David Baldacci – One Good Deed (Aloysius Archer 01)

Ein gewitzter Schnüffler anno 1949

Aloysius Archer hat nach dem College drei Jahre in Europa gekämpft, bevor er unschuldig verurteilt und ins Gefängnis gesteckt wurde. Nach zwei Jahren guter Führung kommt er nun auf Bewährung frei. Die Bewährung dauert drei Jahre. In der nächsten Stadt, in die ihn der Bus bringt, wohnen seine Bewährungshelferin, der reichste Mann der Gegend und dessen erbitterter Feind Lucas Tuttle.

Die Situation wird für Archer schnell ziemlich prekär, als der Tycoon, der ihn beauftragt hatte, mit durchgeschnittener Kehle im gleichen Hotel aufgefunden wird. Der externe Ermittler Shaw hat Archer im Visier, und die Tochter von Tuttle, die Geliebte des Tycoons, macht Archer verlockende Angebote. Als weitere Männer das zeitliche segnen und sowohl die Bewährungshelferin als auch Jackie Tuttle untertauchen, steht Archer ohne Zeugen da. Von Shaw zum Ermittler ausgebildet, macht er sich auf die Suche nach Beweisen und Aussagen. Aber die Gegenseite schläft auch nicht und versucht, Archer auszuschalten…

Der Autor

David Baldacci wurde 1960 in Virginia geboren, wo er heute lebt. Er wuchs in Richmond auf; sein Vater war Mechaniker und später Vorarbeiter bei einer Spedition, seine Mutter Sekretärin bei einer Telefongesellschaft. Baldacci studierte Politikwissenschaft an der Virginia Commonwealth University (B. A.) und Jura an der University of Virginia. Während des Studiums jobbte er u.a. als Staubsaugerverkäufer, Security-Guard, Konstrukteur und Dampfkesselreiniger. Er praktizierte neun Jahre lang als Anwalt in Washington, D.C., sowohl als Strafverteidiger als auch als Wirtschaftsjurist.

Neben seiner Arbeit als Schriftsteller engagiert sich Baldacci für eine Reihe karitativer und gesellschaftlicher Institutionen, darunter der National Multiple Sclerosis Society, der Barbara Bush Foundation for Family Literacy, der Virginia Foundation for the Humanities, der America Cancer Society, der Cystic Fibrosis Foundation und der Viriginia Commonwealth University. David Baldacci ist verheiratet und hat zwei Kinder. (Verlagsinfo)

Werke

Camel Club

1: Die Wächter (2007; Originaltitel: The Camel Club, 2005) ISBN 978-3-7857-2273-2
2: Die Sammler (2008; Originaltitel: The Collectors, 2006) ISBN 978-3-7857-2354-8
3: Die Spieler (2010; Originaltitel: Stone Cold, 2007) ISBN 978-3-7857-2380-7
4: Die Jäger (2011; Originaltitel: Divine Justice, 2008) ISBN 978-3-7857-2420-0
5: Der Auftrag (2014; Originaltitel: Hell’s Corner, 2010) ISBN 978-3-7857-2484-2

Sean King und Michelle Maxwell

1: Im Bruchteil der Sekunde (2004; Originaltitel: Split Second, 2003)ISBN 978-3-404-15500-2
2: Mit jedem Schlag der Stunde (2006; Originaltitel: Hour Game, 2004)ISBN 978-3-404-15793-8
3: Im Takt des Todes (2009; Originaltitel: Simple Genius, 2007)ISBN 978-3-404-15968-0
4: Bis zum letzten Atemzug (2011; Originaltitel: First Family, 2009) ISBN 978-3-404-16553-7
5: Fünf vor Zwölf (2014; Originaltitel The Sixth Man, 2011) ISBN 978-3-404-16994-8
6: In letzter Minute (2016; Originaltitel King and Maxwell, 2013) ISBN 978-3-404-17309-9

