Lustbader, Eric Van – Schwarzes Schwert

Die Konfrontation zwischen Japan und den USA in Sachen Wirtschaft und Technik erscheint in diesem Fernost-Thriller noch unausweichlich. Heute malen Autoren wie Tom Clancy eher die Chinesen als den Schwarzen Mann an die Wand.

_Hintergrund_

Bereits vor „Weißer Engel“ war Lustbader als Thriller-Spezialist bekannt: Sein erstes Buch, „Der Ninja“, wurde 1987 ein Weltbestseller. Ich selbst halte es für genial, doch zog es auch eine Welle billiger Ninjafilme nach sich. Der Autor selbst garantiert als Fernostexperte – insbesondere in Sachen Vietnamkrieg und japanischer Kultur – einen exotischen Nervenkitzel, der nicht an der Oberfläche bleibt, sondern den Leser mit den Wurzeln der japanischen und amerikanischen Zivilisation vertraut macht. So auch in „Schwarzes Schwert“.

_Handlung_

Seit Pearl Harbor 1941 stehen sich Japan und die USA als Konkurrenten um den Einfluss im pazifischen Raum gegenüber. Nach Kriegsende wurde Japan von den Amis wieder auf die Beine gebracht, doch die Japse haben mit ihrer Unterhaltungselektronik und den Computerchips die US-Wirtschaft in eine Abhängigkeit gebracht, die nun, in den 90ern, gefährlich wird.

Denn ein kleiner, aber machtvoller Geheimzirkel in Japan namens der „Bund der Schwarzen Klinge“ schickt sich an, die USA in die Knie zu zwingen. Alles, was dazu nötig ist, sind ein paar Morde an allzu liberalen Senatoren und allzu neugierigen Polizisten.

… Polizisten wie Wolf Matheson, der als Chef einer Sonderabteilung der New Yorker Polizei auf mehrere absonderliche Morde stößt, bei denen sein eigenes Leben und das seiner Männer auf dem Spiel stehen. Die Opfer sind zuerst von einem blauen Leuchten umgeben sowie von großer Hitze und platzen dann auf, so dass sie am Blutverlust sterben.

Als Wolf den Mord an einem Geschäftsmann mit japanischen Connections aufklären soll, ergibt sich die Verbindung zur CIA, aber auch zum Bund der Schwarzen Klinge. Nun wird die Luft für Wolf ziemlich dünn. Und er weiß überhaupt nicht, was er von der Freundin des toten Geschäftsmanns halten soll, Chika, die über das Zweite Gesicht und eine machtvolle Aura verfügt – genau wie Wolf.

Ein alter amerikanischer Tycoon zieht in Washington und New York die Fäden, an denen Wolf hilflos zappelt. Thornburg Conrad III ist ein geschworener Feind des Bundes der Schwarzen Klinge, seitdem er deren Angehörige Minako in Vietnam getroffen hatte: Damals war er auf das Geheimnis der ewigen Jugend gestoßen, das Minako und ihresgleichen zu extrem hohem Alter verholfen hat. Chika ist Minakos Tochter.

Nun zwingt er Wolf Matheson in eine aussichtslose Position, in der diesem nichts anderes übrig bleibt, als mit Chika nach Japan zu fliegen und für die CIA, die Thornburg vorgeschoben hat, den Bund der Schwarzen Klinge zu vernichten. Da Thornburg selbst das Geheimnis ewiger Jugend in einer illegalen Klinik ergründet, hätte er dadurch mehrere Vorteile: Die amerikanische Wirtschaft wäre gerettet, die japanische Wirtschaft und Kultur würden sich noch weiter dem Westen öffnen und Thornburg könnte bis ans Ende seiner noch verbleibenden Tage die Früchte dieses Wachstums genießen, sprich: den Profit einheimsen.

Natürlich kommt nichts davon so, wie der alte Fuchs es plant. Denn Chika stellt sich auf Wolfs Seite und hilft ihm. Am Schluss ist der skrupellose Thornburg fast (!) ebenso tot wie sein Sohn Ham und seine junge Frau Tiffany. Auch die Anführerinnen der Schwarzen Klinge sind aus dem Weg geräumt, Minako und die Ehrwürdige Mutter. Mehrere packende Showdowns zeigen, welche Bedrohung von solchen Beherrschern dunkler Geisteskräfte ausgeht.

Auf verblüffende Weise ermöglichen Wolf und Chika schließlich die Verschmelzung von menschlichem Bewusstsein und künstlicher Intelligenz zu einem neuen Computerbewusstsein, das ein wenig in die Zukunft schauen und Wolf helfen kann. Dieses „Orakel“ sollte natürlich ebenfalls von der Schwarzen Klinge zweckentfremdet werden. Was erneut zeigt, welche Ähnlichkeit zwischen Macht und einer Schwertklinge besteht: Man kann damit einen Menschen köpfen, aber auch eine Orange schälen.

_Mein Eindruck_

Vielleicht nicht der allerbeste Lustbader, aber einer der packendsten und unterhaltsamsten. Dieser Fernost-Thriller mit Hightech- und Mystik-Appeal hat alle Elemente, die man sich von einem echten Lustbader erhofft: Spannung und Action, Tempo und Schrecken, Sex und Sinnlichkeit, die rätselhafte Welt Japans mit ihren unheimlichen Geisteskräften – und schließlich jene Männer und Frauen, die einen schier aussichtslosen Kampf aufzunehmen bereit sind.

Lustbader ist einfach zu gut, als dass er sich mit oberflächlichen Actioneffekten begnügen würde. So erweckt er die Handelnden zu lebendig erscheinden Charakteren, deren seelische Entstehung aus ihrer Lebensgeschichte erklärt wird. Dies gilt ganz besonders für Wolf Matheson, die Hauptfigur. Sein Großvater hatte ihn als indianischer Schamane das geistige Fliegen gelehrt, während sein Vater als Texas Ranger und Opalschürfer ein Grenzpionier von altem Schrot und Korn ist (wenn auch auf verlorenem Posten). Die dadurch ererbten und später ausgebauten Fähigkeiten der Eigenständigkeit und des geistigen Übersichhinauswachsens kann Wolf beim Endkampf gegen den Bund der Schwarzen Klinge zu seinem Vorteil einsetzen. Sie erscheinen daher nicht aufgesetzt oder behauptet, sondern notwendig und folgerichtig.

Mit dem Aspekt der Hochtechnologie verleiht Lusbader seinem Buch einen aktuellen Aspekt, der das Interesse der Generation von |Wall Street|-Maklern und Software-Ingenieuren anspricht. So haben nicht nur mystikbegeisterte Japan-Fans, sondern auch westliche Normal-Leser etwas davon. Die knapp 540 Seiten hab ich in wenigen Tagen verschlungen.

Gestört haben mich nur die spekulativen Aspekte an der KI, dem „Orakel“, einem biologischen Computer, der noch nicht erfunden ist. Allerdings gibt es in dieser Richtung bereits heute zahlreiche Forschungsansätze. Lustbader hat hier nur ein wenig in die Zukunft extrapoliert. Das Gleiche gilt für die Gentherapie, die Thornburg Conrad III so skrupellos erforscht. Was das Zweite Gesicht und die energievolle Aura betrifft, so möchte ich nicht ausschließen, dass esoterische Geheimbünde diese geistig-körperlichen Kräfte lehren.

|Originaltitel: Black Blade, 1992|