John Norman – Ghost Dance

Geistertanz in Wounded Knee: zwei Weiße unter den Sioux

USA, im Jahr 1890: Die Sioux-Indianer tanzen, um den christlichen Messias zu rufen, der die Stämme vereinen soll. Der Messias soll die weißen Landräuber verjagen und die Prärie mit Büffeln bevölkern. Zu dieser Zeit wird Edward Chance, ein Mörder auf der Flucht, zum Blutsbruder der Sioux. Er lernt die alten Fertigkeiten und Kräfte, die der zivilisierte Mensch verloren hat. Doch als Mitglied der Sioux-Nationen (Oglala usw.) muss er sich beim Massaker von Wounded Knee den Maschinengewehren der US-Kavallerie stellen…

Der Autor

Der amerikanische Geschichts- und Philosophie-Professor John Lange hat unter dem Pseudonym „John Norman“ den 27-bändigen Gor-Zyklus geschrieben, aber auch die dreibändigen „Telnarian Histories“, und die Romane „Time Slave“ (Sex unter Steinzeitmenschen) sowie „Ghost Dance“. Sein Sachbuch „Imaginative Sex“ ist inzwischen ein gesuchter Sex-Ratgeber.

Handlung

Süd-Dakota im Jahr 1890, nahe dem Wounded Knee Creek. Hier liegt das Standing Rock Indianer-Reservat, in dem die Weißen die Überreste der besiegten Hunkpapa-Sioux-Nation zusammengepfercht und zum weißen Lebensstil bekehrt haben. Sie leben nun in Blockhütten statt in Tipis und leben von Ackerbau und Viehzucht statt von der Büffeljagd. Die Büffel sind alle fort, weiß Old Bear, als er an diesem Sonntag aufbricht und seine unverheiratete Tochter Winona zurücklässt. Er hat seine alte Indianerkleidung angezogen und Kriegsbemalung aufgetragen, ein klarer Akt der Auflehnung gegen die Anweisungen der Weißen.

Als er den Wounded Knee Creek entlangreitet, ahnt er, dass etwas in der Luft liegt. Ein Indianer überquert den flachen Bach und grüßt ihn. Der Krieger mit den vier Adlerfedern stellt sich als Kicking Bear von den Minneconjou am Cheyenne River vor. Er ist mit einem Speer und einem Gewehr der Weißen bewaffnet, sitzt aber in einem spanischen Sattel aus Holz. Ein sehr merkwürdiger Anblick, findet Old Bear. Und was er sagt, ist noch seltsamer: „Die Büffel kommen zurück!“ er packt Old Bear am Arm, deshalb weiß Old Bear, dass dieser Fremde nicht aus dem Land der Geister kommt. Als Kicking Bear davongaloppiert, folgt ihm daher Old Bear. Dass er eigentlich den weißen Büffel suchen wollte, hat er vergessen.

New York City

Der ehemalige Polizeiinspektor Lester Grawson hat Edward Chance in New York City aufgespürt. Chance hat vor fünf Jahren Grawsons Bruder Frank in einem Duell um die Hand von Clare Henderson getötet. Nun soll Chance büßen. Grawson verrät Chance nicht, dass es keinen Haftbefehl gibt. Auf dem Weg zu Chances Quartier will Grawson endlich Gerechtigkeit walten lassen und versucht, Chance zu erwürgen. Doch Chance hat eine Pistole und hält sich damit seinen Widersacher vom Leib. Er erkennt sofort, dass Grawson auf eigene Rechnung hier ist, dass es keinen Haftbefehl aus South Carolina gibt. Er schlägt Grawson bewusstlos, doch als Arzt bringt er es nicht fertig, ihn zu töten. Mit dem nächsten Zug fährt er in den Westen.

