Gössmann, Elisabeth – Hildegard von Bingen – Versuche einer Annäherung

Elisabeth Gössmann gehört zu den ganz Großen in der Hildegard-Forschung. Mit unermüdlicher und nüchterner Leidenschaft arbeitet sie seit Jahrzehnten mit ihren theologisch-philosophischen Werken. Wir verdanken ihrer Arbeit wesentliche Erkenntnisse in Bezug auf Hildegards Selbstbild und ihre höchst eigenständigen theologischen Ansätze. Gössmann hat, um nur ein Beispiel zu nennen, die double voice theory auf ihre Werke angewandt und so herausgearbeitet, dass Hildegard, wenn sie beispielsweise frauenfeindliche Thesen in ihren Werken nennt, diesen keineswegs zustimmt, sondern sie gleichsam kontrapunktisch bearbeitet und in der Gegenstimme ihre eigene Theologie zu Wort kommen läßt.

Die vielen Aufsätze, mit denen Gössmann die wissenschaftliche Arbeit über Hildegard von Bingen bereichert hat, sind nun von ihr selbst in dem oben genannten Band gesammelt herausgegeben worden. Da finden sich Aufsätze zum Menschenbild Hildegards, zu ihrer frauenbezogenen Spiritualität, zur Rezeption ihrer Kirchenkritik im 17. und 18. Jahrhundert und zu ihrer Theorie von der Aufeinderbezogenheit von Makro- und Mikrokosmos. Diese vielen, höchst spannenden Einzeluntersuchungen sind allen zu empfehlen, die nach tieferer Einsicht in das Werk Hildegards suchen. Darüber hinaus werden alle, die bereits seit Jahren von den Arbeiten Gössmanns profitieren, dieses Buch dankbar zur Hand nehmen.

Rezension von _Barbara Stühlmeyer_ aus Karfunkel Nr. 20, Seite 56
Abdruck auf dieser Seite (powermetal.de) mit freundlicher Genehmigung des _Karfunkel-Verlages_

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Cowell, Stephanie – Ballade des Falken, Die

Was für ein Mensch war eigentlich William Shakespeare? Wie hat er gelebt? Wie sah er aus? Was tat er, wenn er nicht gerade damit beschäftigt war, einen seiner zahlreichen Knüller der Weltliteratur zu schreiben, die noch heute unzählige Schüler im Englischunterricht je nach Einstellung in Schrecken oder Begeisterung versetzen?

Um es gleich vorweg zu nehmen: Die „Ballade des Falken“ ist keine Shakespeare-Biographie. Eigentlich geht es auch gar nicht so sehr um den berühmten Dichter, sondern um den Heranwachsenden Nicholas Cooke, den natürlich niemand kennt. Wie könnte man auch, denn Nicholas ist eine fiktive Person.

Die ersten Jahre seines Lebens verbringt Nicholas Tomkins – so heißt er eigentlich – in Canterbury, wo er als Fünfjähriger mit ansehen muss, wie sein Vater als Dieb hingerichtet wird. Seine Mutter sinkt in die Prostitution ab. Nick selber ist äußerst wissbegierig und träumt von einem Theologiestudium. Dieses wird ihm jedoch verwehrt, sodass ihm nichts anderes übrig bleibt, als bei einem unsympathischen Stellmacher in die Lehre zu gehen. Lange arbeitet Nick allerdings nicht bei ihm, denn bei einem Streit verletzt er seinen Meister so schwer, dass er glaubt, er habe ihn getötet. Daraufhin flüchtet der Junge aus der Stadt. Seine Mutter ist bei der Geburt eines Kindes gestorben.

Nicholas verschlägt es nach London. Dort findet er schließlich Zugang zu Schauspieler- und Dichterkreisen. Mit Kit Morley (Christopher Marlowe) geht er eine stürmische Beziehung ein. Der von ihm hochverehrte Dichter wird jedoch ermordet. Nicks ausgesprochenes Talent für das Theater bleibt nicht unverborgen, und so geht der Junge bei dem Schauspieler John Heminges in die Lehre. Über John lernt Nick Shagspere (Shakespeare) kennen und schätzen, der seine innere Zerrissenheit und Einsamkeit versteht und ihn liebevoll „mein Falke“ – daher der Titel des Romans – nennt.

Der rastlose Nick findet keine Ruhe. Sein teilweise extrem egozentrisches Handeln erweckt beim Leser bisweilen alles andere als Sympathie. Zwar verabscheute Nick seinerzeit die Tätigkeit seiner Mutter, was ihn aber nicht davon abhält, sich nun immer wieder mit Prostituierten einzulassen. John Heminges, in dessen Haus Nick lebt, ist ihm sehr wohlgesonnen und ständig bereit, Nick sein nicht immer vorbildliches Verhalten zu verzeihen. Der Junge selber hat ein eher gespaltenes Verhältnis zu Heminges. Dessen Frau bringt er jedoch ganz andere Gefühle entgegen. Die Beziehung scheitert aber am Pflichtgefühl von Rebecca Heminges.

Um am Krieg in Irland teilnehmen zu können, lässt Nick die Schauspieltruppe im Stich. Das verzeiht ihm John jedoch nach Nicks Rückkehr und gibt ihm sogar seine Tochter Susan zur Frau. Die Ehe geht aber dank Nicks unbeständigem Wesen in die Brüche. Mit John versöhnt sich Nick erst viel später wieder, als er seinen Kindheitstraum erfüllen kann, Priester wird und so seinen inneren Frieden findet.

Der in der Ich-Perspektive geschriebene Roman gibt einen ausführlichen Einblick in das England der Renaissance. Vor dem Hintergrund der politischen Auseinandersetzungen erhält der Leser Zugang zu der Welt des Theaters jener Zeit, insbesondere dem bekannten Globe Theatre. Die Personen, die Nick umgeben, sind fast alle historisch. Hier ist der dem Roman beigefügte Anhang positiv hervorzuheben, in dem diese Personen und die sozialen Umstände, die sie umgaben, kurz charakterisiert werden.

Der Roman ist gut zu lesen, bisweilen allerdings ein wenig zähflüssig. Rückblickende historische Gegebenheiten und Umstände wirken manchmal etwas steif und gekünstelt. Im Ganzen zeichnet sich die Erzählweise aber durch eine lebendige und anschauliche Sprache aus.
Das Ende ist für einen modernen Roman ein wenig ungewöhnlich und erinnert eher an eine mittelalterliche Erzählung, was den Reiz dieses Werkes eigentlich erhöht, es sei denn, man erwartet den „Standardschluß“, demzufolge der Held und seine Geliebte sich glücklich in die Arme sinken. Schön, dass es nicht immer so ausgehen muss.

Rezension von _Sabina Schult_ aus Karfunkel Nr. 18, Seite 58
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Cross, Donna W. – Päpstin, Die

Um es gleich vorwegzunehmen: Dieses Buch ist uneingeschränkt lesenswert. Es ist spannend geschrieben, und es handelt von einer Frau, die ihren Wunsch nach Bildung und selbstbestimmtem Berufsleben gegen alle Widerstände verwirklicht.

