Isaac Asimov/Charles Waugh/Martin Greenberg (Hrsg.) – Drachenwelten

Drachenzauber: magisch, romantisch, witzig

Altmeister Isaac Asimov war nicht nur ein produktiver Autor von Krimis, Sachbüchern und Science-Fiction-Romanen, sondern auch ein ausgezeichneter und fleißiger Herausgeber von Anthologien. Dies belegt unter anderem das hohe Niveau der Story-Sammlung in „Drachenwelten“. Als mythologische Wesen tauchen Drachen vorwiegend in Fantasygeschichten auf, sind aber auch in der Science-Fiction nicht ganz unbekannt, etwa bei Jack Vance und Alexander Besher. Bestes Beispiel ist die hier aufgenommene Story von Gregory Benford.

Jede Erzählung wird von Asimov und seinen zwei Kollegen kurz eingeleitet, indem er nützliche Informationen über den Verfasser und mitunter auch die Story liefert.

Die Erzählungen

1) Evelyn E. Smith: Gerda (ditto, 1954)

Peter Loomis, Psychologiestudent, ist unsterblich in Gerda verliebt, ihres Zeichens Biologiestudent. Doch ach! Sie hat weder Augen für ihn noch jeden anderen männlichen Zweibeiner, der den Campus bevölkert und nach ihrer Schönheit verschmachtet. Nur Professor Tenebroso von der Fakultät für Schwarzmagie weiß sofort Bescheid: „Auf ihr liegt ein Fluch, der nur durch einen Kuss von ihr genommen werden kann – und jetzt raus hier!

Da fällt es Peter wie Schuppen von den Augen. Eilends begibt er sich zu Gerda, die gerade einen Frosch seziert. Sie blickt auf und ahnt mit weiblichem Instinkt, was er im Sinne hat. „Nein, tu das nicht, ich warne dich!“ Doch Männerarme sind stärker als Frauenkurven und so kommt es zum Unvermeidlichen: dem Kuss.

Ein Blitz, ein Donnerschlag – und Peters Arme umschlingen einen riesigen Schlangenleib, der von einem Drachenkopf überragt wird. „Ich habe Hunger!“ sagt der Drache. Nun ist guter Rat teuer, doch zum Glück fällt Peters grauen Zellen noch etwas ein: „Ich bin sicher, die Mathematiker schmecken wesentlich besser…“

Mein Eindruck

Da liegt Peter völlig richtig, und auch die Sportstudenten geben einen knusprigen Braten ab. – Die kurze Story spiegelt die Feindseligkeiten und Beziehungen an einer kleinen Provinzuniversität wider, wie es sie in den fünfziger Jahren in den USA noch zuhauf gab. Natürlich wird auch das alte Klischee vom Ritter und der holden Maid auf den Kopf gestellt: Er muss nicht den Drachen erschlagen, um das Mädel zu bekommen (siehe auch das dämliche Titelbild). Das „Mädel“ weiß sehr gut selbst auf sich aufzupassen.

2) David Drake: Drachenzähne (Dragon’s Teeth, 1977)

Rumänien, 4. Jahrhundert nach Christus. In Rom regiert, nicht ganz unumstritten, Kaiser Konstantin, doch sein Reich wird an fast allen Grenzen von wilden Stämmen oder den Persern berannt. In der goldreichen Provinz Dacia sehen die Grenzsoldaten unter dem Kommando von Lucius Vettius, wie sich die nomadischen Sarmaten immer häufiger nähern, um dann nachts ihre männlichen Killer über die Limes-Mauer zu schicken.

Doch heute dreht Vettius den Spieß und rennt dem Wagenzug mit 50 Männern entgegen. Der Überfall klappt – bis sich ein drei Meter großer Riese erhebt und mit seiner Keule die Römer erschlägt. Erst in letzter Sekunde gelingt es Vettius mit einem Pfeilschuss den Augenschlitz des Helms des Riesen zu durchdringen und dessen Hirn auszuschalten. Das Ungetüm stürzt mit einem Erzittern der Erde zu Boden. Doch wo kam es her?

Der Kaufmann Dama hat weitreichende Verbindungen und hört vieles. Darunter auch, dass der sarmatische Zauberer Hydaspes in der Lage sei, solche Riesen aus Drachenzähnen zu erschaffen. Kaum hat Vettius‘ Vorgesetzter Celsus ihm den Befehl zu einem sinnlosen Angriff gegeben, fällt dem Römer ein raffinierter Plan ein. Aber er kann ihn nur allein mit Dama an seiner Seite ausführen. Zusammen begeben sie sich in die Höhle des Löwen…

Mein Eindruck

Der Zauberer selbst ist es, der die griechische Sage von König Kadmos zitiert, der die Stadt Theben durch Säen von Drachenzähnen eroberte. Doch Hydaspes‘ Saat entsteigen nicht nur Riesen, sondern schließlich auch ein Drache…

Die Story ist flott und actionreich erzählt, und Vettius erinnert mit seiner Kriegerhaltung an einen anderen Helden antiker Zeiten: den mythischen Conan. Tatsächlich schrieb Andrew Offut, der Copyright-Nehmer dieser Story, einige Conan-Romane und Storys. Wie auch immer: Vettius‘ Mission verläuft erfolgreich, nicht ohne gewissen ironischen Humor.