Standing Stone Indianerreservat

Lucia ist eine 22-jährige Lehrerin im Reservat. Sie fühlt sich einsam, denn sie lebt nur mit ihrer strengen Tante Zita zusammen. Ständig pfeift der Wind um die erdgedeckte Hütte, und überall lauern Klapperschlangen auf den unachtsamen Wanderer. Einer der Hunkpapa-Jungs, William Buckhorn, tötet die Schlangen für sie, und Lucia sammelt die Rasseln. An diesem windigen Morgen passiert etwas Unerwartetes.

Der Krieger Drum betritt das Zimmer von Lucias Schulklasse. Er trägt eines der roten Lederhemden der Geistertänzer und mustert das Klassenzimmer. Als er die Zeichnungen auf der Tafel erblickt, die Winona, Old Bears Tochter, und Joseph Running Horse gemacht haben, wirft Drum plötzlich seinen Tomahawk und erschreckt Lucia damit zu Tode. Sie kauert sich zusammen, als Drum sein Beil holt und ihr Haar packt, als ob er sie skalpieren wolle, wie es sein Vater einst mit Crow-Kriegern zu tun pflegte.

Doch sie kauert sich derart ängstlich zu seinen Füßen zusammen, dass er Gnade walten lässt. Er ruft den Kindern zu, was sie sehen: „Lehrer!“ Die weiße Frau hat Angst. Dann schickt er die Jungs zu ihren Familien, mit Ausnahme von Joseph Running Horse, denn er „Kurzhaar“, einen Weißen, schimpft. Running Horse hilft Lucia auf und erklärt ihr, dass es viel Ärger mit den Geistertänzern geben werde. Er verweigert jedoch nähere Auskünfte und kündigt an, den Sonnentanz ausführen zu wollen, um die Wahrheit über sich herauszufinden. Lucia eilt angstvoll nach Hause.

Außerhalb Good Promise, South Dakota

Edward Chance ist auf der Flucht. Er hat es geschafft, bislang Lester Grawson zu entkommen, doch nach einem Zwischenfall in dem Kaff Good Promise, bei dem er einen Mann niederschießen musste, versucht er erneut, sich unsichtbar zu machen. Und gerät ins Indianergebiet der Sioux-Reservation. Als er einen Schmerzensschrei hört, schleicht er sich an und hält erstaunt inne. Ein junger Indianer hat sich an einem Pfahl gebunden und versucht nun, die durch seine Brustmuskeln getriebenen kurze Pflöcke aus seinem Fleisch zu reißen. Chance weiß als Arzt, dass dieses Ritual unglaublich schmerzhaft sein muss. Doch der Indianer wehrt ihn ab, und so wartet Chance, bis das Unvermeidliche eintritt: Die Brustmuskeln reißen.

Es ist Running Horse, der den Sonnentanz ausgeführt und drei Tage lang in die Sonnen gestarrt hat. Sie rauchen Pfeife miteinander und trinken Kaffee, so dass sie Freundschaft schließen. Chance ist der erste Weiße, den Running Horse je gesehen hat, der versucht, die Sprache der Hunkpapa zu erlernen. Chance erzählt ihm, warum er vor den Weißen davonläuft, wie der Sioux sofort erkannt hat. Dann wird er zum Geistertanz eingeladen. Er könnte dieses Erlebnis sogar überleben, hofft Running Horse. Chance hofft dies ebenfalls. Denn normalerweise wachen die Sioux über ihre heiligen Rituale.

Es bleiben noch acht Wochen bis zum Massaker von Wounded Knee…

Der 12. Dezember 1890

Etwa sechs Wochen später bricht Chance erneut auf. Running Horse hat ihm einen Steckbrief gezeigt, mit dem nach Chance gefahndet wird. Grawson hat 1000 Dollar Belohnung nur für Informationen zu Chance ausgesetzt. Doch Chance kommt nicht weit. Als er in der Hütte von Miss Lucia Turner Kaffee trinkt, warnt ihn der Indianerjunge William Buckhorn vor der Annäherung zweier weißer Reiter: Grawson – und wahrscheinlich der Soldat Totter, den Chance in Good Promise angeschossen hat.

