Eric van Lustbader – Dolman (Dai-San-Zyklus 2)

Überflüssiger Mittelband einer Action-Fantasy-Trilogie

Band 1: Ronin

In ferner Zukunft dämmert die Menschheit ihrem Ende entgegen. Die Mächte der Finsternis sammeln sich gegen die letzten Menschen auf einer sterbenden Erde. Nur ein einsamer Kämpfer kann die Katastrophe abwenden: Ronin, der Bewohner eines unterirdischen Imperiums. Seine Welt ist eine Welt des Kampfes. Das Militär ist allgegenwärtig.

Eines Tages hört Ronin zufällig, dass es noch anderes Leben auf der Erdoberfläche gibt. Aber bevor er seine lebensgefährliche Reise in die verbotene Welt unter der Sonne antreten kann, muss er noch eine Schriftrolle finden, die das Geheimnis zur Rettung der Menschheit birgt. Er findet die Schriftrolle des Zauberer dor-Sefrith, der vor dem Dolman warnt, dem Zerstörer der Welt. Die Zeit wird knapp…

Band 2: Dolman

Ronin betritt die Erdoberfläche, irgendwo im ewigen Eis. Die Menschen sind in dauernde Kämpfe gegen das alles zerstörende Böse verwickelt: Bald wird sie ein mächtiges Dämonengeschlecht ablösen. Nur Ronin kann das schreckliche Nachtvolk der Makkon noch aufhalten.

Durch verlassene Städte über gefrorene Ozeane und durch stählerne Wüsten zieht er auf seiner endlosen Suche nach einer Waffe gegen die gnadenlosen Feinde der Menschheit und besteht zahllose Abenteuer.

Als er ein schönes Mädchen vor dem Hungertod bewahrt, erkennt er, dass auch sie geheimnisvolle Geisteskräfte besitzt. Er verliebt sich in Moeru…

Hinweis: „Ronin“ bedeutet im Japanischen „herrenloser Krieger“.

Der Autor

Eric Van Lustbader, geboren 1946, ist der Autor zahlreicher Fernost-Thriller und Fantasyromane. Er lebt auf Long Island bei New York City und ist mit der SF- und Fantasylektorin Victoria Schochet verheiratet. Sein erster Roman „Sunset Warrior“ (1977) lässt sich als Science-Fiction bezeichnen, doch gleich danach begann Lustbader (das „Van“ in seinem Namen ist ein Vorname, kein holländisches Adelsprädikat!), zur Fantasy umzuschwenken. Er nennt Tolkien und Michael Moorcock zu seinen frühesten Vorbildern.

Der Dai-San-Zyklus gehört dem Genre der Sword & Sorcery an und besteht aus folgenden Romanen:

1) Sunset Warrior (Ronin),
2) Shallows of Night (Dolman),
3) Dai-San (Dai-San, 1978);
4) Beneath an Opal Moon (Moichi, 1980);
5) Beyond the Sea of Night (Drachensee; 1997; siehe meinen BERICHT).

1980 begann Lustbader mit großem Erfolg seine Martial-Arts & Spionage-Thriller in Fernost anzusiedeln, zunächst mit Nicholas Linnear als Hauptfigur, später mit Detective Lieutenant Lew Croaker: The Ninja; The Miko; White Ninja; The Kaisho usw. Zur China-Maroc-Sequenz gehören: Jian; Shan; Black Heart; French Kiss; Angel Eyes und Black Blade. Manche dieser Geschichten umfassen auch das Auftreten von Zauberkraft, was ihnen einen angemessenen Schuss Mystik beimengt.

Zuletzt erschien bei uns die Kundala-Trilogie: „Der Ring der Drachen“, „Das Tor der Tränen“ und „Der dunkle Orden“. Da diese Fantasy ebenfalls in einem orientalisch anmutenden Fantasyreich angesiedelt ist, kehrt der Autor zu seinen Wurzeln zurück, allerdings viel weiser und trickreicher. Kürzlich hat er noch einmal eine Wendung vollziehen und schreibt nun die Thriller seines verstorbenen Kollegen Robert-Ludlum fort, so etwa „Die Bourne-Verschwörung“. Zuletzt erschien 2007 der Mystery-Thriller „Testamentum“ in der Art von Dan Browns „The Da Vinci Code“.

Handlung

Verfolgt von dem Militärbefehlshaber der unterirdischen Welt am Pol betreten Ronin, der Krieger, und Borros, der Wissenschaftler, die Erdoberfläche: Sie ist voll Eis, soweit das Auge reicht. Zum Glück haben sie sich für ihre Flucht entsprechend angezogen und mir Rationen versehen. Zunächst sieht es so aus, als würde eine steile Klippe sie aufhalten, doch in einer Höhle findet Ronin Kletterwerkzeug, und sie machen sich auf den Weg.

