Joseph Delaney – Die Feinde des Geisterjägers (Spook 5)

Im kühlen Norden: Hexenjagd und Teufelsspuk

Der inzwischen 15-jährige Tom Ward ist der siebte Sohn eines siebten Sohns und daher zum Geisterjäger qualifiziert. Der Spook John Gregory nimmt ihn in die Lehre und zeigt ihm, was Tom über Hexen, Boggarts und Poltergeister wissen muss. Mehrere schwere Kämpfe muss Tom bestehen. Zum Glück kann sich Tom auf die Hilfe von Alice stützen. Dummerweise ist sie ebenfalls eine Hexe …

Inzwischen haben die Hexen von Pendle den Teufel auf die Welt gerufen. Es sieht ganz so aus, als sei Seine Satanische Majestät besonders hinter Tom her. Um ihn auf die drohende Gefahr vorzubereiten, schickt der Spook Tom zu einem ehemaligen Lehrling, der inzwischen im Norden selbst als Spook tätig ist. Doch Meister Arkwright ist dem Teufel Alkohol verfallen und begeht in seinem Kampf mit der schlimmsten Hexe des Nordens einen schweren Fehler. Tom ruft Alice und seinen Meister zu Hilfe, doch beim Treffen in der Stadt Caster scheint der Teufel die Nase vorn zu haben: Er hatte den drei Geisterjägern eine fiese Falle gestellt …

Der Autor

Joseph Delaney lebt mit seiner Frau in der englischen Grafschaft Lancashire. Dass er nicht mehr ein junger Hüpfer sein kann, wird daraus ersichtlich, dass er bereits vier Enkelkinder von seinen drei Kindern geschenkt bekam. Weitere biografische Details verrät das Buch kaum – nur dass er „mitten im Territorium der Boggarts“ wohnt und seine Heimatstadt einen Boggart beherbergt, der DER HAUSKLOPFER genannt wird. Der liege dort gebannt unter der Schwelle eines Hauses nahe der Kirche (genau wie im 1. Roman beschrieben).

Der Autor hat sich die im Buch erwähnte Art von Hexen nicht aus den Fingern gesogen, sondern in seiner eigenen Nachbarschaft Vorbilder dafür gefunden. Im Jahr 1612 fand – vier Jahre vor Shakespeares Tod – in der Grafschaft Lancashire ein berühmter Hexenprozess statt, der es locker mit den späteren Salemer Hexenprozessen von 1692 aufnehmen konnte. Auch das Wort „boggart“ ist für die Gegend nahe der Grenze zu Schottland belegt.

Band 1: Der Schüler des Geisterjägers
Band 2: Der Fluch des Geisterjägers
Band 3: Das Geheimnis des Geisterjägers
Band 4: Der Kampf des Geisterjägers
Band 5: Die Feinde des Geisterjägers

Vorgeschichte

Der 13-jährige Tom Ward ist der siebte Sohn eines siebten Sohns und daher etwas Besonderes. Sein Vater ist ein einfacher Bauer, aber seine Mutter stammt aus Griechenland und weiß Bescheid: Tom sollte etwas Besonderes lernen. Jemand muss das Land und seine Menschen vor den bösen Geistern beschützen – warum nicht Tom? Jemand muss es ja tun. Tom ist zudem der Jüngste und muss irgendetwas anderes tun als seine Brüder. Sein Bruder Jack wird den Hof erben und eine Familie gründen.

Deshalb kommt der Besuch von Mr Gregory, dem Geisterjäger, gerade zur rechten Zeit. Er ist bereit, Tom für einen Monat auf Probe auszubilden, und wenn Tom danach bei ihm bleiben will, soll er fünf Jahre lang sein Lehrling sein. Tom ist nicht sicher, ob er diesen Job machen will, denn die Arbeit ist relativ stressig: Die Geister der Gehenkten im Wald und die Klopf- und Poltergeister in den Häusern können schon etwas auf die Nerven gehen. Außerdem will absolut niemand etwas mit Geisterjägern zu tun haben. Einsam sind die Tapferen.

