Jeff Noon – Nymphomation (Manchester-Trilogie 03)

Ein Sprachfest: Evolution im Zeichen des Dominosteins

Die Lotterie Domino Bones bestimmt das Leben und das Bewusstsein der Bewohner von Manchester. Kleine Miniroboter berieseln jeden Bürger mit ihren Werbesprüchen, und jeden Freitag, wenn Ziehung ist, tritt die üppige Lady Luck auf, die Galionsfigur der Lotterie. Doch in Wahrheit gibt es nur einen Gewinner: AnnoDomino, die Company hinter der Lotterie.

Eine Gruppe von Mathestudenten untersuchen die Geheimnisse hinter der Lotterie. Sie entdecken die beängstigenden Möglichkeiten, die in der Lotteriemanie liegen. Die Company übernimmt Manchester wirklich, denn sie verfügt über die Nymphomation, einen evolutionären Prozess mit der Kraft, die Träume der Stadt zu übernehmen…

Liest sich wie eine Mischung aus William Gibsons Cyberpunk und George Orwells Zukunftsvision.

Der Autor

Der britische Schriftsteller Jeff Noon, der sich in dieser Fortsetzung der zwei klassischen Alice-Romane „Zenith O’Clock, writer [= righter] of wrongs“ nennt, ist der einfallsreiche Autor der phantastischen Romane „Vurt“ (dt. „Gelb“), „Pollen“ (dt. gleich) und „Nymphomation“ (noch nicht übersetzt). Sie spielen alle in seiner Heimatstadt Manchester. Und dies ist auch zum großen Teil der Schauplatz der wundersamen Ereignisse in „Automated Alice“.

Romane

Vurt (dt. Gelb, ISBN 3-442-44449-7, ISBN 3-442-54007-0)
Pollen (dt. Pollen, ISBN 3-442-44408-X, ISBN 3-442-54031-3)
Automated Alice (dt. Alice im Automatenland, ISBN 3-442-54065-8)
Pixelsalat (Pixel Juice; Stories, bei Goldmann)
Needle in the groove (Roman, unübersetzt)
Falling out of cars (Roman, unübersetzt)

Theaterstücke

Woundings
Vurt – the theatre remix
Alphabox
Somewhere the Shadow
The Modernists

Handlung

Am Ende des 2. Jahrtausends AD nimmt die Stadt Manchester an einem zukunftsträchtigen Pilotprojekt teil, das bei Erfolg von der Firma AnnoDomino weltweit veranstaltet werden soll. Die Rede ist von Domino Bones, der neuen Lotterie. Kleine Bioroboter namens Blurbflies rufen ihre Werbeslogans, die Blurbs, in die Luft, bis die ganze Stadt jedem Freitagabend entgegenfiebert: der Ziehung!

“Dream to play! Play to win! Win to dream!“ säuseln und brüllen die Blurbflies den Bewohnern in die Ohren. Jeder Bürger hockt vor der Glotze, selbst wenn diese sich in einem TV-Laden befindet. Jeder hat mindestens einen Spielstein, einen Bone, gekauft und wartet gespannt, ob Lady Luck, die kurvenreiche Lottofee, seine Kombination von Punkten auf seinen Dominosteinen als Glückskombination ausruft. Dem glücklichen Gewinner winken zehn Millionen Krediteinheiten, also unermesslicher Reichtum, für die Verlierer gibt eine weitere Woche Hoffnung, für diejenigen, die nur halb richtig lagen, gibt es wenigstens hundert Krediteinehiten, um sich weitere „Lose“ kaufen zu können. So können sie ihre Sucht weiter befriedigen.

Doch wie bei jedem Glücksspiel gibt es viele Verlierer und nur einen richtigen Gewinner: AnnoDomino, die Firma, die zwar die Regel aufgestellt hat, niemanden mit ihrer Lotterie süchtig zu machen – aber herrje! Wen interessiert das schon?

Daisy Love

Daisy Love ist eine arme Studentin, die von einem Stipendium mehr schlecht als recht lebt. Das Stipendium hat sie nur bekommen, weil sie fälschlicherweise angab, ihre Eltern seien bereits gestorben, doch ihr Vater James lebt noch. Sie studiert bei Prof. Maximus Hackle Spieltheorie und Wahrscheinlichkeitsrechnung, doch Hackle weiß von ihrem Vater. Deshalb ist sie ein wenig von seinem Wohlwollen abhängig und beeilt sich, jede Hausaufgabe getreulich abzuliefern.

