Jonathan Carroll – Das Land des Lachens

Das wahre Gesicht des Märchenerzählers

Der Englischlehrer Thomas Abbey begibt sich mit seiner Freundin Saxony Gardner nach Galen, Missouri, denn dort lebte ihrer beider Lieblingsautor Marshall France und schrieb seine wunderbaren Kinderbücher, bis er vor wenigen Jahren starb. In Galen werden sie freundlicher empfangen als erwartet, und als Tom Frances Tochter Anna verrät, er wolle die Biografie ihres Vaters schreiben, bekommt er wider Erwarten ihre ausdrückliche Erlaubnis. Er könnte nicht glücklicher sein, als die Dinge in Galen schließlich ihr wahres Gesicht zeigen. Denn in ihnen ist der verblichene Marshall Frances gegenwärtiger als je zuvor…

Der Autor

Jonathan Carroll wurde 1949 in New York City geboren. Sein Vater war Drehbuchautor, seine Mutter Schauspielerin. Seit mindestens 30 Jahren lebt er in Wien und unterrichtet an der American International School. Als Amerikaner in Wien hat er die Mythen und Märchen dieses städtischen Mikrokosmos erkundet und für seine fantasievollen Werke genutzt. Er ist einer meiner Lieblingsschriftsteller.

Carroll, geboren 1949 ( oder ’45, je nach Quelle), unterrichtet in Wien an der American International School, u.a. Engl. Literatur und Creative Writing. Er war Buchrezensent und veröffentlichte 1980 seinen Erstlingsroman „Land des Lachens“, das binnen kurzem zu einem Untergrund-Kultbuch wurde.

Seither hat er sich durch zahlreiche phantastische Romane mit hintergründiger und herausfordernder Symbolik, die fast alle in der Gegenwart spielen, einen Namen gemacht. Einmal wurde er bei einer Lesung von einem wütenden Leser attackiert, erzählte er mir auf der Frankfurter Buchmesse. Denn in seinem Roman „Laute Träume“ lässt er die Heldin ihr Kind abtreiben, und dagegen hatten gewisse Leute etwas.

Zu seinen bislang übersetzten Romanen zählen „Wenn Engel Zähne zeigen“ und „Pauline, umschwärmt“ (siehe meinen Bericht) sowie „Fieberglas“. Seine Storys sind in „Die panische Hand“ (bei Suhrkamp wie alle Taschenbücher) gesammelt, ein Band, den ich empfehlen kann.

Wichtige Werke:

Das Land des Lachens
Ein Kind am Himmel
Schlaf in den Flammen
Die Stimme unseres Schattens
Laute Träume
Die panische Hand (Erzählungen)
Vor dem Hundemuseum
Wenn Engel Zähne zeigen
Pauline, umschwärmt
Fieberglas
A marriage of sticks
The wooden sea
White apples
Glass Soup

Handlung

Thomas Abbey ist wie sein Autor Lehrer für englische Literatur. Sein Leben wurde bestimmt durch die Prominenz seines Vaters, des Schauspielers Stephen Abbey, und seiner Besessenheit von der Fantasiewelt eines legendären Jugendschriftstellers, Marshall France. France starb mit 44 Jahren vor wenigen Jahren, doch seine Fans suchen seine illustrierten Bücher immer noch wie kostbare Schätze: „Das Land des Lachens“, „Die Trauer des grünen Hundes“, „Pfirsichschatten“ und „Sternenteich“.

In einem Antiquariat lernt Thomas deshalb auch das Mädchen Saxony Gardner kennen, das von der gleichen Leidenschaft wie er erfüllt ist. Sie liebt es, Marionetten zu schnitzen, und er sammelt Masken. Die beiden tun sich zwecks literarischer Detektivarbeit zusammen, denn Abbey hat sich Urlaub genommen, um eine Biografie seines Idols zu schreiben. Was wäre schöner, als eine Art Honeymoon mit Sax im gemeinsamen Land ihrer Träume zu verbringen?

Allein schon die Fahrt nach Galen, Missouri, irgendwo zwischen St. Louis und den Ozark Mountains, ist ein Abenteuer. Tom erzählt Sax, wie er Marshall Frances Verleger David Louis kennengelernt hat, um mehr über France zu erfahren. Dass der Autor eigentlich als Martin Frank geboren wurde und aus Österreich stamme. Er sei vor den Nazis nach New York geflohen und habe sogar – man glaubt es kaum – bei einem italienischen Leichenbestatter gearbeitet. Ist das nicht passend, wo doch der Tod bei France eine so wichtige Rolle spielt? Aber Louis hat ihn vor Frances Tochter Anna gewarnt. Die habe nämlich Haare auf den Zähnen und schon mal einen Möchtegernbiografen vertrieben.