Chance will schon abreiten, als William umkippt. Er wurde von einer der Klapperschlangen gebissen, die er ständig für Miss Lucia jagt. Chance kann als Arzt nicht anders, William zu behandeln und ihm so das Leben zu retten. Doch nun beginnen die zwei Verfolger, Chance unter Beschuss zu nehmen und töten sein Pferd. Sie lassen allerdings Miss Lucia und William laufen. Als sich Chance in der Nacht freigraben will, sehen die zwei Verfolger ihre Chance gekommen. Doch da taucht ein unvermuteter Helfer auf: Running Horse!

Der Abschied von Lucia, die zurückgekommen ist, nach William von seinen Eltern abgeholt wurde, fällt Chance sehr schwer. Der leidenschaftliche Kuss, den sie ihm gibt, macht die Dinge nicht unbedingt leichter. Running Horse fängt Lucia in seiner praktischen Art mit dem Lasso ein bindet sie an Chances Sattelknauf. Die zivilisierten Regeln des Anstands lassen dies natürlich nicht zu, und Chance bindet sie wieder los. Aber er würde sie gerne wiedersehen, und das beruht auf Gegenseitigkeit.

Als er losreitet, wird er erneut aufgehalten. Der Hunkpapa-Krieger Drum betrachtet sich als von Chance beleidigt, weil dieser den Geistertanz gesehen hat, und verlangt Genugtuung durch Chances Tod. Ob ihm Running Horse auch diesmal zu Hilfe kommt? Da lacht Chance wie ein Bewahnter auf – und greift an!

Noch 17 Tage bis zum Massaker.

15. Dezember 1890

Sitting Bull, der große Häuptling ist tot, ermordet von den Polizisten des Indianeragenten, die gekommen waren, um den Geistertanz zu beenden. Dieser ist nun tatsächlich beendet, doch nur weil die Sioux-Nationen auf den kriegspfad gegangen sind. Kicking Bear, der Prophet des Geistestanzes, wundert sich über die rätselhaften Wege Watan-Tonkas, des ewigen Geheimnisses.

Miss Lucia Turner hat die Schüsse am frühen Morgen sehr wohl gehört und sieht nun die Staubfahnen von Reitern jenseits des Hügels, auf dem ihre Schule steht. Lucia hat einen schrecklichen Streit mit Tante Zita, der strengen Missionarin gehabt. Sie hat herausgefunden, was Liebe ist – und dass sie diesen rätselhaften Mister Chance, den gejagten Verbrecher, aus tiefstem Herzen liebt! Nur wegen eines einzigen Kusses? Oder ist da noch mehr, nach dem sich ihr Körper und ihre Seele sehnen?

Der Hunkpapa-Krieger Drum reitet mit sechs Kriegern vor Lucias Hütte. Sie durchwühlen alles nach Waffen, zerstören die Hütten und stoßen Tante Zitas Gesicht ins Feuer des Ofens. Lucia kann sie gerade noch davon abbringen und Tante Zitas Leben vor Drums Kriegsbeil bewahren. Doch während die Missionarin schreiend und wimmernd zum Handelsposten flieht, bleibt Lucia wehrlos zurück.

Drum zischt sie zornig an: „Ein weißer Mann hat sich einer der Hunkpapa-Frauen vergangen!“ Er spricht von Winona, die er als seine Squaw nehmen wollte, doch nun verstoßen hat, woraufhin sie mit Running Horse ging. Nun ist sie mit Running Horse und Chance auf der Flucht in die Bad Lands, wie alle anderen Sioux, die der Kavallerie entkommen wollen. Drum verlängt Vergeltung. Er hat bereits die Schule angezündet. Nun fesselt er Lucia über ein Pferd und zieht mit ihr in die Bad Lands zum Rest seines Stammes.