Aufgewachsen als missachtete Tochter des Dorfpriesters von Ingelheim und seiner ihrem Heidentum im Geheimen gegen alle Indoktrination anhängenden sächsischen Frau, lernt Johanna zunächst heimlich mit ihrem älteren Bruder. Später wird sie von einem Lehrer der Domschule in Dorstadt, der ihre Begabung erkennt, in Lesen und Schreiben, Latein und Griechisch, vor allem aber im Gebrauch ihres für die Logik so begabten Verstandes unterrichtet. Schlimm wird es, als dieser Lehrer wegen der Freiheit seines Denkens durch einen klassischen Kleingeist abgelöst wird. Ein Jahr lang hat Johanna keinen Unterricht und verliert beinahe jede Hoffnung, dass sie jemals ihre Ausbildung fortsetzen kann. Dass sie nach einigen Wirren dennoch als Schülerin der Domschule akzeptiert wird, grenzt an ein Wunder.

Doch die Schwierigkeiten werden nicht weniger. Es scheint unmöglich, als Frau ungehindert Bildung zu erlangen, zu lernen und zu lehren. Und so ergreift Johanna die Gelegenheit, als sie nach einem Überfall der Normannen als einzige der Anwesenden aus Dorstadt überlebt: Sie verkleidet sich als Mann und geht ins Kloster nach Fulda. Dort findet plötzlich alles Achtung und Anerkennung, was ihr zuvor Kritik eingebracht hat: ihre wissenschaftliche Qualifikation, ihre Fähigkeit zu logischem Denken und zum gelehrten Disput, sie wird zum Gelehrten und Heiler, dessen Fähigkeiten schier unermesslich scheinen. Beim Ausbruch der Pest jedoch, an der auch sie erkrankt, muss sie mit einer sie enttarnenden Untersuchung rechnen, und so flieht sie aus Fulda und gelangt auf Umwegen nach Rom, wo sie ihre Karriere zielsicher fortsetzt – bis hin zur Ausübung des Papstamtes.
Dies allein wäre schon spannend genug, doch man ahnt schon, es fehlt noch etwas. Denn da sind Gerold, ein Markgraf aus Dorstadt, bei dem Johanna als Domschülerin lebte, und die Liebe der beiden…

Bleibt die Frage: Gab es sie wirklich, die Päpstin? Donna W. Cross ist davon überzeugt und legt dies anhand einer Reihe von Argumenten dar. Wer sich näher für die Forschungsgeschichte über dieses Thema interessiert, dem sei der Band von Elisabeth Gössmann mit dem Titel „Mulier Papa – der Skandal eines weiblichen Papstes. Zur Rezeptionsgeschichte der Gestalt der Päpstin Johanna“ empfohlen. Er erschien 1994 als Band 5 der Reihe “Archiv für philosophie- und theologiegeschichtliche Frauenforschung“ im iudicium Verlag München.

Rezension von _Barbara Stühlmeyer_ aus Karfunkel Nr. 17, Seite 58
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Busson, Paul – Seelenwanderer, Der – Die Wiedergeburt des Melchior Dronte

Paul Bussons bekanntester Roman, der 1921 erstmals erschien, ist jetzt in 3. Auflage erhältlich, nachdem er lange vergriffen war. Die Erzählung des Sennon Vorauf um das Leben seiner vorherigen Geburt als Melchior Dronte wird von einem Rahmen umfasst. Eröffnet wird sie mit dem Hinweis, dass dieses Buch die Unsterblichkeit der Seele bekennen soll und dieses Bekenntnis in anderen erwecken möge.

Retrospektiv beginnt Vorauf die Geschichte seines Lebens, beginnend mit dem fünften Lebensjahr, zu erzählen. Dem Leser wird klar, dass es sich um einen Entwicklungsroman handelt, eine spirituelle Entwicklung. Diese vollzieht sich zur Zeit der Französischen Revolution, einer Zeit, die gezeichnet ist von Krieg, Gewalt und Zerfall der Aristokratie. Demgemäß ist die Sprache nicht nur der Situation angemessen – neben poetischen Landschaftsbeschreibungen stehen brutale Kriegsszenarien – sondern auch den Personen. Neben Dialektformen des einfachen Menschen spricht der Adel seine hochgestochene Sprache, der Magister sein Kanzleideutsch und der Pöbel die Sprache der Gosse.
Melchior verweilt selbst in verschiedenen Milieus, ist Student, Soldat, Bürger und Adeliger, entwickelt sich vom Rohling zum Ewli, einem, der ‚wiederkommt‘.

Der Tod begegnet dem Leser in verschiedenen Formen. Vom sanften ‚Entschlafen‘ über den grausamen Tod auf dem Schlachtfeld bis zum personifizierten Tod mit dem bezeichnenden Namen ‚Fangerle‘. Ebenso variationsreich ist der Reinkarnationsgedanke, denn die Seelen treten gefangen in Tierkörpern auf, wie dem allwissenden Papagei Appolonius, kehren ohne Wissen um eine Inkarnation in Körper ein, oder wie im Falle des Dronte auch bewusst.
So geschehen, nachdem er in den Revolutionswirren seinen Kopf durch die „Maschine des Guillotin“ verliert. Doch hier endet der Roman überraschenderweise nicht, sondern schildert den Weg der Seele in den nächsten Körper, den des Sennon Vorauf, aus dessen Leben einige Details erzählt werden. Geschlossen wird die Erzählung von seinem Freund Kaspar Hodrich, der die Funktion des Ich-Erzählers übernimmt und vom Verschwinden Sennons im Albanien des ersten Weltkrieges erzählt. Er bekommt auch die Erzählung, innerhalb der fiktiven Geschichte, zugesandt.

„Aber – was in diesem Werk ist Fiktion, Phantasie, Geschichte – was erlebt und was aus einem tieferen, verborgenen Wissen gespeist“ (S. 295), um den Herausgeber Jürgen Grasmück, selbst erfolgreicher Autor zahlreicher phantastischer Romane (u.a. unter dem Pseudonym Dan Shocker die Heftromanserien Macabros, Larry Brent und Ron Kelly) aus seinem Nachwort zu zitieren.

Das Vorwort verfasste übrigens Penny Mc Lean, die schreibt: „dieses Buch wird zum Hinweis- und Zeichenlieferant in Ihrem Leben“. Dem mag sich der Rezensent nicht ganz anschließen, kann aber gehobene Unterhaltung versprechen, wie auch Anregungen zur Reflexion über wesentliche Aspekte des Lebens und natürlich des Todes.
Ungewöhnlich ist der für das Buch gewählte Schriftsatz. Auf Blocksatz wurde verzichtet und die Schrift linksbündig gesetzt (zumindest in der mir vorliegenden 1. Auflage) was den Lesefluss aber in keiner Weise beeinträchtigt. Zahlreiche Illustrationen von Maria Anna Schmitt, die schlicht aber schön sind, schmücken dieses Buch.

_Martin Dembowsky_
für die [AHA-Zeitschrift]http://www.aha-zeitschrift.de

Haydon, Elizabeth – Tochter des Windes (Rhapsody / Symphony of Ages)

Die junge Sängerin Rhapsody hat soeben ihre Ausbildung als Bennenerin abgeschlossen, als sie plötzlich von ihrer unerfreulichen Vergangenheit eingeholt wird. Gezwungen, aus der Stadt zu fliehen, trifft sie auf zwei unheimliche Gestalten, Achmed und Grunthor, die ihr das Leben retten. Achmed ist ein berüchtigter Meuchelmörder, durch Magie vom Herrn der Tausend Augen versklavt, einem gespenstischem Feuerwesen aus dem Anbeginn der Zeit, dessen einziges Ziel es ist, die Welt in Schutt und Asche zu legen. Durch einen Zufall gelingt es Rhapsody, Achmed aus dem Bann zu befreien. Die drei fliehen, verfolgt von den Dämonen des Herrn der Tausend Augen, zur heiligen Eiche Sagia und bahnen sich einen Fluchtweg entlang ihrer mächtigen Wurzeln, die die bekannte Welt umspannen und tief ins Erdinnere reichen. Tatsächlich gelingt es ihnen, ihren Verfolgern zu entkommen, doch die Prüfungen, die ihnen auf ihrem Weg auferlegt werden, sind voller Härte und verändern sie für immer. Der Preis, den sie für ihr Entkommen bezahlen müssen, ist hoch, denn als sie endlich ans Tageslicht zurückkehren, sind sie fern der Heimat und in einem anderen Zeitalter. Ihre Heimatinsel Serendair ist längst in den Fluten versunken, doch anscheinen hat das Böse überlebt und bedroht nun die neue Welt.

