Robert Jordan – Suche nach dem Auge der Welt, Die (Das Rad der Zeit 1 – Das Original)

Seit Jahren ärgere ich mich immer wieder, dass die Regale in den Buchläden mit lauter „Rad der Zeit“-Romanen verstopft sind (Inzwischen ist Band 28 herausgekommen plus ein Band mit der Vorgeschichte!). Einmal habe ich ein Remittenden-Exemplar gekauft und versucht, den Geist der Endlos-Serie zu schnuppern, der sie zu einem Bestseller gemacht hat. Entnervt habe ich das Buch nach 50 Seiten weggelegt, erschlagen von nichts sagenden Namen, Titeln, Orten und kursiv gedruckten Bezeichnungen. Viel Handlung gab es auch nicht, nur ewiges Herumgereite und tiefsinnige Gespräche über unverständliche magische und geschichtliche Zusammenhänge.

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Crichton, Michael – Sphere – Die Gedanken des Bösen

Seit „Timeline“ und „Jurassic Park“ gehört Michael Crichton sicherlich zu den großen amerikanischen Schriftstellern verfilmbarer Belletristik. Seine Bücher sind meist wissenschaftlich angehaucht und dabei lehnt Crichton, der selbst Medizin und Philosophie studiert hat, sich oft weit aus dem Fenster mit seinen pseudowissenschaftlichen Spekulationen.

„Die Gedanken des Bösen“ ist bereits mit Dustin Hoffman, Sharon Stone und Samuel L. Jackson in den Hauptrollen in „Sphere“ mehr oder weniger gut verfilmt worden. Zu Beginn lernt der Leser den dreiundfünfzigjährigen Psychologieprofessor Norman Johnson kennen, der zu einem vermeintlichen Flugzeugabsturz gerufen wird. In seiner Funktion als Psychologe muss er häufiger an solchen Katastrophenorten die Überlebenden psychologisch betreuen. Doch dieses Mal scheint die Situation eine andere zu sein, denn Norman hat nichts von einem Flugzeugabsturz vernommen. Mit einem Hubschrauber wird er an eine Stelle im Südpazifik zwischen Samoa und den Fidschi-Inseln gebracht, wo einige Navy-Schiffe versammelt sind. An Bord eines der Schiffe wird Norman mit Captain Barnes bekannt gemacht, der die Leitung über die geheime Aktion hat. Was ist eigentlich passiert?

Barnes fragt Norman zu seiner Abhandlung aus, die er einst für den Fall der Begegnung mit Außerirdischen verfasst hat. In dieser Abhandlung hat Norman ein optimales Team aus verschiedenen Wissenschaftlern zusammengestellt, die für eine Begegnung mit Außerirdischen am besten gewappnet wäre und diesen Wissenschaftlern sieht Norman sich plötzlich gegenüber, denn angeblich wurde in der Tiefe des Meeres ein außerirdisches Raumschiff gefunden, das das Team nun zusammen erkunden soll. Warum wird der Fund allerdings so geheim gehalten, wenn tatsächlich die sensationelle Entdeckung eines außerirdischen Objektes gemacht wurde?

Norman begibt sich zusammen mit den anderen Wissenschaftlern Beth, Harry und Ted in die Tiefe. Bei der Erkundung des Raumschiffes entdeckt das Team eine riesige Kugel, die sich leider nicht öffnen lässt. Was verbirgt diese Kugel? Und für welchen Zweck wurde das Raumschiff gebaut? Die Wissenschaftler stehen vor einem Rätsel und versuchen mit allen Mitteln, die Kugel zu öffnen, doch Harry ist derjenige, der es schafft und in die Kugel verschwindet, bevor diese sich wieder verschließt. Als Harry einige Stunden später wieder heraustritt, ist er verwirrt und verändert, auf Norman und Ted wirkt er manisch, außerdem behauptet er, dass er sich nicht mehr an die Vorgänge im Inneren erinnern könne. Verbirgt Harry etwas vor den anderen? Kurz nach Harrys Rückkehr aus der Sphäre erhalten die Wissenschaftler eine verschlüsselte Nachricht auf den Monitor, die sie zusammen entschlüsseln können. Wer nimmt dort Kontakt mit ihnen auf? Ist es ein Wesen aus der Kugel? Plötzlich ist das Unterwasserhabitat von fremdartigen Lebewesen umzingelt und wird von einem Riesenkalmar angegriffen, der das Raumschiff zu zerstören droht.

Die Geschichte klingt auf den ersten Blick sehr interessant und mysteriös, denn was übt eine größere Faszination auf die Menschheit aus, als die Aussicht auf den Kontakt zu außerirdischen Lebewesen? Doch was sich in der Kugel tatsächlich verbirgt, das bleibt dem Leser zunächst vorenthalten. Crichton ist sich selbst bei diesem Buch wieder treu geblieben, er schreibt kurze und knappe Sätze und Kapitel, um seine Leser gefangen zu halten. Langsam aber sicher wird die Spannung aufgebaut, da der Leser immer begieriger darauf wird zu erfahren, was es mit dem entdeckten Raumschiff tatsächlich auf sich hat und welche Mächte in der Kugel stecken.

Crichtons Bücher sind oft wissenschaftlich angehaucht und erhalten dadurch einen besonderen Reiz. Leider schreibt Crichton oft über Dinge, von denen er offenkundig keine Ahnung hat, denn ein Naturwissenschaftler würde nie eine ganze Garnele unter ein Elektronenmikroskop halten und mit dem Auge durch das Okular schauen, Crichton verwechselt an dieser Stelle leider das Elektronenmikroskop mit einem normalen Lichtmikroskop. Seine Bücher würden mehr Glaubwürdigkeit erhalten, wenn sie an mancher Stelle etwas intensiver recherchiert gewesen wären.

Nichtsdestotrotz versteht Crichton es, seine Leser zu packen und in fremde Welten zu entführen. Durch seine mysteriösen Geschichten und die Gefahren, in die sich seine Hauptcharaktere begeben müssen, wird der Leser an das Buch gefesselt, da er endlich das Geheimnis der Kugel entschlüsseln möchte. Abgesehen von den wissenschaftlichen Fachbegriffen ist Crichtons Sprache einfach zu verstehen und dadurch, dass seine Sätze kurz gehalten werden, erscheint das Buch recht kurzweilig. „Die Gedanken des Bösen“ wird durch die simple Sprache und die kurzen Kapitel zu einem schnellen und flüchtigen Leseerlebnis, das schnell in Vergessenheit gerät, wenn das Buch erst einmal ausgelesen ist. Crichton gelingt es zwar, etwas Spannung in seinem Buch aufzubauen, doch bleibt seine Sprache dabei so einfach und nüchtern, dass er damit leider keinen Eindruck mehr schinden kann.

In seiner Beschreibung konzentriert sich Crichton auf die Person des Norman Johnson, der zwar nicht aus der Ich-Perspektive erzählt, aber dennoch klar im Mittelpunkt des Buches steht. Über ihn erfährt der Leser etwas mehr als über die anderen Expeditionsteilnehmer, da er Zugang zu Normans Gedanken erhält. Am Rande erhalten auch Beth und Harry etwas mehr Gewicht, alle anderen Charaktere bleiben im Hintergrund, der Leser erfährt gar nichts über ihren Hintergrund oder ihre Gedanken. Ich finde es etwas schade, dass Crichton seinen Charakteren meist so wenig Gewicht verleiht, dass der Leser sich nicht in sie hineinversetzen und mit ihnen fühlen kann. Denn wenn die Wissenschaftler hier in Lebensgefahr durch den Kalmar geraten, lässt uns das überraschend kalt, da die persönliche Beziehung zu den Protagonisten fehlt.

Insgesamt ist das Buch wesentlich besser gelungen als der Film, da es näher auf die Faszination, die die Kugel auf die Wissenschaftler ausübt, eingehen kann und bestimmte Phänomene detaillierter beschrieben werden. Am Ende gelangt Norman zu einer Theorie, die die Vorgänge im Raumschiff erklären soll, doch wie er zu dieser Theorie gelangt, wird nur im Buch genauer erklärt.

Nach der Lektüre hatte ich das Gefühl, dass Michael Crichton langsam die Ideen ausgehen, denn vom Aufbau der Geschichte her weist sein neuestes Werk „Beute“ große Ähnlichkeiten zu „Die Gedanken des Bösen“ auf, denn auch hier sind Wissenschaftler eingeschlossen und müssen auf sich alleine gestellt großen Gefahren trotzen und auch das vermeintlich sichere Habitat verlassen, obwohl draußen der Tod durch unbekannte Wesen lauern könnte.

Mich persönlich konnten „Die Gedanken des Bösen“ nicht fesseln und begeistern, da mir einmal der eher schlechte Film in Erinnerung war und mir Crichtons Bücher insgesamt zu ähnlich sind. Ich habe erst drei seiner Werke gelesen, doch selbst damit konnte ich klare Parallelen erkennen, die mich davon zurückhalten, in nächster Zeit ein weiteres Buch von Michael Crichton in die Hand zu nehmen und zu lesen. Ich würde mir wünschen, dass Crichton seinen Charakteren mehr Farbe verleiht und sich mit seinen wissenschaftlichen Behauptungen nicht zu sehr aus dem Fenster lehnt. Leider ist dem Autor mit diesem Buch kein großer Wurf gelungen, „Die Gedanken des Bösen“ unterhält zwar recht gut, hebt sich aber nicht vom Durchschnitt ab.

Jilliane Hoffman – Cupido

Eine Staatsanwältin in Miami erkennt in einem Verhafteten denjenigen Mann wieder, der sie zwölf Jahre zuvor brutal vergewaltigt und verstümmelt hatte. Sie benutzt ihre gegenwärtige Position, um sich an dem Serienkiller zu rächen. Dabei übersieht sie leider ein paar Kleinigkeiten.

Die Autorin

Jilliane Hoffman war bis 1996 stellvertretende Staatsanwältin in Miami, bevor sie begann, für das Florida Department of Law Enforcement (FDLE) zu arbeiten. Sie schulte Special Agents in Zivil- und Strafrecht und war an vorderster Front an den Ermittlungen gegen den Mörder des Mödeschöpfers Gianni Versace beteiligt.

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Tolkien, J. R. R. – Silmarillion, Das

Er ist wohl der berühmteste Autor von Fantasy-Literatur, der bislang auf unserem kleinen Planeten zu wandeln geruhte und uns die Meisterwerke rund um Mittelerde hinterlassen hat. Kein anderer Autor hat dieses Genre so beeinflusst wie John Ronald Reuel Tolkien und selbst Harry-Potter-Schöpferin Joanne K. Rowling hat sich – wie schon so viele andere vor ihr – ganz mächtig für ihren Zauberlehrling beim Altmeister und Gebieter über Orks, Trolle und Drachen bedient.

Die Krefelder Metaller BLIND GUARDIAN haben in ihren Alben immer wieder Tolkien-Themen angepackt und sogar so etwa, wie den kompletten Soundtrack zu eben diesem Buch geliefert: |“Nightfall in Middle Earth“|. Doch gerade durch die kaum zu toppende Verfilmung der „Herr der Ringe“-Trilogie von Peter Jackson ist sein Lebens-Werk wieder verstärkt ins Bewusstsein gerückt.

Doch heute soll es um die Anfänge der Mittelerde gehen, nicht um den erst viel später stattfindenden Ringkrieg, der im HdR seinen Höhepunkt findet. Nein, heute kümmern wir uns um das, was davor geschah und zwar nicht unmittelbar davor, als Bilbo den |Einen Ring| in „Der Hobbit“ findet, sondern noch einige tausend Jahre vorher, als die Elben zunächst noch nicht und später als junges Volk durch die Gestade Mittelerdes wandelten und die ersten Menschen erst langsam auftauchten.

All diese Geschichten finden sich in „Das Silmarillion“, welches Tolkiens Sohn Christopher erst nach dem Tod JRRs zusammenstellte und veröffentlichte. Es geht hierbei um die ersten beiden Zeitalter des legendären Elbenreichs Valinor und der Blütezeit des Menschengeschlechts des Landes Númenór, welches von Sauron später verraten und zerschmettert wird, was im „Dritten Zeitalter“ zu den Begebenheiten führen, die wir als HdR-Trilogie kennen …

_Die Umstände der Veröffentlichung_

Sicher kommt man in einer solchen Rezension nicht umhin, ein paar Worte zum Autor zu verlieren, jedoch halte ich das so knapp wie nur irgend möglich, denn die genaue Biographie Tolkiens kann man in vielerlei Quellen nachlesen, daher hier nur ein paar allgemeine Infos zum besseren Verständnis. Es soll ja tatsächlich Menschen geben, die weder von Tolkien noch von seinen Werken jemals was gehört haben. Unvorstellbar, aber wahr.

Anfang der 20er Jahre begann Tolkien als junger Mann in den Wirren des ersten Weltkriegs, sich Geschichten rund um das fiktive Reich Mittelerde auszudenken, als Sprachgenie (später ein angesehener Professor für Sprachwissenschaften), erfand er sogar eine eigene Sprache für das Reich Mittelerde samt eigener Grammatik, Runenschrift usw. Bei der einen Sprache blieb es jedoch nicht, so sprechen die alten Lichtelben beispielsweise anders als die ebenso alten Grauelben und das „heutige“ (zur Zeit der HdR-Geschichte) Elbenvolk parliert in „Quenya“, einer Mischsprache, aber das nur am Rande.

Tolkien bediente sich für „seine“ Mittelerde in vielerlei Mythologien und so mancher Leser seiner Geschichten wird sich an die Bibel, Homers Atlantis-Sage oder an die skandinavisch-keltische Sagenwelt erinnert fühlen, was von ihm auch durchaus beabsichtigt ist. Das alles diente dem Zweck, seinen Protagonisten einen Stammbaum und einen ordentlich ausgearbeiteten Background zu verpassen, gerade so, als wären seine Storys und Figuren geschichtlich real und nicht erfunden.

Tolkien schrieb generell nie zeitlich zusammenhängend an einem einzelnen Buch, mit einer Ausnahme: |“Der Hobbit“|. Dieser war von vornherein als komplettes Kinderbuch geplant, doch JRR hat schon währenddessen immer wieder Hintergrundmaterial für Mittelerde ersonnen und quasi aus der Luft geschrieben, ganz so wie es ihm in den Kram passte. Was die wenigsten wissen: Der Herr der Ringe ist nicht „in einem Rutsch“ geschrieben worden, sondern stellt ein Konglomerat aus Einzelteilen dar, welches Tolkien nach dem Erfolg vom „Hobbit“ zusammenfügte und noch mal überarbeitete, damit es in sich schlüssig ist.

Was das mit dem „Silmarillion“ zu tun hat? Ganz einfach: Das Silmarillion als solches ist auch kein „Roman“, wie er nun vorliegt, sondern in Wahrheit eine Sammlung von Loseblättern und Kapiteln, die sich JRR zwischendurch und über mehrere Jahrzehnte immer mal wieder als Gedächtnisstütze angefertigt hat, ohne je daraus ein eigenes Buch machen zu wollen, denn einen Teil der Sagen und Personen daraus findet man auch im HdR in Form von Liedern und Anspielungen wieder.

Erst nach JRRs Tod hat sein Sohn Christopher diese Notizen und unvollendeten Kapitel in Buchform gebracht und veröffentlicht. Von ihm stammen auch die meisten Karten und Zeichnungen zum Lebenswerk seines Vaters. Christopher Tolkien hat also lediglich zusammengesetzt, was zusammengehört, und dieses Material in eine chronologische Reihenfolge gebracht, ohne dabei den Inhalt anzutasten. Herausgekommen ist dabei das, was einige heute spöttisch (aber gleichwohl ehrfurchtsvoll) als „Das Telefonbuch der Elben“ titulieren.

_Die Entstehung einer Welt – Zum Inhalt_

Die ersten Kapitel des Silmarillion lesen sich wie ein kruder Mischmasch aus der Bibel und diversen Göttersagen, es geht hier um die Entstehung des Himmelsreiches auf Erden, genauso wie in der Genesis (1. Buch Mose), nur das Jachwe/Jehova hier „Illúvatar“ heißt und noch so einige Göttervertreter hat, die wiederum verschiedenen Aufgabengebiete auf der neu erschaffenen „Mittelerde“ inne haben, ähnlich wie die Götter, die man allgemeinhin aus der ägyptischen, römischen oder griechischen Mythologie kennt.

So findet sich dort ein Anubis nicht unähnlicher Gott namens „Manwe“, der das Totenreich unter seiner Führung hat, das zudem ein wenig an die Ruhmeshalle der nordischen Walhalla erinnert, da gibt’s den Meeresgott, den Gott des (Süß-)Wassers „Ulmo“, der besonders später mit den Grauelben gut Freund ist usw. Diese Vertreter Illúvatars nennen sich Valar und leben auf Mittelerde im Lande Valinor (der Insel der Unsterblichen). Um Mittelerde zu bevölkern, schafft Illúvatar weitere Völker, zunächst die unsterblichen Lichtelben auf Valinor und auf dem Hauptkontinent (dem späteren Mittelerde, wie wir es kennen) auch die Rasse der sterblichen Menschen.

Doch auf Valinor herrscht nicht lange eitel Sonnenschein, denn ein Valar namens Melkor will ganz gerne alles Lebendige vernichten, was Illúvatar geschaffen hat, da er neidisch darauf ist, dass er nicht der Hauptvertreter des Gottes wurde, sondern ein anderer. Valinor ist jedoch nicht die einzige Landmasse, sondern es gibt dort noch etliche andere Inseln und den uns „heute“ bekannten Kontinent von Mittelerde, der zu dieser Zeit vor der großen Katastrophe noch eine etwas andere Form hat, jedoch schon früh von Elben (und etwas später auch von Zwergen und Menschen), aber anfangs noch dünn besiedelt ist.

So kommt es, wie es kommen muss: Durch Lug und Trug werden die beiden „Lebensbäume“ auf Valinor von Melkor vernichtet. Noch bevor er auf den Hauptkontinent verbannt wird, erschafft Feanor, ein Mächtiger unter den Lichtelben, die drei „Silmaril“, Gemmen (Edelsteine mit magischen Kräften), die das ewige Licht und die Kraft der zerstörten Lebensbäume in sich tragen. Feanor ist so stolz darauf, dieses Licht eingefangen zu haben, bevor es auf ewig schwinden konnte, dass er eifersüchtig darauf Acht gibt, dass niemand außer ihm und seiner Sippe Hand an diese Preziosen legen darf. Fatal, wie sich später herausstellt …

Melkor wird also von Valinor verbannt, doch stiehlt er vorher die drei Silmaril von Valinor und nimmt sie mit in seine dunkle Festung Angband, wo er in seinem Exil und nun unter dem Namen „Morgoth“ nur darauf wartet wieder zuzuschlagen. Dort in Angband schafft er aus ehemaligen Elben auch das Volk der sinistren Orks, paktiert mit Drachen und setzt seinen später so berühmten Statthalter Sauron ein. Nicht nur an den Küsten des Hauptkontinents haben sich nämlich schon recht früh abenteuerlustige und seefahrende Elben angesiedelt, zwar außerhalb von Valinor, doch immer in freundschaftlichem Kontakt stehend zu ihrem „Heimatland“.

Auf der Insel der Unsterblichen hingegen schwört Feanor einen schicksalhaften Schwur, der auch tausende Jahre später noch seine Nachkommen binden und ins Verderben treiben soll: Er und seine sieben Söhne wollen nicht eher ruhen, bis die Silmaril aus Morgoth Klauen (bzw. seiner Krone) wieder in deren Händen sind … sprachs, packte seine gesamte Sippschaft auf Schiffe und segelte aus Valinor weg, hin zum Hauptkontinent ins freiwillige Exil, um Melkor / Morgoth dort ordentlich die Hölle heiß zu machen, solange es auch dauern möge. Ein Kampf, der über Zeitalter hinweg toben sollte und bei dem so ziemlich alle Rassen einbezogen werden.

Zu erwähnen wäre da noch, dass natürlich irgendwann zwischendrin die Menschen und die Naugrîm (Die Zwerge) in Mittelerde auftauchen, teils zur Freude, teils zum Leid der Elben, von denen es zudem verschiedene Stämme mit verschiedenen Ansichten und Verhaltensweisen gibt und die sich untereinander auch häufiger bekriegen. So tummeln sich dort in Mittelerde Lichtelben (Noldor), Grauelben (Sirdar), See-Elben (Teleri) und auch die Dunkelelben, nebst einigen anderen Völkern mit ihren Splittergruppen. Allianzen und ganze Reiche werden geschmiedet, um dann irgendwann wieder zu vergehen.

Für Kenner des Herrn der Ringe / Hobbit: Wir erfahren zudem, woher Celeborn, Galadriel und Elrond stammen und was es mit dem legendären Pärchen Beren (Mensch) und Luthíen (Elbin) auf sich hat, dem ersten Mischehepaar der alten Welt, dem noch so einige folgen sollen und von denen beispielsweise Aragorn und auch Elrond bzw. seine Tochter Arwen abstammen. Ja ja, wer nur den Film kennt und gedacht hat, Meister Elrond wäre ein reiner Elb, der sieht sich getäuscht. Er ist zur Hälfte Mensch. Desweiteren bedeutet das, dass Aragorn und Arwen später eine klitzekleine Form des Inzestes betreiben – schließlich gehen beide auf ein und dieselbe Geburtslinie zurück, wenn auch nur entfernt.

Natürlich erfahren wir auch etwas über Sauron, den Gestaltwandlungszauberer und Stiefelputzer von Morgoth, erst später mutiert er zum bekannten Ober-Bösewicht, zu dieser Zeit jedoch ist er noch längst nicht so mächtig. Aber immerhin mächtig genug, um ordentlich Ärger zu machen im Namen seines dunklen Herrn von Angband, bis dieser niedergeworfen werden kann. Dabei möchte ich es einstweilen bewenden lassen, denn ich denke, bis hierher war es schon verwirrend genug, gibt aber einen guten Vorgeschmack darauf, was euch beim Lesen so erwartet.

_Meinung_

Puh! Starker Tobak, weil uns das Buch eine verwirrende Anzahl von Orts-, Personen- und Götternamen um die Ohren haut, die es gilt, erst mal zu verdauen und zu verinnerlichen. Die ersten Kapitel lesen sich ungefähr so zäh, wie sich eine alte Schuhsohle kauen lässt. Das liegt zum einen am rohen Sammelsuriumcharakter des Werkes, zum anderen an der Vielfalt unterschiedlicher Namen für ein und dieselbe Sache, daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

Mit fortschreitender Seitenzahl hat man den Bogen aber so langsam raus und auch die Geschichte ist längst nicht mehr so trocken, da jetzt verstärkt Personen und Figuren auftauchen, mit denen der beschlagene HdR-Fan auch was anfangen kann. Zudem kommen nach der trägen Entstehungsgeschichte Mittelerdes nun endlich auch mal ein paar handfeste Schlachten vor, sei es Elb gegen Elb oder alle gegen Morgoth und seine Schergen. Orks, Drachen, Balrogs und auch die Urmutter der Spinne Kankra („Ungoliant“) geben sich scharenweise ein Stelldichein – es wird gemetzelt, gehauen, gestochen, geklaut und betrogen.

