Interview mit Lea Korte

_Buchwurm.info:_
Hallo, Frau Korte, wie geht es Ihnen, wo sind Sie gerade und was machen Sie?

_Lea Korte:_
Wie es mir geht, hat mich in einem Interview noch nie jemand gefragt – ich finde das sehr nett! Danke, es geht mir gut – wie auch nicht, wo der Frühling endlich zu seinem Recht kommt! 🙂 Ich bin in Spanien, wo ich seit fast zwanzig Jahren lebe, und ich plane einen neuen Roman, was immer sehr aufregend ist!

_Buchwurm.info:_
Unsere Leser bei |Buchwurm.info| kennen Sie vielleicht noch nicht so gut. Könnten Sie sich bitte kurz vorstellen?

_Lea Korte:_
Ich bin Jahrgang ’63, verheiratet, habe zwei Kinder (9 und 13), einen (reichlich!) verrückten Hund und eine schwarze Katze, die auch nicht viel normaler ist. Alles andere würde aber wahrscheinlich auch nicht zu uns passen. 😉

Mancher fragt sich nach meiner Anmerkung oben sicher, wie ich nach Spanien gekommen bin. Nun, mit zwölf war ich mit meinen Eltern zum ersten Mal am spanischen Mittelmeer und habe damals ganz naiv beschlossen, dass ich später dort leben will – und das „Später“ sollte nicht erst im Rentenalter sein. Mit dem Schreiben war es ähnlich: Das war auch so ein früher, höchst naiver „Beschluss”, weil ich von den „Buddenbrooks“ so begeistert war. Dass später beides geklappt hat, zeigt, dass man seine Kinderträume manchmal doch in die Tat umsetzen kann.

Ja, ich schreibe Romane, derzeit vor allem historische Romane, und ich bleibe sicher auch dabei, denn die haben mich richtig gepackt. Mein Thema ist – wie sollte es anders sein – die spanische Geschichte, die voller Dramatik und spannender Geschichten ist – die ideale Grundlage also für Romane!

Lesen und Schreiben sind für mich sehr wichtig, so wichtig, dass ich darüber schon mal das eine oder andere vergesse, was man besser nicht vergessen sollte. 😉 Und seit ich mit den historischen Romanen angefangen habe, fesselt mich das Schreiben sogar noch mehr.

Wer noch mehr über mich und meine Arbeit wissen möchte, findet auf meiner Webseite http://www.leakorte.com und auf meinem Blog http://www.leakorte.wordpress.com ständig neue Informationen.

_Buchwurm.info:_
Wie kamen Sie zum Schreiben und was fasziniert Sie besonders am Genre des historischen Romans?

_Lea Korte:_
Zum Schreiben kam ich einmal, weil ich mich in die Figuren von Thomas Mann verliebt habe. Man kann sie laufen, gehen, weinen SEHEN – und dass man dies nur mit Worten erreichen kann, hat mich fasziniert. Gleich nach dem Studium habe ich ganz ernsthaft mit dem Schreiben begonnen und hatte das große Glück, auf Anhieb einen Agenten zu finden, mit dem ich auch heute noch zusammenarbeite und dank dessen Vermittlung ich inzwischen sieben Bücher veröffentlicht habe.

Früher habe ich unter anderem Pseudonym sogenannte Frauenromane geschrieben, wobei der letzte eigentlich schon eher ein Entwicklungsroman war. Aber ich wollte irgendwie „mehr“. „Nur“ Geschichten zu erzählen war mir irgendwann zu wenig. Und so kam ich zu den historischen Romanen. Mein Ziel ist dabei, Vergangenem neues Leben einzuhauchen. Bei „Die Nonne mit dem Schwert“ habe ich Catalina de Erauso, die im 17. Jahrhundert wirklich gelebt hat, ihre Geschichte erzählen lassen; bei [„Die Maurin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6248 lasse ich die Leser die letzten 15 Jahre der Reconquista im 15. Jahrhundert anhand der Geschichte der (fiktiven) Zahra as-Sulami miterleben.

_Buchwurm.info:_
Worum genau geht in „Die Nonne mit dem Schwert“ und was hat Sie an diesem Thema besonders interessiert?

_Lea Korte:_
„Die Nonne mit dem Schwert“ war mein erster historischer Roman, der auf der Autobiografie von Catalina de Erauso beruht, also in großen Bereichen wahr ist. Das Mädchen war von seinen Eltern – gegen seinen Willen – ins Kloster gesteckt worden. Eines Tages ergibt sich für sie die Möglichkeit zu fliehen, die sie natürlich sofort wahrnimmt. Doch als Mädchen hat sie „draußen“ kaum Überlebenschancen. Sie stiehlt sich die Kleider eines Jungen, schneidet ihr langes Haar ab – und lebt fortan als Junge.