Lucias Schicksal fürchtet Drum, doch sie wimmert und fleht nicht. Wozu wäre das auch nütze. Denn Frauen stehen für Sioux-Männer nur auf einer Stufe mit Pferden, Hunden und anderen nützlichen Dingen. Schon bald wird sie eine völlig andere Wirklichkeit überstehen müssen als die, die sie bislang gekannt hat. Doch sie könnte Mr. Chance wiedersehen…

Mein Eindruck

Dies ist keiner der Gor-Romane, für die John Norman bekannt und berüchtigt ist. Dieser Roman steht deshalb auch nicht auf irgendeinem Index. Ganz im Gegenteil: „Ghost Dance“ ist in praktisch keinem Online-Shop mehr zu finden. Ich bin froh, dass ich das Buch in den achtziger Jahren in London gekauft habe.

Historischer Hintergrund

Wie der Titel schon besagt, geht es um den Ghost Dance. Diesen gab es wirklich, was dem Roman zu einem historischen Hintergrund verhilft und das Geschehen in einer überprüfbaren (und gut erforschten) Epoche verankert. Die Bewegung des Geistertanzes wurde von dem Paiute-Indianer Wovoka ins Leben gerufen und verbreitete sich bis zu den Sioux-Nationen der Oglala, Hunkpapa, Minneconjou und Brulé.

Dieser Erfolg basiert einerseits auf dem Heilsversprechen des Tanzes: Die Tänzer erflehen die prophezeite Wiederkehr von Jesus Christus als dem Messias, also die Second Coming, wie sie von manchen Sekten fundamentalistischer Christen heute noch erwartet wird. Der Messias, so das Heilsversprechen, werde die Weißen hinwegfegen, den Indianern ihr geraubtes Land zurückgeben und die Büffel und Antilopen zurückbringen, die der weiße Mann ausgerottet hat. Mit anderen: vollständige Wiederherstellung der Zustände vor dem Kommen der Weißen.

Der Nebeneffekt bestand in einem Wiedererstarken des nationalen und kulturellen Selbstbewusstseins der Indianer westlich des Mississippi und Missouri. Dies war es, was den Indianeragenten und der US-Armee Angst einjagte. Wie im Buch beschrieben, setzten sie die Ausgabe der Lebensmittelrationen aus und verurteilten die davon abhängigen Indianer – es gab ja kein Wild mehr und keine Büffel – zum Hungertod. Es sei denn, die Indianer hörten mit dem Geistertanz auf. Diese konnten nun zwischen dem Messias und dem eigenen Überleben wählen – keine schöne Wahl.

Das Massaker von Wounded Knee am 29. Dezember 1890 bedeutete den traurigen und die amerikanische Öffentlichkeit empörenden Höhepunkt dieser erpresserischen Einschüchterungs- und Demütigungspolitik. Edward Chance beobachtet das Geschehen mit eigenen Augen. Seine Beschreibung deckt sich in den meisten Details mit den Ergebnissen, die die historische Forschung erbracht hat und die auf Wikipedia und anderen Plattformen zu finden ist. Noch heute erinnert ein Nationaldenkmal und ein Grab an die Ermordeten und Gefallenen aus der Schlacht am Wonded Knee Creek. Die danach an die Soldaten verteilten Ehrenmedaillen wurden bis heute nicht zurückgezogen, was eine Schande ist.

Kämpfen oder nachgeben?

Die Handlung und die Motive der Geschichte zeichnen sich auffallend durch Parallelen aus. Ein Handlungsstrang spiegelt sich deshalb in einem anderen wider und umgekehrt. Sie kommentieren sich gegenseitig und ergänzen einander. Die Flucht Edward Chances vor dem angeblichen Polizisten Lester Grawson gelangt an ihr Ende, als auch die Flucht der Indianer vor den Nachstellungen und der Unterdrückung der US-Armee an ihr Ende gelangt: in Wounded Knee. Chance findet seinen Zufluchtshafen in der Blutsbruderschaft mit Running Horse, die die Aufnahme in den Stamm der Hunkpapa-Lakota zur Folge hat, deren Häuptling Sitting Bull ist. Doch werden auch diese Indianer Frieden in einem Amerika der Weißen finden? Darum geht es.