Trotz einiger Längen ein solider und durchaus spannend geschriebener Fantasy-Roman mit einigen neuen Ideen (z.B. spielt Rhapsodys Musik eine große Rolle, die sie wie Magie einsetzen kann, um die Wirklichkeit zu verändern), der aber leider ganz auf eine Fortsetzung hinzielt. Am Ende bleiben die meisten Fragen offen und man kann nur hoffen, dass der zweite Teil der Saga schnell veröffentlicht wird.

Elizabeth Haydon arbeitet als Lektorin in einem Schulbuch-Verlag und lebt mit ihrer Familie an der Ostküste der USA. Tochter des Windes ist ihr erster veröffentlichter Fantasy-Roman.

Homepage der Autorin http://www.elizabethhaydon.com

Gierdahl, Knut – Goldene Equinox, Der

In Anlehnung an die zwischen 1909 und 1913 von der „Großen Weißen Bruderschaft“ zu den Tag- und Nachtgleichen im Frühling und Herbst (Äquinoxe) herausgegebenen Bände des Äquinox (insgesamt 11 Bände), nennt der Autor Knut Gierdahl, Redakteur des legendären Okkultmagazins AHA, seinen Band „Der Goldene Equinox“. Ebenso setzt er sich mit der Wahl des Titels von den in der Schweiz, vom Verlag Psychosophische Gesellschaft (in limitierter und nummerierter Auflage, ohne Jahr) herausgegebenen Äquinoxen ab, bei denen es sich jedoch nicht um Übersetzungen der englischen Ausgaben handelt, sondern um die Herausgabe einzelner Werke von Aleister Crowley (z.B. „Das Herz des Meisters“, „Kleine Aufsätze die zur Wahrheit führen“, etc.).

Sieht Gierdahl die Schwerpunkte der damaligen Äquinoxe in der Klärung der Eckpunkte und Wurzeln von Thelema in der Sprache der Magie, so soll sein Goldener Equinox dem Leser Anregung und Hilfe sein, „Magick als Set von Methoden [zu] verstehen, um ihren Wahren Willen zu erschaffen und zu leben“ (Vorwort, S. 6). Dazu wählt er, gemäß dem damaligen Motto des Äquinox: „Die Methode der Wissenschaft – Das Ziel der Religion“, die wissenschaftliche Sprache, „um Thelema als sinnstiftende Lebensform weiter zu entwickeln“ (ebd. S.7).
In 13 Abhandlungen, eine in Zusammenarbeit mit Michael D. Eschner, geht der Autor auf vielseitige Themen wie Gnostizismus, Logik, Liber Al, Schuld und Verantwortung, Kult der Sonne etc. ein und bringt sie in Zusammenhang mit Thelema. Neben den Artikeln befindet sich in diesem Band auch eine Kurzgeschichte, „Der Grasgrünfärber“, die an einen Zen-Koan erinnert, sowie eine praktische Anleitung zur Ausübung der yogischen Sonnengrüße mit photographischen Abbildungen der einzelnen Stellungen im Anhang, nebst Einführung in das System des Yoga mit Bedeutung von Atem, Tipps zur Vorbereitung und dergleichen mehr. Allgemein wird immer wieder Theorie mit Praxis verbunden und auf die Umsetzung in den Alltag hingewiesen. So gibt auch das Kapitel über „Willenstraining“ eindeutige Handlungsanweisungen.

Die einzelnen Artikel lassen einen roten Faden erkennen, beginnend mit den Wurzeln Thelemas im Gnostizismus – Gnosis als Erkenntnis, die nicht vermittelt, sondern erlebt wird – und der Bedeutung vom Kult der Sonne bei Ägyptern, Indianern und Hindus, bis hin zu Thelema als „Designer-Religion“ des Neuen Äons mit verschiedenen, individuellen Entwicklungswegen und -modi. Dabei werden zentrale Themen wie Ideologie, Weltanschauung und Logik angesprochen (wie z.B. in „Open-Source-Kultur und die schenkende Tugend“ oder „Fuzzylogik und die Tattwas“).
Knut Gierdahl wählt einen lockeren, den Leser ansprechenden Stil mit humorvollen Ansätzen. Stets erläutert er seine Aussagen mit konkreten Beispielen aus Alltag, Geschichte oder Technik, fügt Zitate ein oder nennt Literaturstellen zur Weiterführung.
Negativ fallen der Drucksatz und oberflächliches Lektorat ins Auge. So werden mal einzelne Worte oder Absätze wiederholt oder der Drucksatz wechselt von Block- in Flattersatz. Ebenso hätten bei den zitierten Quellen nähere Angaben (z.B. Erscheinungsjahr, Band- /Seriennummer) erwähnt werden können.
Insgesamt wird Knut Gierdahl seinem Anspruch mehr als gerecht und der Goldene Equinox ist für jeden an Magie, Thelema und/oder Entwicklung Interessierten mit Gewinn zu lesen.
Eine Fortsetzung, wie als „Open-Source-Projekt“ geplant, wäre ebenso wünschenswert wie eine thematische Ausweitung über Thelema relevante Themen hinaus.

_Martin Dembowsky_
für die [AHA-Zeitschrift]http://www.aha-zeitschrift.de

Ergänzung des Lektors: Zum Bereich Thelema hat K. Gierdahl bzw. die Zeitschrift „AHA“ ein umfangreiches Sonderheft für 9 € herausgebracht, das man auf der Homepage bestellen kann. Dies könnte man als Fortsetzung des hier beschriebenen Bandes betrachten, wenngleich die Artikel hier von verschiedenen Autoren stammen – umso interessanter.

Kiefl, Walter – Betz, Werner – Strüber, Gudrun – Halink, Charlotte – Gottesgen, Das

Die Schulmeinung über Herkunft, Alter und Frühgeschichte der Menschheit gerät seit einiger Zeit beständig ins Schwanken – zumeist aufgrund allerlei seltsamer Funde, die sich partout nicht in eines der Aktenzimmer des eckigen Baukastensystemgebäudes ihrer Theorie einsortieren lassen wollen. Dabei findet immer wieder etwas Anpassungsarbeit statt, aber es gibt auch völlig andere Ansätze, die das gesamte Gebäude praktisch niederzureißen imstande sind und aufgrund ihrer ernsthaft erwägbaren Überlegungen eine überdenkenswerte Beachtung verdient haben.