Interessant finde ich die Tatsache, dass die Elben keine so weiße Weste haben, wie sie diese im Hobbit oder beim HdR zur Schau tragen. Auch unter ihnen gibt’s Zwietracht und Kampf innerhalb und außerhalb der Sippen. Bis man jedoch richtig in die Story reingefunden hat, muss man sich ganz schön durchbeißen, denn es gibt zu der Namensverwirrung auch noch einige logische Inkonsistenzen, doch schließlich hat Christopher Tolkien die Finger von dem Material gelassen und so kriegen wir die unangepassten Kapitel JRRs so ziemlich in der Urfassung zu lesen, wodurch natürlich an einigen Stellen der Schliff fehlt.

Die Erzählgeschwindigkeit wechselt auch des Öfteren mittendrin, mal sind die Begebenheiten sehr ausführlich geschildert, dann wiederum geht’s Hopplahopp mit Zeit und Ortssprüngen woanders hin zu einer weiteren Nebenhandlung … Notizen eben, die ursprünglich nicht für unsere Augen gedacht waren und auf die sich wohl nur der verblichene JRR einen genaueren Reim machen könnte. Wer nur die Filme kennt und/oder sich mit dem Gedanken trägt, den Herrn der Ringe als Buch zu lesen, dem rate ich, die letzten Seiten auszulassen, weil dort dessen Ende quasi vorweggenommen wird, ein weiteres Zeichen dafür, dass große Teile der Geschichten und des reichhaltigen Backgrounds aus den Notizen, aus denen ja „Das Silmarillion“ eigentlich besteht, von Tolkien seinerzeit bereits mehr oder weniger subtil im HdR eingebaut wurden.

Damit der geneigte Leser nicht vollkommen verwirrt mit Fragezeichen über dem Kopf aus dem Buch entlassen wird, befinden sich am Ende noch ein paar vereinfachte Stammbäume, Hinweise zur Aussprache und Bedeutungen von Silben in der Elbensprache und die obligatorischen Landkarten Cristopher Tolkiens. An manchen Stellen springen einen die Inkonsistenzen regelrecht an, und man rätselt, was sich JRR dabei gedacht haben mag, wenn er zuvor detaillierte Handlungsstränge einfach nicht weiterführte und ins Leere laufen ließ. Wir können das heute nicht mehr nachvollziehen, da er ja nicht mehr unter uns weilt, und auch sein Sohn war nicht in der Lage oder willens, irgendetwas anderes zu machen als das Silmarillion zusammenzustellen – Geändert hat er an seines Vaters Manuskripten nach eigenem Bekunden im Vorwort nichts. Immerhin wissen wir, dass es JRR wichtig gewesen sein muss, denn er fand es wert, es aufzuschreiben.

_Fazit_

Für Tolkien- und „Herr der Ringe“-Fans ein absolutes Must-Read, wobei diese sich aber gleich von der Illusion frei machen sollten, dass es sich dabei um leichte Kost handelt. Das Teil ist sperrig, verwirrend und zuweilen dröge – selbst Meinereiner, der sehr viel liest, musste an einigen Stellen absetzen, einige Passagen nochmal lesen oder in den Appendices nachschlagen, weil da irgendwas nicht ganz hinhaute mit der Kontinuität. Damit muss man wohl leben, interessant ist der Aufstieg und Fall Mittelerdes und seiner Königreiche der Elben & Menschen allemal. Ich würde vorschlagen, die vermeintlichen „Nachfolgewerke“ (den „Hobbit“ und die „Herr der Ringe“-Trilogie) in diesem besonderen Fall |vorher| zu lesen, für Neueinsteiger in die Welt von Mittelerde ist „Das Silmarillion“ nicht geeignet. Die Bezeichnung „Bibel Mittelerdes“ oder salopper: „Das Telefonbuch der Elben“ trägt es zu Recht.

_Buchdaten:_
Originaltitel: „The Silmaril“
Autor: John Ronald Reuel Tolkien
(zusammengestellt von Christopher Tolkien)
Ersterscheinung: 1977 (2001 / |Klett-Cotta|-Verlag)*
Neuübersetzung: Wolfgang Krege
ISBN: 3-608-93245-3
Format: Hardcover oder broschiert erhältlich / um 390 Seiten*
Zusatzfeautures: Kartenmaterial (herausnehmbar)

*) Der von mir rezensierte 2002er Schmuckband (Leinen-Hardcover mit aufwendig gestaltetem Schutzumschlag und Lesebändchen) stammt als Lizenzausgabe vom |Club Bertelsmann|. Der Inhalt sowie sonstige Ausstattung (gesondertes Kartenmaterial Mittelerdes von Christopher Tolkien) ist mit der Original-Ausgabe von |Klett-Cotta| identisch.

Douglas Adams – Per Anhalter ins All

|In vielen der etwas lässigeren Zivilisationen am äußersten Ostrand der Galaxis hat der Reiseführer „Per Anhalter durch Galaxis“ die große „Encyclopaedia Galactica“ als Standard-Nachschlagewerk für alle Kenntnisse und Weisheiten inzwischen längst abgelöst. Denn obwohl er viele Lücken hat und viele Dinge enthält, die sehr zweifelhaft oder zumindest wahnsinnig ungenau sind, ist er dem älteren und viel langatmigeren Werk in zweierlei Hinsicht überlegen.
Erstens ist er ein bisschen billiger und zweitens stehen auf seinem Umschlag in großen, freundlichen Buchstaben die Worte KEINE PANIK.|

Aus: „Per Anhalter durch die Galaxis“

„Per Anhalter durch die Galaxis“ ist über den Status eines reinen Kultbuches längst hinaus: Man darf sagen, dass es längst ebenso sehr Eingang in die westliche Kultur gefunden hat wie Mickey Mouse, Batman oder die Simpsons – der Anhalter gehört für jeden Reisenden (und wer wäre das nicht?) längst zur Allgemeinbildung. In diesem Sinne will ich gar nicht lange mit einer (ohnehin bestens bekannten) Inhaltsangabe langweilen, sondern lieber einen Blick auf die skurrilen Personen werfen, die das Universum bevölkern.

Da wäre natürlich zunächst Arthur Dent zu erwähnen, einer der letzten Nachkommen jener vom Affen abstammenden Spezies, die den Planeten Erde bevölkerten und deren simples Gemüt man leicht daran erkennt, dass sie Digitaluhren noch immer für eine ganz tolle Sache halten. Zu Beginn der Erzählung teilen sich Arthurs Haus und dann auch sein Planet das gleiche Schicksal: Beide müssen einer Umgehungsstraße weichen. Die eine ist von der Stadtverwaltung geplant und liegt als Konzept im Klo des Kellers einer Behörde aus, die andere ist von der Rasse der Vogonen vorgesehen und war auf einem unserer Nachbarsterne zu begutachten. Arthur wie auch die Menschheit im Allgemeinen hätten also jede Chance gehabt, gegen das Bauvorhaben zu protestieren, nur haben es leider beide versäumt, ihre Ansprüche gelten zu machen und so muss man sich eben von Haus und Heimat trennen.
Natürlich ist die Sprengung der Erde ein Ereignis, dem man sich nur schwer entziehen kann, aber Arthur Dent hat Glück im Unglück, denn kurz bevor der Planet Erde in seine Bestandteile aufgelöst wird, trifft er auf …

… Ford Prefect. Ford ist zwar dem Äußeren nach ein Mensch, stammt aber tatsächlich von einem fernen Stern aus dem Beteigeuze-System. Sein Name resultiert aus schlampiger Recherche – er dachte, er wäre auf der Erde unauffällig. Er ist so eine Art freischaffender Journalist und schreibt Artikel für den „Anhalter“. Unglücklicherweise ist er vor einigen Jahren in dem abgelegenen Spiralarm gestrandet, der bis vor kurzem auch das Sonnensystem und die Erde enthielt und kommt nun nicht mehr weg. Immerhin gab ihm das genug Zeit, einen neuen und verbesserten Artikel über den seltsamen Planeten zu verfassen, auf dem er da gestrandet war. Der alte Eintrag „harmlos“ war der reichen Kultur und der Geschichte des Planeten und seiner ganzen Bedeutung nicht mehr so richtig würdig und so konnte er im Laufe der Jahre auf „weitgehend harmlos“ erweitert werden.

Ford ist um drei Ecken mit dem Präsidenten des Universums verwandt und ein erfahrener Reisender und Anhalter, weswegen er auch nie ohne Handtuch an Bord eines fremden Raumschiffes gehen würde. Mit den Vogonen hat er sich und Arthur Dent leider relativ ungemütliche Zeitgenossen als Gastgeber gesucht. Nicht nur, dass diese sie durch die Luftschleusen einfach ins Vakuum hinausbefördern wollen, sie geben auch vorher einige Kostproben ihrer berüchtigten Dichtkunst ab. Da der Tod in der Kälte des leeren Alls jederzeit der vogonischen Dichtkunst vorzuziehen ist, finden sich die beiden Freunde schnell auf der falschen Seite der Schleuse wieder, doch da geschieht das Unwahrscheinlichste, was hätte passieren können … Die „Herz aus Gold“ nimmt sie im selben Moment auf!

Das ist selbstverständlich so unwahrscheinlich, dass es quasi gar nicht vorkommt, aber das Raumschiff „Herz aus Gold“ hat einen Unwahrscheinlichkeitsdrive, der auf der Theorie der Instochastik basiert. Mit Hilfe der Instochastik können ein Raumschiffantrieb konstruiert werden, die Wahrscheinlichkeit berechnet, dass sich eine Rakete in einen Wal verwandelt oder – und daran sieht man wirklich, um welche Potenzen es bei der Unwahrscheinlichkeitstheorie geht – Fehler in einer Restaurant-Rechnung gefunden werden!

Die „Herz aus Gold“, das modernste Schiff der Galaxis, wurde jedenfalls soeben von Zaphod Beeblebrox entführt. Dieser ist ein Egomane vom Herrn, Präsident der Galaxis, Abenteurer und Ex-Hippi. Als Präsident obliegt es seiner Pflicht, von den wahren Machtverhältnissen im Universum abzulenken und daher gilt er als einer der erfolgreichsten Männer, die dieses würdevolle Amt je innehatten. Er hat übrigens einen zweiten Kopf und einen zusätzlichen Arm. Trotz der körperlichen Unterschiede ist er mit Ford Prefect verwandt.

Ebenfalls an Bord der „Herz aus Gold“ befinden sich Tricia McMillan, genannt Trillian, eine lose Bekannte von Arthur Dent, die ihn mal auf einer Party hat abblitzen lassen und lieber mit Zaphod davongebraust ist (weswegen sie die Zerstörung der Erde auch überlebt hat) und der Roboter Marvin, der über ein Gehirn mit einer absolut fantastischen Rechenleistung verfügt und zudem mit einem echten menschlichen Persönlichkeitsprofil ausgestattet ist – er ist also ständig depressiv.

Zusammen mit diesen – nennen wir sie doch in Ermangelung eines besseren Begriffs „Leute“ – mit diesen Leuten also durchstreift Arthur Dent das Universum, erlebt Abenteuer, bekommt tiefere Einblicke in den Sinn des Lebens und muss dazu nicht einmal einen Pangalaktischen Donnergurgler trinken – eine Kreation von Zaphod, die sich anfühlt, als würde einem mit einem in Zitronenscheiben gehüllten Goldbarren das Gehirn rausgeprügelt werden …

Der Kreis schließt sich: Als Radiohörspiel hat das Kultbuch „Per Anhalter durch die Galaxis“ seinen Siegeszug begonnen und nun ist es dort auch wieder angekommen: Dazwischen liegen alle bekannten Formen der medialen Umsetzung eines Stoffes, sowie der Eingang des Werkes – oder doch zumindest einiger seiner Teile – in die westliche Kultur: „Per Anhalter durch die Galaxis“ gehört längst zum Kanon einer Literatur jenseits Marcel Reich-Ranickis.

Jeder Mensch, der auf die eine oder andere Art und Weise an Büchern interessiert ist, wird früher oder später auf dieses brillante Werk stoßen und nun hat |Der Hörverlag| eine Möglichkeit gefunden, es auch allen Lesemuffeln zugänglich zu machen.

Das Hörspiel ist erfolgreich bemüht, die abstruse Atmosphäre des Buches einzufangen und dabei jener legendären, beinahe mystisch verklärten BBC-Produktion nachzueifern, die nun auch schon demnächst ein Vierteljahrhundert alt ist. Dies gelingt souverän und die Gründe heißen Dieter Borsche, Klaus Löwitsch und Bernhard Minetti. Als Stimmen der Hauptdarsteller hauchen sie den Textzeilen des großen Douglas Adams Leben ein, sind so verrückt und überdreht, so seltsam und philosophisch, so gleichgültig und engagiert, wie die Helden der einzig bekannten fünfbändigen Trilogie. Es wäre jedoch unfair, nur diese Sprecher lobend zu erwähnen, denn auch und gerade die Nebenrollen sind liebevoll und mit viel Feingefühl besetzt, man denke nur an die Rede der Frau vor der Demonstration gegen die Errichtung der Schnellstraße durch Arthurs Haus – eine staunenswerte Leistung, die mich ungläubig und sprachlos vor den Boxen kauern ließ: Gerade in diesen Zwischentönen bzw. Zwischensequenzen brilliert die Hörbuchfassung ungemein.

Leider ist mir nicht bekannt, ob die textliche Vorlage des Hörspiels die der Originalfassung des „Anhalters“ ist, aus dem ja erst später ein Buch wurde, oder ob es sich um ein eigenes „Drehbuch“ handelt, aber so oder so sind die Kürzungen, die vorgenommen wurden, eine Reduzierung auf das Maximum. Schnell und witzig kommt die Geschichte nun daher, ohne jedoch auf den Tiefgang der Romanvorlage zu verzichten.

Die optische Gestaltung des Covers dürfte ganz im Geiste der ersten Erscheinungen des berühmten Buches sein, meine Uralt-Taschenbücher sehen jedenfalls so ähnlich aus … Löblich zu erwähnen ist auch die Trackunterteilung, die so angelegt ist, dass ein schnelles Wiederfinden einer bestimmten Szene oder die Wiederaufnahme nach Unterbrechung des Hörgenusses kein Problem darstellt.

Ein Ersatz zur Lektüre des „Anhalters“ ist das Hörbuch nicht – aber den kann und wird es sowieso nicht geben. Vielmehr bietet die Produktion von |Der Hörverlag| eine willkommene Möglichkeit, in die unendlichen Weiten des Douglasschen Kosmos einzutauchen, selbst, wenn das Buch nicht zur Hand ist. Somit kann es Kennern wie Neulingen nur wärmstens empfohlen werden – macht’s gut und danke für den Fisch.

_Marcel Dykiert_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de veröffentlicht.|

Vance, Jack – Grüne Magie

Dieser Autor (* 1916!) gehört zum unentbehrlichen Repertoire sowohl der Fantasy als auch der Science-Fiction. Die Fantasy, zu der auch die Storysammlung „Grüne Magie“ gezählt werden könnte, bereicherte er um die Romane „The Dying World“ (1950) und die des Lyonesse-Zyklus. Für den Lyonesse-Roman „Madouc“ (1989) erhielt Vance den |World Fantasy Award|.

_Einzel-Storys_

Viele Erzählungen der Sammlung „Grüne Magie“ können sowohl als Fantasy – mit dem Wirkungsprinzip Magie – oder als Science-Fiction – mit dem Wirkungsprinzip Naturgesetz und Rationalität – gelesen werden.

Die Titelstory ist selbst ein Beispiel dafür. Der Protagonist sucht die Dimension, in der Grüne Magie wirksam ist, im Gegensatz zu den Dimensionen, wo z. B. weiße, schwarze und blaue Magie wirken. Er erschafft einen Golem, dem er als Auge eine Filmkamera eingepflanzt hat, und empfängt so Bilder aus einer elfischen Dimension. Leider zertrampelt der Golem auf seinem Weg etliche wertvolle Konstruktionen der Bewohner dieser Dimension.

Dem Protagonisten gelingt es, Zutritt zu erlangen und bei den Bewohnern etwa 200 lokale Jahre lang zu lernen. Nach der Rückkehr – zwei hiesige Stunden später – erscheint ihm alles schal und abstoßend: Essen, Trinken, Sex usw. Er besucht schließlich seinen Vorgänger, dem er ursprünglich gefolgt war. Der hat sich als Tankstellenbesitzer im Nirgendwo des amerikanischen Mittelwestens niedergelassen und neckt die Reisenden mit seinen magischen Stückchen Grüner Magie. – Vance betrachtet die Magie wie ein Stück angewandte Wissenschaft.

|“Die Wundermacher“| gibt es in dieser langen Novelle (ca. 110 Seiten) eigentlich noch gar nicht. Vor langer Zeit landeten Sternenfahrer mit ihren wundersamen Fahrzeugen auf diesem fremden Planeten und verdrängten das Erste Volk, bis es sich im Wald verstecken mußte. Das war vor 1600 Jahren. Nun üben die Unheilsbringer ihre höchst wissenschaftliche und rationale Tätigkeit mit Hilfe von Voodoo-Puppen und Dämonenbeschwörung aus. Sie verhelfen Lord Faide zum entscheidenden Sieg über die restlichen Festungslords.

Leider können sie gegen den Widerstand des Ersten Volkes überhaupt nichts ausrichten, wie der Oberste Unheilbringer gestehen muss: Das Erste Volk ist nicht menschlich und somit nicht für Dämonen etc. empfänglich, vielmehr benutzt es die Methoden der Wundermacher von anno dunnemals, um Lord Faides Burg zu umzingeln, seine Ritter zu töten und ihm mit einem hohen Wall plus Deckel die Luft abzuschneiden. Kurz vor dem Erstickungstod aller Burginsassen gelingt es dem bislang als Nichtsnutz betrachteten Novizen Sam Salazar, den harten Schaum des Walls der Aliens mit Hilfe von Essig aufzulösen. Man schließt ein Abkommen zur friedlichen Koexistenz ab. Sam wird der erste der „Wundermacher“ – natürlich ein Wissenschaftler aufgrund seiner Methode – und nimmt sofort neue Anhänger in seine Gilde auf. Die alten Unheilsbringer aber haben ausgedient.

In |“Die Mondmotte“| (1961), einer der ausgefeiltesten Kurzgeschichten Vances, dient Musik auf einem fremden Planeten als zweite Form der Kommunikation. Die Etikette verlangt, dass man die korrekte Maske trägt – die des Protagonisten ist die der einheimischen Mondmotte. Die Story ist eine spannende Detektivgeschichte mit überraschendem Ausgang. Sie wurde häufig in Anthologien aufgenommen, auch in der SF.

|“Mitr“|, möglicherweise die letzte Menschenfrau auf dieser Welt, lebt zurückgezogen am Strand eines Meeres. Sie entdeckt eines Tages, wie Astronauten landen und willkürlich Jagd auf die Wesen am Strand machen. Kaum, dass sie sich aus ihrem Versteck hervorgewagt hat, wird sie selbst gejagt, entkommt aber. Eine Sterbende-Welt-Szenerie mit SF-Hintergrund.

In der seltsamen Story |“Die Menschen kehren zurück“| ist ein Planet in eine Dimensionstasche des Chaos geraten, so dass alle Naturgesetze außer Kraft gesetzt wurden: Luft wurde essbar, Wasser floss nach oben. Der letzte Mann und die letzten zwei Frauen kämpfen mit verschiedenen Strategien ums Überleben, die nicht selten den Tod eines Artgenossen fordern. Die alten Männer sind schon draufgegangen. Da endet das Zeitalter des Chaos, die Menschen werden wieder das, was sie mal waren. Eigentlich eine SF-Story.

|“Das Schmale Land“| ist die Zone zwischen den Watten eines Meeres und den Klippen bzw. einer hohen Mauer. In dieser Zone gibt es menschenähnliche Wesen, bei denen die weiblichen Eier in den Schlamm legen. Je nachdem, wie sich die verschiedengeschlechtlichen Eier miteinander verbinden, entstehen Wesen mit einem Knochenkamm auf dem Schädel oder mit zweien.

Als Ern erwachsen wird, wird er von den Einern an die Zweier verkauft und genießt eine Ausbildung. Sein Einer-Wesen wird entdeckt – man jagt den „Grotesken“, der inzwischen drei Kämme entwickelt hat. Er trifft den letzten Dreier auf der Erde (?) in dessen Festung. Ern beschließt, genetische Experimente vorzunehmen und sich ein Weibchen zu erschaffen. – Ein Beispiel für eine geradezu wissenschaftliche Beobachtungsweise.

Die Story |“Die Pilger“| präsentiert einmal mehr die Figur von Cugel dem Schlauen, einem Trickster, der anderen Pilgern etc. Streiche spielt, die stets zu Cugels Vorteil sind, die aber auch nach hinten losgehen können. Die Pilgerfahrt führt 59 Pilger durch gefährliche Länder bis zum Wallfahrtsort Erze Damath, wo man das Standbild Gilfigs verehren will. Cugel verleitet seine Mitpilger zum Durchqueren der Silbernen Wüste, denn er will die jenseits davon gelegene See überqueren und nach Ameryl weiter.

Diese Reise ist ein Beispiel dafür, wie unangepasstes Verhalten zum Tode führen kann: Als Einziger bleibt Cugel übrig. – Interessant, wie die Pilger die Glaubensfragen diskutieren: Warum sie wen anbeten und wie sie ihr Leben dementsprechend ausgerichtet haben. Da schimmert viel Ironie durch. (Cugel ist eine Figur aus Vances wichtigstem Roman, „Die sterbende Erde“.)

|“Das Geheimnis“|, das die Südsee-Insulaner entdecken, wenn sie ihre Insel des ewigen Lebens verlassen und – jeweils alleine – nach Westen segeln, ist der Tod.

|“Liane der Wanderer“| ist einer der Protagonisten des Episodenromans „Die sterbende Erde“ („The Dying Earth“, 1950). Vance hat den melancholischen Ton von Clark Ashton Smiths „Zothique“-Erzählungen übernommen, aber ironisch gewendet. Seitdem haben sich alle „Sterbende-Erde“-Storys an diesen Ton zu halten, z. B. bei Michael Moorcock. Die sterbende Erde ist bevölkert von Ungeheuern und Dämonen, mit denen sich die Protagonisten auseinandersetzen müssen. Viele Themen der Fantasy werden aufgenommen und mit einer neuen Pointe versehen.

Liane der Wanderer ist sehr von sich selbst überzeugt: mutig, gut aussehend und mit einem unsichtbar machenden Bronzereif ausgestattet – so muss ihm auch die neu zugewanderte „Goldene Hexe“ Lith sozusagen in den Schoss fallen. Mitnichten! Das Frauenzimmer besteht darauf, dass er (!) ihr (!) einen Dienst erweist, bevor sie ihn erhört. Er soll ihr die andere Hälfte ihres magischen Gobelins bringen, die ein Dämon namens „Chun der Unvermeidliche“ geraubt haben soll.

