Die drei ??? und die brennende Stadt (Folge 166)

Zur Story

Ex-Kommissar Samuel Reynolds, inzwischen pensionierter Polizeichef von Rocky Beach, seines Zeichens Freund und Gönner der drei Fragezeichen, hat einen Auftrag für die Jungs. Einen sehr persönlichen. Sein vor zwei Jahren verstorbener Bruder hat ihm ein seltsames Vermächtnis gemacht: Einen kryptischen Rätseltext, welcher erst jetzt von einer Anwaltskanzlei an ihn zugestellt wurde. Darin stellt Adam Reynolds, das schwarze Schaf der Familie, seinem jüngeren Bruder in Aussicht, zu erfahren „was damals in der Dunkelheit geschah“, wenn er „es wirklich wissen“ wolle. Wie die drei Detektive erfahren, spielt Adam damit auf einen von ihm damals verübten Raubüberfall an, für den er gut 15 Jahre hinter Gitter saß. Sowohl die Beute als auch sein damaliger Komplize wurden allerdings nie gefunden. Warum diese Nachricht erst jetzt an Samuel Reynolds erging, wird vergleichsweise schnell ermittelt.

Seine Schwägerin ist vor gut zwei Wochen ebenfalls verstorben und Adam hatte ganz offensichtlich verfügt, dass Samuel das Rätsel erst nach ihrem Tod erhalten solle. Aber auch andere scheinen von der interessanten Nachricht zu wissen, bereits einmal hat man Ex-Kommissar Reynolds im Park überfallen und versucht ihm den Zettel abzunehmen. Auf dem Schrottplatz haben die ominösen Gegenspieler schließlich mehr Glück. Durch ein geschicktes Ablenkungsmanöver geleimt, gelingt es einem unbekannten Duo den Vieren das Rätsel zu entwenden. Glücklicherweise kann Justus es aus dem Kopf rekonstruieren und schon bald sitzt man im Flugzeug nach „Centralia“, der aufgrund eines Grubenunglücks seit Jahrzehnten permanent brennenden Stadt. Denn genau dorthin führt die Spur – das haben die anderen leider auch bereits spitz bekommen und so beginnt ein gefährlicher Wettlauf um das dunkle Geheimnis der Familie Reynolds.

Eindrücke

Kommissar Reynolds ist ein seltener, aber stets gern gesehener Gast in der Serie. Christoph Dittert widmet ihm diesmal nicht nur einen kleinen Cameo-Auftritt, sondern macht ihn gleich zu Thema und Hauptfigur des Falles. Allerdings ist er in André Minningers Hörspielfassung weitaus weniger präsent als in der Vorlage. Des Weiteren muss man sich vielleicht immer noch daran gewöhnen, dass ihm – aus nachvollziehbaren Gründen – der unvergessene Horst Frank nicht mehr seine markant-sonore Stimme leiht, sondern Wolfgang Draeger. Der spricht lustigerweise übrigens bei „TKKG“, der zweiten großen Jugendserie bei EUROPA, auch einen Kommissar, das aber nur am Rande. Doch gibt die Sprecherleistung grundsätzlich wenig Anlass zur Kritik, wohl aber sind ein paar kleinere logische Patzer zu verzeichnen. Wenn sich beispielsweise die drei Detektive mit ihren Atemgeräten (was man deutlich hört, auch wenn’s nicht unbedingt realistisch klingt) dumpf unterhalten, auf ihre Gegenspieler in den Bergwerksstollen treffen, sind deren Stimmen kurioserweise klar und ungedämpft. Ergo: Sie tragen keine Atemmasken. Angesichts der rauchgasgeschwängerten Atmosphäre dort unter Tage ist dies nicht wirklich nachvollziehbar.

Überdies ist die Buchvorlage nicht nur naturgemäß länger, und damit ein sehr gutes Stück ausgefeilter und vielseitiger, sondern sie läuft auch runder als die Adaption. So mancher Handlungsstrang, etwa die spannende Verfolgungsjagd mit handfester Konfrontation in den alten Ruinen, entfiel komplett. Irgendwie holpert das Hörspiel ohnehin die ganze Zeit vor sich hin und es will sich kein wirklicher Spannungsbogen aufbauen, da dem Hörer – im Gegensatz zum Leser – unter anderem einige wichtige Informationen fehlen, die nur zum Teil nachträglich geliefert werden. Centralias Geschichte ist nämlich hochinteressant und keinesfalls aus den Fingern gesogen. Die Stadt gibt es tatsächlich und ihre Kohlevorkommen brennen bzw. schwelen seit 1962 ohne Unterlass. Somit ist die Geisterstadt ein buchstäblich heißes Pflaster und eine tolle Kulisse für einen Drei-???-Fall, wenn man auch ganz klar sagen muss, dass das Setup prinzipiell ziemlich dick aufgetragen ist. Nicht mal Justus würde sich ernsthaft dermaßen in Gefahr begeben und in unberechenbare Stollen eindringen. Abgesehen davon hätte Kommissar Reynolds dies auch niemals zugelassen. Naja, etwas Dramatik muss ja schließlich auch sein.

Die Produktion

Buch und Effekte: André Minninger
Redaktion und Geräusche: Wanda Osten
Regie und Produktion: Heikedine Körting
Musik: Hagitte & Bertling (STIL), Morgenstern, George, Conrad

Sprecher und Figuren

Oliver Rohrbeck (Justus Jonas), Jens Wawrczeck (Peter Shaw), Andreas Fröhlich (Bob Andrews), Thomas Fritsch (Erzähler), Wolfgang Draeger (Ex-Kommissar Samuel Reynolds), Sven Dahlem (Mr. Bennett), Saskia Weckler (Miss Amanda Dearing), Rüdiger Schulzki (Conrad Nash), Elga Schütz (Frau am Telefon)

Fazit

Obwohl der Titel sicherlich anderes verheißt, will der Hörer mit dieser Folge nicht so recht warm werden. Schon die Vorlage war stellenweise etwas abgehoben, was die gesamte Centralia-Thematik angeht, bekam aber letztendlich immer wieder die Kurve. Dank diverser Kürzungen kommt die Handlung beim Hörspiel jedoch ziemlich aus dem Tritt und kann dies auch nicht durch die reichhaltigen Gefahrensituationen ausgleichen. Hinzu kommen einige Löcher in Logik und Atmosphäre. Irgendwie ist man froh, sich halbwegs unterhalten über die Laufzeit gerettet zu haben. Mancher Fall ist vielleicht nicht so sehr geeignet vertont zu werden. „Die brennende Stadt“ gehört, trotz ihrer eigentlich schön-schaurigen Kulisse, ganz offensichtlich in eben jene Kategorie. Schade, auch ein Kommissar Reynolds reißts nicht mehr raus. Der angekokelte Rezensentendaumen drückt den Feueralarm und verbleibt in der Waagerechten.

1 Audio-CD mit einer Laufzeit von ca. 66 Minuten
Erzählt von Christoph Dittert nach Figuren von Robert Arthur
EUROPA / Sony Music Entertainment, 2014
EAN: 887254003625

www.natuerlichvoneuropa.de

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