Stephen Deas – Der König der Felsen (Drachenthron 2)

Der Drachenthron:

Band 1:Der Adamantpalast“
Band 2: „Der König der Felsen“
Band 3: „Das goldene Feuer“ (Februar 2013)

Jehal scheint sein Etappenziel erreicht zu haben: seine Geliebte Zafir ist zur neuen Sprecherin ernannt worden. Und doch entwickelt sich sein Plan nicht wie vorgesehen! Zafir ist entschlossen, Shezira hinrichten zu lassen, was einen Krieg zur Folge hätte, den Jehal unbedingt vermeiden will. Außerdem scheint er zu seiner eigenen Überraschung allmählich Gefühle für seine junge Frau zu entwickeln …

Der Outsider Kemir ist zusammen mit der geflohenen Weißen im Weltenkamm-Gebirge gelandet, wo ein eisiger Gebirgssee die Drachin vor dem Tod durch Drachengift bewahrt. Da Kemir sich als nützlich erwiesen hat, hat sie beschlossen, ihn vorerst nicht zu fressen… vorausgesetzt, er hilft ihr weiterhin. Was bleibt Kemir anderes übrig?

Zum Glück geht Stephen Deas ziemlich gnadenlos mit seinen Charakteren um, sonst würde der Leser wohl irgendwann den Überblick verlieren.

Jehal und Zafir sind natürlich unentbehrlich, charakterliche Entwicklung ist allerdings so gut wie keine vorhanden, sieht man einmal von Jehals romantischen Anwandlungen gegenüber Lystra ab.

Durch Sheziras Gefangennahme rückt vor allem Jaslyn mehr in den Vordergrund, allerdings auf eine unerwartete Weise. Jaslyn interessiert sich nicht für Politik. Wenn sie die Wahl hätte, würde sie sich weigern, das Reich ihrer Mutter zu regieren, und sich allein um die Suche nach ihrem Drachen kümmern. Denn seit sie gehört hat, dass Drachen wiedergeboren werden, hat sie nur ein Ziel: ihren Vidar wiederzufinden!

Vale Tassan, der Oberbefehlshaber der adamantinischen Garde, ist ebenfalls überhaupt nicht scharf darauf, in Politik verstrickt zu werden. Obwohl er mit der neuen Sprecherin alles andere als glücklich ist, weigert er sich, in irgendeiner Form Stellung zu beziehen, zieht sich statt dessen stur auf seine Position des Befehlsempfängers zurück. Nur zu bald muss er jedoch feststellen, dass diese Haltung keine Antwort auf die sich anbahnenden Situationen bietet! Zwangsläufig gerät er in Konflikt mit seinem Eid …

Am interessantesten fand ich Kemirs Entwicklung. Denn Kemir ist konfrontiert mit einem Geschöpf, dessen Tun er verabscheut. Es zerstört, tötet und frisst mit einer Ungerührtheit, die ihm unfassbar erscheint. Und doch ist es nicht boshaft, es tut all das nicht, weil es ihm Spaß macht, andere Lebewesen zu quälen. Kemir ist von dem Drachen, auf dem er reitet, gleichermaßen abgestoßen und fasziniert! Vor allem führt ihm die Drachin gegen seinen Willen das wilde Tier in der Spezies Mensch vor Augen. Und obwohl Kemir ständig davon redet, er wolle in Ruhe gelassen werden, ist er von der Vorstellung, sich von ihr zu trennen, letztlich gar nicht so erbaut.

Insgesamt fand ich die Charakterzeichnung recht gelungen. Nicht alle Figuren sind so aufwändig gezeichnet, wie die oben genannten, aber auch Nebenfiguren wie Jeiros, Meteroa oder Hyrkallan sind klar umrissen und jederzeit in ihrem Handeln nachvollziehbar.

Die Handlung ist nach wie vor ziemlich komplex, die zeitlichen Überschneidungen halten sich jedoch in Grenzen.

Am verwickeltsten ist der Strang um Jehal. Mal schlägt er sich mit Zafir, ihrer fanatischen Eifersucht und ihrem Tyranninnengehabe herum, mal liefert er sich verbale Duelle mit Vale Tassan, und gelegentlich ist er in Furia und wechselt ein paar Worte mit seinem Onkel Meteroa. Außerdem hat er seit neuestem Kontakt zu einem Blutmagier namens Kithyr. Kithyr wiederum hat Kontakt zu Semian, einem ehemaligen Reiter, der inzwischen eine Gruppe Rebellen anführt, um die ganze Welt in Brand zu setzen. Etwas unabhängiger ist der Strang um Jaslyn, die mit der Politik im Grunde nur durch ihren Kontakt zu ihrer Schwester Lystra verbunden ist, und durch die Tatsache, dass sie Sheziras Nachfolgerin ist. Allein Kemirs Strang ist nahezu völlig unabhängig, da die Suche nach der Weißen in den politischen Rangeleien nur eine geringe Rolle spielt.

