Arkadi und Boris Strugatzki – Das Experiment

„Das Experiment ist das Experiment“ … Verzweiflung, Schicksalsergebenheit, Desinteresse, Lethargie – all das kann aus diesem einen Satz sprechen, den die Bewohner der „Stadt“ ständig wiederholen und vor allem in undurchsichtigen Situationen resigniert plappern. Was ist das Experiment? Wer sind die Experimentatoren, wer die mysteriösen Mentoren?

Die Autoren

Die Strugatzki-Brüder gelten unumstritten als die besten SF-Autoren Russlands. Viele ihrer Werke wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und zählen zu den bedeutendsten SF-Werken des 20. Jahrhunderts. Arkadi Strugatzki starb im Jahre 1991 – damit endete eine der faszinierendsten Kooperationen der Literaturgeschichte.

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Alan Dean Foster – Alien. Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt

Die angebliche Rettung havarierter Raumfahrer entpuppt sich als Falle, die der Crew eines Erzfrachters ein schier unsterbliches Alien beschert, das für Terror & Tod an Bord sorgt. Erbittert kämpfen die Männer und Frauen der „Nostromo“ um ihr Leben, das anderenorts längst als entbehrlich abgehakt wurde … – Foster erzählt nicht nur das Drehbuch zu einem der besten SF-Filme aller Zeiten nach, sondern verwandelt es in einen eigenständigen Roman, der den Film ergänzt und erweitert. Alan Dean Foster – Alien. Das unheimliche Wesen aus einer fremden Welt weiterlesen

Clarke, Arthur C. – Lied der fernen Erde, Das

Einige tausend Jahre in der Zukunft. Thalassa ist eine menschliche Kolonie, fünfzig Lichtjahre von der Erde entfernt. Es ist ein sonniges Paradies mit unbegrenztem Ozean und zwei kleinen Kontinenten, auf denen sich die Menschen niederließen.
Seit Jahrhunderten ist die allgemeine Meinung gefestigt, dass es mit höchster Wahrscheinlichkeit keine außerirdischen Intelligenzen in der Milchstraße gibt. Da geschieht das Unglaubliche: Ein gigantisches Raumschiff erscheint über Thalassa! Die friedliche Idylle wird gestört; als sich herausstellt, dass die |Magellan| eine Million Überlebende von der Erde an Bord hat, steigt die Aufregung ins Unermessliche.

Bis zu diesem Zeitpunkt war bemannte Raumfahrt unmöglich, die Kolonien wurden durch Saatschiffe gegründet, welche die genetische Anlage der Menschen dem Planeten einimpften. Kurz vor der finalen Katastrophe, die Entstehung der solaren Supernova, gelang es irdischen Wissenschaftlern, den Quantenantrieb zu entwickeln, mit dem echte Großraumschiffe realisiert werden konnten. Die |Magellan| ist das erste und einzige Schiff seiner Art.

Die Lage beruhigt sich, als sich herausstellt, dass die Flüchtenden ausschließlich an einigen tausend Tonnen Wasser interessiert sind, die ihren ausgedienten Eisschirm erneuern sollen. Auf einem kleinen Teil des südlichen Kontinents wird eine Eisanlage errichtet, von der aus das Wasser in gefrorenem Zustand in den Raum befördert wird.

Das Zusammentreffen der Thalassier mit den Menschen der Erde gestaltet sich recht unproblematisch, nachdem kulturelle Unterschiede geklärt werden konnten. Die thalassische Ungezwungenheit in Beziehungen birgt die letzten Probleme, als sich eine intelligente Thalassierin in einen Offizier der |Magellan| verliebt und dafür ihren bisherigen Begleiter verlässt. Das Dilemma ist kompliziert, da die „Magellan“ nach Fertigstellung des Eisschildes weiterziehen wird.

Zu allem Überfluss taucht gerade in dieser Zeit eine unbekannte Spezies aus den Meeren Thalassas auf und verbreitet Verwirrung, da es sich anscheinend um nichtmenschliche Intelligenzen handelt …

_Charaktere_

Mirissa ist eine junge Frau, derzeit die intelligenteste und geistig beweglichste Person auf Thalassa. Sie ist glücklich mit ihrem Freund Brant, der ein begabter Techniker und interessanter Mensch ist. Doch nun erscheinen die Fremden von der Erde mit ihrer fremden Kultur. Von ihnen geht eine Faszination aus, der sich Mirissa nicht entziehen kann. In dem Offizier Loren Lorensson vereinigen sich alle faszinierenden Eigenschaften. Mirissa will lernen, und sie will Leidenschaft und ein Kind … Man erfährt viel über die Gefühle und die Gedanken Mirissas, die Beweggründe, die zu der dramatischen Verbindung von ihr und Loren führen, werden einleuchtend dargestellt. Auch wenn man es nicht fassen kann, man weiß, dass sie Brant noch liebt.

Loren Lorensson ist einer der Überlebenden der Katastrophe, die die Erde vernichtete. Dieses Erlebnis hat ihn gefühlskalt werden lassen. Erst die Beziehung zu Mirissa lässt ihn das Ende der Erde verkraften. Brant gegenüber verhält er sich schuldbewusst, ist sich jedoch klar, dass die Verhaltensweisen der Thalassier nicht seinem erlernten Wissen von der Erde entspricht. Man glaubt Loren, dass er einerseits ein Kind mit Mirissa haben will, andererseits seine Plicht der |Magellan| gegenüber erfüllen muss.

Brant ist ein ungeduldiger Thalassier, der sich trotzdem verständnisvoll aus der Beziehung zu Mirissa zurückzieht. Man erkennt, dass er Mirissa noch immer liebt, doch ihr zuliebe zeitweise verzichten kann.

Kumar ist der Bruder Mirissas. Er ist nicht ehrgeizig, nicht so intelligent wie seine Schwester, aber ein angesehener Bürger Thalassas. Loren und er verstehen sich prächtig, und er rettet Loren das Leben, zu einem hohen Preis …

_Konfliktpotenzial, Spannung, Unterhaltung_

Der Roman beginnt langsam und sacht, man lernt die Hauptpersonen Thalassas kennen. Ein erster Einbruch erfolgt durch das Erscheinen der Magellan, darin erwartete ich eine stetig steigende Konfliktsituation. Die dramatische Entwicklung der Beziehung zwischen Loren, Mirissa und Brant hielt ich anfangs für schmückendes Beiwerk. Dabei ist genau das die Quelle des Konflikts, der durch den Roman gelöst werden soll. Die Beziehung einer Frau zu einem Sternfahrer, wobei beiden klar ist, dass er nach kurzer Zeit weiterreisen wird und es kein Wiedersehen geben kann. Über Funknachrichten kann er nach seiner Tiefschlafreise das Altern seiner Liebe nacherleben …

Der Konflikt um die Magellan ist sehr zurückhaltend beschrieben und führt zu wenigen Höhepunkten. Einige Spannung entsteht durch das Auftauchen der Skorps (der nichtmenschlichen Intelligenzen), aber auch diese Verbindung dient nur der Vertiefung der tragischen zwischenmenschlichen Situation von Loren und Mirissa.

Leider hat Clarke das hohe Konfliktpotenzial (in drei Stufen angelegt) nicht ausgeschöpft. Der Roman plätschert vor sich hin, nie so langweilig, dass man ihn weglegen müsste (immerhin gibt es interessante Fragen zum Kontext, die man beantwortet haben will), aber auch nie so mitreißend, dass man nicht aufhören könnte zu lesen. Ich hätte mir gewünscht, dass Clarke der Skorp-Thematik mehr Gewichtung hätte zukommen lassen. Zum Ende des Romans erhalten sie noch eine kurze, unaufgelöste Bemerkung, die erneuten Konflikt prophezeit. Leider werden wir das wirkliche Ende nie erfahren.

Von diesem Gesichtspunkt aus hat Clarke doch wieder einen guten Griff getan: Der Roman hat ein relativ offenes, für Fantasie freies Ende.
Mit Kumar stirbt die einzige Person in dem Roman, und sein Ende ist wirklich ergreifend geschildert in seiner Ausweglosigkeit und Tragik. Damit löst sich der Konflikt auf, treibt die Geschichte einem Ende zu, doch konnte ich nicht in meiner Trauer als Leser schwelgen, denn kurz werden zum Schluss noch die Schicksale anderer Aspekten angedeutet.

_Fazit_

Das Buch liest sich entspannt und unterhaltsam, in einigen Teilen geht Clarke meiner Meinung nach zu wenig in die Tiefe, andererseits schafft er es sehr gut, ergreifende Szenen zu schildern. Zum Beispiel die namengebende Szene zum Schluss, wo mit der alten Musik der zerstörten Erde das Ende der direkten Beziehung zwischen Magellan und Thalassa seinen Anfang nimmt.
Das Buch hat mich emotional berührt, auch wenn ich nicht völlig befriedigt von seinem Inhalt bin und einige Fragen offen bleiben. Trotzdem möchte ich es jedem empfehlen, der gute Unterhaltung ohne Action, Mord und Totschlag genießen möchte.

Camilleri, Andrea – zweite Kuss des Judas, Der

Zu den Osterfeiertagen findet in Vigàta jedes Jahr ein „Passionsspiel“ mit Laiendarstellern statt. Der Filialdirektor einer ortsansässigen Bank spielt den Judas schon seit fünf Jahren. Doch diesmal verblüfft er Kollegen, Familie und Publikum gleichermaßen: Er verschwindet spurlos. Polizei und Carabinieri müssen gemeinsam ermitteln, um das Rätsel zu lösen – ein Politikum ersten Grades.

|Der Autor|

Andrea Camilleri ist kein Autor, sondern eine Institution: das Gewissen Italiens. Der 1925 in dem sizilianischen Küstenstädtchen Porto Empedocle geborene, aber in Rom lebende Camilleri ist Autor von Kriminalromanen und -erzählungen, Essayist, Drehbuchautor und Regisseur. Er hat dem italienischen Krimi die Tore geöffnet.

Die Hauptfigur in vielen seiner Romane, Commissario Salvo Montalbano, gilt inzwischen als Inbegriff für sizilianische Lebensart, einfallsreiche Aufklärungsmethoden und südländischen Charme und Humor. Er ermittelt in komplett erfundenen, aber „wirklich“ erscheinenden Orten wie Marinella, Vigàta und der Provinzhauptstadt Montelusa.

Allerdings ist der Commissario nicht der Liebling aller Frauen: Zu oft hindert ihn sein ausgeprägtes Pflichtbewusstsein daran, dringende Termine mit seiner festen Freundin Livia wahrzunehmen, mit der er seit sechs Jahren liiert ist, die aber in Genua lebt, also aus „dem Norden“ kommt. (Auch Camilleris Frau stammt von dort, aus Mailand.)

_Handlung_

Am Karfreitag des Jahres 1890 findet auf dem Hauptplatz von Vigàta, direkt vor einem Palazzo, die jährliche Aufführung des „Passionsspieles“ statt. Laiendarsteller der Stadt inszenieren nach einer Vorlage aus dem Jahr 1750 die letzten Tage Jesu Christi, zum Lobe des Herrn natürlich, aber auch zur Unterrichtung der jungen, im Glauben vielleicht noch ungefestigten Generation.

Zeitungsartikel beschreiben Herkunft und Ablauf des Passionsspiels, den Schauplatz sowie die wichtigsten Beteiligten. Diesmal gibt es zwei Neuerungen: Der Jesus-Darsteller ist kein Geistlicher, sondern ein Lehrer. Dagegen hat es bereits Proteste gegeben. Und das Schicksal des Judas Ischariot ist ein recht ungewöhnliches.

Judas wird wie seit fünf Jahren wieder von Antonio Patò gespielt, dem Direktor einer Bankfiliale. Diesem ehrenwerten Bürger, Ehegatten und Familienvater bringen aber gewisse Subjekte neuerdings Vorbehalte entgegen: Kurz vor der Aufführung hatte er einen heftigen Streit mit einem Angehörigen der Mafia, und ein geistig verwirrter Religionsfanatiker stieß Todesdrohungen gegen den „Judas“ aus.

Am Ende seines Auftritts muss sich jedenfalls der Verräter Jesu an einem Baum die Schlinge um den Hals legen und erhängen. Anschließend öffnet der Darsteller eine Klappe im Bühnenboden und begibt sich eine kurze Treppe hinunter in die Unterbühne, so als ob er zur Hölle fahre. Eigentlich erwarten ihn seine Kollegen eine halbe Stunde später zurück, um den Applaus entgegenzunehmen. Doch diesmal bleibt Antonio Patò buchstäblich in der Versenkung verschwunden.

Wie Polizeikommissar Ernesto Bellavia und der später hinzugezogene Carabinieri-Maresciallo Paolo Giummàro zu ihrem Leidwesen herausfinden, war der Verschwindibus nicht irgendwer. Sein Onkel, Seine Exzellenz, der Unterstaatssekretär Senator Pecoraro, spielt eine wichtige Rolle in den Unternehmerkreisen der Region Vigàta/Montelusa und hat vielen Geld geliehen – wie sich herausstellt, auch einem Mafiachef. Mit solch einem Herrn ist nicht gut Kirschen essen, denn er macht gewaltig Druck auf die Vorgesetzten der Ermittler.

Zunächst heißt es, Patò sei „vermisst“. Er muss entweder ermordet oder verschleppt worden sein, denn nirgends taucht er auf. Oder hat er sich nach einem Vergehen aus dem Staub gemacht? Auch aus der Kasse der Bank fehlt nichts. Die Frage nach dem Warum lässt sich also vorerst nicht beantworten, aber dann vielleicht die Frage nach dem Wie? Auch die Suche nach dieser Antwort stellt sich als nicht ganz einfach heraus. Und die Lösungsvorschläge zweier englischer Gentlemen, die sich als „Wissenschaftler“ ausgeben, sind wenig konstruktiv (und außerdem viel zu teuer).

Je mehr sich die Ermittlungen hinziehen, desto mehr geraten die Ermittler selbst unter Beschuss. Zwei konkurrierende Zeitungen, die eine erscheint in Montelusa, die andere in Palermo, äußern konträre Ansichten und Vorschläge, je nachdem, welcher politischen Partei sie gehören. Der Druck auf die Behörden steigt.

