Harper Lee/Fred Fordham – Wer die Nachtigall stört… (Graphic Novel)

Der zeitlose Klassiker über Rassismus und Heldenmut, jetzt als wunderschöne Graphic Novel – bereit, von einer neuen Generation entdeckt zu werden

Amerika in den 30er Jahren. In die idyllische Südstaaten-Kindheit der achtjährigen Scout und ihres älteren Bruders Jem drängt sich die brutale Wirklichkeit aus Vorurteilen und Rassismus. Scouts Vater Atticus, ein menschenfreundlicher Anwalt, soll den schwarzen Landarbeiter Tom Robinson verteidigen, der angeblich ein weißes Mädchen vergewaltigt hat. Tapfer versuchen Scout und ihr Bruder, das demokratische Gerechtigkeitsempfinden ihres Vaters zu unterstützen, und geraten dabei selbst in große Gefahr. (Verlagsinfo)

Inhalt und Eindrücke:

Seit dem frühen Tod ihrer Mutter wachsen die Geschwister Jean Louise, genannt Scout, und Jeremy, kurz: Jem, alleine bei ihrem Vater Atticus Finch auf. Der Rechtsanwalt bewohnt mit seinen Kindern ein Haus in einem Wohnviertel des beschaulichen Örtchens Maycomb in Alabama. Unterstützt wird er von der farbigen Köchin Calpurnia, die sich als langjährige Hausangestellte der Finchs tagsüber auch um die Kinder kümmert.

Atticus Finch ist ein ernsthafter, gebildeter und charismatischer Mann. In Maycomb genießt er als Rechtsanwalt ein hohes Ansehen. Seine Kinder sind ihm wichtig und neben seiner Arbeit liegt ihm viel an der Erziehung der Geschwister zu offenen und eigenständigen Persönlichkeiten.

Die Kinder genießen den Sommer und gemeinsam mit anderen Kindern spielen sie am liebsten draußen. Als das neue Schuljahr beginnt, muss auch Scout ihrem Bruder in die Schule folgen: Doch, obwohl sie ein so kluges und aufgewecktes Mädchen ist und sogar schon vor dem Unterricht lesen gelernt hat, tut sie sich in der Schule zunächst sehr schwer.

Spannender findet sie in jedem Fall die Spiele und Mutproben, die sie sich zusammen mit Jem und Freund Dill auszudenken vermag. Eine ungeheure Faszination übt dabei das verlassen wirkende Haus der Familie Radley in ihrer Nachbarschaft auf sie aus. Die Radleys haben offenbar einen bereits erwachsenen Sohn, den allerdings selten bis nie jemand zu Gesicht bekommt. Der mysteriöse Nachbar „Boo“ Radley beflügelt die Phantasie der Kinder und immer wieder finden sie kleine Geschenke in einem Astloch, ohne jemals genau zu wissen, von wem sie kommen.

Die frühen 1930er Jahre sind auch im Süden Amerikas geprägt von wirtschaftlicher Not und zunehmendem Rassismus in der Bevölkerung. Atticus Finch ist bemüht, seine Kinder zu vorurteilsfreien und aufrichtigen Menschen zu erziehen. Als er selbst Pflichtverteidiger für den jungen schwarzen Tom Robinson wird, der angeblich ein weißes Mädchen vergewaltigt haben soll, gibt es plötzlich Anfeindungen gegen seine Person. Auch Scout und Jem hören, dass ihr Vater als „Niggerfreund“ bezeichnet wird. Am Abend vor dem Prozess, als Atticus persönlich einen Lynchmord an seinem Mandanten verhindern will, sind die beiden Geschwister ebenfalls zur Stelle und können unerwartet den Vater unterstützen.

Der Prozesstag ist ein großes Ereignis, zu dem scheinbar ganz Maycomb versammelt ist. Auch die Kinder dürfen im Gerichtssaal ihren Vater in Ausübung seiner Arbeit erleben: Akribisch versucht dieser, die Aussagen der Belastungszeugen zu widerlegen und Fakten darzulegen, die für die Unschuld seines Mandanten Tom Robinson sprechen. Schnell wird jedoch klar, dass in dem von Vorurteilen und Rassismus beherrschtem Klima die von ihm aufgezeigte Wahrheit nicht dem entspricht, was die Meisten hören und glauben wollen. Die Geschworenen plädieren auf schuldig und das Urteil fällt gegen den farbigen Mann.

Von nun an überschlagen sich die Ereignisse: Das Schicksal des Verurteilten endet unerwartet auf grausame Weise. Atticus selbst muss sich vor tätlichen Angriffen aus Rache in Acht nehmen, auch seine Kinder scheinen davor nicht geschützt zu sein. Ausgerechnet jemand, von dem es niemand erwartet hätte, kommt ihnen zur Hilfe!

„Wer die Nachtigall stört…“ (Englischer Originaltitel: „To kill a mockingbird“) ist ein wahrer Klassiker in der modernen Literatur. Der Roman wurde 1960 geschrieben von der US-Amerikanerin Harper Lee und später auch erfolgreich verfilmt.
Die Graphic Novel von Fred Fordham bebildert die gesamte Geschichte und bedient sich überwiegend an Originaltexten aus dem Roman. Der Stil der Zeichnungen ist klar und sachlich mit Fokus auf den Gesichtern und Emotionen der Protagonisten. Das Layout ist überwiegend kleinteilig und detailgetreu, immer wieder aber von stimmungsvollen Auflockerungen unterbrochen. Die Farbgebung ist harmonisch und leicht gedeckt, auffallend der Einsatz von Schattierungen. Es gibt eine Gliederung in zwei Teile.

Mein Fazit:

Da ich bereits sowohl den Roman als auch die Verfilmung von „Wer die Nachtigall stört…“ kenne und mir die Geschichte sehr gut gefällt, wartete ich gespannt auf diese Graphic Novel. Um es direkt vorwegzunehmen: Große Überraschungen darf hier niemand erwarten – die Handlung ist ziemlich eng an den Originalroman angelegt und auch der Text stammt hauptsächlich von dort. Die gezeichneten Figuren weisen sogar eine deutliche Ähnlichkeit mit den Schauspielern des gleichnamigen Films auf.

Vielmehr darf sich der Leser auf eine toll gezeichnete Graphic Novel freuen, die bei aller Sachlichkeit gelungenermaßen die Themen und Hauptaussagen dieser Geschichte transportiert. Es geht um menschliche Werte, Klassenunterschiede, Vorurteile und Rassismus – Themen, die wichtiger und aktueller kaum sein könnten. Was für eine tolle Idee, die Geschichte in Form eines so schönen Mediums neu aufzulegen! Ich bin fest davon überzeugt, dass das auch der Autorin Harper Lee gut gefallen hätte.

Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
ISBN-13: 978-3499218224

www.rowohlt.de

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