So hat sich beispielsweise in „Das Gottesgen“ eine Autoreninitiative angeschickt, ihre Beobachtungen und Gedanken aus dem Bereich der Paläo-SETI vorzustellen, also der Möglichkeit menschlichen Ursprungs durch außerirdischen oder frühen hochkulturellen Einfluss. Dabei wählt man in diesem Falle einen Ansatz, der in den Mythen der Menschheit begründet liegt und mit der in Wissenschaftskreisen durchaus diskutierten These ansetzt, dass Mythen – wie die Bibel und andere „Heilige Bücher“ wie Mahabharata (Indien), Popul Vuh (Mayas), Sohar (jüdisch), Koran (Islam) oder Gilgamesch-Epos (mesopotamisch) – durchaus nicht nur gleichnishaft formuliert sind, sondern oftmals reale Geschehnisse wiedergeben, die nur eine bildhafte und sprachlich angepasste Transformation erfahren haben und nun von uns „entschlüsselt“ werden müssen. Eine solche Vermutung des Realcharakters liegt bereits aufgrund einer frappierenden Übereinstimmung der Grundzüge der Bücher nahe. Diesen Schriften widmen sich die Autoren in vier gut verständlichen Aufsätzen, wobei einzelne Textpassagen unter obiger Prämisse unter die Lupe genommen werden.

Die Schöpfungsmythen werden als genetische Züchtungsakte verstanden, Chimären – Mischkreaturen – aus den Mythen finden Eingang in die Überlegungen, auch Traditionen der Ehebindung und Sexualverbote und –gebote werden im Hinblick auf Zuchtauswahlerhalten analysiert. Wichtig ist dabei, dass innerhalb von Vorwort, den Artikeln selbst und insbesondere in „Wege zur Interpretation von Mythen“ von Dr. Walter Kiefl auf mögliche Kritikpunkte dieses Ansatzes eingegangen wird und eine fundierte Begründungsfindung und Berechtigungsgrundlage für diese unkonventionelle Herangehensweise angestrebt wird, auch wenn es etwas mühselig ist, sich stets vor den Schulwissenschaften behaupten zu müssen, die ihre Vormachtstellung lediglich aus einer Traditionsentwicklung und nicht etwa einem Wahrheitsanspruch heraus ableiten können.

Die genauen Thesen und Analyseinhalte möchte ich an dieser Stelle nicht ausführen, um dem Leser die Neugierde zu erhalten. Es sei lediglich gesagt, dass das gesamte Buch eine Lesefaszination ist, viele Aha-Effekte in sich birgt und ein staunenswertes Gesamtbild modelliert, das zu weiterer Lektüre in diesem Themenbereich reizt. Lediglich der – ansonsten vielfach gut durchdachte – Text „Das Gottesgen“ von Charlotte Halink, der zum Teil auf eine ungewöhnliche, aber dadurch sehr faszinierende Neuübersetzung des Alten Testamentes von Dieter Vogl zurückgreift, für meinen Geschmack in seinen Schlüssen aber etwas zu weit ausholt und in der zeitlichen Abfolge schwer nachvollziehbar ist, könnte durchaus noch einmal auf Stichhaltigkeit geprüft werden; hier beschränke ich mich auf die dargestellten Einzelfakten und folge in den Schlüssen lieber „Göttliche Experimente“ von Werner Betz und „Jungfrauen für die Götter“ von Gudrun Strüber.

Neben zahlreichen Quellenangaben im Text ist dem Buch ein Literaturverzeichnis beigefügt, das zum Schmökern einlädt, außerdem werden die Autoren in einer Kurzdarstellung vorgestellt. In der Summe ein sehr empfehlenswertes Taschenbuch für alle, die neue Horizonte des Denkens zu öffnen willens sind.

Inhalt:

• Vorwort
• Das Gottesgen – Eine Neuinterpretation des Alten Testamentes (von Charlotte Halink)
• Göttliche Experimente – Merkwürdige Wesen überall (von Werner Betz)
• Jungfrauen für die Götter (von Gudrun Strüber)
• Wege zur Interpretation von Mythen (von Dr. Walter Kiefl)
• Literaturverzeichnis
• Zu den Autoren

Bestellmöglichkeit über [Ancient Mail]http://www.ancientmail.de

Bertin, Joanne – letzte Drachenlord, Der

Die Drachenlords sind Menschen, die nur mit einer halben Seele geboren wurden. Den frei bleibenden Teil besetzt die ebenfalls halbe Seele eines Drachen. Die so entstandenen Werdrachen können mehrere tausend Jahre alt werden und sind sehr mächtig, da sie über die Fähigkeit verfügen sich zu verwandeln und in Drachengestalt zu fliegen. Sie können telepathisch miteinander kommunizieren und mittels ihres Drachenfeuers heilen. Als unparteiische Schutzherren der Menschheit werden sie bei Konflikten als Vermittler und oberste Richter um Hilfe gebeten.
Als im Land Cassori der Herrscher plötzlich verstirbt, werden die drei Drachenlords Linden, Kief und Tarlna gerufen, um die Streitigkeiten bei der Thronfolge zu schlichten. Linden ist mit seinen 600 Jahren der jüngste aller Drachenlords und seit vielen Jahren auf der Suche nach seiner Seelengefährtin, einer Frau, die mit der anderen Hälfte seiner Seele geboren wurde und ebenfalls die Fähigkeit besitzt, sich in einen Drachen zu verwandeln.
In Casna, der Hauptstadt Cassoris, trifft Linden auf die Seefahrerin Mauryanna, die er als seine Seelengefährtin erkennt. Die beiden verlieben sich ineinander, doch da Mauryanna ihre erste Verwandlung in einen Drachen noch nicht erlebt hat, wird sie durch die Anwesenheit der Drachenlords gefährdet. Sollte einer der Drachenlords sich in ihrer Gegenwart in einen Drachen verwandeln müssen, könnte der Drache in ihr zu früh erweckt werden, was ihren Tod bedeuten könnte.
Als die Bruderschaft – böse Magier, die alle Drachenlords vernichten wollen – einen Anschlag auf Linden verübt, spitzt sich die Lage zu.

Ein sehr schöner Drachenroman, der sich vor den Pern-Büchern von Anne McCaffrey nicht zu verstecken braucht. Die Autorin richtet ihre Aufmerksamkeit hauptsächlich auf die gefahrvolle Liebesgeschichte zwischen dem letzten Drachenlord und seiner Seelengefährtin. Jedoch wird auch das tödliche Intrigenspiel am Hofe Casnas eindringlich geschildert und die Spannung durch die bedrohliche Bruderschaft aufrechterhalten.

Joanne Bertin wurde 1953 in New York geboren und lebt heute in Connecticut, wo sie in einer Bücherei arbeitet. Der letzte Drachenlord ist ihr erster veröffentlichter Fantasy-Roman.

Homepage der Autorin: http://www.weredragon.com

Sibylle Berg – Sex 2

Sibylle Berg: Sex 2

Stell dir vor, du wachst eines Morgens auf und leidest an einer merkwürdigen Krankheit; die Welt, die dich umgibt, ist zu einem allzu transparenten Kosmos geworden, den du durchschreiten kannst und in dem dir nichts entgeht, weil du alles durchschaust wie Glas: Türen, Wände, ja selbst die Köpfe der Menschen sind kein Hindernis. Du bist wie Gott, der die Wahrheit zu erkennen vermag und auch die schrecklichsten Geheimnisse der Menschen kennt, die tief in ihren Seelen ruhen. Doch was anfangen mit dieser Wahrheit – und viel wichtiger, wie damit umgehen? „Die natürliche Reaktion auf den Wahnsinn ist der Wahnsinn“, und so begibst du dich auf einen Streifzug, der dich Herz und Verstand kosten könnte.

