Der Historiker

_Verlagsinformationen zu Buch und Autorin:_

|Hier wird das Genre Dracula-Roman völlig neu erfunden: Elisabeth Kostova hat in ihrem Debüt historische Fakten und Fiktion zu einem hervorragend geschriebenen „Page Turner“ verwoben: Ein junges Mädchens findet in der Bibliothek seines Vaters ein merkwürdiges Buch. Es ist sehr alt. Die Seiten sind unbeschrieben; nur in der Mitte des Buches prangt der unheimliche Holzschnitt eines Drachen und das Wort „Drakulya“. In dem Buch liegen Briefe datiert 1930, adressiert an: „Meinen lieben und bedauernswerten Nachfolger …“ So beginnt eine unheimliche Reise quer durch Europa auf den Spuren von Vlad Tepes, genannt Dracula.

Die Weltrechte für dieses Buch wurden für zwei Millionen USD an einen |Time Warner|-Buchverlag verkauft. „The Historian“ eroberte im Sturm die |New York Times|-Bestsellerliste. |Sony Pictures| hat die Filmrechte zu diesem phantastischen Debüt erworben.

Elizabeth Kostova hat einen BA-Abschluss an der Universität von Yale und einen Masters-Abschluss in Creative Writing an der Universität von Michigan gemacht. Hier wurde sie für das erste Kapitel des Historikers mit dem |Hopwood Award| ausgezeichnet. Sie recherchierte und schrieb zehn Jahre an diesem Roman.|

_Leseprobe aus »Der Historiker« von Elizabeth Kostova_
|Kapitel 6|

Weißt du, sagte mein Vater, an jenem Abend, als er mir die Papiere gab, sah Rossi mir zum Abschied lächelnd von seiner Bürotür aus nach, und ich hatte plötzlich das Gefühl, dass ich ihn von etwas abhalten oder wenigstens noch einmal zurückgehen müsste, um länger mit ihm zu sprechen. Aber ich schob diesen Impuls unserer merkwürdigen Unterhaltung zu, der merkwürdigsten meines Lebens, und folgte ihm nicht. Zwei andere Doktoranden aus unserer Abteilung kamen den Gang entlang, tief im Gespräch, grüßten Rossi, bevor er seine Tür schloss, und gingen dann eilig die Treppe hinter mir hinunter. Ihr angeregtes Gespräch holte mich zurück in die normale Welt um mich herum, dennoch fühlte ich mich nach wie vor eigentümlich unbehaglich. Das drachengeschmückte Buch brannte förmlich in meiner Tasche, und nun hatte mir Rossi auch noch diesen verschlossenen Umschlag mit seinen Papieren gegeben. Ich überlegte, ob ich sie später am Schreibtisch in meiner winzigen Wohnung noch durchsehen sollte. Aber ich war zu erschöpft – was immer der Umschlag enthielt, ich würde mich nicht mehr damit auseinander setzen können.

Zudem nahm ich an, dass der Morgen, das Licht des Tages, Vertrauen und Vernunft zurückbringen würden. Vielleicht würde ich Rossis Geschichte nach einer Nacht Schlaf gar nicht mehr glauben – obwohl ich gleichzeitig sicher war, dass sie mich verfolgen würde, ob ich sie nun glaubte oder nicht. Und wie, fragte ich mich, als ich draußen unter Rossis Fenstern vorbeikam und ungewollt nach oben sah, wo das Licht noch brannte, wie könnte ich meinem Mentor nicht glauben, wenn es um etwas ging, das mit seinem Fach zu tun hatte? Würde das nicht alles in Frage stellen, was wir zusammen gemacht hatten, seine Betreuung meines akademischen Werdegangs? Ich dachte an die ersten Kapitel meiner Dissertation, die als sauber mit Maschine geschriebenes Manuskript auf meinem Schreibpult lagen, und schauderte. Wie könnten wir weiter zusammenarbeiten, wenn ich Rossi nicht glaubte? Würde ich annehmen müssen, dass er verrückt war?

