Hickman, Tracy – Im Sog der Dunkelheit (StarCraft # 3)

Die Handlung des vorliegenden Romans führt uns zurück nach Mar Sara, dem Schauplatz des ersten Bandes, „Libertys Kreuzug“ (Jeff Grubb); diesmal jedoch erleben wir die Invasion der Zerg und den Fall des Planeten aus Sicht eines einfachen Marines der Konföderation.
Ardo Melnikov verlor bei einem Angriff der Zerg auf seinen Heimatplaneten Bountiful alles, was ihm etwas bedeutete: die Geliebte, die Eltern, die Heimat. Pures Glück ließ ihn überleben und so kämpft er nun in den Reihen der konföderierten Marines als einfacher Gefreiter gegen jene Aliens, die seine Welt vernichteten. Über Mar Sara erhält seine Kompanie den Auftrag, eine Kiste mit geheimem Inhalt inmitten des Zerg-Territoriums zu bergen und zum nächsten Stützpunkt der eigenen Streitkräfte zu schaffen. Doch von Anfang an läuft alles schief: nicht nur, dass die Bergung des Gegenstandes die Hälfte seiner Einheit das Leben kostet, auch die Konföderation scheint kein Interesse daran zu haben, dass irgendjemand dieses Himmelfahrtskommando überlebt. Dennoch gelingt es einigen Marines, sich in die vermeintliche Sicherheit des Stützpunktes zu retten, nur um festzustellen, dass dieser längst aufgegeben wurde. Von einer geretteten menschlichen Telepathin erfährt Ardo die schreckliche Wahrheit darüber, was die Konföderation ihm, anderen „Soldatenjungen“ und nicht zuletzt der Welt Mara Sara angetan hat, und schließlich steht die Gruppe vor der Entscheidung, auf eigene Faust die Flucht zu wagen oder aber Tausenden von Zivilisten das Leben zu retten.

Tracy Hickman dürfte den meisten Fantasy-Fans als Co-Autor vieler Drachenlanze-Romane (|Goldmann| / |Blanvalet|) und des Death-Gate-Zyklus (in Deutschland unter dem Titel [„Die vergessenen Reiche“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=13 bei |Bastei| erschienen) bekannt sein. Mit „Im Sog der Dunkelheit“ stellt er unter Beweis, dass er nicht nur im Genre (Science-)Fantasy zu Hause ist, sondern durchaus auch als Autor von harter Military-SF zu überzeugen vermag.
Die fast schon klaustrophobische Atmosphäre der Geschichte ist geprägt von Hoffnungslosigkeit und Sinnlosigkeit angesichts der Verbrechen, die von der Konföderation im Namen der Menschheit begangen werden, und eines gnadenlosen – im wahrsten Sinne des Wortes – unmenschlichen Gegners. Egal ob die Protagonisten überleben oder nicht, sie haben verloren – eine Erkenntnis, die in der Realität auf viele unserer Kriege zutrifft. Und wenn gerade zum Schluss ein deutlicher Pathos in die Geschichte Einzug hält, so ist zu bedenken, dass diese Leidenschaftlichkeit das Einzige ist, was die Helden (Opfer) bis zum eigenen Untergang kämpfen lässt.

Der bedrückenden Atmosphäre folgt in angemessener Weise die Wahl einer streng personalen Erzählperspektive, deren Perspektivfigur Ardo Melnikov ist. Durch seine Augen erleben wir das Grauen des Krieges, sehen und beurteilen die Kameraden; zu keinem Zeitpunkt wissen wir mehr, haben mehr Informationen über die Gesamtsituation als jener unbedeutende Gefreite, und dies lässt uns direkt an seiner Hilflosigkeit teilhaben. Hinzu kommt der besondere Umstand, dass der Marine einer sogenannten Neural-Resozialisation unterzogen wurde, wobei seine echten Erinnerungen durch ein „Erinnerungs-Overlay“ mit falschen, kriegsdienlichen überdeckt wurden. Immer wieder durchstoßen religiöse Visionen die Oberfläche seines konditionierten Verstandes, flüstern ihm die Worte „Du sollst nicht töten“ oder „Friede kommt von innen“ zu, während er mit seinem Sturmgewehr Feinde niedermetzelt, so dass der Leser ob dieser Zerrissenheit ständig zwischen dem Zorn darüber, was ein unmenschliches System seinen „Soldatenjungen“ antut, und Mitleid schwankt.

Auch rein stilistisch gibt es an dem Roman nichts auszusetzen. Hickman bedient sich eines gefälligen, mitreißenden Stils und ist in der Lage, sowohl lebendige Bilder als auch lebendige Dialoge zu entwerfen. Leider ist dieser gute Roman relativ kurz geraten und man ist nur zähneknirschend bereit, ihn als das akzeptieren, was er ist: ein kurzes Intermezzo in einem epischen Konflikt.

Spannend, pathetisch, düster, desillusionierend. Großartige Military-SF nicht nur für StarCraft-Fans.

_Frank Drehmel_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine.de]http://www.x-zine.de veröffentlicht.|