Zunehmend sind die Vorgesetzten der beiden Ermittler befremdet von den Resultaten, die die beiden ihnen in den Tagesberichten liefern. Was für absonderliches Zeug! Konstruktions- und Lagepläne der Bühne, Beschreibungen von belanglosen Schubladeninhalten, Fahrplanänderungen der Bahn – ja, sind Bellavia und Giummàro von allen guten Geistern verlassen? Und dann nehmen die beiden auch noch einen Tag Urlaub und fahren nach Palermo!

Während die entnervten Bosse ihnen eine letzte Frist von zehn Tagen stellen, stoßen der Kommissar und der Carabiniere, die inzwischen gute Freunde geworden sind, auf einen derart kühnen Plan hinter Patòs Verschwinden, dass ihnen niemand die Lösung des Rätsels abnehmen wird, schon gar nicht der Senator Pecoraro. Wenn sie ihre Posten behalten wollen, müssen sich die beiden dringend etwas einfallen lassen …

_Mein Eindruck_

|Dossier|

Dieser Roman besitzt eine außergewöhnliche Form: Er besteht nämlich ausschließlich aus Dokumenten. Wie der Autor anmerkt, handelt es sich um ein Dossier. Dieses besteht aus Tagesberichten, Anweisungen, Zeugenberichten, persönlichen Briefen, Zeitungsartikeln, sogar Wandschmierereien (Volkes Stimme) und so weiter. Das Ganze mündet in nicht weniger als zwei Abschlussberichten der zwei Chefermittler an ihre Vorgesetzten, die das Vorgetragene für baren Unsinn halten. Na, bitte, dann muss es eben noch ein drittes Resultat geben. Und das ereignet sich, abseits jeglichen Papierkriegs, auf typisch sizilianische Weise.

Dossier – das klingt nach einer reichlich trockenen und langweiligen Angelegenheit. Das Gegenteil ist der Fall. Ich habe das Buch in wenigen Stunden gelesen. Hilfreich dabei war sicherlich, dass all diese amtlichen Briefköpfe und Schlussformeln eine Menge unnötigen Platz auf den Seiten wegnehmen. So vergehen die 250 Seiten wie im Fluge.

|Vitalität|

Doch auch die Handlung, von der ich oben nur die wichtigsten Aspekte skizziert habe, trägt wesentlich zur Unterhaltung des Lesers bei. Man befindet sich im Jahr 1890, und die Menschen um diese Zeit sind noch unbeleckt von den Feinheiten kultivierter Zivilisation. Die Angehörigen der niederen Stände beispielsweise geben, im Unterschied zu den zwei höheren Klassen (Bürger/Beamte/Militär sowie Adel), ihren körperlichen Bedürfnissen ungeniert nach. Das betrifft, wie den Polizeiberichten zu entnehmen ist, nicht nur der Verrichtung der Notdurft an allen möglichen und unmöglichen Örtlichkeiten, sondern auch den Sex.

|Horrible Unzucht|

Die absolut köstlichste Episode hat damit zu tun. Die alte Fürstin, die im Palazzo lebt, vor und in dessen Erdgeschoss das Theater zeitweilig eingerichtet wurde, ist sehr fromm und daher sehr erbost über das gottlose Schauspielervolk in ihren Mauern. Doch weh!, als sie ihre eigene Kapelle aufsucht, um dem Herrn ihr Leid zu klagen, traut sie ihren Augen kaum: Vor ihr, mitten in der Kapelle, kopulieren zwei Schauspieler in schamloser Weise. Die arme Fürstin verliert stante pede die Besinnung, sinkt zu Boden und holt sich dabei eine Kopfverletzung. Der Aufruhr im Palazzo kennt keine Grenzen mehr. Doch welchen Vergehens, so fragt Commissario Bellavia seinen Chef scheinbar naiv, soll ich die beiden Übeltäter bezichtigen? Es war ja nicht gerade öffentliche Unzucht. Und erkannt wurden sie auch nicht.

Auch diese Episode hat der Autor nicht zum Selbstzweck aufgenommen, sondern sie spielt eine gewisse Rolle bei Patòs Verschwinden. Der religiöse Fanatiker, der dem Judas den Tod androhte, erleidet ebenfalls ein erotisches Schicksal: Er geht lieber zur Dorfdirne Agata als zum Morden. Ansonsten zeigt sich das Leben in Sizilien immer wieder von seiner lebensgefährlichen Seite. Schlägereien sind ebenso gang und gäbe wie der eine oder andere Mafiamord. Leidenschaft, die Leichen schafft.

|Zur Hölle mit ihm!|

Noch einen Tick krasser mutet hingegen die Erklärung an, die der strenge Fastenprediger Seminara der hinterbliebenen Gattin des Antonio Patò anbietet: Der Verschwundene sei geradenwegs zur Hölle gefahren, weil er es verdient habe – schließlich habe er ja das Verbrechen des Schauspielens begangen. Signora Patò bricht vor Entsetzen ohnmächtig zusammen. (Es gibt eine Menge Ohnmachten in diesem Roman.)

|Rationalität|

Dagegen heben sich die rationalen Überlegungen, die die Ermittler in ihren Tagesberichten ausbreiten, geradezu beruhigend ab. Nicht ganz so schlau und verwegen wie Sherlock Holmes, aber doch hartnäckig auch das Undenkbare einbeziehend, treiben sie die Ermittlung in eine Richtung voran, die den Vorgesetzten und insbesondere dem Senator überhaupt nicht behagt. „Finger weg von der Bank!“ heißt es immer wieder. Doch natürlich ist genau dort der Hund begraben. Angesichts der fortwährenden Schikanen sehen die Ermittler auch keinen Grund mehr, bei der Durchsuchung der Bank die erflehte Diskretion walten zu lassen: Alles geschieht am helllichten Tag, vor großem Publikum, unter aller Augen.

|Wahrheit vs. Politik|

Der Konflikt, der sich zwischen dem Streben nach Wahrheit und den Einmischungen der Politik anbahnt und schließlich karrieregefährdend zuspitzt, schält sich klar heraus. Der Autor bricht dabei eine Lanze für die beiden Ermittler – wie könnte es anders sein? Denn gerade Bellavia ähnelt seinem Commissario Montalbano in allen Grundzügen. Leider lässt es die Form des Dossiers nicht zu, dass individuelle Charakterzüge beschrieben werden (allenfalls durch Zeugenaussagen). Die Zusammenarbeit zwischen Polizei und Carabinieri ist aber auch Modell für die Kooperation, die Montalbano in der Novelle „Das vierte Geheimnis“ (in „Die Rache des schönen Geschlechts“) pflegt. Bellavia ist es dann, dem der rettende Einfall kommt, wie sie ihren Hals aus der Schlinge ziehen können.

|Alles Roger!|

Spätestens auf Seite 200 weiß der Leser ziemlich genau, wie der Hase läuft, also was es mit Patòs Verschwinden auf sich hat und was sein Motiv war. Das tut aber dem Spaß an der Darlegung der Auflösung in den beiden Abschlussberichten keinen Abbruch. Dort ergeben sich noch einige nette Seitenaspekte. Insgesamt ist der Roman durchaus spannend, humorvoll (in Komik und Ironie), sinnlich und ziemlich flott zu lesen (s. o.).

_Unterm Strich_

Dieser „historische Kriminalroman“ beleuchtet zwei Aspekte: erstens die im Jahr 1890 bestehende sizilianische Gesellschaft, gerade mal 25 Jahre nach der Ausrufung des unabhängigen Königreichs Italien (und nur 35 Jahre vor Camilleris Geburt) – das ist schon recht interessant und erhellend; und zweitens das Innenleben der Polizeibürokratie, in die sowohl der Einfluss der Kirche (inklusive eines Wanderpredigers) als auch der Politiker in Rom hineinwirkt. Nicht zu vergessen die Mafia. Das kommt einem doch alles recht vertraut vor, erinnert in manchem an Szenen aus Coppolas „Pate“-Trilogie. Es kommt sogar jemand namens Corleone vor. Sizilien ist eben klein.

Wer die Form des Dossiers nicht scheut – sie unterscheidet sich nur unwesentlich vom vertrauten Briefroman des 18. Jahrhunderts (z.B. „Werther“) -, wird mit einem spannenden und mitunter sehr komischen Krimi belohnt, der sich vor Serienhelden wie Salvo Montalbano nicht zu verstecken braucht.

RatCon 2004

20 Jahre DSA – dieses Jubiläum schwebte nach den Veranstalteraussagen |FanPros| weit über der gesamten [RatCon]http://www.ratcon.de/ im September 2004, an altgewohntem Ort, dem Fritz-Henßler-Haus im Zentrum Dortmunds.
Viele altbewährte Veranstaltungspunkte der letzten Jahre wurden wiederholt, interessante Ergänzungen rundeten das Programm ab, sodass die RatCon dieses Jahr zu einer rundum gelungenen Veranstaltung wurde.

Neben fast allen Redaktionsmitgliedern des „Schwarzen Auges“ war auch erneut eine Illustratorenkolonne angerückt: Besonders Caryad und Sabine Weiß schufteten fast rund um die Uhr, um auch noch dem Letzten ein Bild seines persönlichen Helden aufs blütenweiße Zeichenpapier zu bannen.

Erneut dominierten (wie es bei FanPros „HausCon“ auch nur allzu verständlich ist) die Systeme |DSA|, |Shadowrun| und |Battletech| – zumindest Letzteres fand jedoch in Turnierform hinter verhängten Türen statt, sodass der normale Conbesucher kaum Einblicke erhielt. Alle Nicht-Tabletopper mischten sich jedoch fröhlich, und schon knapp zwei Stunden nach Eröffnung der „48 Stunden Spielspaß“ waren sämtliche Tische besetzt und der Marathon begann.

Highlights für viele Spieler waren sicherlich nicht die angebotenen Workshops, sondern die multiparallelen Abenteuer: Hier kamen die Alveraniare zum Einsatz, die von FanPro zum Zwanzigsten des bekanntesten deutschen Rollenspiels ernannten Sendboten der Götter. Doch auch Shadowrunner kamen mit den nach Spieleraussagen ebenfalls sehr professionell organisierten MPAs und 24-Stunden-Runs nicht zu kurz, und wer einen der begehrten Plätze erhalten hatte, durfte sich glücklich schätzen.

In die Vollen ging Florian Don-Schauen direkt um 20 Uhr: Die letzte der vier Vorrunden zum „Drachengedächtnis“-Quiz startete in der gut gefüllten Aula. Wie üblich stand am Anfang zunächst das gesamte Publikum, das an dem Quiz teilnahm, doch schnell lichteten sich die Reihen durch knallharte Fragetechnik („Wer ist älter – Thomas Römer oder Florian Don-Schauen?“) und die wahrhaft Würdigen sowie der Tagessieger, der am nächsten Abend gegen die ihm ebenbürtigen Drachen antreten sollte, kristallisierten sich im kurzweiligen Verlauf recht schnell heraus.

Neben dem Hauptact des Freitagabends liefen auch noch kleinere Veranstaltungen, eine rege Vorfreude jedoch baute sich merkbar zum traditionellen Hadmar-Vortrag am Samstagmorgen auf: Als Tempelwache verkleidet (obwohl das Kostüm ob seiner Knappheit am großen Hadmar irgendwie nicht zur Bewegung gemacht zu sein schien, die es regelmäßig aus seinen Fugen geraten ließ) unterhielt der Entertainer und DSA-Autor die Fangemeinde im rappelvollen Kinosaal mit Anekdötchen und Analysen, die jedoch gegenüber den letzten Jahren irgendwie an Konsistenz verloren: Viele Wiederholungen der letzten Jahre mit teilweise langatmigen Stellen blieben ohne rechte Aussage, die Witze leider eher Spontanlachern des Publikums als wirklichem, sprühendem und vor allem durchgängigem und die Veranstaltung tragendem Humor verpflichtet.
Da stimmt dann die Frage ans Publikum (nur eine unter vielen), ob man sich einen komödiantischen Hadmar auf CD wohl kaufen würde, eher seltsam – ein erwartungsgemäß divergentes Ergebnis rief sie hervor.

Interessant, wenn auch nicht komplett uneigennützig, war der Talentworkshop (die Atmosphäre hatte etwas von einem Casting ohne künstlich aufgebauten Druck), den FanPros Romanabteilung (früher Phoenix) ebenfalls am Samstag veranstaltete: Jungautoren konnten ihre Texte einer kritischen Jury vortragen, die entweder lobte oder konstruktive Verbesserungsvorschläge verteilte.
„Die Zukunft des Horasreiches“ wurde von Frank Batels und Thomas Römer en passant in Zusammenarbeit mit den Fans gestaltet, bis schließlich die |Gezeitenwelt|-Autoren die Aula erneut füllten: Eine Lesung aus dem zum Zeitpunkt der RatCon noch nicht erschienenen Roman „Das Traumbeben“ von Karl-Heinz Witzko sowie aus dem wohl ersten Buch, das gemeinsam von vier Autoren geschrieben wurde, stand an: Das „Geheimnis der Gezeitenwelt“ begeisterte die Anwesenden durch eine Handlung, die 500 Jahre vor dem eigentlichen Beginn der Zeit, in der die Romane der Hauptreihe liegen, spielt.

Der erfolgreiche (Shadowrun-)Autor Markus Heitz (unter anderem „Die Zwerge“ und „Der Krieg der Zwerge“) hielt am Nachmittag ebenfalls eine Fragestunde ab, die nach Fanaussagen durchaus erwartet gut besucht und ansprechend gestaltet war.

Auch der Workshop zur Zukunft des Güldenlandes / Myranors war mit den Autoren Olaf Michel, Thomas Römer, Stefan Küppers und Michael Wuttke durchaus prominent besetzt und zog entgegen der Workshops in den vergangenen Jahren auch gleich ein Zehnfaches an Fans an: Statt fünf saßen die verdutzten Autoren gleich 50 Fans gegenüber, die sich für die Zukunft der vernachlässigten Region Deres interessierten.

Neben einigen kleineren und parallel laufenden Workshops (unter anderem „DSA – Abenteuer gestern und heute“, Schreibworkshops, Improvisationsanleitungen für den Spielleiter und Spielertrainings) fand am Samstagabend die Endrunde des Drachengedächtnisquiz statt, der der Berichterstatter leider nicht beiwohnen konnte, da ein kulinarisch angehauchtes Treffen des harten Kerns der |Gezeitenwelt|-Fans mit den Autoren anstand.

