John Flanagan – Der Angriff der Temujai-Reiter (Chroniken von Araluen 4)

Die heiße Schlacht gegen die Steppenkrieger

Sein ganzes Leben hat der 15-jährige Waisenjunge Will davon geträumt, ein Ritter zu werden wie sein Vater. Weil er aber zu klein und schmächtig ist, wird er dem geheimnisvollen Waldläufer Walt als Lehrling zugeteilt. Als das Königreich Araluen von einem altem Feind und dessen ungeheuerlichen Kreaturen angegriffen wird, muss Will sich bewähren…

Band 4: Endlich gelingt es Will und Evanlyn (nicht ihr richtiger Name), den Skandianern zu entkommen. Doch ihr Glück ist nur von kurzer Dauer. Temujai-Krieger entführen Evanlyn (alias Prinzessin Cassandra). Und sie sind die Vorboten eines ganzen schrecklichen Heeres. Plötzlich schweben nicht allein Will und sein Volk, sondern auch die Nordländer in höchster Gefahr. Nur gemeinsam haben die Erzfeinde eine Chance…

Der Autor

John Flanagan arbeitete als Werbetexter und Drehbuchautor, bevor er das Bücherschreiben zu seinem Hauptberuf machte. Den ersten Band von „Die Chroniken von Araluen“ schrieb er, um seinen 12-jährigen Sohn zum Lesen zu animieren. Die Reihe eroberte in kürzester Zeit die Bestsellerlisten in Australien.

Die Bände der Serie „Die Chroniken von Araluen“

1) Die Ruinen von Gorlan
2) Die brennende Brücke
3) Der eiserne Ritter
4) Der Angriff der Temujai-Reiter
5) Die Krieger der Nacht
Und weitere.

Handlung

Mit der Hilfe von Evanlyn, der Tochter des Königs von Araluen, und eines freundlichen Nordmanns ist es Will, dem Waldläuferlehrling, gelungen, der geisttötenden Sklaverei unter den Nordmännern von Skandia zu entkommen. In einer Waldhütte in den Bergen versucht Will wieder zu Kräften zu kommen, aber als es endlich taut, er ist noch zu schwach, um wieder auf die Jagd zu gehen. Also muss Evanlyn losziehen, um die Fallen fürs Kleinwild zu kontrollieren.

Weil sie einen Reiter auf einem Hügel gesehen haben, ist Evanlyn besonders vorsichtig, als sie den verschneiten Wald betritt. Dennoch hört sie den Mann hinter sich zu spät, und schon ist sie gefangen. Der Reiter wirft sie über sein Pony und reitet zurück zu seinen Freunden. Jeden Widerstand erstickt der Krieger mit einem Schlag auf den Kopf, so dass sich Evanlyn nicht traut wegzulaufen. Sie wird an einen Baum gebunden und muss die Nacht ohne Essen verbringen. Sie fragt sich, warum die fremden Krieger um sie streiten und fürchtet, der Anführer, dessen Zorn ihr Entführer heraufbeschworen hat, werde mit ihr kurzen Prozess machen.

Unterdessen sucht Will bereits nach der ausgebliebenen Evanlyn. Er liest die Spuren im Schnee, wie es ihm Walt der Waldläufer beigebracht hat und folgt der Spur des Pferdes in ein Tal und auf eine Lichtung. Damit er nicht von den Wachen entdeckt, achtet er trotz seiner Erschöpfung darauf, nicht gesehen zu werden. Weil er nichts unternehmen kann, legt er sich unter einer Fichte schlafen.

Die Jungritter

Auch Walt und Horace, der Jungritter, bewegen sich Richtung Skandia. Sie wollen Will und Evanlyn retten und dann über Teutlandt zurück nach Araluen. Daraus wird jedoch nichts, denn unvermittelt stoßen sie auf einen überfallen Grenzposten Skandias: Die gesamte Garnison wurde mit Pfeilen niedergemetzelt. Pfeilen, die Walt sehr viel sagen: Es sind die der Temujai-Reiter aus den östlichen Steppen. Wie er Horace erzählt, kennt er diese flinken berittenen Bogenschützen von seinem „Ausflug“, auf dem er sich den Grundstock für die Pferdezucht der Waldläufer „zu einem angemessenen Preis besorgte“, wie er sagt. Von Diebstahl könne keine Rede sein. Horace will es ihm glauben. Dann stoßen sie auf brenzlige Situation auf einer Lichtung….