Sibylle Berg – Sex 2 weiterlesen

Diers, Michaela (Hrsg.) – Mystik

_Ein Lesebuch für Nachdenkliche_

Mystik ist in unserer Zeit ein schwer fassbarer Begriff, der nur allzu oft mit abgehobenen Phantastereien und Wundern einer transzendierten, weltscheuen Esoterikelite in einen Kontext gebracht wird. Dass hier ein deutliches Missverständnis durch Unkenntnis der eigentlichen Materie vorliegt, macht Michaela Diers, Herausgeberin des Buches „Mystik“, in ihrer stimmungsvollen Einleitung deutlich, mit der die Problembereiche und das Fundamentale des Mystikbegriffes mit klaren, wohlgesetzten Worten zum Punkt gebracht werden und welche den Leser wunderbar auf das Nachfolgende einzustimmen vermag.

Was genau ist nun Inhalt von „Mystik“? Nach Problemthemen geordnet, präsentiert Michaela Diers Gedichte, Erzählungen, Poesien, Textauszüge und Aphorismen bedeutender Mystiker verschiedener Tradition und Kultur, aber auch von Dichtern und Philosophen, die mit ihren Worten mystisches Verständnis erkennen lassen, ohne dass diese sich selbst als Mystiker betrachtet hätten. So kommen Lao-Tse oder Ramakrishna einvernehmlich zu Worte neben Bernhard von Clairvaux (der vielleicht bedeutendste und einflussreichste Europäer seiner Lebenszeit, allerdings von durchaus zweifelhaftem Wesen), Hildegard von Bingen, Meister Eckhart oder auch Hermann Hesse, Ludwig Wittgenstein und Simone Weil, um nur einige wenige Autoren zu nennen, die den Leser auf eine Reise in das innerste Wesen der Dinge mitnehmen und Hilfestellung auf scheinbar ziel- und orientierungslosen Pfaden zu geben wissen. So ist dieses Buch für – selten gewordene und doch so wichtige – stille Stunden innerer Einkehr und Nachdenklichkeit bestens als Wegbegleiter geeignet und lädt ein, immer wieder die eine oder andere Passage – vielleicht auch einfach nach dem Zufallsprinzip – auszuwählen, um darüber zu reflektieren oder die Worte einfach wirken zu lassen – literarisch-philosophische Meditation. Dass oben erwähntes Vorurteil nicht so recht greift, zeigt sich in der Zeitlosigkeit gesammelter Lebensweisheit, die hier dargestellt wird und die sehr wohl, unabhängig von einer religiösen Sichtweise auf die Texte, Realität und praktische Bezüge erkennen lässt und auch für – und gerade – den modernen Menschen bedeutsam ist.

Ergänzt wird das Taschenbuch durch ein kurz kommentiertes Verzeichnis der wichtigsten Personen und Werke, ein Anmerkungs- sowie Quellenverzeichnis.

Aus dem Inhalt:

• Vorwort
• Unruhe – Ruhe
• Innen
• Ich
• Armut – Reichtum
• Wissen – Weisheit
• Demut
• Gelassenheit
• Einheit
• Allerorten – Jederzeit
• Arbeit
• Frieden
• Tod
• Liebe
• Nächsten(liebe)
• Welt
• Fallstricke
• Arme Sünder
• Verblendung
• Glauben – Zweifel
• Gottesbilder
• Gottferne
• Leere – Fülle – Nichts
• Toleranz
• Gütesiegel
• Stille – Schweigen
• Mitgefühl
• Zum Schluß
• Anhang

Michels, Ulrich – dtv-Atlas Musik Band 1

_Band 1: Systematischer Teil / Musikgeschichte von den Anfängen bis zur Renaissance_

Aus der Reihe der beliebten dtv-Atlanten zählt das zweibändige Werk „Musik“ nun bereits seit 25 Jahren zu den festen Größen der musiktheoretischen Veröffentlichungen (Band 1 seit 1977, Band 2 seit 1985; in 14 Sprachen erschienen). Auf insgesamt 600 klein gedruckten Seiten in vom dtv gewohnter ausgezeichneter Papier- und Druckqualität wird ein zwar komprimierter und knapp gefasster, aber gerade dadurch sehr umfassender Rundumschlag mit Überblicken zum systematischen / musiktheoretischen und musikgeschichtlichen Wissen geboten. Jede Themenseite gliedert sich in den eigentlichen, stets gut lesbar strukturierten Sachtext zur rechten und durchgehend mehrfarbige begleitende und gut veranschaulichende Grafiken – mit viel Sorgfalt erstellt und von hohem didaktischen Nutzwert – zur linken Buchseite.

Zwar können die beiden Bände dank eines sehr detaillierten Personen- und Sachregisters als Nachschlagewerk verwendet werden, lassen sich vom eigentlichen Aufbau her aber besonders gut durchgehend lesen, da sie nicht lexikalisch, sondern thematisch aufbauend gegliedert und nicht in Stichpunkten, sondern als zusammenhängende Texte abgefasst wurden. Der systematische Teil im ersten Band umfasst dabei alles Grundsätzliche zur Musik, angefangen bei Akustik, Gehör- und Stimmphysiologie, Hörpsychologie (also physikalischen, biologischen und psychologischen Voraussetzungen) über Instrumentenkunde (die von simplen Schlaginstrumenten alter Zeit bis hin zu elektronischen Klangerzeugern der Neuzeit reicht) und die besonders wesentliche Musiklehre bis hin zu einer Darstellung klassischer Gattungen und Formen der Musik. Aufgrund der Komprimierung ist dieser nicht immer einfache Teil natürlich vor allem für einen Überblick oder zur Auffrischung und Vertiefung durch den musikalisch bereits Vorgebildeten geeignet und kann den interessierten Laien nicht so gut in die Thematik einführen wie ein ausführlicherer Text zur Sache.
Der musikhistorische Teil beginnt in Band 1 bereits mit der Altsteinzeit, geht dann über die antiken Hochkulturen und das Mittelalter zur Renaissance. In Band 2 wird dies dann von Barock bis zur heutigen Zeit noch ausführlicher dargelegt, da natürlich mehr Informationen zur Verfügung stehen. Dabei wird die Musik immer im gesellschaftlichen Kontext analysiert und Einflüsse von Weltanschauung, Spiritualität, Riten, Kultur übergreifender gegenseitiger ‚Befruchtung’ betrachtet. Man beschränkt sich hierbei allerdings nicht auf eine rein geschichtliche Darstellung, sondern bleibt parallel dazu in einem systematischen Kontext, der die besonderen Strukturen, Instrumente, Gattungen der Musik innerhalb der jeweiligen Entwicklungsepoche beachtet. Durch diese dialektische Herangehensweise, zusammen mit der Möglichkeit, Details im vorhergehenden systematischen Teil nachzuschlagen, lässt sich der musikhistorische Part sehr gut lesen und hat einiges Interessantes zu bieten.

Ein kritischer Punkt sei jedoch bei aller Güte der Arbeit erwähnt: Inzwischen wäre es an der Zeit, die Reihe um einen dritten Band zu erweitern, der sich eingehender mit der Moderne befasst, zumindest mit Jazz, Blues und Rock und ihren Variationen und Entwicklungen. Zwar werden beispielsweise dem Jazz und der elektronischen Musik Raum zugestanden, aber die Ausführlichkeit lässt trotz des knappen Grundaufbaus noch zu wünschen übrig, und modernere Entwicklungen (es sei hier nur der neoklassische und progressive Rockbereich erwähnt) fehlen gänzlich, obwohl das 20. Jahrhundert sicherlich ausreichend Ansatzpunkte für theoretische und historische Betrachtungen bietet und das Interesse seitens der Leserschaft an einer solchen Erweiterung gegeben sein dürfte.

