Nnedi Okorafor – Binti (Band 1)

Eine couragierte Vermittlerin in der Galaxis

Ihr Name ist Binti und sie ist die erste Himba, die jemals an der Oomza Universität, einer der besten Lehranstalten der Galaxis, angenommen wurde. Aber diese Möglichkeit wahrzunehmen bedeutet, dass sie ihren Platz innerhalb ihrer Familie aufgeben und mit Fremden zwischen den Sternen reisen muss, die weder ihre Denkweise teilen, noch ihre Bräuche respektieren.

Die Welt, deren Teil sie werden möchte, hat einen langen Krieg gegen die Medusen hinter sich, und Bintis Reise zwischen den Sternen lässt sie dieser Spezies näherkommen als ihr lieb ist. Wenn Binti das Vermächtnis eines Krieges überleben will, mit dem sie nichts zu tun hatte, wird sie die Gaben ihres Volkes brauchen und die Weisheit, die sich in der Universität verbirgt – aber zuerst muss sie es bis dorthin schaffen, lebendig… (Verlagsinfo)

Die Novelle gewann den HUGO und den NEBULA Award als beste Novelle des Jahres 2015. 2017 und 2018 folgten die Fortsetzungen „Binti: Home“ und „Binti: The Night Masquerade“.

Die Autorin

Nnedi Okorafor (* 8. April 1974 in Cincinnati, Ohio) ist eine nigerianisch-amerikanische Schriftstellerin und Professorin für Creative Writing an der University of Buffalo. Ihre Veröffentlichungen gehören den Genres Science-fiction, Fantasy und Afrofuturismus an.

Okorafors Werke sind geprägt durch die Verbindung von sozialer Utopie bzw. Post-Apokalypse mit afrofuturistischen Visionen und postkolonialer Kritik, knüpfen aber auch an westafrikanische Mythologie an, insbesondere an die Kosmologie und an soziale und spirituelle Traditionen der Igbo. Okorafors zentrale Motivation liegt darin, dass sie afrikanische Perspektiven bzw. die spezifische Perspektive afrikanische Diaspora in der Science-fiction-Literatur als nicht hinreichend repräsentiert sieht.

Werke

Jugendbuch— verfasst unter dem Namen Nnedi Okorafor-Mbachu

• Zahrah the Windseeker (2005, Houghton Mifflin Harcourt; Taschenbuch 2008, Graphia/Houghton Mifflin Harcourt)
• The Shadow Speaker (2007, Hyperion/Disney)

Kinderbuch— verfasst unter dem Namen Nnedi Okorafor

• Long Juju Man (2009, Macmillan Africa)
• Iridessa and the Secret of the Never Mine (2012, Disney Books)

Jugendbuch— verfasst unter dem Namen Nnedi Okorafor

• Akata Witch (2011, Viking/Penguin) (veröffentlicht als What Sunny Saw in the Flames in Nigeria und in UK bei Cassava Republic)
• Akata Witch 2: Akata Warrior (2017)

Belletristik— verfasst unter dem Namen Nnedi Okorafor

• Who Fears Death (2010, DAW/Penguin); deutsch als Wer fürchtet den Tod (2017, Cross Cult) ISBN 978-3-95981-186-6
• „Hello, Moto“ (2011, A Tor.Com Original short story)
• „Moom!“ Kurzgeschichte, erschienen in AfroSF: Science Fiction by African Writers (2012, Storytime)[11]
• Kabu Kabu (2013, Prime Books)
• Lagoon (2014, Hodder & Stoughton Ltd.) (2015, Saga Press/Simon & Schuster); deutsch als Lagune (2016, Cross Cult) ISBN 978-3-86425-873-2
• The Book of Phoenix (2015, DAW/Penguin/PRH) (Prequel von Who Fears Death); deutsch als Das Buch des Phönix (Oktober 2017, Cross Cult) ISBN 978-3-95981-493-5
• Binti (2015, Tor.com)
• Binti 2: Home (2017, Tor.com)
• Binti 3: The Night Masquerade (2018, Tor.com)
• Remote Control (2018, Hodder & Stoughton)