Vielleicht wurde ich mir des brennenden Lichts in Rossis Büro so bewusst, weil ich immer noch über ihn nachgrübelte, als ich unter seinen Fenstern vorbeikam. Wie auch immer, gerade als ich in das helle Rechteck vor mir auf der Straße treten wollte, das aus seinem Arbeitszimmer fiel, verlosch das Licht buchstäblich unter meinen Füßen. Es passierte in Sekundenschnelle, und ein Schauer des Schreckens durchfuhr mich, vom Kopf bis zu den Füßen. Gerade noch war ich tief in Gedanken gewesen und dabei, meinen Fuß auf das beleuchtete Pflaster zu setzen, und im nächsten Moment stand ich wie erstarrt da. Dabei realisierte ich zwei seltsame Dinge fast gleichzeitig. Das Erste war, dass ich dieses Licht nie zuvor hier auf dem Pflaster zwischen den alten gotischen Lehrgebäuden gesehen hatte, obwohl ich die Wege wohl schon tausendmal gegangen war. Ich hatte es nie zuvor gesehen, weil es nicht sichtbar gewesen war. Diesmal war es sichtbar gewesen, weil die Straßenbeleuchtung schon vorher ausgegangen war. Ich stand mutterseelenallein auf der Straße, und mein verklingender letzter Schritt war das einzige Geräusch, das zu hören war. Abgesehen von diesem verlöschten Licht aus dem Arbeitszimmer, in dem wir uns noch vor zehn Minuten unterhalten hatten, war es draußen stockdunkel.

Das Zweite war – wenn es denn wirklich ein Nacheinander gab – eine Art Lähmung, die auf mich herabstieß. Ich sage »herabstieß«, weil es von außen über mich kam, nicht durch Nachdenken oder Instinkt. In dem Moment, als ich in seinen Schein trat, verlöschte das warme Licht aus den Fenstern meines Mentors. Vielleicht denkst du, das klingt doch ganz normal: Die Bürostunden sind zu Ende, und der letzte Professor, der das Haus verlässt, löscht sein Licht, worauf es auch auf der Straße dunkel wird, weil die Straßenbeleuchtung gerade ausgefallen ist. Aber so fühlte es sich absolut nicht an. Es war ganz und gar nicht so, als wäre ein normales Licht hinter einem Fenster ausgeschaltet worden. Es war mehr so, als raste etwas über die Fenster und verdunkelte jedwede Lichtquelle. Dann war es stockfinster auf der Straße.

Einen Moment lang atmete ich nicht. Verschreckt und linkisch drehte ich mich um, sah die schwarzen Fensterlöcher, die über der dunklen Straße alles andere als unsichtbar waren, und rannte einem Impuls folgend zurück. Die Tür, durch die ich das Gebäude verlassen hatte, war fest verschlossen. Alle Fenster waren dunkel. Um diese Stunde ließ sich die Tür wahrscheinlich grundsätzlich nicht mehr von außen öffnen – das war sicher normal. Ich stand da, zögerte und war schon drauf und dran, zu den anderen Türen zu rennen, als die Straßenbeleuchtung wieder anging. Ich fühlte mich beschämt. Von den beiden Doktoranden, die hinter mir gewesen waren, war nichts zu sehen. Sie mussten in eine andere Richtung gegangen sein.

Aber jetzt kam eine Gruppe Studenten vorbei, lachend; die Straße war nicht länger verlassen. Was, wenn Rossi gleich aus der Tür käme – was er sicher tun würde, nachdem er sein Licht gelöscht und sein Zimmer abgeschlossen hatte – und mich hier wartend vorfände? Er hatte gesagt, er wolle nicht weiterdiskutieren, worüber wir gesprochen hatten. Wie würde ich ihm meine irrationalen Ängste erklären können, hier vor der Tür, wo er doch einen Vorhang vor das Thema gezogen hatte – vor alle derart morbiden Themen vielleicht? Schnell drehte ich mich um, bevor er mich einholen konnte, und eilte beschämt nach Hause. Den Umschlag holte ich an diesem Abend nicht mehr aus meiner Tasche. Ich ließ ihn ungeöffnet und schlief tief und fest die Nacht durch. An den nächsten beiden Tagen gab es viel zu tun, und ich erlaubte mir nicht, Rossis Papiere anzusehen. Stattdessen verdrängte ich alles Esoterische strikt aus meinen Gedanken. Deshalb war ich überrascht, als mich ein Kommilitone aus meinem Fachbereich zwei Tage darauf spätnachmittags in der Bibliothek ansprach. »Hast du von Rossi gehört?«, fragte er und griff nach meinem Arm, als ich an ihm vorbeieilte. »Paolo, so warte doch!« – Ja, du rätst richtig, es war Massimo. Er war auch schon als Promovend groß und laut, vielleicht sogar lauter noch als heute. Ich fasste nach seinem Arm.

