Dirk van den Boom – Ein Lord zu Tulivar

Hauptmann Kaitan ist ein Kriegsheld, ein Mann von geringem Adel, der sich in vielen wichtigen Konflikten und Schlachten in ausschlaggebender Weise durchgesetzt und damit zu einem guten Teil am endlichen Sieg des Imperiums mitschuldig ist. Die hohen Häuser fürchten ihn, den Emporkömmling, ob seiner Unzurechenbarkeit im intriganten Spiel bei Hofe. Deshalb schieben sie ihn ab als Baron einer verwaisten und verarmten Baronie.

In dem heruntergekommenen Ländchen Tulivar, umgeben von Meer und weit im Norden gelegen, verteilen sich drei Dörfer auf die weite Landschaft. Der neugebackene Baron hat einen schweren Start vor den eigenbrödlerischen Bewohnern, und gleichzeitig nutzen seine Neider die Abgeschiedenheit, um ihn vollends loszuwerden. Und sie hätten leichtes Spiel, wären da nicht seine kluge Hand im Umgang mit den Menschen, das Land selbst und die fähigen Gefährten, die ihrem Hauptmann in die Ödnis folgen.

Dirk van den Booms Ausflug in die Fantasy zeigt einmal mehr die erzählerischen Qualitäten und das Talent, sich auf den Spielwiesen der Phantastik zu bewegen und mit seinen Geschichten zu unterhalten. DvdB (im Folgenden Boom genannt) orientiert sich bei dieser Geschichte vorwiegend an den Grundzügen menschlichen Miteinanders, wie man es aus der mittelalterlichen Geschichte erwartet. Intrigante Höflinge, knallharte Steuereintreiber, kriegerische Gebirgsstämme, arme Bauern und listige Großmütter sind die Zutaten, die um das Filetstück, den Außenseiter im Adel, angeordnet werden.

Konflikte bietet das Setting von allerlei Seiten, wobei die in diesem Roman zuvorderst von außen an die Baronie herangetragen werden. Innere Zwistigkeiten spielen noch keine Rolle, doch hat Boom ein paar Fäden ausgelegt, die bei einer späteren Rückkehr nach Tulivar für Zunder sorgen könnten. Die Erzählung gliedert sich in eine Abfolge verschiedener Bedrohungen wachsenden Ausmaßes, so dass die Baronie nie wirklich zur Ruhe kommt, durch ihre Bewältigung aber an Ansehen und Stärke gewinnt. Sie gipfelt in einem Bündnis mit dem Land an sich, das der Baron über eine interessante Zeremonie knüpft und das die deutlichsten Zeichen der Fantasywelt – nämlich einen Aspekt der dortigen Magie – ins Blickfeld rückt. Ansonsten erwähnt Boom nur andeutungsweise die Versatzstücke der typischen Genreattribute wie Zwerge, Trolle, Orks und andere Wesenheiten, ihm liegt das Wesen und die Probleme der Menschen mehr am Herzen.

Es ist ein ruhiger Roman, der vor allem Land und Leute bebildert, manchmal fast wie ein Reisebericht anmutet und keine großen Überraschungen bereit hält. Trotzdem schafft es Boom durch seine Sprache und seine zügige Erzählstruktur, den Leser an die Geschichte zu binden und gut zu unterhalten – mehr von diesem Roman zu erwarten, sorgte für Enttäuschung. Vielleicht ist es das Fehlen überraschender Wendungen oder des Dreckes, der einem Kriegsveteranen am Stecken kleben sollte – insgesamt erscheint der Roman etwas gestaltlos. Da wünsche ich mir für einen Folgeband, der mich durchaus, vor allem durch Booms Unterhaltungswert, zum Kauf anregen würde, mehr Abgründe, größere Probleme, etwas Verzweiflung. Da ist noch Luft nach oben.

Taschenbuch: 235 Seiten
ISBN-13: 9783864020582
ORIGINALAUSGABE
Titelbild von Tony Andreas Rudolph

atlantisverlag.wordpress.com
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