Michael Crichton & James Patterson – Eruption. Thriller

Spannender Vulkan-Thriller

Ein verheerender Vulkanausbruch bedroht Hawaii. Doch der Vulkan birgt ein Geheimnis, das die gesamte Welt vernichten könnte …John MacGregor, wagemutiger Wissenschaftler des Hawaiian Volcano Observatory und passionierter Surfer, steht vor der schwersten Aufgabe seiner Karriere. Der Mauna Loa, der größte aktive Vulkan der Erde, wird in nur wenigen Tagen ausbrechen. Doch unterhalb des Vulkans lauert ein von der Army streng gehütetes Geheimnis, das jedes Leben auf dem Planeten zu vernichten droht, sollte die Lava es freisetzen. Zusammen mit der unerschrockenen Vulkanologin Jenny Kimura und einem Team aus Experten kämpft Mac gegen die Naturkatastrophe und darum, alles zu retten, was er liebt: das Inselparadies, dessen Menschen und nicht zuletzt die gesamte Welt … (Verlagsinfo)

Die Autoren

Michael Crichton, Schöpfer von »Jurassic Park«, »Emergency Room«, »Twister« und »Westworld«, arbeitete jahrelang leidenschaftlich an einem Projekt, bevor er 2008 viel zu früh verstarb. Seine Frau Sherri Crichton wusste, wie besonders dieses Buch war, und verwahrte die Notizen und das Teilmanuskript ihres Mannes, bis sie den richtigen Autor gefunden hatte, der es vollenden konnte: James Patterson, den beliebtesten Erzähler der Welt.“ (Verlagsinfo)

James Patterson

James Patterson, geboren 1949, ehemaliger Besitzer einer Werbeagentur, ist der Autor von fünfzehn Nummer-1-Bestsellern (inklusive diesem Buch). Allerdings sind es vor allem seine Alex-Cross-Thriller, die den Leser berühren. Folglich war Alex Cross bereits zweimal im Film zu sehen: „Im Netz der Spinne“ und „… denn zum Küssen sind sie da“ wurden beide erfolgreich mit Morgan Freeman in der Hauptrolle verfilmt. Für Einsteiger sei gesagt, dass Alex Cross ein sympathischer schwarzer Polizeipsychologe ist, der mit seiner Familie in Washington, D.C., lebt.

Patterson ist extrem fleißig. Sein letzter Solo-Roman hieß „The Lake House“, doch inzwischen wurde auch „Sam’s Letter to Jennifer“ veröffentlicht, das ähnlich aufgebaut ist wie der „tearjerker“ „Briefe an Nicholas“. Mittlerweile erschienen neue Alex-Cross-Romane mit den Titeln „The Big Bad Wolf / Vor aller Augen“ und „London Bridges“. Nähere Infos finden sich unter http://www.jamespatterson.com. Patterson lebt mit seiner Familie in Florida.

Handlung

John MacGregor, ein wagemutiger Wissenschaftler des Hawaiian Volcano Observatory (HVO) und passionierter Surfer, soll eine Pressekonferenz halten, eine Sache, die ihm widerstrebt. Doch seine Wissenschaftlerin Jenny Kimura und PR-Chefin besteht darauf: Also verkündet Mac wider Willen, was Hawaii bevorsteht: ein großer Ausbruch des Supervulkans Mauna Loa. Dieser Ausbruch werde in rund zwei Wochen erfolgen, aber wohin die Lava fließen werde, ließe sich unmöglich voraussagen. Mac hat die Medien angelogen: Er weiß mithilfe seines Rechenzentrums und der Vorhersagemodelle genau, wann es soweit ist: in genau fünf Tagen plus/minus elf Stunden. Er verteidigt seine Lüge damit, dass er niemanden in Panik versetzen wolle.

Rettungsaktion

Doch dann versetzt in ein Anruf selbst in Aufregung. Ein Kameramann des Senders CBS wagt es, mit einem arbeitslosen Piloten und in einem gecharterten Helikopter, in den Krater des Vulkans Kilauea zu fliegen. Unter ihnen lauert ein ultraheißer Lavasee, der giftige Schwefelsäure ausspuckt. Es dauert nur Minuten, bis die Säure den Helikopter zum Absturz bringt. Die Maschine schlittert an den Kraterwänden Richtung Lavasee. Mac will den Tod der beiden Insassen verhindern und riskiert sein eigenes Leben, um sie zu bergen. Das gelingt. Doch es ist nur ein Vorspiel zu dem was noch auf ihn wartet.