Was gar nicht so einfach ist, denn auch Daisy ist spielsüchtig und schaut sich jeden Freitag die AnnoDomino-Ziehung an. Meist gemeinsam mit Jazir Malik, dem Sohn des Besitzers des Curry-Restaurants, über dem sie wohnen darf. Jazir ist ein Hacker: Er bricht in die Universitätsdatenbank ein und findet Daisys Geheimnis heraus, nein, er baut sogar eigene Blurbflies für seine Freunde. Zu diesen zählt der Student Sweet Benny Fenton, einen Schwulen, der in Joe Crocus verliebt ist, ein älteres Semester, sowie der DJ Dopejack. Daisy sieht diese Dark Fractal Society ab und zu an der Uni, aber sie ahnt nicht, dass sie so etwas wie die Magie der Mathematik praktizieren, um endlich mal in der Domino-Lotterie zu gewinnen.

Eines Tages erhält Daisy von Hackle eine merkwürdige Frage gestellt: Wie hoch ist die Chance, dass jemand gewinnt, wenn nur 75% der Teilnehmer spielen, um zu gewinnen? Um die Antwort hrauszufinden, muss sie in der Datenbank der Uni Hackles Werke konsultieren. Nur ein einziges davon ist freigegeben, stellt Daisy frustiert fest. Als sie das Dokument liest (sie kann es weder ausdrucken noch extern speichern), stößt sie erstmals auf den Begriff „Nymphomation“: Verwirrt liest sie, dass Hackle damit den Vorgang bezeichnet, wenn Zahlen sich mit anderen Zahlen zusammentun, um neue Zahlen zu ZEUGEN. Als ob Zahlen miteinander Sex hätten. Was für ein Blödsinn, denkt Daisy. Aber die Argumentation führt sie zur richtigen Antwort, die sie abgibt.

Hackle ruft sie zu sich ins Büro. Er redet zunächst gar nicht über ihre Arbeit, sondern über die Lotterie. Er gesteht, dass er sie stoppen will, denn sie bringt Leute um. Ungläubig lauscht ihm Daisy und schaut mit wachsendem Entsetzen auf die Belege, die er vorweist. Ihr ist bekannt, dass viele Gewinner sogenannten „Neid-Morden“ zum Opfer fallen, weil andere ihren Gewinn einheimsen wollen. Aber es gibt ein verräterisches Muster bei diesen Morden: Alle Gewinner, die bereits dreimal einen halben Gewinn ergattert hatten, um hundert Einkaufspunkte zu bekommen, wurden ermordet. Von der Million Teilnehmer, die bislang zweimal einen halben Gewinn errangen, existieren nur zehn. So wenige! Ist das normal? Keineswegs, denn die Wahrscheinlichkeit spricht dagegen. Und diese zehn sind ebenfalls Todeskandidaten.

Was bedeutet das, fragt sich Daisy, und Hackle sagt es ihr: Die Lotterie ist so manipuliert, dass niemand mehr als dreimal einen Halbgewinn, geschweige denn einen Hauptgewinn erlangen kann. Und er ahnt auch, wer der Manipulator ist, der sich hinter dem Namen Mr. Million verbirgt: sein alter Schulkamerad Paul Malthorpe. Hackle erzählt ihr die umwerfende Geschichte, wie Hackle, ihr Vater James Love, Paul Malthorpe und 25 andere Schüler an der Oberschule mit der neuen Lehrerin Miss Sayer anhand des Dominospiels – 28 Steine für 28 Schüler, klar? – die Wahrscheinlichkeitsrechnung lernten, obwohl sie zuvor die miesesten Schüler aller Zeiten gewesen waren. Und Paul Malthorpe war die Doppel-Sechs in der Klasse, und der Doppel-Nuller Georgie wurde schnell sein Speichellecker. Hackle selbst war Zwei-Null.