Am Sonntag jedoch begeisterten die Fans vor allem die Verleihung des „Gänsekiel & Tastenschlag“-Abenteuerautorenwettbewerbes, ausgerichtet von mehreren großen Internetseiten rund um DSA, sowie die große Podiumsdiskussion: Doch auch hier waren schon einmal mehr Fans anwesend – angesichts der wenig spannenden News, die die Redaktion zu verkünden hatte und die sich hauptsächlich auf Stimmungsmache zum anstehenden „Jahr des Feuers“ sowie die Bekanntgabe der Produktreleases beschränkte, kein Wunder.

Durchgehend (und zum Ende hin mehr werdend) fand man todesähnlich aussehende Schlafleichen in den Fluren und Gängen des FHH, gespielt wurde von einigen Eiferern tatsächlich 48 Stunden nonstop und mit gehörigem Spaß. Doch auch das fast durchgängig geöffnete DSA-Museum (unter anderem mit der Supersonderdeluxespezialausgabe des |Liber Cantiones| und weiteren Spezereien) begeisterte die Fans erheblich – eine gehörige Portion Nostalgie immer im Gepäck.

Insgesamt bot die RatCon tatsächlich die angepriesenen „48 Stunden Spielspaß“ – allerdings nur für den, der imstande war, 48 Stunden Bierzeltgarnitur lebend zu überstehen. Die Atmosphäre war diesmal gut; keine Demo (mit folgender Gegendemo) wie im letzten Jahr störte die Parker und Conbesucher, die sich nichts ahnend in Richtung der „Fressmeile“, der Brückstraße, aufmachten – kurzum: Eine Großveranstaltung, die ohne merkbare Reibereien oder Probleme ablief und einige kleine Akzente in Richtung „20 Jahre DSA“ setzen konnte. Am nächsten Wochenende nach den Sommerferien NRWs steht sie wieder vor der Tür, die RatCon – wie eine verpflichtende, weil sehr angenehme Tradition.

_Alexander Noß / Firunew _
hausherr@firunews-villa.de

|Dieser Con-Bericht wurde mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de/ veröffentlicht.|

Pelot, Pierre – keltische Grab, Das

An der Universität von Rennes möchte Chloé Séverin Geschichte und Ethnologie studieren. Der Ort ist gut gewählt, denn just haben im geheimnisvollen Wald von Brocéliande groß angelegte Ausgrabungen begonnen. Ein gewaltige keltische Kultstätte wurde dort gefunden. Vor zwei Jahrtausenden haben Druiden an diesem Ort ihre mysteriösen Zeremonien abgehalten.

Was die Wissenschaftler (noch) nicht ahnen: Besagte Druiden geboten einst über einen okkulten Wachschutz. Bei Bedarf erweckten sie gegen ihre Feinde einen urzeitlichen Dämonen: die fürchterliche Furie Morrigane. Der gefiel es noch nie in ihrer privaten Hölle, die sie gar zu gern verlässt, um Mord & Schrecken über die Menschen zu bringen.

Chloé sieht sich zu ihrem Schrecken in diverse unheimliche Ereignisse verwickelt. Vor ihren Augen wird des Nachts ein irischer Gelehrter von einem Ungeheuer in Stücke gerissen. Die Polizei kann keine Spuren entdecken und tippt sich viel sagend an den Kopf. Das Monster verfolgt anschließend Chloé; besser gesagt: Es bewacht sie.

Die junge Frau hat inzwischen Freunde gefunden und macht sich daran, das Rätsel zu lüften. Der berühmte Professor Brennos scheint weitaus mehr zu wissen als er bereit ist zuzugeben. Die Archäologen der Universität finden im Fort von Brocéliande immer mehr Spuren, die zur Beunruhigung Anlass geben.

Immer deutlicher werden für Chloé die Hinweise auf ein schreckliches Geschehen, in dem sie die Hauptrolle spielt. In der Nacht vom 31. Oktober auf den 1. November berühren sich die Welten der Lebenden und der Toten: Samhain, heute Halloween genannt, ist blutige Realität. Morrigane benötigt ein letztes Menschenopfer, dann wird sie ihre Schreckensherrschaft antreten. Wer diese Rolle übernehmen soll, erfährt Chloé, als es für sie beinahe zu spät ist …

Manche Horrorromane gleichen den Spukgestalten, von denen sie erzählen: Es sollte sie eigentlich gar nicht geben, aber trotzdem existieren sie, denn sie sind verflucht. Gespenster, Dämonen und andere Bewohner der Unterwelt sind freilich unterhaltsamer als dieses Buch. Das ist außerordentlich überflüssig weil langweilig, vorhersehbar und in seiner dunklen Liebe zum abgedroschenen Klischee wahrhaft höllisch.

Grundsätzlich ist es lobenswert, dass sich europäische Unterhaltungsautoren auf ihr reiches mythologisches und historisches Erbe berufen. Der alte Kontinent birst praktisch vor fabelhaften Geschichten. Die Kelten sind ideal als Ausgangspunkt – ein hoch zivilisierter, aber immer noch wenig bekannter, fremd wirkender Verbund von Stämmen, deren kultisches Treiben heutzutage überaus bizarr und grausam anmutet.

Leider bleibt davon in der literarischen oder filmischen Umsetzung allzu oft nur das Bild hakennasiger Druidenpriester mit Rauschebart im Wallewallelaken („Modell Miraculix“), die kreischende Gefangene auf Altarsteine zwingen und mit der Sichel aufschlitzen, während wohlgestalte Tempeldienerinnen heidnisch nackt die Szene umtanzen. Auch bei Pierre Pelot läuft es letztlich genau darauf hinaus.

Bis es so weit ist, reihen sich langweilige Ankündigungen drohenden Unheils aneinander, die selbst im Halbschlaf als solche zu erkennen sind und ganz & gar nicht fesseln können. Wie üblich gibt sich die Heldin ausgesprochen dämlich; sie bleibt irgendwie die einzige, die einfach nicht begreifen will, was sich da abspielt.

Sie ist eine schreckliche Nervensäge, die arme Chloé. Ihr bleibt gar keine Alternative, denn sie muss die übliche Rolle des schönen Opfers im minderbemittelten Gruselschocker übernehmen. Chloé ist folglich vom Schicksal arg gebeutelt, trotzdem überaus reizvoll anzuschauen, aber ein „gutes Mädchen“, das viele wertvolle Gedanken (die sie den Lesern leider nicht vorenthält) bezüglich der Frage wälzt, mit wem sie denn ihr schmales Studentenlager teilen könnte. Kurz und schlecht: Chloé ist eine fade und langweilige Figur, der man schließlich insgeheim wünscht, dass ihr Schädel die Kultstätte von Brocéliande schmücken möge.

Wer sich sonst noch dort oder auf dem Campus von Chloés Uni herumdrückt, wurde ebenfalls nach Schema F geformt. Die Schurken in dem trüben Schauspiel bleiben nur für Chloé unerkannt, und dass ihre angeblichen „Freunde“ bis zum Hals im keltischen Komplott stecken, ist auch nur für sie eine Überraschung.

Was Morrigane will in der Welt des 21. Jahrhunderts, muss ihr Geheimnis bleiben. So ist das oft mit heraufbeschworenen Ungeheuern: Ihnen bleibt keine Zeit, sich über moderne Zeiten zu wundern, denn in letzter Sekunde werden sie von heldenhaften Geisterjägern zurück in die Hölle befördert. So auch dieses Mal – und das ist kein Spoiler, der erwartungsvollen Lesern den Spaß verderben könnte, sondern die traurige Realität einer Geschichte, deren Ablauf schon nach den ersten fünf Seiten absolut klar ist, bis sie in ein jämmerliches Finale mündet, das an Lächerlichkeit schwer zu übertreffen ist.

„Brocéliande“ ist das Buch zum gleichnamigen Spielfilm, der 2002 in Frankreich entstand. Unter dem Titel „Pakt der Druiden“ ist dieser auch in einer deutschen Fassung erhältlich. Regisseur Doug Headline (= Jean Manchette) schuf einen Gruselstreifen, der daheim in den Kinos floppte und in Deutschland gleich auf DVD bzw. Video veröffentlicht wurde; dort gehört er auch hin, denn da ist rein gar nichts, das dieses Werk aus der Flut ähnlicher Horrorfilme ragen lässt.

Pierre Pelot (geb. 1945) ist ein Veteran der Unterhaltungsliteratur, der sich seit vier Jahrzehnten in allen Genres tummelt. (Wer der französischen Sprache mächtig ist, findet seine sehr interessante Website unter http://perso.club-internet.fr/ppelot/index.htm.) Dass er sich nicht zu schade ist, Filmdrehbücher in Romane umzusetzen, bewies er u. a. mit dem Buch zum ungleich gelungeneren Horrorfilm „Der Pakt der Wölfe“. Vermutlich ist der Erfolg dieser Geschichte, die auch in Deutschland erschien, der Grund für die Veröffentlichung des neuen Machwerks, welches hoffentlich wie die Morrigane bald wieder vom Erdboden verschwunden ist.

Castor, Rainer – Blutvogt, Der

|Zwischen den Ränken der Berliner Patrizier und dem Schwarzen Tod versucht ein Mann sein Glück zu finden.|

_Der Autor_

Rainer Castor wurde 1961 in Andernach geboren und wurde gelernter Baustoffprüfer, bevor er seine schriftstellerische Laufbahn begann. Seine erste Veröffentlichung war innerhalb der Perry-Rhodan-Serie, für die er mittlerweile hauptberuflich tätig ist. Vorwiegend veröffentlichte er Science-Fiction-Romane; „Der Blutvogt“ ist sein erster historischer Roman.

_Inhalt_

Um 1350 tobte die Pest in Deutschland, und der junge Martin Stockmann wird zum Scharfrichter, zum Blutvogt, der Doppelstadt Cölln-Berlin ernannt.

Die Patrizier der Stadt sind in zwei Lager gespalten: Während die einen für den amtierenden Markgrafen Woldemar einstehen, halten sich die anderen an den ehemaligen Markgrafen Ludwig, der nach Woldemars scheinbarem Tod eingesetzt, aber nach mehreren Jahren abtreten musste, da Woldemar wieder auftauchte und seinen Anspruch geltend machte. Noch musste geprüft werden, ob es der „echte“ Woldemar war, doch solange verfügte er bereits wieder über sein Amt.

So kommt es zu dauernden Zwistigkeiten in Berlin, und der neue Blutvogt gerät zwischen die Parteien. Er ist zuständig für Latrinen, Scharfgericht inklusive der |Peinlichen Befragung| sowie für den Polizeidienst und die Prostitution.

Bei seinem Eintreffen in Berlin rettet er dem Lübecker Kaufmann Zirner das Leben und steht fortan in dessen Gunst, woraus sich endlich eine Freundschaft entwickelt. Nach Stockmanns Heirat mit der jungen Witwe des verstorbenen Scharfrichters gelingt es Zirner und anderen Gönnern unter den Berliner Ratsherren, den Blutvogt zum Bürger zu ernennen.

Zwar versprechen sich einige Patrizier viel von Stockmann, wollen ihn für ihre Ränke vor den Karren spannen, doch dieser ist zu klug und umtriebig; er bleibt sein eigener Herr. Immer weiter steigt er im Ansehen der Bürger, das Glück scheint vollkommen. Da erscheint ein Bruder der ansässigen Franziskaner und beginnt mit Stockmann eine freundschaftliche Beziehung, während der Martin Lesen und Schreiben lernt und weiter in der Kunst des Heilens geschult wird. Der Mönch Michael eröffnet ihm, dass er eine Vision hatte, nach der Stockmann zu etwas Höherem bestimmt sei …

Inzwischen kommt es zu offenen Zwistigkeiten zwischen den politischen Parteien, und Martin zieht den Hass der Familie Kremer auf sich und seine Frau. Als es zu einem Anschlag auf den Markgrafen kommt, gelingt es Stockmann, Woldemars Frau von einer tödlichen Verwundung zu heilen. Und trotz seiner folgenden Ernennung zum Hospitalmeister, was ihn von seinem Posten als Scharfrichter befreit, versinkt Stockmann immer tiefer im Drogenkonsum und in zum Teil schrecklichen Visionen, die schließlich ihre Erfüllung finden, als die Pest halb Berlin entvölkert und im Zuge dessen sein ärgster Widersacher, Markus Kremer, zum vernichtenden Schlag ausholt. Stockmann findet Zuflucht in seinen Visionen und auf der Suche nach dem |Heiligen Gral| …

_Kritik_

Castors Stil spaltet die Leserschaft in zwei Lager: Seine ausschweifende Art, Hintergrundinformationen einzustreuen und Details über zersplitterte Dialoge, Monologe oder Gedanken seiner Protagonisten darzustellen, findet Anklang oder führt zur Langeweile. Dabei sind seine Ideen durchaus fesselnd, nur könnte eine etwas straffere Gestaltung zu doppelter Spannung verhelfen.

So versucht er auch im „Blutvogt“, geschichtliche Zusammenhänge in unterbrechenden Gedanken unterzubringen. Darunter leiden vor allem im mittleren Teil der Erzählfluss und die Spannung, denn nach dem stetigen Aufstieg des Blutvogts im ersten Teil muss ein umso steilerer Fall erwartet werden, und der mittlere Teil zögert diesen Fall hinaus und quillt über von Daten und Hintergründen.

Die Einbindung eines mythischen Aspekts in die Handlung, eben der Heiligen Gral und die Tempelritter, macht aus dem Roman eine Mischung aus historischem und phantastischem Roman. So ist Bruder Michael ein ehemaliger Tempelritter, der die Zerschlagung seines Ordens als Jüngling miterlebte und in letzter Diensterfüllung den Ring eines Templers aus dem Inneren Kreis sowie einige diesbezügliche Literatur in Sicherheit bringt. In den Ring soll ein Stück des Grals eingefasst sein, und bei seinem Tod übergibt Michael den Ring an den Blutvogt, der sich seiner Aufgabe stellen soll.

Die Zeit nach Stockmanns tiefem Fall liest sich verwirrend und abgedreht; hier scheint der Protagonist in ständigem Drogenrausch gefangen zu sein, auf der Suche nach seinem Widersacher Markus Kremer. In seinen Visionen erlebt er Dinge, die nur einem kranken Geist einfallen können, aber dazwischen finden sich Bilder, die zur Wahrheit werden. Wo ist hier die Grenze zwischen Wahnsinn und Vision? Ist des Blutvogts letztes Opfer Teil einer wie auch immer gearteten „göttlichen Eingebung“ oder ist sein Geist verkommen zwischen Drogen und weltlichem Unglück?

