George R. Stewart – Leben ohne Ende (Meisterwerke der Science Fiction)

Klassiker des Katastrophenromans

Eine rätselhafte Viruspest greift um sich wie ein Steppenbrand und rafft weltweit die Menschen dahin. Die Ordnung bricht zusammen, es gibt keine Regierungen, keine Kommunikation, keine Infrastruktur mehr. Nur ein Prozent der Weltbevölkerung überlebt die verheerende Seuche. Die Zivilisation wird ausgelöscht. Die Übriggebliebenen müssen neue Wege des menschlichen Zusammenlebens suchen… (Verlagsinfo)

Der Autor

George R. Stewart lebte von 1895 bis 1980, also sehr lange. Von 1923 bis 1962 lehrte er als Professor für Englisch an der Universität von Kalifornien in Berkeley bei San Francisco. Er schrieb mehrere Mainstream-Romane und Sachbücher, doch „Earth Abides“, das 1949/50 erschien, ist sein einziges Werk, das sich der Science Fiction zurechnen lässt.

Es ist einer der besten Katastrophenromane überhaupt und wurde 1951 mit dem International Fantasy Award ausgezeichnet. Weitere Katastrophenromane von Stewart sind „Storm“ (1941) und „Fire“ (1948).

Romane

1) East of the Giants (1939)
Deutsch: Im Schatten der goldenen Berge. Scientia, Zürich 1943. Auch: G. B. Fischer, Frankfurt am Main 1953.
2) Doctor’s Oral (1939)
3) Storm (1942)
Deutsch: Sturm. Verlag des Druckhauses Tempelhof, Berlin 1950.
4) Earth Abides (1950)
Deutsch: Leben ohne Ende. Bertelsmann, Gütersloh 1952. Auch: Heyne SF #3071/3072, 1966. Überarbeitete Neuausgabe: Heyne, 2016, ISBN 978-3-453-31436-8.
5) Fire (1951)
Deutsch: Feuer : Roman eines Elements. List, München 1952.
6) Sheep Rock (1951)
7) The Years of the City (1955)

Handlung

Die Erzählung beginnt mit einem Paukenschlag: Durch das Radio kommt die Meldung, dass die US-Regierung ihres Amtes enthoben worden sei. Die Zivilisation liegt im Sterben. Nach Ankündigung dieses Weltereignisses reduziert der Autor jedoch das Geschehen auf das Erleben eines einzigen Mannes, der die Katastrophe gar nicht bewusst miterlebt. Dieser junge Mr. Isherwood, kurz Ish genannt, zur Zeit der Katastrophe krank, reimt sich erst später bröckchenweise den Verlauf der Tragödie zusammen. Eine neue Seuche hat plötzlich die Erde heimgesucht und die Menschen dahingerafft. Nur einige wenige, aus unbekanntem Grund immun gegen den Virus, haben überlebt. Nach der These des Autors war die Seuche die Antwort der Natur auf die zu große Zahl der Menschen, auf ihre dominante Position.

Begegnungen

Ish, ohnehin ein Einzelgänger, findet sich erstaunlich schnell in dem neuen Leben zurecht. Er nimmt sich einen herrenlosen Wagen und fährt damit von San Francisco aus durch leere Städte und über ausgestorbene Landstraßen bis nach New York. Einige Menschen trifft er unterwegs schon, aber sie sind alle nicht von der Art, wie er sie sich als zukünftige Gefährten wünscht.

Eine Gefährtin

Zurück in San Francisco findet Ish dort schließlich eine Frau, die mit ihm alle Beschwernisse erträgt und ihnen mehrere Kinder gebiert. Später stoßen ein paar weitere Menschen zu den beiden, die sich mehr oder weniger gut an die neuen Frontier-Verhältnisse anpassen können. Auch ein Scheinheiliger taucht auf, der eine Katastrophe herbeiführt. Man richtet sich so gut es geht ein, gewöhnt sich an das Unabänderliche. Aus den wenigen Menschen und ihren Kindern wird schließlich ein Stamm, der hauptsächlich von der Jagd auf das zahlreicher werdende Wild lebt.

Der Stamm

Kinder und Enkelkinder wachsen heran, die ersten Alten sterben, darunter Ishs Frau. Ishs Traum, die Zivilisation zu erhalten, erweist sich als undurchführbar. Der Stamm wird größer und dabei primitiver, und Ish ist bald ein Greis, ein Methusalem, der alle Freunde überlebt hat. Als letzter der Alten stirbt auch er, aber er nimmt die Genugtuung mit sich, dass er dem Stamm nicht nur Pfeil und Bogen geschenkt hat, sondern dass auch der Tiefpunkt des Rückschritts überwunden ist. Nach dem Requiem folgt die Renaissance (Wiedergeburt).

Mein Eindruck

Der Roman beeindruckt durch seine erzählerischen Qualitäten und ausgeprägte Charaktere. Die hinter der Handlung steckende und gelegentlich auch ausformulierte These vom zwangsläufigen Untergang der menschlichen Kultur (ähnlich wie in Walter M. Millers Klassiker „Lobgesang auf Leibowitz“, ca. 1952) auf dem Höhepunkt der Entwicklung ist irrational, drückt aber mit ihrer Zivilisationsmüdigkeit den Zeitgeist nach dem Zweiten Weltkrieg aus, in dem die ersten Atombomben fielen.

Ishs Name ist nicht das Ergebnis von auktorialer Willkür oder des Zufalls. Er ist vielmehr ein direkter Verweis auf die historische Gestalt von Ishi, dem letzten Indianer Kaliforniens, der in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts berühmt wurde, weil er der letzte lebende Vertreter seines Stammes (!) war, ebenso wie Ish der letzte lebende Vertreter jener Zivilisation ist, die die Welt seines Namensvetter vernichtete – quasi ein später Akt der Gerechtigkeit, den Lebenden zur Mahnung? Das Buch „Ishi in Two Worlds“ (1961) der berühmten Mutter von Ursula K. LeGuin, Theodora Kroeber (1897-1979), kann als Ergänzung dienen.

Unterm Strich

In seiner wunderbaren langen Vision, seiner vielschichtigen Erzählung, seinem elegischen Ton zählt „Leben ohne Ende“ mit Sicherheit zu den besten Post-Holocaust-Romanen überhaupt. In der Heyne-Bibliothek der SF-Literatur wurde er anno 1982 bereits als Band 10 von rund 130 Bänden veröffentlicht – eine besondere Auszeichnung.

Taschenbuch/E-Book: 528 Seiten
Originaltitel: Earth Abides, 1950;
Aus dem Englischen von Ernst Sander.
ISBN-13: 9783453314368

www.heyne.de

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