John Sinclair Classics – Der Blutgraf (Folge 11)

_Die Handlung:_

Die alte Tür knarrte scheußlich, als sie langsam aufgezogen wurde. Doch die junge Frau in dem breiten Holzbett hörte nichts von diesem Geräusch. Sie schlief ruhig weiter. Tiefe, regelmäßige Atemzüge hoben und senkten ihre Brust. Durch die spaltbreit geöffnete Tür schlich eine dunkelgekleidete Gestalt in das Zimmer, ging auf das schlafende Mädchen zu und öffnete langsam den Mund: Mit einem hässlichen Grinsen kamen zwei nadelspitze Vampirzähne zum Vorschein … (Verlagsinfo)

_Mein Eindruck:_

Dieses CLASSICS-Gruselabenteuer ist die Hörspielumsetzung des Heftromans mit der Nummer 77, der erstmalig im Jahr 1975 an den Kiosken unter dem Serientitel „Gespenster-Krimi“ zu kaufen war. Somit haben sich die Macher entschieden, zwei Gespenster-Krimis ausgelassen.

Auch ein Geisterjäger braucht mal Urlaub … denkt sich John Sinclair, während er auf einem Passagierdampfer die Seele baumeln lässt … lassen möchte. Aufgrund der Einleitung und des Titels kann der gruselhungrige Hörfreund aber davon ausgehen, dass daraus nichts werden wird, wenn der Sarg eines Vampirs mit an Bord ist.

Und obwohl der uralte Vampir und seine Gefährten ihr Unwesen auf dem Touristenschiff treiben, so recht mag dabei kein echter Grusel aufkommen. Und trotzdem die Effekte Sinclair-typisch hollywood-kopfkino-reif sind, so helfen sie auch nicht dabei, diesen Umstand zu ändern.

Vampirgeschichten gibt es unzählige und da diese wirklich sehr gradlinig erzählt wird und so gar keine Überraschungen für den Hörer bietet, ist sie auch nicht wirklich fesselnd oder besonders. Dass John Sinclair selbst auch erst ab der Mitte des Hörspiels zum Einsatz kommt, macht dabei dann auch nicht wirklich etwas aus. Ein Vampir kommt, albert rum und stirbt … irgendwie verkommt diese Folge zu einem Logbucheintrag in einem Tagebuch zu einem unspektakulären Nachmittag.

Hoffentlich verpulvern die Schöpfer der Serie ihre Effektkunst bei der nächsten CLASSICS-Produktion nicht wieder so und suchen sich eine Story aus, die den Hörer wirklich bindet.

|Das Hörerlebnis|

Klaus-Dieter Klebsch als Graf Tomaso zu casten, halte ich für die falsche Entscheidung, ist er vielen Hörspiel-Fans doch unter anderem als schräg-irrer Professor Doom in der albern-witzigen Gruselparodieserie JACK SLAUGHTER bekannt. Klebsch ist zwar ein wirklich guter Sprecher, aber aufgrund dieser und anderer angestammter Rollen im ähnlichen Genre konnte ich ihm den Grafen hier nicht abnehmen und musste ständig grinsen, wenn er auftrat und das tut er, genauso verschroben wie in der Parodie und wenig angsteinflößend. Das war sicher nicht im Sinne des Produktionsteams.

Alexandra Lange-Baehr spricht wie gewohnt gedrungen, bemüht tief, zu langsam und schafft es (leider auch wie gewohnt) nicht wirklich eine Genre-typische Sprecherin zu geben. Perfekt für Erotikhörspiele oder -hörbücher, Grusel kommt bei ihr keiner auf, weil sich ihre Sprecherleistung zu sehr von der der anderen Sprecher unterscheidet, die im Gegensatz zu ihr, wirklich lebendig und authentisch in die Rollen ihrer Charaktere schlüpfen. Vampir-Grusel-Kopfkino entsteht nur, wenn es Dialoge zu hören gibt, die Sprecherin bremst den Spaß bei jedem ihrer Auftritte und verleitet dazu, beim Hören sanft einzuschlummern.

Jörg von Liebenfelß als Kapitän klingt auch nicht glaubwürdig, wenn er von einem Blutbad spricht, das einer seiner vom Vampir gebissenen Matrosen anrichtet. Als wärs ihm egal und überhaupt nicht schrecklich. Seine Leistung passt hier eher zu den FÜNF FREUNDEN.

Die Effekte hingegen sind wie gewohnt vom Feinsten, leider können sie die eher langweilige Story auch nicht aufwerten.

|Die Sprecher und ihre Rollen:|

John Sinclair: Dietmar Wunder
Erzählerin: Alexandra Lange-Baehr
Susan Miller: Julia Fölster
Bill Conolly: Detlef Bierstedt
Sheila Conolly: Daniela Hoffmann
Graf Tomaso: Klaus-Dieter Klebsch
Dr. Fulmer: Peter Franke
Seymour Destry: Konstantin Graudus
Kapitän: Jörg von Liebenfelß
Matrose Zach: Raimund Krone
Vampir: Daniel Montoya
Ansage: Jürgen Holdorf

sowie: Klaus Dittmann, Frank Jordan, Marco Göllner, Jan-Gregor Kremp, Tim Kreuer, Wolfram Mucha, Christine Pappert, Alexander Rieß, Andreas Schmidt, Achim Schülke, Peter Weis, Jens Wendland

|Technik-Credits:|

Hörspielskript: Michael Koglin
Regie: Dennis Ehrhardt
Sounddesign, Schnitt und Mischung: ear2brain productions
Musik: Andreas Meyer
Gitarren im John-Sinclair-Theme: Jan Frederik
Produktion: Marc Sieper (Lübbe Audio)

|Die Ausstattung:|

Die CD steckt in einem Jewel-Case. Das Booklet-Faltblatt, das den irre grinsenden Blutgrafen zeigt, enthält eine Aufstellung nebst Cover der bereits veröffentlichten CLASSICS-Folgen sowie der kommenden drei Folgen. Zusätzlich werden noch die Sprecher und ihre Rollen aufgeführt sowie die Technik-Credits.

_Mein Fazit:_

Eine Vampir-Geschichte wie unzählige andere zuvor wird gradlinig erzählt und unterhält leider nur mäßig. Keine überraschenden Wendungen, kein echter Spannungsfaden, alles verläuft so, wie es sich der Hörer die ganze Zeit über denkt. Tolle Effekte für eine müde Blutsaugerei, die manchmal sogar ein wenig albern wirkt.

|1 Audio-CD
Spieldauer: 64 Min.
Tracks: 10
ISBN-13: 978-3-7857-4377-5|
[www.luebbe-audio.de]http://www.luebbe-audio.de

Eine Hörprobe bietet der Verlag unter [dieser Adresse]http://www.luebbe.de/Hoerbuecher/Spannung/Details/Id/978-3-7857-4377-5# auch an.

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