Die Prophezeiung

Borros ist von Freiland, dem Militärbefehlshaber, gefoltert worden, und hat deshalb eine panische Angst davor, erneut gefangen genommen zu werden. Er drängt zur Eile. Als Ronin ihm die Schriftrolle zeigt, die er in der Stadt der zehntausend Pfade unter Einsatz seines Lebens erbeutet hat, kann Borros einen Teil entziffern. Der Autor Dor-Sefrith warnt darin vor einem Überwesen, das er den „Dolman“ nennt und das die Welt zerstören wird. Doch zuvor würden vier Dämonen, die er „Makkon“ nennt, das Kommen des Dolman ankünden. Ronin weiß genau, was ein Makkon ist: Die Haut eines solchen Ungeheuers schützt als Handschuh seine linke Hand, inklusive Krallen.

Letzte Kämpfe

Mit einem Schiff segeln sie über das spiegelglatte Eis – mitten hinein in einen schrecklichen Sturm. Dennoch meint Borros, das Geräusch ihrer Verfolger zu vernehmen. Er hat sich nicht getäuscht: Freilands Schiff greift nach dem Sturm an. Doch Ronin wird mit den enternden Kriegern ebenso fertig wie mit ihrem Chef, doch trägt er eine schwere Wunde davon. Als ein Ungeheuer aus dem dünner werdenden Eis im Süden hervorbricht, schlägt das letzte Stündlein seines Gefährten. Er selbst stürzt nach der Abwehr des Ungeheuers in die nasse Tiefe…

Gerettet?

Er erwacht in der Kabine eines anderen Schiffes. Dieses gehört dem Warlord Rikkagin Tien und segelt zu der großen Stadt Shangsei, wo der Rikkagin sein Hauptquartier hat. Zuerst testet er die Identität des vorgeblichen Kriegers, den sein Adjutant Tuolin da aufgefischt hat. Doch selbst geschwächt ist Ronin in seinen rasanten Reflexen problemlos als Schwertkämpfer erkennbar. Also darf er die große, alte Menschenstadt Shanghsei betreten.

Kämpfe & Magie

Die Stadt wurde von den rundäugigen Rikkagin erobert, ist aber viel älter und verfügt über ihre eigene Meeresgottheit, den drachenartigen Seercus. Die Hafenstadt wird von den Warlords beherrscht, die in die rivalisierenden Parteien der Grünen und der Roten gespalten sind, die Schutzgeld erheben. Zunächst lebt Ronin unter dem Schutz des Rikkagin Tien, doch es gibt Gerüchte über einen schrecklichen Krieg im Norden, in dem Dämonen eine Rolle spielen. Ronin ahnt, dass die Makkon gekommen sind. Es wundert ihn nicht, als eines Morgens Rikkagin Tien mitsamt seiner Armee verschwunden ist, um im Norden zu kämpfen.

Es gibt viele interessante Frauen in der Stadt, in ihren Vergnügungshäusern. Als eines Morgens Ronin die schöne Sa mit herausgerissener Kehle entdeckt, ist ihm klar, dass dies kein menschlicher Täter war: Die dämonischen Makkon sind bereits in der Stadt! Er muss unbedingt den Rat der Stadt warnen. Als das junge Flüchtlingsmädchen Moeru besucht, wird ihm klar, dass sie über übersinnliche Fähigkeiten verfügt…

Mein Eindruck

„Dolman“ ist ein typischer Mittelband in einer Trilogie. Im Startband des Zyklus um Ronin erweiterte sich der Kenntnishorizont des Schwertkämpfers ganz beträchtlich und er erkannte seine Bestimmung. Er muss die Zeichen auf der Schriftrolle entziffern, um deren Botschaft zu erfahren. Das Auftauchen eines Makkon-Dämons ist eine ernste Warnung vor kommendem Unheil: Sobald vier davon in Ronins Welt gekommen sind, werde der Weg für den zerstörerischen Dolman frei sein, heißt es. Als Talisman erhält er die Klauenhaut eines Makkon als Schutz und Waffe.

In diesem Band erfährt er nicht viel Neues, außer dass ein Makkon bereits in seine Welt gelangt ist. deshalb begibt er sich in den hohen Norden zur Festung Kamado, wo bereits der Krieg tobt – gegen drei Makkon-Dämonen, aber auch gegen Schattenkrieger und Knochenmänner. Die Kämpfe, die Ronin neben Kiri und Tuolin zu bestehen hat, sich beste Schwertkampf-Action, wie ein Samurai-Fan sie sich nur wünschen kann.