Ob man nun gezielt bestimmte Themen nachlesen möchte, die Bände als Nachschlagewerk Verwendung finden oder man sich die Muße nimmt, das gesamte Buch aus Interessenneigung und Gründen der Weiterbildung in Gänze zu lesen – die beiden dtv-Atlanten zur Musik kann ich jedem fachlich musikalisch Interessierten nur zur Aufnahme in die eigenen Buchbestände empfehlen.

Ulrich Michels – dtv-Atlas Musik (Band 2)

Band 2: Musikgeschichte vom Barock bis zur Gegenwart

Aus Gründen der Zweckmäßigkeit ist nachfolgend die gleiche Textbeschreibung zu finden wie bereits zu Band 1.

Aus der Reihe der beliebten dtv-Atlanten zählt das zweibändige Werk „Musik“ nun bereits seit 25 Jahren zu den festen Größen der musiktheoretischen Veröffentlichungen (Band 1 seit 1977, Band 2 seit 1985; in 14 Sprachen erschienen). Auf insgesamt 600 klein gedruckten Seiten in vom dtv gewohnter ausgezeichneter Papier- und Druckqualität wird ein zwar komprimierter und knapp gefasster, aber gerade dadurch sehr umfassender Rundumschlag mit Überblicken zum systematischen / musiktheoretischen und musikgeschichtlichen Wissen geboten. Jede Themenseite gliedert sich in den eigentlichen, stets gut lesbar strukturierten Sachtext zur rechten und durchgehend mehrfarbige begleitende und gut veranschaulichende Grafiken – mit viel Sorgfalt erstellt und von hohem didaktischen Nutzwert – zur linken Buchseite.

Ulrich Michels – dtv-Atlas Musik (Band 2) weiterlesen

O’Donohue, John – Echo der Seele

Der Ire John O’Donohue lebt heute als Philosoph und Poet wieder in Irland, studierte allerdings in Tübingen philosophische Theologie, worin er 1990 mit einer Arbeit über Hegel promovierte. Bekannt wurde O’Donohue mit seinen christlich-keltisch tradierten und dennoch in der Moderne wurzelnden Texten durch seinen Welterfolg „Anam Cara“. Der dtv hat von ihm in einer edel aufgemachten, großformatigen Premium-Edition das Werk „Echo der Seele“ herausgebracht, das ich einfach nur als spirituellen, poetischen wie auch intellektuellen Hochgenuss beschreiben kann.

Es sei vorweg angemerkt, dass der Autor sich fernab einer dogmatisch kirchlichen Weltsicht bewegt und ganz im Gegenteil in seinem Buch auch Kritik an institutionalisierter Religion und Amtskirchen – neben allgemeiner gesellschaftlicher Kritik – übt. Zudem handelt es sich hier durchaus nicht um eine theologisch moralisierende Schrift; der gedankliche Schwerpunkt ist in den Bereichen der Philosophie, Psychologie und Soziologie anzusiedeln.
Worum genau geht es nun in „Echo der Seele“? Der – etwas kuschelig-esoterisch anmutende – Untertitel „Von der Sehnsucht nach Geborgenheit“ umschreibt die Hauptthese und Grundthematik: Das menschliche Dasein gewinnt seine Dynamik durch das Streben und die Sehnsucht nach Zugehörigkeit und prägt unser Fühlen und Handeln, die gesellschaftlichen und privaten Bestrebungen, Ängste und Wesenszüge, unsere Kreativität und die Erkenntnis der Möglichkeiten eines frei strebenden Willens, ist zugleich aber auch ein Quell unserer Ängste und Verzweiflung. Dies wird allerdings nicht im Sinne eines Reduktionismus als alleiniges Erklärungsprinzip verstanden oder verfochten, durchaus aber als eine der grundlegenden Triebkräfte und übergeordnete Metapher, die in wesentlichen Bereichen dessen, was das Wesen der Menschlichkeit ausmacht, greift.

In einer Vielzahl kleiner Unterkapitel führt O’Donohue uns – durchaus praxisnah und realitätsbezogen innerhalb seines sehr wahrhaftigen Theoriekonstruktes – durch die Gedankenwelt von Zugehörigkeit und Sehnsucht, menschlichem Streben und den Grenzen und Mauern, die diesen Bestrebungen den Weg verbauen. Unser Verlangen nach Zugehörigkeit zu unserem Ursprung, zur Erde, zur Liebe, zu Partnerschaft, Familie, Freunden, unserer eigenen Kindheit, uns selbst oder auch sozialer Sicherheit wird beleuchtet und beim Leser ein Prozess des Erkennens und Verständnisses für sich selbst und seine Mitwelt in Gang gesetzt, der mich erstaunte und mir viel zu geben wusste. Dabei bedient er sich einer lebendigen, poetischen, leicht verständlichen Sprache, die kaum merklich ein durchaus komplexes interdisziplinär argumentierendes Spezialwissen verbirgt, das höchst moderne wissenschaftliche Elemente aus Systemtheorie, Formgesetzen, Soziologie, praktischer Philosophie und Psychologie in einem kunstvollen Balanceakt zu verbinden weiß mit undogmatisch christlicher Theologie, keltischer Mythologie und Weltanschauung oder selbst Buddhismus.

„Echo der Seele“ führt uns in die innersten Landschaften unserer Psyche, Seele und Menschlichkeit und ist eine formvollendete, wohltuende Medizin für den suchenden, unruhigen, verunsicherten Geist, der die Moderne prägt wie nie zuvor. Daher kann ich die stille und genussvolle Lektüre dieses Werkes jedem ohne Unterschied nur ans Herz legen; selten hat ein Buch so viel in mir bewegt – und dabei einen Zustand inneren Friedens und Verstehens ausgelöst – und wusste, meine Sicht auf mich und die Welt ganz wesentlich neu zu formen.

Nachfolgend nur ein Überblick über die Hauptkapitel. Das Buch lässt sich dank seiner Kleingliederung sehr gut in portionierten Schritten lesen und lädt dazu ein, nach jedem Themenabsatz inne zu halten, um das Erfahrene wirken und reflektieren zu lassen.

• Kapitel 1 – Erwachen in der Welt: Die Schwelle der Zugehörigkeit
• Kapitel 2 – Präsenz: Die Flamme der Sehnsucht
• Kapitel 3 – Unsere frei gewählten Kerker
• Kapitel 4 – Leiden als das finstere Tal zerbrochener Zugehörigkeit
• Kapitel 5 – Das Gebet: Eine Brücke zwischen Sehnsucht und Zugehörigkeit
• Kapitel 6 – Die Abwesenheit: Wo die Sehnsucht noch verweilt

Hackworth, David H. – Preis der Ehre, Der

|Originaltitel: The Price Of Honor|

Captain Alexander Caine von den Special Forces ist Soldat in der achten Familiengeneration. Sein Vater fiel unter mysteriösen Umständen, die nicht zum Verständnis der Familie von soldatischer Ehre und Tapferkeit passen, auf dem vorgeschobenem Erkundungsposten ODA 351 bei den ersten Kampfhandlungen in Vietnam. Caines Bezugspersonen sind sein Großvater, General John Pershing Caine, sowie der Senator Jeff Taylor, der mit seinem Vater gedient hat und als einziger Überlebender von ODA 351 hoch dekoriert wurde und nun für die Präsidentschaftswahlen kandidieren will.