Shaw und Katie James

1: Die Kampagne (2009; Originaltitel: The Whole Truth, 2008) ISBN 978-3-404-27074-3
2: Doppelspiel (2013; Originaltitel: Deliver Us From Evil, 2010) ISBN 978-3-404-16842-2

Will Robie

1: Der Killer (2014, Originaltitel: The Innocent, 2012), ISBN 978-3-7857-2512-2
2: Verfolgt (2015, Originaltitel: The Hit, 2013), ISBN 978-3-7857-2540-5
3: Im Auge des Todes (2016, Originaltitel: The Target, 2014), ISBN 978-3-7857-2563-4
4: Falsche Wahrheit (2017, Originaltitel: The Guilty, 2015) ISBN 978-3785725894
5: Der Feind im Dunkeln (2018, Originaltitel: End Game, 2017) ISBN 978-3785726396

John Puller

1: Zero Day (2013; Originaltitel: Zero Day, 2011) ISBN 978-3-453-26906-4
2: Am Limit (2015, Originaltitel: The Forgotten, 2012) ISBN 978-3-453-26926-2
3: Escape (2015, Originaltitel: The Escape, 2014) ISBN 978-3-453-27010-7
4: No Man’s Land (2018, Originaltitel: No Man’s Land, 2016) ISBN 978-3453271616

Amos Decker

1: Memory Man (2016; Originaltitel: Memory Man, 2015) ISBN 978-3-453-27060-2
2: Last Mile (2017; Originaltitel: The Last Mile, 2016) ISBN 978-3-453-27061-9
3: Exekution (2020; Originaltitel: The Fix, 2017) ISBN 978-3453271609
4: Downfall (2021; Originaltitel: The Fallen, 2018) ISBN 978-3453272347
5: Redemption (2019, noch nicht auf Deutsch erschienen)
6: Walk The Wire (2020, noch nicht auf Deutsch erschienen) (Crossover mit der Will-Robie-Serie)

Atlee Pine

1: Ausgezählt (2019; Originaltitel: Long Road to Mercy, 2018) ISBN 978-3-453-27228-6
2: Abgetaucht (2020; Originaltitel: A Minute To Midnight 2019)ISBN 978-3453273122
3: Eingeholt (2021; Originaltitel: Daylight 2020) (Crossover mit der John-Puller-Serie) ISBN 978-3453273450
4: Abgerechnet (2022; Originaltitel: Mercy 2021) ISBN 978-3453274006

Vega Jane
(Jugendreihe, bisher noch nicht auf Deutsch erschienen)

1: The Finisher (2014)
2: The Keeper (2015)
3: The Width of the World (2017)
4: The Stars Below (2019)

Aloysius Archer
(bisher noch nicht auf Deutsch erschienen)

1: One Good Deed (2019)
2: A Gambling Man (2021)
3: Dream Town (2022)

Sonstige Bücher

Der Präsident (1996; Originaltitel: Absolute Power, 1996)
Das Labyrinth (1999; Originaltitel: Total Control, 1997)
Die Versuchung (1998; Originaltitel: The Winner, 1998)
Die Wahrheit (1999; Originaltitel: The Simple Truth, 1998)
Die Verschwörung (2000; Originaltitel: Saving Faith, 1999)
Das Versprechen (2002; Originaltitel: Wish You Well, 2000)
Der Abgrund (2003; Originaltitel: Last Man Standing, 2001)
Das Geschenk (2003; Originaltitel: The Christmas Train, 2002)
Auf Bewährung (2012; Originaltitel: True Blue, 2009)
Das Glück eines Sommers (2012; Originaltitel: One Summer, 2011)
Todeszeiten (2013, Kurzgeschichte; Originaltitel: No Time Left, 2010)
Der Komplize (2014, Kurzgeschichte; Originaltitel: Bullseye, 2014)
Herausgeber: FaceOff. Doppeltes Spiel. (Originaltitel: FaceOff, 2014) Wilhelm Goldmann Verlag, München 2014, ISBN 978-3-442-48189-7

Freddy and the French Fries
(bisher noch nicht auf Deutsch erschienen)