Dagegen nehmen sich die vielen Szenen, die in der heruntergekommenen, alten Hafenstadt Shanghsei spielen, wie lauter Verwirrspiele aus. Viele Frauen wie Kiri treten, eine geheimnisvoller und verführerischer als die andere. Doch die Handlung kommt nicht voran, und ich hatte den Verdacht, dass der Autor hier nur Seiten schinden wollte. Zudem gibt es zahlreiche Beschreibungen von Orten, Landschaften und Wetterphänomenen, die zwar alle eine recht nette Stimmung erzeugen, aber im Grunde genommen völlig überflüssig sind.

Die Übersetzung

Die alte Übersetzung, die der Bastei-Lübbe Verlag Ende der siebziger Jahre mit dem Titel „Der dunkle Weg“ anfertigen ließ, diente als Vorlage für die Heyne-Lizenzausgabe. Martin Eisele war noch nie einer der besten Übersetzer von Fantasy, und das erweist sich auch an diesem Produkt seiner Schreibwerkstatt. Es finden sich zwar nur wenig Druckfehler, aber umso mehr stilistische Unsicherheiten und ungenaue Übertragungen.

Besonders nervend fand ich die ständige Verwendung des Partizip Präsens Aktiv (PPA): „kräuselnd, plätschernd“, usw. in Nebensätzen. Heute wird in der Regel kein PPA mehr benutzt, sondern der Satz aktivisch gebildet. Das sorgt für viel mehr Dynamik. Das PPA hat seinen Platz in Gedichten, die einen statischen Zustand beschreiben. Kein Wunder also, dass sich der Text stellenweise wie ein japanisches Haiku-Gedicht liest, voller Lücken und Assoziationen. Apropos „Lücken“: Im Mittelteil ist die Handlungskonstruktion so brüchig, dass ganze Szenen für Übergänge fehlen.

Etliche Stellen führen zu einer gewissen Verunsicherung des Lesers, ob dem Wortlaut der Übersetzung zu trauen sei. Am besten greift man zum Original, wenn man über entsprechende Englischkenntnisse verfügt. Das Englischniveau kann nicht sonderlich anspruchsvoll sein.

Unterm Strich

Nur wer sich wirklich ernsthaft durch die Dai-San-Trilogie arbeitet, muss diesen Band lesen. Hier bricht Ronin, der Held, aus seiner unterirdischen Welt aus und gelangt auf dem Umweg über Shanghsei in den Norden der Welt, wo er zur letzten Entscheidungsschlacht gegen den Zerstörer Dolman antreten muss. Alle Stationen dazwischen sind zwar voller Kämpfe und schöner Frauen, Intrigen und Liebesnächten, doch sie bringen die Haupthandlung nur sehr bedingt voran.

„Ronin“ und die beiden Folgeromane „Dolman“ und „Dai-San“ wurden vom damals 31-jährigen Autor (er begann schon 1973 mit dem Schreiben, nicht erst 1977, als „Ronin“ erschien) für ein pubertierendes, männliches Publikum geschrieben. Die Helden sind kämpferisch und ständig in Action verwickelt, die Frauen verführerisch und meist von trügerischer Loyalität. Das sind simple Kategorien, die mehr mit den Klischees des Genres zu tun haben als mit Originalität. Dass sich Ronin, der Ausgestoßene, schließlich mit der Kaiserin von Shanghsei zusammentut, halte ich eher für eine Wunscherfüllungsphantasie.

Dass das Ambiente eine Endzeitvision darstellt, spielt eigentlich keine Rolle. Es könnte sich genauso gut um eine Fantasywelt wie Mittelerde handeln, die der Autor nach eigenem Bekunden (siehe seine Homepage) ebenfalls gut kannte. Recken wie Ronin sind die letzte Hoffnung auf ein Überleben und einen Neuanfang der Menschen. Sie bringen – wie Aragorn und seine Gefährten – neue Hoffnung.

Für junge männliche Leser, die Fantasy-Futter suchen statt eines Videogames, ist das Buch jedoch geradezu ideal geeignet. Über die deutsche Übersetzung habe ich mich häufig frustriert geärgert. Ich bin überzeugt, dass das englischsprachige Original wesentlich besser formuliert worden ist, als man es hier zu lesen bekommt.

Broschiert: 284 Seiten
Info: Shallows of Night, 1978; Heyne, 1989
Aus dem US-Englischen von Martin Eisele
www.heyne.de

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