»Rossi? Was? Was ist mit ihm?«

»Er ist weg. Verschwunden. Die Polizei durchsucht gerade sein Büro.«

Ich rannte den ganzen Weg. Das Gebäude sah wie immer aus, innen im Licht der Spätnachmittagssonne ein wenig dunstig und voller Studenten, die gerade ihre Seminarräume verließen. Im ersten Stock vor Rossis Büro stand ein Polizeibeamter und sprach mit dem Dekan und verschiedenen Männern, die ich nie zuvor gesehen hatte. Als ich dazukam, verließen zwei Männer in dunklen Jacketts das Arbeitszimmer des Professors, zogen die Tür fest hinter sich zu und gingen in Richtung Treppe und Seminarräume. Ich drängte mich zu dem Polizisten vor.

»Wo ist Professor Rossi? Was ist mit ihm passiert?«

»Kennen Sie ihn?«, fragte der Polizist und sah von seinem Notizbuch auf.

»Ich bin Doktorand bei ihm. Ich war vorgestern Abend noch bei ihm. Wer sagt, dass er verschwunden
ist?«

Der Dekan trat zu uns und schüttelte mir die Hand. »Wissen Sie etwas Genaueres? Seine Haushälterin rief gegen Mittag an und sagte, dass er in der letzten und vorletzten Nacht nicht nach Hause gekommen sei – er sei weder zum Abendessen noch zum Frühstück erschienen. Sie sagt, das sei noch nie vorgekommen. Heute Nachmittag fehlte er in der Fakultätsversammlung, ohne vorher angerufen zu haben. Auch das hat er noch nie getan. Ein Student sagte, sein Büro sei verschlossen gewesen, obwohl er einen Termin bei ihm gehabt habe, und seine Vorlesung hat er auch nicht gehalten. Also habe ich die Tür öffnen lassen.«

»War er drinnen?« Ich versuchte, nicht nach Luft zu schnappen.

Übersetzung: Werner Löcher-Lawrence
© |Bloomsbury Berlin|
Foto von Elizabeth Kostova: © Marion Ettlinger

„Der Historiker“ von Elizabeth Kostova erschien bei |Bloomsbury Berlin| im August 2005 unter der ISBN [3-8270-0590-6.]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3827005906/powermetalde-21

Deutsche Homepage zum Buch: http://www.derhistoriker.com/

_Pressestimmen zu Elizabeth Kostovas „Der Historiker“_:

„|Der Historiker| ist ein mit allen Wassern gewaschener Schmöker … Elizabeth Kostova erfindet den Dracula-Mythos neu.“
Focus

„Die Autorin hat Chuzpe genug, eine vermeintlich völlig verbrauchte, von Bram Stoker verkitschte und vom Kino durchgenudelte Figur wiederzubeleben.“
Die Welt

„Auf den Spuren des echten Dracula … Der Roman ist ein Feuerwerk an Ideen. Er läßt die wahre Geschichte des Dracula lebendig werden. Atmosphärisch dicht, Spannung hoch drei, geschichtlich interessant, Charaktere, die einen elegant durch den Roman begleiten. Eines der ganz großen Buchereignisse des Herbstes!“
Bild am Sonntag

„In Elizabeth Kostovas Debütroman |Der Historiker| erlebt Dracula sein Comeback.“
Die Literarische Welt

„Kostova langweilt keinen Moment, webt den Mythos in die Gegenwart weiter und schreibt den besten Historien-Thriller seit Ecos „Name der Rose“. Liebe, Mord und Weltgeschichte – umwerfend.“
Für Sie

„Der Roman von Elizabeth Kostova geht nicht nur der Blutspur Draculas bis in die Gegenwart nach, er gibt zugleich einen vielschichtigen Einblick in 500 Jahre südosteuropäischer Geschichte.“
Berliner Morgenpost

„Stuffed with rich, incense-laden cultural history and travelogue … a smart, bibliophilic mystery.“
TIME Magazine

„Elizabeth Kostova kicks off a season of must-reads with her chilling dracula thriller
The Historian.“
Entertaiment Weekly