Und doch sind sie letztlich alle miteinander verknüpft. Denn die Attacken der Rebellen richten sich zunächst hauptsächlich auf kleine Drachennester und die Transporte der alchemistischen Tränke, mit denen die Drachen unter Kontrolle gehalten werden. Da am Ende des letzten Bandes das Hauptquartier des Ordens zerstört wurde, gerät der Nachschub in Gefahr.
Gleichzeitig hat die Weiße beschlossen, alle Drachen aus der Knechtschaft durch die Menschen zu befreien!
Und Jaslyn liebt ihren Drachen so sehr, dass sie hofft, sie könnte genug gegenseitige Akzeptanz aufbauen, um auf die Drogen zu verzichten – wenn sie ihn nur wiederfände!

Mit anderen Worten: jetzt, im zweiten Band, dreht sich tatsächlich ein großer Teil der Handlung um die Drachen. Und nachdem der erste Wutanfall der Weißen verraucht ist, wird sie auch zu einer richtigen Persönlichkeit. Zu einer sehr fremdartigen Persönlichkeit, deren Denken sich gravierend von dem der Menschen unterscheidet … und doch auch wieder nicht. Die Auseinandersetzungen zwischen Kemir und der Weißen zeichnen nach und nach ein ziemlich faszinierendes Bild von den Drachen, auf die jetzt allmählich die Verlagsbeschreibung als die „geheimnisvollsten, mächtigsten und gefährlichsten Geschöpfe der Fantasy“ zuzutreffen beginnt.

Wobei das vielleicht doch noch immer ein wenig übertrieben ist. Denn offenbar ist da noch mehr, eine andere, ältere, größere Macht als die der Drachen. Eine, die offenbar in der Lage ist, sogar Drachen zu ängstigen.

Während sämtliche Beteiligten mit ihren eigenen Angelegenheiten beschäftigt sind, wird immer deutlicher, dass sich am Rande der Welt etwas zusammenbraut, von dem noch immer niemand etwas mitbekommt – vielleicht mit Ausnahme von Kemir und der Weißen. Spannung entsteht dadurch allerdings keine. Zu vage ist noch immer alles, was damit zusammenhängt, selbst räumlich ist diese Androhung von Gefahr noch zu weit entfernt.

Auch im Zusammenhang mit den beiden Hauptanteilen der Geschichte – Jehals Intrige und Kemirs Reise an den Rand der Welt – kann man nicht von Spannung reden. Noch immer fehlt es an einer Identifikationsfigur, mit der der Leser wirklich mitfiebern könnte. Jaslyns Handlungsstrang steht einfach zu sehr außerhalb der Haupthandlung, um diese Rolle zu übernehmen.

Unterm Strich bleiben auch diesem Band vorwiegend die Attribute „interessant“ und „vielschichtig“. Die Ereignisse um Kemir und den Drachen war eine echte Bereicherung für die Geschichte, obwohl die Politik noch immer stärker gewichtet ist. Immerhin sorgt die Tatsache, dass Zafir sich nicht so leicht lenken lässt, wie Jehal es erwartet hat, für eine Weiterentwicklung der Intrige. Und dann sind da noch die seltsamen Aktivitäten des Blutmagiers Kithyr, die das Interesse wachhalten. Denn im Gegensatz zu den bisherigen Hauptintriganten Jehal und Zafir hat der Autor über Kithyrs eigentliche Ziele bisher kein einziges Wort verloren, sodass der Leser mit einem Stirnrunzeln und einigen gravierenden Fragen zurückbleibt.

Insgesamt fand ich den zweiten Band etwas besser als den Ersten. Die größere Rolle der Drachen sorgte für eine bessere Balance und Kithyr für einige zusätzliche Geheimnisse, über die der Leser sich den Kopf zerbrechen kann. Ich hoffe, der Autor schafft im nächsten Band eine weitere Steigerung hin zu ein wenig Spannung.

Stephen Deas ist Engländer und arbeitete nach einem abgeschlossenen Physikstudium in der Raumfahrttechnik, ehe er mit dem Auftakt zum |Drachenthron| seinen ersten Roman veröffentlichte. Seither ist er fleißig mit Schreiben beschäftigt. Der dritte Band des Zyklus erscheint im Februar nächsten Jahres unter dem Titel „Das goldene Feuer“. Außerdem ist der Zyklus |Memory of Flames| inzwischen bis Band drei gediehen, auf Deutsch bisher aber nicht erhältlich.

Taschenbuch 572 Seiten
Originaltitel „The King of the Crags“
Deutsch von Beate Brammertz
ISBN-13: 978-3-453-52531-3

www.stephendeas.com
www.randomhouse.de/heyne

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