3) L. Sprague de Camp: Drei Ellen Drachenhaut (Two Yards of Dragon, 1976)

Eudoric ist der jüngste Spross des Grafen und wird daher unterschätzt. Endlich schafft es sein Vater, ihn mit der Tochter eines mächtigen Barons zu verkuppeln, doch als Morgengabe muss er dessen Zauberer Dr. Baldonius drei Quadratellen Drachenhaut beschaffen. Allerdings leben die letzten Drachen, die die tapferen Ritter, übriggelassen haben, in einem Reservat weit im Osten des Kontinents. Weil der naive Junge ja nicht allein überleben kann, gibt ihm sein Vater den Diener Jillo mit. Der hätte wenigstens genügend Verstand für beide.

Allerdings hegt Jillo konkrete Vorstellungen vom ehrenhaften Verhalten eines Ritters. Eudoric pfeift auf Regeln und Ehre. Als er in den Osten gelangt und von der Größe der Drachen hört, kauft er eine neumodische „Armbrust“, die keinen Bogen hat, und dazu eine explosives Pulver. Es handelt sich um ein Gewehr, und es muss fachmännisch geladen werden. leider gebricht es Jillo im entscheidenden Moment an Nervenstärke, und alles geht schief.

Nun ist der Drache zwar tot, doch der Förster verhaftet die beiden Wildfrevler auf der Stelle und wirft sie ins Gefängnis der nächstgelegenen Stadt. Nun ist guter Rat teuer, doch der taucht in Gestalt eines Zauberers auf, der sich „Doktor Rapsidius“ nennt. Er verspricht Eudoric Hilfe, im Tausch gegen ein paar Geheimnisse seines Konkurrenten Dr. Baldonius. Leider sind Rapsidius‘ Worte mehr wert als seine nicht vorhandenen taten – Eudoric und Jillo schmachten weiter im Verlies.

Erst als ein neuer Herrscher auf den Thron gelangt und eine allgemeine Amnestie verkündet, kommen Eudoric und Jillo frei. Sie klauen die in einer Kammer aufbewahrte Drachenhaut und machen sich auf den Weg, um es Rapsidius heimzuzahlen. Zu diesem Zweck muss Jillo die ultimative Schmach auf sich nehmen: Er muss sich als Frau verkleiden…

Mein Eindruck

Sprague de Camp ist ein richtiger Spaßvogel unter den Schreibern von Phantastik, und bei dieser hintersinnigen, abenteuerreichen Story macht er keine Ausnahme. Eudoric ist ein rechtschaffener Yankee, wie er im Buche steht, doch die anderen, die ihm höhergestellt sind, wissen ihn nach Strich und Faden auszunützen. Doch nicht lange und er ist in der Lage, es ihnen heimzuzahlen.

Bemerkenswert an dieser Fantasy ist, dass Eudoric neuen Technologien aufgeschlossen ist. Die erste ist das Feuerrohr, das im späten Mittelalter noch als Arkebuse oder Hakenbüchse bezeichnet wurde. Es veränderte die Art der Kriegsführung grundlegend und ließ den Rittern auf ihren Panzerpferden keine Chance. Die zweite Technologie ist weniger grundlegend und offensichtlich: die Postkutsche. Dieser Vorläufer des Taxis ist in Eudorics rückständiger Grafschaft völlig unbekannt. Schon bald ist Eudoric in der Lage, ein richtiges Unternehmen aufzuziehen – was in Jillos Augen die deprimierendste seiner vielen unritterlichen Untaten ist.

4) Gregory Benford/Marc Laidlaw: Drachenschnauben (A Hiss of Dragon, 1978)

Auf dem Planeten Lex herrscht nur ein Drittel der irdischen Schwerkraft, etwas viele Dinge einfacher macht. Hier sammeln Jäger wie unser Chronist Drake bestimmte Beeren, um sie gewinnbringend zu verkaufen. Doch der Job ist riskant. Wenn Drake auf seinem Gleiter über die Hänge der Gebirge schwebt, muss er sich vor eifersüchtigen Drachen in Acht nehmen, die ein gewisser Leopold zu wahren Ungetümen herangezüchtet hat. Die Drachen schweben ebenfalls, emporgehoben von einer mit Wasserstoff gefüllten Blase am Bauch. Und Wasserstoff ist leicht entzündlich, wie jeder weiß.

Ein gewisser Kwalan Rhiang nutzt es aus, dass die Gültigkeitsdauer von Leopolds Gen-Patenten kürzlich abgelaufen ist. Als Drake nicht für ihn arbeiten will, greift der Genpirat zu härteren Maßnahmen. Schließlich kommt es zu einem Luftkampf Mann gegen Mann rund um ein Drachennest…

Mein Eindruck

Die beiden Autoren verbinden das Fantasy-Motiv des Drachen mit Gentechnik und Gleitschirmfliegen (das vermutlich nicht gerade die Spezialität des Physikprofessors Benford war). Herausgekommen ist eine packende, abwechslungs- und ideenreiche Erzählung über das Leben auf einer Siedlerwelt, wo Männer noch richtige Kerle sein können. Unterbrochen wird die Action von einem Abend in einem turmhohen Restaurant, das die niedrige Schwerkraft von Lex voll ausnutzt.