Wo im ersten Teil die Spannung aus der Schilderung einer uns mittlerweile fremden Welt zwischen Hurerei, Völlerei und Gottesgläubigkeit gezogen wird, in der ein junger Mann seinen Weg entgegen aller Unbill findet, da kommt sie im letzten Teil aus der Schilderung eines verwirrten Geistes auf der Suche nach einem Mythos, der für einige Menschen vielleicht wahr geworden ist, und aus dem tragischen Schicksal, das unausweichlich auf den Blutvogt zukommt.

Dagegen bleibt der mittlere Teil, in dem Martin Stockmann scheinbar sein Ziel erreicht und sein Glück gefunden hat, etwas blass. Als Leser weiß man genau, dass dieser Zustand nicht anhalten kann, dass es zum Fall kommen muss. Doch kapitellang zieht sich dieser Abschnitt dahin mit der Schilderung geschichtlicher Zusammenhänge und Martins Schulung bei Bruder Michael bei gleichzeitiger Steigerung seines Drogenkonsums. Hier wird eindeutig, wie der Fall eingeleitet werden wird, doch muss man sich erst durch einige Seiten kämpfen, die zwar interessant in den recherchierten Daten sind, den Handlungsstrom aber abreißen lassen und die Geduld des Lesers stark strapazieren. Mit dem Eintritt der Pest fängt Castor die Spannung wieder ein und führt recht rasant zu einem unausweichlichen Ende.

Im Anhang findet sich eine ausführliche Beschreibung der Stadt Cölln-Berlin mit Skizze sowie eine ausführliche Erklärung der verwendeten altdeutschen Wörter.

_Fazit_

Trotz einiger Längen im Mittelteil ein durchaus spannendes, unterhaltsames Stück historischer Literatur, das vor allem im letzten Abschnitt mit mythischen Aspekten konfrontiert. Leider ahnt man schon lange, wie Martins Karriere zu Ende geht; im ersten Teil wundert man sich zeitweise über den Steilen Aufstieg und das erfüllte Glück des Protagonisten. Insgesamt ein guter Roman, den ich jedem Freund von mittelalterlicher Geschichte empfehlen möchte.

Alexander, Lloyd – Taran – Der Findling

_Neues aus Prydain, aber wo ist Taran?_

Dies ist der sechste Band eines Fantasy-Zyklus, der es vielleicht nicht mit Tolkiens „Herr der Ringe“ aufnehmen kann, der aber ebenso stark auf Mythen und Fantasythemen zurückgreift. Und die Hauptfigur Taran, die im Laufe des Zyklus eindrucksvoll heranreift, lieferte wie Tolkiens „Herr der Ringe“ die Vorlage zu einem Zeichentrickfilm.

Diese Geschichten erscheinen zum ersten Mal in deutscher Sprache, wie uns der Verlag versichert. Sie wurden vom Herausgeber der Fantasyreihe, Helmut W. Pesch, übersetzt, der auch eine erhellende Biografie und Bibliografie beigefügt hat.

|Der Autor|

Lloyd Alexander, geboren 1924, ist der Autor der „Chroniken von Prydain“ (= Britannien). Ähnlich wie bei Tolkien, der mit „The Hobbit“ (1937) zunächst eine Fantasy für Kinder schrieb, beginnt auch Alexander mit einer leichtfüßigen Kinder-Fantasy, um dann jedoch schnell auf tiefere, dunklere Themen sprechen zu kommen. Der erste und Teile des zweiten Bandes fanden Eingang in einen gleichnamigen Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1985: „Taran und der Zauberkessel“.

Der |Taran|-Zyklus:

1. „Taran und das Zauberschwein“ bzw. „Das Buch der Drei“ (engl. The Book of Three) (1964)
2. „Taran und der Zauberkessel“ bzw. „Der schwarze Kessel“ (engl. The Black Cauldron) (1965)
3. „Taran und die Zauberkatze“ bzw. „Die Prinzessin von Llyr“ (engl. The Castle of Llyr) (1966)
4. „Taran und der Zauberspiegel“ bzw. „Der Spiegel von Llunet“ (engl. Taran Wanderer) (1967)
5. „Taran und das Zauberschwert“ bzw. „Der Fürst des Todes“ (engl. The High King) (1968) – Gewinner der Newbery Medal, 1969
6. „Der Findling und andere Geschichten aus Prydain“ (engl. The Foundling) (1973) – Sammlung von Kurzgeschichten, die in Tarans Welt Prydain spielen

_Die Geschichten aus TARANs Welt_

In der ersten Geschichte „Der Findling“ erfahren wir, wie aus einem Findling in den Marschen von Morva der Zauberer Dallben wurde. Er wuchs bei den drei Hexen/Parzen/Nornen/Schicksalsgöttinnen Orgoch, Orwen und Orddu auf. Weil er von ihrem Zaubertrank kostete, erkannte er die Wahrheit ihrer Existenz: das Schicksal der Menschen zu weben und zu bestimmen. Angesichts seines neuen Wissens konnte er nicht mehr bleiben, doch beim Abschied bekam er „Das Buch der Drei“, ein Buch der Weisheit und mit allen Informationen über Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Doch auch dieses Geschenk hat einen Preis.

Der Bauer, der Dallben auf der Straße begegnet war, beklagt sich über das Älterwerden, bis er eines Tages von einem der Zwerge – es ist wieder einmal Doli – einen magischen Stein als Ausgleich für einen Hilfsdienst erhält. Der Stein soll Bauer Mabion ewige Jugend verleihen. Das funktioniert auch, doch leider auch bei allem anderen, das auf dem Gehöft wächst: Die Saat geht nicht auf, die Kuh kalbt nicht und aus den Eiern schlüpfen keine Küken. Nur auf die harte Tour erkennt Bauer Mabion das Geheimnis des Lebens. Und dass ein Stein nicht wachsen kann.

Ganz andere Sorgen hat das königliche Haus Llyr unter Königin Regat. Sie muss ihre Tochter Angharad verheiraten, doch die Tradition verlangt, dass der Künftige ebenfalls über Magie herrscht. Prinzessin Angharad, Eilonwys Mutter, ist ziemlich skeptisch und prüft jeden Bewerber genau. Der erste ist ihr zu dürftig in seiner Kunst, der zweite zu egoistisch, und der dritte, der junge Geraint, vermag ihr Herz zu gewinnen, erweist sich aber als kein Zauberer: Er ist Dichter und holt ihr auf diese Weise die Sterne vom Himmel.

Die vierte Geschichte liest sich wie eine Tierfabel: „Die übermütige Krähe“. Der Hüter des Waldes warnt seine Schützlinge, die Tiere, dass der Todesfürst Arawn seine Jäger ausgesandt habe, um Tiere zu fangen und in seinen Dienst zu zwingen. So habe er es schon mit den einst sanften Gwythaint-Vögeln gemacht, die nun zu furchterregenden Spähern geworden seien. Alle Tiere schwören Medwyn, dem Hüter, Treue, alle bis auf die Krähe Kadwyr. Sie verspottet die Tiere, doch als der Jäger Arawns auftaucht, erleidet sie ein Missgeschick, das sie in höchste Bedrängnis bringt: Sie bricht sich einen Flügel. Doch wider Erwarten erweisen sich die verspotteten Tiere als solidarische Helfer in der Not.

In der nächsten Erzählung erfahren wir mehr über „Das Schwert“ des rechtmäßigen Königs: Dyrnwyn. Ein Tabu liegt auf ihm, dass nämlich nur ein Mann von königlichem Geblüt es führen dürfe. Doch was ist ein richtiger König? Der aktuelle Herrscher Rhitta muss erkennen, dass nur derjenige von könglichem Geblüt ist, der selbst das Anliegen des Geringsten seiner Untertanen achtet. Diese Lektion macht ihm das magische Schwert unmissverständlich klar: Der König ist nur so viel wert, wie seine Herrschaft zum Wohle seiner Untertanen bewirkt.

„Der Schmied, der Weber und der Harfner“ werden alle vom dunklen Fürsten Arawn in Versuchung geführt, doch was er anbietet, ist eitel Blendwerk, das dem Verführten mehr schadet als nützt. Nicht so beim Harfner. Der verfügt über seine eigene Art der Magie, die eng mit der Kraft des Lebens verknüpft ist. Mag auch die Harfe zerstört sein, so spielt die Musik doch weiter: im Leben. Fürst Arawn wendet sich mit Grausen.

In der vorletzten Geschichte erfahren wir endlich, wie Fflewdur Fflam zu seiner „wahrhaftigen Harfe“ kam. Als ausgebildeter König denkt er, als Barde müsse man die Wahrheit ein wenig ausschmücken. Die Harfe, die ihm der Oberbarde (er hat hier keinen Namen, doch in den Romanen ist es Taliesin) zur Probe seiner Kunst überlässt, verhält sich recht merkwürdig. Bei jeder lobenswerten Tat, die Fflam vollbringt, etwa die Rettung eines ertrinkenden Kindes, erdichtet Fflam genau das Gegenteil der Wahrheit. Unverzüglich reißen die Saiten der Harfe, und das sind nicht wenige. Am Schluss muss Fflam dem Oberbarden sein Missgeschick eingestehen und erkennen, was die wahre Aufgabe eines Barden ist.

Die vielleicht schönste Geschichte folgt zum Schluss. Sie handelt von „Coll und seinem weißen Schwein“ Hen Wen. Da es die Zukunft kennt, möchte ihm Fürst Arawn seine Geheimnisse entreißen, um besser Prydain beherrschen zu können, und lässt es rauben. Coll ist entsetzt: Nicht nur über den Verlust, sondern auch über die Tatsache, dass er nun seinen Hof verlottern lassen muss. Wer weiß, wie lange die Jagd dauert?

Zunächst erwirbt der gute Mann per Magie die Gabe, die Sprache der Tiere zu verstehen. Eine freundliche Eule klärt ihn auf, was Sache ist. Dann hilft er einem Hirsch aus einer Dornenhecke; der trägt ihn zu den Toren der Unterwelt Annuvis, wo Hen Wen vermutet wird. Auch einem Maulwurf hilft Coll, was sich später als äußerst nützlich erweist. Ohne die Pointe zu verraten: Als Coll inklusive Zauberschwein wieder nach Hause kommt, wartet dort ein neuer Bewohner auf ihn: Es ist Dallben. Nun können die Abenteuer Tarans wirklich beginnen.

|Biografie|

Den Abschluss des Buches bildet eine Notiz des Übersetzers Helmut W. Pesch, in der er auf acht Seiten Leben und Werk Lloyd Alexanders beschreibt. Er tut dies wirklich sehr anschaulich, so als ob er den Autor in Pennsylvania besucht hätte. Alexander veröffentlichte bis Ende der neunziger Jahre Kinder- und Jugendbücher, hielt Vorträge sowie Lesungen und schrieb Artikel über dieses Genre. Der Achtzigjährige lebt immer noch in seiner Geburtsstadt Drexel Hill.

_Mein Eindruck_

Jede Geschichte ist auf eine bestimmte Pointe hin geschrieben. Das macht sie einerseits spannend und unterhaltsam, andererseits auch lehrreich. Jedes Mal wird ein Problem gelöst, was mit einer kleinen Erkenntnis verbunden ist. Sei es die Erkenntnis, dass keiner ohne Freunde überlebt oder dass man kein Zauberer sein muss, um eine Prinzessin bezaubern zu können. Jede Geschichte gibt dem jungen Leser etwas, das er für sich nutzen kann.

Innerhalb des Taran-Zyklus bieten drei Geschichten zusätzliche Hintergrundinformationen: die jeweiligen Erzählungen zu Coll dem Schweinehirten, Dallben dem Zauberer und Fflewdur Fflam, dem Barden. Man muss diese Informationen aber nicht haben, um die restlichen Bücher genießen zu können.

Eine Illustration, die Johann Peterka angefertigt hat, leitet jede Erzählung ein. Peterka hat auch den restlichen Zyklus illustriert, von daher ist diese Fortführung sehr passend. Die Übersetzung ist Helmut W. Pesch gut gelungen. Sie hebt sich deutlich von den Erzeugnissen ab, die Vocke und Killer in Band 3 und 4 abgeliefert hatten und kehrt zu der altertümelnden Diktion von Band 1 und 2 zurück. Nun klingen diese Fabeln aus alten Tagen auch wieder so, als kämen wirklich aus alten Tagen zu uns und nicht mehr aus dem Unterricht an der Gesamtschule.

Die Illustrationen und die große Schrifttype führen dazu, dass eine Menge Platz „verschwendet“ wird, um es mal ökonomisch auszudrücken. Ein anderer Verlag hätte wahrscheinlich nur halb so viel Seiten verwendet, um die Texte unterzubringen. Und das wäre wahrlich ein Jammer gewesen: Die Geschichten sind zum Vorlesen gedacht, die schönen Zeichnungen zum Anschauen. Und bei kleinerer Schrifttype würden sich die Kinder – ich denke an Kinder ab 6 bis 8 Jahren – die Augen verderben. Das geht also in Ordnung. Zumal der Preis der niedrigste in der gesamten Taschenbuchkategorie ist.

_Unterm Strich_

„Der Findling“ ist ein schönes Geschichtenbuch für sehr junge Leser ab 6 bis 8 Jahren, illustriert mit detailreichen Zeichnungen von Johann Peterka. Alles Weitere habe ich schon oben gesagt. Das Buch zu kennen, ist keine Voraussetzung für das Lesen der fünf Romane, aber es lohnt sich besonders, wenn man die Romane schon kennt. Einziges Manko: keine einzige neue Geschichte um Taran selbst.

Die Biografie klärt den Leser über den Autor des Taran-Zyklus auf, die hiermit erstmals komplett in deutscher Sprache vorliegt, und weist ihn auf weitere Werke von Lloyd Alexander hin, von denen viele noch nicht in unsere Sprache übertragen worden sind. Diesem Missstand sollte schleunigst abgeholfen werden.