Freddy and the French Fries: Fries Alive! (2005)
Freddy and the French Fries: The Mystery of Silas Finklebean (2006)
(Quelle: Wikipedia.de)

|David Baldacci auf Buchwurm.info:|

[Mit jedem Schlag der Stunde]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=2400
[Im Bruchteil der Sekunde]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=836
[Das Geschenk]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=815
[Der Abgrund]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=414
[Die Verschwörung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=396
[Das Versprechen]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=361
[Die Versuchung]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=676

Mehr Infos: www.david-baldacci.com . (Verlagsinfo)

Handlung

Aloysius Archer hat nach dem College drei Jahre in Italien und Deutschland gekämpft, bevor er unschuldig verurteilt und ins Carderock Gefängnis gesteckt wurde. Nach zwei Jahren guter Führung kommt er 1949 auf Bewährung frei. Die Bewährung dauert drei Jahre. Die Liste der Verbote, die man ihm mitgegeben hat, für diese Zeit ist sehr lang, die der erlaubten Dinge sehr kurz. Erster Halt ist Poca City, das fünf Bus-Stunden entfernt liegt. Es liegt in der staubigsten und langweiligsten Gegend, die er, ein Bewohner der Großstadt, je gesehen hat.

Wie allen Freigelassenen ist ihm ein Zimmer im Derby Hotel zugewiesen worden. Es liegt unweit des Hauptplatzes, der von einem wasserlosen Brunnen in der Mitte und dem Gerichts- und Verwaltungssitz am oberen Ende geziert wird. Dort wartet seine Bewährungshelferin Miss Ernestine Crabtree auf ihn. Er beschließt, lieber seinen ersten Tag in Freiheit zu feiern und in eine Bar – ein Ort, vor dem ihn die Verbotsliste dringend gewarnt hat, denn dort gibt es a) geistige Getränke und b) „lose Frauenzimmer“. Genau das, was er jetzt braucht, findet er.

Der Auftrag

In der Bar lernt er den reichsten Bewohner von Poca City kennen, Harry Pittleman, der offenbar für den Aufschwung in den letzten Jahren verantwortlich ist. Ihm zur Seiten sitzt eine interessante Blondine mit Namen Jackie, die sich von Pittleman begrabschen lässt. Als klar wird, dass Aloysius gerade eingetroffen ist und eine Arbeit sucht, bietet ihm Pittleman eine recht zweifelhafte Aufgabe an, die aber mit 100 Dollar extrem gut bezahlt ist. Für einen Dollar kann man hier im Süden ein opulentes Abendessen bekommen. Er soll dafür einen Cadillac besorgen, der einem gewissen Lucas Tuttle gehört. Dieser Farmer habe seine Schulden nicht zurückgezahlt und der Caddy sei eine der Sicherheiten gewesen. Aloysius ist vorsichtig genug, sich die entsprechenden Papiere zeigen zu lassen und zu fragen, wie viele es schon vor ihm versucht haben. Viele, antwortet der Stadt-Tycoon. Er gewährt Archer 40 Dollar Vorschuss.

Die Aufsicht

Nach einem erbaulichen Besuch bei seiner Bewährungshelferin und einer Begegnung mit einem ehemaligen Mithäftling besorgt sich Archer von seinem neuen Vermögen einen erstklassigen Anzug. Per Anhalter begibt er sich am Nachmittag zur Farm von Lucas Tuttle, der ihn mit einem geladenen Gewehr empfängt. Er weiß natürlich, was Archer will, und er habe auch die geschuldete Summe, doch er wolle sie Pittleman nicht geben, weil der ihm seine Tochter geraubt habe. Welche Tochter? Na, Jackie. Archer kombiniert messerscharf, dass es sich um jene Blondine aus der Bar handeln muss.