Galen stellt sich als Dorf heraus, in dem jeder jeden kennt. Bei einem Barbecue lernen sie die wichtigsten Personen kennen, so etwa die Witwe Fletscher, die ihnen gleich eine Wohnung vermietet, und natürlich Anna France, die gar nicht wie eine Megäre aussieht, sondern vielmehr wie eine ziemlich attraktive Mittdreißigerin. Nicht nur die Dorfbewohner, sondern auch Anna selbst erweisen sich als überraschend kooperativ, als Saxony mit der Neuigkeit herausplatzt, sie wollten die Biografie von Marshall France schreiben. Was ist denn nur in Sax gefahren, fragt sich Tom wütend, gleich so mit der Tür ins Haus zu fallen.

Sax und Tom erhalten eine Einladung in das Haus ihres Idols, sind aber wegen Anna beklommen. Das Haus haut sie um. „Das Wohnzimmer war überwältigend. Mein erster ungläubiger Rundblick erfasste: einen handgeschnitzten Pinocchio aus Olivenholz mit beweglichen Armen und Beinen“ – also genau das, was Saxony liebt. Sodann gibt es hier „eine einsachtzig große Schaufensterpuppe aus den zwanziger Jahren, die mit Silberbronze angestrichen war und Jean Harlow mit hochgesteckter Frisur ähnelte; einen Navajo-teppich. Handpuppen und Marionetten. Masken! (Überwiegend aus Japan, Südamerika und Afrika, wie mir schien.) Pfauenfedern in einem irdenen Krug. Japanische Holzschnitte (Hokusai und Hiroshige). Alte, in Leder gebundene Bücher.“ Und vieles mehr, dass Tom und Sax fast die Augen übergehen. (Seite 78)

Tom macht einen Deal mit Anna, der beinhaltet, dass er das erste Kapitel, für das sie im Material bereitstellt, binnen eines Monats fertigstellt. Ist sie zufrieden damit, dann darf er weiterschreiben. Als er herausfindet, dass Anna eine weitaus umfangreichere Version von Frances letztem Roman „Nacht fährt in Anna“ besitzt, wird die Frau für ihn immer attraktiver. Doch vorerst bleibt er seiner Saxony noch treu.

Offenbarungen

Der erste kleine Hinweis, dass sich hinter der Maske von Galen und seinen Einwohnern etwas anderes verbirgt, zeigt sich Thomas, kaum dass er von seinem Liebeslager aufgestanden und ist den zutraulichen Bullterrier Nagel beiseite gerückt hat. Durchs Fenster sieht er einen fröhlichen Schuljungen, der am Gartenzaun entlanggeht und dann ohne nach links oder rechts zu sehen, die Straße vorm Haus überqueren will. Ein Laster erfasst ihn so vehement, dass der Junge in hohem Bogen durch die Luft fliegt.

Dieses erschütternde Ereignis könnte Tom ja noch als tragischen Unfall abtun, doch es ist der Fahrer Joe Jordan, der ständig protestiert: „Aber es war doch gar nicht vorgesehen, dass ich ihn überfahre!“ Und die Dorfbewohner wollen nicht wissen, ob es Tom gut gehe, sondern ob der Junge, bevor er angefahren wurde, noch lachte und den Zaun berührt habe.

Ein weiteres sonderbares Erlebnis hat Tom bei der Familie von Richard Lee, dem Witwer von Dorothy Lee, die als Dorothy Little alias Königin in Öl in Frances Roman „Land des Lachens“ verewigt wurde. Kein Wunder, dass Anna ihn gut kennt: ein Freund der Familie, denkt sich Tom. Aber etwas stimmt mit Lee nicht ganz. Lees zweite Frau Sharon lächelt die ganze Zeit und einen Moment ist Tom überzeugt, den Winddrachen Krang aus „Pfirsichschatten“ in ihrem Gesicht zu sehen. Wie kann das sein? Nein, ermuss sich täuschen.

