King, Stephen – Leben und das Schreiben, Das

_Bestsellerautor – gewusst wie!?_

Kann ich hier lernen, wie man einen Bestseller schreibt? Vermutlich nicht ganz, aber der Meister sagt uns, wie er dazu kam und gibt ein paar hilfreiche Tipps – zumindest wie man’s besser macht als bisher.

Hier hat einer der erfolgreichsten Schriftsteller des 20. Jahrhunderts seine wichtigsten Einsichten zusammengefasst. Es ist ein persönliches, geradezu intimes Buch, andererseits aber auch ein Sachbuch mit brauchbaren Ratschlägen für angehende Autoren.

_Inhalte_

Nach nicht weniger als drei (!) Vorwörtern legt King endlich los: mit einem von zwei biographischen Teilen. Die Zweiteilung rührt natürlich von jenem schmerzhaften und einschneidenden Unfall im Sommer 1999 her. Davor hatte King bereits die Hälfte des Buches fertig.

Er erzählt zunächst, wie er überhaupt dazu kam, Geschichten zu mögen, viel zu lesen und schließlich selbst welche zu erfinden und festzuhalten. Seine Mutter bestärkte ihn darin ebenso sehr, wie es später seine Frau Tabitha tun sollte. Die Episode, wie sein erster veröffentlichter (nicht geschriebener) Roman „Carrie“ entstand, ist schon häufig erzählt worden – ich brauche sie nicht nochmals wiederzugeben. Interessanter ist da schon, wie er sein Handwerk verbesserte, etwa indem er als Sportreporter bei der Lokalzeitung arbeitete und zudem richtiges Redigieren lernte. Weitere Tipps bekam er von ablehnenden Lektoren der Zeitschriften, denen er seine Storys anbot („2. Fassung = 1. Fassung minus 10 %“ und dergleichen). An diese Ratschläge hält sich King noch heute.

|Schreiben ist Telepathie|

Sodann erklärt er, was Schreiben ist: „Telepathie natürlich“. Und er weiß diese erstaunliche Auffassung gut zu begründen. Im folgenden Teil beschreibt er den Inhalt der drei Ebenen des „Werkzeugkastens“ eines Schriftstellers. Dazu gehören natürlich allen voran die Sprache, die Grammatik und die Stilistik. Für ihn ist die kleinste Bucheinheit nicht das Wort oder der Satz, sondern der Absatz.

|Do it yourself!|

Der folgende Teil „Über das Schreiben“ ist sicherlich der wichtigste, wenn man selbst schriftstellerische Ambitionen hat – und die werden wohl die meisten Käufer dieses Buches mitbringen. Alle von Kings Ratschlägen sind brauchbar, manche sogar genial. Häufig hebt der frühere Englischlehrer den Finger, hebt sogar das Verbotsschild in die Höhe, doch die häufig eingesetzte Selbstironie schwächt diese wichtigtuerischen Posen immer wieder ab.

Ich selbst kann zahlreichen von Kings Ratschlägen nur zustimmen, schließlich habe ich selbst über zehn Jahre in Schreibwerkstätten und –seminaren (auf deren Nutzen geht er selbstverständlich ebenfalls ein) verbracht und meine Resultate vorgelesen und begutachten lassen. Nie jedoch wurden mir dort solche gut begründeten Tipps gegeben.

Eine Kostprobe: Vermeide Adverben wie die Pest! Beispiele wären „mutig widersprechen“, „herzzerreißend schluchzen“ usw. Adverben fügen einem bereits vorhandenen Verb oder einer Äußerung nur einen unterstreichenden Aspekt hinzu, sind also von vornherein relativ überflüssig, es sei denn, das Adverb erweitert die Bedeutung des Verbs oder der Äußerung („sagte er nachdrücklich“). Adverbialkonstruktionen kann man natürlich zu einem Stilmerkmal machen (etwa wie in den sog. „Swifties“), man kann es damit aber auch übertreiben und so einen ironischen Effekt erzielen.

|Falltüren der Prosa|

Natürlich gibt es in der Prosa noch zahlreiche weitere Falltüren, die es aufzuspüren und zu vermeiden gilt. King bietet angehenden Autoren auch in ihren Publikationsbemühungen Hilfe an: Man darf ihm bestimmte Manuskripte an www.stephenking.com schicken. Er warnt vor gierigen Agenten und tückischen Verlagsverträgen (etwa bei Doubleday!). Eine Leseliste bietet weiterführende Tipps zu Büchern, die der Meister gut findet oder fand. Dazu gehört vor allem seine Stilbibel „Elements of Style“.

|Die Biografie erschüttert|

Absolut erschütternd ist hingegen der zweite Teil seiner Biografie zu lesen, also über den Unfall selbst, bei dem er fast starb, und die Zeit der Rekonvaleszenz bis zu jenem Tag, an dem er wieder an diesem Buch schreiben konnte.

In einem der Nachträge kann man dem Meister über die Schulter schauen. „Siehst du: So sah die 1. Fassung der Story aus – und jetzt schau her: So sieht die 2. Fassung aus.“ Er begründet die Änderungen und macht deutlich, worauf es ihm bei seinem Handwerk ankommt. Diese Story ist unter dem Titel „1408“ in der Hörbuch-Trilogie „Blut und Rauch“ zu finden, die es bei |Random House Audio| gibt.

_Mein Eindruck_

Dieses lehrreiche Buch gibt nicht nur durch Erfahrung erworbene und erprobte Ratschläge an Jungautoren weiter, sondern erzählt auch viele Geschichten – nicht nur Kings eigene, die allein schon sehr interessant ist, aber auch die vieler anderer Leute (seine Familie, seine Frau, die Schulen, die Verleger usw.).

Für Bücherwürmer wie mich sind auch Kings Bemerkungen über andere Schriftsteller und ihre Produkte sehr wertvoll. Sie erfüllen eine ähnliche Funktion wie eine Rezension. Dabei scheut der Autor auch nicht vor handfester, aber berechtigter Kritik zurück. Er hat eben seinen Standpunkt und weiß ihn gewohnt eloquent zu vertreten.

Auf jeden Fall ist das Buch sehr kurzweilig zu lesen, sofern man sich für das Schreiben und die Vorgänge dabei interessiert. Andere Leser dürften vor allem von den biografischen Teilen und den Lesetipps profitieren.

|Originaltitel: On Writing, 2000
Aus dem US-Englischen übertragen von Andrea Fischer|