Als Archer seinen Auftraggeber in dessen Palast besucht, der eines Rockefellers würdig wäre, berichtet er von seinen Erkenntnissen. Pittleman hantiert auffällig unauffällig mit einem kleinen, speziell zugefeilten Revolver, während seine Frau Marjorie ungerührt neben ihm sitzt. Sie bleibt ungerührt, während Archer von Jackies Bedeutung in diesem Fall redet. Diese Blondine ist der Grund, warum Pittleman Tuttle noch nicht längst verklagt hat: Dann käme die kleine Affäre auf der Seite zum Vorschein und würde das Image des Magnaten beschädigen. Archer bekommt drei Tage Zeit, um das Geld zu beschaffen – oder er macht bleihaltige Bekanntschaft mit dem besagten Revolver.

Ein Abend mit Jackie

Archer hat Tuttle versprochen, sich zu bemühen, ihm seine Tochter zurückzubringen. Diese verließ das Elternhaus vor einem Jahr, nachdem ein schrecklicher Unfall ihrer Mutter das Leben gekostet hatte. Was war geschehen? Archers nächster Weg führt ihn zu Jackie Tuttle, aber die wartet bereits im Derby Hotel auf ihn. Als sie in einem guten Restaurant essen gehen, horcht ihn Jackie aus, obwohl sie doch alles über seine Aktivitäten wissen sollte, wenn Pittleman sie informiert hat. Es kommt zu einem kleinen Zwischenfall, als Archer seine Bewährungshelferin Crabtree vor den Zudringlichkeiten von Ex-Häftlingen bewahrt. Ständig begeht Archer gute Taten, wundert sich Jackie – und gibt ihm einen heißen Kuss zum Abschied. Die Rechnung übernimmt sie auch noch.

Archer hat einen Job zu erledigen, deshalb hat er ihr einen Korb gegeben: Er muss einen Cadillac aus den Klauen eines Schuldners befreien: Lucas Tuttle. Leichter gesagt als getan, wenn eine geladene Remington-Büchse in der Nähe ist. Ganz hinten auf dem Tuttles Grundstück findet Archer endlich, was Pittleman haben: den Cadillac. Allerdings befindet sich das Gefährt in einem Zustand, der wenig präsentabel ist: jemand hat ihn abgefackelt.

Als Archer nach einer Liebesnacht mit Jackie Tuttle allein in seinem Hotelzimmer aufwacht, stößt er bei seiner Suche nach ihr auf einen sehr unschönen Anblick: Mr. Pittleman wurde die Kehle durchgeschnitten. Was Archer als nächstes tut, wird ihn noch lange verfolgen…

Mein Eindruck

Ein Mann zwischen zwei Fronten, wie es zunächst scheint, ein altbekanntes Szenario, das schon Shakespeare und Goldoni im 16. Jh. humoristisch ausbeuteten. Während ihm ein Schnüffler der Staatspolizei im Nacken sitzt, muss Archer – nicht zu verwechseln mit Ross Macdonalds Privatdetektiv Lew Archer – die Fallstricke der Lügen und Irreführungen bewältigen, die vor allem von Frauen ausgelegt werden. Tatsächlich scheinen Frauen in Poca den Ton anzugeben, obwohl sie sich im Hintergrund halten.

Da ist zunächst die anfangs so strenge Bewährungshelferin Ernestine Crabb, die sich aber ein wenig auftauen lässt, als sich Archer ritterlich für sie einsetzt und auf diese Weise Pluspunkt für gutes Verhalten sammelt. Der Lohn lässt nicht lange auf sich warten: Sie lässt die Leine locker. Dass die Lady sich auch gut anzuziehen weiß, ist nur der Anfang von etwas, das eine Affäre werden könnte. Schließlich darf er sogar bei ihr übernachten, was aber zu keinen weiteren Verwicklungen führt – sehr zur Enttäuschung des männlichen Lesers.