Der Plan

Hackle möchte, dass Daisy seiner Gruppe um Joe Crocus und Jazir Malik beitritt, um das Imperium von Mr Million zum Einsturz zu bringen. Daisy weiß jetzt, warum sie immer gegen ihren Vater beim Domino verliert – er war der Klassenbeste. Und jetzt vegetiert er mittellos in einer Stadt, die von Whoomphy-Burger-Polizei und AnnoDomino-Einrichtungen beherrscht wird. Sie fragt einfach: „Was ist Ihr Plan?“ Hackle erklärt es ihr.

In der Lektüre von Hackles Publikationen über die Nymphomation und in Jazirs Demonstrationen zu den Blurbflies erkennt Daisy zu ihrem Erstaunen, dass die Nymphomation bereits existiert! Sie ist ein evolutionärer Prozess unter den Blurbflies, die von AnnoDomino – und jetzt auch von Jazir – programmiert werden. Liegt es am Bild der kopulierenden Blurbs, dass Daisy mit Jazir schläft? Das fragt sie sich, denn sowohl sie als auch Jazir sind jetzt keine Jungfrauen mehr. Jazir ist (wie weiland Spider-Man) von einer Blurbfly gebissen worden – sie fliegen nun auf ihn, als würde er sich zu einer von ihnen verwandeln. Hat er Daisy mit seinem Samen infiziert, fragen sich die frischgebackenen Lover.

Max Hackle fordert AnnoDomino immer offensichtlicher heraus, doch die Company, deren Kopf immer noch unbekannt ist, schlägt zurück: Die Ziehung Nummer 45 zeigt die Doppel-Null als Gewinnerzahl – der Joker! Auf einmal sind praktisch alle Verlierer, denn wer kauft schon eine Doppel-Null? Das verschärft die Konfrontation weiter. Die Polizei sucht nach dem verschwundenen achtjährigen Mädchen Celia: Sie ist eine genetische Variante, die Blurbs und Dominosteine – beides sind ja programmierbare Biomechanismen – so beeinflussen kann, dass sie immer gewinnt. Als Daisy nach Celia sucht, gerät sie ins Visier der von AnnoDomino kontrollierten Whoomphy-Polizei, die sie prompt festhält. Können Jazir, Max Hackle und Daisys Vater sie herausholen?

„Dream to play! Play to win! Win to dream!“, schreien die Blurbflies in den Straßen. Doch der Kampf um Manchester ist noch nicht entschieden.

Mein Eindruck

Es klingt wie ein verrückter Einfall der bekifften 68er-Generation: eine neue Art der Evolution in Gang zu setzen, die auf Mathematik und Biomechanismen, den Blurbflies, basiert. Doch wie vorauszusehen, macht sich die Evolution, einmal angestoßen, schon bald selbständig. Die Blurb-Nanomechanismen breiten sich nicht bloß im Computer der Hackle-Gruppe aus, sondern früher oder später auch in den Körpern der Forscher, die mit ihnen zu haben. So kommt es zur Zeugung eines besonderen Kindes: Daisy Love.

Künstliche Evolution

Das Niederreißen der Barriere zwischen menschlichem Körper und künstlicher Evolution, verkörpert durch winzige Maschinenwesen, die der fraktalen Mathematik gehorchen, erinnert mich an den Plot von Greg Bears SF-Roman „Blutmusik“, doch Jeff Noon handhabt die Möglichkeiten völlig anders. Dieses Buch aus dem Jahr 1985, ein Jahr nach William Gibsons epochalem „Neuromancer“, ist einer der klassischen Texte der Cyberpunk-Bewegung in der Science Fiction.

Statt die Evolution auf biologischer Ebene stattfinden zu lassen, bleibt bei Jeff Noon immer eine Kluft zwischen Menschen und Biotechnik. In der Kluft eröffnet sich deshalb Raum für eine besondere Art der Übernahme: die Domino-Lotterie. Die Dominosteine warten mit ihrer eigenen Art der Mythologie auf, und das bietet dem Autor ein weites Feld für Symbolik, Metaphern, Wortspiele und Assoziationen. Hier erweist sich Noons Sprache so verspielt wie Lewis Carroll in „Alice im Wunderland“. Einer der einleitenden Absärtze ist sogar Wort für Wort eine Paraphrase auf das Nonsens-Gedicht „Die Jagd nach dem Schnark“. Das ist kreativ, das ist lustig und unterhaltsam, aber auch recht anspruchsvoll hinsichtlich der geforderten Englischkenntnisse.

