Das geschieht:

Dass Leid und Streit nicht unbedingt menschlich sind, sondern von außen gesteuert werden, entdeckt zufällig Archäologie-Professor Coschocton „Cody“ Westcott: In Nordperu findet er in der Kollegin Kelli Alwydd nicht nur seine zukünftige Gattin, sondern in einer Zeremonienhöhle der Chachapaya-Indianer ein uraltes Schamanen-Rezept für einen Trank, der ihm buchstäblich die Augen öffnet.

Plötzlich erspäht Westcott überall „Okkupanten“ – ektoplasmatische Parasiten aus einer fremden Dimension, die unsichtbar die Menschen heimsuchen. Heimlich schüren sie Schmerz und negative Gefühle ihrer Wirte und nähren sich davon. Natürliche Substanzen – unbehandeltes Holz, Stein, Pflanzen – sind für die unheimlichen Räuber Hafen und Gefängnis zugleich: Erst muss das Opfer die Heimstatt des Okkupanten berühren, um befallen zu werden.

Da niemand sie sehen kann, ist der Tisch der Parasiten normalerweise reich gedeckt. Nun weiß der erschrockene Cody Westcott Bescheid. Er will den Kampf gegen die finsteren Kreaturen aufnehmen, steht aber allein. Nicht einmal Gattin Kelli mag ihm Glauben schenken. Schlimmer: Den Okkupanten ist Westcotts Fähigkeit nicht verborgen geblieben. Sie bilden in ihrer Gesamtheit eine weltweite Kollektiv-Intelligenz, die durchaus in der Lage ist, Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Weil Westcott den Okkupanten mehrfach entschlüpft, hetzen sie ihm menschliche Sklaven hinterher. Westcott muss erleben, wie die Männer und Frauen, die er ins Vertrauen zieht, diversen ‚Unfallen‘ zum Opfer fallen. Als auch Kelli von den Okkupanten schwer verletzt wird, lässt Westcott jegliche Hoffnung fahren.

Glücklicherweise meldet sich Karl Heinrich Oelefsenten von Eichstatt von der „Gesellschaft“, die seit Jahrhunderten die Okkupanten bekämpft und Westcott für ihre Sache rekrutieren will. Dieser lässt sich dieser nicht lange bitten, und eine wüste Schlacht in dieser und anderen Welten hebt an …

Höllische Gäste vom Himmel

Romane wie „Invasion of the Body Snatchers” (dt. “Die Körperfresser kommen“, von Jack Finney) und „The Puppet Masters“ (dt. „Weltraum-Mollusken erobern die Erde“/„Die Puppenspieler“, von Robert A. Heinlein) oder Filmklassiker wie „Invaders from Mars“ (1953, dt. „Invasion vom Mars“) gehören zu den klassischen Vorbildern der hier vorgelegten Schauermär, doch die Freunde des Phantastischen könnten viele, viele weitere Beispiele nennen.

Unsichtbare Parasiten haben die Erde erobert und lassen deren Bewohner nach ihrer Pfeife tanzen – eine unheimliche Vorstellung, weil sie die Unfähigkeit der Verteidigung impliziert. Kämpfen würde man um seine Freiheit, wenn es denn sein muss, aber was ist, wenn man den Gegner nicht sehen kann oder von ihm nicht einmal weiß?

In den eingangs genannten Romanen und Filmen spielte noch die Angst vor der ‚roten Gefahr‘ eine wichtige Rolle. Hinter den Invasoren verbargen sich kaum maskiert kommunistische Übeltäter, die es auf die USA als Land der wahren und damit gefährlichen Freiheit abgesehen hatten. Solche politischen Untertöne klammert Alan Dean Foster völlig aus. „Herr der Plagen“ ist nur ein abenteuerliches Garn, eine Mischung aus Stephen King und Michael Crichton mit einem Spritzer Indiana Jones .