5) Fitz-James O’Brien: Der Drachenzahn des Zauberers Piou-Lu (The Dragon Fang Possessed by the Piou-Lu, zwischen 1852 und 1861)

Im alten China des 17. Jahrhunderts tritt vor einem Hotel in Tsing-tao der Zauberer Piou-Lu auf. Vor einem Publikum aus einfachen Leuten und drei kaiserlichen Mandarinen erzählt er, wie er zu seinem Wunder wirkenden Drachenzahn gekommen sei. Er habe ihn vom Drachen Lung, der den Himmel beherrscht, bekommen, indem er ihm einen schmerzenden Zahn zog. Welche Wunder sich damit wirken lassen, stellt er ebenfalls gleich unter Beweis – und entlarvt einen Schwindler und einen gierigen, aber faulen Schneider. Da sich mit dem Untergang der Ming-Dynastie die Tataren (Mandschuren?) zum Herrscher aufgeschwungen haben, ist Duckmäusertum weitverbreitet.

In der gleichen Nacht besucht Piou-Lu einen der Mandarine aus dem Publikum. Wei-Chang-tze ist aber zufällig auch der Vater der wunderschönen Wu, die in seinem verwunschenen Garten lebt. Diese liebt keinen anderen als eben den Zauberer, und er liebt sie. Doch eins nach dem anderen. Der Mandarin bittet den Zauberer, ihn von einem Dämon in seinem Bauch zu befreien. Statt dies zu tun, zaubert Piou-Lu aus den Blütenblättern des Gartens eine virtuelle Ente, die keinen anderen als den wahren Kaiser symbolisiert. Dann beschwört er aus einem Stück Steinsalz einen Wolf, der die tatarischen Thronräuber verkörpert. Wundersamerweise besiegt die Ente den Wolf. Die Symbolik ist deutlich: Wei Chang-tze soll sich für den verborgenen Kaiser erklären.

Nun platzen der hinterhältige Schneider, drei weitere Mandarine und tatarische Soldaten herein. Sie wollen Piou-Lu verhaften und das Kopfgeld kassieren, das auf den verborgenen Kaiser ausgesetzt worden ist. Doch der Zauberer lenkt ihre Gier auf etwas viel Handfesteres: einen fetten Entenbraten. Doch dieser Fang erweist sich als so schwierig, dass alle Jäger vor Erschöpfung das Zeitliche segnen. Nun ist der Weg frei, um Wus Hand anzuhalten und mit Wei Chang-tze zu den Rebellen in die Berge zu ziehen…

Mein Eindruck

Wie man sieht, entpuppt sich die anfangs zauberische Mär als ein höchst politischer Text. Er beschreibt die Ära der Mandschuren-Besetzung nach dem Ende der Ming-Dynastie, die in vielen Shaolin-Epen beschworen wird. Tapfere Mönche – oder Zauberer – bewahren dem verborgenen Kaiser die Treue und das alte Wissen. Sie beteiligen sich an den Freiheitskämpf, um das fremdländische Joch abzuwerfen und dem Sohn des Himmels auf den Thron zu verhelfen. Der Zauberer Piou-Lu tut das Gleiche, nur viel eleganter und pfiffiger. Er ist selbst der verborgene Kaiser und folglich mit den höheren Mächten – siehe Drachenzahn! – im Bunde.

6) Orson Scott Card: Der Raufbold und das Ungeheuer (The Bully and the Beast, 1980)

In einer Zivilisation, in der Menschen nur 1,50 Meter groß werden, erscheint der Zwei-Meter-Bursche Brock wie ein Riese. Und er ist bereits mit drei Jahren stark genug, mit einer Ohrfeige einen drei Jahre älteren Jungen zu fällen. Das macht sich der schlauere Junge Winkle zunutze, indem er Brock als Druckmittel benutzt, um seinen Willen zu erreichen. Als er Brock nicht mehr braucht, sorgt er dafür, dass brock aus dem Dorf ausgestoßen wird und nur noch in der Küche des Grafen Arbeit findet.

Der Graf hat zwar kein Geld, aber großen Ehrgeiz. Er hat seine Tochter Brunhilda bestens ausbilden und ausstaffieren lassen, so dass sie an ihrem 18. Geburtstag den 50 Rittern des Grafen präsentiert werden kann. Natürlich will er sie meistbietend verstei-, pardon: an den Mann bringen, vorzugsweise an den Sohn des Königs. Unglückseligerweise verliebt sich Brock auf der Stelle in diesen Inbegriff der Vollkommenheit und sagt dies aus. Als wäre dies nicht genug, steht am nächsten Morgen die Armee des Herzogs vor dem Tor: Er will den Tribut, den ihm der Graf schuldet, eintreiben. Doch Brock sorgt im Alleingang dafür, dass die Schlacht gut ausgeht, zumindest für den Grafen.

Aber bekommt er dafür die Prinzessin? Mitnichten. Er sei ja kein Ritter und somit der Hand der Prinzessin unwürdig, flüstert Winkle dem Grafen ein. Brock müsse eine Tat vollbringen, die mindestens zehnmal so tapfer ist wie die eines „normalen“ Ritters. Als ein Drache die Prinzessin aus ihrem Gemach entführt, wird Brock ausgesandt, die Entführte zurückzubringen. Er schwingt sich auf ein Pferd, das nicht unter ihm zusammenbricht. Auf dem Weg warnt ihn Brunhildas Amme vor dem Feuer in den Augen des Drachen.