Mehr Info: https://de.wikipedia.org/wiki/Nnedi_Okorafor

Über Himba

Die Himba (Singular: OmuHimba, Plural: OvaHimba) sind Eingeborene mit einer geschätzten Bevölkerungszahl von nur 50.000 Köpfen. Sie leben im nördlichen Namibia in der Kunene-Region (früher Kaokoland genannt) sowie jenseits des Kunene in Angola. Es gibt auch ein paar überlebende Gruppen der OvaTwa, die ebenfalls OvaHimba sind, aber als Jäger-Sammler ihr Leben fristen.

Die OvaHimba sind im Gegensatz zu den OvaTwa ein halbnomadische Hirtenvolk, das OtjiHimba spricht, einen Dialekt des Herero-Volkes, der zur Bantu-Sprachfamilie gehört, die im Niger-Kongo-Becken beheimatet ist. Die OvaHimba warden als das letzten halbnomadisch lebende Volk in Namibia erachtet. Siehe auch den deutschen Wikipedia-Artikel: https://de.wikipedia.org/wiki/Himba

Handlung

Binti ist in der Wüste Namib aufgewachsen und fest verwurzelt mit ihrem Volk, den Himba, und der kargen Landschaft. Traditionell und geradezu obsessiv tränkt sie ihr geflochtenes Haar mit dem roten Lehm der Gegend, dem „otjize“. Dieser wird ihr einmal das Leben retten. Binti ist die Tochter eines Mannes, der Astrolabien herstellt, einer Art Smartphone für die Wüste. Vom ihrem Vater erbt sie das außergewöhnliche Talent für Mathematik, und in ihrem flexiblen geist liebt sie es, Gleichungen zu „verästeln“. Als wäre das noch nicht genug, besitzt sie ein besonders schönen Stein, den sie als „Edan“ bezeichnet und der über bis dato unbekannte Eigenschaften verfügt. Auch dieser wird ihr das Leben retten.

Sie hat sich an der renommierten intergalaktischen Universität Oomza für das Fach Mathematik beworben. Als sie als erste Himba den Aufnahmebescheid erhält, brennt sie durch und besteigt die Fähre zum Raumschiff „Dritter Fisch“, das sie über die Lichtjahre tragen soll. An Bord lernt sie ihre künftigen Kommilitonen kennen, unter denen ihr besonders Heru gefällt. Für ihn ist sie gerne bereits, zur Kombüse zu gehen und Essen zu holen. Er wird es nie bekommen.

Überfall

Seit langer Zeit befinden sich die humanoiden Khoush im Krieg mit den Medusen, die nach ihrer quallenartigen Gestalt benannt sind. Die Medusen überfallen das Schiff während der Reise, dringen ein und töten alle Menschen, die sie finden können. Alle bis auf Binti, die sich, als sie die zahllosen Leichen erblickt, sofort versteckt und einschließt. Alle Körper sind von dem Stachel, den die Medusen als Waffe besitzen, durchbohrt worden, ein grausiger Anblick, von dem sich Binti kaum erholt. Das Verästeln dient als eine Art Trancevehikel.

Waffenstillstand

Doch sie wird natürlich ausfindig gemacht. Zu ihrem Erstaunen kann sie sich mit den Medusen verständigen, und zwar mithilfe des Edan-Steins. Außerdem entdeckt sie, dass ihr „otjize“-Lehm eine heilende Eigenschaft hat, die ihr ermöglicht, verletzte Medusententakel zu behandeln. Diese Wunder halten die Medusen davon ab, sie auf der Stelle zu töten. Insbesondere ein aggressiver junger Meduse namens Okwu beschäftigt sich mit ihr und wird ihr Fürsprecher beim Volk der Meduse. Zusammen verhandeln sie einen Waffenstillstand, den ersten Beweis, dass Binti eine Harmonistin ist, die für Ausgleich sorgt.