Liebhaber

Das erste Kapitel ist von Anna gnädig akzeptiert worden, nachdem auch Saxony es lektoriert hat. Es kann also mit dem Buch weitergehen. Und solche verstörenden Vorfälle wie die mit dem überfahrenen Jungen wiederholen sich nicht mehr. Als Saxony sich das Bein bricht und im Krankenhaus liegt, macht Anna Tom zu ihrem Liebhaber. Dass er nicht der einzige ist, stellt er fest, als er einmal zu früh zu ihrem Haus kommt. Sie verabschiedet gerade Richard Lee. Den Mann, der ihn ebenso wie alle anderen ständig fragt, wann das Buch fertig sei.

Was hier in Galen nicht stimmt, findet Tom durch Zufall heraus, als der Bullterrier Nagel im Schlaf spricht, mit genau der gleichen hohen Stimme wie die sprechenden Hunde in Frances Büchern. Und auch Annas Hündin kann sprechen. Jetzt wird es Tom ein wenig mulmig, aber als ihm Anna reinen Wein einschenkt, ahnt er noch nicht, was für Folgen das für seine eigene Rolle in dieser neuen Welt haben wird…

Mein Eindruck

Ich habe diesen Roman in nur drei Tagen gelesen, doch wer sich ranhält, schafft die 240 Seiten locker in nur einem Tag. Das Buch besteht nämlich hauptsächlich aus Dialogen statt sich mit ellenlangen Beschreibungen aufzuhalten. Daher schreitet auch die Handlung rasch voran, und unser Ich-Erzähler Tom Abbey erhält am laufenden Band neue Einblicke und Erkenntnisse.

Dass sich das Buch leicht lesen lässt, soll jedoch nicht den Eindruck erwecken, als habe es keine Tiefe oder wäre der näheren Betrachtung und Diskussion nicht wert. Das Gegenteil ist der Fall: Es geht um nichts anderes als um die Frage, was es bedeuten würde, gäbe es die tatsächliche Existenz eines Gottes in der Welt. Die Antwort auf die Frage nach einer deterministischen Existenzform des Menschen ist sowohl hammerhart, als auch ermutigend.

VORSICHT SPOILER!

Anna erzählt dem erstaunten Thomas, dass Marshall France alias Martin Frank in seinen letzten Journalen seine traurige Tochter trösten wollte und ihr eine Welt erschuf, die er selbst bestimmte. Dabei handelt es sich um das Galen, in das Tom und Saxony geraten. Alle Menschen und Tiere, besonders die sprechenden, sind erschaffen worden. Mit zwei Ausnahmen: Anna und Richard Lee. Sie sind die einzigen, die keine Maske tragen, keine Marionette sind. Und jetzt natürlich auch Tom, der Maskensammler, und Saxony, die Marionettenschnitzerin. Die Ironie ist unübersehbar und wird zunehmend tiefer.

Nachdem er einmal die Wirkmacht seines Schreibens erkannt und seine Figuren geschaffen hatte, legte er für alle einen Lebenslauf fest, zumindest in groben Zügen, damit der freie Wille nicht ausgeschaltet wurde. Da die Figuren darüber im Bilde waren, lebten sie quasi glücklich bis an ihr vorgesehenes Lebensende. Tom findet in vielen Gesprächen heraus, dass es den erschaffenen Menschen so lieber als jeden Tag mit dem Zufall rechnen zu müssen. Ihr Gott ist ein gütiger Gott, selbst wenn er ihnen eines Tages den Lebensfaden abschneidet. Und wem es nicht gefällt, der kann zwar wegziehen, stirbt aber spätestens nach zwei Tagen.

Deus absconditus

Allerdings gibt es nun nach dem Ableben eben dieses Gottes namens Marshall France ein Problem. Zwar ist das Verschwinden seiner gesamten Schöpfung nicht mit seinem Ableben eingetreten, aber der Zauber seiner Schlöpfungsmacht schwindet. „Unvorhergesehene“ Unfälle wie die von Joe Jordan und dem Hayden-Jungen häufen sich, die Existenz wird so unsicher wie im Rest der Welt.

Auftritt Thomas Abbey. Anna hat darauf geachtet, ob er sich in sein Idol Marshall France und dessen Schöpfung einfühlen kann. Das hat er schon mit dem ersten Kapitel seines Buches bewiesen. Die Bewohner von Galen sind erleichtert, und Anna erst recht. Durch ihre Lebesbeziehung zu ihm weiß sie immer genau Bescheid, wie es mit seiner Biografie läuft. Was er nicht ahnt oder einfach nicht wahrhaben will: Er selbst ist es, der Marshall Frances Schöpfung stabilisiert und wieder in „geordnete“ Bahnen lenkt. Und als Saxony zu ihm zurückkehrt, läuft alles doppelt so gut, denn sie greift lenkend und verbessernd ein.