In der Tat findet Brock alles so vor, wie die Alte es vorhergesagt hat. Die Prinzessin ist an einen Pfahl gefesselt und muss sich von der Schwanzspitze des Drachen kitzeln lassen. Jedes Mal stößt sie markerschütternde Schreie aus. Der Kampf Brocks gegen den sprechenden Drachen führt zu keiner Entscheidung, nur zu Müdigkeit auf beiden Seiten. Am Ende schließen sich jedoch die riesigen Klauen und Zähne um Brocks Körper. Er muss das tun, was er bislang vermieden hat: dem Drachen in die Augen schauen. Darin entdeckt er endlich die Wahrheit über sich, Winkle, den Grafen, deren Betrug und über die Verderbtheit der Welt. Er gibt zu, dass er schreckliche Angst habe.

Diese Ehrlichkeit ist der Drache nicht von Rittern gewöhnt. Er lässt Brock laufen und zum Grafen zurückkehren. Nicht nur die empörte Prinzessin schimpft ihn einen Feigling, sondern der ganze Hof. Brock zieht sich in eine einsame Waldhütte zurück. Doch er bekommt Unterstützung und Anerkennung von unerwarteter Seite. Seine Geschichte mit dem Drachen und der entführten Prinzessin ist noch nicht zu Ende…

Mein Eindruck

Die Novelle beginnt wie die Sage von Herkules, denn Brock ist ein sanfter Riese, der tut, was man ihm sagt, und denkt, was man ihm einflüstert. Er muss die Wahrheit erst noch erkennen, und dazu muss er erst dem Tod in Drachengestalt gegenübertreten. Seine Sinnsuche endet erst bei seiner zweiten Begegnung mit dem Drachen. Brock erregt unser Mitleid, und wie er empört sich der Leser über die Undankbarkeit, Heuchelei und Gier des Grafen, der mit Winkles Hilfe Thronräuber wird (natürlich nicht für lange).

So schwankt der Leser zwischen Empörung, Verwunderung und Vergnügen über das Geschilderte hin und her. Im Finale geht es jedoch recht philosophisch zu. Man merkt, dass der Autor viel zeit bei den Mormonen verbracht hat und die Bibel vorwärts und rückwärts kennt. Brock ist eine Art Samson, Winkle ist seine Delilah – und der Drache ist wirklich eine Verkörperung des Widersachers bzw. des Todes. Brock wird geprüft: auf Ehrlichkeit und Wahrheitsliebe. Als einziger von 450 Rittern besteht er die Prüfung. Mehr darf nicht verraten werden.

7) L. Frank Baum: Der Kopf des Königs und der Purpurdrache (The King’s Head and the Purple Dragon, Romanauszug)

Ein Purpurdrache sucht die Karamellenfelder des Königreichs Mo heim. Der tapfere König fordert den Drachen heraus, doch dieser beißt ihm schnöde einfach den Kopf ab. Ein leben ohne Kopf erweist sich indes als zwar machbar, aber wenig romantisch: Die Königin sehnt sich danach, ihren Gemahl wieder küssen zu dürfen. Das ist eine ernste Sache, wird dem König klar.

Er fordert die jungen Männer des Reiches auf, ihm einen neuen Kopf zu liefern. Als Gegenleistung will er sie mit der Hand einer Prinzessin belohnen. Doch der erste Kopf, der aus Zucker gemacht ist, zerfließt im Regen, und der zweite Kopf, aus Brotteig geformt, backt in der Sonnenhitze auf. Erst der Kopf aus Holz, den ein Holzfäller aus den bergen schnitzt und auf den königlichen hals setzt, verspricht, haltbarer zu sein. Doch Holz kann nicht lächeln – und die Königin weigert sich weiterhin, den Königskopf zu küssen.

Als der Holzfäller zum Drachen geht, um den Königskopf zurückzufordern, bekommt er zunächst den Kopf abgebissen und dann den Kopf des Königs auf seinen Hals zurück – dessen Krone hat dem Drachen schwer im Magen gelegen. Nun hat der Drache seinen Spaß, denn der richtige Kopf sitzt nun auf dem falschen Körper. Was tun? Der König versammelt seine Ritter und zieht ein letztes Mal gegen den Drachen…

Mein Eindruck

In diesem Kindermärchen vom Autor des „Wizard of Oz“ ist eine Botschaft verborgen. Was macht einen König eigentlich zum Herrscher – und gibt es einen Unterschied zwischen dem König als Herrscher und dem König als Menschen? Durch das Vertauschen der Köpfe kommen ganz unerwartete, amüsante Effekte zum Vorschein. Hinweis: Die Vorstellung, dass Könige durch den Verlust ihres Kopfes ums Leben kommen könnte, ist den kleinen Lesern natürlich nicht zuzumuten.

8) Dean Koontz: Leise kommen die Drachen (Soft Come the Dragons, 1967)

Auf einer Siedlerwelt leben die 68 Menschen in Furcht vor dem täglichen Angriff der Drachen, deren Augen sie in Stein verwandeln. Der Angriff dauert immer drei Stunden, getragen vom Wind, der bei einer bestimmten Tide vom Meer her weht. Aber ist das die Wahrheit, die Wirklichkeit, fragt sich der Landvermesser und Dichter Mario Dante.