Bei einem Kampfeinsatz in Somalia lernt Caine die attraktive Journalistin Abigail Mancini kennen; nach dem gescheiterten Entführungsversuch eines Warlords verschanzen sie sich zusammen mit den Männern von Caines Team in einer Polizeistation und können mit Hilfe der Delta Force befreit werden. Ein Soldat der Spezialeinheit hat Caines Vater gekannt und zum ersten Mal hört er, dass die Informationen über dessen angeblich feige Taten falsch sind, und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit.

Bei einem weiteren Einsatz in Bosnien treffen Caine und Mancini sich wieder und verlieben sich; er weiht sie in seine Geschichte ein und sie will ihm helfen. Zurück in Washington wird Mancini auf Senator Taylor angesetzt, um Hintergrundmaterial über den aussichtsreichen Präsidentschaftskandidaten zu sammeln. Schnell wird klar, dass Caines Suche nach der Wahrheit über seinen Vater und Mancinis Nachforschungen ineinander verstrickt sind. Die beiden stolpern in ein unsauberes, milliardenschweres Rüstungsprojekt einer „Old Boys Connection“, die vor nichts zurückschreckt, um die beiden aufzuhalten.

Hackworth hat einen harten, spannenden und schlüssigen Militärthriller geschrieben und seine Fachkompetenz deutlich bewiesen. Die Darstellung des Einsatzes in Somalia ähnelt den bekannten Fakten über den tatsächlichen Kampf in 1993. Die geheime ‚Beobachterfunktion‘ von Caine in Bosnien, lange vor dem Eingreifen der USA in den Konflikt, ist zwar aus naheliegenden Gründen nicht verifizierbar, aber zumindest realistisch geschildert. Allerdings haben beide Einsätze, sehr actionreich geschildert und fast ein Drittel des Buchs umfassend, nichts mit der eigentlichen Geschichte zu tun und in die ‚große Verschwörung‘ sind so viele Personen involviert, dass der Überblick stellenweise schwer fällt. Auch das allzu glatte Ende vermag nicht ganz zu überzeugen, nichtsdestotrotz ist „Der Preis der Ehre“ in seinem Genre ein gelungenes Werk.

Anmerkung: Vollkommen unverständlich ist die enorm hohe Anzahl von Druckfehlern, die von diesem Verlag ansonsten nicht bekannt ist.

David Hackworth trat mit 15 in die U.S. Army ein, hat u. a. zwei Jahre Kampfeinsatz in Korea und weitere fünf in Vietnam abgeleistet und war sowohl der jüngste Captain als auch Colonel der amerikanischen Landstreitkräfte. Er berichtete als Korrespondent für |Newsweek| vom Golfkrieg und veröffentlicht noch heute, als Verfechter einer umfassenden Streitkräftereform, Berichte in den verschiedensten Publikationen. „Der Preis der Ehre“ ist sein bisher einziger in Deutschland verlegter Roman.

Deschler, Kolb, Netti, Herrmann, Geddon, Timsit – Skullcrusher – The First 5 Years Of Decay

Herzlichen Glückwunsch!!!

Das SKULLCRUSHER-Magazin ist fünf Jahre alt geworden und hat es in dieser Zeit auf stattliche neun Ausgaben gebracht. Die mir vorliegende Ausgabe Nr. 9 ist Metal pur und hat es absolut in sich. Ein schöner, gehobener Schreibstil, der dennoch locker, flockig daher kommt, macht das Lesen der überaus informativen wie auch teilweise amüsanten Berichte einfach und lädt immer wieder zum Nachlesen ein. Man merkt den Fanzinemachern ihren Spaß an der Sache an und so verstehen sie es, mit Herzblut, Witz und Verstand interessante Artikel und Interviews zuverfassen.

Geboten werden unter anderem Stories von AMON AMARTH, verfasst vom General selber, der wohl ein absoluter Fan der genannten Band ist, NAPALM DEATH, IN FLAMES, CANNIBAL CORPSE, RIGER, ein endgeiles Interview mit DECIDE-Mastermind Glen Benton, TAETRE u.v.a.m. Die Ausrichtung konzentriert sich, wie man sieht, eher auf die härtere Gangart des Metals, wobei die Reviews, welche durchweg versiert geschrieben sind, sich auch auf andere Bereiche ausweiten. Hier wird einfach alles, was irgendwie mit Stromgitarren zu tun hat, rezensiert; von 30 SECONDS TO MARS über SEPULTURA bis hin zu ZED YAGO.
Sehr unterhaltsam ist die SCULLCRUSHER-History Pt. 1, in der die Herren Schreiber sich, mit einer dicken Portion Selbstironie, selbstbeweihräuchern – muss man gelesen haben. Hieran anknüpfend ist das SKULLCRUSHER-Quiz mit Fragen wie z.B.: Was empfiehlt sich bei einer Schlüsselgeißelung auszurufen?
a) Mea Culpa
b) Vergib, mir Herr
c) Nein, Nein, Nein
d) Ich will geläutert sein
e) Aua
Auch diese Frage kann man nur beantworten, wenn man den oberscharfen Bericht „Dein Schlüssel zur Geißelung“ gelesen hat, Zwerchfellkrampf garantiert.

Ein besonderes Metalbonbon ist die THE SIXTH INCUBATOR-Aktion, denn im vorliegenden Heft ist das Coverartwork der aktuellen CD der genannten Band beigelegt, und man muss sich nur noch die Songs kostenfrei von der Website ziehen, dann kann man sich die CD selbst zusammenschrauben; coole Aktion, wie ich finde. Hier die Webadresse:

http://www.skullcrusher.net

Das SKULLCRUSHER-zine ist definitiv Metal und hat es verdient, von jedem echten Metaller bestellt zu werden, zumal die Jubiläumsausgabe umsonst ist, lediglich 1,- Euro (für P+V) Unkosten fallen an.

SKULLCRUSHER Magazine
c/o Harald Deschler
Jörgstr.9
88410 Bad Wurzach
E-Mail: skullcrushermagazine@web.de

Burgwächter, Till – JGTHM – Juhr Gait Tu Hewi Mettäl

„Juhr Gait Tu Hewi Mettäl“ – Der Buchtitel macht bereits deutlich, dass dieser Metalführer es offensichtlich nicht so ganz bierernst nimmt mit seinem Thema – eigentlich nimmt er überhaupt nichts ernst, nicht einmal sich selbst. Musikjournalist Till Burgwächter wagt sich auf gut 200 Taschenbuchseiten an die zumeist bissige Satire eines Genres, das er zwar zu lieben weiß, das aber aufgrund seines Klischeepotentials jede Menge Angriffspunkte für bitterböse Kommentare präsentiert. Dabei sind die gelieferten Spitzen gegen die hassgeliebte Musikform nicht immer „politisch korrekt“ und das ist auch gut so. Natürlich ist bei dieser Fülle an bösen Texten nicht jeder Satz und jede Anspielung ein Volltreffer auf die Lachmuskeln und so manche Zeile bleibt mir bis heute eher rätselhaft, aber Hjalana und ich haben beim Schmökern in diesem kurzweiligen Büchlein so manche Salve aufs Zwerchfell abgefeuert.

