Kingdomino

Nach einer kleinen Durststrecke scheint Bruno Cathala sich im Laufe des vergangenen Jahres wieder zur Höchstform gepusht zu haben. Bereits die Messeneuheit „Seven Tribes“ wurde allerorts gefeiert und gehört zu den vielen Days Of Wonder-Titeln aus seiner Feder, die man als tapferer Abenteurer und gewiefter Stratege keinesfalls verpassen sollte. Doch auch auf dem Markt der kompakteren Familienspiele hat der französische Autor nun zugeschlagen und mit „Kingdomino“ seinen ersten gezielten Angriff auf den prestigereichen Preis des „Spiel des Jahres“ unternommen. Und ganz ehrlich: Cathala’s Neuling hat beste Chancen, zumindest in die Auswahlliste aufgenommen zu werden, da inhaltlich und auch technisch alle Kriterien bestens erfüllt werden!

Spielidee:

In „Kingdomino“ bemühen sich zwei bis vier Spieler darum, ihr eigenes kleines Königreich möglichst so erfolgreich auszubauen, das die darin befindlichen Ländereien am Ende auch den nötigen Profit abwerfen. In mehreren Runden streitet man um die nächsten Dominoplättchen und versucht sie so lukrativ wie möglich in sein begrenztes Feld einzubauen. Am Ende geht es um Prestige, welches durch Siegpunkte gemessen wird. Und derjenige, der sich beim Taktieren um die richtigen Dominosteine am cleversten gezeigt hat, ist der neue Herrscher von „Kingdomino“.

Spielmaterial:

* 48 unterschiedliche bedruckte Dominosteine
* 4 Startsteine
* 4 3D-Schlösser
* 8 Holzfiguren
* 1 Stoffbeutel

Zugegeben: „Kingdomino“ ist kein grafisches Hexenwerk, aber dennoch derart zweckdienlich gestaltet, dass sowohl Atmosphäre aufkommt, als auch die Inhalte klar verständlich und differenziert zum schnellen Spielfluss führen. Die Symbole grenzen sich ausreichend ab, die beiden Seiten der Dominosteine lassen keine Fragen offen und das Schloss, dass jeder Spieler als Ausgangspunkt seiner Bemühungen an sich nimmt, ist ebenfalls eine nette Idee, die im Übrigen den stabilen Eindruck der Materialien noch einmal bestätigt. Das Spiel ist simpel strukturiert, und das gilt auch für das Material. Und das ist am Ende auch genau gut so!

Spielvorbereitung:

Eines der nennenswerten Wesensmerkmale des jüngsten Cathala-Titels ist definitiv sein leicht verständlicher Spielaufbau, der in der Spielregel prima erklärt wird. Nach zehn Minuten kann die erste Partie bereits beginnen, weil das Regelwerk in dieser kurzen Zeitspanne gelesen und erklärt wurde, so dass man einen wunderbaren Einstieg in „Kingdomino“ bekommt.
Je nach Spielerzahl werden nicht alle Dominosteine genutzt, so dass bei drei Spielern 12 Steine bzw. beim Spiel zu zweit 24 Steine in die Sachachtel zurückgelegt werden. Hat man dies im Bedarfsfall erledigt, erhält jeder Spieler nun einen Startstein, die zugehörige Burg und die Spielfigur(en) in seiner Farbe. Im 2-Spieler-Spiel benötigt man beide Figuren, andernfalls reicht auch ein einziger Pöppel.

Sobald das Material aufgeteilt ist, werden nun vier Dominosteine (beim Spiel zu zweit oder zu viert) bzw. drei Dominosteine zufällig aus dem Beutel gezogen und offen auf den Tisch gelegt. Ein Spieler nimmt nun jeweils eine Figur von allen Mitspielern in die Hand und lässt diese nacheinander aus der Hand fallen, ohne auf die Reihenfolge Einfluss zu nehmen. Der Spieler, dem die erste Figur gehört, die nun herausfällt, darf als Erstes einen der gezogenen Dominosteine wählen, die anderen Spieler folgen ihm. Wenn nun alle Dominosteine belegt sind (im Spiel zu zweit werden immer zwei Steine pro Runde gewählt, so dass das Spiel auch nur halb so viele Runden hat), werden weitere Dominosteine gezogen und verdeckt in eine Reihe neben die bereits ausliegende Reihe gelegt. Alle Steine sind nummeriert, und es gilt: Je höher die Nummer, desto lukrativer der Dominostein. Alle Steine werden sichtbar aufgedeckt und in die Reihenfolge ihrer Nummern gelegt; die niedrigste Ziffer liegt dabei oben. Nun kann das aktive Spiel beginnen.

