritten CD.

Musik, Geräusche und Stimmen wurde so fein aufeinander abgestimmt, dass sie zu einer Einheit verschmelzen. Dabei stehen die Dialoge natürlich immer im Vordergrund, damit der Hörer jede Silbe genau hören kann. An keiner Stelle wird der Dialog irgendwie verdeckt.

|Booklet etc.|

… enthält im Innenteil Angaben über die zahlreichen Sprecher, die Macher sowie sämtliche Hörfolgen. Auf der letzten Seite weist der Verlag auf den offiziellen JOHN-SINCLAIR-Song „CAIN – Age of Darkness“ hin, der „auf allen bekannten Musik-Downloadportalen“ zur Verfügung stehe.

_Unterm Strich_

Als Auftakt der Trilogie weiß diese Folge nur wenig an Action zu bieten – diese findet sich naturgemäß im Finale, während der Entscheidungsschlacht. Immerhin gerät John in eine Art Überfall und sich gleich danach dem Angriff eines gierigen Kugeldämons ausgesetzt. Auch die zwei Damen in paris geraten in eine handfeste Auseinandersetzung mit den Todesengeln. Ansonsten lassen sich nur Ansätze zu späteren Konflikten registrieren. Deshalb heißt es wohl: „Bitte legen Sie CD #2 ein!“ Gemeint ist natürlich Folge 61.

|Audio-CD mit 49:17 Minuten Spieldauer
ISBN-13: 978-3-7857-4296-9|
[www.luebbe.de]http://www.luebbe.de
[www.sinclair-hoerspiele.de]http://www.sinclair-hoerspiele.de
[www.wortart.de]http://www.wortart.de

Noch mehr zu |John Sinclair| finden Sie in unserer [Rezensionsdatenbank]http://www.buchwurm.info/book .

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