Hansen, Walter – Wo Siegfried starb und Kriemhild liebte. Die Schauplätze des Nibelungenliedes

In drei großen Schwerpunktartikeln zeichnet der Autor die Handlungsstätten des Nibelungenliedes – Worms und Rhein, Donau und die Königsburg in Gran – unter touristischen Gesichtspunkten auf. Diese mittelalterliche Reise ist reich bebildert (ganzseitig und vierfarbig) mit Aufnahmen der Plätze, die man noch heute bewundern kann. Ausgezeichnet ist dabei die Herangehensweise des Autors, welcher die touristischen Sehenswürdigkeiten direkt in den chronologischen Ablauf des Nibelungenlieds stellt und diesen sowohl die authentischen mittelalterlichen Strophen wie auch die der hochdeutschen Übersetzung beigefügt hat.

Zwar ist auf der Rückseite des Buches das Hagendenkmal am Wormser Rhein abgebildet, aber ansonsten reduziert Walter Hansen seine Beschreibungen auf die tatsächlichen historischen Schauplätze und diese sind in Worms natürlich der Dom – in dessen Westseite die Hochzeit von Gunther und Brunhild stattfand und wo sich vor dem Nordportal der berühmte Königinnenstreit ereignete, dem dann an gleicher Stelle das Gerichtsverfahren gegen Siegfried aufgrund der Vorwürfe Kriemhilds folgte. Seit Kaiser Friedrich Barbarossa, der 1184 Worms die Freiheitsurkunde übergab, wurde das Nordportal stets als Schwur- und Gerichtsstätte genutzt. Siegfried kam aus diesem Prozess allerdings mit Freispruch heraus, so dass Hagen an Ort und Stelle den Racheschwur für Brunhild leistete und damit Siegfried dennoch zum Tode verurteilte. Den erschlagenen Siegfried legte man direkt vor Kriemhilds Tür, damit sie ihn beim morgendlichen Besuch der christlichen Messe auffinden sollte. Dieser Ort existiert nicht mehr, denn damals gab es noch eine Verbindungstür vom 1. Stock des Burgunderhofes (1689 durch den Stadtbrand zerstört, heute Platz des Schlösschens von Cornelius Heyl) direkt in den Dom. Diese Verbindungstür ist noch an der Nordwand des Domes von außen zu sehen. Sie ist mit Ziegelsteinen zugemauert und wird „Kriemhild-Pforte“ genannt. Auch auf die natürlich nicht der Wahrheit entsprechende Mythologie des Siegfriedsteines vor dem Dom wird aufgrund des Steinwurfes in der Nibelungenlied-Geschichte eingegangen.

In ähnlicher Weise setzt sich die Reise fort bis zum Untergang der Nibelungen und dem Ende des Dramas. Ein hervorragender Bildband, der zeigt, dass der Nibelungen-Tourismus boomt und dass die Pläne der Nibelungenvisionäre in Worms aufgehen. Natürlich ging so etwas nicht von heute auf morgen, aber Geduld macht sich dennoch bezahlt. Bereits 1997 erschienen als Hardcover im |Ueberreuter|-Verlag, ist der Titel nun auch für den schmaleren Geldbeutel erschwinglich geworden. Obwohl im |dtv|-Verlag erschienen, kann man auch in der Neuausgabe eigentlich nicht von Taschenbuch sprechen. Das Buch hat übergroßes Format und die typische Bildband-Ausstattung und Qualität behalten.