Eschbach, Andreas – Eine Billion Dollar

Nahezu jeder von uns hat schon einmal davon geträumt: Von einem Tag auf den anderen reich zu werden. Warum spielt man sonst Lotto oder gibt „ab und zu mal“ das Geld für einen Telefonanruf oder eine Briefmarke aus, um an einem Gewinnspiel teilzunehmen? In Eschbachs „Eine Billion Dollar“ wird das Unglaubliche wahr für jemanden, der so ziemlich in der finanziell ausweglosesten Situation steckt, die man sich vorstellen kann. Es ist hier die Rede von John Fontanelli, einem Mann Anfang zwanzig, der nach einigen beruflichen Fehlversuchen nun verzweifelt versucht, seinen Lebensunterhalt durch das Ausfahren von Pizza zu bestreiten. Per Fahrrad durch New York unterwegs, bemüht er sich so schnell wie möglich zu sein, damit er seinen Job nicht verliert. Als John allerdings eines Nachts angefahren und sein Fahrrad und die Pizzen dabei ramponiert werden, wird ihm auch diese Existenzgrundlage genommen. Völlig ausweglos, ohne Job und ohne Fahrrad, muss John feststellen, dass er nicht einmal mehr genug Geld für die U-Bahn hat, um nach Hause zu fahren.

Doch bereits einen Tag später wird dieser Miesere ein Ende gesetzt: Von einem Vorfahren aus dem 16. Jahrhundert erbt John ein Vermögen, das durch Zins und Zinseszins über die Jahrhunderte Dimensionen erreicht hat, die Johns kühnste Träume bei weitem übersteigen. Von einem Tag auf den anderen wird John Fontanelli zum reichsten Mann der Welt. Doch ebenso gigantisch wie das Vermögen ist auch die Bürde, die John damit auferlegt wird. Er soll laut Prophezeiung seines Urahns den Menschen ihre verlorene Zukunft zurückgeben.

Die Frage, was man mit so viel Geld – außer sich seine Träume zu erfüllen – auch noch Sinnvolles bewirken kann, ist nicht einfach zu beantworten. Es gibt zahlreiche Probleme auf der Welt, die mit Geld auf den ersten Blick einfach zu lösen wären. Doch kann man so den Menschen ihre verlorene Zukunft wieder geben? Dies ist eine Frage, die beim Lesen unentwegt in mir brannte und bewirkte, dass ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte.

Doch es ist eine Geschichte, die nicht nur fesselt. Sie regt auch zum Nachdenken an über die bestehenden Verhältnisse unserer Zeit. Darüber, ob |wir| eine Zukunft haben. Es gibt zahlreiche Prognosen, die ein Zweifeln daran begründen. Klimaerwärmung, Umweltverschmutzung, Zerstörung des Regenwaldes sind nur kleine Beispiele dessen. Zudem erfährt man einiges über die Macht des Geldes in unserer Zeit, beispielsweise, was das Vermögen John Fontanellis mit der Existenz eines Fischers auf den Philippinen zu tun hat. Sehr interessant sind auch die Angaben der Seitenzahlen in Milliardenhöhe, zum Teil mit Informationen über diesen Summen entsprechende Wirtschaftsausgaben versehen, die mächtig ins Staunen versetzen.

Mit „Eine Billion Dollar“ hat Eschbach eine geniale Idee sehr spannend und mitreißend verfasst, nicht nur für SF-Fans. Längen und Schnitzer fielen mir dabei nicht auf. Die umfassenden Recherchen, die er dazu betreiben musste, haben sich gelohnt. Man kann das Geschehen, trotz Komplexität und wirtschaftlicher Fachtermini, nachvollziehen und sich besonders aufgrund der Belege vorstellen, dass Derartiges tatsächlich geschehen könnte.

Sehr authentisch sind auch die darin vorkommenden Charaktere. Beispielsweise die arme Wurst John Fontanelli, der plötzlich zum Billionenerben wird und nicht recht weiß, wie er sich in der Welt der Reichen zurechtfinden soll und ob er überhaupt der Richtige ist für eine solch anspruchsvolle Aufgabe, wo er doch bisher noch praktisch nichts in seinem Leben erreicht hat. Auch McCaine, Fontanellis rechte Hand, stellt einen interessanten Charakter dar. Durch Zufall erfährt er schon Jahre zuvor von der gigantischen Erbschaft und verwendet von nun an all seine Zeit und Kraft darauf, Fontanelli bei der Erfüllung der Prophezeiung zu leiten und zu unterstützen. Doch ist er wirklich der, der er zu sein scheint? Die Vaccis, eine Anwaltsfamilie, die das Vermögen über all die Jahrhunderte hinweg verwaltet hat, geleitet von dem Glauben an die Prophezeiung Fontanellis, trauen ihm jedenfalls nicht.

_Über den Autor_

Andreas Eschbach wurde am 15.9.1959 in Ulm geboren. Er studierte in Stuttgart Luft- und Raumfahrttechnik, gab das Studium aber ohne Abschluss auf. In den folgenden Jahren arbeitete er als Software-Entwickler und später in geschäftsführender Position bei einer Beratungsfirma. Im Frühjahr 1995 erschien sein erster Roman „Die Haarteppichknüpfer“, der in weiten Kreisen als sein bisher bestes Werk angesehen wird. Neben weiteren Erzählungen und Romanen wie „Das Jesus-Video“ und „Der Letzte seiner Art“ brachte Eschbach im Jahre 2001 seinen bis dato ambitioniertesten Roman „Eine Billion Dollar“ unter das Volk. Inzwischen lebt und arbeitet er in der Bretagne.

Hamilton, Steve – Himmel voll Blut

Paradise ist ein winziger Flecken im US-Staat Michigan. Hierher ist der Ex-Baseballprofi und Ex-Polizist Alex McKnight nach diversen beruflichen und privaten Schicksalsschlägen gezogen und führt ein zurückgezogenes Dasein als Vermieter einiger Jagdhütten. Eine kurze Episode als Privatdetektiv endete ebenfalls in einem Fiasko: McKnight ist fertig mit der Kriminalistik und mit dem Leben.

Die selbst auferlegte Klausur endet, als Vinnie „Roter Himmel“ LeBlanc, McKnights indianischer Nachbar und Freund, ihn um Hilfe bittet. Sein Bruder Tom steckt wieder einmal in Schwierigkeiten. Er ist als Begleiter einiger Jäger in die kanadischen Wälder gezogen und dort verschwunden. McKnight soll LeBlanc bei der Suche helfen.

Der Freund schlägt ein; man macht sich auf zum Lake Agawaatese in der Provinz Ontario. Dort erfährt man Unerfreuliches: Tom ist in eine üble Gesellschaft gewalttätiger, heftig trinkender Zeitgenossen geraten, die offenbar dem Unterweltmilieu nahe stehen. Schlimmer noch: Der Jagdführer und seine fünf Begleiter sind spurlos verschwunden.

Alex und Vinnie beginnen beherzt mit Nachforschungen. Binnen kurzer Zeit haben sie die örtliche Polizei verärgert, die sich ungern von Detektiv spielenden Ausländern überrumpeln lässt. Doch als in einem Waldstück der sorgfältig versteckte Wagen der vermissten Jäger gefunden wird, muss auch der misstrauische Constable DeMers zugeben, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugeht.

Auf eigene Faust untersuchen Alex und Vinnie die einsam gelegene Hütte der Jagdgesellschaft. Dort finden sie Tom und seine Gefährten – grausam ermordet und nicht tief genug begraben. Der Schock ist noch nicht überwunden, da geraten sie in einen Hinterhalt. Ohne Waffen und Nahrung werden sie von unsichtbaren Mördern durch den Wald gehetzt, die alles daran setzen, die lästigen Mitwisser neben die anderen Leichen zu legen …

Womit nur der erste Höhepunkt dieses erstaunlichen Thrillers erreicht ist. Wo andere Autoren bereits auf die Zielgerade einbiegen, setzt Steve Hamilton erst richtig zum Höhenflug an. Noch mehrere aufregende Höhepunkt werden folgen, bis der Bodycount im Finale bei elf (!) Leichen steht.

Dabei bietet „Himmel voll Blut“ alles andere als eine simple Metzelstory. (Der Unheil verkündete Titel ist übrigens die Übersetzung eines indianischen Personennamens.) Selten gelingt es einem Kriminalschriftsteller, so viele Bluttaten als Kette bizarrer, aber in ihrer konsequenten Sinnlosigkeit beklemmender Ereignisse zu schildern. Die elf Menschen sterben sämtlich aus den „falschen“ Gründen. Die scheinbaren Schurken sind hier oft Opfer, im falschen Moment am falschen Ort, ihre Mörder eigentlich unzurechnungsfähig. Gewalt gebiert Gewalt: Eindrucksvoll weiß Hamilton diese uralte Binsenweisheit mit Leben zu erfüllen.

Die kanadische Wildnis stellt die grandiose Kulisse der schaurigen Handlung dar. Auch hier weicht Hamilton vom Klischee ab: „Natur“ ist für ihn kein Ort, der den Menschen Willkommen heißt. Ganz im Gegenteil; die Idylle verwandelt sich rasch in eine Hölle, geht ihr Besucher seiner Hilfsmittel und Waffen verlustig. Das schließt die indianischen Mitspieler unseres Dramas jederzeit ein. Sie sind eben keine „edlen Wilden“, die im süßlichen Einklang mit Mutter Erde am liebsten dem Rauschen der Bäume lauschen, sondern schätzen die Errungenschaft der ökologisch unkorrekten Zivilisation durchaus sehr.

Wie Volker Neuhaus (der „Himmel voll Blut“ auch übersetzt und den lakonischen Witz des Originals bewahrt hat) in seinem Nachwort schreibt, tritt Steve Hamilton in große Fußstapfen. Die Konfrontation des Entdeckers und Siedlers mit der unbekannten Natur ist ein Topos der nordamerikanischen Literatur. Kein Wunder, denn bis der riesige Kontinent in alle Richtungen „erobert“ war, gehörte die Auseinandersetzung mit wenig erfreuten Ureinwohnern, wilden Tieren, extremen Wetterverhältnissen und anderen Widrigkeiten zum Alltag in den USA und Kanada. Das musste zwangsläufig Spuren auch in der Kunst hinterlassen. Neuhaus nennt die „Lederstrumpf“-Saga (1823-41) von James Fenimore Cooper als ein Vorbild für „Himmel voll Blut“. Große Worte, aber Parallelen lassen sich in der Tat erkennen.

Diese Abenteuer-Tradition verknüpft Hamilton nun mit dem ebenfalls ehrwürdigen Genre des Detektivromans. Der „Private Eye“ tritt in den USA seit jeher agiler auf als sein europäischer Kollege. Er ist außerdem eher im gesellschaftlichen Randbereich zu finden. In gewisser Weise verkörpert er so den unabhängigen, für Recht & Ordnung sorgenden „Westerner“ der alten Pioniertage – ein Idealtyp, den es so wohl niemals gab, der aber dank Literatur und später Film zur gern eingesetzten Heldenfigur wurde.

Wobei dieser Held im 21. Jahrhundert kein strahlender mehr sein kann. Die Gegenwart ist zynisch geworden und schätzt ihre Idole mit Kratzern und Schwächen; das lässt sie „menschlicher“ wirken. Alex McKnight erfüllt diese Voraussetzungen perfekt. Er ist einsam, arm, ohne Rang und Namen. An einem öden Ort hat er sich verkrochen, nachdem seine Karriere gescheitert, jeder Neubeginn misslungen und sein Privatleben nicht mehr existent ist. Wie eine Maschine versucht er sein Leben zu führen, das allmählich aus der Bahn zu geraten beginnt.

Alex McKnight macht sich etwas vor: Er flüchtet vor dem Leben, aber das Leben wird ihn stets finden. Deshalb ist er eigentlich froh, als ihn Freund Vinnie um Hilfe bittet. Ein ausgeprägtes Helfersyndrom wurde McKnight ohnehin aufgeprägt – schon der Name verrät es dem Kundigen! Jetzt kann er seine brachliegenden Energien endlich wieder auf ein Ziel bündeln. Kein Wunder, dass er Vinnie mit manchmal masochistisch anmutender Leidensbereitschaft bis zum bitteren Ende folgt.

Auf seine Weise leidet Vinnie LeBlanc unter ähnlichen Problemen wie sein Freund. Er ist Indianer, was ihn in einem mittelmäßigen Roman als politisch korrektes Zerrbild hätte enden lassen: der gute amerikanische Ureinwohner, vom bösen Bleichgesicht in Vergangenheit, Gegenwart & Zukunft verdrängt, betrogen und entmündigt.

Stattdessen ist Vinnie LeBlanc vor allem ein Mann, der in den USA lebt und zufrieden damit ist. Im Grenzgebiet zwischen den Vereinigten Staaten und Kanada arteten die Auseinandersetzungen zwischen Weiß und Rot niemals so dramatisch aus wie im Westen. Deshalb leben beiden Rassen schon lange neben- und sogar miteinander. Nicht Rassismus ist daher Vinnie LeBlancs größtes Problem, sondern seine aufdringliche Verwandtschaft, vor der er aus dem Reservat geflüchtet ist, wo ein einträgliches Kasino ihm und seinem Stamm ein Leben in Wohlstand und Sicherheit bietet.

Die mit knochentrockenem Humor geführten Wortgefechte zwischen McKnight und LeBlanc gehören zu den Glanzlichtern des Romans. Sie verraten aber auch viel über die Sprachlosigkeit der Kulturen: Zwischen den „alten“ und den „neuen“ Amerikanern herrscht eher Waffenstillstand als Frieden.

Das gilt auch für das Verhältnis zwischen den US-Amerikanern und ihren kanadischen Nachbarn. Witze über Kanada gehören zum Standardrepertoire amerikanischer Komödien. Hamilton vermeidet jede Klamotte, aber er verschweigt nicht die Probleme, die aus der Rivalität zweier kulturell sehr unterschiedlicher Riesenstaaten entstehen, und nutzt sie geschickt für seine Story.

Steve Hamilton ist ein Mann, der entweder die Arbeit oder ein sicheres Einkommen liebt. Obwohl inzwischen als Schriftsteller erfolgreich, hat er seinen „richtigen“ Beruf nicht aufgegeben und ist weiterhin für den Konzern IBM tätig. Sein Herz gehörte – man liest dies wohl in jeder Autorenbiografie – jedoch seit jeher dem Fabulieren. Schon mit zwölf Jahren schickte er (erfolglos) eine erste Kurzgeschichte an das „Ellery Queen Mystery Magazine“. Seine berufliche Zukunft trieb ihn freilich wie bereits erwähnt in eine ganz andere Richtung.