Unheimliche Wesen erwarten Tom. Mr Gregory zeigt sie ihm in den drei Gärten seines Sommerhauses nahe Chipenden. Da wären also die vier verschiedenen Sorten von Hexen (gutartige, bösartige, fälschlich beschuldigte und unwissende), mehrere Sorten von Boggarts und dann noch diverse Monster, Schemen und Geister.. Alles klar? Ach, noch was: Tom soll sich ja vor Mädchen in spitzen Schuhen in Acht nehmen. Verstanden, mein Junge?

Handlung

Der Teufel ist auf der Welt, herbeibeschworen von den Hexen von Pendle (siehe Band 4). Die Zeiten werden härter, findet der Spook und schickt Tom Ward, seinen Lehrling, zu Mr William Arkwright in den Norden. Denn Tom wurde gerade auf einem Einkaufsgang ins Dorf von Kriegswerbern eingefangen und verschleppt. Zum Glück konnte Toms Freundin Alice die Soldaten mit ihren Hexenkünsten verjagen. Aber Tom selbst hatte keine Chance, sich zur Wehr zu setzen. Das soll sich in der neuen Lehre ändern.

Bill Arkwright lebt am Rande eines Moors in einer Mühle, in der schon vor langer Zeit das letzte Korn gemahlen wurde. Das Dach biegt sich durch wie der Rücken eines alten Gauls. Die Mühle ist von einem schützenden Wassergraben umgeben, in den der Spook regelmäßig Salz schüttet. Das soll die Wasserhexen und anderen Plagegeister abhalten, die die Gegend unsicher machen. Wasserhexen sind Arkwrights Spezialität, und die schlimmste von denen ist Morwena, die Tochter des Teufels. Über die hat Arwright sogar ein Buch geschrieben. Aber das bekommt Tom erst zu lesen, als es nötig ist.

Arkwright hat viele Geheimnisse, und er wehrt alle Fragen danach ab, insbesondere zu den Geistern der Toten, die nachts in der Mühle umgehen, und zu den Särgen in seinem Zimmer unterm Dach. Außerdem hat er ein Laster: Er trinkt wegen dieser Geister zuviel Alkohol. Der macht ihn dann immer wütend, und diese Wut lässt er allzu häufig an Tom aus. Ihm gehorchen zwei große schwarze Wolfshunde, die Kralle und Beißer heißen. Ach ja, und in seinen Verliesen stecken Hexen und andere Wesen. Kurz: Arkwright ist alles andere als ein angenehmer Zeitgenosse.

Morwena

Hinzukommt, dass er eine ungemütliche Nachbarin hat. Bei einer der zahlreichen Trainingseinheiten mit Orientierungslauf und Stockkampf begeht Tom den Fehler, dem Moorsee zu nahezukommen. Die alte Frau, die da vor ihm auf dem Weg aus dem Nebel auftaucht, öffnet ihr zweites Auge, und es ist blutrot! Auf einmal kann sich Tom nicht mehr bewegen, denn er ist durch den Blick in dieses Auge wie erstarrt. Die Finger der Hexe sind mit langen scharfen Krallen bewehrt, und eine davon bohrt sich nun durch seine Ohrmuschel. Daran zerrt die Wasserhexe den Jungen ins Moor. Nur ein beherztes Eingreifen des Wolfhundes Kralle bewahrt Tom vor einem nassen Grab.

Der Spook holt sofort den Dorfarzt, um Tom und den Hund vor einer giftigen Infektion zu bewahren. Er selbst ist nämlich fast schon mal an einer solchen giftigen Hexenberührung gestorben. Davon hat er immer noch eine Narbe auf der Wange. Toms Beschreibung passt auf die Verursacherin dieser Narbe: Morwena, auch Blutauge genannt. Sie ist die schlimmste Hexe des Nordens und hat als Blutsaugerin mindestens Dutzende von Menschen auf dem Gewissen. Arkwright gibt Tom sein eigenes Buch über Morwena zu lesen, das er geschrieben hat. Leider gibt er Tom keine Zeit, es auch zu Ende zu lesen, den sonst hätte Tom einige nützliche Fakten über Morwena erfahren.