Im Gegensatz zu den „Hosenromanen“ haben wir es hier mit einer wahren Geschichte zu tun, in der man überdies sehr viel von der Geschichte der damaligen Zeit mitbekommt: Es ist die Zeit der Eroberung Südamerikas durch die Spanier, die Zeit der Inquisition – und die Kirche hat es Frauen damals verboten, das Haar „nach Sklavenart kurz geschoren“ und Männerkleider zu tragen. Kurz zuvor war Johanna von Orleans unter eben diesem Vorwand in England auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden. Und auch Catalina schwebt in ständiger Gefahr … Ihre Autobiografie trägt den Titel „Die Nonne Fähnrich“ – so dass man schon ahnen kann, was zumindest einen Teil ihres mehr als aufregenden Lebens ausmacht … Aber mehr will ich hier nicht verraten.

Für mich war es sehr spannend nachzuempfinden, wie sich Catalina nach der Flucht aus dem Kloster gefühlt haben muss. Ihre Verlorenheit, ihre Ängste – und den Mut, den sie finden musste, ihr Leben – und ein gefahrvolles noch dazu! – künftig allein zu meistern. Catalina de Erauso war in meinen Augen eine wirklich bemerkenswerte Frau!

_Buchwurm.info:_
Warum nehmen Sie an, dass dieses Thema auch heutige Leser besonders interessieren könnte oder sollte?

_Lea Korte:_
Catalina war eine Frau, die sich nicht mit der ihr vorgegebenen Rolle zufrieden geben wollte. Auch heute werden wir noch oft genug in Rollen gedrängt – und das hat mit Emanzipation gar nichts zu tun. Es sind die Erwartungen anderer, die uns eingrenzen – wenn wir es zulassen. Catalina hat beschlossen, ihren eigenen Weg zu gehen, allen Gefahren zum Trotz. Ich finde, es ist eine Geschichte, die Mut macht, dass wir auch heute unser Leben selbst in die Hand nehmen sollten, egal, was andere denken.

_Buchwurm.info:_
Ihr neuestes Buch ist [„Die Maurin“.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=6248 Worum geht es darin und was war für Sie von besonderem Interesse an diesem Thema?

_Lea Korte:_
„Die Maurin“ spielt zu einer Zeit, die meine historische Lieblingsepoche ist: dem Ende der Reconquista. Vielen Menschen ist nicht bewusst, dass Spanien, wie wir es heute kennen, noch sehr jung ist. Im 15. Jahrhundert existierte es noch nicht. Es gab es nur Kastilien, Aragón, Navarra – und Al-Andalus. Und in Al-Andalus regierten keine „Spanier“, sondern die Mauren, Muslime, die einst von den arabischen Ländern in Afrika gekommen waren und die dort zum Zeitpunkt meines Romans schon seit 700 Jahren herrschten.

Mich reizte vieles an dem Thema, aber vor allem die Konflikte zwischen Christen und Muslimen.

Zahra as-Sulami ist eine junge Frau, die zwischen diesen beiden Kulturen groß wird: Ihr Vater ist ein maurischer Adliger, ihre Mutter Kastilierin. Als Hofdame Aischa, der Sultanin von Granada, erhält sie besonders tiefe Einblicke in die sich zuspitzenden Konflikte zwischen den Mauren und den Kastiliern – und gerät bald sogar mitten zwischen die Fronten, und das mit dem Kopf und mit dem Herz …

_Buchwurm.info:_
Was fesselt den heutigen Leser an dieser Thematik?

_Lea Korte:_
Die Konflikte zwischen Muslimen und Christen sind auch aktuell ein höchst brisantes Thema. Da kann ein Blick in die Vergangenheit schon mal hilfreich sein: Im Maurenreich lebten Christen, Juden und Muslime nämlich über Jahrhunderte (!) friedlich und einvernehmlich zusammen, weil die Mauren in ihrem Reich den Toleranzgedanken groß geschrieben hatten. Ja, wir könnten viel lernen aus dieser Zeit – und es wäre schön, wenn der Roman zumindest einen kleinen Denkanstoß in diese Richtung geben könnte.

_Buchwurm.info:_
Als Erzählerin bleiben Sie in „Die Maurin“ weitgehend neutral. Fiel es Ihnen schwer, sich nicht für die eine oder andere Partei zu entscheiden?

_Lea Korte:_
Nun ja, ein bisschen mehr ist meine Sympathie vielleicht schon bei den Mauren, aber im Großen und Ganzen war es mir wichtig zu zeigen, dass es auf beiden Seiten Menschen gab, die es verdienen, dass man sie achtet, weil sie sich für friedliche Lösungen und ein friedliches und toleranteres Miteinander einsetzten. Es gibt nicht DEN Christen und auch nicht DEN Muslimen. Es gibt – für mich – nur den Menschen, der dahintersteht. Und Menschen (!) gab es auf beiden Seiten.

_Buchwurm.info:_
Greifen Sie bei Ihren historischen Recherchen auf besonders kompetente Quellen wie etwa eine Universitätsbibliothek zurück? Beschäftigen Sie auch gesonderte Forscher?