Tod und Erotik

Die wichtigste sprachliche Symbolik betrifft Sex und Tod. Die Spieler bezeichnen die schwarzen Dominosteine als „bones“, also Knochen. Ein „boner“ ist aber auch eine Erektion, ein Ständer. Die Knochen gehören zu einem Skelett; dieses kann einen Tanz aufführen, den wiederum auf sexy Weise Lady Luck oder Cookie Luck aufführt. Ihr Körper ist mit den gewinnenden Punkten gekennzeichnet, wobei sich Punkte regelmäßig auf ihren Nippeln und in ihrem Schoß finden.

Die Spiel-Junkies, die diese Vorführung im Fernsehen sehen, sind über so etwas wie Schamempfinden schon längst hinweg. Das Spiel ist wie Sex, und wer gewinnt, bekommt fast einen Orgasmus. Der gefährliche Höhepunkt ist jedoch der Gewinn der Doppelnull-Ziehung: Nun tanzt der „Joker“ den Todestanz. Nach der Ziehung erlöschen auf den gekauften Dominosteinen der Verlierer die cremefarbenen Punkte: Die „Knochen“ sterben ab und landen allesamt in der Gosse. Dies ist nur eines von vielen Bildern über Konsum, Spiel, Abhängigkeit, Sex und Tod, die sich im Roman finden.

Das Reich des Bösen?

Doch wo liegt die Zentrale des Spiels, das „House of Chances“? Der Gewinner von Doppel-Fünf darf es offiziell besuchen, um an der Ziehung live teilzunehmen, und wer gar die Doppelsechs zieht, darf Mr. Million, den Spielmeister, selbst in seiner Funktion ablösen. Dazu kommt es natürlich nie: Die Gewinner, die zu oft gewonnen haben, werden abgemurkst. Max Hackle und seine Dark Fractal Society haben vor, dem tödlichen Spiel ein Ende zu bereiten. Doch wie sich zeigt, müssen die Mitglieder erst einmal ihre Vergangenheit aufbereiten, bevor sie den entscheidenden Angriff starten können. An dieser Stelle muss sich die ach so kreativ 68er-Generation mal selbst kritisch ins Gesicht sehen: Wie kam es denn nun zum Tod von Doppelnull-Georgie Horn?

Das Finale

Der Showdown dieses rasanten erzählten Höhepunkts wird sowohl von Max Hackle als Jazir getragen, die ins House of Chances eindringen und dort ihr jeweils blaues Wunder erleben. Werden sie auch überleben? Das fragte ich mich bange, denn dieser Plot erinnerte mich doch stark an William Gibsons erstklassige Story „Burning Chrome“ (siehe meinen Bericht über die Gibson-Storysammlung „Cyberspace“): Darin brechen zwei Hacker in die Computer-Zentrale eines Unternehmens ein, um einen sagenhaften Schatz zu erbeuten. Leider geht dabei einiges schief. Ob dieses Schicksal auch Max Hackle und Jazir ereilt, sollte man selbst nachlesen.

Unübersetzt

Das Buch ist leider so unübersetzbar wie James Joyces Klassiker „Finnegan’s Wake“. Zu groß ist der Reichtum an Assoziationen und Anspielungen, die der Übersetzer mit einbringen müsste, und das erweist sich als kaum zu bewältigende Aufgabe. Zu groß wären die Opfer, die er zugunsten der Verständlichkeit auf Kosten der vielfältigen Bedeutungsebenen machen müsste.

Auch typographisch ist das Buch eine Herausforderung. Auf den Seiten zeigen sich Blurbs, also Werbesprüche, von Blurbflies in schwarzen Kästen, als wollten sie den leser beeinflussen. Jedes Unterkapitel wird mit einem Dominostein abgegrenzt, der eine bestimmte, hoffentlich beliebige Punktekombination zeigt. Die Spielregeln sind in einer anderen Schrift dargestellt, ebenso Menüzeilen eines Computerprogramms.