Die Warnung

Abgesandte der Militärbasis auf Big Island holen ihn ab, als wollten sie ihn schanghaien. Tatsächlich erfährt er wenig später, er sei zwangsverpflichtet worden. Das schmeckt ihm nicht im geringsten, denn wie alle anderen liebt Mac seine Freiheit. Doch diesmal geht es um das Schicksal der ganzen Welt. Ein alter General, der einen Schlaganfall erlitten hat, kann mit nur einer zitternden Hand gerade noch ein paar Zeichen auf Papier krakeln, bevor er erschöpft einschläft.

Doch kurz zuvor hat Mac eine Akte aus den 1970er Jahren erhalten die auf geheime Militärexperimente verweisen. Die gleichen Codenamen findet er hier in einer Lavahöhle vor. Colonel Briggs zeigt ihm anschaulich, worum es geht: um den Inhalt von über 600 Glasbehältern, der, wenn er durch Lava freigesetzt würde, die Umwelt der Erde binnen zwei Monaten vollständig zerstören würde – ein radioaktives „Unkrautvernichtungsmittel“ der besonders potenten Art. Es wäre, kurz gesagt, das Ende der Welt, wie wir sie kennen.

Verrückte Pläne

Also müsste man den bevorstehenden Ausbruch des Mauna Loa irgendwie abmildern oder umlenken, so das Kalkül der Militärs. Aber die bringen ihre eigenen Computerexperten mit und vergleichen ihre Daten mit den Daten des HVO, dabei kommen sie zum Schluss, dass mehrere Methoden infrage kämen. Das einzige, woran es mangelt, ist Zeit. Mac sagt es ihnen klipp und klar: Fünf Tage sind einfach zu wenig Zeit für all die ausgeklügelten Maßnahmen. Er schlägt deshalb vor, den Vulkan selbst die Arbeit für sie erledigen zu lassen. Col. Briggs starrt ihn an, als wäre er übergeschnappt. Doch Mac meint es todernst und hat auch schon den entsprechenden Plan…

Mein Eindruck

Der Mauna Loa ist der höchste Berg der Erde und dementsprechend beeindruckend: 9000 Meter ragt der Schildvulkan, den die Einheimischen als „Mutter Pele“ verehren, vom Meeresboden auf und ist somit höher als der Mount Everest. Gleich daneben liegt der Mauna Kea, der im Unterschied zum ständig aktiven Mauna Loa schon seit 4000 Jahre schlummert. Die Hauptinsel beherbergt noch drei weitere Vulkane, aber die spielen hier keine Rolle. Mauna Loa ist der Hauptakteur, und diesmal wird sein Ausbruch heftiger ausfallen als alle vorhergegangenen. Das sorgt für einen Spannungsbogen, der vier Fünftel der Handlung trägt.

Als wäre das nicht genug Unheil für die Bewohner von Hilo, spielt auch noch ein „Giftmülllager“ der US Army eine unheilvolle Rolle. Es ist dem Geschick des routinierten Autors Patterson zu verdanken, dass er nur andeutet, was die volle Wucht dieses Giftmülls für die Welt bedeuten würde: Bäume, die in Stundenschnelle schwarz werden und absterben. Dass der „Giftmüll“ auch den Tod von Menschen unmittelbar herbeiführen kann, wird im dritten Viertel der Handlung vor Augen geführt. An dieser Stelle hat der Autor im Leser bereits tiefes Mitgefühl geweckt, und der Tod von Nebenfiguren wird als Tragödie empfunden. Und von solchen Todesfällen gibt es eine ganze Menge.

Störfaktoren

Allerdings gibt es etliche Figuren, die nur an sich selbst denken. Sie werden zu Störfaktoren, die beinahe verhindern, dass Macs verrückter Plan gelingt. Der Chef des Zivilschutzes von Hilo etwa unternimmt alles, um jeden Machtverlust zu verhindern. Er ruft ortsfremde Vulkanforscher herbei, doch Oliver und Leah Cutler sind eher telegene Touristen als Wissenschaftler. Der Privatjet des befreundeten Milliardärs J.P. Brett bringt sie von Island nach Hawaii. Kein Wunder, dass Brett dort die Dinge auf seine Weise regeln will – und wirbt McGregor gleich mal zwei seiner HVO-Mitarbeiter ab.