Als wieder einmal „Luftalarm“ ist, versteckt er sich nicht wie alle anderen im Luftschutzbunker, sondern geht nach oben sein Zimmer und bastelt eine ganz besondere Brille: Ihr Gläser bestehen aus Spiegeln. Als er hinaus auf den Strand geht, entdeckt er eine völlig neue Wirklichkeit. Die Drachen bestehen nicht aus Materie, und selbst im Boden gibt es noch Wesen. Doch wie kommt es, dass keiner außer ihm den Drachen ins Auge sehen kann? Es ist eine Wahrheit, die keiner der Siedler erträgt…

Mein Eindruck

Natürlich wird Dante sofort für verrückt erklärt. Ganz besonders Marshall, der das Kommando an sich gerissen hat, will Dante zum Verstummen bringen, bevor er noch mehr über Marshalls Impotenz und seine Familie verrät. Weit wichtiger ist jedoch die Erkenntnis, dass die Drachen gar nicht stofflich, sondern metaphysisch sind: Sie existieren nur im Kopf des Betrachters – um unangenehme Wahrheiten widerzuspiegeln. Die einzige Abhilfe: Läuterung und das Sprechen der Wahrheit – hehre Aufgaben des Poeten. Doch in den Siedlern sträubt sich alles dagegen.

Diese Story erinnert bereits an den späteren Horrorautor Koontz, indem sie das Grauen, das in der Seele wohnt, nach außen verlagert, um es verarbeiten, vielleicht sogar bekämpfen zu können. Dante hat seine Frau bei einem Autounfall verbrennen gesehen, doch sie ist weiterhin als Geist (= Drache) in seinem Kopf. Erst als er diesem Schrecken (= Basilisk) ins Auge zu blicken wagt, findet er zur Erlösung.

Koontz‘ Prosa wird vom Herausgeber „experimentell“ genannt, weil darin „objektive“, auktorial erzählte Passagen sich mit „subjektiven“, personal erzählten Passagen abwechseln. Sein Stil von anno 1967 erscheint uns heute als der Standard. Sic tempora mutantur.

9) Gordon R. Dickson. St. Drachen und der Georg (St. Dragon and the George, 1957; British Fantasy Award für die Romanfassung 1976)

Jim Eckert ist ein Englischstudent an einem amerikanischen College, als ein Hypnose-Experiment schiefgeht. Seine Freundin Angie war wütend auf ihn, weil er zu wenig verdient, um eine Familie gründen zu können, und ging aus Trotz zu einem Professor, der ein Versuchskaninchen suchte. Doch statt nur ihren Geist in Trance zu versetzen, verschwand auch ihr Körper. Um sie zu finden, lässt sich auch Jim hypnotisieren – und landet im Körper des Drachen Gorbash. Er befindet sich in einer Fantasy-Parallelwelt, wo Drachen und Zauberer aller Art existieren.

Der Drache Gorbash ist Teil der Drachengemeinde, in der Angie vom Drachen Anark gefangengenommen worden ist. Anark & Co. wollen für das Mädchen, das sie wie alle Menschen „Georg“ nennen, Lösegeld, um weitere „Georgs“ fressen zu können: Sie ist nur der Köder. Anark und Smrgol, Gorbashs Großonkel, haben nun Gorbash alias Jim Eckert zum Zauberer S. Carolinus geschickt, damit dieser als Vermittler eines Lösegelds auftritt. Doch Jim hintergeht die beiden und bittet Carolinus verständlicherweise, stattdessen Angie zu retten.

Kaum hat sich Jim durch Linderung von Carolinus‘ Magenschmerzen dessen Dankbarkeit gesichert, erscheint Smrgol vor der Haustür. Er bringt Neuigkeiten: Anark hat die Geduld verloren und ist mit der Gefangenen verduftet. Den Ort des Verstecks findet Carolinus schnell mittels Magie heraus: der Verhasste Turm, ein Ort uralter böser Magie! Jim heult auf, dass sich alle die Ohren zuhalten müssen. Dann macht sich das Trio auf den Weg, um Angie zu retten. Vor Jim liegt ein langer, verschlungener Weg, bis er und Angie wieder in ihre Welt zurückkehren können…

Mein Eindruck

Dies ist die zweitberühmteste Story in dieser Auswahl. Der Autor baute die Story nicht nur zu einem Roman (1976, s.o.) aus, sondern zu einem ganzen Zyklus mit neun Büchern, von denen nur sieben bei uns veröffentlicht wurden.

Wie der Titel verrät, sind in die Geschichte gegenüber der Legende ein paar Rollen durcheinandergeraten. Jim ist zwar kein Ritter, aber auch nicht so richtig ein Drache. Und der Ritter, dem er seine Doppelidentität beibringen muss, entpuppt sich als feiner Kerl, der sich Jims Sache anschließt. Denn wie es so schön heißt: Ein Ritter muss sich erst einen Namen machen, bevor er auf Freiersfüßen wandeln kann. Zum Glück für den Ritter gibt es am Verhassten Turm viele Gelegenheiten, sich einen Namen zu machen – sofern man dieses Unterfangen überlebt. Denn nicht nur der Drache Anark, der Entführer der holden Angela, tritt ihm entgegen, sondern auch ein Riese und ein Riesenwurm. Dass der Gegner im Schneckentempo angreift, ist ebenso ungewöhnlich wie der Rest des ganzen Kampfes, der das Finale bestreitet.

