Die drei ??? und die Geisterfrau (Sonderband)

Die Handlung:

Das altehrwürdige Hotel Crowns Palace feiert sein 150-jähriges Jubiläum und viele Prominente sind zur Party eingeladen. Justus, Peter und Bob sollen Mr Andrews helfen, über die Veranstaltung zu berichten. Doch dann kommt alles ganz anders. Die drei ???
müssen einen Geist aufspüren und finden heraus, dass eine wertvolle Krone im Hotel nicht sicher ist … (Verlagsinfo)

Mein Eindruck:

Ein neuer Fall, außer der Reihe, japanisch gebunden, mit mehr Seiten als sonst und Einblicken in die Gedankenwelt der Gegenseite? Da fällt mir spontan „… und das Grab der Maya“ aus dem September 2016 ein, da gabs das auch schon alles … und damals hat mich das prima unterhalten. Ob das wohl Andreas Ruch mit seinem Einstieg als offizieller ???-Autor auch schafft?

Ein Besuch in einem großen Hotel mit Geschichte, in dem es auch noch einen Geist (auch mit Hintergrundstory) geben soll … das findet Bob super. Peter erwartungsgemäß eher nicht so und Justus? Der kann nicht, weil Ty zu Besuch kommt. Hmm, wirds dann diesmal ein Fall für die Zwei ?? ?

Wer die japanisch zusammengeklebten Seiten voneinander getrennt hat, der erfährt nun nicht nur, dass der Chef von dem Hotel ein Unsympath ist, sondern auch, dass er wenig darüber erfreut ist, dass die im Klappentext genannte Krone rechtmäßig aus dem Hotel entfernt werden soll. Bald und zeitnah … weil sie nur eine Leihgabe ist. Das würde das Hotel natürlich noch unattraktiver für Besucher machen, als es in letzter Zeit eh schon geworden ist. Außerdem dürfte dann der Name CROWNS PALACE nicht mehr viel Sinn ergeben. Womit wir den Direktor direkt mal auf die Verdächtigtenliste setzen können … wessen auch immer wir ihn später noch verdächtigen sollten.

Nach und nach kommen weitere Spieler aufs Feld beziehungsweise ins Hotel, aber wir wissen noch nicht genau, welches Spiel sie überhaupt spielen wollen … oder sollen? Außerdem passiert lange Zeit nichts, das wirklich aufregend oder ermittlungswürdig ist. Gefühlt ist nur jeder Charakter, mit dem wirs hier zu tun bekommen, überzeichnet. Und mit Spannung warten wir auch auf den Auftritt der „Geisterfrau“!

Den gibts dann auch tatsächlich … irgendwie … allerdings muss der Leser genau das halbe Buch lang drauf warten. Können wir jetzt bitte endlich einen neuen Fall haben? Wenns nach Peter geht, auf jeden Fall. Doof nur, dass Justus nicht da ist.

Ob der wohl kommt, wenn der Autor dieses Falles noch eine Entführung obendrauf packt? Tut er! Aber, wirklich hilft das dem Lesevergnügen nicht, denn auch Justus verhält sich wie in einem Theaterstück. Zwar vorsätzlich, aber eben auch sehr überzogen.

Die große Überraschung kam für mich dann auch erst gegen Ende, als es tatsächlich noch mal interessant wird … eben weil es doch noch interessant wird … und sich endlich auch mal echte Sonderbarkeiten anfinden, die meine Aufmerksamkeit halten konnten. Aber irgendwie scheint die vorhin Entführte keinen mehr zu interessieren …

Was ist eine „japanische Bindung“ und was gibts in diesem Buch Verstecktes zu sehen?

Wer das Prinzip der „japanischen Bindung“ noch nicht kennt, für den sei kurz das einfache Prinzip erklärt: Dieses Buch besteht aus „Seitenpaaren“, hier sind immer zwei Seiten am äußeren Rand zusammengeheftet.