Mutig, wie Liane ist, macht er sich auf die Socken und kann schließlich sogar den Gobelin Chuns von der Wand reißen – doch dahinter kommt der Dämon zum Vorschein. Als Liane sich unsichtbar macht, glaubt er sich in Sicherheit. Doch der unvermeidliche Chun ist bereits da! Wenig später bringt Chun der goldenen Hexe zwei Fäden, mit denen sie ihre Häfte des Gobelins erweitern kann. Die Fäden haben die goldene Farbe von Lianes Augen. Eines Tages wird Liths Gobelin fertig sein, und sie kann in ihre Heimat zurückkehren …

_Unterm Strich_

Diese Storysammlung macht den Leser mit einigen der wichtigsten Storys und Figuren in der Fantasy bekannt – Cugel, die Mondmotte, die sterbende Erde – , gehört also in die Bibliothek. Zudem sind fast alle Erzählungen sehr unterhaltsam.

_Der Autor_

Jack Holbrook Vance wurde 1916 in San Francisco geboren und wuchs im idyllischen San Joaquin Valley auf. Das prägte seine Liebe für das Land, die selbst in abgewandelten Polizeithrillern wie der „Dämonenprinz“-Serie immer wieder aufscheint.

Vance studierte Bergbau, Physik und schließlich Journalismus. Im 2. Weltkrieg war er Matrose bei der Handelsmarine und befuhr den Pazifik. Er wurde auf zwei Schiffen Opfer von Torpedoangriffen. Ansonsten weiß man wenig über ihn: Er lebt in Oakland, liebt alten Jazz, spielt Banjo und bereist unermüdlich die Welt.

Seine Karriere begann 1945 mit der Story „The World Thinker“ in dem Magazin „Thrilling Wonder Stories“. Bis 1955 schrieb er abenteuerliche Science-Fiction, die bereits durch farbig geschilderte Schauplätze und spannende Handlungsbögen auffiel. Es war das Goldene Zeitalter der Magazin-Science-Fiction. 1950 wurde sein erstes und berühmtestes Buch publiziert, der Episodenroman „The Dying Earth“. Die Episoden spielen in einer fernen Zukunft, in der die Wissenschaft durch Magie abgelöst wurde. Dadurch spannt sich die Handlung zwischen reiner Science-Fiction und einer Spielart der Fantasy, die nicht ganz von der Logik aufzulösen ist. Herausstechende Stilmerkmale sind bereits die Ironie in Sprache, Handlungsverlauf und Figurenbeschreibung, aber auch schon der Detailreichtum darin. In der Science-Fiction wurde Vance selbst zu einem „world thinker“, der exotische Kulturen mit ulkigen Bräuchen und Sitten erfand, so etwa in der wunderbaren Novelle „Die Mondmotte“ (Musik als eine Form der Kommunikation).

Vance schrieb ab 1957 etwa ein Dutzend Kriminalromane, darunter auch unter dem bekannten Pseudonym Ellery Queen. Er bekam sogar für einen Roman, „The Man in the Cage“, einen Edgar verliehen. Dieser kriminalistische Einschlag findet sich in mehreren von Vances Hauptfiguren wieder, darunter bei den galaktischen Spürhunden Magnus Ridolph, Miro Hetzel und Kirth Gersen. Gersen ist der Held der Dämonenprinz-Serie, der Rache an fünf grausamen Sternkönig-Aliens nimmt.

Vances Stärke ist sein Prosastil. Er baut in wenigen beschreibenden Detail eine Atmosphäre, eine Stimmung auf, die er dann immer wieder mit wenigen Schlüsselwörtern aufrufen kann. Insofern ist Vance, fernab von jeglicher Hard SF, der farbigste und barockeste Autor im Genre, dessen charakteristische Sprache in jedem beliebigen Absatz erkennbar ist. Leider verstand er es in seinen Werken bis in die 80er Jahre nicht, eine Geschichte durch eine Konstruktion zu stützen, die wenigstens einen kompletten Roman getragen hätte: Er schrieb meistens Episodenromane oder Fix-up-Novels. In ähnlicher Weise ließ auch sein Interesse an Fortsetzungen nach, so dass spätere Romane in einer Serie in der Regel schwächer ausfielen als der Anfangsband.

Vance hat die Kunst der Namensgebung zu wahrer Meisterschaft getrieben: Seine Namen sind phantasievoll und haben stets den richtigen Klang. Ich weiß, woher er seine Einfälle nimmt: aus dem Mittelalter, aus exotischen Kulturen der Erde oder sonstwoher. Im ersten Band der Dämonenprinz-Serie sind dies beispielsweise die Namen „Attel Malagate“, „Lugo Teehalt“ und „Hildemar Dasce“.

Da Vance aber kein einziges Buch geschrieben hat, das ihn durch seine Thematik weltberühmt gemacht hätte – so wie es George Orwell mit „1984“ gelang -, ist er immer ein Geheimtipp, ja ein Kultautor der Science-Fiction-Szene geblieben. Das bedeutet nicht, dass Vance unkritisch oder unaktuell gewesen sei: Er griff Themen wie Religion, Sprachwissenschaft, Social Engineering und Ökologie auf, um nur ein paar zu nennen.

|The Jack Vance Archive|: http://www.jackvance.com

Miéville, China – Perdido Street Station

„Perdido Street Station“ gewann im Jahre 2003 den Kurd-Laßwitz-Preis als bestes fremdsprachiges Werk der Phantastik. Die Übersetzerin Eva Bauche-Eppers gewann passenderweise den Preis für die beste Übersetzung.

Grund genug für ein wirklich fantastisch günstiges Sonderangebot von |amazon.de|: Exklusiv bei |amazon| erscheint eine einbändige Sonderausgabe des zuvor für den deutschen Markt in zwei Bände („Die Falter“ und „Der Weber“) aufgeteilten Originals. Das gebundene Buch besticht nicht nur durch seine hochwertige Bindung und gefällige Präsentation, man spart auch ungefähr sechs €uro gegenüber dem Erwerb der beiden Paperbacks.

„Phantastik“ ist wohl noch die treffendste Beschreibung für den wilden Mix aus Fantasy, Science-Fiction und innovativen eigenen Gedanken, den der Autor China Miéville mit „Perdido Street Station“ abliefert:

New Crobuzon ist ein gigantischer Moloch, eine Stadt, in der Menschen, fremdartige Rassen, mechanische Konstrukte, Mutanten, Arbeiter, Sklaven, Huren, Magier, Wissenschaftler und Scharlatane leben. Sowie zahlreiche gescheiterte Existenzen, wie der wegen eines Verbrechens mit der Entfernung seiner Flügel bestrafte Garuda Yagharek. Er sucht die Hilfe des arg verzettelten Genies Isaac Dan dar Grimnebulin – für viel Gold soll dieser ihm helfen, seine ursprünglichen Flügel wiederherzustellen.

Dieses einfache Anliegen ist der Auslöser für eine große Katastrophe: Isaac untersucht verschiedene Flugwesen, von fliegenden Eidechsen über normale Vögel bis hin zu Insekten. Eines seiner Sorgenkinder ist eine exotische, bunt schillerende Raupe, die sein Interesse geweckt hat: Sie frisst nichts, bis auf … Dreamshit, die angesagteste Droge von ganz New Crobuzon!

Die kleine Raupe wächst zu gewaltiger Größe und verpuppt sich. Als Isaac wieder nach Hause kommt, findet er einen seiner besten Freunde halbtot als lallenden Idioten wieder. Das erste Opfer des „Falters“, der ausgebrochen ist, ihn ausgesaugt hat, und nun mit seinen besonderen Fähigkeiten Angst und Schrecken in der Stadt verbreitet!

Sicher kein harmloses, kleines Insekt, wie man meinen könnte … Der Falter befreit seine Artgenossen, die von dem Gangsterboss „Vielgestalt“ zu kommerziellen Zwecken missbraucht werden. Ironischerweise arbeitet Isaacs Freundin Lin, eine Khepri, gerade an einer Plastik des eitlen Vielgestalt … Dieser wird wütend auf Isaac, den er fälschlich als Rivalen auf dem Drogenmarkt ansieht, und nimmt Lin als Geisel.

Die Lage spitzt sich zu: Auch die Regierung ist in Machenschaften mit den tödlichen Faltern und der Unterwelt verwickelt. Bürgermeister Rudgutter weiß keine anderen Rat mehr, als den „Weber“, eine gigantische transplanare, absolut fremdartige Riesenspinne, um Hilfe zu bitten. Doch auch andere Gruppen nehmen den Kampf gegen die Falter auf, während der von allen Seiten gehetzte Isaac mit seinen Freunden Zuflucht im Zentralbahnhof, der namensgebenden „Perdido Street Station“, sucht.

_Der Autor_

Der 1972 geborene China Miéville ist, um Missverständnissen vorzubeugen, ein Mann. Den Namen erhielt er von seinen Hippie-Eltern, es handelt sich hierbei um kein Pseudonym – was bei einem solch prägnanten Namen wohl überflüssig wäre.

Der politisch stark links orientierte, bekennende Sozialist Miéville hat eine bildhafte Phantasie, die sich auch in seiner wortreichen Sprache und seinem gewaltigen Ideenreichtum niederschlägt. Seine politische Einstellung erschließt sich dagegen nicht aus seinen Romanen, nur eine deutlich anti-autoritäre Haltung ist unverkennbar. Derzeit promoviert China an der |London School of Economics| in „Philosophy of International Law“, an der er auch seinen Master-Titel in sozialer Anthropologie mit Auszeichnung erworben hat. Bereits sein erster Roman, „König Ratte“, wurde für zahlreiche Auszeichnungen nominiert.

Bis heute erschienen desweiteren „Perdido Street Station“ (Deutsch: „Die Falter“, „Der Weber“), „The Scar“ („Die Narbe“ , [„Leviathan“)]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=612 und „Iron Council“ (Deutsch in Kürze, der Titel wird vermutlich „Moloch“ und der Roman diesmal nicht aufgeteilt sein). Alle diese voneinander völlig unabhängig lesbaren Romane spielen in der fantastischen Welt Bas-Lag.

_Ein Kaleidoskop der Ideen_

Bunt und exotisch ist die Welt Bas-Lag. New Crobuzon besitzt eine exotische Atmosphäre, die begeistert. Exotische Lebensweisen und Bewohner gibt es zuhauf, wobei besonders auffällt: keine Elfen, keine Orks, keine bekannten fantasytypischen Rassen. Der ganz normale Mensch ist vielmehr der Exot. So ist Isaacs Freundin Lin eine Khepri: Ein Wesen mit menschlichen Körper, aber mit einem insektoiden Käferkopf. Im wahrsten Sinne des Wortes ein „flotter Käfer“. Die Unterhaltung des ungleichen Paares erfolgt über Gesten und schriftlich. Diese Beziehung könnte Isaac seine Stellung an der Universität kosten, auch Lin ist bei den Khepri als Skandalfigur bekannt. Darum sind sie stets bemüht, ihre Liebschaft geheimzuhalten.

Dann gibt es noch Yagharek, den Garuda – ein an den mythischen indonesischen Vogel erinnerndes Vogelwesen. Er tritt in das Leben der beiden und löst die verhängnisvolle Kette von Ereignissen aus, die New Crobuzon an den Rand des Verderbens bringt.

Dies unterscheidet „Perdido Street Station“ von vielen anderen Büchern: Die Geschichte entsteht aus einer natürlich anmutenden Verkettung von Ereignissen und verbindet zahllose interessante Einzelschicksale miteinander. Keine Prophezeiung, Legende oder ein klar definiertes Ziel treibt die Handlung voran. Vielmehr ergibt sie sich aus dem puren Zufall, dem sozialen Chaos New Crobuzons.

So ist man anfangs ein wenig im Unklaren, worum es überhaupt geht. Bis der Falter schlüpft, dauert es eine ganze Weile, während der man sich an die zahllosen exotischen Rassen New Crobuzons, wie die an Kakteen erinnernden Kaktusmenschen oder die von der Regierung als Strafe für Verbrechen in eine Art dampfgetriebene Cyborgs oder in absurde Kreaturen umgewandelten „Remades“, gewöhnen kann.

Dabei liegt Miévilles Stärke in seinen Ideen, seine Welt ist wirklich innovativ und einzigartig in ihrer Vielfalt, die sie lebendig macht. Seine anti-autoritäre Einstellung zeigt sich in der negativen Darstellung der Regierung New Crobuzons: Sie ist eng mit der Unterwelt verbandelt und an der Katastrophe mitschuldig. Bevor man sich an den „Weber“ wendet, ersucht der Bürgermeister erst einmal Hilfe vom Botschafter der Hölle in New Crobuzon, der direkt unter seinem Amtssitz residiert – deutlicher geht es wohl kaum, Mr. Miéville …

Seine bildhafte Sprache ist oft wunderschön, leider kann sie auch oft in Verbindung mit der erst spät einsetzenden Handlung bremsend und störend wirken. So wirft Miéville oft mit Wörtern wie „elyktrisch“ oder „chymisch“ herum, wo es ganz klar um elektrische oder chemische Zusammenhänge geht. Alchemie würde den Gebrauch des letzten Wortes eher rechtfertigen. Genauso ist der Ausdruck „numinoser Arachnide“ genauso faszinierend wie auch irritierend und schlichtweg unverständlich.

Hierzu eine kleine Leseprobe von Miévilles Stil:

|“Das Wissen, dass sie den Auftrag an Land gezogen hatte, das große Los, den Haupttreffer, die künstlerische Herausforderung, von der alle träumten, das Lebenswerk, trennte sie von ihren Freunden. Und ihr furchteinflößender Klient machte die Isolation perfekt. Lin fühlte sich, als wäre sie plötzlich, unvermittelt aus der maliziösen, verspielten, lebhaften, prätentiösen, selbstbezogenen Enklave von Salacus Fields in eine gänzlich andere Welt gestoßen worden.“|

Mitunter kann ein derartiges Adjektivbombardement das Lesen unnötig erschweren, was meiner Faszination leider ein wenig Abbruch tat.

Der Übersetzerin Eva Bauche-Eppers kann man das kaum zum Vorwurf machen – sie hat ihre Aufgabe wirklich hervorragend gelöst und den sehr eigenen Stil Miévilles vortrefflich ins Deutsche übertragen. Frau Bauche-Eppers übersetzte übrigens auch die Romane der ebenfalls für ihre sprachliche Finesse bekannten Autorin Robin Hobb [(„Der Adept des Assassinen“).]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=229

Im Gegensatz zu ihrer Stärke, überzeugenden und beeindruckend charakterisierten Figuren, wie ihren bekanntesten Helden Fitz, sind Miévilles Charaktere etwas blass, sie leben vielmehr von der Exotik ihrer Umwelt und der Handlung. Wirklich starke Sympathieträger oder Schurken sucht man vergeblich, sie ordnen sich der Vielfalt der Charaktere und Handlungsstränge unter.

_Fazit: Innovation pur_

Den Kurd-Laßwitz-Preis hat sich der Roman wirklich verdient: Neue Ideen braucht das Land – und da ist dieser Roman einfach einsame Spitze.

Die Art der Erzählung ist eine große Stärke, alles wirkt natürlich entstanden, aus einfachen Dingen entwickelt sich zufällig ein großes Abenteuer, in dem zahllose interessante Charaktere und ihre Schicksale miteinander verbunden werden. Ein gewisses Horror-Element ist auch vorhanden, die Falter wüten wirklich schrecklich in New Crobuzon.

Die Sprache kann faszinieren, aber sie ist auch anstrengend zu lesen und oft einfach zu ausladend und sonderbar, was das Lesen mitunter erschwerte und mich zu Pausen nötigte. Die Art der Handlungsentwicklung ist innovativ und interessant, aber leider dauert es ziemlich lange, bis ein Faden erkennbar wird, in Verbindung mit den bremsenden Eigenheiten der Sprache die einzige wirkliche Schwäche dieses Romans.

Alles in allem kann ich „Perdido Street Station“ nur empfehlen – und die wirklich günstige und hochwertige einbändige Sonderausgabe von Amazon ganz besonders. Das schöne Titelbild ist hier der einzige Kritikpunkt: Der Hintergrund zeigt ganz klar New Crobuzon – die Frau auf dem Cover taucht dagegen im Roman niemals auf, sie sieht keiner Person auch nur ähnlich. Ein reiner Eyecatcher für bei Amazon browsende Kunden.

Wer weiß, vielleicht bringt Amazon ja auch eine einbändige Sonderausgabe des zweiten Buches in Bas-Lag, [„The Scar“,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=591 heraus? Eines ist gewiss: Preis und Leistung stimmen hier – ein absoluter Geschenktipp für Leseratten und Buchwürmer, die offen für neue Ideen sind.

Homepage des Autors:
http://www.chinamieville.co.uk/

Fanseite im Stil der |New Crobuzoner|-Untergrundzeitung:
http://runagate-rampant.netfirms.com/

Ringo, John – Invasion: Der Gegenschlag (Invasion 3)

_Landser im Weltraum_

Teil 1: Invasion – [Der Aufmarsch]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=497
Teil 2: Invasion – [Der Angriff]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=520

Die Handlung des dritten Bandes der Reihe spielt fünf Jahre nach „A Hymn before Battle“ und „Gust Front“. Lapidar zählt Ringo zunächst auf den ersten zwei Seiten den Verlust von fünf Milliarden Menschen auf. Nur noch in kalten, unwirtlichen Zonen der Erde verschanzen sich die Reste der Menschheit – und natürlich in den USA und Kanada! Hier wird den menschenfressenden Posleen weiter gezeigt, wer auf der Erde den Ton angibt! Millionen über Millionen von Aliens werden am Bollwerk der Amerikaner vernichtet, aber das hilft recht wenig. An die zwölf Milliarden Monster fressen inzwischen die Erde kahl und vermehren sich wie die Kaninchen.

Im vorliegenden Band, der die Ereignisse innerhalb eines Zeitraums von zwei Wochen im Jahr 2009 schildert, erfährt man einiges über die derzeitigen Lebensumstände vieler Handlungsträger der früheren Romane. Die Wege einiger dieser Figuren kreuzen sich, Zukunftspläne werden geschmiedet, selbst der Vater von „Mighty Mite“, dem Kommandeur der inzwischen stark dezimierten Kampfanzug-Streitmächte, scheint noch einmal ein wenig Liebesglück abzubekommen, und seine kampferprobte kleine Tochter interessiert sich außer für Waffen inzwischen auch für Make-up, aber genau da bricht ein konzertierter Angriff der Posleen über sie herein. Diese haben in der Zwischenzeit viel dazugelernt und durchbrechen die Verteidigungslinien der Amerikaner, erobern sogar eine der unterirdischen Rückzugsstädte. Eine Million Frauen und Kinder werden innerhalb eines Tages zu Fleischrationen verarbeitet!

Ringo schildert nun die Flucht einer Handvoll Überlebender, den verzweifelten Kampf der restlichen Truppen im eroberten Gebiet und wie diese durch heldenhaften Einsatz (und erstmaligen Gebrauch von Atombomben) noch einmal das Ende hinausschieben können.

Über die unterschwelligen Geheimdienstaktivitäten der „guten“ Aliens, die bereits im vorigen Band angedeutet wurden, erfährt man weiterhin nur sehr wenig. Das Buch endet zu einem Zeitpunkt, an dem die überlebenden Protagonisten in vorläufiger Sicherheit sind und die Rückeroberung der verlorenen Stellungen wahrscheinlich erscheint.

Außer einer Stelle, wo ausführlich alte Witze erzählt werden, bei denen die stereotypen Blondinen, Ostfriesen oder Anwälte durch „Posleen“ ersetzt worden sind, bietet das Buch wenig Innovatives. Der zwischenmenschliche Bereich wird etwas stärker beleuchtet, aber charakterlich hat sich in den vergangenen fünf Kriegsjahren trotz aller erfahrenen Gräuel wenig getan.

Im Zusammenhang mit einer kürzlich ausgestrahlten Fernsehsendung ist mir übrigens aufgegangen, woher unter anderem die Faszination kommt, die solche Bücher trotz aller rationalen Kritik auf den Leser ausüben: Die geschilderten Helden haben keinerlei Tötungshemmung!

Wenn also Mighty Mites kleine Tochter ohne zu zögern einem bösen Menschen mit der Pistole das Gehirn hinausbläst, bekommt man einen „Thrill“, der wesentlich stärker als erwartet ist. Auch schon früher, bei R. A. Heinlein, kamen immer wieder solche Szenen vor, die mir sehr stark im Gedächtnis geblieben sind. Auch Weber und Flint verwenden solche Beschreibungen, um ihre Leser zu schocken. Bei der amerikanischen Scharfschützin in „1632“, die ungerührt Hunderte von Feinden wegputzt, bekommt ja sogar Gustav Adolf eine Gänsehaut!

Was aber bei Ringo praktisch nicht vorkommt, ist eine Schilderung der immensen psychologischen Probleme, mit denen sich Soldaten, denen die Tötungshemmung wegtrainiert wurde, später auseinandersetzen müssen. Viele der Methoden sind übrigens von Nazi-Wissenschaftlern ausgearbeitet worden, die nach dem zweiten Weltkrieg von den Amerikanern eingesammelt wurden, um dort in Ruhe weiter an diesem Problem zu arbeiten (ohne intensive Gehirnwäsche feuern nämlich achtzig Prozent der Soldaten im Nahkampf nicht ihre Waffe auf den Feind ab!).

Fazit: Spannend und rasant geschrieben, erträglich aber nur für Leser der vorigen Bände.

_[Dr. Gert Vogel]http://home2.vr-web.de/~gert.vogel/index.htm _

Lucas, George – Star Wars – Krieg der Sterne, Episode VI: Die Rückkehr der Jedi-Ritter

Es war ja abzusehen, aber nun gibt es die erste Star-Wars-Trilogie auch im Hörspiel. Wer darauf skeptisch reagiert, sollte sich von der Qualität selbst überzeugen: Sie ist erstklassig. Mir hat die Episode 4 am besten gefallen. Wer seine Stereoanlage ordentlich aufdreht, bis die Wände wackeln, wird den Angriff auf den Todesstern erleben, als sitze er selbst in einem X-Wing-Jäger.

|Das Hörspiel|

Der technische Standard der Hörspiels ist vom Feinsten – wie es sich für eine Lucas-Produktion gehört. Der Ton erklingt in Stereo, und wer seine HiFi-Anlage ordentlich aufdreht und den Subwoofer zuschaltet, wird ein Klangerlebnis ernten, das dem der DVD-Version (in DD 5.1) kaum nachsteht. Leider kommt der Soundstandard der CD momentan nicht über DD 2.0 hinaus.

Regisseur des Hörspiels ist Oliver Döring, der Macher der erfolgreichen neuen „John Sinclair“-Hörspiele, die mit ihrem Sound zu beeindrucken wissen. Die Story ist auf das Nötigste, den roten Faden, zusammengekürzt. Doch Hörer, die das Buch nicht kennen, werden über so manchen Namen stolpern, der in den Filmen entweder nicht erklingt oder überhört wird. Es könnte aber auch an den Änderungen liegen, die Lucas in den DVD-Fassungen vornahm (siehe unten).

Ein ganz besonderes Schmankerl stellt das zwölfseitige Booklet dar. In Vierfarbdruck sind hier etliche Szenenfotos zu sehen. Davon sind einige laut Verlagsangabe sehr selten. Sehr hübsch sind wieder einmal die Fotos von C3PO: Einmal sitzt er auf dem Thron der Ewoks, auf dem anderen wagt er ein Tänzchen mit einer kleinen Ewok-Dame. Viel beeindruckender finde ich jedoch das doppelseitige Ausklappbild mit dem rasenden „Millenium Falcon“, der, vor einer Flammenhölle fliehend, durch so etwas wie einen Röhrentunnel saust.