Dass die Übernachtung zu nichts weiter führt, liegt wohl auch an Jackie Tuttle, der anderen Dame, die Archers Herz erobern will. Doch die erste Nacht in seinem Hotelbett wird gefolgt von Grauen und Schrecken, als Archer Pittlemans Leiche entdeckt. Spiegelt sich hier etwa ein unterschwelliges Schuldbewusstsein in Archer oder nutzt der Autor hier den Kontrasteffekte zwischen Romantik einerseits und Todesdrohung andererseits? Das muss jeder Leser selbst herausfinden.

Bis zur Mitte Romans muss Archer schnüffeln und intrigieren, was das Zeug hält, bis er zum Ausgangspunkt zurückkehrt: in die Bar, in der er Pittleman und Jackie kennenlernte und die Dinge ihren verhängnisvollen Lauf nahmen. Er ist aufgeschmissen, doch zum Anfang zurückzukehren ist immer eine gute Idee. Dadurch erhält man meist eine andere Perspektive. So auch jetzt. Archer fällt aus allen Wolken, als ihm der Barkeeper erzählt, Ernestine sei dabei gewesen, als Archer Jackie und Pittleman kennenlernte. Tatsächlich seien die beiden Frauen Stammgäste in der Bar. Das hübsche Pärchen hat ihm eine Komödie vorgespielt. Wohl um ein Komplott zu schmieden, fragt sich der düpierte Archer. Doch zu welchem Zweck?

Auch Pittlemans Palast ist nicht unbedingt das, wo nach es aussieht: Hinter der Fassade lauert schon der Gerichtsvollzieher, denn der Tycoon häufte dank seines Buchhalters und seiner Spielsucht nicht nur bei seiner eigenen Bank Schulden an, sondern auch bei der Mafia in Las Vegas. Haben deren Killer also Pittleman auf dem Gewissen, fragt sich Shaw, der Staatspolizist. Er entdeckt unbezahlte Rechnungen in den Mülleimern hinterm dem Derby Hotel, in dem sich Pittlemans Büro befinden – denn auch dieses Haus gehörte dem Tycoon.

Doch warum weigert sich Lucas Tuttle, der Gegenspieler Pittlemans, seine Schulden zu begleichen. Er ist an Ölgeld herangekommen, und diese sprudelnde Quelle dürfte nicht so bald versiegen. Es geht ihm um Jackie, die er wiederhaben will. Und weil sie sich weigert, zu ihm zurückzukehren – wegen des Todes ihrer Mutter ein Jahr zuvor – findet Tuttle nun Mittel und Wege, Pittleman nicht nur eins auszuwischen, sondern ihn auch zugrunde zu richten. Die Frage ist also, welche Verbündeten Tuttle gefunden hat. Der Leser braucht nicht lange zu suchen. Aber das darf hier nicht verraten werden.

Unterm Strich

Ich habe die 560 Seiten in nur wenigen Tagen verschlungen. Der Roman ist nur humorvoll-ironisch, sondern auch durchgehend spannend und wartet mit unzähligen Wendungen auf, die den Spannungsbogen bis zum Finale aufrechterhalten. Ein Mitstreiter nach dem anderen fällt aus, so dass Archer an seinen Aufgaben wachsen muss.

Das ist interessant mitzuverfolgen. Der Kriegsveteran hat vom echten Leben bislang wenig mitbekommen, aber seine im Krieg erworbenen Fähigkeiten als Kundschafter sind ständig gefragt. Den Rest lernt er von Shaw, dem Ermittler, so etwa das Prinzip der „corroboration“, der Bestätigung von unabhängiger Seite. Archer wird sie bitter benötigen, denn, wie gesagt, versuchen ihn zahlreiche Damen hinters Licht zu führen und für ihre undurchsichtigen Zwecke einzuspannen. Auf diesem Pfad ist Archer schon einmal so hereingefallen, dass er im Knast landete.

Gerichtsdrama

Doch er muss sich auch den Buchstaben des Gesetzes aneignen, und dabei hilft ihm die Fachbibliothek Ernestine Crabbs, die ursprünglich Anwältin werden wollte. Diese Kenntnisse kommen ihm sehr zugute, als die Handlung auf die Zielgeraden einbiegt und sich in einem erstaunlichen Gerichtsdrama manifestiert.

