Erik Kellen – Das Lied von Schnee und Liebe (The Empire of Stones 2)

The Empire of Stones

Band 1: Das Lied von Anevay und Robert“
Band 2: „Das Lied von Schnee und Liebe“

Anevay ist es gelungen, aus Fallen Angels zu fliehen. Als blinder Passagier auf einem Holzlaster ist sie nach New York zurückgekehrt, um ihren Vater zu suchen. Unterstützung erhält sie von Leonardo Szuda, seines Zeichens Unterweltboss, der in der jungen Kämpferin eine vielversprechende Gewinnquelle sieht …

Robert ist durch seine Rettungsaktion über Nacht zum Volkshelden geworden, was ihm nicht wirklich gefällt, und die vielen kleinen Anzeichen, an denen sich eine Zuspitzung der politischen Situation ablesen lässt, wecken in ihm Zweifel an seiner Aufgabe, den mechanischen Läufer zu verbessern. Während seine ethischen Prinzipien noch mit seinem Patriotismus debattieren, geschieht etwas, das Roberts Einstellung zu seiner zweiten Identität des Night Captain schlagartig ändert …!

Allmählich kommt die Geschichte in Fahrt. Zumindest gilt das für den Handlungsstrang um Robert. Er gerät zunehmend unter Druck, und es ist auch offensichtlich, aus welcher Richtung dieser Druck kommt. Tatsächlich ist der Herzog von Graubergen so omnipräsent, ganz im Gegenteil zum Kronprinzen, daß ich mich ernsthaft frage, wer da eigentlich die Fäden in der Hand hält.

Aber auch der Druck auf die Menschen allgemein wächst. Die Rabenmänner werden immer dreister, und als ein angesehener Chemiker, der spezielle Pulvermischungen herstellt, plötzlich verschwindet, wird klar, daß mehr dahintersteckt als nur ein paar Leute, die ihre Minderwertigkeitskomplexe ausleben. Da fällt die extreme Kälte des hereinbrechenden Winters kaum noch ins Gewicht.

Während sich in den Ereignissen um Robert allmählich Zusammenhänge herauskristallisieren, kann man das von denen um Anevay nicht behaupten. Die Suche nach ihrem Vater scheint in einer Sackgasse zu enden, statt dessen nimmt ihre Arbeit für Szuda immer größeren Raum ein.

Beide Handlungsstränge zeichnen sich nicht unbedingt durch unerträgliche Spannung aus, Erik Kellen hat es jedoch verstanden, dem Leser ununterbrochen, aber unaufdringlich vor Augen zu halten, dass jeder der Hauptprotagonisten ziemlich gefährlich lebt, und manchmal bekommen sie das auch auf die eine oder andere Weise zu spüren. In Kombination mit der zunehmenden Brisanz der politischen Situation in Hammaburg reicht das völlig aus, um das Interesse des Lesers an der Geschichte jederzeit wach zu halten. Dazu kommt noch die Szene mit Sam Fedin, die eine Menge neuer Fragen aufwirft.

Abgesehen davon finde ich die Sprache des Autors immer wieder faszinierend. Es mag Leute geben, die seine Metaphern als abwegig oder sperrig empfinden. Ich persönlich finde sie überraschend, kreativ und ausdrucksstark. Mag sein, dass ein Buch mit Standardfloskeln einfacher zu lesen ist, das sollte jemanden, der Geschichten und Sprache liebt, aber nicht davon abhalten, sie auch einmal auf unbekanntes Terrain zu wagen.

Bleibt zu sagen, dass auch diese zweite Geschichte aus Erik Kellens Feder den Leser mühelos gefangenzunehmen weiß. Die bildhafte Sprache läßt die Eigenarten und Befindlichkeiten der Charaktere ebenso mühelos lebendig werden wie die Kälte des Winters oder die Spannungen zwischen Robert und dem Herzog. Das Puzzle der politischen Intrige ist geschickt angelegt und dröselt sich gerade so weit auf, dass beim Leser keine Unzufriedenheit aufkommt, aber ohne mehr zu verraten, als nötig, sodass die Neugierde erhalten bleibt. Und die eingestreuten, brenzligen Situationen bringen genug Bewegung in die Handlung, um einschläferndes Dahinplätschern zu verhindern. Viel besser kann man es eigentlich kaum machen.

Erik Kellen lebt in Hamburg und hat schon eine ganze Reihe Jobs hinter sich. “Gezeitenzauber” war sein Romandebut, das mit “Seelenzauber” zu Ende geführt wurde. The Empire of Stones ist sein zweiter Zyklus, der bisher aus zwei Bänden besteht. Ein Veröffentlichungsdatum für die Fortsetzung ist bisher nicht bekannt.

Taschenbuch 340 Seiten
ISBN-13: 978-1-496-05110-3

www.erik-kellen.de

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