Jones, Stan – Weißer Himmel – Schwarzes Eis. Ein Fall für Nathan Active

_Der Sherlock der Eskimos: als Polizist in Alaska_

Nathan Active ist ein Staatspolizist in Alaska. Der Trooper findet sich langsam am Polarkreis zurecht und kommt einem Umweltverbrechen auf die Spur – mit unorthodoxen Methoden.

_Der Autor_

Stan Jones stammt aus und lebt in Anchorage, der größten Stadt in Alaska. Als Spezialist für Umweltfragen, Zeitungs- und Radio-Journalist sowie leidenschaftlicher Buschpilot hat er die Erfahrungen gesammelt, die man nun in seinen Romanen wiederfindet. Er arbeitet an weiteren Büchern über den eigenwilligen Inupiat-Cop Nathan Active und dessen Abenteuer am Polarkreis.

Man hat Jones als „Tony Hillerman in Schneeschuhen“ bezeichnet. Richtig daran ist wohl, dass Jones uns aus erster Hand Einblicke in die Kultur der Inupiat (der Alaska-„Eskimos“) gewährt. Aber gemessen an Hillerman, der über die Indianer des amerikanischen Südwestens schreibt, erzählt Jones weitaus lakonischer, trockener und mit geradezu eisgekühltem Witz. Man muss ein feines Gespür für Ironie mitbringen, um diesen Humor zu spüren und zu genießen.

_Handlung_

Alaska State Troopers sollten sich nicht in die Angelegenheiten der lokalen Stadtpolizei einmischen. Auch wenn in dieser Geschichte die Stadt den Inupiat-Namen Chukchi trägt und nur 2500 Einwohner hat, die wenigsten davon Weiße. Doch Trooper Nathan Active bleibt angesichts zweier mysteriöser Selbstmorde gar nichts anderes übrig, als sich einzumischen.

Active wurde als Inupiat geboren, doch dann von einer weißen Familie adoptiert, die ihn in der „Großstadt“ Anchorage aufzog und ihm eine gute Ausbildung spendierte. Nun hat es seine Behörde für weise befunden, ihn in die Wildnis zu schicken, nach Chukchi, seinen alten Heimatort.

Nicht genug damit, dass Arbeitslosigkeit, Armut und Alkohol den Menschen hier das Leben schwer machen. Sie nehmen auch Active, den Halbweißen, nicht für voll. Dem Dorfklatsch über einen alten Bannfluch, der auf den Selbstmördern gelegen haben soll (und der noch weitere Opfer fordern könnte), nimmt Active natürlich kein bisschen ernst.

Doch es gibt vereinzelte Hinweise – und einen weiteren Toten. Active fängt an zu schnüffeln und steht bald GeoNord, einem norwegischen Minenkonzern, der bei Chukchi eine giftige Kupfermine betreibt (dabei wird u. a. Arsen freigesetzt), auf den Zehen. Bis zur Schmerzgrenze.

Als GeoNords Anwalt anrückt und bald darauf Actives Vorgesetzte nervös werden, weiß er, dass er auf der richtigen Spur ist. Bis er dem wahren Schurken in diesem Stück gegenübersteht und dieser eine Flinte auf ihn richtet.

_Mein Eindruck_

Ich muss zugeben, dass ich zunächst mit der trockenen und Matter-of-fact-Art nicht zurechtgekommen bin, in der Stan Jones seine Geschichte erzählt. Moderner Krimistil wie der von Walters, Cornwell oder Deavers ist Jones fremd. Er erzählt schnurstracks geradeaus, und man muss ihm folgen oder es bleiben lassen.

Nachdem ich mich damit abgefunden hatte, merkte ich auch, wohin der Hase lief. Active ist eine Art Terrier: Einmal auf einer Spur, bleibt er auch drauf. Und so kommt er auch dem Umweltverbrechen auf die Spur, wobei er alle möglichen Experten befragt und schließlich mit dem gewieften Anwalt GeoNords in „Verhandlungen“ eintritt. Schließlich spitzen sich die Verhandlungen zu, und Active kann GeoNord Paroli bieten. Wie das Verhandlungsergebnis in Wahrheit aussieht, müssen seine Vorgesetzten ja nicht im Einzelnen erfahren. Hauptsache, der Bericht entspricht den sichtbaren Tatsachen.

Dies dürfte der erste Roman sein, der den Alltag in Alaska authentisch schildert (siehe oben). Hinsichtlich der Kultur der Inupiat ist die Bedeutung der Frauen erstaunlich: Sie sind die wahren Bewahrer der Kultur. Und ständig versucht eine der Omas und der Mütter, Nathan mit ihren Töchtern oder Enkelinnen zu verkuppeln. Das hat seinen guten Grund: Alleinstehende Männer werden im eisigen, einsamen Norden schlicht verrückt und rasten aus. Gar nicht gesund: nicht für ihn und nicht für die Gemeinschaft der Inupiat. Also muss eine Frau her. Schließlich sieht das sogar Active ein.

_Unterm Strich_

Sherlock unter den Eskimos? Ja, und gar nicht mal schlecht erzählt. Allemal einen Blick wert, sofern man die nötige Geduld mitbringt.

|Der Buchtitel|

Schwarzes Eis ist die gefährlichste Sorte von Eis, die es gibt. Es sieht stabil aus, wird aber den Vorwitzigen oder Unvorsichtigen sofort verschlingen. Weißer Himmel steht für den fortwährend wehenden Westwind, der Schnee und Nebel mitbringt: Blauer Himmel ist eine Seltenheit in Alaska. Zwischen diesen beiden Polen spielt sich die Handlung des Buches ab.

|Originaltitel: White Sky, Black Ice, 1999
250 Seiten mit einem Autorenporträt und Glossar
Aus dem US-Englischen übertragen von Dirk Löwenberg|

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