Archer verteidigt sich selbst, tritt gegen einen renommierten Staatsanwalt an, mausert sich vor den geschworenen zu einem Anwaltsermittler – und gewinnt. Dabei spielt eine hypermoderne Erfindung namens Diktaphon eine entscheidende Rolle. Es ist ein Vergnügen mitzuverfolgen, wie Archer, unser sympathischer Held und potentieller Mega-Loser , das Blatt noch wendet und den wahren Täter im Gerichtsaal entlarvt. Sehr zum Erstaunen aller Anwesenden, versteht sich.

Auch alle anderen offenen Fragen finden eine Lösung, und sein nächster Weg führt ihn zu zwei Damen, die völlig vom Erdboden verschwunden sind: Jackie und Ernestine. Ob deren Zuneigung so platonisch ist, wage ich zu bezweifeln. Aber Archer hat noch eine Rechnung mit ihnen offen.

Die Sprache von 1949

Dies ist meines Wissens der erste Krimi des Autors, der nicht in der jeweiligen Gegenwart des Lesers spielt, sondern in einer vergangenen Ära. Es ist das Nachkriegs-Amerika anno 1949. Die gesellschaftlichen und technischen Details (die ich nicht überprüft habe) wie etwa das Diktafon wirken alle stimmig, bis hin zu jeweiligen Automarke und deren Modellen, die heute längst vergessen sind (vielleicht mit Ausnahme des Cadillac).

Die echte Herausforderung liegt indes in der Sprache dieser Ära. Die weniger gebildeten Männer, zu denen auch Archer zählt (er war nur zwei Jahre auf dem College), sprechen meist ein von Jargon und Slang geprägtes US-Englisch, das selbst einem langjährigen Kenner wie mit stellenweise Kopfzerbrechen bereiten kann. Ziemlich schnell wird klar, dass der jeweilige Slang die jeweiligen Sprecher als Angehörige einer Klasse kennzeichnen soll.

Die Klassenvertreter fangen ganz unten bei den Knackis wie Dickie Dill an, gehen weiter zu den verschiedenen Portiers im Derby Hotel, zu den Dorfpolizisten und von dort zu den zwielichtigen Tycoons der Stadt. Sie verwenden Wörter wie „moolah“ für Penunze, Zaster, Schotter usw. Und ihre Bezeichnungen für Frauen, die sie attraktiv finden, sind auch nicht gerade feinstes Englisch. Bei uns würde man wohl „Sahneschnitte“ und dergleichen sagen. Ein „shamus“ ist ein Schnüffler, also Privatdetektiv. Man sieht: Es lohnt sich, auf ein breites Vokabular zurückgreifen zu können – oder man eignet es sich hier an.

Archers Fähigkeiten als Kundschafter schließen auch die sprachliche Tarnung mit ein, denn sonst hätte er den Italienfeldzug ebenso wenig überlebt wie seine private Undercover-Ermittlung in Poca City. Er redet seinen Mentor Shaw selbstverständlich mit „Sir“ an, der das mit dem herablassenden, aber zugeneigten „son“ erwidert, also „Jungchen“. In diesem Dialog spielt nicht Klasse eine Rolle, sondern Status.

Archer hat anfangs den niedrigsten Status – er ist auf Bewährung. Sein Aufstieg ist fast abgeschlossen, als er vor Gericht nicht nur den Staatsanwalt an die Wand spielt, sondern erstaunliche Ermittlungsergebnisse vorlegt, die nicht nur die Schöffen der Jury einfach umhauen, sondern auch den Richter, der seinen Hammer, mit dem er den Gerichtssaal zur Ordnung ruft, zertrümmert… Der Humor des Autors wird in solchen Details sichtbar: fein, aber für Leser mit feinen Antennen unübersehbar.

Taschenbuch: 560 Seiten
Originaltitel: One Good Deed, 2019
ISBN-13: 9781529027501

www.panmacmillan.com

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