Die drei ???: Das Rätsel der Sieben – 7 Kurzgeschichten (Anthologie)

Nach dem erfolgreichen Launch der ersten Anthologie „Die drei ??? und die Geisterlampe“ mit 12 Kurzgeschichten, schiebt KOSMOS nun einen weiteren Band mit deren sieben nach – passenderweise hat man das gute Stück auch gleich mit „Das Rätsel der Sieben“ betitelt.

Die Storys

Der siebte Gast – André Minninger

Emily White, eine nette ältere Dame, engagiert die drei Fragezeichen, da sie sich hintergangen fühlt. Normalerweise gibt es regelmäßig jedes Jahr ein Märchentreffen, bei denen 7 Freundinnen kostümiert feiern, doch für dieses Jahr hat man das Fest abgesagt – aus fadenscheinigen und gelogenen Gründen, wie sie zufällig herausgefunden hat. Die Fete soll ganz offenbar ohne ihre Anwesenheit stattfinden. Doch warum? Mrs White lädt sich und die drei Jungs quasi selbst ein.

Bis um sieben zurück – Kari Erlhoff

Bob ist ernstlich krank und doch muss der dritte Detektiv in seinem arg angeschlagenen, fiebrigen Zustand ein schwieriges Rätsel lösen – Justus und Peter wurden entführt! Bis sieben Uhr hat er Zeit. Doch wie das bei Bob oft so ist, muss er so manchen Schlag auf den Schädel einstecken, welcher ihn jedes Mal in unterschiedliche Realitäten befördert. Was davon ist echt und was Fantasie?


Bobs schwerste Stunde – Hendrik Buchna

Einbruch in die Zentrale! Gerade von einem Fall aus Oregon zurückgekehrt finden sich die drei ??? ihres kompletten Archivs beraubt. Das stürzt Bob fast in eine Sinn- und Identitätskrise, denn das Archiv ist schließlich nicht nur das Gedächtnis der Detektei, sondern sein Baby. Der oder die Übeltäter haben aber eine Rätselspur hinterlassen. Damit die Jungs ihre Akten wohlbehalten wieder erlangen können, müssen sie beweisen, wie gut sie sich in und mit ihren Fällen auskennen.

Die rote Sieben – Marco Sonnleitner

Die drei Fragezeichen jobben im Casino an Bord des Dampfers ‚Pacific Star‘. Als sie sich nach Schichtende todmüde auf den Weg in die Koje machen, torkelt Mr. Hopkins zu ihnen in den Aufzug – Er ist in seiner Kabine von einem Einbrecher, den er dort überraschte, angegriffen worden. Mr. Hopkins hatte zuvor beim Roulette gewonnen, weswegen das Motiv gleich klar scheint. Aber ist dem wirklich so? Die drei ??? ermitteln fieberhaft, obwohl Schiffsdetektiv Miller und der Casino-Chef Quaid nicht viel davon halten, dass sich Grünschnäbel einmischen.

Schutzgeld – Ben Nevis

Eine recht auffällig unauffällige Verfolgung in Rocky Beach erregt die Aufmerksamkeit und Heiterkeit der Jungs. Eine seltsam gekleidete Dame verdingt sich offenbar als Nachwuchs-Spitzel und stellt sich dabei so ungeschickt an, dass sie glatt ihre Handtasche verliert. Die drei ??? wollen ihr mal zeigen, was ’ne Harke ist – Allerdings stellt sich heraus, dass es sich um niemand anderen als Tante Mathilda handelt! Sie verfolgt Onkel Titus, da sie Indizien gefunden hat, die darauf hinweisen, dass von ihm Schutzgeld erpresst wird.

Die siebte Frau des Leuchters – Christoph Dittert

Nayeli, der neue Klient der drei ??? ist schon sehr seltsam. Der etwa 12-jährige Junge mit hispanischem Background bezeichnet sich selbst als Dieb und wird wegen eines entwendeten (Kerzen-)Leuchters von jemandem verfolgt. Allerdings behauptet er steif und fest, der Leuchter gehöre seit Generationen seiner Familie und er hätte ihn quasi wiederbeschafft. Justus, Peter und Bob müssen ganz kräftig kombinieren um sozusagen Licht in eine (sehr) alte Geschichte zu bringen.