Der Plot ist wenig originell. Das ist nicht ungewöhnlich für Foster, den man eher als soliden Handwerker denn als Mythenschöpfer bezeichnen kann. Eines ist jedoch typisch für: Wenn Foster seinen Stoff mag, leistet er in Sachen Unterhaltung vorzügliche Arbeit. Womit ziemlich deutlich wird, dass ihm die Freude an diesem Garn rasch vergangen sein muss: „Herr der Plagen“ will über Groschenheft-Niveau einfach nicht hinauskommen.

Routine statt Überraschung

Die Idee von der gleichsam beseelten und geknechteten Natur erfüllt ihren Zweck, zumal sich Foster große Mühe gibt, das Wüten der Okkupanten überzeugend zu schildern. Die Konstellation „Ein Mann allein gegen den übermächtigen Feind“ hat sich ebenfalls gut bewährt.

Deshalb möchte man die Schwächen der Story zunächst verzeihen. So fällt es schwer zu glauben, dass Cody Westcott sich Monate Zeit lassen kann, seinen Gegner zu studieren, während er gleichzeitig seinem Job nachgeht, als sei nichts geschehen. Über die Okkupanten wundert man sich, dass sie, die mit ihren Sklaven über handfeste Werkzeuge verfügen, sich ewig darauf beschränken, Westcott zu warnen, statt ihn sogleich aus dem Verkehr zu ziehen, bevor er allzu viel über sie herausgefunden hat. Auch Foster ist dieses Dilemma bekannt; seine Erklärung ist reichlich matt: Die Okkupanten wollen nicht durch eine Mordserie Aufsehen erregen – aber wem sollte das eigentlich auffallen?

Auch die Deutung der Menschheitsgeschichte als Spielplatz der Okkupanten wird reichlich übertrieben. Sogar (oder gerade) die Nazis sind nach Foster eine Schöpfung der Parasiten. Selbst unter gebotener Ignorierung der „political correctness“ ist das kein guter Einfall; die Menschen benötigen keine Mächte aus dem All, die sie zum Bösen & Dummen anstiften, weil sie dies sie sehr gut selbstständig schaffen.

In der zweiten Hälfte beginnt Foster zu schludern. Das Tempo zieht an, ohne dass die Logik Schritt halten kann. Stattdessen klittert der Verfasser ziemlich plump diverse turbulente Episoden zusammen, um sein Opus auf Länge zu bringen. Ohne echten Höhepunkt verpufft auch das Finale wie der erzürnte Bunyip-Dämon, der unsere Helden kreuz und quer durch den Dschungel von Neuguinea jagt. Das riecht förmlich nach einer Fortsetzung, die Foster sich und seinem Publikum jedoch erspart hat.

Kopierte Helden, durchgepauste Bösewichte

Der Story angemessen ist die Figurenzeichnung: Hier werden Protagonisten ins Spiel gesetzt, die in bereits existierende und oft genutzte Formen gegossen wurden. Cody Westcott ist indianischer Herkunft und wird schon von daher mit einem Sympathievorschuss versehen. Darüber hinaus ist sympathisch zurückhaltend und entschlossen zugleich und so der ideale Held für den trivialen Unterhaltungsroman (oder -film) des 21. Jahrhunderts.

Gattin Kelli ist – so gehört es sich heutzutage – mindestens ebenso schlau wie ihr Cody, aber – mit der Gleichberechtigung darf es nicht übertrieben werden – selbstverständlich wunderschön. Zwar gilt sie als weibliche Hauptperson, aber am Kampf gegen die Okkupanten nimmt sie über weite Strecken nicht aktiv teil, sondern wird in die Opferrolle abgedrängt; an ihrem komatösen Körper leistet Cody den Hollywood-Schwur der Rache, die ihn im sich anschließenden Getümmel über sich selbst hinauswachsen lässt.