Nach zehn Jahren Tätigkeit für IBM ließ sich der alte Traum vom Schreiben nicht länger unterdrücken. Hamilton belegte Kurse in einer Schreibwerkstatt. Als er damit begann, einen ersten Roman zu verfassen, ging er zielorientiert vor: Ein großer Verlag lobte für den besten Krimi eines Nachwuchs-Autoren einen Preis aus und – was noch wichtiger war – versprach die Veröffentlichung. Hamilton schrieb „A Cold Day in Paradise“ (1998; dt. „Ein kalter Tag im Paradies“), die ersten Alex McKnight-Geschichte, und gewann – auch solche Geschichten werden gern erzählt – den Wettbewerb!

Besagter Roman wurde auf Anhieb ein Verkaufserfolg. Die Kritiker liebten das Buch ebenfalls. „A Cold Day in Paradise“ gewann mit dem „Edgar Award“ und dem „Shamus Award“ gleich zwei der renommiertesten Thriller-Preise und stand auf der Vorschlagsliste für weitere.

Der Erfolg ist Steve Hamilton (der übrigens mit Frau und Familie im US-Staat New York lebt) seither treu geblieben, was nicht zuletzt daran liegt, dass sich der Autor seit seinem gefeierten Erstling stetig gesteigert hat. „Blood in the Sky“, immerhin schon Band 5, gilt als der beste der Serie.

Steve Hamilton informiert über sich und sein Werk auf einer eigenen Website: http://www.authorstevehamilton.com

Die Alex-McKnight-Serie …
… erscheint in Deutschland in „DuMonts Kriminal-Bibliothek“:

1. A Cold Day in Paradise (1998; dt. „Ein kalter Tag im Paradies“) – KB Nr. 1103
2. Winter of the Wolf Moon (2000, dt. „Unter dem Wolfsmond“) – KB Nr. 1106
3. Hunting Wind (2001; dt. „Der Linkshänder“) – KB Nr. 1111
4. North of Nowhere (2002; dt. „Nördlich von Nirgendwo“) – KB Nr. 1121
5. Blood Is the Sky (2003; dt. „Himmel voll Blut“) – KB Nr. 1128
6. Ice Run (2004; noch kein dt. Titel)

Lloyd Alexander – Taran – Der Fürst des Todes

Dies ist der fünfte Roman eines fünfbändigen Fantasy-Zyklus, der es vielleicht nicht mit Tolkiens „Herr der Ringe“ aufnehmen kann, der aber ebenso stark auf Mythen und Fantasythemen zurückgreift. Und die Hauptfigur Taran, die im Laufe des Zyklus eindrucksvoll heranreift, lieferte wie Tolkiens „Herr der Ringe“ die Vorlage zu einem Zeichentrickfilm.

Der Autor

Lloyd Alexander, geboren 1924, ist der Autor der „Chroniken von Prydain“ (= Britannien). Ähnlich wie bei Tolkien, der mit „The Hobbit“ (1937) zunächst eine Fantasy für Kinder schrieb, beginnt auch Alexander mit einer leichtfüßigen Kinder-Fantasy, um dann jedoch schnell auf tiefere, dunklere Themen zu sprechen zu kommen. Der erste und Teile des zweiten Bandes fanden Eingang in einen gleichnamigen Zeichentrickfilm aus dem Jahr 1985: „Taran und der Zauberkessel“.

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Kött, Andreas – Systemtheorie und Religion. Mit einer Religionstypologie im Anschluss an Niklas Luhmann

Luhmanns Systemtheorie erhebt den Anspruch, Universaltheorie zu sein, wobei in ihrer systematischen Welt für den Begriff des Menschen kein Platz mehr ist. Luhmann hatte ein neues Paradigma der Welt- und Selbsterklärung überhaupt formuliert und versuchte, das „alteuropäische“ Denken, die Metaphysik und die Bewusstseinsphilosophie zu überwinden. Kein Wunder, dass sich deswegen in den letzten Jahren auch die Philosophie mit der soziologischen Systemtheorie auseinandersetzte, was aber bislang nicht dazu führte, dass ein größeres Werk der Gegenwartsphilosophie von der Systemtheorie geprägt worden wäre.

Die vorliegende Arbeit versucht erstmals kompakt, aus religionswissenschaftlicher Sicht an Luhmann heranzugehen. Luhmann hatte seine Religionsbestimmung hauptsächlich auf der Basis der jüdisch-christlichen Religion vorgenommen und hier wird nun untersucht, ob sich seine Bestimmungen auch auf andere Religionen übertragen lassen. Immerhin lässt sich durch die funktionale Methode extrem Ungleiches vergleichen und die Umwelt, wie wir sie wahrnehmen, ist sowieso immer unsere Erfindung. Viele Argumente werden in den letzten 30 Jahren gegen die Systemtheorie Luhmannscher Prägung vorgebracht, aber der größte Teil von ihnen konnte nicht aufrechterhalten werden. Die empirische Basis der Systemtheorie verweist immer auf Transzendenz, kann diese jedoch nicht begreifen. Transzendentale Theorien setzen sich dann der Kritik aus, wenn sie ihre transzendentalen Ursache bestimmten.

Auf 120 Seiten baut der Autor zunächst in sehr kompakter Weise die Grundlagen der soziologischen Systemtheorie auf, und dies sogar in überraschend verständlicher Art. Danach bezieht er sich auf den von Luhmann posthum veröffentlichten Aufsatz „Das Medium der Religion. Eine soziologische Betrachtung über Gott und die Seelen“ aus dem Jahr 2000.

Die Bestimmung dessen, was Religion ist, beschäftigt die Religionswissenschaftler seit Ende des 19.Jahrhunderts, aber sie vermochten noch keine überzeugenden Antworten zu geben. Mit dieser Untersuchung verlässt jetzt die bislang vorherrschende atheistische Tendenz der Soziologie ihre Position und nähert sich dem an, was eigentlich ihr Begründer August Comte schon wollte, indem er die Soziologie zur neuen Religion – zur heiligen Kirche des Positivismus – erhoben hatte. Und perfiderweise hat auch der moderne kapitalistische Staat aus ganz eigenen Gründen Interesse am Bestehen der Religion. In Zeiten, in denen Sozialversicherungen immer weniger finanzierbar sind, hat man nicht nur in kapitalistischen Ländern den Wert der Kirchen für die Lösung des Problems der Ausgeschlossenen wiederentdeckt. Dies gilt vor allen Dingen für die USA unter ihrem derzeitigen Präsidenten George W. Bush, der angekündigt hat, die Leistungen des Sozialversicherungssystems deutlich zurückfahren zu wollen. Die dann zu erwartende Zunahme der aus der Gesellschaft Ausgeschlossenen soll durch religiös motivierte Suppenküchen und ähnliche Einrichtungen, die ohne jegliche staatliche Zuschüsse auskommen müssen, aufgefangen werden. Anknüpfend an das amerikanische Vorbild werden in Europa das Stiftungswesen und das Ehrenamt aufgewertet.

In anderen Gesellschaften haben die angestammten Religionen noch nicht den Bedeutungsverlust erfahren, den sie in den westlichen Industrienationen zu verzeichnen haben. Gerade die faktische Unmöglichkeit des Christentums, sich von der Moral zu trennen, bereitet den Nährboden für die Einführung asiatischer Religionen und die Gründung neuer religiöser Bewegungen. Zwar kommt es bei den „eingesessenen“ Religionen auch mehr zum Fundamentalismus, aber der zeichnet sich nicht durch fundamentalen Glauben aus, der einen Rückgriff auf die Tradition darstellen würde, sondern sein Ursprung ist intellektueller Natur. Der orthodoxe Anstrich ist reine Rhetorik. In Wahrheit ist der Fundamentalismus ein Forum, in dem Intellektuelle in der modernen Welt einen Standort suchen. Der Katholizismus ist dabei am degeneriertesten, seine Messen sind nur noch Folklore. Eigentlich gibt es für alle Offenbarungsreligionen keine Zukunft mehr, denn ein ausschließlich auf Offenbarung gestützter Glaube ist heute nicht mehr wahrheitsfähig. Religion ist gesellschaftlich nicht mehr zu begründen, sondern nur noch als subjektive Gotteserfahrung. In Deutschland verzeichnen die beiden christlichen Hauptkirchen seit einigen Jahrzehnten entsprechend sechsstellige Austrittszahlen.

Siehe auch: Niklas Luhmann, [„Einführung in die Systemtheorie“]http://www.buchwurm.info/book/anzeigen.php?id__book=639

Clive Cussler – Die Troja-Mission [Dirk Pitt 17]

Das Karibische Meer wird von Wirbelstürmen und Giftschlamm heimgesucht. Ermittlungen deuten darauf hin, dass ein Geheimbund aus uralten Zeiten nach der Weltherrschaft greift … – Troja ist eigentlich in England untergegangen, Odysseus kam immerhin bis Amerika, und die keltischen Druiden haben den Römern eine Nase gedreht – Dies sind nur einige der spektakulären Details, aus denen Clive Cussler 17. Dirk-Pitt-Garn spinnt. Einmal mehr bietet dieses fröhlichen Abenteuer-Unfug mit Hightech-Thriller-Elementen, der sich flott liest und gelesen werden muss, damit die holprige Handlung gähnende Logikschluchten überwindet.
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Asimov, Isaac – frühe Foundation-Trilogie, Die

„Die frühe Foundation-Trilogie“ – das sind drei Romane aus den frühen fünfziger Jahren, die später von Asimov in das berühmte Foundation-Universum eingeordnet wurden. Die Romane sind im Grunde eigenständige Konzeptionen, weshalb sich auch einige Widersprüche zum bekannten Foundation-Zyklus ergeben. Das stört jedoch nicht wirklich, es bieten sich für Insider vielmehr einige Blicke in die Entstehung dieses Universums, für „Uneingeweihte“ hingegen ist auch kein Vorwissen nötig.

Der erste Geschichte, „Ein Sandkorn am Himmel“, handelt von einem Mann aus den fünfziger Jahren, der durch ein unerklärtes Phänomen einige tausend Jahre in die Zukunft versetzt wird. In dieser Zukunft ist die Erde nur ein unbedeutender Randplanet im gigantischen galaktischen Imperium. Der Anspruch der Erde als „Ursprungswelt der Menschheit“ wird von der übrigen Galaxis lächelnd ignoriert, die menschliche Zivilisation hat sich endgültig von ihren Wurzeln gelöst. Die Erdenbewohner hingegen klammern sich an ihre mythische Vergangenheit und pflegen ihren uralten Hass gegenüber dem Rest der Galaxis. Angesichts der bedrückenden Übermacht des galaktischen Imperiums können sie jedoch wenig tun, außer ihren Hass der nächsten Generation zu vererben. Bis eines Tages das Kräfteverhältnis durch eine neue Entdeckung radikal in Frage gestellt wird …

Der zweite Roman handelt ebenfalls vom Konflikt zwischen der Erde und dem Rest der Galaxis. Hier dreht sich alles um die Jagd nach einem rätselhaften Dokument aus der irdischen Vergangenheit. Die verschiedensten Blöcke und Machtgruppen der Menschheit sind hinter diesem einen Schriftstück her. Doch niemand weiß genau, worum es sich dabei handelt. Verlorenes technologisches Wissen, Anleitungen zum Bau einer Wunderwaffe oder etwas ganz anderes? Sicher ist nur eines: Das Dokument hat die Macht, das Leben aller Menschen der Galaxis zu verändern.

Im dritten Roman geht es um die Unterdrückung eines ganzen Volkes. Die Menschen des Planeten Florina werden von der Bevölkerung des Nachbarplaneten seit Jahrhunderten brutal unterdrückt. Denn nur auf Florina wächst ein wertvoller Pflanzlicher Rohstoff, das Kyrt. Dieser Stoff sichert den Unterdrückern ein sorgenfreies Leben und den Unterdrückten die ewige Sklaverei. Bis eines Tages das Geheimnis des Kyrt gelüftet wird. Die Basis der Knechtschaft beginnt zu bröckeln, und Florina bekommt die erste echte Chance auf Befreiung.

Diese drei Romane sind typische Produkte aus Asimovs früher Schaffensphase, sie spiegeln alle Stärken und Schwächen der SF der Fünfzigerjahre wieder. Einerseits machte das Genre damals einen Sprung aus dem Ghetto heraus, aus reinen Action-Reißern mit technokratischen Heilsversprechungen wurden differenziertere Romane mit verschiedenen Handlungsebenen und lebendigen Charakteren. Andererseits stand der wirkliche Bruch mit der Vergangenheit noch aus. Meist findet man das Amerika der 50er lediglich in die Zukunft verlängert, auch in zehntausend Jahren erscheint das Einfamilienhaus mit gepflegtem Vorgarten als Gipfel der Zivilisation.
Auch die vorliegende Neuauflage unterstreicht diese Kontinuität durch das riesige phallusförmige Raumschiff auf dem Titelbild. Gekonnter hätte man die Schwächen des damaligen Genres kaum darstellen können, obwohl es sich bei dieser Wahl wohl eher um unfreiwillige Komik handelt.

Einen wirkliche Bruch mit der alten SF brachte dann jedoch die „New-Wave“ der ausgehenden sechziger Jahre. Autoren wie John Brunner unterzogen damals die Wirklichkeit einer viel grundlegenderen Kritik und stellten die bestehenden Werte einschließlich des verbreiteten Fortschrittsoptimismus radikal in Frage.

Dennoch – mit Asimov machte die SF damals einen großen qualitativen Sprung, auch wenn uns viele seiner Ideen heute recht naiv erscheinen mögen. Daher lohnt sich die Lektüre dieser Romansammlung durchaus, sie bietet die Gelegenheit, ein einmaliges Kapitel der SF-Geschichte zu erfahren.