Die verschwundene Torte – André Marx

Justus Geburtstagstorte ist verschwunden – ein unglaublicher Skandal! Noch dicker kommt es, als die Indizien nur den Schluss zulassen, dass der beleibte, erste Detektiv gar selbst der Übeltäter sein muss. Auch wenn er sich vorgeblich an nichts erinnern kann. Justus ein Schlafwandler mit Kuchenappetit? Das Gedicht gibt Aufschluss und hält eine Überraschung parat.

Eindrücke

Eine Anthologie bei den drei ??? hatte schon Premiere, sodass eine weitere davon nun nicht unbedingt keinen Preis für originelle Ideen einheimsen kann. Aber die Leserschaft scheint durchaus auf den Geschmack gekommen zu sein, denn sonst hätte man nach den 12 Kurzgeschichten aus dem Band „Geisterlampe“ seitens des Verlags sicher nicht noch mal ein Schüppchen nachgelegt. Dabei zeigen sich die hier versammelten Geschichten, gefühlt doch einen Tacken weniger, experimentell wie schon beim vorgenannten. Will heißen: Das Publikum bekommt solide detektivische Kost mit Settings und Stilmitteln, die in der regulären Serie so nicht anzutreffen sein werden. Paradebeispiele hierfür sind „Bis um sieben zurück“, „Die siebte Frau des Leuchters“ (wobei hier aus Gründen des Spannungserhalts und Vorwegnahme der jeweiligen Pointe nicht näher auf das Warum eingegangen werden soll) sowie „Die verschwundene Torte“. Diese hat als Gedicht ohnehin einen ganz speziellen Status und eine Sonderstellung.

Wie der Titel schon ganz recht vermuten lässt, steht diese Sammlung aus Shortstorys ganz im Zeichen der Sieben, die dementsprechend auch nicht nur häufig bei den Namen der jeweiligen Einzeltitel zum Ausdruck gebracht wird (Ausnahmen „Schutzgeld“ und „Die verschwundene Torte“), sondern selbstverständlich auch in den Geschichten selbst immer wieder als Schlüsselzahl auftaucht – mal mehr mal weniger versteckt. Natürlich handelt es sich selbstredend um sieben Storys von sieben (verschiedenen) Autoren. Schön gemacht ist übrigens auch das Titelbild, wo sich die wichtigsten Kernelemente daraus auch optisch wiederfinden. Ebenso schön ist, dass sich neben den aktuell für die beliebte Jugendserie tätigen Autoren auch endlich mal wieder von solchen zu hören bzw. zu lesen ist, die derzeit eher andere/eigene Projekte betreuen. André Marx („Das wilde Pack“) und André Minninger (seines Zeichens seit Mitte der Neunziger für die Umsetzung der Hörspiel-Skripte bei EUROPA zuständig) etwa.

Fazit

Eine abwechslungsreiche, kurzweilige Sammlung von Geschichten unter dem Dach der Sieben, die zum großen Teil eher in Richtung klassischer (Drei-???-)Kriminalfälle gehen, in mindestens zwei Fällen – vom abschließenden Gedicht mal ganz abgesehen – jedoch auch sehr experimentell ausfallen, sodass diese schon vom Setup her ganz sonst bestimmt kein Material zum Einbau in die Serie wären. Macht aber nichts, denn für solcherlei Storys ist so eine Anthologie sicherlich die ideale Spielwiese, wo sich die Autoren auch mal mit etwas abseitigerem Stoff austoben können, der nicht so in das reguläre Schema passt. Der sieben Kilo schwere Rezensentendaumen signalisiert hierfür zwar keine sieben, aber immerhin doch lockere viereinhalb Sterne.

Hardcover: 128 Seiten
Erzählt von Kari Erlhoff, Marco Sonnleitner, André Minninger, André Marx; Christoph Dittert, Ben Nevis und Hendrik Buchna
Bbasierend auf den Figuren von Robert Arthur
Redaktion: Anja Herre
2012 – Franckh-Kosmos, Stuttgart
ISBN 9783440126967

www.kosmos.de

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