Karl Heinrich Oelefsenten von Eichstatt ist der ‚gute Deutsche‘ der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Zwar lässt uns Foster nie vergessen, dass die Teutonen nach wie vor schwarzbraun wie die Haselnuss, d. h. seltsam steif im Wesen und irgendwie verdächtig aber auch klug und diszipliniert sind und von daher als Verbündete in der Geisterschlacht taugen. Im Gegenzug darf „Oelefse“ mild über amerikanischen Kaffee, Bier und Automobile spotten – ja, die Amis sind tolerant geworden …

Die Okkupanten sind ihrem Verhalten entsprechend vor allem bösartig. Parasiten dürfen reinen Gewissens so beschrieben werden, denn ihre Lebensweise macht sie uns Lesern als potenzielle Opfer mit gutem Recht unheimlich. Foster bedient sich geschickt realer Vorbilder: Parasiten sind nicht wirklich intelligent, sondern sind vor allem erfolgreich, weil sie sich verborgen halten. Das müssen sie auch, da sie normalerweise über keine Verteidigungsmöglichkeiten verfügen. Insofern könnten die manchmal reichlich unlogischen Aktivitäten der Okkupanten nachträglich erklärt werden, während wir die Idee einer zentralen Intelligenz lieber nicht überbewerten wollen.

Generell hat Alan Dean Foster bessere Romane geschrieben. Der Funke will nicht überspringen; vielleicht trägt das dämliche Cover der deutschen Ausgabe eine Mitschuld daran. Es suggeriert eine Story („Anlageberater Jack Wolfskin im Tempel des Todes“), die so glücklicherweise nicht stattfindet, aber den Leser bereits vorab negativ stimmt.

Autor

Alan Dean Foster wurde am 18. November 1946 in New York City geboren, wuchs jedoch in der Filmstadt Los Angeles auf. Dort studierte er Politikwissenschaften und Film und arbeitete für eine kleine Werbeagentur. Der Schriftsteller Foster hatte seine erste Veröffentlichung bereits 1968 mit einer Kurzgeschichte. 1972 erschien ein erster Roman („The Tar-Aiym Krang“), gleichzeitig der Auftakt zu einer inzwischen quantitativ eindrucksvollen Reihe von Romanen, die in Fosters ureigenem literarischem Kosmos, dem „Homanx Commonwealth“, spielen: einem Sternenreich, das gemeinschaftlich von den Erdmenschen und den Thranx, intelligenten Großinsekten, regiert wird.

Mit seiner bemerkenswerten Veröffentlichungsrate gehört Foster zu den Handwerkern der Unterhaltungsliteratur. Er ist in zahlreichen Genres zu Hause und schrieb außer Science Fiction auch Fantasy-, Horror-, Kriminal-, Western oder Historienromane. Hinzu kommen zahlreiche Kurzgeschichten sowie Drehbücher für Film & Fernsehen, Scripts für Hörspiele, Computerspiele und andere Unterhaltungsmedien.

Fosters Arbeitstempo sowie seine Entscheidung für die eher kommerzielle Seite der Schriftstellerei ließen bisher kein Werk entstehen, das den Rang eines literarischen Klassikers beanspruchen könnte. Generell dominieren anspruchslose, allerdings sauber geplottete, mit lebendigen Figuren besetzte und flott geschriebene Geschichten, wobei der Anteil missratener und langweiliger Werke angesichts des Ausstoßes erstaunlich gering ist.

Privat liebt Alan Dean Foster ausgedehnte Reisen in entlegene Winkel der Welt. Er ist Sporttaucher und schreibt auch Artikel darüber. Mit seiner Familie lebt Foster in Prescott im US-Staat Arizona. Über sein Leben und Werk informiert er auf seiner lobenswert aktuell gehaltenen Website.

Taschenbuch: 398 Seiten
Originaltitel: Interlopers (New York : Ace Books 2001)
Übersetzung: Ruggero Leò
http://www.luebbe

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