Der rätselhafte Mister Chance

Chance hat einen sympathischen Fehler: Er kann nicht töten. Das ist bei einem Arzt, der den hippokratischen Eid abgelegt hat, wohl nicht verwunderlich. Deshalb weigert er sich immer wieder, seine Widersacher zu erschießen, selbst wenn sie so gefährlich und hartnäckig sind wie Grawson. Ja, er lässt Grawson einmal sogar frei, damit dieser dem Foltertod durch die Hunkpapa entgeht. Aber ob Chance diesen Pazifismus durchhalten kann, ist eine entscheidende Frage.

Die Antwort darauf wird in einer sehr zugespitzten Situation von entscheidender Bedeutung sein, nicht nur für Chance, sondern auch für Lucia, die er liebt, und für die Hunkpapa, die er gleichermaßen liebt. Im entscheidenden Duell ist Drum, der Krieger, der die traditionellen Werte verteidigt, sein Gegener auf Leben und Tod. Sollte Drum Chance töten, dann gehen die Indianer wieder auf den Kriegspfad, was ihren sicheren Untergang bedeuten würde. Siegt jedoch Chance, werden sie sich ergeben und in Frieden überleben.

Was Chance für sich selbst erhofft, ist daher ebenfalls von bedeutung. Er ist ein Mann, der an die Grenze seiner Existenzmöglichkeiten geraten ist. Er führt quasi seinen eigenen Geistertanz auf, gefangen zwischen den Grenzlinien: hier die zerstrittenen Indianer, dort die US-Armee und Lester Grawson, seine Nemesis. Chance will mit Lucia nach Kalifornien gehen, um seinen privaten Traum dort umzusetzen. Doch das wird nicht klappen, denn er ist Verpflichtungen eingegangen, so etwa die Blutsbrüderschaft mit Running Horse. Seine Zukunft liegt bei den Indianern, an Lucias Seite: ein Arzt und eine Lehrerin für die Indianer.

Unsere Beurteilung von Chances Handeln und Denken darf sich nicht mit der von Lester Grawson decken. Grawson ist zwar Chances Nemesis, aber ist dessen Verfolgung deshalb moralisch gerechtfertigt? Mitnichten, wie Chance schon zu Beginn ahnt und wie am Schluss bewiesen wird. Schlussendlich muss sich Chance seiner Nemesis stellen, so wie zuvor schon Drum. Doch diesmal ist Lucia an seiner Seite, die er unbedingt am Leben erhalten möchte. In der Konfrontation kommt es zu einer unerwarteten Wende.

Miss Lucia Turner

Lucia lebt wie Chance und die Indianer am Rande der Existenz. Sie ist eine wohlerzogene junge Dame aus Saint Louis, die einem idealistischen Ziel und ihrer missionarischen Tante gefolgt ist. Davon hat sie Chance bei ihrem gemeinsamen Kaffeeplausch erzählt. Zu dem Zeitpunkt, als sie dem Krieger Drum in die Hände fällt, hat sie bereits die Rückkehr in die Zivilisation beschlossen. Doch viel lieber würde sie Mr. Chances Frau werden. Wie es sich ergibt, wird sie seine Squaw werden.

Wie alle von John Norman erfundenen jungen Frauen hat Lucia eine sinnliche Seite und sehnt sich nach körperlicher Nähe zu einem starken Mann. Nur dieser, so ihre Phantasie, sei in der Lage, ihre unerfüllten Sehnsüchte nach Unterwerfung in Erfüllung gehen zu lassen. Allerdings sieht sich Lucia zwar zunächst in einem Bett mit ihrem Traummann Edward, doch wenig später auch mit dem kompromisslosen Krieger Drum.

