Die drei ??? – Straße des Grauens (Folge 170)

Road to Nowhere

Ein Anruf in der Zentrale der drei Fragezeichen, lässt nichts Gutes ahnen – wie so oft. Ein „Mitch Palmer“ hat angeblich Ex-Kommissar Reynolds entführt, dem es übel ergehen soll, wenn die Jungs nicht nach dessen Pfeife tanzen. Palmers vier Regeln sehen u. a. vor, dass keine Polizei eingeschaltet wird, wenn sich die Jungdetektive auf die Pirsch begeben: Nach ihm. So verrückt wie das klingt, scheint der Ganove es tatsächlich darauf abgesehen zu haben, dass er erwischt wird. Ein Wettstreit also. Als ein mysteriöses Paket eintrifft, wird der Ernst der Lage erst richtig klar, denn sie enthält perfekt gefälschte Ausweispapiere für Justus, Peter und Bob und noch dazu geladene Pistolen! Eine beigelegte DVD auf der ein aktuelles Video mit Reynolds in Gefangenschaft sowie einem Zettel auf dem ein Treffpunkt nebst Uhrzeit enthalten ist, sind der erste konkrete Hinweis, der auf die Spur Palmers führt. Das soll aber nur der Auftakt zu einer perfiden Schnitzeljagd bis in den Staat Nevada hinein sein, welche die drei Detektive mehr als einmal an den Rand der Legalität und zuweilen auch darüber hinaus bringt.


Eindrücke

Autorin Kari Erlhoff hat in letzter Zeit immer ziemlich harte Nüsse für die Jungs auf der Pfanne. Zudem auch welche, die unsere drei Helden stärker aus dem Kinder- und Teenager-Milieu heraus stärker in die Welt der Erwachsenen integrieren. Mit Kätzchen suchen und kleine, harmlose Rätsel knacken, um Erbschaften und Co. aufzuspüren hat dieser Fall nichts mehr gemein. Ohne bereits zu viel zu verraten sei angemerkt, dass „Straße des Grauens“ nah verwandt mit „Botschaft aus der Unterwelt“ ist. Darauf bezieht sich auch der geschickt gewählte Titel, der durchaus mehrere Lesarten zulässt und doppeldeutig ausgelegt ist, wie man nach Konsum der temporeichen, ungewöhnlichen Story anerkennend eingestehen muss. Nicht jedem wird die Richtung dabei gefallen, da sie doch grenzwertige Verhaltensmuster der Detektive zeigt, die – speziell – vom treuen Publikum schon mit „grenzwertig“ angesehen, vielleicht gar geschmäht, werden dürften. Positiv wird bestimmt gewertet, dass Kommissar Reynolds mal wieder eine gewisse Rolle spielt – wenn auch keine sonderlich gewichtige.

Zu sehr darf man hier nicht ins Detail gehen, um die Sache nicht vorab zu spoilern – aber Kfz-Diebstahl und auch scharfe Schusswaffen in den Händen der drei Fragezeichen, wirken doch befremdlich. Natürlich bleiben die Jungs grundsätzlich sauber. Alles andere ging auch nicht konform mit den ungeschriebenen Serien-Richtlinien. Dazu bleibt festzuhalten, dass das Hörspiel auch noch ein wenig gemäßigter (besagte Pistolen haben zum Beispiel, im Gegensatz zum Buch, keine weitere Funktion) daherkommt, als es die Romanvorlage tut. Dort ist die Not und Misere des Trios noch wesentlich deutlicher ausgearbeitet. Allerdings sind dafür ein paar kleine Logik- bzw. Plausibilitätsfehler drin, die der Printversion abgehen. Das Hörspiel trifft die Essenz aber recht gut und ist in manchem Belang sogar atmosphärisch dichter, da der Sound und die Sprecher selbstverständlich ihr Schärflein zum Gelingen beitragen. Diesmal ist der offenbar extra für diese Folge erschaffene Soundtrack besonders bemerkens- und erwähnenswert. Sehr spannend aufgezogen und alles andere als langweilig.

Die Produktion

Buch und Effekte: André Minninger
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Musik: Hagitte und Bertling (STIL), Stahlberg, George, Conrad
„Living On Third Street“-Song: J.F. Conrad, Gesang: Schirin Kazemi

Sprecher und Figuren:

Oliver Rohrbeck (Justas Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw), Andreas Fröhlich (Bob Andrews), Karin Lieneweg (Tante Mathilda), Wolfgang Draeger (Kommissar Reynolds), Michael Lott (Mitch Palmer), Manou Lubowski (Dimitri), Gosta Liptow (Roy), Henry König (Boss), Konstanze Ulmer (Cindy), Oliver Böttcher (Mike), Peter Lakenmacher (Wirt), Urs Afolter (Mr. Grey), Christian Senger (Rockford), Robin Bosch und Brigitte Böttrich (Casino-Besucher), Dorothea Lott (Rezeptionistin „Black & White“), Marco Spina (Rezeptionist Motel), Tilman Madaus (Fernfahrer), Maria Baptista (Putzfrau)

Fazit

Die Reaktionen auf den Plot waren erwartungsgemäß zwiespältig – auch bei den Rezensenten. Prinzipiell ist an der Geschichte nichts auszusetzen, da sie einmal mehr die etwas ausgelatschten Pfade verlässt und einen fiesen Gegenspieler präsentiert, dem selbst ein Justus Jonas nicht in allen Belangen gewachsen ist. Allerdings ist das Buch hier vorzuziehen, da es die Situation nicht nur genauer, sondern vor allem differenzierter darstellt. Das Hörspiel leidet ein wenig unter den Kürzungen und Anpassungen, welche André Minninger dem Stoff angedeihen ließ, um sie (vermutlich) für die Hörerschaft doch verdaulicher zu gestalten. Dennoch ist es eine sehr temporeiche und spannende Folge geworden, die durchaus Atmosphäre aufbaut, mit lieb gewonnenen Klischees spielt.

1 Audio-CD mit einer Lauflänge von 72 Minuten
EUROPA (Sony Music) 2014
Erzählt von Kari Erlhoff basierend auf Motiven von Robert Arthur
EAN: 887254004028

www.natuerlichvoneuropa.de

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