Jennifer Foehner Wells – Die Frequenz

Es ist das bestgehütete Geheimnis der NASA: Seit Jahrzehnten driftet ein außerirdisches Raumschiff im Asteroidengürtel. Es sendet kein Signal, ist einfach nur da. Nun endlich ist es möglich, ein Team von Militärs und Experten zusammenzustellen und hinzufliegen. An Bord ist auch die Sprachenforscherin Dr. Jane Holloway. Als das Team das Schiff erreicht, erlebt es zwei Überraschungen: Es ist nicht unbewohnt – und als der Rückweg zur Erde abgeschnitten ist, ist es allein Jane, die die Sprache der Aliens versteht … Doch was wollen sie von ihr? Und von der Erde?
(Verlagsinfo)

Ein Erstkontaktroman in guter Genre-Tradition ist als Romanerstling einer frischen Autorin ein sowohl herausfordernder, wie auch augenscheinlicher Einstieg. Herausfordernd schon deshalb, weil dieses Thema in vielerlei Hinsicht abgearbeitet wurde und dem Genrekenner kaum mit Plattitüden geschmeichelt werden kann. Der Erfolg des Romans in seiner Originalform scheint der Autorin Recht zu geben – ist das aber ein Grund für uns, ihn weniger kritisch zu betrachten? Fangen wir also am Anfang an:


Der Anfang ist gut gelungen, die Einführung der Protagonistin über einige Rückblenden aus Sicht ihres Kollegen ist knapp und plastisch, größere Tiefe erhält sie recht schnell durch ihre besonderen Erlebnisse, die weitere Details ihrer Vergangenheit offenlegen. Zwei wichtige Stilmittel für Wells, wobei die zweite Variante durch die Veränderungen, die die anfangs als KI wahrgenommene außerirdische Wesenheit vornimmt, besonders interessant ist. Geschickt flicht die Autorin die Rückblenden in den Text ein, so dass man sich inhaltlich manchmal recht unvermittelt neu orientieren muss und damit geistig am Ball bleibt. Nur sind es anfangs ziemlich viele Blenden und es fehlt ein bisschen das Vorwärtsgehen. Die Geschehnisse an sich sind nicht besonders inspiriert, von Storyseiten macht nur die Fremdartigkeit des Wesens und die Verwandschafts-Komplexitäts-Genetik-Verknüpfung, mit der Wells die Geschichte aufwertet, etwas mehr her. Das ist der Fokus, der mich über die ersten 200 Seiten zum Lesen animierte. Geschrieben ist die Story flüssig und einigermaßen interessant, aber ich bin auch nicht so der Freund einer zwanghaft implementierten Beziehungskiste, was sich in dieser Phase jedoch bereits in den Vordergrund der Handlung gerückt hat.

Im Verlauf kommt es zu kleinen Ecken und Kanten in der Glaubwürdigkeit der geschilderten Technik, was bei einer guten Geschichte oft nebensächlich bleiben kann, hier jedoch zeitweise etwas aufstößt, da sich der Text ziemlich technisch fundiert geben will. Jedoch lockt im Hintergrund die fantastische Idee der Story und hält das Interesse aufrecht. Die erste Hälfte des Buches verbraucht zügig ihre Seiten, die so dahin plätschern, ohne der Geschichte ordentlich Esprit zu geben.

Es drängt sich der Eindruck von gezwungener Komplexität auf. Einerseits führt Wells ihre Protagonistin tatsächlich etwas unglaubwürdig schnell ins Vertrauen ihres geistigen Gesprächspartners – im Hintergrund erklärt durch eine genetisch verankerte gemeinsame Sprache -, andererseits klingt die typische skeptische Stimme ihres Teammitglieds Walsh eben so: typisch skeptisch, seine Argumentation ist bemüht und widerspricht dem guten Ton, der sich über die Hälfte der Geschichte etabliert hat. Die Erklärungsversuche von Wells als Biologin sind einigermaßen interessant, aber auch engstirnig und fachspezifisch genug, um schon wieder absurd zu wirken.

Eine Geschmacksfrage bleibt es sicherlich, ob man die vielen raumnehmenden Beziehungspossen in dieser Geschichte benötigt oder nicht. Daneben entwickelt Wells allerdings eine durchaus interessante Situation, bestehend aus dem Evolutionsbild ihres Universums, der Verquickung mit der „Anipraxia“ genannten Gedankensprache und ihren Möglichkeiten und der Situation, auf die Hinterlassenschaften einer technisch so überlegenen Zivilisation zu stoßen und auch noch uneingeschränkten Zugang dazu zu erhalten. Es liest sich quasi im Ausklang wie eine typische Szenerie eines Abenteurers im Angesicht der Möglichkeiten, die ihm plötzlich verfügbare außerirdische Technik bietet. Auch Wells postuliert die Tatsache, dass der Finder ein größeres Verständnis für die Verwendung des Neuen aufbringt als die Regierungen, und sich darum abseits stellt.

Das ist allerdings reichlich spärlich gestreutes Gut in der Geschichte, die ihrerseits oftmals Spannung missen lässt und in für mein Empfinden übertriebenen zwischenmenschlichen Beziehungsproblemen zerfasert. Erst in den letzten Kapiteln strafft Wells den Fluss, führt zur endgültigen Erkenntnis und lässt das Ende seicht ausplätschern. Offen für ein ganzes Universum an Abenteuergeschichten.

Broschiert, 446 Seiten
ISBN-13: 9783453316928
Deutsche Erstausgabe Dezember 2015

Originaltitel: Fluency
Autorinnenhomepage
Heyne.de

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