Der Zweikampf zwischen Chance und Drum entscheidet auch darüber, wessen Frau Lucia werden soll. Und wie es bei diesen „Wilden“ üblich ist, wird um sie geschachert, als wäre sie ein Pferd. Seltsamerweise ist Drum trotz großer Versprechungen Chances nicht bereit, die gefangene Squaw wieder herzugeben. Also muss der Zweikampf entscheiden. Lucia hätte nie erwartet, dass sich zwei Männer um sie reißen würden, und zwar bis zum Tod! Etwas muss sie ihnen bedeuten, für das sie alles zu geben bereit sind. Doch was könnte es sein, wenn sie nicht mehr wert ist als ein Pferd oder ein Gewehr?

Running Horse

Man sieht also, dass auch die Frauen sehr gut wegkommen in diesem einzigen historischen Roman, den John Norman geschrieben hat. Es gibt nur eine einzige, sehr dezent beschriebene Liebesszene zwischen Chance und Lucia. Und auch die Szene zwischen Winona (ihr Name bedeutet „Erste Tochter“ in Lakota) und Running Horse ist von erstaunlicher Einfühlsamkeit, denn schließlich wurde Winona kurz zuvor von Colonel Totter vergewaltigt. Während Drum ihr diesen angeblichen „Fehler“ nicht verzeiht, bemüht sich Running Horse um sie. Er ist ein Indianer, der die christlichen Ideale angenommen hat und sie lebt. Das hindert ihn nicht daran, auch den Sun Dance auszuführen, um Gott zu schauen.

Indianer wie Running Horse sind bessere Christen als sogenannte Missionare wie Tante Zita. Immer wieder fragen die Hunkpapa Chance, warum die Weißen so gegen die von ihnen selbst erfundenen und gepredigten Ideale und Grundsätze verstoßen. Er weiß es nicht. Chance spielt sich nicht zum Lehrer auf. Das würde ihn zum Sprachrohr des Autors machen, doch der Autor bleibt immer im Hintergrund. Wenn er eine Aussage treffen will, dann setzt er sie in Handlung und Dialog um. Das ist der einzige richtige Weg.

Unterm Strich

Der einzige historische Roman, den John Norman, also Professor Lange, geschrieben hat, ließ mich traurig, aber hoffnungsvoll, empört und berührt zurück. Schade, dass diesem Buch bislang nicht mehr Verbreitung gegönnt worden ist. Aber als hiostorischer Roman ist er zu stark mit Erotik aufgeladen und als erotischer Roman zu sehr mit historischen Fakten. Am ehesten taugt er noch als eine Art indianischer Wildwestroman, aber dafür gibt es zuwenig Actionszenen und keines der sattsam bekannten Westernklischees. Kurzum: Mit „Ghost Dance“ hat sich der Autor zwischen alle Stühle gesetzt.

Ich fand das Buch leicht zu lesen, viel leichter als die meisten seiner Gor-Romane, obwohl komplexe Fragestellungen verhandelt werden. Auch auf die meisten Manierismen, für die der Autor aus seinen Gor-Romanen bekannt (und manchmal berüchtigt) ist, fehlen hier großenteils. Das liegt wahrscheinlich daran, dass er 1970 erst wenige Gor-Romane – praktisch die erste Trilogie – veröffentlicht hatte. Die Gleise waren nicht so eingefahren und er hatte einige Freiheit in der Gestaltung.

Außerdem kommt die US-Armee im Buch ziemlich schlecht weg, vertreten durch besoffene Sergeants und Soldaten, die Kinder und Frauen mit Bajonetten abstechen. Das dürfte dem amerikanischen Leser wenig gefallen haben, und dem US-Verlag noch weniger. Auch dieser Hintergrund macht den Roman „Ghost Dance“ von anno 1970 so einzigartig.

Taschenbuch: 352 Seiten
Sprache: Englisch
Info: Ghost Dance, 1970

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