Deus resurrectus

Nur macht sich Thomas Abbey keine Vorstellung von den Konsequenzen seines Bemühens um die Wiedererschaffung der Schöpfung und des Schöpfers von Galen, Missouri. Denn eine Grundbedingung einer Schöpfung aus einer Hand ist eben die, dass „es nur einen geben kann“ – entweder Tom oder France. Als Toms Buch fertiggestellt ist, bereiten daher die Wiederauferstehung des Verstorbenen vor, der ja nun eine Schöpfung Abbeys ist. Doch was macht man nun mit den Ersatz-Schöpfern, nachdem das Ziel erreicht ist? Sie sind nun überflüssig…

Doch es gibt auch Hoffnung für Thomas Abbey. Wie es schon Saxony angeregt hat, setzt er sich hin und schreibt in Europa die Biografie des von ihm am meisten verabscheuten und geliebten Menschen auf der Welt: die seines Vaters, des Schauspielers Stephen Abbey. Wie wäre es, auch dieses Wesen wiederauferstehen zu lassen, so wie es Tom mit France gelungen ist? Die Folgen sind sowohl hoffnungsvoll und tröstend als auch ziemlich makaber. Anna hat Tom einen Killer nachgeschickt: Richard Lee. An der Seite seines Vaters braucht Tom nun keinen Killer mehr zu fürchten, denn gemeinsam sind sie stärker.

ENDE DES SPOILERS

„Land des Lachens“ ist ein Roman über das Verhältnis von Kunst zur Welt. Mit Galen erschaft es ein Kunstwerk, das eine Welt ist. Die Welt ist ein Kunstwerk, hat aber eigene Rechte. Die Frage ist beispielsweise, ob diese Welt dem Zufall überlassen bleibt oder sich so verhält, wie es der Künstler bzw. Schöpfer vorgesehen hat. Und wenn diese Welt deterministisch ist, fragt, ob sich die Figuren alle wohl fühlen (natürlich nicht alle) und ob sie das Recht haben, ihre Welt zu verändern oder zu verlassen.

Lobet den Schöpfer – aber nicht zu sehr

Durch den ironischen und zutiefst bewegenden und überzeugenden Kniff einer Welt in einer Welt, nämlich die Stadt Galen in einem Roman, führt der Autor dem Leser vor Augen, dass es sich im Grunde mit unserer Welt, d.h. unserem gemeinsamen Bezugssystem, das wir „Realität“ nennen, im Grunde genauso verhält. Der Schöpfer ist zwar so tot wie Marshall France, aber wir alle können ein Stück dazu beitragen, seine Biografie zu schreiben und ihn so wiederauferstehen lassen. Allerdings auf eigene Gefahr! Denn was würde passieren, wenn der Schöpfer wirklich zurückkäme? Vorsichtiger und sicherer wäre es da wohl, lieber bis in alle Ewigkeit an der Biografie zu schreiben und das letzte Kapitel immer wieder aufzuschieben.

Exorzismus und Versöhnung

Thomas Abbey ist das Lehrbeispiel, wie man durch intensive Beschäftigung mit einem Idol dieses nicht nur erschafft, sondern auch exorziert, indem man es all seines Zaubers für sich selbst beraubt. Nur die Werke mag Tom immer noch, aber den Künstler nicht mehr. Jedenfalls nicht den gottgleichen Schöpfer Galens. Und schon gar nicht den wiederauferstandenen Gott. An dieser Stelle wird das Buch als eine theologische Erörterung der prophezeiten Wiederkunft (Second Coming) von Jesus Christus, wie sie als Glaubensartikel in den USA weitverbreitet ist. Es ist vielleicht gar keine so gute Idee von Jesus zurückzukommen.

Durch die Biografie seines Vaters schreibt sich Tom auch allen Kummer von der Seele, den er mit diesem Idol für zahllose Filmfans hatte. Immer steht Tom im Schatten dieses Giganten, und sobald man ihn einmal als Sohn des großen Filmstars erkannt hat, gilt er selbst schon gar nichts mehr, denn alles Lob, das man ihm entgegenbringt, gilt ja nicht ihm, sondern eigentlich seinem Vater. Wie jeder Mensch will Tom um seiner selbst willen geliebt und respektiert werden. Daher hat Tom bisher alles, was mit seinem Vater zu tun hatte, abgelehnt.