_Lea Korte:_
Bei „Die Maurin“ hatte ich nicht nur eine Universitätsbibliothek sondern auch ein „wandelndes Lexikon“ zur Unterstützung: Prof. Dr. Jordi Aguadé von der Universität Cadiz, der genau das Thema meines Romans als seinen Forschungsschwerpunkt hat, und seine Frau Laila, die eine Spezialistin für alle Fragen ist, die den Islam betreffen. Beide haben mir während des ganzen Romans beratend und überdies mit großem Elan zur Seite gestanden.

Für mich war es wichtig, nicht nur die Geschichte der fiktiven Zahra as-Sulami und ihrer Familie zu erzählen, sondern zugleich auch die Geschichte dieser letzten 15 Jahre der Reconquista – und das nicht einseitig, sondern mit einem Blick auf beide Seiten: die christlich-kastilische und die muslimisch-maurische.

_Buchwurm.info:_
Sind Sie mit dem Erfolg Ihrer Bücher bislang zufrieden? Welche Publikumsreaktionen haben Sie am meisten gefreut? Welche fanden Sie unverständlich?

_Lea Korte:_
Die Verkaufszahlen für „Die Maurin“ werde ich selbst erst im Herbst erhalten, aber ich weiß, dass „Die Maurin“ schon zwei Monate nach Erscheinen zum ersten Mal nachgedruckt wurde – was ja doch ein Zeichen dafür ist, dass sie sich gut verkauft. Auch „Die Nonne mit dem Schwert“ hat sehr viele Leser gefunden, zumal sie auch im |Club| (Bertelsmann) und bei |Weltbild| als Lizenz herauskam.

Die Leserreaktionen auf „Die Maurin“ sind bisher durchweg sehr positiv, was mich riesig freut. Nach den ersten Online-Leserunden kann ich überdies sagen, dass die Leser sich wirklich in das Buch hereingezogen gefühlt und besonders lobend erwähnt haben, dass ich nicht einfach nur eine Geschichte im Mittelalter erzähle, sondern es mir gelungen ist, der Geschichte der Reconquista mit Zahra neues Leben einzuhauchen, der Roman also Historisches und Fiktives so verbindet, dass der Leser quasi nebenbei und höchst unterhaltend auch noch Geschichtsunterricht bekommt.

Bei [www.amazon.de]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3426502305/powermetalde-21 sind einige der Rezensionen aus den Leserunden zu lesen, die eben diese Kommentare widerspiegeln. Meine Lieblingsrezension ist derzeit wohl die von Rita del’Agnese bei der histo-couch: http://www.histo-couch.de/lea-korte-die-maurin.html. Auf dieser Webseite wurde ich mit der „Maurin“ auch zum „Historikus“ des Monats März gewählt, was mich riesig gefreut hat und ich als besondere Ehre empfunden habe.

Auch anderen Webseiten ist „Die Maurin“ schon positiv aufgefallen: Bei http://www.historische-romane.de war ich im Februar Autor des Monats, bei http://www.lovelybooks.de ist „Die Maurin“ gerade auf Platz 4 der Frühlingsbücher 2010 gelandet und war damit der am besten platzierte historische Roman. Und „Die Maurin“ ist ja erst seit kurzem auf dem Markt. Unverständlich fand ich bisher noch keine Rezension, zumal sie ja bis dato alle erfreulich gut bis supergut waren.

_Buchwurm.info:_
Welchen Interessen und Hobbys widmen Sie sich in Ihrer Freizeit? Engagieren Sie sich auch sozial?

_Lea Korte:_
Mit einer Familie und einer so intensiven Arbeit wie dem Schreiben und Recherchieren für historische Romane ist man gut beraten, wenn die Arbeit zugleich auch Hobby ist. Bei mir ist es so: Auch in meiner „Freizeit“ lese und recherchiere ich. Als Freizeit betrachte ich die Zeit, die ich auf dem Sofa oder am Strand mit Lesen und Korrekturen verbringe, als Arbeit den Teil, den ich in meinem Arbeitszimmer erledige. 😉

Darüber hinaus spiele ich Klavier und unternehme gern etwas mit meiner Familie. Sozial engagiere ich mich vor Ort.

_Buchwurm.info:_
Welches Thema möchten Sie als nächstes aufgreifen?

_Lea Korte:_
Das Thema Muslime-Juden-Christen hat mich ziemlich gepackt, so dass ich wohl auch meinen nächsten historischen Roman in diesem Bereich ansiedeln werde. Auch nach der Reconquista gehen die Konflikte nämlich weiter, und eigentlich wird es dann sogar noch spannender! Genaueres aber weiß ich noch nicht, weil dies noch mit dem Verlag besprochen werden muss.

_Werkverzeichnis:_

1) Die Maurin, Droemer Knaur, Februar 2010
2) Die Nonne mit dem Schwert, Droemer Knaur, April 2007
3) Das steinerne Auge. Historischer Episodenroman.

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