Margie Orford – Todestanz

Inhalt

Dr. Clare Hart geht einem schwierigen Beruf nach: Sie sucht vermisste Kinder. Häufig genug findet sie sie, und fast immer sind sie bereits tot. Ihr Job hinterlässt seine Spuren, aufhören kann sie indes nicht: Südafrika ist ein hartes Pflaster, und nachdem sie weiß, was tagtäglich geschieht, kann sie die Augen vor dem Elend nicht mehr verschließen.

Ein anderer, der das Elend kennt, ist Riedwaan Faizal, Polizist und Ermittler in einer Eliteeinheit, die sich dem Kampf gegen die Bandenkriminalität verschrieben hat. Diesem Kampf ist seine Ehe zum Opfer gefallen – seine Frau hat sich von ihm scheiden lassen, und als sie ihm eines Tages verweigerte, seine Tochter Yasmin zu sehen, hat er das Mädchen aus Verzweiflung entführt. Wie dumm das tatsächlich war, stellt sich heraus, als Yasmin eines Abends nach dem Ballettunterricht spurlos verschwindet: Niemand glaubt daran, dass Riedwaan seine Tochter nicht irgendwo versteckt hat, um ihren bevorstehenden Umzug mit der Mutter nach Kanada zu verhindern.

Während der Polizist verzweifelt darum ringt, dass man ihm Glauben schenken möge, sieht er mit Grausen die Stunden dahingehen: Je mehr Zeit verrinnt, desto geringer ist die Chance für ein sechsjähriges entführtes Mädchen, mit dem Leben davonzukommen.

Die Dienstaufsicht ist ihm auf den Fersen, seine Exfrau weigert sich, mit ihm zu sprechen, ehe er nicht ihre Tochter zurückbringt – Riedwaan greift zu einem Strohhalm und wendet sich an Clare Hart. Die weiß absolut nicht, was sie von dem Mann halten soll, ob sie ihm glauben kann oder nicht, aber immerhin geht es hier um ein verschwundenes Kind, und so macht sie sich an die Arbeit und lässt ihre Kontakte spielen. Die beiden unterschiedlichen Ermittler stürzen sich in eine verzweifelte Suche, hart verfolgt von jenen, die auf die Einhaltung der Regeln pochen, und hoffen wider jedes bessere Wissen, dass das entführte Mädchen diesmal noch am Leben sein möge …

Kritik

Es ist eine trostlose, gewalttätige Welt, die Margie Orford vor dem Leser ausbreitet. Die allgegenwärtige Gefahr mutet für den durchschnittlichen Mitteleuropäer fremdartig und archaisch an, und die Mischung aus Wut und Frustration, mit der die erschaffenen Charaktere mit dieser harten Realität umgehen, ist vollkommen nachvollziehbar.
Riedwaan Faizal ist eine Schöpfung, die zu Herzen geht. Man schwankt beständig zwischen „selbst Schuld“ und „Du hast so Recht“, wenn man sieht, was in ihm vorgeht und was seine Handlungen auslösen.

Wäre Margie Orford Bühnenautorin, würde sie sich mit Sicherheit auf Tragödien verlegen: Sie schafft es unnachahmlich, ihre Protagonisten immer wieder vor Entscheidungen zu stellen, die derjenigen zwischen Hölle und Fegefeuer gleichkommen. Ihre Charaktere sind daher allesamt vorbelastet, tragen Sorgen mit sich und Narben auf der Seele. Sie sind in hohem Maße glaubwürdig, und das macht die Lektüre dieses Buches so schrecklich. Gut, aber schrecklich.

Orford bedient sich eines angemessenen Stils; der Fokus dieses Thrillers liegt ganz klar auf der Handlung, und wenn die Autorin doch wortgewandt und sicher schreibt, so legt sie doch ein Tempo vor, das sich mit blumigen Wendungen nicht abgeben kann und darf.

Die Beiläufigkeit der Gewalt, die vollkommene Hemmungslosigkeit der Täter, die tief greifende Korruption und das durch kühle Überlegung herbeigeführte Leid ganzer Familien machen dieses Werk zu einem Buch, das nichts für schwache Nerven ist.

Fazit

„Todestanz“ ist wahnsinnig spannend, hart und traurig; es rüttelt auf, lässt fassungslos zurück und versöhnt doch immer wieder durch winzige Hoffnungsschimmer.

Wer über Nerven wie Drahtseile verfügt und nichts dagegen einzuwenden hat, dass ein gutes Buch ihm die eine oder andere Wunde schlägt, sollte hier zugreifen. Aber Achtung: Das hier ist keine Jeep-durch-die-Wand-Action, die mit markigen Sprüchen garniert wird, das hier sind Abgründe, an deren Boden das Böse in Menschengestalt lauert, in all seiner Kälte, Gewaltbereitschaft und Banalität. Margie Orford muss ein ausgesprochen spezielles Gehirn haben, um so etwas erschaffen zu können und dabei den Balanceakt zwischen Gut und Böse zu meistern. Aber sie meistert ihn. Und wie.

Broschiert: 416 Seiten
Originaltitel: Daddy’s Girl
Aus dem Englischen von Christoph Göhler
ISBN-13: 978-3764503758
www.randomhouse.de/blanvalet
www.margieorford.com

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