Meyer, Kai – Fließende Königin, Die (Merle 1)

Kai Meyer ist, neben Wolfgang Hohlbein, wohl der erfolgreichste zeitgenössische deutsche Phantastikautor. Bestseller wie [„Die Alchimistin“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=73 stammen aus seiner Feder. Da Meyer einen hohen Ausstoß an Werken hat (ähnlich wie Hohlbein, aber längst nicht so überdimensional), erscheinen seine Bücher breit gestreut in vielen Verlagen (u. a. bei |Heyne|, |Econ Ullstein List|, |Aufbau|, |Loewe| und auch der kleinen |Edition Metzengerstein|).
Das vorliegende Buch ist der Auftakt der phantasievollen und spannend geschriebenen |Merle|-Trilogie und gehört zweifellos zum Besten, was Meyer je geschrieben hat.

Der Autor erzählt hier die Geschichte der jungen Merle, die in einem Waisenhaus in Venedig aufgewachsen ist. Merles Venedig ist jedoch nicht mit der italienischen Stadt in unserer Welt zu vergleichen, denn hier wirken Zauberkräfte. Wunderwesen leben in dieser Welt, die von den Armeen des wiedererweckten ägyptischen Pharaos bedroht wird. Dessen Priester haben ein Mittel gefunden, Tote zu erwecken und sie als Krieger zu versklaven. Damit überrennen sie die zivilisierte Welt. Nur das russische Zarenreich und Venedig halten dem Ansturm stand. Während die Russen von der mächtigen Hexe und Göttin Baba Jaga beschützt werden, wird Venedig seit dreißig Jahren belagert und nur die schwindende Macht der |Fließenden Königin| hält die Invasoren auf. Doch Verrat droht und die Königin scheint ihre Macht eingebüßt zu haben. Nur Merles Eingreifen rettet die magische Entität. Das Mädchen schluckt die Essenz dieses Zauberwesens. Mit Hilfe des gewaltigen steinernen, fliegenden Löwen Vermithrax und der Königin in sich versucht das Mädchen, aus der bedrohten Stadt zu fliehen, um die Hölle aufzusuchen, denn der dortige „Fürst des Lichts“ versprach den Bewohnern von Venedig Unterstützung. Doch kann man dem Teufel trauen?

Kai Meyers Auftaktband einer Trilogie ist ein fulminantes Fantasybuch, durchweg spannend und phantasievoll, teilweise sogar düster, bei dem es den Leser einfach wundern muss, dass es als Jugendbuch erscheint. Denn inhaltlich unterscheidet sich „Die Fließende Königin“ kaum von einem Erwachsenenroman, ist bezüglich Qualität, Anspruch und Phantasie wohl am ehesten mit Philip Pullmans Trilogie „His dark Materials“ (dt. als Hardcover und TB bei |Carlsen|, als TB bei |Heyne| unter den Titeln „Der goldene Kompass“, „Das magische Messer“ und „Das Bernstein-Teleskop“) zu vergleichen, die aber ebenfalls in einem Verlag erschienen sind, der eher für Jugendbücher bekannt ist.

Ähnlich wie Pullman wimmelt auch Meyers Trilogie von Anspielungen auf klassische Mythen und vergisst auch die christliche Religion nicht mit einzubeziehen. So lernt Merle bei einem magischen Spiegelmacher die ehemalige Meerjungfrau Unke kennen, die ihren Schwanz zugunsten ihrer Liebe aufgegeben hat, nur um dann von ihrem Geliebten verleugnet und verschmäht zu werden. Steinerne Löwen, die fliegen können, Mumienkrieger und Hexen machen deutlich, dass der Autor sich aus den Mythen vieler Kulturkreise bedient hat. Dass dabei auch der Hollywood-Erfolgsfilm „Die Mumie“ kräftig Pate gestanden haben dürfte, erscheint nahe liegend. Trotzdem gelingt es dem Autor mühelos, seine Leser zu fesseln und zu faszinieren.

Die von Meyer entwickelten Charaktere sind überzeugend und glaubwürdig, sind vor allem weit weg von fantasytypischer Schwarz-Weiß-Malerei à la Harry Potter, die vor allem Leser, die nicht nur eindimensional in Gut/Böse-Schemata denken, abschrecken könnte. So erweist sich zum Beispiel die Fließende Königin nicht immer als rein und altruistisch. Merle lernt sie auch als diktatorisch und egoistisch kennen.

Mit Verve und Geschick erschafft der Autor eine bunte und bizarre magische Welt, welche phantasiebegabte und intelligente Leser faszinieren und begeistern sollte. Wie bei Pullman deutet auch Meyer an, dass es sich bei der vorgestellten Welt um eine Alternativwelt zu unserer handelt. So sieht man im nächtlichen Wasserspiegelbild Venedigs oft eine ganz andere Stadt und scheinbar ist es schon einigen Menschen gelungen, die Welten zu wechseln, was aber immer dazu führt, dass diese zu machtlosen Schemen wurden.

Meyers Auftaktroman ist ein bestrickendes, ungewöhnlich phantasievolles und fesselndes Fantasymeisterwerk, weit ab von den ausgetretenen Pfaden öder amerikanischer Ritter- und Zaubererlangweiler. Absolut empfehlenswert (und sicherlich alles andere als ein Kinderbuch)!

Band 1: [Originalausgabe]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3785540159/powermetalde-21 bei |Loewe|, Juni 2001, ISBN 3785540159
Band 2: [„Das Steinerne Licht“]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/378554278X/powermetalde-21 bei |Loewe|, Januar 2002, ISBN 378554278X
Band 3: [„Das Gläserne Wort“]http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/3785544030/powermetalde-21 bei |Loewe|, 2002, ISBN 3785544030

_Gunther Barnewald_ ©
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