Die friedliche Zusammenarbeit zwischen Drache und Ritter steht ganz im Zeichen des pazifistischen Ansatzes des Autors. Immer wieder lässt er in seinen Geschichten unterschiedlichste, ja sogar gegensätzliche Figuren aufeinandertreffen, die dann ihre Konflikte nicht auf die alte kriegerische Weise beilegen, sondern gemäß den Regeln des Pazifismus. Wie jeder Kriegsdienstverweigerer – wie ich – lernen musste, gibt es eine ganze Reihe von Methoden, einen Konflikt unblutig zu lösen. Das beste Beispiel lieferte einst Mahatma Gandhi. Dickson hat in seinem Dorsai-Zyklus solche Geschichten immer wieder durchgespielt.

Der komplette Drachenritter-Zyklus

1. The Dragon and the George (1976) – deutsch: Die Nacht der Drachen, München: Heyne 3769 ISBN 3-453-30670-8 (1980) und Heyne 5902 ISBN 3-453-12693-9 (2002) (Ü: Irene Holicki), mit Illustrationen von John Stewart
2. The Dragon Knight (1990) – deutsch: Der Drachenritter, München: Heyne 5903 ISBN 3-453-12694-7 (1997) (Ü: Norbert Stöbe)
3. The Dragon on the Border (1992) – deutsch: Der Drache an der Grenze, München: Heyne 5904 ISBN 3-453-12696-3 (1997) (Ü: Norbert Stöbe)
4. The Dragon at War (1992) – deutsch: Der Drache im Krieg, München: Heyne 5905 ISBN 3-453-13345-5 (1997) (Ü: Michaela Link)
5. The Dragon, the Earl, and the Troll (1994) – deutsch: Der Drache, der Graf und der Troll, München: Heyne 5906 ISBN 3-453-13350-1 (1997) (Ü: Michaela Link)
6. The Dragon and the Djinn (1996) – deutsch: Der Drache und der Dschinn, München: Heyne 5907 ISBN 3-453-13353-6 (1998) (Ü: Norbert Stöbe)
7. The Dragon and the Gnarly King (1997) – deutsch: Der Drache und der Wurzelkönig, München: Heyne 9049 ISBN 3-453-15631-5 (2000) (Ü: Silvia Jettkant)
8. The Dragon in Lyonesse (1998) – deutsch: noch nicht auf Deutsch erschienen (geplant: Der Drache an König Arthurs Hof)
9. The Dragon and the Fair Maid of Kent (2000) – deutsch: noch nicht auf Deutsch erschienen.

10) Thomas N. Scortia: John Robert und das Drachenei (John Robert and the Dragon’s Egg, 1975)

Der Junge John Robert hat im Schlamm des Seeufers ein Drachenei gefunden. Es sieht ganz anders aus als die üblichen Kroko-Eier, richtig schrumpelig. Er bringt es zurück auf den Bauernhof von Tante Bess und Onkel Ben. Hier lebt er nach dem Tod seiner Eltern. Der erste, dem er es zeigt, ist allerdings sein Opa Riley, ein richtiges Schlitzohr, das unter der Tyrannei, die Bess ausübt, bis zum Gehtnichtmehr leidet. Opa ist es auch, der dem Jungen rät, das Ei im Hühnerstall zu verstecken und dort von der Sonne ausbrüten zu lassen.

Unvermeidlich schlüpft das kleine Reptil, und es ist in der Tat kein Kroko. Dafür ist es viel zu zutraulich – und es vertilgt alles, was ihm in den Weg kommt. John Robert nennt es nach einem Kinderbuch über einen Zauberer Ozzie. Das Wesen wächst schnell und so steigt die Gefahr, dass es von Bess entdeckt wird. Vom Hühnerstall in die Scheune, von der Scheune in den Geräteschuppen – der ist einbetoniert und unbrennbar. Als Ozzie fünf Meter lang ist, frisst er sich durch den Beton und begegnet auf diese Weise Bess, die gerade Kerosin für ihr Lampen holen will.

Ihr durchdringender Schrei ruft Onkel Ben auf den Plan – und gibt ihm zugleich einen fiesen Plan ein. Er fährt gen Süden nach New Orleans – wozu? Kurz vor seiner Rückkehr rückt Bess mit der Sprache heraus: Ozzie soll im Zirkus auftreten! Vor Schreck fallen John Robert und Riley fast vom Stuhl. In der folgenden Nacht holt Opa seinen Enkel aus dem Bett und führt Ozzie hinaus auf Tabakfeld. Ozzie sind inzwischen mächtige Schwingen gewachsen. Es gibt nur eine Richtung, um dem Elend der Farm und den Qualen des Zirkus zu entfliehen – ab nach Arabien und Afrika!

Mein Eindruck

Opa und Enkel brüten einen Drachen aus und fliegen darauf davon. Quasi auf den Flügeln der Phantasie entkommen sie ihrer begrenzten bäuerlichen Existenz draußen auf dem Lande – unweit eines Flusses, in dem Krokodile leben, und im Süden nahe New Orleans, denn nur dort wächst der Tabak. Sie sind das, was man inzwischen „White Trash“ nennt. Es ist verwunderlich, dass hier keine Sklaven oder Farbigen auftreten, insofern ist das geschilderte Ambiente unrealistisch. Das ist nicht unwichtig, denn der Drache soll ja den Kontrast dazu darstellen – und die Fluchtmöglichkeit.