Wie Brian Herbert sich von dem Schatten seines Vaters, des weltberühmten Autors der SF-Klassikers „Der Wüstenplanet“ befreien konnte, so gelingt es auch Tom Abbey, aus dem Schatten seines Vaters hervorzutreten, ja, ihn sogar zu seinem Verbündeten zu machen. Hey, Paps war ja auch nur ein Mensch. Das ist cool. Und sie können Freunde sein, sogar Verbündete, und zwar in mehr als nur einem Sinn.

Ja, und Saxony? Über ihr Schicksal zu berichten, hieße die Pointe zu verraten. Aber ich habe schon so viel angedeutet, dass es sich vielleicht erübrigt zu erwähnen, dass es in jedem von Carrolls Büchern auch mindestens eine Tragödie gibt.

Die Übersetzung

Die Übersetzung durch Rudolf Hermstein glänzt durch einen ausgezeichneten deutschen Stil, der sehr natürlich klingt, so als wäre das Buch nicht auf Englisch geschrieben worden, sondern auf Deutsch. Daher macht das Lesen auch so großen Spaß.

Das verhindert aber nicht, dass der Übersetzer zusammen mit dem Lektor (sofern vorhanden) eine Menge Druckfehler fabriziert hat. Schwamm drüber. Was man aber nicht übersehen kann, sind die sachlichen Fehler und verwirrenden Details.

Da ist schon auf Seite 22 von einer Miss Hoover die Rede, die es sonst im ganzen Buch nicht wieder gibt. Klarer Fehler: Gemeint ist Miss Saxony Gardner, es sollte also Gardner statt Hoover heißen.

Auf Seite 91 nennt Tom seine Saxony liebevoll-neckisch „Shorty“. Nein, das ist kein Druckfehler, denn auf Seite 119 tut er das nochmals. Aber es verwirrt denn doch ein wenig. Ist Saxony wirklich so klein?

Unterm Strich

Schon in diesem seinem Erstlingsroman fasst der Autor zahlreiche Motive und Vorlieben zusammen, die ich in seinen späteren Romanen und Erzählungen (s.o.) wiedergefunden habe. Dazu gehören skurrile Österreicher, amerikanische Filmstars und –regisseure, Bullterrier und andere sprechende Hunde, die Aufhebung des Todes durch Kreativität und natürlich Frauen. Frauen sind die interessantesten und am lebendigsten Figuren in Carrolls Romanen, und nicht immer sind sie auf das Geliebt- und Angesehenwerden beschränkt wie hier, sondern erzählen selbst.

Thriller

„Das Land des Lachens“ ist einerseits ein spannender Thriller, in dem die Hauptfigur ein Rätsel lösen will. Andererseits beschäftigt sich das Buch auch mit dem Verhältnis eines schöpferischen Künstlers zu seinen Werken. Ist der Schöpfer für seine Schöpfung nicht so etwas wie ein Gott, und wenn ja, was bedeutet es, wenn wenn er mal den Löffel abgibt? Ist es nicht etwas beunruhigend, wenn sich reale Menschen in einer Kunstwelt wiederfinden, komplett mit sprechenden Hunden, die anderntags wieder zu Menschen werden können?

Schauspiel

Andererseits wird jeder, der eine Maske trägt oder eine Marionette führt, Teil eines Schauspiels und eines künstlichen Werks und somit selbst so etwas wie eine Marionette – siehe Pinocchio (Zitat von Seite 78). Was schon Kunst und was noch „real“ ist, ist vielleicht gar nicht so wichtig zu wissen, kann aber auch einen Riesenunterschied ausmachen – etwa dann, wenn der Schöpfer zurückkehrt.

Auf jeden Fall hat mir das Lesen dieses Romans so viel Spaß wie selten ein anderes Buch gemacht. Ich kann es jedem Leser ans Herz legen, zumindest erwachsenen, denn es kommt doch eine gehörige Menge Sex darin vor.

Taschenbuch: 242 Seiten
Originaltitel: The land of laughs, 1980
Aus dem Englischen von Rudolf Hermstein
ISBN-13: 978-3518377475

www.suhrkamp-verlag.de

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