Spielverlauf:

Es beginnt nun derjenige Spieler, dessen Figur in der ersten Reihe ganz oben steht. Er nimmt den Dominostein an sich und darf seine Figur in der nächsten Reihe auf einen beliebigen neuen Dominostein setzen. Dies wird der Stein sein, den er in der nächsten Runden an sich nehmen wird. In der Reihenfolge der Platzierung der Figuren nehmen auch die übrigen Spieler den gewählten Dominostein an sich und verschieben ihre Figur auf ein freies Feld in der nächsten Reihe.

Die nun erhaltenen Plättchen legt man an das Startplättchen an, welches das einzige ist, bei dem die Anlegeregeln noch nicht greifen. Jeder Dominostein passt, da das Startfeld eine neutrale Landschaft ist. In den kommenden Runden muss man hier aber schon geschickter vorgehen. Es gilt, möglichst viele gleiche Landschaften aneinander zu legen, denn in der Schlusswertung wird die Anzahl der zusammenhängenden gleichen Felder mit der Summe der darauf befindlichen Kronen multipliziert. Bei der Wahl der neuen Dominosteine ist daher nicht nur zu beachten, wie viele Punkte ein solcher Stein (anhand der aufgedruckten Kronen) einbringen kann, sondern auch inwiefern er sich in die eigene Landschaft einfügt. Und das ist längst noch nicht alles: Das eigne Königreich darf maximal 5×5 Felder groß sein, und man darf Steine nun dann anlegen, wenn mindestens eine Seite des Dominosteins das gleiche Landschaftsbild zeigt wie ein bereits ausgelegter Stein – strategische Planspiele sind daher immens wichtig, wenngleich man ausgewogen darauf achten sollte, wertvolle und auch passende Steine zu bekommen, was wiederum meistens nur dann gelingt, wenn man in einer neuen Runde bei der Auswahl der neuen Plättchen auch frühzeitig zum Zuge kommt.

Anhand dieser Regeln baut man nun sein Königreich über insgesamt zwölf Runden (bzw. 6 Runden bei zwei Spielern) immer weiter aus und versucht nach Möglichkeit, auch alle gewählten Steine unterzubringen. Wenn die letzte Runde vorüber ist, folgt die Schlusswertung. Die einzelnen Landschaften werden nach Größe und Wert berechnet und die Gesamtsumme verglichen. Der Spieler, der nun die meisten Punkte erzielt hat, ist der Siege in „Kingdomino“.

Persönlicher Eindruck:

Manchmal geschieht es bereits beim Lesen einer Spielanleitung, dass einen das wohlige Gefühl beschleicht, hier einen ganz besonderen Titel vor sich zu haben. Das kleine Heftchen zu „Kingdomino“ misst zwar nur schmale vier Seiten, offenbart hier aber schon die ganze strategische Tiefe des Spiels, ohne dabei den grundsätzlichen Charakter eines Familienspiels abzustreifen.

Im Spielgeschehen bestätigen sich diese Eindrücke dann prompt. Unabhängig von der Spielerzahl bleibt das Vergnügen gleichermaßen groß, da der Mechanismus sehr ausgewogen ist und in jeder Konstellation greift. Staunen muss man jedoch, wie es Bruno Cathala gelungen ist, ein grundsätzlich total simples Spielprinzip so strategisch zu gestalten und das Glücksmoment dabei beinahe vollkommen auszuhebeln. Jeder Spieler hat den Fortschritt seines Königreiches weitestgehend selber in der Hand, da vor jeder Runde neu entschieden wird, welche Dominosteine wie verteilt werden. Hinzu kommt der Aspekt der geringen Spieldauer, der „Kingdomino“ für wirklich jede Spielrunde reizvoll macht. Eine Partie dauert gerade einmal knappe 15 Minuten und verleitet zur sofortigen Wiederholungstat. Als Opener für einen längeren Abend ist das Spiel aber genauso geeignet wie als Rausschmeißer, was gerade bei taktisch geprägten Spielen äußerst selten der Fall ist. Und egal wie man es dann dreht oder wendet: Die Herausforderung bleibt jederzeit bestehen, genauso wie der nimmer endende Spaß, den „Kingdomino“ bereitet. Spiel des Jahres? Tja, auf jeden Fall ist dieser Neuling ein echter Kandidat!

Fazit:

Schnell gelernt, sofort verstanden und in Windeseile gespielt: „Kingdomino“ bringt alle Voraussetzungen mit, die ein perfektes, strategisches Familienspiel erfordert. Es wäre kaum verwunderlich, wenn das neue Spiel des erfolgreichen französischen Autors in diesem Jahr einige Preise einheimsen würde. Und selbst wenn nicht: Man kommt nur schwer an diesem ersten Bonbon des Jahres 2017 vorbei!

Autoren: Bruno Cathala
Verlag: Pegasus
Empfohlenes Alter: ab 8 Jahre
Anzahl der Spieler: 2-4 Spieler
www.pegasus.de

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