Hexenjagd

Der Hund hat Morwena einen Finger abgebissen. Es gibt jemanden, dem dieser Finger wie eine Wünschelrute sagen kann, wo sich die Besitzerin dieses Fingers jetzt aufhält: den alten Eremiten Judd Atkins, der nahe Coniston in einer Höhle haust. Zusammen zeichnen Judd und Arkwright eine Karte: Morwena könnte in drei der zahlreichen Seen der Gegend leben. Doch Judd verlangt eine Gegenleistung. Die Soldatenwerber, die Tom vor Wochen einfingen, treiben hier im Norden ihr Unwesen, und sollen vertrieben werden.

Dass Arkwright diese Aufgabe im Handumdrehen erledigt, steigt ihm zu Kopf. Statt sich auf den anstehenden Kampf mit der stärksten Wasserhexe des Landes vorzubereiten, begeht er den Fehler, sich zu besaufen. Das wird ihm am nächsten Morgen zum Verhängnis. Und zu seinem Entsetzen muss Tom anhand der Spuren, die ins Wasser führen, erkennen, dass Morwena keineswegs alleine ist. Und nun ist sie hinter ihm her!

Mit Hilfe eines verbotenen Spiegeltricks ruft er Alice zu Hilfe. Er trifft sie nach einem Gewaltmarsch in Arkwrights Mühle. Von dort wollen sie nach Caster, um Meister Gregory, den Spook, zu treffen. Doch der Teufel hat bereits seine Hand im Spiel und alles kommt ganz anderes – und viel schrecklicher, als Tom es erwartet hat …

Mein Eindruck

Schließlich muss es Tom doch alleine mit Morwena aufnehmen. Der Teufel hat nicht ohne Grund seine schwarze Hand im Spiel: Morwena ist seine Tochter. Interessant ist die Fähigkeit des Teufels, wie er hier dargestellt wird, die Zeit zu manipulieren. Mal scheint sie stillzustehen, wie vor dem Kampf mit Morwena, oder sie vergeht wie im Flug oder zäh wie Sirup.

Während eines solchen Zeitstopps, wie man ihn sonst nur aus der Science Fiction kennt, verwickelt der Teufel unseren Helden in eine knifflige Verhandlung, in der es schlichtweg um das Schicksal der Welt geht. Während vor Angst die Knochen schlottern, wird er wie weiland Jesus versucht, sich mit seiner satanischen Majestät zu verbünden – der sei schließlich der Herrscher der Welt, nicht wahr. Aber wieso braucht dann dieser Herrscher so viele Helfer? Da erinnert sich Tom daran, dass der Teufel nicht ohne Grund „Herr der Lügen“ genannt wird.

Der Teufel will, was schon längst abzusehen war: Tom soll gegen Morwena kämpfen. Dabei geht es nicht nur um sein eigenes Leben, sondern auch um das des beiden Geisterjäger und um das von Alice. Doch was der Teufel anscheinend nicht weiß: Alice hat die Hexe Grimalkin aus Pendle zu Hilfe gerufen, damit sie Tom beisteht.

Satan weiß also doch nicht alles – nur wenn man Werkzeuge der Dunkelheit benutzt, die ihm untertan ist. Hier könnten Zweifel an der Logik aufkommen., wenn man sich die Mühe, ein wenig darüber nachzudenken: Warum weiß der Teufel nichts von der Kommunikation zwischen Alice und Grimalkin mithilfe verbotener Spiegelmagie? Nun, vielleicht war er ja abgelenkt oder so. Die Autoren reden sich immer irgendwie heraus.

Der abschließende Showdown kann sich sehen lassen. Die Action ist überschaubar statt verwirrend, wie es noch in Band 4 der Fall war. Die Akteure haben alle ein eindeutiges Ziel, und der Ausgang ist offen. Auch alle Folgen des Kampfs werden fein säuberlich zu Ende gedacht.