Star-Wars-Fans werden sogleich auch die Poster-Art wiedererkennen. Sie ist auch auf der Innenseite und Rückseite der Jewelbox zu finden. Das Motiv auf der CD selbst zeigt den zweiten, unfertigen „Todesstern“. Nimmt man die CD heraus, fällt der Blick auf ein emporgerecktes Laserschwert … Diese Grafik-Elemente dürften auch den letzten Zweifler überzeugen, dass es sich um ein echtes, hundert Prozent originales |Lucasfilm|-Produkt, lizenziert von |WortArt|, handelt.

|Der Sprecher|

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine sonore Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.

_Handlung_

Zur Vorgeschichte siehe „Krieg der Sterne“ und „Das Imperium schlägt zurück“, also die Episoden 4 und 5.

Das Imperium hat einen zweiten „Todesstern“ im Bau und schon fast fertig gestellt. Vader sorgt dafür, dass die Bauarbeiten beschleunigt werden. Der Imperator himself will nämlich hier seinen Endsieg über die Rebellen feiern. Und den hohen Herrn darf man keinesfalls enttäuschen, wenn einem was am Leben liegt.

Unterdessen auf dem Wüstenplaneten Tatooine, der früheren Heimatwelt Luke Skywalkers. Bekanntlich ist es Luke, Leia und Lando (die drei Killer-Ls?) gelungen, aus der Wolkenstadt Calrissians zu entkommen. Nun geht es darum, den eingefrorenen Han Solo zu befreien. In Verkleidung versuchen Leia und Luke, als Kopfgeldjäger mit Jabba the Hutt, dem Boss der Unterwelt des Planeten, einen Deal zu machen: Hauptsache, er gibt ihnen Han Solo.

Leider klappen die Pläne nicht ganz wie vorgesehen. Leia wird versklavt und muss halbnackt und angekettet als Tänzerin Jabba zu Diensten sein (was leider auf dem Hörbuch kaum zur Geltung kommt). Luke fällt durch eine Falltür in das finstere Verlies, das von einem Monster namens Renkor beherrscht wird.

Zwar gelingt es den Robotern R2-D2 und C3PO, Han Solo aus dem Carbonit zu befreien, doch damit ist noch nichts gewonnen. Alle Gefährten werden gefangen genommen und sollen in der Wüste einem weiteren Monster vorgeworfen werden. (Offenbar herrscht hier ein Überschuss an Ungeheuern.) Diese Exkursion endet für diverse Insassen des Segelschwebeschiffes von Jabba recht fatal: Es fliegt in die Luft. Doch zuvor sind die Gefährten entkommen.

|Intermezzo:|

Luke fliegt zu Yoda zurück, um seine Jedi-Ausbildung abzuschließen. Zu spät: Yoda gibt den Löffel ab. In langen Gesprächen mit Yoda und Kenobi erfährt Luke endlich, dass er eine Zwillingsschwester – Leia – hat, die vor den Imperiumskräften ebenso versteckt werden musste wie er. Auch über die Vergangenheit und den Werdegang seines Vaters Anakin erfährt er eine Menge. Kenobi prophezeit, dass, wenn es Luke nicht gelingt, Vader zu töten, das Imperium siegen werde. Diese Prophezeiung stürzt Luke in einen Zwiespalt, der sich für ihn verheerend auswirken wird.

|2. Akt:|

Das Imperium hat seinen neuen „Todesstern“ über dem Waldmond Endor in Stellung gebracht, der irgendwo am Rande der Galaxis den Rebellen als Sammelpunkt dient. Hier wird die Rebellenflotte dem Imperium die finale, entscheidende Schlacht liefern.

So lautet zumindest der Plan. Denn der „Todesstern“ verfügt über einen Schutzschild, der ihn unangreifbar macht. Die Energie dafür wird ihm von einer Station auf Endor zugeführt. Diese gilt es also zunächst zu zerstören, bevor der Rebellenangriff mit Aussicht auf Erfolg gewagt werden kann. Han und Leia führen einen Kommandotrupp an, der die Bodenstation außer Funktion setzen soll. Sie stoßen schnell auf erhebliche Schwierigkeiten: Das Imperium hat sie erwartet.

Nach ersten Kämpfen setzt sich Luke ab, um sich seinem Vater an Bord des „Todessterns“ entgegenzustellen. Doch hier hat er es nicht nur mit Vader zu tun, sondern mit dessen Boss, dem oberfiesen, durchtriebenen Imperator. Dieser versucht, Luke auf die „dunkle Seite der Macht“ zu ziehen. (Die Macht ist also nicht nur ein religiöses, parapsychologisches und genetisches Phänomen, sondern auch ein psychologisches – tolle Sache, das!)

Der Zwiespalt, in dem Luke steckt, sieht so aus: Wenn er versucht, Vader oder den Imperator als die zwei Oberschurken zu töten, trägt ihn sein Hass auf die „dunkle Seite der Macht“, d. h. er ist auch nicht besser als einer dieser Schurken. Er kann sie aber auch nicht am Leben lassen, denn sie würden in kürzester Zeit seine Gefährten vernichten. Und dann ist da noch Kenobis Prophezeiung. Er tut das einzig Richtige, das die dritte Seite dieses Dreiecks aus Luke, Vader und Imperator unter Zugzwang setzt: Er weigert sich, sich dem Imperator zu unterstellen, wirft vielmehr sein Laserschwert weg und ist bereit, sein Leben zu opfern.

Unterdessen ist die Rebellenflotte im Anflug auf den „Todesstern“ in der Hoffnung, dass der Schutzschild deaktiviert wurde. Ein kleiner Irrtum, wie sich herausstellt. Alles ist in der Schwebe – das Schicksal der Galaxis muss sich entscheiden. Doch was wird den Ausschlag geben?

_Mein Eindruck_

Episode 6 besteht über weite Strecken aus zwei Handlungssträngen, die je einem grundverschiedenen Tempo folgen. Während sich Solo, Leia und Co. den Rebellen anschließen und so für die Action auf Endor sorgen, setzt sich Luke auf einer ganz anderen Ebene mit den Gegebenheiten seines Lebens und der Herrschaft über die Galaxis auseinander. Dies erfordert lange Dialoge mit Yoda, Kenobi, Vader und dem Imperator, die sehr lange dauern und die Handlung fast zum Erliegen bringen.

Idealerweise sollte der Actionpart um Solo & Co. diese Langsamkeit ausgleichen, doch in der Umsetzung hat das nicht ganz hingehauen. Die Dialogszenen behaupten weiterhin ihr Übergewicht. Auf der Suche nach Gründen stößt man schnell auf die Ewoks. Diese tapferen Teddybären auf Endor entsprechen dem Äquivalent der kannibalischen Neger in den Tarzanfilmen und Cartoons der 1930er Jahre: Sie wollen Solo & Co. kochen, um sie zu verspeisen. Eine ziemlich lächerliche Idee.

Noch lächerlicher ist die Lösung, die sich George Lucas für dieses dramaturgische Problem hat einfallen lassen: C3PO behauptet, er sei ein Gott. Zum Beweis lässt Luke ihn und R2-D2 per Telekinese schweben. Die tumben Trapper und Speerträger aus dem Endorwald fallen denn auch in die obligatorische Demut, die einem Gott gegenüber angebracht ist. Mit den gleichen trügerischen Methoden arbeitet doch auch der Imperator, oder? Nur ist es bei ihm nicht halb so lustig.

Am Schluss, nach dem großen Finale (das hier nicht verraten werden darf), tanzen die Sieger ausgelassen mit den Eingeborenen Endors. Das hätte man im Zweiten Weltkrieg unerlaubte Verbrüderung mit der Bevölkerung genannt, aber es passt natürlich zu einem Sternenmärchen. Dass Han glaubt, die angebetete Leia habe ihr Herz nun an Luke verloren, ist nur das ironische Sahnehäubchen.

|Ausblick|

Im Jahr 2004 ist die Doppel-Trilogie beinahe fertig: Nächstes Jahr kommt der – vorerst – letzte Film in unsere Kinos: Episode 3 (es geht um die mysteriösen Sith). Die DVD-Box der ersten Trilogie ist nun mit großem Erfolg in den Läden. Und sie ist der Ausgangspunkt der Hörspielfassung. Das bedeutet auch, wie der Kenner weiß, dass sämtliche Änderungen, die Lucas an den Originalen vornahm, auch in den Hörspielen zu finden sind. Und das sind eine ganze Menge.

|Der Sprecher / Das Hörspiel|

Der beeindruckende Stereo-Sound entspricht dem digital aufpolierten Sound, der in den Filmszenen auf den DVDs zu hören ist. Das bedeutet, wenn es hier kracht, dann rummst es auch wirklich. Das Gleiche gilt für die aufpolierte Musik von John Williams, die in ihrem Beitrag zur Dramatik dieser Sternenoper nicht zu unterschätzen ist. Sie steuert ganz direkt die Emotionen des Hörers.

Aber sie tut dies auch mit den bekannten Ohrwürmern. Dazu gehören sämtliche Erkennungsmelodien der einzelnen Figuren: Darth Vader, Luke, Han Solo – sobald sie auftreten, erklingt ihr Thema. Genau wie in Jacksons „Herr der Ringe“. Am besten gefiel mir die spannende Szene zwischen Luke, Vader und dem Imperator. Sie ist der Dreh- und Angelpunkt des Plots.

Es gibt für mich nur einen Wermutstropfen: Für die Produktion hat man die alten deutschen Sprecherstimmen übernommen. Das erscheint als Pluspunkt, doch leider hat man deren mindere Klangqualität nicht ebenfalls digital aufgebessert. Zuweilen klingen sie etwas scheppernd, und in Szenen mit zahlreichen Sprechrollen kommt es hin und wieder, wenn man ganz genau hinhört, zu Interferenzen und Verzerrungen. Dieser Effekt ist absolut minimal und selten, aber mit einem guten Ohr – und noch besserem Equipment – wahrzunehmen.

Joachim Kerzel wird in seiner Funktion als Erzählerstimme nicht über Gebühr gefordert, aber sein Vortrag sorgt für die erforderliche Dramatik, ist kompetent und mitreißend. Seine Leistung wird besonders im ersten Finale deutlich, beim Duell zwischen Imperator, Vader und Luke. Die Klangqualität entspricht höchsten Standards.

|Änderungen gegenüber den Originalen|

Erstmals tritt jetzt der Chef von Vader auf, der Imperator. Wie inzwischen bekannt sein dürfte, wurde dessen Gesicht im überarbeiteten Film an das von Kanzler Palpatine in Episode 1 und 2 angepasst. Auch seine deutsche Stimme klingt jetzt anders: viel glatter, hinterlistiger. Das gilt nur für Episode 5 des Hörspiels. In Episode 6 fehlt ihr der für alle anderen deutschen Synchronstimmen typische scheppernde, raue und ein wenig heisere Klang keineswegs. Hierbei erweist sich, dass die Leistung des ursprünglichen deutschen Synchronsprechers (Name unbekannt) immer noch unübertroffen ist.

_Unterm Strich_

Nun sollte eigentlich so etwas wie ein Resümee der gesamten Trilogie geliefert werden. Aber ist dies wirklich nötig? Schon in den Fazits zu Episode 4 und 5 habe ich entsprechende Andeutungen gemacht, dass es deutliche Unterschiede in der inhaltlichen Qualität der Hörspiele gibt. Im Rückblick ergibt sich, dass die übergreifende Produktpräsentation einem echten |Lucasfilm|-Produkt an Qualität in nichts nachsteht, dass aber der Inhalt des ersten Hörbuchs mir am besten gefallen hat.

Also lässt sich ohne weitere Umschweife sagen, dass der Käufer jeweils ein sehr gutes Hörspiel erhält, sich die inhaltliche Qualität nicht immer die Waage hält. Und wer von |Star Wars| als einem Sternenmärchen sowieso nichts hält, der wird auch mit den Hörspielen nichts anfangen können. Man muss schon eine gewisse Begeisterung mitbringen …

… genau wie bei den Filmen: Mitte nächsten Jahres geht der Rummel wieder los, wenn es zum sechsten Mal heißt: „Es war einmal in ferner Zukunft in einer weit entfernten Galaxis …“

|Umfang: 65 Minuten auf 1 CD|

Deaver, Jeffery – Gesicht des Drachen, Das

Jeffery Deaver gilt nicht umsonst als einer der herausragenden Thriller-Autoren unserer Zeit, schließlich gelang es ihm mit |“Der Knochenjäger“|, einen absoluten Hit zu landen, der auch recht erfolgreich im Zuge der Serial-Killer-Welle mit Denzel Washington und Angelina Jolie in den Hauptrollen als Ermittler-Team Rhyme/Sachs verfilmt wurde. Thomas Harris und seine Figuren-Evergreens Clarice Starling und Hannibal „The Canibal“ Lecter hatten urplötzlich auf dem Sektor des intelligenten Thrillers Konkurrenz bekommen. Dennoch setzt er seine beiden besten und bekanntesten Zugpferde nicht in allen seinen Romanen ein, seine Themengebiete sind breit gefächert; so hat er mit „Lautloses Duell“ zum Beispiel auch einen packenden und authentischen Roman aus der Hacker-Szene auf der Pfanne.

|“The Stone Monkey“| jedoch (was im Deutschen vollkommen unverständlicherweise zu „Das Gesicht des Drachen“ vermurkst wurde, wenngleich der Originaltitel – wie so oft – viel passender gewesen wäre) ist wieder einmal seinem Dreamteam gewidmet und somit der vierte Roman, bei dem sich das dynamisch-forensische Duo aus New York auf seine unvergleichliche Art gemeinsam auf Verbrechersuche begibt. Diesmal bewegt Deaver sich aber ein wenig weg von dem typischen Bild des (westlichen) Serienkillers und macht die Menschenjagd auf illegale Einwanderer aus China zum Gegenstand seiner Geschichte. Als geneigter Leser des Erstlings |“The Bone Collector“| war ich natürlich besonders gespannt …

_Ghost(’s)ship – Zur Story_

Eigentlich heißt er Kwan Ang, doch wird er nur „Gui – Der Geist“ genannt – seines Zeichens chinesischer Menschenschmuggler, berüchtigter Profi-Killer, skrupelloser Psychopath … Niemand hat wirklich je sein Gesicht gesehen und wer es sah, der lebte meist nie lange genug, um davon jemandem zu berichten. Sein persönliches Motto: „Nianxi“ („Geduld – Alles zu seiner Zeit“), sein Auftrag: Eine Ladung illegaler Dissidenten und sich selbst aus China per Schiff in die USA zu schleusen, mit ihm unterwegs: Sein „Bangshou“ (Handlanger / Assistent). Doch das Schiff – die „Fuzhou Dragon“ – wird bereits von FBI und INS (der US-Einwanderungsbehörde) vor New York erwartet; nicht zuletzt dank der akribischen Mitarbeit des querschnittsgelähmten, forensischen Ermittler-Genies Lincoln Rhyme bekommen die Behörden Wind von dem Transport und seinem hochrangigsten Passagier.

Der Geist ist für die INS weiß Buddha kein Unbekannter und ein dicker Fisch, den man gerne dingfest machen möchte. Als sich das Patrouillenboot der Küstenwache dem verdächtigen Frachter nähert, zeigt der Geist, wie wenig ihm Menschenleben wert sind: Kurzerhand lässt er eine vorbereitete Ladung hochgehen und schickt das Schiff in Küstennähe eiskalt auf Grund. Natürlich trägt er Sorge dafür, als einziger mit heiler Haut davonzukommen – Einigen Flüchtlingen gelingt es unerwartet aber dennoch, der Todesfalle des absaufenden Potts zu entfliehen und sich per Schlauchboot zu retten. Der Geist setzt zu einer brutalen Verfolgungsjagd zu Wasser und zu Lande an …

Trotz seiner Bemühungen alle Opfer wenn schon nicht auf dem Meer selbst, dann zumindest am Ufer auszuschalten, schlüpfen ihm zwei ganze Familien durch die Finger, die sich an Land mittels eines gestohlenen Vans mit knapper Not Richtung New York absetzen können, zudem wird der Killer von seinem herbestellten Kontaktmann in den USA am Strand verladen und schmählich im Stich gelassen. Während die beiden Familien allein in diesem fremden Land einen sicheren Unterschlupf finden müssen, hat der Geist das Problem, sich vor den schon herannahenden Polizisten (allen voran Rhymes „Assistentin“ Amelia Sachs) auch erstmal in Sicherheit zu bringen, bevor er seine dreckige Arbeit – die verbleibenden Überlebenden zu eliminieren – zu Ende führen kann.

Bei ihrer Untersuchung des Tatortes stellt Sachs fest, dass es mindestens noch einen lebenden Flüchtling des Massakers gibt: Der chinesische Doktor und Dissident John Sung treibt lediglich angeschossen im Meer. Bei seiner Rettung übersieht sie jedoch einen weiteren Chinesen, der ebenfalls ohne Schrammen (und unbemerkt) davongekommen ist und zunächst eine höchst undurchsichtige Rolle in diesem neuen Fall für das Ermittlerteam um Rhyme/Sachs spielt. Doch wer ist der geheimnisvolle Sonny Li, der sich kurz darauf bewaffnet in das Haus Rhymes schleicht, wirklich? Wird es den Ermittlern gelingen, den Wettlauf gegen den Geist zu gewinnen, der auf der Suche nach den entflohenen und untergetauchten Familien Wu und Chang mit Leichen seinen Weg pflastert? Ihr aktueller Fall ist knifflig und gefährlich zugleich, denn Kwan Ang unterliegt einer ganz anderen Mentalität, die weder Gnade noch Reue kennt, was ihn schwer einzuschätzen (und noch schwerer zu fassen) macht …

_Das forensische Duo – Die beiden Hauptfiguren_

|Lincoln „Linc“ Rhyme| – Kriminalistisches Genie, der eine ganze Reihe Lehrbücher zur Forensik schrieb, bevor er bei der Tatortuntersuchung eines Mordfalles von einem herabfallenden Deckenbalken getroffen wurde. Die Ärzte konnten sein Leben zwar retten, doch ist Rhyme seither vom Hals abwärts gelähmt und kann nur noch den Kopf, die Schultern und einen Finger bewegen. Lange Zeit wollte sich Lincoln sogar das Leben nehmen und hatte auch schon einen Euthanasie-Arzt aufgetrieben. Er residiert in einem schmucken Stadthaus am Central Park West inmitten seiner hochtechnischen Apparaturen und Computer.

Diese erlauben ihm ein halbwegs bequemes (aber arbeitsreiches) Dasein, denn Rhyme wird gerne von den Behörden bei kniffligen Fällen hinzugezogen und dient als „Berater“. Aus dem aktiven Dienst als Cop ist er wegen seines schweren Handicaps natürlich ausgeschieden, dennoch hat sein berufenes (oft mürrisches) Wort auch an höchsten Stellen Gewicht. Entgegen der filmischen Darstellung Rhymes als Schwarzer in „The Bone Collector“ durch Denzel Washington, ist das Romanvorbild ein dunkelhaariger, etwa 40-jähriger Weißer.

|Amelia Sachs| – Sie kommt eher durch Zufall in das |Crime Scene Investigation|-Team, als sie die erste Leiche beim Knochenjäger-Fall findet. Da war sie noch ein Straßen-Cop und stand kurz davor, wegen ihrer schweren Arthritis freiwillig zur Abteilung Jugendkriminalität überzuwechseln. Rhyme erkannte jedoch ihr Talent für die Spurensicherung und Forensik und hat die zunächst recht widerspenstige Amelia in seine „Dienste“ geholt. Auch privat sind die beiden nach dem Fall ein Paar geworden, wobei die deutschstämmige und rothaarige Amelia (beim „Bone Collector“ durch Angelina Jolie verkörpert) nicht nur die rechte, sondern auch die linke Hand Rhymes am Tatort darstellt und mehr als ersetzt.

Aus verständlichen Gründen kann er mit seinem Rollstuhl nur selten sein Haus und die Obhut seines gestrengen Pflegers Thom verlassen. Amelias Gespür für Tatorte und Spuren ist ihr quasi angeboren, sie schreckt jedoch auch nicht vor handfesten Auseinandersetzungen / Ermittlungen zurück, dafür ist sie immer noch zu sehr Cop – ein Erbe ihres Vaters (auch ein „Plattfuß“ sprich Straßenpolizist), der im Dienst erschossen wurde und dem sie nacheifert. Legendär sind ihre rasanten Fahr- und Schießkünste und Vorliebe für ihren getunten Camaro nebst ihrer Dienstwaffe, einer schweren „Glock“.

_Einmal Chop-Suey bitte! – Die Kritik_

Es ist ein typischer „Deaver“ und ein noch typischerer Rhyme/Sachs-Roman obendrein, doch eins muss man dem guten Jeffery mal wieder zu Gute halten und zugestehen: Er bereitet sich stets exzellent auf das verwendete Thema vor. Das ist bei dieser Problematik, sprich der ausführlichen Auseinandersetzung mit der asiatischen Mentalität, speziell dem traditionellen Taoismus und Konfuziusismus, sehr gelungen. Die handelnden Personen und ihre Motive sind überaus glaubhaft und die unterschiedlichen Vorgehensweisen der westlich-rationalen Ermittlungsmethoden mit den fernöstlichen (mehr intuitiven) Sichtweise, sorgen für frischen Wind. Eine gute Portion Feng Shui und chinesische Ying-Yang-Lehre darf logischerweise nicht fehlen, doch flicht Deaver das geschickt mit ein und erschlägt seine Leserschaft nicht mit schwülstigen Weisheiten von Konfuzius oder Lao-Tse. Vielmehr nimmt man den betreffenden Figuren ab, dass sie tatsächlich danach leben.