McGregor würde Brett zwar gleich am liebsten erwürgen, aber andererseits verfügt der Milliardär über schier unbegrenzte Mittel, um bei den umfangreichen Vorkehrungen und Sicherheitsmaßnahmen zu helfen. Diese sollen dazu dienen, die Lavaströme, von denen sicherlich reichlich geben wird, abzulenken, damit sie das „Giftmülllager“ verschonen.

Während die internationalen Medien diesem Geheimnis auf die Spur kommen und McGregor zur Weißglut treiben, erweist sich die Sprengmeisterin Rebecca Cruz als wahres Gottesgeschenk: Sie behält die Nerven und weiß, was sie tut. In einem kritischen Moment, als er gerade eine liebe Mitarbeiter verloren hat, weiß sie auch John McGregor zu trösten.

Altlasten

Das Militär muss versuchen, eine Altlast aus den 1950er Jahren, als der Kalte Krieg tobte, zu entschärfen. Folglich ist es auch der Job der US Army, die Gefahr, die von dem radioaktiven Unkrautvernichtungsmittel – Codename „Agent Black“ – ausgeht, auszuschalten. Leichter gesagt als getan, wenn die von Medien und dem Zivilschutz aufgestachelte Bevölkerung von Hilo dagegen protestiert. Es sind McGregor und der Chef des Generalstabs gen. Rivers, die die Lage retten: „Die Insel gehört doch euch, also helft ihr euch selbst, wenn ihr mit anpackt.“ Viele Vertreter der Hilo-bewohner werden mit größter Sympathie sowie mit orts- und Sprachkenntnis gezeichnet.

Doch alle Maßnahmen können den Ausbruch natürlich nicht verhindern, sondern nur den Schaden begrenzen. Wie die Sache ausgeht, darf nicht verraten werden.

Die Übersetzung

Eine Landkarte von Hilo und Big Island sucht man in diesem Buch vergeblich, obwohl es Unmengen von Ortsangaben im Text gibt.

S. 107: „über den gestärkte[n] Bettbezug“: Das N fehlt.

S. 114: „ein[e] riesiges Lavafeld“: Das E ist überflüssig.

S. 186: (Rebecca) setzte ihr[e] umwerfendes Weltklasselächeln auf…“ Das E ist überflüssig.

S. 414: „als müsste er den Airbus-Helikopter eigenhändig den Mauna Loa hinauf[zu]schieben.“ Die Silbe „zu“ ist hier überflüssig.

Unterm Strich

Ich habe diesen routiniert, spannend und kenntnisreich erzählten Thriller in nur wenigen Tagen verschlungen. Es war schwierig, das Buch zur Seite zu legen, wenn die meisten der 109 Kapitel nur wenige Seiten lang sind: „Eines schaffst du doch noch!“ Da hilft nur Selbstdisziplin.

Der Aufbau und das Personal stammt wahrscheinlich von Patterson, der von Crichtons Witwe verpflichtet wurde. (Patterson hat auch schon mit Bill Clinton und Dolly Parton zusammengearbeitet.) Die vielen wissenschaftlichen Passagen über Vulkanologie und besonders Hawaii stammen wahrscheinlich von Michael Crichton. Das war sein letztes Buchprojekt, und die Witwe hatte Mühe, alle verstreuten Dokumenten aufzustöbern und Patterson zu überreichen. Das erzählt sie in einem der Nachworte.

Humor und Mitgefühl

Wie bei einem so routinierten Autor wie Patterson nicht anders zu erwarten, ist bei dieser Kooperation ein effektiv und sogar anrührender Thriller herausgekommen, der Crichton-Fans nicht enttäuschen dürfte. Im Mittelpunkt steht nicht der Vulkan als Übermacht, sondern die vielen Menschen, die sich gegen ihn verbünden. Wer den Vulkan nicht respektiert, hat den höchsten Preis zu zahlen, mal zu Recht, mal zu Unrecht.

Patterson traut sich auch, zahlreiche witzige Pointen einzustreuen. Als Familienvater lässt er aber auch viele Kinder und Jugendliche zur Sprache kommen; deren Schicksal ist dann besonders anrührend. Es macht deutlich, welche Pflicht und Verantwortung das Militär zu erfüllen hat, egal aus welcher Ära.

Auch wenn der Schluss ein wenig bündiger und weniger militärisch hätte ausfallen können, bereue ich nicht, ein paar Tage Lesezeit in dieses Buch investiert zu haben.

Gebunden: 496 Seiten.
O-Titel: Eruption, 2024
Aus dem Englischen von Thomas Bauer.
ISBN-13: 9783442317714

www.goldmann-verlag.de

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