_Ralf Hoffrogge_ © 2001
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung unseres Partnermagazins [Buchrezicenter.de]http://www.buchrezicenter.de veröffentlicht.|

Paasilinna, Arto – Im Jenseits ist die Hölle los

In seinem Nachleben als Geist erlebt der Journalist Arto eine ganze Menge erheiternder, aber auch einige betrübliche Ereignisse. Nach einer ganzen Weile findet er nicht nur eine Gefährtin, sondern auch eine Berufung: die Träume der Lebenden zu beeinflussen. Arto wird ein modernes Sandmännchen.

|Der Autor|

Der 1942 geborene Lappe Arto Paasilinna hat bisher nahezu vierzig Bücher veröffentlicht, für die er mehrfach ausgezeichnet wurde, unter anderem in Frankreich und Italien. Einige davon wurden bereits verfilmt. Paasilinnas Spezialität ist die humorvolle Parodie, die bestimmte Charakterzüge der Finnen und umgebenden Völkerschaften ironisch thematisiert.

Auf Deutsch erschienen sind bisher:

– Der heulende Müller
– Die Giftköchin
– Der Sohn des Donnergottes
– Im Wald der gehenkten Füchse
– Der Sommer der lachenden Kühe
– Das Jahr des Hasen
– Die Rache des glücklichen Mannes
– Der wunderbare Massenselbstmord
– Nördlich des Weltuntergangs
– Vorstandssitzung im Paradies

_Handlung_

Weil er einer hübschen Frau hinterher geschaut hat, achtet unser Erzähler nicht auf den Straßenverkehr und wird prompt überfahren. Die Erfahrung des Todes, die er schon bald „erlebt“, ist etwas Neues für ihn. Leider kann er in der Zeitung, für die er als Journalist gearbeitet hat, nichts mehr darüber schreiben. Dabei wäre das Jenseits für seine Leser doch ziemlich interessant.

Denn es hat mit dem christlichen Himmel überhaupt nichts gemeinsam. Es gibt hier weder einen Himmel zur Belohnung noch eine Hölle zur Bestrafung. Auch ein Christen-Gott ist weit und breit nicht zu entdecken, geschweige denn irgendwelche himmlischen Heerscharen. Unser braver Finne – nennen wir ihn Arto – schwebt vielmehr als körperloser Geist umher. Immerhin kann er jetzt Gedanken lesen und durch Wände laufen. Das Geisterleben hat durchaus etwas für sich.

Wie er schon bald herausfindet, widerfährt dieses Glück nicht allen Frischabgelebten. Wer seinen Verstand nämlich schon zu Lebzeiten versoffen hat – ein krasses Beispiel wird angeschaulich geliefert -, dessen Geistsubstanz löst sich schon binnen weniger Stunden in Wohlgefallen auf. Ein Glück, dass Arto ein wahrer Intelligenzbolzen ist! So kann er uns fast ein ganzes Jahr lang unterhalten.

Nachdem er sich von seiner Witwe verabschiedet hat, die sich wieder fröhlich den weltlichen Freuden zuwendet, stößt Arto auf Leute, die einschlägige Erfahrungen mit dem Jenseits gemacht haben. Jesus gehört vorerst nicht dazu, denn dessen Groupies haben ihm den Aufenthalt auf der Erde so vergällt, dass er sich irgendwo beim Jupiter herumtreibt, heißt es. Die Geister sind in der Lage, gedankenschnell von Punkt A nach B zu fliegen. Mondflüge sind an der Tagesordnung.

Dafür hat Arto eine anregende Unterhaltung mit Papst Pius IX (S. 58-62), der die Dogmen der unbefleckten Empfängnis und der Unfehlbarkeit des Papstes aufstellte, als er im 19. Jahrhundert als Papst regierte. Damit versetzte er, *harhar*, die Regierungen Europas in ziemlichen Aufruhr. Das tat er offenbar, um das Papsttum vor der endgültigen Bedeutungslosigkeit zu bewahren. Man kann heute rückblickend sagen, dass ihm das vollauf gelungen ist.

Bei seinen Streifzügen durch die Welt der Geister wird es Arto ein wenig einsam. Er sucht eine Gefährtin. Auf der Intensivstation eines Helsinkier Krankenhaus lernt er Elsa kennen, eine schöne Frau in den Dreißigern, die offenbar an einer unheilbaren Krankheit leidet. So fies es klingt, so betet Arto doch für den baldigen Tod der Angebeteten, damit er sie kennen lernen kann. Als es soweit ist, bringt er auf dem Mond sein Liebesgeständnis so ungeschickt vor, dass die Lady sofort das Weite sucht. Fortan begleitet er ein altes Mütterchen zurück zum blauen Planeten. In Peru geraten sie in eine Revolution.

Durch die Alte und einen professionellen Selbstmörder namens Sergej enthüllt sich Arto endlich seine wahre Berufung: Er wird die Träume der Lebenden beeinflussen. Als er sich das erste Mal als Sandmännchen betätigt, ist die Erfahrung einerseits befriedigend, aber auch sehr frustrierend. Er holt sich Rat bei Papst Pius, denn der weiß in Sachen Menschenträume offenbar gut Bescheid.

Und da bald Weihnachten, also Jesu Geburtstag ist, kommt der Heiland bald persönlich auf Tournee nach Helsinki. Das Jenseits ist eindeutig nicht langweilig. Zu guter Letzt muss Arto noch Elsa zurückgewinnen, um sein Glück perfekt zu machen …

_Mein Eindruck_

Ähnlich wie Paasilinnas Südsee-Roman „Vorstandssitzung im Paradies“, der 17 Jahre später veröffentlicht wurde, ist „Im Jenseits ist die Hölle los“ eine humorvolle Untersuchung und Verulkung liebgewonnener Ansichten, wenn nicht sogar Dogmen von dem, was nach dem Tod kommt. Witzigerweise kommen bei Paasilinna sogar Atheisten und Agnostiker auf ihre Kosten, die ja keineswegs an einen Gott glauben, schon gar nicht an einen christlichen oder sonstigen kirchlichen.

Was Arto im Jenseits, der Geisterwelt vorfindet, ist einerseits ernüchternd, andererseits auch interessant. So ein Geisterleben hat neue Qualitäten: Gedanken lesen, Träume korrigieren, zum Mond fliegen. Nur mit der Liebe und anderen körperlichen Genüssen haut es nicht so recht hin – es ist eben eine ver-geist-igte Existenz. Dafür kann man den Damen beim Nacktbaden zusehen, ohne gesehen zu werden – das findet auch der Papst klasse. Wobei sich allerdings die ästhetischen Geschmäcker stark unterscheiden. Der Papst steht, für Arto unverständlich, auf füllige Damen. Er kommt eben aus einer anderen Zeit.

Es ist interessant, wie sehr sich Arto für die kirchlichen Autoritäten interessiert. Nicht nur Jesus und der Papst interessieren ihn, in Alltagsangelegenheiten holt er sich schon mal Seelentrost und Ratschlag bei Propst Hinnermäki. Die weltlichen Autoritäten sind ihm alle irgendwie zu korrupt oder sonstwie diskreditiert. Und wenn das nicht der Fall sein sollte, dann stutzt er sie zurecht. Er zeigt uns den seinerzeitigen Staatspräsidenten Kekkonen in Unterhose und im Bad. (So etwas tat schon Bob Dylan 1965 mit Nixon.)

Da dies eine quasi metaphysische Komödie ist, werden auch die Guten belohnt und die Schlechten bestraft. Der Bauer, der sein gesamtes Gut versauft und verhurt, legt schon kurz nach seinem Alkohol-induzierten Exitus eine Vollverdampfung hin. Das arme, einsame Mütterchen, das irgendwo in Lappland seinen Lebensabend mit dem Hund verbringt, ist jedoch eine Seele, die Arto unbedingt retten will. Da bekommt er richtig faustische Anwandlungen. Es zeigt sich, dass sie aus ihrer fundamentalistisch-christlichen Religionsgemeinschaft der Altlästadianer ausgestoßen wurde und jetzt niemanden mehr hat, mit dem sie reden kann (der Hund zählt wohl kaum). Diesen Missstand will Arto unbedingt beheben, forscht nach der Ursache und bringt dem Urheber des Bannspruchs üble Träume. Natürlich wird er vom Träumer für Satan persönlich gehalten. Doch Hartnäckigkeit zahlt sich aus. Und an Heiligabend will Arto dem Mütterchen einen besonders schönen Traum bescheren.

Dies ist so ziemlich alles an Plot, was der Autor aufzubieten vermag. Das ist wahrlich nicht viel, sondern erinnert zuweilen an eine Nummernrevue von possierlichen Kuriositäten. Doch für Arto ist dies ein Lernprozess, der ihn zu einem besseren Men-, pardon: Geist macht. Und er als solcher darf in Elsas Armen die Erlösung finden. Der Handlungsverlauf folgt also im Grunde einem traditionsreichen Muster, das spätestens mit den mittelalterlichen Heiligenlegenden und Bunyans „Pilgrim’s Progress“ begann. Allerdings muss Arto keine Heldentaten vollbringen und Versuchungen abwehren, wie das in Ritterromanen gang und gäbe ist (z. B. „Sir Gawain“, 14. Jahrhundert). Doch um ein guter Sandmann oder Traumbringer zu werden, ist eine gewisse Läuterung erforderlich – seine weltliche Reise zielt darauf ab.

_Unterm Strich_

Der Roman soll unterhalten, doch muss man fast 90 Seiten warten, bis endlich so etwas wie ein Plot auftaucht: Das Mädchen Elsa wird von Arto geliebt, aber leider hat sie kein Verständnis für seine Gründe, ihr Ableben zu wünschen. Zu spät erkennt er, welchen Verlust ihr Tod für ihre menschliche Umgebung bedeutet. Sie zurückzugewinnen – dem gilt zwar fortan nicht sein ganzes Sinnen und Trachten, doch er ist wirklich froh, sie wiederzubekommen.

Der Autor wandert also einen schmalen Grat am Kitsch entlang. Er macht aber diese Romanze nicht zum Hauptmotiv; sie ist vielmehr stark heruntergespielt. Wichtiger sind ihm quasi journalistische Themen: die Politik des Papstes etwa, oder die Leiden, die fundamentalistische Sekten oder militärische Putsche mit sich bringen. Artos Geist hat eben immer noch ein Gewissen. Das ist wahrscheinlich gut so, denn nun hat er wenigstens einen Grund gefunden, eine Existenz als Geist zu fristen – er will für andere da sein, ja, sogar für die Leidenden kämpfen. Wohlan denn, Sandmann!

|Die Übersetzung|

Die Übersetzung von Regine Pirschel ist wieder einmal einwandfrei. Den trockenen, ironischen Tonfall des Erzählers bringt sie gut zum Ausdruck. (Paasilinna macht sich nicht schenkelklopfend über Leute lustig. Das muss der Leser schon selber tun.)

Nur auf Seite 192 scheint mir eine Zuweisung der Sprecher durcheinander geraten zu sein. Der Papst hält eine elend lange Rede im Beisein von Propst Hinnermäki und Arto. Im Anschluss daran heißt es: „Der Papst saß lange schweigend da. Hinnermäki war völlig verwirrt. Er grübelte heftig über die päpstlichen Worte nach.“ Statt „Der Papst saß lange schweigend da“ scheint mir daher „Der Propst saß lange schweigend da“ wesentlich mehr Sinn zu ergeben. Man kann aber auch die Wörter Papst und Propst sehr leicht verwechseln.

Grin, Alexander / Gilbert, Stephen / Howart, Harald / Alpers, Hans Joachim – Tod durch Ratten

Ratten haben ein schlechtes Image. Sie sind weder possierlich noch niedlich, sondern gelten als gerissen und hinterhältig. Sie leben zu Tausenden in den Großstädten und führen dennoch ein schattenhaftes Dasein. Ihr Äußeres wirkt abstoßend, und gerade ihr langer, nackter Schwanz sorgt beim menschlichen Betrachter für Ekelgefühl. Ihre Existenz, ihre schiere Zahl sorgt beim Menschen für instinktive Angst, nicht zuletzt, weil Ratten als Krankheitsüberträger gelten und im Mittelalter die Pest verbreiteten. Als kuscheliges Haustier ist die gemeine Ratte also kaum geeignet, doch als Protagonist in einem Horrorroman macht sie sich ausgesprochen gut. Gilt die Ratte doch als überaus intelligent – vielleicht intelligent genug, um es mit dem Menschen aufzunehmen?

Vier Romane hat der |area|-Verlag in „Tod durch Ratten“ vereint (wobei es sich nur bei zwei Texten tatsächlich um Romane handelt), um auf nicht weniger als 800 Seiten beim Leser unbehaglichen Grusel vor dem Nager auszulösen. Dabei können nicht alle Geschichten vollkommen überzeugen, auch wenn die Anthologie mit einem echten Knaller beginnt. Alexander Grins atmosphärische Novelle „Der Rattenfänger“ kommt zunächst einmal ganz ohne das unleidliche Getier aus. Ein verarmter Russe kommt, nachdem er seine Wohnung verloren hat, für kurze Zeit im verlassenen Gebäude der Zentralbank unter. Vollkommen allein in dem einsamen, labyrinthischen Geflecht von Räumen, bleiben die ersten Gruselschauer beim Protagonisten nicht lange aus. Zwar findet er durch Zufall einen Schrank, der prall gefüllt ist mit köstlichsten Lebensmitteln, doch aus ihm springt eine ganze Anzahl (naturgemäß gut genährter) Ratten. Bald vernimmt er Geräusche und undeutliches Gemurmel, wird von einer körperlosen Stimme durch die Räume gelockt und wirft schlussendlich einen Blick auf ein unheiliges Fest im Saal des Gebäudes. Grins Novelle ist der Höhepunkt von „Tod durch Ratten“. Sie gleich an den Anfang zu setzen, muss zwangsläufig dazu führen, dass die restlichen Geschichten abfallen und weit hinter der Meisterschaft des Russen zurückbleiben. Grins Darstellung der Zentralbank mit ihren endlosen Korridoren und Zimmern etabliert beim Leser einen subtilen Schauer und lässt ihn bar jeden sicheren Wissens nach der Lektüre zurück.