Wobei es bei diesem Buch so ist, dass die problemlos zu lesenden Seiten die Sicht der Drei ??? zeigt und die „verschlossenen“ Seiten zeigen ein paar schöne Zeichnungen, geben Zusatzinfos zu dem, was die drei Jungs selbst sehen/erleben oder schildern, was andere an dieser Story Beteiligte, aber nicht Anwesende, grad machen. Der Hoteldirektor zum Beispiel.

Wobei es hier etwas unglücklich gelöst ist, was den Lesefluss angeht: Hat der Leser nämlich erst mal die Seiten aufgetrennt … eventuell auch alle auf einmal (so wie ich), damit er/sie schneller lesen kann, fällt eines direkt auf: Es gibt keine Überschriften oder Derartiges, das darauf hinweist, dass wir nach dem Umblättern an einem ganz anderen Ort sind.

Wer also das Buch in einem Zug liest, der muss sich schnell anhand des ersten Satzes auf der neuen Seite orientieren, wo und bei wem wir gerade sind. Bei solchen Szenenwechseln wäre etwas Fettgedrucktes oberhalb des Textes prima gewesen … eine Kapitelüberschrift, wie sie auf den „normalen“ Seiten auch verwendet wird. Szenenwechsel gibts ja in jeder Geschichte, auch innerhalb eines Kapitels, die sind aber wenigstens durch einen dicken Absatz vom vorherigen Text getrennt und gut erkennbar.

Hier blättert der Leser um und wundert sich manchmal (wenn es zwischen den „verborgenen Seiten“ keine Zeichnungen, sondern nur Text gab), ob vielleicht eine Seite fehlt oder er etwas verpasst hat.

Der Autor:

Andreas Ruch ist Art Director in einer großen Werbeagentur, seit 2018 seinem „Die drei ???“-Fanprojekt verschrieben und ist nun auch als Autor für die Reihe. Seine innige Beziehung zu den Detektiven aus Rocky Beach begründet er mit drei Worten: Nostalgie. Erinnerungen. Fantasie. (Verlagsinfo)

Mein Fazit:

Kennt ihr diese Dreiakter der örtlichen Laienspieltheatergruppe, bei deren Aufführungen ihr ständig auf die Uhr guckt und euch überlegt, nach der Pause nicht mehr wiederzukommen, aber es geht nicht, weil ihr nicht allein gekommen seid und eure Begleitung eure Meinung nicht teilt, und dann geht ihr doch wieder rein und auf einmal wirds doch noch ganz ok (was selten passiert, aber hier ists mal so)?

Es dauert das halbe Buch lang, bis etwas Interessantes passiert, die auftretenden Personen nerven schnell (sich, andere und irgendwann auch mich) und selbst Justus, Peter und Bob verhalten sich … komisch irgendwie. Da gerät der Fall, der sich wie Kaugummi zieht, schon fast in den Hintergrund.

Aber, für den der durchhält, gibts dann wenige Dutzend Seiten vor dem Ende doch noch die eine und andere Kleinigkeit, eine Merkwürdigkeit, die nicht nur die Drei ??? interessiert, sondern auch den Leser.

Das, und dass wir an so gut wie jedem Doppelseitenende einen Cliffhanger haben, das ist immerhin mal ’ne Leistung, die es in anderen ???-Fällen in der Frequenz nicht gibt.

Dieses Abenteuer liest sich irgendwie wie überambitionierte Fanfiction, die sich spürbar von den Geschichten der angestammten Autoren der Reihe unterscheidet. Das Gefühl in einem ???-Fall zu sein, hatte ich hier nur ganz selten. Im Grunde hätte die Story auch komplett ohne die drei funktioniert und wäre als Professor-Dr.-Dr.-Dr.-Dr.-Dr.-Dr.-Dr.-van-Dusen-Geschichte genauso durchgegangen.

Hardcover mit japanischer Bindung: 176 Seiten
ca. 15 s/w-Illustrationen von Andreas Ruch
Vom Verlag empfohlen ab 10 Jahren
1. Auflage, März 2021
ISBN: 978-3-440-17090-8

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