RICHELLE MEAD – Blutschwur (Vampire Academy 04)

Hanni und Nanni mit Biss – die amerikanische Autorin Richelle Mead hat mit „Vampire Academy“ eine Reihe begonnen, in deren Mittelpunkt ein Internat namens St. Vladimir steht. Dieses ist für Moroi – Vampire, die zwar Blut trinken, aber ihre Opfer nicht töten – und junge Wächter – die Beschützer der Moroi – gedacht. Band 4 der Reihe, „Blutschwur“, entfernt sich allerdings von der Schule. Die Heldin Rose macht sich auf nach Russland, wo eine schwere Aufgabe auf sie wartet …

Nach dem Angriff der Strigoi – bluttrinkende Vampire, die ihre Opfer töten – im letzten Band der Serie ist Roses Geliebter, ihr Lehrer Dimitri, von den Ungeheuern verschleppt worden und zu einem der ihren gemacht worden. Dimitri und Rose schworen sich einst, dass, wenn einen von ihnen ein solches Schicksal ereilen sollte, der andere ihn umbringt. Ein Leben als Strigoi, als etwas Böses, können sie sich nicht vorstellen.

Nun ist der Ernstfall eingetroffen. Obwohl ihr nur noch zweieinhalb Monate bis zum Ende ihrer Ausbildung fehlen, verlässt Rose St. Vladimir. Sie macht sich auf die Suche nach Dimitri, um ihm einen silbernen Pflock durchs Herz zu jagen und dadurch zu töten. Allerdings weiß sie selbst nicht so genau, wo sie anfangen soll. Also begibt sie sich nach Russland, wo sie Dimitris Heimatdorf besucht. Sie erhofft sich dort Hinweise auf seinen Aufenthalt. Sie überbringt seiner Familie die traurige Nachricht und lebt bei ihnen, bis sie sich einer Gruppe Strigoijäger anschließt. In Nowosibirsk machen sie die Gegend unsicher, bis sie endlich einen Strigoi fängt, der Dimitri zu kennen scheint …

Mit über 440 Seiten ist „Blutschwur“ der dickste Band der Reihe. Richelle Mead schafft es trotzdem, dass die Geschichte nicht lang wird. Während die Storyline in den Vorgängerbänden häufig der Schwachpunkt war, überzeugt sie dieses Mal. Überraschende Wendungen, neue zwielichtige Charaktere und eine ganze Menge Intrigen sorgen dafür, dass man das Buch nicht aus der Hand legen kann. Die Autorin schafft es dabei, vor allem die Wendungen so einzuführen, dass sie glaubwürdig wirken, obwohl sie wirklich unerwartet kommen. Der Cliffhanger am Ende der Geschichte tut das seinige, um Geschmack auf die Folgebände zu machen.

Roses Perspektive ist allerdings nicht die einzige in der Geschichte. Da sie mit der Moroi Lissa ein geistiges Band teilt, das ihr erlaubt, in die Gedanken ihrer besten Freundin einzusteigen, erfährt sie außerdem, was auf dem Internat vor sich geht. Diese Nebenhandlung tritt allerdings nie in den Vordergrund, sondern ist eine nette Abwechslung von der ansonsten toll gestalteten Haupthandlung, die neben Action auch sehr viel Gefühl besitzt. Denn selbstverständlich hat Rose Liebeskummer, weil Dimitri ihr entglitten ist, bevor ihre Beziehung überhaupt richtig angefangen hat.

„Blutschwur“ ist trotzdem kein Taschentuchbuch. Rose mag zwar um ihre Liebe trauern, doch trotzdem ist sie nach wie vor die toughe Strigoijägerin mit der großen Klappe. Sie ist mutig, gewitzt und gibt nicht so schnell auf. Trotzdem wirkt sie nicht übermenschlich und auch nicht wie ein typisches Bad Girl. Im Gegenteil schafft es Richelle Mead, ihre Heldin in diesem Buch noch vielschichtiger und tiefgängiger dar zu stellen als in den vorherigen. Aus dem temperamentvollen, rebellischen Teenager ist eine junge Frau geworden, die viel nachdenkt und sich ihrer Gefühle nicht immer ganz sicher ist.

Die Geschichte wird aus Roses Ich-Perspektive erzählten. Die emotionale Seite der Geschichte, die nie kitschig, sondern sehr authentisch ist, wird dadurch noch stärker betont. Man lernt die Hauptfigur sehr gut kennen und sieht alles durch ihre Augen. Anders als in den ersten Bänden ist Rose zwar lange nicht mehr so kratzbürstig und witzig, dafür aber umso reifer und versierter in ihren Beschreibungen geworden. Der Schreibstil befindet sich auf einem hohen, aber trotzdem für Jugendliche verständlichen Niveau. Einziger Knackpunkt in der Geschichte: Die Beschreibungen von Roses Russlandreise. Hier wäre es schön gewesen, wenn die geschilderten Eindrücke weniger oberflächlich gewesen wären. Dem Leser gelingt es dadurch nicht wirklich, sich in das nächtliche Nowosibirsk hinein zu versetzen.

Davon abgesehen ist „Blutschwur“ ein überaus spannendes Buch, das durch zahlreiche neue Charaktere, neue Intrigen und einen tollen Cliffhanger überzeugen kann. Besonders Lob verdient Richelle Mead vor allem wegen ihrer Hauptfigur. Rose Hathaway ist eine sehr interessante junge Frau, deren Gefühls- und Gedankenwelt den Leser in ihren Bann zieht.

Broschiert: 444 Seiten
Originaltitel: |Blood Promise|
Deutsch von Michaela Link
ISBN-13: 978-3802582042

http://www.egmont-lyx.de
http://www.richellemead.com

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