Hillerman, Tony – goldene Kalb, Das

Nachdem mich Tony Hillerman mit [„Das Labyrinth der Geister“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=1302 ausgesprochen begeistert hat, hat mich mein Interesse für den „Meister des Ethno-Thrillers“ dazu geführt, mir mehr Lektüre dieses Autors zu besorgen. Das nächste Buch in meiner persönlichen Reihe hieß „Das goldene Kalb“ und spielt rein zeitlich eine ganze Weile später als der oben angeführte Thriller. Der Hauptdarsteller Joe Leaphorn ist mittlerweile schon berentet und hat seinen Posten dem ehemaligen Kollegen Jim Chee überlassen. Trotzdem hat Leaphorn das Interesse für spannende Kriminalfälle nicht losgelassen, so dass er hin und wieder doch wieder ins Geschehn eingreift und die Navajo-Polizei unterstützt. So zum Beispiel in der Geschichte um die Golden-Calf-Mine …

_Story:_

Thomas Doherty, der junge Neffe des Sheriffs, wird eines Tages in einem verlassenen Pick-up gefunden. Der weibliche Officer Bernadette Manuelito glaubt zuerst, dass der Mann betrunken ist, spürt dann aber, dass er keinen Puls mehr hat. Also ruft sie Hilfe und lässt den Mann von ihren Kollegen ins Observatorium bringen. Eines hat sie dabei jedoch übersehen: Dieser Mann ist erschossen worden, und weil Manuelito am Tatort in der Wartezeit lieber Pflanzen sammelt als näher nachzuforschen, werden wichtige Spuren verwischt.

Diesen Fehler soll sie anschließend noch bitter bereuen, denn zwischenzeitlich wird Bernadette vom Dienst suspendiert. Ihr Vorgesetzter Jim Chee lässt sie jedoch nicht hängen, so dass sie bei der Ermittlung in Sachen Thomas Doherty behilflich sein kann. Dass sie dabei fast erschossen werden wird, kann sie zu diesem Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen …

Joe Leaphorn hat ebenfalls vom Mordfall Doherty gehört und stellt schon sehr bald fest, dass es durchaus Parallelen zu einem vergangenen Mordfall gibt, bei dem es um einen wichtigen Goldschatz ging. Damals soll ein gewisser Wiley Denton angeblich aus Notwehr sein Gegenüber McKay erschossen haben. Denton musste daher nur eine kurze Haftstrafe absitzen, weil die Polizei ihm glaubte. Leaphorn jedoch weiß genau, dass Denton eigentlich ein Mörder ist und der Tathergang anders gewesen sein muss, kann es Denton aber nicht nachweisen. Doch dies ist noch längst nicht alles: Genau an diesem Tag vor fünf Jahren ist auch Dentons Ehefrau Linda verschwunden – und seitdem nie wieder aufgetaucht.

Was zunächst noch recht schwammig klingt, kann von den beiden Ermittlergruppen mit fortlaufender Zeit immer besser zusammengefügt werden, doch bis Leaphorn, Chee und Manuelito dahinter gestiegen sind, inwiefern die beiden Mordfälle tatsächlich zusammenhängen bzw. welches Motiv tatsächlich hinter den Geschehnissen von heute und vor fünf Jahren steckt, befinden sie sich bereits in tödlicher Gefahr …

Wiederum bin ich wirklich begeistert. Hillerman hat erneut mehrere Handlungsstränge – in diesem Fall die beiden parallel betrachteten Mordfälle – nebeneinander herlaufen lassen und sie anschließend Stück für Stück wie ein feines Puzzle miteinander verbunden. Erstklassig sind dem Autor dabei wieder die Hauptdarsteller ‚geglückt‘. Der erfahrene Joe Leaphorn; ein Mann mit stolzem Charakter aber auch genügend Lebenserfahrung, um sich zu keinem Zeitpunkt aus der Ruhe bringen zu lassen, selbst nicht in der größten Todesgefahr. Dann Jim Chee; ein verbohrter Sturkopf, aber dennoch mit dem Herz am rechten Fleck und stets seinen Kollegen einen Schritt voraus. Dieser Mann hat von seinem Meister gelernt. Und als Drittes die schüchterne Bernadette – ein wenig tolpatschig, teilweise auch etwas naiv, aber in den entscheidenden Momenten mit den richtigen Ideen zur Stelle.

Dieses Trio begeistert durch den gesamten knapp 300-seitigen Roman und wird von Hillerman einfach nur prima in Szene gesetzt. Am besten gefällt mir diesbezüglich die Darstellung der Gedankengänge, denn anders als noch bei „Das Labyrinth der Geister“ kommen hier auch vielfältige Emotionen hoch. Zum Beispiel die Gefühle zwischen Manuelito und Chee, die jedoch nie richtig angesprochen werden. Oder das Drama um den ermordeten McKay, welches sich im Laufe des Romans erst so richtig offenbart. Nicht zu vergessen natürlich die Geschichte um den mutmaßlichen Mörder Denton und seine verschwundene Frau. Auch hier hat Hillerman einige dramaturgische Züge eingebaut, die erst auf den letzten Seiten vollkommen verständlich werden.
Doch das ist es ja gerade, was ich an Hillerman so schätze. Hier passiert so viel auf einmal, und dennoch geht der Fluss der Geschichte nie verloren. Im Gegenteil, prinzipiell schreitet alles sehr flott voran, aber es wirkt trotz der verschiedenen Unterpunkte der Handlung keinesfalls überladen. Hillerman nutzt die Zeit bzw. die Seitenzahl immer voll aus, schafft es aber dennoch, im Hintergrund Dinge geschehen zu lassen, die erst gar nicht so auffällig erscheinen, sich im späteren Verlauf aber als wichtig herausstellen. Genau das zeichnet einen guten Thriller aus, und deshalb ist es für mich auch keine Frage, dass ich mich in der nächsten Zeit noch ausführlichst mit diesem Autor beschäftigen werde.

Die Spannung, der wunderbare Einblick in die Kultur der Navajo/Diné-Reservationen und die tollen Hauptdarsteller machen „Das goldene Kalb“ zu einem wahrlich kurzweiligen, lesenswerten Thriller. Einfach nur sehr empfehlenswert!

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