Wie auch immer: Was sich wie eine TV-Episode aus „Lassie“ oder „The Waltons“ liest, bietet doch für ein jugendliches Publikum viel Anlass zum Schmunzeln. Das Wachsen des Drachen bringt eine Menge Hindernisse und Unannehmlichkeiten mit sich, die überwunden sein wollen – und die erwartete Entdeckung des Wesens sorgt für eine gewisse Spannung im Leser. Als die Katastrophe endlich eintritt, sind die Folgen so schlimm – der Zirkus! – dass sich Opa und Enkel veranlasst sehen, Reißaus zu nehmen, auch zum Schutze von Ozzie.

11) Janet Fox: Dämon und Demoiselle (Demon and Demoiselle, 1978)

Arcana war bislang der festen Überzeugin, sie sei die beste Zauberin weit und breit. Doch als ein Elfenbeinpfeil ihren schönsten Falken vom Himmel holt und im Nichts verschwindet, ahnt sie, dass es einen noch mächtigeren Zauberer geben könnte. Ihr dienstbarer Geist, eine riesige Kröte, verrät ihr dessen Namen: Ascarius. Und er hat ihr den Dämon, der im Falken steckte, geraubt. Kurz entschlossen reitet sie gen Drachenland, alle Warnungen in den Wind schlagend. Nur eines beachtet sie: Sie verkleidet sich als männlicher Minnesänger.

In einer Landkneipe lernt sie einen wütenden Ritter mit Namen Heißsporn kennen. Nur ihre traurigen Geschichten vermögen sein wütendes Herz zu besänftigen. Er will Ermintrude zurück, die Prinzessin, die ihm versprochen war – bevor Ascarius sie ihm raubte und in den Bergfried sperrte. Arcana denkt, dass sie beide ein gemeinsames Ziel haben, und schließt sich ihm an.

Die Begegnung mit einem schwarzen Drachen vor der Burg des Zauberers erweist sich für Heißsporn als beinahe tödlich, doch Arcana hilft ihm, indem sie einen Felssturz auf den Drachen herabrollen lässt. Zwar scheint der Weg in die Burg nun frei, doch der erste der unsichtbaren Dämonen, ein Inkubus, erweist sich als einer von der lustvollen Sorte…

Mein Eindruck

Die Erzählung bedient sich der Mittel der Komödie, wie man sie von Shakespeare kennt: Falsche Identitäten, Frau gegen Mann, Lust gegen Logik – die Figuren und ihre Dialoge leben von den Kontrasten. So soll sich Arcana als vermeintlicher Mann die Nacht mit einem Schankmädchen vertreiben. Arcana dreht den Spieß einfach um.

Der Plot hingegen ist denkbar simpel: Arcana als Geschädigte will sich mithilfe des Ritters an dem Schadensverursacher rächen. Allerdings ist der Zauberer Herr über Drachen und Dämonen, also fragt sich, was sie dagegen auszurichten vermag. Doch im Zweikampf der Illusionen, der nun entbrennt, behält entweder die Vernunft des Zauberers oder das „Chaos“ im Bewusstsein der Zauberin die Oberhand. Das „Chaos“ alias Emotionen wird durch das Wirken des Inkubus entfacht, der Arcana so viel Lust bereitet, dass anzunehmen ist, dass ihre Gefühle tatsächlich einem Orgasmus entsprechen – verschlüsselt beschrieben in entsprechend gedrechselten Worten. Diese Autorin traut sich was!

12) Anne McCaffrey: Die Drachenkönigin (Weyr Search, 1967/68)

Pern ist eine Siedlerwelt jenseits einer Dunkelwolke, wo Kolonisten von der Erde gelernt haben, telepathisch mit den lokalen Drachenwesen zu kommunizieren und per Teleportation von Ort zu Ort durch das ZWISCHEN zu fliegen. Die Drachen sind notwendig, um die Killerfäden zu verbrennen, die vom Roten Stern alle 200 Jahre, wenn er vorüberzieht, auf Pern übertragen werden. 200 Jahre – das ist eine lange Zeit, in der sich allerlei Ungemach und Lotterleben entwickeln kann.

Baron Fax ist es gelungen, die Kontrolle über sieben der Siedlerburgen an sich zu reißen. Er hält nichts von Drachenreitern und ihre seltsamen, offenkundig unnötigen Vorschriften und Bräuchen. Als die Drachenreiter vom Benden-Weyr Baron Fax‘ Hauptburg besuchen, finden sie allerlei Vorschriften verletzt vor, aber der Baron selbst geizt ebenfalls nicht mit Beleidigungen und Sticheleien. Die Drachenreiter sind auf Brautschau, denn bald wird die alte Drachenkönigin sterben und mit ihr die Königin des Weyr.