Als wäre dies noch nicht genug, wird jedes Kapitel durch ein großes X abgegrenzt, das die gesamte Seite einnimmt. Dieses X wird allmählich aufgefüllt, denn es besteht aus einzelnen Zeilen: PLAY TO WIN / PLAY TO LOSE / WIN TO DREAM und so weiter. Was passiert, wenn das X komplettiert ist, fragt sich der Leser gespannt? Das soll hier nicht verraten werden! Und der Inhalt des X verändert sich, quasi je nach Spielstand. Wer will, kann das X als Daumenkino verwenden und die Seiten im Schnelldurchlauf durchblättern. Browse to see!

Sicherlich hat sich der Goldmann / Manhattan Verlag überlegt, ob er nach „Alice im Automatenland“, Pollen“, „Gelb“ und „Pixelsalat“ nicht auch „Nymphomation“ übersetzen sollte. Dass es dazu nicht kam, besagt schon einiges. Dem Interessierten sei die Lektüre des Originals wärmstens ans Herz gelegt.

Unterm Strich

Der Roman fängt recht skurril an, doch schon nach wenigen Seiten sieht man die Romanze zwischen der stets vernünftigen Daisy Love (Marke verkapptes Mathegenie) und dem wagemutigen Jazir, dem pakistanischen Hacker-Wunderkind, kommen. Ihrem Schicksal stehen andere Gruppen gegenüber, so dass dieses Paar zunächst gar nicht als etwas Besonderes wahrgenommen werden kann.

Aber schnell wird klar, dass in Manchester etwas Ungewöhnliches vor sich geht. Dieses AnnoDomino-Lotteriespiel ist ein Testfall: Werden über 50 Ziehungen erfolgreich absolviert, wird die Lotterie auf das ganze Land ausgeweitet. Die Regierung steht dahinter, und die Polizei wurde von AnnoDominos Ableger Whoomphy-Burger als Franchise-Unternehmen gekauft. Soll so die Zukunft Englands aussehen, fragt sich der Leser bange. Und was kommt nach England – wahrscheinlich doch der Rest Europas und dann die Welt, oder?

Deshalb hofft der Leser schon bald, die Dark Fractal Society, die Prof. Max Hackle um sich schart, möge diesem Spuk rechtzeitig ein Ende bereiten. Doch das hieße ja, den Spielern ihren Spaß zu verderben und ihnen alle Illusionen auf den Hauptgewinn zu rauben. Wie mächtig diese Hoffnung ist, hat sich kürzlich wieder beim großen Jackpot in Italien gezeigt, bei dem über 140 Mio. Euro gewonnen wurden und Spieler aus ganz Europa nach Italien reisten, um ein Los zu kaufen.

Der Clou hinter der AnnoDomino-Lotterie ist jedoch die Nymphomation: Zahlen, die wie Nymphomaninnen Sex miteinander haben? Was für ein Bödsinn, denkt sich Daisy Love (nomen est omen), doch wenn man sich heute so manche Vorgänge auf den Börsencomputern anschaut, dann wirkt die Nymphomation dagegen wie ein laues Lüftchen. Und die Summen, um die an den Börsen gespielt wird, übersteigen jede Lotterie um das Milliardenfache.

Doch keine Angst: Dies ist auch ein sehr lustiger und menschlicher Roman. Bis sich Daisy, ihr Vater, Celia und Jazir zusammenfinden, vergeht zwar eine Wele, doch sie schaffen es, ihre Differenzen zu überwinden und den Sieg zu erringen. Wie ihnen dies gelingt, ist nicht nur spannend, sondern in sprachlicher Hinsicht pures Vergnügen. Wer also Lewis Carrols Gedichte über den Jabberwocky und die Jagd auf den Schnark interessant fand, der wird sich in diesem Buch wie im Schlaraffenland vorkommen.

Alles in allem ist das Buch eine weitere Liebeserklärung des Autors an seine Stadt: „pippy Dotchester“, wie er es einmal ironisch im Domino-Jargon nennt. Wer weiß – vielleicht ist es ja ein Kultbuch der Spieler und Fans von Manchester United.

Taschenbuch: 363 Seiten
Originaltitel: Nymphomation, 1997
ISBN-13: 978-0552144797

Corgi Books

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