Dazu passt auch, dass auch immer wieder Begriffe in Chinesisch wie selbstverständlich eingebaut wurden, durch die ständige Wiederholung mancher dieser Ausdrücke bekommt man ein gutes Feeling für den Plot und seine Stimmung. Das Flair der Story geht also vollkommen in Ordnung, auch die Action stimmt – Deaver verzichtet dabei aber weitgehend auf die Schilderung exzessiv-blutiger Gewalt und arbeitet lieber mit subtileren Methoden, um bei seiner Leserschaft Beklemmung und Spannung auszulösen, indem er Dinge unausgesprochen lässt und stattdessen einen eleganten Szenenwechsel einleitet. Ein alter und erprobter Trick, seine Leserschaft bei der Stange zu halten, aber dennoch sehr wirksam …

Die Geschichte krankt aber in meinen Augen durchaus daran, dass der Täter von vorneherein quasi feststeht, das mag ich meist nicht so gern, trotzdem ist der Thriller intelligent und logisch aufgezogen, wie vom Autor gewohnt – Lücken gibt es keine. Doch irgendwie beschleicht mich ein wenig Déjà-vu gepaart mit einer ziemlichen Vorhersehbarkeit des Plots. Deaver gibt sich zwar redlich Mühe, einige Wendungen herbeizuführen, allerdings kommt mir das zum Teil recht erzwungen vor. Klar passen diese eingestreuten Nebenhandlungen und Wendungen in die Story, wenn ich auch hier und da sagen würde, dass er unter einer Art Originalitätsdruck gestanden haben muss. Sequels sind halt immer eine kribbelige Sache. Die Hauptfiguren sind nun mal ziemlich feststehende Größen, da kann man beim immerhin vierten Roman mit Rhyme/Sachs schlecht großartig noch weitere, unbekannte Aspekte aus dem Ärmel schütteln, denn die Hauptfiguren sind schon hinreichend ausgeleuchtet. Unnötig zu erwähnen, dass der Rest des „Casts“ recht farblos und austauschbar bleibt …

Da konstruiert Deaver auf Nummer Sicher eben eine „riskante“ Operation, der sich Rhyme unterziehen will und Amelias bislang vergeblicher Kinderwunsch, ihre Arthritis und ihre Klaustrophobie werden auch einmal aufs Neue einbezogen und als Aufhänger verwendet. Glaubhaft: ja, originell: nein. Zu allem Überfluss lässt Deaver Amelia nämlich auch noch im Wrack des Schiffes tauchen und nach Spuren suchen. Nun gut, das kann man natürlich machen, war aber irgendwie abzusehen. Ich fand dagegen den sympathischen, chinesischen Counterpart zu Rhyme – den chinesischen Cop Sonny Li – mit seinen unorthodoxen Methoden schon wesentlich gelungener, die Figur hat etwas, ganz im Gegensatz zu den üblichen Reibereien und dem zu erwartenden Hick-Hack zwischen dem Ermittlerteam und den zuständigen Departments. Das kennt man bereits hinlänglich und reißt dadurch nicht gerade vom Hocker.

_Ente (süß-sauer) gut … alles gut? – Das Fazit_

Alles in allem eine durchaus spannende und gute Lektüre, die Leseratten innerhalb von guten sechs bis acht Stunden durchackern können. Wäre da nicht die Vorhersehbarkeit, könnte ich dem doch immerhin intelligenten – wenn auch wenig originellen – Thriller sogar eine Maximalbewertung verpassen, die gezeichneten Figuren sind prima, auch die chinesische Mentalität ist exzellent getroffen, ebenso die unterschwellig kritischen Töne an der Einwanderungspolitik bzw. der Menschenverachtung der INS, wenn es um „Illegale“ geht. Doch erinnert mich das Ganze unweigerlich an |“Lethal Weapon 4″| (mit Mel Gibson & Danny Glover), wo man eigentlich nur die Figuren austauschen muss (eben nicht Riggs & Murtaugh, sondern Rhyme & Sachs) und ein klitzekleines bisschen an der Story schütteln, die Parallelen sind unbestreit- und übersehbar.

Zack! Schon hat man fast das Gleiche in Grün mit etwas anderen Protagonisten, leicht abgewandeltem Plot, gleichwohl mit mehr Thriller-Elementen und weniger Ballerei – selbst der eiskalte Bösewicht aus |“Lethal Weapon 4″| (dort genialst dargestellt von Jet Li) ähnelt der Figur des „Geist“ Kwan Ang in Deavers Werk in vielerlei Hinsicht, sodass ich vermute, dass diese Rolle hier mehr als nur Pate gestanden hat. Trotzdem ein lesenswertes und kurzweiliges Buch. Wenn auch kein Gassenhauer, so doch wenigstens leicht verdauliche und unterhaltsame Thriller-Kost, die solide verfasst wurde und den Erwartungen von Deaver-Fans sicher gerecht wird. Mir ist es stellenweise schlicht zu seicht und durchsichtig.

Wilson, Colin – Tanz der Teufel – Scharlatane, Gurus, Sektenführer

„Tanz der Teufel“ ist auf den ersten Blick ein reißerisch aufgemachtes Werk mit Vorzeige-Bösewicht Aleister Crowley auf dem Titelbild. Ärgerlich, dass ein früher esoterisch so niveauvoller Verlag wie |Diederichs|, der mit seiner |Gelben Reihe| für hohe Qualität stand, nach seinem Verkauf mit Titeln wie „Dracula“ und „Frankenstein“ und eben vorliegendem „Tanz der Teufel“ – Untertitel „Wie die Gurus Seelen fangen“ – nach einer Geld bringenden breiten Masse schielt. In einer Reihe stehen da Leute wie David Korresh, Jim Jones, Charles Manson, Aleister Crowley zusammen mit Persönlichkeiten wie Rudolf Steiner, Sigmund Freud und einigen anderen, welche normalerweise nicht in der Öffentlichkeit als Sektenführer gelten.

Der Autor Colin Wilson ist seit seinem bahnbrechenden Werk „Das Okkulte“ Bestseller-Autor. Ihm gelingt es, zwischen den Zeilen zu schreiben. Er steht damit in der Tradition einer Geheimnisse verbergenden Symbolsprache, wie es der „eher eingeweihte“ Leser auch von gnostischen, alchemistischen und tantrischen Texten her kennt. Ohne wirklich zu werten, untersucht er die Geschichte der Messiasgestalten – zu denen er alle großen Führer von einflussreichen Bewegungen zählt – und findet heraus, dass im Grunde überall sexuelle Energie und entsprechendes Charisma die wesentliche Rolle spielen.

Das war schon bei Jesus Christus nicht anders und interessanterweise kommt bei all diesen Glaubenssystemen auch die Vorstellung eines baldigen apokalyptischen Weltendes hinzu. Irgendwie erinnern diese Konzepte an den befreienden Orgasmus – oft auch der „kleine Tod“ genannt – da seine Erfahrung mit Auflösung der stofflichen Welt einhergeht. Seit den späteren gnostischen Bewegungen steht in allen im Buch beschriebenen Fällen die sexuelle Energie, der damit verbundene orgiastische Augenblick überwältigender Freude und Erleuchtung, im Mittelpunkt der jeweiligen Lehren. Für Colin Wilson wird deutlich, dass alle bedeutenden Führer dies erkannten und es offensichtlich ist, dass sie ihre Kenntnisse der Bedeutung des Einsatzes von Sexualmagie irgendwann auch in die Praxis umsetzen.

Die „Verführung“, durch das mächtigste Werkzeug, das zur Verfügung steht, die Welt verändern zu können, ist deswegen nicht mehr verwunderlich und es wird deutlich, aus welchen tieferen Beweggründen es immer wieder zu den so genannten Skandalen kommt. Zum einen ist die Verantwortung, in welcher sich solche Führer sehen, zu groß, als dass sie dieses Mittel nicht auch einsetzten, zum anderen ist die göttliche Erfahrung auch zu umfassend, als dass sie Sexualität noch personal auf einzelne Beziehungen beschränken könnten. Es kann keine Trennung der uranfänglichen Schöpfungsenergie – dem Verschmelzen von Gott-Göttin, der weiblich-männlichen Kraft, der Polaritäten dieser Welt – in egoistischer Personenprojektion mehr stattfinden. Alle Vernunft spielt dann, wie bei den gewöhnlichen menschlichen Beziehungen ja nicht anders, keine Rolle mehr.

Sexualität ist immer auch Religion. Sexualität ist immer ein Transformationssystem, die mächtigste Methode zur Verwandlung der Realität überhaupt. Wilson zeigt auf, dass dies auch nicht als Selbsttäuschung abgetan werden kann, sondern dass die derart sexuell aufgeputschten Anhänger mitsamt ihren Messias-Führern tatsächlich in ihrer Wahrnehmung in einem viel höheren Feld sind als die restlichen Durchschnittsmenschen und aufgrund des erfahrenen Wissens schamlos promiskuitiv sein müssen. Aus ihrer Warte heraus begehen sie dabei Rituale in ähnlicher Bedeutung wie das Sakrament der heiligen Kommunion. Die offiziellen Erklärungen, dass es bei den vielen Sexskandalen – die mit vielen historischen Beispielen aufgezeigt sind – um fehlgeleitetes Ausleben von Sexualtrieben ginge, vereinfachen zu sehr den wirklichen Sachverhalt. Evolution ist ohne Sex nicht möglich und deswegen experimentieren Menschen auf einer hohen Entwicklungsstufe auch damit, denn sie wollen verborgene Kräfte entdecken und freisetzen. Das geht nicht immer gut, was die ganzen Beispiele auch zeigen.

Sich die Guru- und Messiasgeschichten unter diesem Gesichtspunkt einmal neu anzusehen, ist spannend, aufschlussreich und macht das Buch von Wilson äußerst lesenswert.

http://de.wikipedia.org/wiki/Colin__Wilson
http://de.wikipedia.org/wiki/Sexualmagie
http://de.wikipedia.org/wiki/Sekte
http://de.wikipedia.org/wiki/Guru

William Shatner (mit Judith u. Garfield Reeves-Stevens) – Sternennacht (Star Trek)

Das geschieht:

Das Romulanische Reich ist in Aufruhr, seit der Klon Shinzon die gesamte Regierungsmannschaft umgebracht und die Macht an sich gerissen hatte. Der Usurpator konnte gestoppt werden, aber eine verhängnisvolle Lawine war in Gang gekommen: Romulus, der Zentralplanet des Reiches, besitzt einen bisher geheimen Nachbarn – Remus, einen unwirtlichen, düsteren Minenplaneten, auf dem die Remaner, das Brudervolk der Romulaner, Sklavenarbeit leisten müssen. Unter Shinzon begehrten die Unterdrückten auf. Auch nach dem Tod ihres Anführers fordern sie ihr Recht auf Mitsprache und dürsten nach Vergeltung. Auf Romulus und Remus liefern sich Separatisten, religiöse Eiferer, fanatische Neuerer und verbissene Wahrer alter Traditionen offene und heimliche Kämpfe.

In dieser Situation trifft Botschafter Spock auf Romulus ein. Der berühmte Diplomat träumt von einer Wiedervereinigung von Romulanern und Vulkaniern, Bei einem sorgfältig inszenierten Attentat ‚stirbt‘ er vor den Augen seines romulanischen Publikums, um so als Märtyrer seine Sache populär zu machen. William Shatner (mit Judith u. Garfield Reeves-Stevens) – Sternennacht (Star Trek) weiterlesen

Siegel, James – Entgleist

Ein braver Werbefachmann und Familienvater gerät durch die Verlockungen des Sexus auf moralische Abwege. Womit er nicht gerechnet hat: Er wird wohl für den Rest seines Lebens erpresst. Wenn er nicht schnellstens einen Ausweg findet, hat er die Zukunft seiner kranken Tochter verspielt. Ein Albtraum nimmt seinen Anfang.

|Der Autor|

James Siegel studierte an der Uni von New York, bevor er eine Karriere als Werbefachmann einschlug, dessen Kampagnen mehrfach ausgezeichnet wurden. Sein Debütroman „Epitaph“ erhielt 2001 den ersten Preis als bester Kriminalroman, eine Auszeichnung der „Private Eye Writers of America“. Der Autor lebt auf Long Island vor der Stadt New York. (Verlagsinfo)

Inzwischen wurde „Entgleist“ fortgesetzt. Siegels neuester Thriller trägt den Titel „Detour“ (= Umweg).

|Der Sprecher|

Jürgen Kluckert hat an der Schauspielschule „Ernst Busch“ studiert und Rollen im „Tatort“, bei „SOKO“ und „Liebling Kreuzberg“ gespielt. Auch am Theater und als Synchronstimme von u. a. Morgan Freeman, Nick Nolte, Robbie Coltrane und Chuck Norris wurde er bekannt.

_Handlung_

Jeden Morgen nimmt der Werbefachmann Charles Schine den Zug um 8 Uhr 43, der ihn von Long Island nach New York City bringt, wo Charles in einer Werbeagentur arbeitet. Als verheirateter Mann mit einer zuckerkranken Tochter, Anna, tendiert er dazu, lieber kein Risiko einzugehen. Das geht so lange gut, bis er einmal einen Zug später fahren muss. Er ist so in Eile, dass er nicht einmal einen Fahrschein gelöst hat. Das Geld dafür muss er sich von einer netten Passagierin leihen: ganze neun Dollar. Sie heißt Lucinda, hat auffallend schöne Beine und noch viel schönere Augen. Klar, dass er sie wiedersehen will.

Doch sie sei verheiratet, sagt sie, und könne ihn nur zu bestimmten Zeiten treffen. Da sie auch in der Stadt arbeitet, trifft sie Charles zum Mittagessen, dann einmal zum Abendessen, schließlich wird aus dem harmlosen Flirt eine heiße Affäre. Charles braucht den Aufwind, den ihm Lucinda verschafft, denn mit seiner eigenen Karriere steht es nicht zum Besten.

Sie fahren zusammen zu einem schäbigen Hotel in einem gefährlichen Viertel, wo kaum Weiße zu sehen sind, schon gar nicht so wohlhabende wie dieses Pärchen. Lucinda wählt das Hotel, und Charles lässt sie bestimmen. Nach einem leidenschaftlichen Schäferstündchen folgt das böse Erwachen. Auf der Treppe vor dem Zimmer lauert ihnen ein Kerl auf, der Charles mit einem Revolver niederschlägt. Während Charles um sein Bewusstsein ringt, vergewaltigt der brutale Kerl Lucinda mehrmals. Erst nachdem er ihre Brieftaschen geraubt hat, verschwindet er. Beschämt trennen sich Lucinda und Charles voneinander.

Doch damit endet der Alptraum keineswegs. Er beginnt erst. Denn der Räuber, der sich Raul Vasquez nennt, ruft in Charles‘ Haus an. Dessen Frau Deanna ahnt nichts Böses und reicht den Anruf an Charles weiter: Vasquez verlangt zehntausend Dollar für sein Schweigen. Charles ist leicht erpressbar, denn er hat Deanna nichts von dem traumatischen Zwischenfall erzählt. Sie hat mit der zuckerkranken Tochter bereits genug Sorgen am Hals, denkt Charles. Und natürlich darf auch Lucinda nichts zustoßen, die er schmählich im Stich gelassen.

Er übergibt Vasquez die 10.000 Dollar in einem schäbigen New Yorker Viertel, doch ein paar Wochen später verlangt Vasquez die zehnfache Summe. Dafür muss Charles den Fonds, den er für seine Tochter angelegt hat, angreifen. Doch er bemerkt Anzeichen, dass Vasquez in der Nähe seines eigenen Hauses war. Und so willigt er ein, auch diese Summe zu zahlen. In der Firma lässt er sich auf krumme Geschäfte ein, um den Verlust auszugleichen.

Ihm wird endlich klar, dass Vasquez nie aufhören wird, ihn zu erpressen. Und deshalb wendet er sich an Winston Boyko, der in seiner Firma die Post austrägt. Winston ist ebenfalls Baseballfan und Charles‘ einziger Kumpel. Da er schon mal im Gefängnis war, kennt er sich aus. Doch er will ganz genau wissen, worum es Charles geht. Der muss erkennen, dass er Vasquez nur durch dessen Tod los wird.

Diese explizite Anstiftung zum Mord wird Charles später noch große Probleme bereiten. Denn von nun an geht alles schief, was nur schief gehen kann. Jedenfalls bis zu dem Tag, an dem Charles erkennt, dass Lucinda gelogen hat, als sie sagte, sie habe selbst eine kleine Tochter …

_Mein Eindruck_

Diese Story ist so abgedroschen, dass sich der Autor etwas Neues einfallen lassen musste. Dies findet in einer Art Rahmenhandlung statt. Charles Schine ist mittlerweile Creative-Writing-Lehrer in einer Haftanstalt. Was hat er hier zu suchen, fragt man sich vielleicht. Allerdings kennt man Charles zu diesem Zeitpunkt noch nicht, denn diese Rahmenhandlung bildet den Beginn der Geschichte. Also wundert sich der Hörer noch nicht, was das soll.

In Charles‘ Schreibklasse sitzen natürlich Knastbrüder, klar. Sie geben ihre Arbeiten anonym ab. Doch einer von ihnen gibt nach und nach eine Geschichte ab, die der Lebensgeschichte von Charles seit jenem fatalen Tag, als er Lucinda kennen lernte, aufs Haar genau ähnelt! Woher weiß der anonyme Mann das?

Nach einer Weile zieht es Charles vor, seine Geschichte selbst zu erzählen. Diese Binnenhandlung macht den Löwenanteil des Romans aus. Dann taucht Charles hier im Knast auf, in seiner Schreibklasse. Die Rahmenhandlung wird zur alleinigen Haupthandlung. Endlich wird auch der Zweck der Schreibklasse klar: Hier sucht Charles seinen Erpresser und Peiniger … Mehr darf nicht verraten werden, aber aus der Inhaltsangabe kann man sich ausrechnen, wie es weitergeht.

Der Autor hat also doch noch einen Kniff gefunden, seiner uralten, ausgelutschten Story vom gefallenen Biedermann einen spannenden Dreh zu verpassen, der dem Rest des Buches eine gewisse Spannung verleiht. Was jedoch inhaltlich etwas verblüfft, sind die erheblichen Unterschiede in der Erscheinung des Charles Schine. Der Lehrer im Knast ist ein abgebrühter Typ, der genauso gut selbst Jahre abgesessen haben könnte. Dem ist einiges zuzutrauen. Der Familienvater Schine hingegen, der in der Binnenhandlung über die Fallstricke der Moral stolpert und erpressbar wird, ist ein ganz anderer Mensch: ein Trottel von Biedermann.

Wenn aber beide Schines identisch miteinander sind, so muss eine erhebliche Entwicklung stattgefunden haben. Nun erhebt sich natürlich die spannende Frage, wie es zu dieser Entwicklung kommen konnte – und wozu der „neue“, aktuelle Charles Schine fähig ist, wenn er gefunden hat, was er im Knast sucht. Man wartet einigermaßen neugierig auf die Beantwortung dieser zwei Fragen – und wird auch vom Autor keineswegs enttäuscht. Diese Erzähltechnik allein hebt den Roman aus der Masse amerikanischer 08/15-Thriller heraus.

|Hörerlebnis|

Während mir das Lesen des Buches zunehmend durch verschiedene Umstände verleidet wurde, konnte ich mich für das Hörbuch immer mehr erwärmen. Hier fehlen die weinerlichen Blicke auf die ach so kranke Tochter Anna und die ach so vertrauensselige und furchtbar verletztliche Gattin Deanna – ein vermeintliches Idyll, das der ach so zartbesaitete und fürsorgliche Charles keinesfalls zerdeppern möchte. Lucinda ist nicht mehr die strahlende Verlockung, sondern ein verführerisches Weib, und Raul Vasquez ist nicht mehr der Teufel an der Wand, sondern einfach nur ein normal-skrupelloser Krimineller.

All diesen Mumpitz hat der kluge Bearbeiter dem Hörspiel ausgetrieben. Die Handlung rast schnurstracks wie ein D-Zug auf die Katastrophen zu, die sich in Charles‘ Leben ereignen müssen, damit die oben genannten zwei Identitäten ein Kontinuum bilden. Dennoch gilt es einige Peinlichkeiten zu überstehen, die nicht gestrichen wurden. So etwa stellt Charles eines Nachts fest, dass jemand – Vasquez? – an den Baum gepinkelt hat, der die Grenze des Grundstücks der Schines markiert. So als sei Vasquez ein Hund, der sein Territorium markiert, indem er Bäume anpisst.

Apropos Hunde: Als Charles eine Leiche auf einem Müllplatz entsorgen will, wird er von einem räudigen Köter bedrängt, der den blutigen Körper, der da in sein Revier gebracht wird, für sich beansprucht und großzügigen Futterlieferanten die Zähne zeigt. Charles bevorzugt das klügere Ende der Tapferkeit und nimmt Reißaus. Er hat zu diesem Zeitpunkt offensichtlich Angst vor wehrhaften Wadenbeißern.

(Achtung: SPOILER!)

Später kehrt er an den Tatort zurück, an dem sein Albtraum begann: das Hotelzimmer, das erst zum Liebesnest und dann zum Schausplatz seiner schlimmsten Erniedrigung wurde. Durch einen abstrusen Zufall fliegt genau im entscheidenden Augenblick das Hotel in die Luft. Es sind genau solche „plot-twists“, an denen sich die Geister scheiden: Die einen finden sowas geil, weil völlig unvorhergesehen. Die anderen finden sowas dämlich, weil es dafür überhaupt keine plausible Erklärung gibt, die ihre Vernunft ansprechen würde. Ich gehöre zu Letzteren. Allerdings liefert diese Wendung dem Autor einen Vorwand, noch weitere hundert Seiten zu schreiben. War es das wert? Vielleicht, da bin ich mir nicht sicher. Aber es hätten sich eine Menge Schlüsse angeboten, die weniger spannend gewesen wären.

|Der Sprecher|

Jürgen Kluckert, die deutsche Stimme von Morgan Freeman, verfügt über ein ähnlich sonores Sprechorgan wie Frank Glaubrecht (Al Pacino) und Joachim Kerzel (Jack Nicholson u. v. a.). Deshalb fällt es ihm keineswegs schwer, der mitunter doch recht absurden Story die nötige Autorität mit auf den Weg zu geben, so dass der Hörer einigermaßen leicht seinen natürlichen Unglauben aufgibt und sich auf die Lebensgeschichte des Charles Schine einlässt. Ich konnte keine Aussprachefehler feststellen. Die Story wurde erheblich gestrafft, ganze Szenen fielen dem Rotstift zum Opfer – gut so, sage ich (s. o.). Druckfehler wie im Buch gab es glücklicherweise auch keine. 😉

_Unterm Strich_

Im Vergleich zum Buch „Entgleist“, das ich angefangen hatte, bevor ich aufs Hörbuch umstieg, hat mir die Audiofassung ausgezeichnet gefallen. Lässt man die genannten Absurditäten mal so gelten, so ergibt sich doch ein auf ungewöhnliche Weise erzählter Thriller, der über die Masse der amerikanischen 08/15-Thriller hinausragt. Das Thema besteht nun nicht mehr darin, wie Otto Normal seine Familie vor dem Bösen schützt, sondern wie sich Otto Normal verändern muss, um in der Lage zu sein, das Böse zur Strecke zu bringen. Und das ist ein anderes, weitaus spannenderes Spiel. Über die Moral von der Geschicht‘ sollte sich jeder selbst seine Gedanken machen. Im Augenblick ist die Versuchung groß, alles auf die aktuelle politische Lage der USA und den Irak zu übertragen.

Der Sprecher bringt seine stimmliche Kompetenz, sprachliche Wendigkeit und seine Autorität ein, um der Story des Thrillers die nötige Glaubwürdigkeit und Spannung zu verleihen. Dies ist durchaus gelungen. Kritikpunkte lassen sich lediglich in inhaltlicher Hinsicht finden, und das zur Genüge.

|Umfang: 314 Minuten auf 4 CDs|

Weigoni, Andrascz Jaromir – Zur Sprache bringen …

Die Integration von Mesnchen mit Behinderung in die ’normale‘ Gesellschaft ist ein Prozess, der schon seit Jahren schleppend vorangeht, aber von vielen leider nicht wahrgenommen wird bzw. nicht die verdiente Aufmerksamkeit, welche diese Menschen verdient haben, bekommt. Sicherlich steckt hinter dieser Aussage eine recht negative Wertung, die ich mir an dieser Stelle aufgrund des direkten Bezuges – ich selber arbeite hauptberuflich mit körperlich und geistig behinderten Menschen zusammen – auch sicher erlauben darf.