Will und Evanlyn sind Walt und Horace ungeheuer dankbar, dass sie ihnen das Leben gerettet haben. Zusammen beraten sie, was als nächstes zu tun ist. Die Temujai machen Walt offenkundig Sorgen. Doch zu einem Rückzug nach Teutlandt kommt es nicht mehr: Sie laufen Erak, dem Nordmann, direkt in die Arme, weil sie die Warnhinweise ihrer Pferde ignoriert haben. Aber Erak, der ja für Wills und Evanlyns Entkommen gesorgt hat, ist nicht an einer Gefangennahme interessiert. Vielmehr muss er, der von Oberjarl Ragnak zum Eintreiben von Steuern an die östliche Grenze geschickt wurde, erkennen, dass er in Walts Schuld steht. Sie waren einander in Araluen begegnet, als die Nordmänner Will und Evanlyn entführten.

Die Armee des Feindes

Als Erak von den Temujai-Spähern erfährt, will er an Walts Seite auskundschaften, wie groß deren Heer ist. Es ist dreimal so groß wie alles, was Skandia aufbieten kann, fünf- bis sechstausend Reiter. Nachdem sie ihren Verfolgern mit knapper Not entkommen sind, beraten Walt und Erak. Walt rät Erak dringend davon ab, sich auf dem Schlangenpass in einer kleinen Burg einzuigeln und auf Entsatz zu warten. Die Pfeile der Temujai, abgeschossen aus den umliegenden Felswänden, würden alle binnen Stunden niedermachen.

Also brauchen sie einen anderen Plan, nämlich den des Waldläufers Walt. Und Walt sieht die einzige Möglichkeit, den Angriff der Temujai-Armee zu überstehen, darin, sich mit den Skandiern zu verbünden. Allerdings heißt dies für Will und Evanlyn, wieder zurück zu Oberjarl Ragnak zu reiten. Und der hat allen Kindern König Duncans Rache geschworen, er werde sie umbringen…

Mein Eindruck

Dieser Band der Reihe „Die Chroniken von Araluen“ war eine wahre Wohltat nach dem etwas drögen und langweiligen Vorgängerband „Der eiserne Ritter“ (womit Horace gemeint war). Ich hatte diesen Vorgänger auch sofort als eine Überleitung angesehen, um die Geschichte so hinzubiegen, dass Walt und Horace ausziehen, um Will und Evanlyn beizustehen. Was sich ja auch als höchst notwendig herausstellt.

Drei Probleme, eine Lösung

Damit aber Walt und Horace nach dieser Rettung nicht nutzlos wieder zurück nach Araluen segeln müssen – von dort ist Walt ja auf ein Jahr wegen Majestätsbeleidigung verbannt worden – findet nun die Invasion der Temujai-Reiter statt. Indem Walt & Co. den eher schlichtmütigen Nordmännern beistehen, können sie gleich zwei oder drei Probleme lösen. Walt erkennt, dass die Temujai es auf die Schiffe der Skandier abgesehen haben, sonst wären sie ja durch den Süden gezogen. Und Schiffe brauchen sie, um die Invasion der Insel Araluen durchführen zu können. Indem sie die Temujai abwenden, schützen Will & Co. also die Heimat.

Sollte die Verteidigung Skandias gelingen – was angesichts der Überzahl des Feindes keineswegs sicher ist – so könnten die Nordmänner aus Dankbarkeit mit ihrer Absicht aufhören, ihrerseits Invasionen in Araluen zu unternehmen. Das war ja das Problem in Band 2, als die Skandier dem fiesen Morgarath beistanden und Araluen an den Abgrund der Niederlage trieben. Ließe sich die Gefahr der nordischen Piraten bannen, könnte Araluen noch besser prosperieren.

Prinzessin im Visier

Und dann ist da noch die Sache mit Ragnaks Racheschwur. Da sich der Eid an die Götter nicht mehr zurücknehmen, wohl aber seine Erfüllung zeitlich verschieben lässt (wie Walt dem Oberjarl listig klarmacht), kann ja auch zuerst die Schlacht gegen die Temujai stattfinden, bevor es Evanlyn an den Kragen geht. Evanlyns wahre Identität wurde von einem Verräter unter den Skandiern enthüllt. Eine feine Nebenhandlung, in der sich die Prinzessin als echte Spionin von altem Schrot und Korn erweist, führt zur Festnahme des Verräters – und einer Schwächung der Temujai-Truppe. Und wer weiß schon, ob Oberjarl Ragnak die Schlacht überleben wird. Dann würde sich das Problem mit dem Eid von alleine erledigen…

Nun sollte man meinen, die Chancen stünden für Walt und Ragnak nicht schlecht, gegen die Temujai zu bestehen. Doch Walt muss erst den schlichten Kampfgeist der Skandier, der völlig auf Zweikampf ausgerichtet ist, mit etwas Raffinesse versehen, um die Guerillataktik einzuführen. Doch Guerilleros vermögen nur Nadelstiche auszuführen, und so bleibt immer noch die Hauptschlacht übrig. Ein Problem, für dessen Lösung Walt auch Will und Horace einspannt.