Weiter geht es mit Stephen Gilberts Roman „Aufstand der Ratten“, einer etwas behäbigen Geschichte über den Rachefeldzug (oder auch „Rattenfeldzug“) eines Verlierertypen, die auch unter dem Titel „Willard“ (USA, 1971 und Neuverfilmung des Stoffes 2003) verfilmt worden ist. Der Ich-Erzähler beginnt, Ratten zu zähmen und zu dressieren, natürlich, ohne jemandem davon zu erzählen, da er die Ratten ursprünglich als Ungeziefer vernichten sollte. Da ihm jegliches soziales Leben fehlt, werden die Ratten bald zu seinen einzigen Bezugspunkten. Er setzt seine Rattenarmee zunächst für einige Überfälle ein, um an Geld zu kommen. Doch dann werden seine Angriffe zunehmend persönlicher und er beginnt, die Ratten einzusetzen, um für ihm widerfahrene Ungerechtigkeiten tödliche Rache zu üben. Gilberts Ich-Erzähler ist naturgemäß kein sympathischer Typ. Eigenbrötlerisch, geheimniskrämerisch und hinterhältig, vergräbt er sich in seinem verunkrauteten Garten und plant seine Rache an der Gesellschaft. Zwar gelingt es Gilbert, die Ratte Ben als wirklich teuflisches und vernunftbegabtes Tier darzustellen, das im Geheimen seinen Ausbruch aus menschlicher Führerschaft plant, doch über weite Strecken tritt die Geschichte auf der Stelle und kann erst zum Ende hin etwas an Fahrt gewinnen. Auf jeden Fall bleibt „Aufstand der Ratten“ nach der Lektüre von Grins „Rattenfänger“ seltsam eindimensional.

Die dritte Geschichte, Harald Howarts „Tod durch Ratten“, variiert Gilberts Thema vom Menschen, der sich der intelligenten Ratte für die persönliche Rache bedient. Sein Protagonist Kreutzkamm ist ein kleines Licht an der Universität. Seit Jahren wird ihm (unberechtigerweise, wie er findet) der Professorentitel versagt. Doch nun ist ihm der Durchbruch gelungen, denn er kann mittels eines Apparates die Gehirnsströme von Ratten beeinflussen und sie so „fremdsteuern“. Sein Chef hält die Vorführung des Vorgangs für eine ausgefeilte Dressur und feuert Kreutzkamm kurzerhand, nachdem dessen cholerisches Temperament hervorgebrochen ist. Mit seinen Laborratten in der eigenen Wohnung festsitzend, plant dieser nun seine Rache an den Köpfen der Universität. Howarts Kreutzkamm ist fast schon zu böse, um noch glaubwürdig zu sein. Sein Charakter ist so auf Größenwahn und Egozentrismus ausgerichtet, dass für andere Eigenschaften kein Platz mehr bleibt. So bleibt der Autor auch Überraschungen in der Storyline schuldig. Kreutzkamms Rachefeldzug geht seinen geplanten Gang, bis der moralische Zeigefinger Howarts einschreitet, der den Schluss des Romans eher lustlos und überhastet zu Papier bringt. „Tod durch Ratten“ ist dynamischer als der Vorgänger „Aufstand der Ratten“, doch auch Howarts Roman kann nicht auf ganzem Wege überzeugen.

Die letzte Erzählung, Hans Joachim Alpers’ „Zwei schwarze Männer graben ein Haus für dich“, schreitet flotter voran. Der nach mysteriöser Krankheit im Rollstuhl sitzende Christoph lebt mit seiner Freundin Miriam zurückgezogen in einem kleinen Dorf. Eines Tages erhält er die Nachricht vom Tod seines alten Freundes Patrick, zusammen mit einem Packen Briefe, die ihm dieser kurz vor seinem Tod geschrieben, jedoch nie abgesendet hat. Die Staatsanwaltschaft vermutet, Patrick habe den Verstand verloren und so sein Ende herbeigeführt, denn in den Briefen wird Unglaubliches berichtet. Ratten seien auf einmal in seinem Haus gewesen, die nur er sehen konnte. Seine Freundin habe Ungeziefer in sein Essen gemischt und schließlich seinen Mord geplant. Christoph ist bei der Lektüre der Briefe hin- und hergerissen. Ebenso wie der Leser mag er mal an Wahnsinn, mal an eine übernatürliche Erklärung glauben. Alpers arbeitet sein Sujet überzeugend aus, lässt einige Informationen fallen und versucht den Leser auf falsche Fährten zu führen. Die Auflösung rundet die straff durcherzählte Handlung konsequent ab und weist Alpers als routinierten Erzähler aus.

Ein ganzes Buch nur mit dem Thema Ratten zu füllen, ist eine originelle Idee, doch schwankt die Qualität der Geschichten zu stark, um an dem Buch durchweg Spaß zu haben. Alexander Grins Novelle „Der Rattenfänger“ ist ohne Frage die beste Geschichte in der Sammlung und lohnt die Lektüre in jedem Fall. Stephen Gilberts „Aufstand der Ratten“ dagegen bildet qualitativ das Schlusslicht und erscheint zu bieder, um durchgehend unterhalten zu können.

Reginald Hill – Das Haus an der Klippe

Hill Hause Cover TB kleinDas geschieht:

Chief Inspector Peter Pascoe von der Kriminalpolizei der Stadt Mid-Yorkshire in der gleichnamigen englischen Grafschaft geht in Gedanken die Liste möglicher Feinde durch, als Ellie, seine Gattin, von einem zwielichtigen Pärchen beinahe entführt wird. Kurz darauf folgt eine zweite Attacke. Gemeinsam mit Pascoe ermitteln der exzentrische Detective Superintendent Andrew Dalziel, Detective Sergeant Edgar Wield und Constable Shirley Novello.

Die Spur führt zu Patrick „Popeye“ Ducannon, einen ehemaligen IRA-Terroristen, der ins Waffengeschäft eingestiegen ist. Er handelt mit einer kleinen aber radikalen Guerillera-Gruppe aus Kolumbien. Anführer Chiquillo reist persönlich nach Europa, doch die Übergabe endet in einem Fiasko: Chiquillo wurde ein kolumbianisches Killer-Kommando hinterhergeschickt. Während der Ducannon verletzt zurückbleibt, macht sich Chiquillo mit den Waffen und einer großen Menge Kokain, das der Bezahlung dienen sollte, aus dem Staub. Ducannon denkt nicht daran, sich betrügen zu lassen. Chiquillos Rebellen-Kollegen wollen ihren Konkurrenten ausschalten, bevor er mit den Waffen nach Kolumbien zurückkehrt. Reginald Hill – Das Haus an der Klippe weiterlesen

Niklas Luhmann – Einführung in die Systemtheorie

Niklas Luhmann (* 8. Dezember 1927 in Lüneburg; † 6. November 1998 in Oerlinghausen bei Bielefeld) war Soziologe. Als Begründer der soziologischen Systemtheorie machte er sich auch in der Philosophie einen Namen.
Er studierte von 1946 bis 1949 Rechtswissenschaft. 1952 und 53 begann er mit dem Aufbau seiner „Zettelkästen“ und war als Verwaltungsfachmann tätig. 1960 heiratete er Ursula von Walter. 1960/61 ließ er sich zum Studium an der Harvard-Universität beurlauben. Nach Forschungstätigkeit zu Beginn der 1960er Jahre an der „Sozialforschungsstelle der Universität Münster“ in Dortmund promovierte und habilitierte er innerhalb |eines| Jahres 1966 im Fach Soziologie an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seit 1968 lehrte er an der Universität Bielefeld Soziologie. Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Niklas__Luhmann

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Felten, Monika – Nebelsängerin, Die (Das Erbe der Runen 1)

Einst lebten die Stämme der Menschen mit den Ureinwohnern, den Uzoma, in Frieden und Eintracht. Doch dies ist lange her, denn ein finsterer Gott verlangt die Auslöschung derjenigen, die ihm nicht den hinreichenden Respekt und die entsprechenden Opfer bringen. Durch Intrige und religiösen Fanatismus erlangte seine Hohepriesterin Macht über die Uzoma und ihr Hass übertrug sich auf die Seelen der Ureinwohner. Nun streben sie danach, die Menschen von ihrem Land zu tilgen. Doch die Menschen schlossen sich trotz unterschiedlicher Herkunft zusammen zu einem Bund der Stämme und zogen sich auf ein gut zu verteidigendes Terrain zurück. Aber die militärische Macht der Uzoma war zu groß. Nur ein Wunder konnte die Menschen retten.
Und so geschah es, dass ein Schiff der Elfen an der Küste der Menschen strandete. Die Neuankömmlinge erkannten schnell, dass sie in derselben Gefahr schwebten wie die Menschen. Ihre größte Zauberin beschloss, einen unglaublichen Zauber zu wagen. Verbunden mit einer List sperrte sie die Uzoma in einen Nebel ein, den kein Wesen lebend durchqueren konnte. Doch sie selbst blieb in höchster Gefahr und ihr Leben konnte sie selbst dadurch nicht retten, dass sie die Grenzen der Welten überschritt. So verfügte sie in einem letzten Zauber, dass die Frauen ihrer Blutlinie die Kraft erben sollten, den Zauber des tödlichen Nebels zu erneuern. So sollte es auch jahrhundertelang sein. Immer wieder fand die neue Nebelsängerin ihren Weg und wurde von ihrer Mutter angeleitet. Doch die Kräfte der Hohepriesterin des finsteren Gottes werden immer stärker. Durch Zeit und Raum kämpft sie gegen das Gefängnis aus Nebelschleiern. Und schließlich gelingt es ihr, dass das Wissen über den Nebelzauber verloren scheint. Auch ist die Blutlinie so schwach, dass die Erbin des Zaubers nichts von ihrer Bestimmung weiß. Und dann weichen die Nebel zurück und das mächtige Heer der Uzoma marschiert auf, die Menschen zu vernichten.

Schon der nach sorgfältig aufgebauter Legende schmeckende Hintergrund des Romans lässt erahnen, dass Monika Felten hier weitaus mehr Arbeit hineingesteckt hat als in ihre Geschichten um den Thale-Hintergrund. Vom „Elfenfeuer“ zur „Nebelsängerin“ war es ein großer Schritt, auch wenn unweigerlich Parallelen auftauchen. So wird auch in diesem Roman die Protagonistin zwischen vorherbestimmtem Schicksal und eigenen Vorstellungen hin und her geworfen. Doch nun ist der Konflikt schärfer herausgearbeitet. Sie zweifelt an der moralischen Richtigkeit ihrer Aufgabe. Zwar erfüllt sie ihr Schicksal – aber ihre menschliche Seite und ihre christlich-moralische Gesinnung lehren sie, das Leben aller zu achten. Sie ahnt den Preis, den die Uzoma bezahlen müssen und leidet mit dem Volk, an dessen Unglück sie nun eine Schuld trägt.

Dass die Uzoma mehr sind als Tolkiens Orks, wird in verschiedenen Szenen klar. Zwar drängt sich der Vergleich mit Szenen aus Tolkiens Romanen auf, wenn man Uzoma als Orks und die Echsenreiter als Nazgul betrachten will. Doch nachdem sich die Tolkienschen Szenen auf solch cineastische Weise in das Gedächtnis gebrannt haben, wird jede Schlacht mit Helms Klamm und jeder Drachenreiter mit einem Nazgul verglichen werden. Der Verlag tat Recht daran, den schon fertig gedruckten Roman noch eine Weile in der Schublade zu halten.

Monika Felten hat ein sehr klassisches Thema der Fantasy gewählt. Sie beschreitet Pfade, die vor ihr schon von Größen wie Stephen R. Donaldson, David Gemmel, Philip José Farmer und Roger Zelazny beschritten wurden. Hier mit dem Argument der Einfallslosigkeit oder der Abkupferung zu kommen, wäre wohl albern, da dies seit Homer nichts Neues ist. Gerade die Neuinterpretation und das Aufzeigen von Varianten des gleichen heroischen Schemas machen das Buch interessant. Und Monika Felten meistert diese Aufgabe, indem sie dem Zwang des Schicksals den Wunsch nach Eigenbestimmung entgegensetzt. Wie schon Thomas Covenant (in Stephen R. Donaldsons meisterlicher Zyklus) fügt sich ihre Protagonistin nur unwillig in ihr Schicksal. Doch während Thomas Covenant nicht an sich selber glauben kann, zweifelt sie an der moralischen Richtigkeit ihrer Vorherbestimmung. Dies nicht von ungefähr, denn historische Vergleiche mit der Besiedlung Amerikas oder der Kolonialisierung Afrikas drängen sich schnell auf. Auch hier waren aus der Sicht der Weißen die aufständigen andershäutigen Ureinwohner die primitiven Fieslinge. Moralisch befanden sich die Ureinwohner allerdings unzweifelhaft im Recht. Ob es wieder Frieden zwischen den Menschen und den Uzoma geben wird, bleibt zu hoffen und wird in einem eventuell noch folgenden Band geklärt werden.

Neben der zentralen Figur zeichnet Monika Felten noch weitere Charaktere, die ihrem persönlichen Schicksal gegenübergestellt sind. Die Aufgaben sind so unterschiedlich wie die Personen selbst. Und trotz starrer Strukturen im Hintergrund der erfundenen Welt, kämpfen sie alle um ihre individuelle Größe.

Der Roman wird versierten Lesern nicht perfekt erscheinen, denn Monika Felten ist sicherlich keine Expertin für mittelalterliche Belagerungen und Strategien. Doch die Geschichte ist äußerst lesenswert und stellt für Jugendliche und Erwachsene ein sehr empfehlenswertes Buch da. Der flüssige Erzählstil und die spannende Entwicklung fesseln, während gleichzeitig das Bild einer fantastischen Welt vor den Augen entsteht.

Verlagsinformationen:
Monika Felten, geboren 1965, lebt mit ihrer Familie in der Holsteinischen Schweiz, einem Landstrich, wo zwischen Wäldern, Seen und Hünengräbern immer noch Elfen und Feen ihr Wesen zu treiben scheinen. Ihre Romane »Elfenfeuer« und »Die Macht des Elfenfeuers«, für die ihr jeweils der |Deutsche Phantastik-Preis| verliehen wurde, knüpfen an den Mythen und Legenden ihrer Kindheit an und begeisterten auf Anhieb zahlreiche Leser.
Mehr zur Autorin: http://www.monikafelten.de , http://www.daserbederrunen.de und http://projekt.daserbederrunen.de

Nachbemerkung des Editors: Das Buch wird mit einer Musik-CD von Anna Kristina ausgeliefert, die einen Soundtrack zum Buch beisteuert.

Bitte beachtet auch das [Interview]http://www.buchwurm.info/artikel/anzeigen.php?id=32 mit der Autorin anlässlich dieser Buchveröffentlichung.

_Jens Peter Kleinau_
|Diese Rezension wurde mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung unseres Partnermagazins [X-Zine]http://www.x-zine.de/ veröffentlicht.|