Aus diesem Blickwinkel heraus finde ich es natürlich äußerst lobenswert, wenn man mit allen Mitteln versucht, an diesem gesellschaftlichen Missstand etwas zu ändern und den Menschen mit Behinderung ebenfalls ein Forum gibt, um ihre Gedanken nach außen zu tragen, oder generell in die Öffentlichkeit zu gelangen. Ein solches Projekt hat auch A. J. Weigoni, seines Zeichens Literaturpädagoge am Benninghof (eine sehr groß angelegte Einrichtung für Menschen mit Behinderung in Mettmann, Teil der Mönchengladbacher Stiftung Hephata), unter dem Titel „Zur Sprache bringen …“ gestartet, bei dem er eben diesen Menschen eine knappe Stunde lang ein Forum gegeben hat, damit diese ihre Gedanken, Anliegen, Wünsche, Hoffnungen, und eben all jene Dinge, welche sie im alltäglichen Leben mit sich herumtragen, äußern. Zum besseren Verständnis möchte ich daher erst einmal das Begleitschreiben dieses Hörbuches zitieren, damit die Intention von Herrn Weigoni etwas deutlicher wird:

|»Diese Collage ist ein Platz für Geschichten ausserhalb normierter Sprachregularien, ein Oszillieren zwischen Eigenart und Eigensinn. Man muss diese Menschen lieben, um in das eigentümliche Wesen jedes Einzelnen einzudringen, es darf einem keiner zu gering, keiner zu hässlich sein, erst dann kann man sie verstehen.

Es geht nicht darum, auf der Armseligkeit der Menschen rumzutrampeln und sich über sie lustig zu machen. Sondern darum, das wahre Leben abzubilden und zu zeigen, welche liebenswürdigen, tragikomischen Seiten das so genannte einfache Leben haben kann. Die Bewohner des Benninghofs sind interessant, weil sie anders sind als man selbst oder die Menschen, mit denen man zu tun hat. Und in ihrer Andersheit sind sie den „Normalen“ in manchem doch gleich. Das verbindet.

Die O-Ton-Collage mit Bewohnern des Benninghofs (Stiftung Hephata) zeigt einen Einblick in den Alltag behinderter Menschen. Diese „Menschen mit Möglichkeiten“ versuchen den schweren Dingen Leichtigkeit zu geben und die Wortfolge – Selbstbestimmung, Assistenz und Integration – mit Inhalt zu füllen, ohne dass der Zuhörer auf den Spass verzichten muss. Und dieser Spass geht nicht etwa auf Kosten der behinderten Menschen, sondern transportiert sich mit ihrer Hilfe.«|

Nun kommen wir zur Umsetzung, und diese finde ich persönlich äußerst erschreckend. Wird in meinem Infoschreiben noch betont, dass man tunlichst vermeiden möchte, dass die Zuhörer über die hier zur Sprache gebrachten Menschen mit Behinderung lachen, so bin ich mir sicher, dass genau dies im Endeffekt der Fall sein wird. Ich habe mir diese Hörspiel-CD vor einiger Zeit in einer größeren Gruppe angehört und konnte dabei beobachten, wie ständig über die einzelnen Kommentare der Bewohner des Benninghofs gelacht wurde. Auf die Frage hin, worüber man genau lache, konnte man sich zunächst nicht verständigen, doch wie sich später herausstellte, war es tatsächlich so, dass man nicht mit den Leuten, sondern über deren Eigenarten lachte.

Dem zugute kommt vor allem, dass die Aufnahmen hier sehr hektisch sind, und man anscheinend Wert darauf gelegt hat, dass besonders viele Stellen zum Lachen eingefügt wurden. Es kann auch kaum mal jemand zu Ende aussprechen, und gerade das sind Punkte, an denen man beim finalen Schnitt hätte arbeiten können.
Wie soll sich jemand, der mit der Materie nicht vertraut ist, ein realistisches Bild von einem behinderten Menschen machen, wenn dieser nur sehr einseitig und meines Erachtens lächerlich dargestellt wird? Wem ist damit geholfen, wenn bestehende Vorurteile durch eine solche Aufnahme nur noch bekräftigt werden und der individuelle Mensch mit Behinderung erst gar keine Chance bekommt, sich angemessen vorzustellen? Meiner Meinung nach bringt das wirklich niemandem etwas, außer dem Menschen, der versucht, über eine solche Veröffentlichung (auch wenn ich das jetzt nicht unterstellen möchte) Profit mit Hilfe dieser Personen- und leider immer noch Randgruppe zu machen. Im Gegenteil, die Menschen mit Behinderung werden hier in ein arg fragwürdiges Licht gerückt und schlussendlich für verdammt dumm verkauft. Musste das nun sein, Herr Weigoni?

Zweifelsohne zeigt „Zur Sprache bringen…“, womit sich solche Menschen beschäftigen, was ihnen durch den Kopf geht, und vor allem, welche Lebensinhalte ihnen wichtig sind, jedoch ist die Herangehensweise dermaßen schlecht, dass man sich nicht nur als persönlich Betroffener sondern auch als moralisch denkender Mensch wünscht, dieses Hörspiel wäre nie in Umlauf gebracht worden. Wenn ich der ganzen Sache schlussendlich überhaupt etwas Positives abgewinnen kann, dann sind es die musikalischen Beiträge der Menschen mit Behinderung. Ansonsten steigt in mir die Befürchtung, dass sich jeder, der mit diesem Hörspiel konfrontiert wird, in eventuellen Vorurteilen bekräftigt fühlt und im Endeffekt genau die entgegengesetzte Zielvorstellung der Integration behinderter Menschen in die Gesellschaft erreicht wird – und das ist für einen ausgebildeten Pädagogen wie A. J. Weigoni ein alles andere als gutes Arbeitszeugnis.

Die CD ist erhältlich über: info@tonstudio-an-der-ruhr.de.

Homepage: http://www.weigoni.de

Lucas, George – Star Wars – Krieg der Sterne, Episode V: Das Imperium schlägt zurück

Es war ja abzusehen, aber nun gibt es die erste Star-Wars-Trilogie auch im Hörspiel. Wer darauf skeptisch reagiert, sollte sich von der Qualität selbst überzeugen: Sie ist erstklassig. Mir hat die Episode 4 am besten gefallen. Wer seine Stereoanlage ordentlich aufdreht, bis die Wände wackeln, wird den Angriff auf den Todesstern erleben, als sitze er selbst in einem X-Wing-Jäger.

|Das Hörspiel|

Der technische Standard der Hörspiels ist vom Feinsten – wie es sich für eine Lucas-Produktion gehört. Der Ton erklingt in Stereo, und wer seine HiFi-Anlage ordentlich aufdreht und den Subwoofer zuschaltet, wird ein Klangerlebnis ernten, das dem der DVD-Version (in DD 5.1) kaum nachsteht. Leider kommt der Soundstandard der CD momentan nicht über DD 2.0 hinaus.

Regisseur des Hörspiels ist Oliver Döring, der Macher der erfolgreichen neuen „John Sinclair“-Hörspiele, die mit ihrem Sound zu beeindrucken wissen. Die Story ist auf das Nötigste, den roten Faden, zusammengekürzt. Doch Hörer, die das Buch nicht kennen, werden über so manchen Namen stolpern, der in den Filmen entweder nicht erklingt oder überhört wird. Es könnte aber auch an den Änderungen liegen, die Lucas in den DVD-Fassungen vornahm (siehe unten).

Ein ganz besonderes Schmankerl stellt das zwölfseitige Booklet dar. In Vierfarbdruck sind hier etliche Szenenfotos zu sehen. Davon sind einige laut Verlagsangabe sehr selten, so etwa von zwei C3POs, einem silbernen und einem goldenen. Sehr hübsch ist auch das Bild, in dem C3PO Han Solo auf die Schulter tippt, während (oder weil?) dieser gerade Leia Organa küssen will.

Star-Wars-Fans werden sogleich auch die Poster-Art wiedererkennen. Sie ist auch auf der Innenseite und Rückseite der Jewelbox zu finden. Das Motiv auf der CD selbst zeigt die Eiswelt Hoth. Diese Grafik-Elemente dürften auch den letzten Zweifler überzeugen, dass es sich um ein echtes, hundert Prozent originales Lucasfilm-Produkt, lizenziert von WortArt, handelt.

|Der Sprecher|

Joachim Kerzel, 1941 in Hindenburg/Oberschlesien geboren, erhielt seine Ausbildung an der Hochschule für Musik und Theater in Hannover. Als gefragter Synchronsprecher leiht er Jack Nicholson, Dustin Hoffman, Dennis Hopper und vielen anderen Stars seine sonore Stimme. Ganz besonders im Gedächtnis geblieben ist mir seine Beteiligung an der Hörbuchfassung von Stephens Kings „Das Mädchen“, die er zusammen mit Franziska Pigulla bestritt. Seine sonore Stimme macht aus jedem Gegenstand etwas Grandioses. Daher ist er häufig auch in der Werbung zu hören, so etwa zu den Medienprodukten um Peter Jacksons „Herr der Ringe“-Verfilmung.

_Handlung_

Zur Vorgeschichte siehe „Krieg der Sterne“, also [Episode 4.]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=686

Nach der erfolgreichen Vernichtung des „Todessterns“ haben sich die Rebellen auf dem Eisplaneten Hoth eingenistet. Imperiumssonden entdecken jedoch das Versteck, weil Luke eine dieser Sonden genauer untersuchen will. Dabei landet er beinahe zwischen den Kiefern eines Monsters, das als Vampa bezeichnet wird. Bemerkenswert ist dabei, dass er seine telekinetischen Kräfte als Jedi bereits ausgebildet hat. Han Solo rettet ihn vor dem Erfrieren in der Eiswüste.

Während die Untergebenen dem verstümmelt empfangenen Sondensignal wenig Bedeutung beimessen, springt Darth Vader sofort darauf an: Er befiehlt den Angriff auf Hoth. Um ihren zahlreichen langsamen Raumschiffen die Flucht zu ermöglichen, leisten die Rebellen Widerstand, allen voran Luke Skywalker. Luke kann dem Inferno ebenso entkommen wie Han und Leia, doch muss er einem telepathisch empfangenen Wunsch von Kenobi entsprechen: Er soll zum System Dagobah, um dort seine Ausbildung beim Jedi-Meister Yoda zu erhalten.

Unterdessen versteckt sich Han mit Leia und den Droiden nach einer wahnwitzigen Verfolgungsjagd in einem hohlen Asteroiden. Es handelt sich um den Bau eines gigantischen Wurms, aber darauf kommt Han erst nach ein paar „Experimenten“. Als Luke per Kenobi-Vision erfährt, dass seine Freunde in Gefahr sind, will er ihnen zu Hilfe eilen.

Han Solo rettet sich jedoch selbst vor den Zähnen des Raumwurms und fliegt zu einem Planeten, dessen Unabhängigkeit ihm mehr Sicherheit verspricht. Hier betreibt der Vorbesitzer seines klapprigen Raumschiffs, Lando Calrissian, einen Bergbauplaneten und kümmert sich weder um Rebellen noch um das Imperium.

Doch Lando steht unter Zwang Darth Vaders. Der Sith-Lord will Han Solo an den Kopfgeldjäger Boba Fett ausliefern und ist nur an Leia und Luke interessiert. Für den anfliegenden Luke hat er bereits eine Falle aufgestellt: Er hat Solo in Carbonit eingefroren. Will Luke seinen Freund lebend wiederhaben, muss er sich beeilen. Boba Fett will Solo an Jabba the Hutt verschachern, der seit Mos Eisley mit Solo eine Rechnung offen hat.

_Mein Eindruck_

Episode 5 wurde nicht von George Lucas gedreht, sondern von Irwin Kershner. Das Drehbuch stammt von der Schriftstellerin Leigh Brackett, einem erprobten Schlachtross der Science-Fiction und Fantasy (sie lieferte auch das Skript zu Bogarts Krimi „The Big Sleep“), sowie von Lawrence Kasdan. Gegenüber den Episoden 4 und 6 ist der |Film| geradezu hyperkompliziert. Nicht so das Hörspiel. Sicher: Der Handlungsstrang wird aufgespalten und wird zusammengeführt, einer der Gefährten muss (scheinbar) dran glauben, und der Held Luke erfährt von seiner wahren Herkunft (klassische westliche Helden wachsen immer elternlos auf und fallen dann aus allen Wolken).

Doch die Sache ist im Grunde ganz einfach: Der Höhepunkt des Geschehens ist nicht etwa Han Solo’s „Tod“ im Carbonit, Leias Gefangennahme oder Darth Vaders Triumph über den Unabhängigen Lando Calrissian. Nein, der Höhepunkt des Stücks ist Vaders Satz: „Ich bin dein Vater.“ (Als ob wir’s nicht schon geahnt hätten – bei |dem| Namen.)

Im Kontext der Trilogie erscheint nun die Episode 5 als ein Dreh- und Angelpunkt in der Entwicklung der Story. Der nächste Schritt besteht in der Enthüllung, dass Luke eine Schwester hat, die nicht einmal davon weiß. Plötzlich gibt es nicht nur einen letzten Jedi-Ritter (Luke), sondern zwei! Leider tritt hier dann das Inzest-Tabu in kraft: Nun wird klar, warum Luke nie Interesse an der feschen Prinzessin hatte (oder ob es wohl an ihrer Haartracht lag?). Er durfte sich wegen des Inzesttabus nicht in sie verlieben. Sonst hätten sie wohl miteinander Mutanten-Jedis gezeugt – nicht auszudenken!

Ähnliche Tabus gelten für Lukes Beziehung zu Darth Vader: Lukes Ersatzväter Kenobi und Yoda haben ihm beigebracht, er müsse Vader hassen, weil dieser „der dunklen Seite der Macht“ erlegen sei – was auch immer das heißen mag. Als er dann in Calrissians Wolkenstadt zum allerersten Mal Vader erblickt, weiß er, was er zu tun hat: den Schurken umbringen. Und dass Vader das ist, hat er durch das belegt, was er Lukes Freunden angetan hat. Die Wahrheit „Ich bin dein Vater“ führt zu dem symbolschweren Verlust der Schwerthand – diesmal bei Luke, beim nächsten Mal, in Episode 6, bei Vader selbst. Der Verlust der Schwerthand entspricht, psychologisch gesehen, einer Entmannung des Kriegers. Und für Vader bedeutet dieser Funktionsverlust das Ende. (Und angesichts so fähiger Drehbuchautoren wie Brackett und Kasdan sind solche Interpretationen durchaus nicht an den Haaren herbeigezogen.)

Das Hörspiel mag ja einfach zu verstehen sein, aber beim Anhören verstärkte sich bei mir der Eindruck, dass es definitv an Verschnaufpausen fehlt. Das Einzige, was man so bezeichnen könnte, ist Lukes Lehrzeit bei Yoda. Aber die muss auch sehr kurz gewesen sein, denn kaum sind seine Gefährten von Calrissian verraten worden, startet Luke schon zu ihrer Rettung. Kein Wunder, dass Yoda Lukes Ausbildung nicht für abgeschlossen hält. Diese Yoda-Episode ist im Film viel länger und vielschichtiger, denn Luke lernt wichtige Aspekte des Yedi-Rittertums kennen.

Im Hörspiel zu Episode 5 wird mehr Wert auf Action und Tempo gelegt. Der Eindruck von Hektik hat sich bei mir verstärkt. Allerdings wurde ich der Story dennoch nicht überdrüssig, denn die zwei bis drei Handlungsstränge wechseln sich ständig ab, und die zwei Roboter liefern nicht nur heitere Einlagen, sondern führen zudem – mit Calrissian – eine Wende der Ereignisse herbei.

Im Jahr 2004 ist die Doppel-Trilogie beinahe fertig: Nächstes Jahr kommt der – vorerst – letzte Film in unsere Kinos: Episode 3 (es geht um die mysteriösen Sith). Die DVD-Box der ersten Trilogie ist nun mit großem Erfolg in den Läden. Und sie ist der Ausgangspunkt der Hörspielfassung. Das bedeutet auch, wie der Kenner weiß, dass sämtliche Änderungen, die Lucas an den Originalen vornahm, auch in den Hörspielen zu finden sind. Und das sind eine ganze Menge.

|Der Sprecher / Das Hörspiel|

Der beeindruckende Stereo-Sound entspricht dem digital aufpolierten Sound, der in den Filmszenen auf den DVDs zu hören ist. Das bedeutet, wenn es hier kracht, dann rummst es auch wirklich. Das Gleiche gilt für die aufpolierte Musik von John Williams, die in ihrem Beitrag zur Dramatik dieser Sternenoper nicht zu unterschätzen ist. Sie steuert ganz direkt die Emotionen des Hörers.

Aber sie tut dies auch mit den bekannten Ohrwürmern. Dazu gehören sämtliche Erkennungsmelodien der einzelnen Figuren: Darth Vader, Luke, Han Solo – sobald sie auftreten, erklingt ihr Thema. Genau wie in Jacksons „Herr der Ringe“. Am besten gefielen mir die „romantischen“ Szenen zwischen Leia und Han Solo.

Es gibt für mich nur einen Wermutstropfen: Für die Produktion hat man die alten deutschen Sprecherstimmen übernommen. Das erscheint als Pluspunkt, doch leider hat man deren mindere Klangqualität nicht ebenfalls digital aufgebessert. Zuweilen klingen sie etwas scheppernd, und in Szenen mit zahlreichen Sprechrollen kommt es hin und wieder, wenn man ganz genau hinhört, zu Interferenzen und Verzerrungen. Dieser Effekt ist absolut minimal und selten, aber mit einem guten Ohr – und noch besserem Equipment – wahrzunehmen.

Joachim Kerzel wird in seiner Funktion als Erzählerstimme nicht über Gebühr gefordert, aber sein Vortrag sorgt für die erforderliche Dramatik, ist kompetent und mitreißend. Seine Leistung wird besonders im Finale deutlich, beim Zweikampf zwischen Vader und Luke. Die Klangqualität entspricht höchsten Standards.

Änderungen gegenüber den Originalen: Erstmals tritt jetzt der Chef von Vader auf, der Imperator. Wie inzwischen bekannt sein dürfte, wurde dessen Gesicht im überarbeiteten Film an das von Kanzler Palpatine in Episode 1 und 2 angepasst. Auch seine deutsche Stimme klingt jetzt anders: viel glatter, hinterlistiger. Daher fehlt ihr auch der für alle anderen deutschen Synchronstimmen typische scheppernde, raue Klang. Das kann man bewerten, wie man will. Ich halte es für einen Fortschritt.

_Unterm Strich_

Abgeschlagene Hände, in Eis eingefrorene Helden, Schurken, die sich als Väter entpuppen? Kein Zweifel: Diese Episode ist eigentlich kein Märchen mehr, wie es noch bei Episode 4 der Fall war. Doch keine Angst, liebe Achtjährige, für die dieses Hörspiel freigegeben ist: In der nächsten Episode wird alles wieder gut, weil dann nämlich wieder Onkel Lucas am Ruder ist – wenn schon nicht im Regiestuhl, so doch als ausführender Produzent, Drehbuchautor und Storylieferant. Deshalb kommen dort auch wieder süße kleine Teddybären, pardon, ich meine: edle Ewok-Krieger vor.

Episode 5 ist so actionreich wie kein anderes Hörspiel dieser Trilogie. Manchmal entsteht im Vergleich sogar der Eindruck, dass es hier besonders hektisch zugeht. Aber die Abwechslung durch drei parallele Handlungsstränge erklärt auch die Fülle an Ereignissen in dieser Episode. Das ändert sich in der nächsten Episode radikal.

|Umfang: ca. 63 Minuten auf 1 CD|

Tolkien, J. R. R. – Hobbit, Der

Tolkiens Bücher sind Klassiker und erlangten zu Recht Weltruhm, anders als beim Ringkrieg, besser bekannt als die |“Herr Der Ringe“|-Trilogie, welche aus einem Sammelsurium von zunächst unzusammenhängenden Kapiteln besteht, ist |“Der Hobbit“| eine Geschichte, die Tolkien in einem Rutsch schrieb. Von Anfang an war die Geschichte um Bilbo Beutlin als Kinderbuch geplant gewesen, allerdings mit dem Hintergrund der Fantasywelt Mittelerdes, deren Grundzüge Tolkien bereits kurz nach dem ersten Weltkrieg schuf.

Der Erfolg dieses Werkes kam für JRR recht unerwartet und dem ist es auch zu verdanken, dass Tolkien überhaupt in Erwägung zog, den heute wesentlich berühmteren |Herrn der Ringe| zu überarbeiten und als eigenständige Geschichte zu veröffentlichen – eigentlich waren die Geschichten rund um Mittelerde nur für ihn selbst bestimmt und fanden dementsprechend nur in der Phantasie seines Kopfes statt. Selbst nach seinem Tod wurde die Fackel weitergetragen: Sein Sohn Christopher – JRRs allererster und kritischster Rezensent – zeichnete nicht nur die Karten, die heute in allen Büchern zu finden sind, sondern trug auch unveröffentlichtes Material seines Vaters zusammen, was posthum in weiteren Publikationen gipfelte.

Das Berühmteste davon ist sicher [|“Das Silmarillion“|,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=408 welches die Anfänge und die Schöpfungsgeschichte Mittelerdes behandelt. Eine Rohfassung der Historie von Mittelerde, wie sie das Silmarillion beschreibt, sind |“Die verlorenen Geschichten“| in zwei Bänden, die sich hauptsächlich um das Reich „Westernis“ (später besser bekannt als „Númenór“) kümmern. Somit stellt |“Der Hobbit“| bemerkenswerterweise das erste komplett fertiggestellte Buch und nicht den tatsächlichen Anfang der niedergeschriebnen Geschichten dar (wie man es bei „Fortsetzungen“ eigentlich erwarten könnte), sondern streng genommen ein Bindeglied mittendrin.

_Zur Story_

Hobbits sind die leicht kleinbürgerlichen Spießer von Mittelerde, die für alles, was sich außerhalb ihres geliebten, friedlichen Auenlands abspielt, nicht nur wenig Interesse, sondern vielmehr spöttische Verachtung übrig haben. Hobbits – oder auch „Halblinge“ genannt – leben in bequemen und gut ausgestatteten Erdhöhlen. Sie weisen einen kleinen Wuchs auf, selten werden sie größer, als 1 – 1,2 Meter, noch dazu ist ihre Statur eher gedrungen und rundlich um die Hüften. Wahrlich kein Volk, das dem Bild heldenhafter Abenteurer entspricht, die sich für gewöhnlich mit der Bekämpfung von Drachen beschäftigen. Solcherlei „Unfug“ überlässt der gemeine Auenländer lieber dem „Großen Volk“ (den Menschen) oder den geschäftstüchtigen Zwergen.