Doch Fax hat offenbar übel aufgeräumt. Auf Burg Ruatha, einer der ältesten und ruhmreichsten, hat er alle Erben des alten Blutes, das noch über die KRAFT der Telepathie verfügt, töten lassen. Glaubt er zumindest. Doch als die Drachenreiter schließlich auf Burg Ruatha eintreffen, spüren und ihre Drachen eindeutig, dass die KRAFT am Werke ist. Doch wer ist der Träger? Es dauert äußerst lange, bis F’lar, der Hauptmann der Weyr-Truppe, merkt, dass er selbst heimlich manipuliert wird, um den fiesen Baron herauszufordern. Doch Fax führt selbst die Krise herbei, und es kommt zu einem Duell auf Leben und Tod…

Mein Eindruck

Zu den beliebtesten Drachen-Erzählungen gehören die Erzählungen und Romane Anne McCaffreys. „Die Drachenkönigin“ ist mit 60 Seiten Länge einer der umfangreichsten Beiträge des Bandes, aber auf keiner einzigen Seite langweilig. Sie liest sich wie ein verdichteter Roman, und tatsächlich machte die Autorin später ein Buch in gewohnter Romanlänge daraus.

Es ist im Grunde eine Aschenputtelgeschichte, kombiniert mit dem König-im-Exil-Motiv (das für den Plot des „Herrn der Ringe“ eine zentrale Rolle spielt). Lessa ist die letzte überlebende Angehörige der Ruatha vom alten Blut, und sie hat zehn lokale Jahre erduldet, bis die Drachenreiter kommen und nach einer wie ihr suchen. Nun muss sie ultravorsichtig sein, damit nicht der grausame Baron sie entdeckt und auf der Stelle abmurkst. Ein Glück, dass seine Hauptfrau gleichzeitig niederkommt – und Lessa sich ihrer annehmen muss. Nun kann Lessa ihre Hinterlist zur Geltung bringen.

Die Novelle entdeckt mit einem glorreichen Augenblick, als unser Aschenputtel endlich von der jungen Königsdrachin Ramoth erwählt wird, eine telepathisch-empathische Verbindung entsteht und so Lessa zur Drachenkönigin des Benden-Weyr aufsteigt. Romantischer geht’s nicht mehr. Hier hat sich die Autorin viel von Tierabenteuern wie „Flicka“ abgeschaut, nur dass statt Pferden Drachen als Reittiere dienen. Ein Weyr ist also quasi ein umfunktionierter Ponyhof – mit sehr kriegerischem Ambiente. Aber die Wirkung stimmt, und darauf kommt es an.

Die Übersetzung

Seite 49: „die Schenkmädchen“. Kein Sorge, hier werden keine Mädchen verschenkt. Es handelt sich um SCHANK-Mädchen.

S. 56: „eine geringe Gebü[h]r“. Das H fehlt.

S. 71: „Jahwohl.“ Ein H in diesem kurzen Wort reicht völlig aus.

S. 88: „Das Angis ist ein ri[e]siges altes Haus“, und nicht etwa ein „rissiges“. Das E fehlt.

S. 306: „…in der eine vergessene Kolonie [auf?, nein: von] der Erde mit der einheimischen Bevölkerung des Planeten Pern, die drachenartige Geschöpfe sind…“ Hier ist dem Autor des Vorworts ein übler Fehler unterlaufen. Wahrscheinlich hatte er bis dato noch nie was von Pern gehört.

S. 326: „sein An[t]recht auf…“ Das T ist überflüssig.

S. 328: „Es schwenkte mühelos ein, um zu landen.“ Da ein Drache gemeint ist, muss es „Er“ statt „Es“ heißen.

S. 331: „Was hat Fox gesagt…?“ Gemeint ist aber Baron Fax.

Unterm Strich

Der Bogen spannt sich von spannenden, abenteuerlichen Geschichten wie „Drachenzähne“ über humorvoll-augenzwinkernde Geschichten wie „Drei Ellen Drachenhaut“ und „St. Drache und der Georg“ bis hin zu romantischen Abenteuern wie „Die Drachenkönigin“. Dazwischen gibt es alle Schattierungen, aber keine der Erzählungen würde ich als ausgesprochen schwach bezeichnen – dafür gibt es einfach zu viele gute Drachen-Storys.

In jedem einzelnen vermittelt die jeweilige Erzählung dem Leser einen guten Eindruck von dem, wofür der Autor oder die Autorin steht. Da Gordon Dickson und Anne McCaffrey lange Zyklen aus ihren Drachen-Debüts gestrickt haben, ist der Leser, der auf witzige und/oder romantische Drachenabenteuer aus ist, mit ihnen am besten bedient – und hat Aussicht auf viele weitere Wiederholungen dieser schönen Lektüre.

Ich wundere mich, wo die Herausgeber diese Fülle von spannenden und unterhaltsamen Storys zu diesem Thema ausgegraben haben, die zum Erscheinungszeitpunkt meist noch nicht in Deutschland veröffentlicht worden waren. Ich wünsche mir mehr solcher Themenanthologien. Martin Greenberg zumindest war in dieser Hinsicht sehr produktiv, so etwa mit Anthologien über Einhörner oder über den Berg der Götter, den Olymp.

Für die Druckfehler, die mitunter eklatant sind, gibt es einen halben Punkt Abzug.

Taschenbuch: 368 Seiten
Info: Dragon Tales, 1982
Aus dem US-Englischen übertragen von Petri, Richter, Hundertmarck und Westermayr
www.heyne.de

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