Oomza Uni

Die Medusen sind seit Jahren auf der Suche nach einem heiligen Gegenstand, den ihnen die Khoush angeblich geraubt haben. Dieses Objekt eines verehrten Häuptlings befindet sich offenbar in den xenologischen Archiven der Universität. Als die Sicherheitstruppe der Universität aufkreuzt, um die Medusen-Invasoren abzuwehren, geht Binti dazwischen, bis es zu einem unruhigen Stillstand kommt. Forderungen werden ausgetauscht. Doch erst als sich Binti bereiterklärt, sich von einem Medusenstachel durchbohren zu lassen und teilweise eine Meduse zu werden, gelingt es ihr, den Frieden und die Übergabe des heiligen Objekts zu erzielen.

Zu ihrem Erstaunen besteht Okwu darauf, zusammen mit ihr an der Oomza zu studieren: Waffenkunde, was denn sonst?

Mein Eindruck

Am spannendsten fand ich die ungewöhnlichen Eigenschaften der Hauptfigur. Ist schon ihre Haartracht bemerkenswert (und magisch), so ist es ihr kultureller Hintergrund nicht minder. Das Volk der Himba (siehe oben) weist einige Eigenschaften auf, die es von den geläufigen afrikanischen Nationen, wie etwa Zulu, Bantu oder Massai, abheben. Aufgrund dieses Fundaments sollte der aufmerksame Leser immer wieder mit einer Überraschung rechnen, die sich die Autorin einfallen lässt.

Bintis Haupteigenschaft ist die einer Mittlerin. Das heißt, sie zwingt niemanden zu einer Haltung, die sie für richtig ansieht, sondern sie versucht vielmehr, selbst gegensätzlichste Standpunkte zu versöhnen. Das fällt ihr keineswegs leicht, denn sie selbst ist traumatisiert: Die Medusen haben alle ihre Freunde und Begleiter massakriert. Doch sie bleibt ihren Himba-Idealen treu und übt keine Vergeltung. Als es an der Oomza-Uni hart auf hart kommt, opfert sie sogar ihre körperliche Unversehrtheit und einen Teil ihrer Identität. Was kann man mehr verlangen, ohne sie zu töten?

Unterm Strich

Ist „Binti“ die Zukunft des Afrofuturismus? Darüber mögen sich die Experten streiten, aber feststeht, dass „Binti“ einen Durchbruch für die afroamerikanischen Stimmen bedeutete, die heute für die große Vielfalt im SF-genre sorgen. Zwar verhalf diesen Autorinnen Octavia Butler zu dem Bewusstsein, was es bedeutet, andersartig zu sein und sich wandeln zu müssen, ohne die eigene Identität zu opfern, so etwa in ihrem Zeitreiseroman „Kindred“. Aber die afroamerikanischen Autorinnen legen ein Selbstbewusstsein an den Tag, das auf einer breiten Basis beruht, die nicht nur Octavia Butler, sondern auch Ursula K. Le Guin und Joanna Russ geschaffen haben.

Davon mal ganz abgesehen, schafft es die Autorin, mit der Figur der Binti eine Figur zu präsentieren, die voller Überraschungen steckt und die den Leser unweigerlich fesselt. Es ist fast unmöglich, sich nicht in sie zu verlieben. Man fühlt mit ihr den Schock des Massakers, der Auseinandersetzung mit den Killern sowie die Anspannung während der Krise, die in der Oomza Universität stattfindet. Wir lernen zumindest dies: Eine Geschichte, besonders die eines Krieges, hat nicht immer nur zwei Seiten, sondern meist auch mehrere.

Taschenbuch: 96 Seiten
Originaltitel: Binti, 2016
ISBN-13: 978-0765385253

St Martin’s Press (Macmillan)

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