Alice muss Chipenden, das Anwesen des Spook, verlassen. Das tut Tom, dem sie geholfen hat und der sie wirklich mag, in der Seele weh. Aber wenigstens wird sie nicht ein Verlies zu den anderen Hexen gesteckt. Die Ironie der Geschichte will es, dass Alices Verbannung nach Pendle eine erneute Gefahr für das Licht darstellt, das die Spooks verteidigen. Die gute Nachricht: Toms Mama wird zurückkehren – und Grimalkin will ihm ein Geschenk geben. Na, bei so viel weiblichem Beistand kann eigentlich nichts mehr schiefgehen, oder? Ich habe meine Zweifel.

Die Übersetzung

Der Text, den Tanja Ohlsen wieder mal einwandfrei übersetzt hat, enthält keinerlei Druckfehler, was ich sehr erfreulich finde. Es ist einer der Gründe, warum ich Leinenausgaben Taschenbüchern vorziehe. Im Anhang zur Erzählung findet sich Tom Wards Tagebuch. Es dient eigentlich mehr als Lexikon. Diesmal liefert das Glossar alles Wissenswerte über Skelts, Würmlinge, Boogles und Wichte.

Druckfehler konnte nur sehr wenige entdecken, was ich sehr erfreulich finde.

Unterm Strich

Ich habe diesen Band der SPOOK-Reihe in nur wenigen Tagen gelesen. Die geschichte ist voll Action, ohne Drama und Tragik zu vernachlässigen. Dass jede Menge Horror zum Zuge kommt, liegt wohl in der Natur der Sache: Geister- und Hexenjagd. Tom Ward hat auf seinem Weg, selbst ein Spook zu sein, eine Menge zu lernen, und die Lektionen sind meiste Zeit hart und ernst. Aber das ist in Ordnung, solange er hilfreiche Geister zur Seite hat, etwa die zwielichtige Alice, die „der Dunkelheit“ anzugehören scheint. Ich finde es gut, dass manche Figuren weder schwarz noch weiß sind, sondern grau – das erhöht die Spannung und ist realistischer.

Wasserhexen sind nun Toms Hauptgegner. Und sie sind derart gruselig und gefährlich, dass ich mich hüte, sie näher zu beschreiben. Auf jeden Fall liefern sie Tom einen heftigen Kampf. Gefährliche Orte, in die sich der Lehrling wagen muss, über einen speziellen Reiz aus. Als auch noch der Teufel höchstpersönlich auftritt, steht auf einmal sehr viel mehr auf dem Spiel als nur eine Hexe zu erledigen. Das ist richtig klasse.

Das Tagebuch Tom Wards ist als Pluspunkt anzusehen, weil es Hintergrundinformationen über die Hexen von Pendle sowie eine Landkarte liefert. Die Karte zeigt die unmittelbare Umgebung von Arkwrights Mühle. Die Illustrationen leiten jedes Kapitel ein: Es handelt sich um Holzschnitte von Patrick Arrasmith, die jede Szene auf den Punkt bringen, ohne zuviel zu verraten.

Allerdings machen es diese Seiten voll Druckerschwärze nötig, jeweils eine nahezu leere Seite plus eine weitere für die Kapitelüberschrift vorzuschalten. (Oft kommt noch eine dritte Leerseite dazu.) Diese leeren Doppelseiten sind mit ein Grund, warum sich das Buch so schnell lesen lässt: So kommen locker über 60 leere Seiten zusammen, die man flugs überblättern kann. Dafür ist aber das Buch mit knapp 8 Euronen recht preiswert zu nennen. Denn seine Herstellung war wegen der vielen grafischen Elemente, darunter eine Landkarte, sicher nicht so günstig wie eine Nur-Text-Ausgabe.

Fazit: volle Punktzahl.

Taschenbuch: 416 Seiten mit Landkarte und Tagebuch,
Originaltitel: The Wardstone Chronicles – The Spook’s Mistake, 2008;
Aus dem Englischen von Tanja Ohlsen
ISBN-13: 978-3570224489

www.randomhouse.de/cbjugendbuch

Der Autor vergibt: (4.5/5) Ihr vergebt: SchrecklichNa jaGeht soGutSuper (1 Stimmen, Durchschnitt: 5,00 von 5)

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