Doch ab und zu schlagen immer wieder mal Hobbits aus der Art und die zieht’s tatsächlich zu Abenteuern hin, das gilt vor allem für die Sippe des alten Tuck, zu welcher auch Bilbo Beutlin gehört. Bilbo ist bis dato ein bodenständiger Hobbit von 50 Jahren, als der Zauberer Gandalf eines schönen Tages an seine Tür klopft und die Geschichte ihren Lauf nimmt. Ehe Bilbo es sich versieht, steckt er als „Meisterdieb“ engagiert mitten in einer zwölfköpfigen Schar von Zwergen, die seine Dienste beim Zurückerobern eines Zwergenschatzes tief unten im „Einsamen Berg“ benötigen.

Das Dumme dabei ist, dass Bilbo eigentlich gar kein Meisterdieb ist, wenngleich eine Eigenschaft seines Volkes darin besteht, beinahe lautlos zu verschwinden, wenn sie es wünschen. Noch dazu wird der Schatz vom alten Drachen Smaug beschützt, der sicher nicht davon begeistert sein wird, wenn man Hand an „seine“ geraubten, unermesslich wertvollen Wertgegenstände legt. Smaug mag alt sein, doch gefährlich ist er dennoch. Und blöd ist er auch nicht.

Obwohl nun Hobbits alles andere als abenteuerlustig sind, riskiert Bilbo die beschwerliche Reise, wohl die Schicksalsschwere seiner Handlungen in weiter Zukunft unterbewusst ahnend. Der kleine Hobbit und seine Mitstreiter sollen auf ihrem Weg so mancher Gefahr trotzen. Dabei sind drei gefräßige Trolle erst der Anfang und so richtig zur Sache geht’s hernach, als man Bruchtal – die Heimstadt Elronds des Halbelben – in Richtung Nebelgebirge verlässt und in den dortigen Höhlen von Orks überfallen und gekidnappt wird. Hier in den finsteren Kavernen kommt es auch zu der schicksalshaften Begegnung mit dem Geschöpf Gollum, dem Bilbo den später so berühmten und heiß begehrten |Einen Ring| und sein blankes Leben mit einer List abringen kann.

Damit werden Ereignisse in Gang gesetzt, die später im Ringkrieg gipfeln sollen, doch noch ist der Ring einfach nur ein Zauberring, der Bilbo und seinen später wiedergefundenen Zwergen-Kameraden im Laufe dieser Odyssee noch häufiger die Haut retten soll. Dennoch ist der Schatten des Herrn von Mordor ebenfalls anzutreffen, wird aber nur am Rande erwähnt, als Gandalf die Gruppe zwischenzeitlich sich selbst überlässt, um den „Nekromanten“ aus dem Finsterwald zu vertreiben. (Richtig geraten, es ist Sauron.)

Unsere Helden schlagen jedoch einen anderen Weg ein, der sie nach weiteren gefahrvollen Momenten und Begegnungen in die Drachenhöhle unter dem Einsamen Berg führen soll. Hier muss Bilbo nun beweisen, dass er wirklich der Meisterdieb ist, für den die Zwerge ihn halten und „sein“ später so berühmter und gefürchteter Zauberring bekommt ordentlich zu tun.

_Meinung_

„Der Hobbit – oder: Hin und Zurück“ – Ich habe dieses Werk des Altmeisters der Fantasyliteratur bereits im zarten Alter von neun Jahren zum ersten Mal gelesen und war fasziniert. Damals hieß es noch: „Der |kleine| Hobbit“. Mittlerweile ist man zu einer akkurateren Übersetzung des Titels und des Inhalts übergegangen, wofür sich Wolfgang Krege verantwortlich zeigt. Das hat nicht überall Anklang gefunden, viele meinen, man hätte die deutsche Urfassung unangetastet lassen sollen. Ich mag beide Varianten. Jede hat ihre Vor- und Nachteile. Die Neuübersetzung ist moderner und flotter, während die alte etwas geschwollen-sperrig („very british“ sozusagen) und archaisch daherkommt. Besser ist es natürlich,wenn man direkt das englische Original liest.

Der Stil des Hobbits ist wesentlich einfacher gehalten als die anderen etwas ernsthafteren Bücher Tolkiens aus Mittelerde, immerhin handelt es sich dabei ja auch um ein Kinderbuch. Die angedachte jugendliche Leserschaft wird von JRR oft im Plural geduzt („Was würdet IHR machen?“) und somit direkt angesprochen bzw. mit einbezogen, hier gönnt Tolkien seinen Lesern zwischendurch die Gelegenheit, das Gelesene zu reflektieren. Diese Einschübe, wo er quasi zum Mitdenken auffordert, sind zudem willkommene kleine Pausen in der temporeichen Geschichte, die ich für Kinder ab acht bis zehn Jahren für geeignet halte.

Trotzdem weist „Der Hobbit“ viel Handlung und Querverweise auf, die es auch für erwachsene HdR-Fans nicht nur lesenswert, sondern immens wichtig machen, denn hier ist das Bindeglied zur Trilogie und den zeitlich früher handelnden Büchern. Viele Personen, Wesen, Orte und Gegebenheiten, die später von Bedeutung sind, hat JRR teils gut versteckt untergebracht, sodass sie den Fan ansprechen, jedoch auch den Neuling nicht vor den Kopf stoßen – Letztere werden vielleicht den einen oder anderen Satz einfach so überlesen, der einem Fan ein schiefes Grinsen abverlangt.

Doch auch ohne den restlichen Mittelerde-Kontext findet sich der Leser zurecht, die eingestreuten Hinweise auf andere Handlungen sind zwar für den Kenner das Salz in der Suppe, benötigt man aber nicht, um diese Geschichte zu verstehen und zu mögen. Sie ist in sich schlüssig und kann für sich alleine stehen, ohne dass man den Rest kennt. Tolkiens oft gepflegter subtiler und feiner Humor findet sich auch im Hobbit wieder, doch denke ich, dass dieser wohl nur (fast) erwachsenen Lesern ins Auge fallen dürfte, auch deshalb ist es nicht nur ein Buch für Kinder, sondern für alle Generationen.

Jede Altersgruppe wird damit angesprochen und etwas für sich darin finden, man muss nur genau hinlesen. Eine gelungene Gratwanderung, die ihresgleichen sucht. Im Buch wird auch gewaltsam gestorben, wenngleich auch nicht so heftig und blumig-ausführlich beschrieben wie im HdR. Wird dort noch darüber referiert, wie schön aerodynamisch (Ork-)Köpfe rollen & fliegen, nimmt JRR hier nen Gang zurück und redet allenfalls von „erschlagen“, was zwar prinzipiell aufs Gleiche herauskommt, sich jedoch wesentlich weniger blutig anhört.

_Fazit_

Ein Must-Read-Buch für Kinder und Erwachsene gleichermaßen, die knapp 320 Seiten zu lesen und die darin enthaltenen Botschaften zu verstehen, fällt leicht. Wem es sprachlich möglich ist, sollte das Original lesen, denn dann erübrigt sich auch die Diskussion, welche der deutschen Übersetzungen die treffendere ist. Die Abenteuergeschichte ist zeitlos genial und kann auch losgelöst von seinem berühmten Nachfolger verstanden werden, es empfiehlt sich aber, den „Hobbit“ zu lesen, bevor man sich an HdR (Film oder Buch) wagt. Man ist über manche Zusammenhänge wesentlich besser im Bilde. Das Nicht-Kennen des Hobbits ist zudem eine echte Bildungslücke, obwohl er ja seit jeher im Schatten der Trilogie stand. Unverdient. Nicht nur HdR-Fans, die nur die Verfilmung von Peter Jackson kennen, und ein wenig tiefer in die Geschichte von Mittelerde eintauchen wollen, kommen auf ihre Kosten.

_Buchdaten:_

Originaltitel: „The Hobbit“
Ersterscheinungsjahr: 1937
Deutsche Übersetzung: Margaret Carroux oder Wolfgang Krege
ISBN: 3-608-93805-2 (1998 Neuübersetzung / Klett-Cotta)*
ISBN: 3-423-20277-7 (2001 „Klassische“ Übersetzung / dtv)*
ISBN: 0-261-10221-4 (2001 Englisches Original / HarperCollins)
Format: Broschiert oder Hardcover / um 320 Seiten
Extras: Kartenmaterial *
Preis: variiert je nach Ausgabe von 4,50 – 14,95 €

*) Die von mir rezensierte Version des Werkes ist eine Lizenz-Ausgabe (2001) aus dem |Club Bertelsmann|. Der dort erhältliche, leinengebundene Hardcover-Schmuckband hat herausnehmbare Karten Mittelerdes, Lesebändchen und einen Golddruck-Präge-Schutzumschlag. Inhaltlich ist das Buch jedoch mit dem Original aus dem |Klett-Cotta|-Verlag und der Taschenbuchausgabe von |dtv| identisch.

Crispin, Ann C. (+ O’Malley, Kathleen) – Alien 4 – Die Wiedergeburt

Selbst im Tode scheint Ellen Ripley den säureblütigen Aliens und der „Gesellschaft“ nicht entkommen zu können (vgl. [Alien 3,]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=674 |Heyne|-TB 01/8490). In der Raumstation „Auriga“ erwacht sie in den geheimen Labors dieses Konzerns, der sich mühelos über alle Gesetze hinweg zu setzen scheint, zu neuem Leben – als Klon, den man aus den wenigen Zellen zog, welche nach Ripleys Tod zwei Jahrhunderte zuvor in einem Kessel voll glühenden Metalls auf dem Gefängnisplaneten Fiorina gefunden werden konnten. Freilich waren diese „verunreinigt“ mit der DNA des Aliens, das damals in ihrem Leib nistete – für die ehrgeizigen Mediziner der „Gesellschaft“ unter der Leitung des skrupellosen Dr. Wren ein weiterer Anreiz. Bisher haben sie sich bemüht, einen „Alien-Soldaten“ zu entwickeln. Nun sind sie bestrebt, ein Mensch-Alien-Wesen zu erschaffen, das die Vorzüge beider Spezies in sich vereinigt und aufgrund seiner menschlichen Komponente leichter zu kontrollieren ist. Neben der „neuen“ Ripley gibt es eine ganze Reihe weiterer Hybriden, die mehr zur einen oder mehr zur anderen Seite tendieren. Zudem gibt man die Experimente am „Original“ keineswegs auf und hat eine erkleckliche Anzahl von Alien-Kriegern herangezogen.

Der militärische Befehlshaber der „Auriga“, General Perez, steht ebenfalls bei der „Gesellschaft“ im Sold. Zu seinen schmutzigen Aufgaben gehört es, der medizinischen Crew genug menschliche „Brutkästen“ für die heranreifende Alien-Brut herbeizuschaffen. Die Gesellschaft zahlt gut und stellt keine Fragen nach der Herkunft der unfreiwilligen „Helfer“. Während Ripley sich nur allmählich an ihre neue Existenz gewöhnt, legt an der Raumstation das Schmugglerschiff |BETTY| an. Kapitän Elgyn führt eine bunte Crew, er bringt menschliche Versuchskaninchen für die Labors der „Auriga“, ohne jedoch genau zu wissen, welches Schicksal diese erwartet. Nachdem die „Fracht“ übernommen wurde, kann ein Alien-Krieger aus seiner Gefangenschaft entkommen. Er befreit seine „Brüder“. Die Wesen beginnen, Tod und Entsetzen in der „Auriga“ zu säen. Aber auch Ripley erkennt, dass ihr dasselbe Schicksal droht wie den Ripley-Klonen vor ihr: Sie soll als „Mutter“ für neue, biologisch weiter veränderte Hybriden missbraucht werden. So beginnt sie ihren persönlichen Kampf gegen die „Gesellschaft“, muss sich dabei aber ständig mit ihrem außerirdischen „Erbe“ auseinandersetzen: Wie menschlich ist Ripley eigentlich noch?

Die Besatzung der |BETTY| wird in die Auseinandersetzung zwischen Aliens und Menschen gezogen. Während sie durch die Raumstation irren, treffen sie auf Ripley, die sich den Schmugglern anschließt. Im weiteren Verlauf der Flucht wird auch offenbar, wie es den Menschen ergangen ist, die Elgyn und seine Leute zur „Auriga“ geschafft haben. Nun gehen sie endgültig auf Konfrontationskurs mit Perez und der „Gesellschaft“, doch stehen beide Seiten vor einem gemeinsamen Problem – der Horde der Alien-Krieger, die mordend durch die Korridore der Raumstation ziehen …

Der vierte Teil der „Alien“-Saga stellte die Autoren des Drehbuchs wie des Romans zum Film vor das Problem, dass die Geschichte im Grunde zu Ende erzählt worden war. Doch der Erfolg erzwang förmlich eine weitere Fortsetzung. Nun musste die Entscheidung fallen, ob man völlig neue Wege gehen und nur die Aliens als Leitmotiv beibehalten (wie später in „Aliens vs. Predator“ geschehen) oder die Gesetze der Logik über ihre natürlichen Grenzen hinaus strapazieren und Ripley in die Handlung zurückbringen sollte. Da Hollywood nicht für seine Risikobereitschaft bekannt ist, kristallisierte sich rasch heraus, dass in einem neuen „Alien“-Streifen auch Ripley alias Sigourney Weaver eine zentrale Rolle spielen würde.

Das Problem der „Wiedergeburt“ von Ripley, für die es nur kommerzielle, aber keine logischen Gründe gab, wurde mit einigen geistigen Verrenkungen recht anständig gelöst. Ansonsten bot der dritte Aufguss inhaltlich wenig Spektakuläres, glänzte aber mit Schauwerten und wurde vom französischen „Gast-Regisseur“ Jean-Pierre Jeunet trotz aller Kontrollen seitens des Studios mit gallischer Dickköpfigkeit ein gutes Stück jenseits des US-amerikanischen Popcorn-Kinos inszeniert. Was bleibt, ist ein Film, der wenig Neues zum „Alien“-Mythos beiträgt, aber immer ein gutes Stück über dem Durchschnitt unterhält.

Insofern war es vielleicht vorteilhaft, dass der Roman zum Film dieses Mal nicht wie bisher vom Routinier Alan Dean Foster geschrieben wurde, sondern von A. (Ann) C. Crispin (ungenannt bleibt in der deutschen Fassung aus unerfindlichen Gründen Ko-Autorin Kathleen O’Malley). Sie tat sich bisher nur mit wenigen eigenständigen Romanen, sondern mehr noch als Foster als zuverlässige Auftrags-Autorin hervor. Aus Crispins Feder stammen u. a. eine Reihe von STAR WARS- und STAR TREK-Romanen, die mit „Alien – Die Wiedergeburt“ ihre grundsolide Machart gemeinsam haben. Literarischen Sprengstoff durfte man von einer solchen Autorin natürlich nicht erwarten, und auch das Herz der Kritiker konnte Crispin schwerlich gewinnen. Immerhin – sie hat sich sichtlich Mühe gegeben, weil sie die „Ehre“ zu schätzen wusste, an der ehrwürdigen „Alien“-Reihe mitarbeiten zu dürfen – die üblichen unverbindlichen Worthülsen, derer sich amerikanische SF-Autoren im Interview gern bedienen, um potenzielle Auftraggeber nicht zu vergraulen.

Es sei ihr trotzdem geglaubt, denn während Regisseur Jeunet das Drehbuch mit Spezialeffekten und Kameratricks aufwerten konnte, musste Autorin Crispin den oft recht dünnen roten Faden der Geschichte an vielen Stellen neu knüpfen und mehr inhaltliche Lücken, als hier aufzuzählen der Platz ist, überbrücken. Wenn dennoch bei der Lektüre ein (leichtes) Gefühl der Enttäuschung aufkommt, dann liegt das wohl daran, dass es Alan Dean Foster, der zwar eher ein Handwerker als ein Künstler ist, besser als Crispin & O’Malley gelang, seinen „ausgeliehenen“ Figuren Tiefe zu verleihen und damit Leben einzuhauchen.

Woodward, Bob – Bush at War

Wohl kaum etwas hat die Weltgemeinschaft im noch sehr jungen Jahrtausend so in helle Aufregung versetzt wie der Anschlag auf die „Twin Towers“ des |World Trade Center| am Nine-Eleven. Dies war der Auftakt zu einer Kampagne von Feld- oder sollte man besser sagen |Kreuz|zügen?, die uns Bewohner dieses durchgeknallten Planeten sicher noch viel länger beschäftigen wird, als uns allen lieb (und einigen bewusst) ist – ausgelöst durch die letzte verbliebene Supermacht und selbst ernannten Weltsheriffs, die nun endlich die Möglichkeit und Legitimation sahen, ganz mächtig – und entgegen dem geltenden Völkerrecht – loszuschlagen.

Da die „Beweise“ für einen muslimischen Terrorakt mittlerweile immer zweifelhafter erscheinen, brauchte man wohl ein wenig Propaganda, daher bedient sich die Machtzentrale wohl nun auch des berufenen Mundes Bob Woodwards (Pulitzer-Preisträger und zusammen mit seinem Kollegen Bernstein der journalistische Enthüller der Watergate-Affäre, die seinerzeit Richard Nixon zu Fall brachte). Woodward gilt als Number One unter den investigativen Vertretern der Journallie und auch sein deutscher Verlag (der ehrenwerte |SPIEGEL|-Buchverlag) spricht vom Namen her für ein kritisches Sachbuch über die ersten 100 Tage nach den Anschlägen – Wollen wir mal sehen, was davon zu halten ist …

_Worum geht’s? – Zum Inhalt_

Woodward ist seit jeher bei der angesehenen Tageszeitung „Washington Post“ beschäftigt und wird seit 1972 als |der| kritische Beobachter der amerikanischen Innenpolitik gefeiert (die oben erwähnte Watergate-Affäre). Ein richtiger Wadenbeißer möchte man meinen, vor dessen Feder die Mächtigen der USA zittern. Dennoch gelingt ihm der Coup, an die geheimen *hust* Protokolle des Sicherheitsrates zu gelangen, die Nine-Eleven und den anschließenden Afghanistan Feldzug beinhalten – beinahe freiwillig habe man sie (ausgerechnet ihm!) zugänglich gemacht und auch von Seiten der Behörden und sogar der Regierung (sic!) war man gern bereit, ihm für Interviews Rede und Antwort in dieser Sache zu stehen.

Der Junta-Chief himself kommt übrigens auch oft zu Wort und wird fleißig zitiert, komischerweise jedoch nicht seine bekannten markig-lächerlichen und sinnentleerten Sprüche, die uns auch aus seinen hochnotpeinlichen TV-Auftritten bestens bekannt sind, sondern allerhand extrem fragwürdiges pseudo-intelligentes Zeug, was er Woodward gegenüber in seinen Interviews zum Besten gegeben haben soll. Woodward rekapituliert diese hundert Tage, als wäre er förmlich bei den zum Teil hochgeheimen Treffen der US-Machtzentrale persönlich anwesend gewesen. Was er nachweislich ja nicht kann, ergo ist er auf das angewiesen, was ihm diejenigen, die dort teilnehmen durften/mussten, an Informationsbrocken vor die Nase setzen.

Die hauptsächlich handelnden Personen sind hierbei: Möchtegern-Präsi George Walker Bush, Sicherheitsbelaberin Condolezza Rice, Außenscherge Colin Powell, Pentagramm-Vorstand Donald Rumsfeld, Vize-Wäre-Gern-Präsi Richard „Dick“ Cheney, CIA-Chef-Terrorist Tenet und deren Vertreter. Ach ja. Ein paar vom Fußvolk des CIA dürfen in Afghanistan auch ein paar Warlords schmieren und sich an der Frontlinie irgendwie nützlich machen. Vor allem aber ein vor Pathos nur so triefendes Ende verursachen. God bless America! Oder so.

_Wer’s glaubt, wird selig – Meinung_

Was augenscheinlich wie der große journalistische Wurf anmutet, besteht schon im Vorwort keinen zweiten Blick, denn wie Woodward dort bereits andeutet, habe man zwar von offizieller Stelle sein Buchmanuskript durchgesehen und zum Teil auf „Irrtümer“ hingewiesen, es sei jedoch nicht zensiert worden. Da er von vorneherein so vehement auf diesen Umstand pocht, kommt mir automatisch der alte Sinnspruch in den Kopf, dass wer sich vorweg ungefragt, pauschal und ohne erkennbaren Anlass verteidigt, etwas im im Schilde führt. Es riecht also bereits auf den ersten Seiten bei der Lobhudelei auf die tolle, kooperative CIA verdächtig und ganz extrem nach Schwefel – Hier ist also buchstäblich schon irgendwas im Bush, dabei hat das Buch noch nicht mal richtig angefangen und mir sträuben sich bereits die Nackenhaare.

Auf den ersten 100 Seiten erfahren wir nun wer, wo, was, wann gesagt und getan haben soll, als das WTC attackiert wurde, hier hebt Woodward mindestens drei Mal hervor, dass der „gewählte“ Präsident dieses oder jenes zu einer bestimmten Zeit unternahm oder anordnete. Es ist nicht nötig extra zu erwähnen, dass ein Präsident gewählt wird, das ist in der Regel nun mal so (außer eben bei diesem), also wie soll man diese auffällige Hervorhebung dann interpretieren – Ironie seitens des Autors?

Ich könnte jetzt in nicht enden wollende Dauerlästerei verfallen und fast jede Seite mit Gegenargumenten und Quellen belegen, doch dann kann ich gleich selbst ein ganzes Buch schreiben – ich überlasse in diesem Fall mal der Presse das Wort und kommentiere anhand der drei auf dem Buchrücken abgedruckten Statements deutscher Pressestimmen:

|“Wer Woodward gelesen hat, wird glauben, bei Bush und den Seinen dabei gewesen zu sein.“ (DIE ZEIT)|

Kommentar: Na klar, |Glaube| trifft es ziemlich gut, Glaube ist der Mangel an Wissen und selbst heute glauben noch viele an die Unbefleckte Empfängnis und daran, dass Schokoriegel gesund sind. Lieber Kritiker von |DIE ZEIT|, es muss richtig heißen: „Wer Woodward gelesen hat, |soll| glauben, bei Bush und den Seinen dabei gewesen zu sein“ oder wie es der Sportsender DSF in seinem Werbeslogan so trefflich ausdrückt, ist es besser „mittendrin statt nur dabei“ zu sein. In diese Sitzungen hat man ihn (aus nachvollziehbaren Gründen) aber nicht vorgelassen und ihn stattdessen mit äußerst dubiosen Protokollen gefüttert, die meine Oma hätte ebenso verfassen können – und die arbeitet (zumindest meines Wissens nach) nicht für die CIA.

Der Autor versucht eine gewisse Nähe zwischen der Leserschaft und den Protagonisten zu schaffen, indem er den Handelnden Emotionen wie „sie oder er dachte“ oder „empfand dies und das“ zuordnet, nur fließt die Gedanken- und Gefühlswelt bekanntermaßen nicht dergestalt in Protokolle eines Sicherheitsrates ein und muss daher reine Spekulation bleiben. Nur selten verweist er auf von ihm oder anderen geführte Interviews, aus denen er die verwendeten Informationen bezieht (allerdings sind auch alle Zitate weitgehend ohne Quellenangabe, was den Autor nicht glaubwürdiger macht).

|“Um zu verstehen, wie die Bush-Administration ihre weltpolitische Bedeutung und ihre geopolitischen Möglichkeiten einschätzt, ist das Buch von fundamentaler Bedeutung.“ (SÜDDEUTSCHE ZEITUNG)|

Kommentar: Hat fundamental nicht etwas mit fundamentalistisch zu tun? Na egal, da in dem Werk keinerlei Hinweise zu den massiv bestehenden Verknüpfungen der einzelnen Kabinettsmitgliedern zu wichtigen Firmen in der Kriegs- und Ölmaschinerie (nicht zu vergessen die innige Connection zwischen der bin-Laden-Familie und dem Bush-Clan) hergestellt werden, ist dies allenfalls ein unvollständiges und lückenhaftes Bild – um zu verstehen, was wirklich an unglaublicher Perfidität hinter den Machtinteressen der amerikanischen Führungs-Elite steckt, muss man wesentlich tiefer graben, als Woodward es gewagt hat (oder wagen durfte?) – Ein schwaches Bild für einen angeblichen Schnüffel-Journalisten, die solcherlei Angriffspunkte schon von Berufs wegen doch liebend gern weidlich ausschlachten.