Bogenschützen her!

Walt kennt die Schlachttaktik der Temujai – eine Kombination aus Hunnen und Mongolen – aus eigener Anschauung, als er sich kurz mal als ehrlicher Pferdedieb betätigte. Die Taktik sieht den Einsatz von berittenen Scharfschützen vor sowie eine Locktaktik, die Zweikämpfer wie die Skandier in schutzloses Gelände locken soll, wo man sie leicht niedermachen könnte. Gegen diese Taktiken würden hundert Bogenschützen schon einiges ausrichten. Das findet auch Will. Doch woher Schützen nehmen und nicht stehlen?

Zum Glück finden sich unter den Sklaven der Piraten genügend Leute, die einen Pfeil abschießen können, wenn man ihnen genau vorgibt, wohin sie den Bogen richten und wie hoch sie den Pfeil feuern sollen. Gegen die Freilassung aus der Sklaverei sind sie bereit, sich zwei oder drei Wochen lang ausbilden zu lassen und an der Schlacht teilzunehmen. Ragnak muss auch diesen Verlust verschmerzen. Horace entwickelt mit Will eine Schusstaktik, bei der Schildträger den Bogenschützen vor den gegnerischen Pfeilschüssen Deckung bieten.

Bewährung der Prinzessin

Jetzt kommt sich die Prinzessin nach ihrem Abenteuer bei den Verrätern schon wieder nutzlos vor. Da entdeckt Will, dass er einen Kommandeur für die Bogenschützen braucht, da es ihm unmöglich ist, gleichzeitig sowohl die eigenen wie auch die feindlichen Schützen im Auge zu behalten. Evanlyn wird zu seinem unentbehrlichen Leutnant der Schützen. Und wie schlachtentscheidend diese Position ist, zeigt sich, als auf dem Höhepunkt der Schlacht der feindliche Feldkommandeur, keineswegs dumm, beschließt, endlich die verheerend kämpfenden Bogenschützen frontal anzugreifen. Und Evanlyn steht direkt in der Angriffsrichtung…

Wie man sieht, kann man sich über einen Mangel an Action und Spannung in keinster Weise beklagen. Und weil am Schluss auch eine Menge Herzschmerz hinzukommt, können wir nur hoffen, dass Will und die Prinzessin eines Tages zusammenkommen werden. Vielleicht ja schon im nächsten Band.

Die Übersetzung

Die Übersetzung ist erfreulicherweise nahezu fehlerfrei. Ich konnte nur ein oder zwei Flüchtigkeitsfehler feststellen. Auffälliger war die Verwendung der deutschen Steigerungsform „die schmälste Stelle“ statt des gebräuchlicheren „die schmalste Stelle“.

Unterm Strich

Der Leser kann sich diesmal über einen Mangel an Action und Spannung in keinster Weise beklagen, und so ist es mir gelungen, das Buch an nur einem Abend auszulesen. Man kann es einfach nicht beiseite legen, denn am Ende jedes Kapitels wartet schon wieder ein Cliffhanger, der einen zum Weiterlesen bringt. Mit diesem vierten Band findet Krieg Araluens gegen Morgarath, die Nordmänner und die Temujai einen sehr zufriedenstellenden Abschluss. Hier eifert der Autor deutlich David Gemmell und dem Vorbild des Spartanerkönigs Leonidas aus „300“ nach.

Die Waldläufer haben sich rundum mit Ruhm bekleckert und dementsprechend hagelt es Auszeichnungen. Nur die Prinzessin bekommt ihren Waldläufer nicht, aber wir können es Will nicht wirklich verdenken, dass er zuerst seine Ausbildung beenden will. Ist ja im richtigen Leben aus besser, einen Abschluss zu haben, bevor sich bewirbt, oder? Ihm steht sowieso im nächsten Band eine wirklich heftige Bewährungsprobe mit den „Kriegern der Nacht“ und einem Zauberer bevor. Dann kommt auch das Fantasyelement wieder zu seinem Recht.

Taschenbuch: 349 Seiten
Originaltitel: Ranger’s Apprentice – Oakleaf Bearers, 2006
Aus dem Englischen von Angelika Eisold-Viebig.
ISBN-13: 9783570220658

www.CBJ-Verlag.de

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