Doch nichts davon wird auch nur ansatzweise aufgegriffen! Weder Haliburton noch Carlyle oder ähnlich dubiose von US-Politikern geführte bzw. mit ihnen verbundene Firmen werden auch nur mit einer Silbe erwähnt. Außerdem wird ziemlich schnell klar, dass Osama nicht das eigentliche Ziel der Vergeltungsschläge ist – zunächst wird dieser Eindruck zwar erweckt, doch schon bald ist vom angeblichen Schreckgespenst Al Qaida und dergleichen nichts mehr zu lesen, sondern nur noch von den Taliban, denen man auf deutsch gesagt um jeden Preis den Arsch aufreißen will. Natürlich spielen geopolitische Interessen eine Rolle, aber ganz andere, als hier geschildert – dass von Streubomben und ähnlichem Zeugs auch kein Sterbenswörtchen fällt, dürfte klar sein und spätestens jetzt niemanden mehr wundern … Die „Daisycutter“-Bomben werden zwar am Rande angerissen, aber derart, dass man glaubt, es wäre nur gerecht, sie zu abzuwerfen.

|“Woodward gelang ein Coup: Er konnte die Sitzungsprotokolle des Nationalen Sicherheitsrates an Land ziehen. Aus ihnen ergab sich die einzigartige Perspektive des Buches.“ (DER SPIEGEL)|

Kommentar: Oh, diese Formulierung ist geschickt und kann doppeldeutig gelesen werden, die Jungs und Mädels vom |SPIEGEL| sind nicht doof, man kann schon von einer einzigartigen Perspektive sprechen, ich würde das aber eher als ein|seitige| Sicht der Bush-Krieger bezeichnen, die Woodward brav nachbetet. Ob diese Protokolle vollständig (und wahrheitsgemäß) sind, darf anhand einiger fehlender Begebenheiten, die nachträglich öffentlich wurden, arg bezweifelt werden. So manche Passage aus dem Buch ist durch wirklich investigative Journalisten mittlerweile |ad absurdum| geführt und als Propaganda-Mär entlarvt worden.

Ebenso wie viele Äußerungen der amerikanischen Regierung zum Fall des WTC und des Afghanistan-Feldzugs. Insofern ist die Authentizität der ach-so-geheimen Protokolle doch stark anzuzweifeln, denn wenn sich viele Punkte als faustdicke Lüge herausstellen, darf man davon ausgehen, dass der Rest ebenso fragwürdig ist. Es handelt sich hierbei nämlich lediglich um die enttarnten Flunkereien – aber mit aller Wahrscheinlichkeit sind das noch längst nicht alle. Inwieweit die Protokolle den Tatsachen entsprechen, wird wohl nie ganz geklärt werden können, eines steht auf jeden Fall fest: Sie wurden massiv getürkt.

_I want to believe – Das Fazit_

Dies ist kein „Enthüllungs“-Buch, denn es leiert nur die Propaganda und Bettelei um Verständnis für den Einsatz in Afghanistan herunter. Dabei ist nicht einmal geklärt, ob die Selbstmordattentäter überhaupt welche waren. Zumindest bestehen in einigen wichtigen Punkten berechtigte Zweifel, ob nicht der Regierungsapparat selbt mit Hilfe des CIA und anderen ein wenig nachgeholfen hat, um die Legitimation, andere Staaten mit Krieg zu überziehen, zu erhalten. Wie dem auch sei, dieses Buch ist weder sachlich noch lesetechnisch auf der Höhe. Wenn ich statt Condoleeza (Rice) wiederholt „Condi“ lesen muss (die Anführungszeichen sind von mir, Woodward setzt dort keine!), keimt in mir der Verdacht auf, dass hier eine Verniedlichung und subtil eingefädelte Solidarisierung herbeigeführt werden soll – traurig, dass sich ein solches Urgestein offenbar so ohne Weiteres vor den Karren spannen ließ, diese Fabeln zu verbreiten.

Für einen ausgezeichneten Pulitzer-Reporter geht mir das kritische Hinterfragen vollkommen ab stattdessen dümpelt der Autor beim Weglassen des ganzen Firlefanzes tatsächlich nur an der Oberfläche. Die Intention dieses Buches mag falsch verstandener Patriotismus sein, oder ein weiteres denkbares Szenario wäre, dass Woodwards Arbeitgeber, die „Washington Post“ (wie übrigens auch der Nachrichtensender ABC) fest in der Hand des Bush-Clans ist. Ein Schuft, wer jetzt denkt, dass Woodward diese Hände nicht beißt, die ihn füttern. Ohne in Verschwörungstheorien abgleiten zu wollen, aber hier stimmt was nicht. Dennoch lassen sich zwischen den Zeilen einige Infos extrahieren, die interessant sind, wenngleich wohl nur ungewollt preisgegeben. Allerdings muss man sich dafür schon stark interessieren oder durch Zugriff auf andere Literatur quer lesen, damit man dem Puzzle einige weitere Stückchen hinzufügen kann. Man kann sich das Propaganda-Werk |just for show| mal geben, der Preis für die Restexemplare ist laut |amazon.de| mittlerweile auf 4,95 statt 25 Euro runtergegangen.

Brown, Dan – Illuminati

_Sakrale Schnitzeljagd_

Ein Teilchenphysiker wird in seinem Schweizer Labor ermordet aufgefunden. In seine Brust eingebrannt entdeckt man merkwürdige Symbole. Symbole, die nur der Harvardprofessor Robert Langdon zu entziffern vermag.

Was er dabei entdeckt, erschreckt ihn zutiefst, denn es scheint, als sei die Geheimgesellschaft der Illuminati, alte Feinde der römisch-katholischen Kirche, zurückgekehrt. Und sie haben im Labor etwas mitgehen lassen: einen Behälter mit Antimaterie, der, wenn er nicht an eine Stromquelle angeschlossen wird, binnen 24 Stunden mit der Wirkung einer großen Wasserstoffbombe explodieren wird. Welcher teuflische Plan steckt dahinter?

|Der Autor|

Dan Brown war genau wie Stephen King zuerst Englischlehrer, bevor er sich ganz dem Schreiben widmete. „Als Sohn eines mehrfach ausgezeichneten Mathematikprofessors und einer bekannten Kirchenmusikerin wuchs er in einem Umfeld auf, in dem Wissenschaft und Religion keine Gegensätze darstellen“, meint die Verlagsinformation. „Diese Kombination ist es auch, die den weltweiten Erfolg des Autors begründet. ‚Illuminati‘, der erste in Deutschland veröffentlichte Roman von Brown, gelangte innerhalb kürzester Zeit auf Platz 2 der Bestsellerliste.“ Auf welche, wird nicht verraten. Vielleicht weiß Ford Prefect mehr *g*. „Brown ist verheiratet und lebt mit seiner Frau, einer Kunsthistorikerin, in Neuengland.“ Na, das klingt doch direkt nach einer Ko-|Autorin|!

|Der Sprecher|

Wolfgang Pampel ist die deutsche Synchronstimme von Harrison Ford. Das ist sehr passend, denn Robert Langdon erwähnt einen Zeitungsartikel, in dem er selbst als „Harrison Ford in Harris-Tweed“ bezeichnet wird. Ironisch wird’s, weil Langdon diese sensationsheischende Titulierung völlig ablehnt.

Pampel hat an der Theaterhochschule in Leipzig studiert und machte sich anschließend an den verschiedensten Bühnen von Leipzig, Düsseldorf, Berlin und Wien einen guten Namen.

_Handlung_

Zunächst hat es Harvardprofessor Robert Langdon, 45, Experte für religiöse Symbolologie mit einer sportlichen Figur, überhaupt nicht eilig, dem Ruf eines Schweizer Physikers zu folgen. Da schickt dieser ihm ein Fax mit einem Foto darauf: ein toter Mann, auf dessen Brust das Wort „Illuminati“ eingebrannt wurde. Die Illuminaten, die „Erleuchteten“, weiß Langdon, waren zunächst ein Zirkel von aufgeklärten Denkern im Italien um 1500.

Doch schon bald standen sie in Widerspruch zu den Lehren der Heiligen Mutter Kirche und waren ihr ein Dorn im Auge. Sie wurden in den Untergrund verbannt. Die Forscher Leonardo da Vinci und Galileo Galilei sollen ihnen angehört haben. Im Jahr 1686 wurden vier ihrer Mitglieder ebenso gebrandmarkt wie der Tote auf dem Faxfoto. Wollen sich die Illuminati jetzt, nach so vielen Jahren, zurückmelden?

Er lässt sich mit einem Überschalljet nach Genf fliegen, wo er das CERN besucht, die europäische Kernforschungsanlage, die Generaldirektor Maximilian Kohler leitet. Kohler hat das Fax geschickt. Langdon ist skeptisch: Echte Illuminaten hätten einen Forscher, einen Bruder im Geiste, nicht getötet. Doch wie ihm Kohler erklärt, war Leonardo Vetra sowohl Forscher als auch katholischer Priester. Er suchte den Gottesbeweis in den kleinsten Teilchen. Er hatte viele Feinde. Grausig starrt Vetras leere Augenhöhle auf die beiden Amateurdetektive. Kohler wünscht keine Polizei.

Vittoria Vetra, eine Meeresbiologin, ist die bildschöne Tochter des Ermordeten (und ganz nebenbei Yoga-Expertin). Sie berichtet, dass ihr Vater beweisen wollte, dass die Bibel Recht hat: Das Universum sei aus der Leere erschaffen worden – Materie aus Energie. Was Vetra erzeugt hatte, war jedoch Antimaterie. Sie schwebt in winzigen Mengen in Behältern, die durch Magnetfelder den zerstörerischen Kontakt der Antimaterie (AM) mit unserer alltäglichen Materie verhindern. An jedem Behälter verhindert eine Batterie 24 Stunden lang, dass die Reaktion eintritt, die so vernichtend wie eine große Wasserstoffbombe wirken würde.

In Vetras Labor wurde, obwohl es stark gesichert war, eingebrochen und ein Behälter gestohlen. Vetras Auge war für einen Netzhautabtaster missbraucht worden. Vetra hatte die Energiequelle der Zukunft gefunden – oder die schlimmste Waffe der Neuzeit. Wenn sie den Illuminaten in die Hände fiel, so wollen diese sie bestimmt gegen die katholische Kirche einsetzen. Kohler schickt Langdon und Vittoria nach Rom, in den Vatikan. Dort kontaktieren sie die Sicherheitstruppe des Vatikans, die Schweizer Garde. Man lacht sie aus. Oberst Olivetti glaubt an keine Bombenleger.

Der Papst ist tot und das Konklave der 165 Kardinäle ist zusammengetreten, um in der Sixtinischen Kapelle einen neuen zu wählen. Doch der Zeremonienmeister stellt beunruhigt fest, dass vier der Herrschaften fehlen, ausgerechnet die vier Preferiti, die Auserwählten mit den meisten Chancen, gewählt zu werden.

Auf Vittorias Bemühen hin sprechen sie und Langdon mit dem Interimspapst, dem Camerlengo. Carlo Ventresca, 30, hört ihnen zu und befielt Olivetti, die Bombe zu suchen, die irgendwo im Vatikan versteckt sein muss. Tatsächlich zeigt einer der Monitore eine LED-Anzeige, auf der ein Countdown abläuft. Nur noch sechs Stunden bis Mitternacht. Geht dann die Bombe hoch?

Da ruft der Bombenleger und Vetras Mörder beim Camerlengo an. Er sei von den Illuminati und wisse, wo sich die vier verschwundenen Kardinäle befänden. Sie sollen von ihm wie jene vier zuvor im Jahr 1686 geopfert werden. Jede Stunde werde einer davon getötet: in Kirchen und Tempeln. Diese Mordserie wäre das Ende des Papsttums – und die Bombe bedeutet die Vernichtung des Vatikanstaats.

Nur einer weiß, wo die Kardinäle gefunden werden können: Robert Langdon. Doch wird ihm die verbleibende Zeit reichen, um sie zu retten?

_Mein Eindruck_

So beginnt ein rasanter Mystery-Thriller, in dem sakral-okkulte Kunst des Illuminatenordens quasi ein Paralleluniversum an Bedeutungen öffnet, das jeden Esoteriker in Ekstase versetzen würde. Pyramiden, die Zahlenkombination 5+2 sowie jede Menge Engel weisen Langdon den Weg durch den Immobiliendschungel der Tiberstadt. Nicht nur muss er kreuz und quer (was ein Kreuz zeichnet), sondern auch ganz tief hinunter und schließlich sogar ganz hoch hinaus. Auf seiner dreidimensionalen Odyssee bekommt er es mit allen möglichen Schurken zu tun, die er sich nicht hätte träumen lassen. Aber er hat ja die treue und tapfere Vittoria an seiner Seite, die ihn anspornt, sich wie weiland Indiana Jones aufzuführen und James Bond alt aussehen zu lassen. Eine Schnitzeljagd, wie sie im Buche steht. Wer ihr zu folgen versucht, kommt aus dem Staunen kaum noch heraus.

|Charakterisierung|

Die Charakterisierung der drei oder vier Hauptfiguren ist recht schlicht gestrickt. Langdon ist unser ganz normal naiver Harvardprofessor mit einer Phobie vor engen Räumen – Fahrstühlen beispielsweise. Doch zu jeder passenden Gelegenheit enthüllt er verborgene Fähigkeiten: Er war Wasserballspieler und sogar Turmspringer. Dafür hat er leider vom Schießen keine Ahnung, was sich mitunter als verhängnisvoll erweist. Wenigstens trifft er einen Zeh, wenn schon nicht den Leib des Mörders. Manchmal mischt sich so etwas wie Komik in das abenteuerliche Geschehen.

|Die Medien – Komplizen des Terrorismus?|

Wie bei jedem terroristischen Anschlag von astroglobaler Bedeutung mischen auch hier die Medien kräftig mit. Ein BBC-Reporter mit dem schönen Namen Gunter Glick hält in vorderster Front die Linse der Kamera auf das erste Mordopfer in Rom. Ein Kardinal – und nur der erste von vier! Die Sensation des Tages. Schon bald fallen sämtliche Ü-Wagen der Tiberstadt über den Vatikan her und verlangen eine Stellungnahme des gelähmten Mini-Staatswesens. Ein Menschenauflauf ist die Folge, Scheinwerfer und Kameralinsen richten sich auf den Petersdom, hinter dessen Mauern der Countdown der Vernichtung läuft: Es ist der Jüngste Tag, das „Armageddon“, wie es der Autor beschreibt. Ob er wohl den „Zeugen Jehovas“ angehört, die jeden braven Bürger mit diesem Schreckenswort zu ihrer Lehre bekehren wollen?

Doch erst die Medienaufmerksamkeit potenziert die Bedrohung durch die Illuminati bis ins Unendliche: Der ganze Globus nimmt teil am Geschehen. Dass es sich dabei im Grunde um eine Schnitzelhagd handelt, lässt die Sache ein wenig übertrieben erscheinen, also erst richtig witzig aussehen.

|Lausige Logik|

Leider muss der Hörer beide Hühneraugen zudrücken, wenn es um die Qualität der Logik dieses Plots geht. Wie konnte die Bombe so schnell nach Rom gelangen? Wieso ist der „erleuchtete“ Killer scharf auf so weltliche Dinge wie Sex mit Vittoria? Wieviele Pyramiden und Obelisken gibt es eigentlich noch in Rom? Warum muss ausgerechnet Yoga Prof. Langdon das Leben retten?

Nicht Plausibilität ist das Ziel der Unterhaltung, sondern möglichst viele Überraschungen auf möglichst engem Raum. Und so schlägt die Handlung schließlich einen Zickzackkurs ein, der eines Hasen auf der Flucht würdig wäre. Schließlich wundert man sich kaum noch, dass Indy, pardon: Langdon Stunts abliefert, die einen James Bond erblassen ließen, und die Bösewichte im Vatikan sich wie russische Puppen hintereinander verstecken, falsche Fährten inklusive.

|Abrakadabra!|

Kurzum: Wer eine gute Show erwartet hat, kommt voll auf seine Kosten. Fehlen eigentlich nur noch die Karnickel, die aus dem Hut gezogen werden. Und am Schluss ist es keine Frage, ob der Junge das Mädchen bekommt. Es kann – angesichts der Gleichberechtigung – auch umgekehrt sein, das ist uns eh schon gleichgültig.

_Das Hörbuch_

Wolfgang Pampel ist die deutsche Stimme von Harrison Ford, und als solcher liefert er sozusagen den unverfälschten „Indiana Jones“ als Stimmlage von Robert Langdon (und des Erzählers). Jeder Hörer weiß: Hier ist Abenteuer pur garantiert. Pampels Tonlage von Generaldirektor Maximilian Kohler ist nicht nur ein gutes Stück tiefer, sondern auch noch kurzatmig aufgrund seines Asthmas. Und die Tonlage von Vittoria Vetra ist ein wenig höher als die der Figur Langdon.

Den Angehörigen der Schweizergarde haftet hingegen ein allerliebster Schweizer Akzent an, der aber keineswegs mit echtem Schwyzerdütsch zu vergleichen ist. Es handelt sich um korrektes Hochdeutsch, doch mit dem rauen „ch“ der Eidgenossen, und hin und wieder ist eine höhere Intonation von Sätzen zu bemerken, als es im Deutschen meist der Fall ist. Infolge dieser Unterschiede ist es ohne große Mühe möglich, die Figuren auseinander zu halten.

Mit einem gewissen Verdruss bemerkte der sprachlich gebildete Hörer, dass Pampel noch im Hörbuch von „Sakrileg“ etliche fremdsprachliche (meist französische) Namen und Ausdrücke falsch aussprach. Dies ist bei „Illuminati“ nicht mehr der Fall. Tatsächlich hatte ich nur mit einem einzigen Namen etwas Mühe, weil ich die Aussprache nicht richtig hörte: Der Zeremonienmeister der Kardinäle, der das Konklave leitet, heißt entweder Montati oder Mortati oder Mottati.

|Dramaturgie|

Der Text des Buches wurde von Arno Hoven bearbeitet und stark gekürzt. Das tut der Spannung aber nur gut, denn so fallen etliche Beschreibungen der Szenerie und unwichtiger Figuren weg. Dadurch schält sich der berühmte rote Faden heraus, dem der Hörer mit einiger Leichtigkeit zu folgen vermag. Es erweist sich jedoch als hilfreich, sich ein klein wenig in der heiligen Stadt auszukennen. Wichtige Landmarken wie der Petersdom, der Tiber, die Hügel, die Engelsburg und vielleicht noch die sehr schöne Piazza Navona zu kennen, ist gewiss kein Nachteil. Zumal dem Hörbuch natürlich keine Stadtkarte beiliegt.

|Die Musik|

Die dem Text unterlegte Musik von Michael Marianetti und Andy Matern finde ich recht passend, vor allem weil sie sparsam eingesetzt wird, meist als Punktuation zwischen Kapiteln. Mal kommt sie dynamisch drängend daher wie in einem Actionthriller, doch meistens getragen und feierlich wie bei einer Messe. Es geht eben sehr viel um religiöse Inhalte (was hier nicht weiter ausgeführt werden darf, ohne den Clou zu verraten!). Hier passen dann stimmungsvolle Orgeln und ein paar feierliche Chöre.

_Unterm Strich_

Im Grunde geht es dem Autor um die Erörterung des alten (scheinbaren?) Gegensatzes zwischen Vernunft / Wissenschaft und Glauben / Religion / Kirche. Die vier Kardinale werden der Reihe nach auf „Altären der Wissenschaft“ geopfert. Doch dabei handelt es sich um Orte, für die man ebenso Kunst- wie auch mystischen Verstand braucht. Am Schluss spitzt sich der Konflikt zu, doch wie auch immer der Ausgang sein mag, so lässt er sich doch ebenfalls politisch verwenden – ob für oder gegen die Kirche, soll hier nicht verraten werden.

|Engel & Dämonen|

Schrieb Dan Brown in „Sakrileg“ kurz mal die Geschichte des Christentums um, so leuchtet er in „Angels & Demons“ in die Leichenkeller des Vatikans. Er fördert Engel & Dämonen zutage, doch allmählich wird klar, dass die Unterscheidung zwischen dem, was ein Engel sein soll und dem, was ein Dämon sein könnte, gar nicht so einfach ist. Letzten Endes ist es beim Glauben wie mit der Wissenschaft: Es kommt drauf an, was man damit anstellt. Antimaterie kann – wie Atomkraft – Fluch oder Segen sein, je nach ihrer Verwendungsweise.

Das Gleiche, so suggeriert Brown, trifft auch für den Glauben zu: Er kann die Menschen erleuchten und zu erhöhter Spiritualität emporheben, er kann aber auch zur Unterdrückung von Wahrheit und Andersdenkenden benutzt werden. Und wer die Geschichte – der Kirche wie auch der Wissenschaft – nicht kennt, ist gezwungen, sie zu wiederholen. Engel oder Dämon, der Mensch ist beides. Er muss sich lediglich in Kenntnis der Realität entscheiden.

|Der Sprecher|

Dass der Sprecher des Hörbuchs mit seiner tiefen Stimme wie Harrison Ford alias Indiana Jones klingt, kommt der Spannung und Faszination der eh schon aufregenden Geschichte zugute. In der gekürzten Fassung ist das Geschehen noch mehr auf Action um den roten Faden der Story ausgerichtet. Aber das tut dem Vergnügen keinen Abbruch, wenn man die Logiklöcher, die übertriebenen James-Bond-Stunts und die Indiana-Jones-Schnitzeljagd hinnimmt. (Tut man dies nicht, kann man den Rest gleich vergessen.)

|Der Preis|

Der stark herabgesetzte Preis von schlappen 10,95 Euronen (bei |amazon.de| derzeit für 7,70 €) dürfte eine Menge Käufer reizen, zu einem Hörbuch zu greifen, das über sieben Stunden spannende Unterhaltung im Stil des bekannten Bestsellers bietet. Und angesichts der Komplexität der Schnitzeljagd könnte man die sechs CDs glatt noch einmal von vorn anhören. Schade, dass man dann schon weiß, wie’s ausgeht. Autofahrer, die sich das Hörbuch auf Nachtfahrten reinziehen, werden jedenfalls bestimmt nicht in Gefahr geraten, am Steuer einzuschlafen.

Fragt sich nur: Wann kommt das Hörbuch zu „Meteor“?

|Umfang: 437 Minuten auf 6 CDs|