Bereits die Aufmachung des in Hochglanz verpackten Buches zeigt liebevolle Detailarbeit; die Albernheiten gehen bereits im Impressum los und werden bis zur letzten Seite durchgezogen; ein nettes Extra ist das Daumenkino „Little Mosher“ am Rand jeder Seite, so dass auch Leute, die das Buch nur mal schnell durchblättern wollen, etwas davon haben. Jedes Basisklischee und die wichtigsten Stilrichtungen bekommen gleich vorab ihr Fett weg (nachdem im Vorwort ein paar Lesergruppierungen der Mittelfinger gezeigt wurde), bevor sich der Schreiberling im Hauptteil den wesentlichen Bands widmet, an denen er nur selten ein gutes Haar belässt. Manche Sprüche gehen zwar nach hinten los, aber im Wesentlichen werden die Möglichkeiten für herbe Kommentare zu Bands und ihren Mitgliedern gut ausgereizt und bereiten eine Menge Lesefreude. Der holden Weiblichkeit in diesem Metier wird ein eigenes Kapitel gewidmet, Metalmagazine werden – zutreffend – auf ihre Unzulänglichkeiten reduziert, die Spezies der Metalfans wird „sozialkritisch“ unter die Lupe genommen, einige Randthemen folgen, bevor das Quiz „Sind Sie Metal?“ den Leser schmunzelnd entlässt.

Man darf nun nicht den Eindruck gewinnen, es handle sich hier um eine blanke Hasstirade gegen unser geliebtes Musikgenre und sein Umfeld, denn wie bereits erwähnt ist auch der Autor ein Fan, aber in diesem Buch soll es darum gehen, der Szene in Eulenspiegelmanier einen Spiegel vorzuhalten – und wer nicht über sich selbst und seine Idole lachen kann und so „true“ ist, dass er Nägel zum Frühstück frisst, sich mit einem Bastardschwert rasiert und auch bei Neumond mit Sonnenbrille über den Friedhof stolziert, sollte dieses Buch ohnehin sofort verbrennen. Es wird auch nicht nur dumm gefaselt; der Autor ist nicht grundlos Musikjournalist und hat unter aller Blödelei so manche Insiderinfo zu bieten sowie Aufklärung über grundsätzlich Wissenswertes, nur eben etwas nonkonform verpackt.

Ich möchte allerdings davon abraten, den Schmöker am Stück zu verdauen, da der zumeist gar köstliche Humorstil nach einiger Zeit erst einmal sein Pulver verbraucht hat – auch Mittermaier, Kalkofe oder Ingo Appelt sind nicht endlos zu ertragen und genießen. Das Buch eignet sich gut, um immer mal wieder für etwas Kurzweil herausgekramt zu werden; so richtig Freude kommt auf, wenn man besonders gelungene Passagen in geselliger Runde vorträgt.

Etwas bitter stieß mir beim Lesegenuss das mangelhafte Lektorat des Buches auf – für jeden Setzungs- und Rechtschreibfehler einen Cent und man hat die Anschaffungskosten wieder heraus. Bei sonst so liebevoller Gestaltung wäre etwas mehr Aufmerksamkeit auf diesen so vielen vermutlich nebensächlich erscheinenden Aspekt sicherlich auch noch drin gewesen. In der Summe soll dieses Schandwerk aber jedem lesefreudigen Metaller empfohlen sein und der Büchersammlung hinzugefügt werden; das Leben ist zu kurz, um es stets ernst zu nehmen.

Inhaltsübersicht:

• Einleitung
• Definitionen und anderes Basiswissen
• Die verschiedenen Stile
• Die wichtigsten Bands
• Bands, die nicht ganz so wichtig sind
• Frauen im Rock
• Lesbarer Krach
• Fans und die Lüge von der Familie
• Live is Life
• Zitate und ihre Bedeutung
• Wir gründen eine Band oder „Am Anfang war …“
• Abschließende Klugscheißerei
• Irgendwas is’ immer …
• Sind Sie Metal?

Morrell, David – Porträt, Das

|Originaltitel: Burnt Sienna|

Bei dem Angriff der USA auf Panama City zur Verhaftung Noriegas wird der amerikanische Hubschrauberpilot Chase Malone mit seiner Mannschaft abgeschossen und erfährt in den dunklen Gassen der Stadt am eigenen Leib und aus erster Hand von der schrecklichen Verwüstung, die von den Marines bei dem Angriff angerichtet wird. Er quittiert den Dienst, lässt sich als Maler in dem pittoresken mexikanischen Städtchen Cozumel nieder und erreicht mit seinen farbenfrohen Landschaftsbildern im Stil von van Gogh großen Erfolg.

Eines Tages erhält er ein überraschendes Angebot. Der Waffenhändler Derek Bellasar will ihm für zwei Porträts seiner Frau Sienna 600.000 Dollar bezahlen. Malone, der weder Auftragsarbeiten noch Befehle entgegennehmen will, lehnt das Angebot ab und bleibt auch standhaft, als er unter erheblichen Druck gesetzt wird. Als Malone dann von der CIA über Bellasars Machenschaften informiert und gebeten wird, in deren Auftrag tätig zu werden, gibt er schließlich nach und wird von Bellassar auf dessen Anwesen in Südfrankreich verschleppt.

Dort lernt er die atemberaubend schöne Sienna kennen und verliebt sich während der Porträtarbeiten in sie. Die beiden fliehen, werden von Bellassar aber wieder aufgegriffen und Malone muss sich letztlich in einem großen Showdown gegen den übermächtigen Widersacher durchsetzen.

„Das Portrait“ passt sich nahtlos in die Reihe von Morrells Werken ein. Spannende Unterhaltung in einfachem Stil mit gut ausgearbeiteten Charakteren, ohne besonderen Anspruch. Sowohl der Anfang, in dem Bellasar nichts unversucht und keinen schmutzigen Trick auslässt, um Malone zur Annahme seines Angebots zu zwingen, als auch das überraschende Ende können überzeugen und haben keinerlei Längen. Der Mittelteil besticht durch die zarte Liebesgeschichte zwischen Malone und Sienna und die Darstellung des vielschichtigen Bösewichts. Eindeutig fehl am Platz, sogar fast störend und übertrieben erscheint das Weltuntergangsszenario um die russischen Biowaffen-Wissenschaftler; wieder einmal hat Morrell zu viel in einen Roman packen wollen. Gute Unterhaltung ist dennoch garantiert.

David Morrell studierte und lehrte amerikanische Literatur und wurde als Schriftsteller besonders durch seine Romanvorlage zu „Rambo“ bekannt. Ebenfalls verfilmt wurde sein Agentenroman „Der Geheimbund der Rose“. Seine Werke sind zumeist klassische Thriller, allerdings hat Morrell bisher auch je einen Western, Horrorthriller und Fantasy-Roman veröffentlicht.

Grisham, John – Bruderschaft, Die

Originaltitel : The Brethren

John Grisham, ehemaliger Anwalt und Abgeordneter des Repräsentantenhauses von Mississippi, produziert seit seinem erstem Roman ‚Die Jury‘ in 1988 einen Weltbestseller nach dem anderen.

„Die Bruderschaft“ besteht aus drei Richtern, die wegen verschiedener Vergehen im Staatsgefängnis Trumble in Florida einsitzen und dort theaterreife Verhandlungen zwischen Gefangenen um ruinierte Rosenbeete, gestohlene Mobiltelefone und Ähnliches abhalten, aber auch gegen Bezahlung Rechtsberatungen geben und Strafen zu mildern versuchen. Um sich ein finanzielles Polster für die Zeit nach ihrer Entlassung zu schaffen, geben sie sich in einschlägigen Kontaktmagazinen als liebesbedürftige, junge Homosexuelle aus und bauen Brieffreundschaften im ganzen Land auf, nur um diese später mit Hilfe ihres heruntergekommenen Anwalts zu erpressen.

Aaron Lake ist ein stilles, formatloses Mitglied des Abgeordnetenhauses und verrichtet seit Jahren seine Arbeit gut, ehrlich und mit hohen moralischen Ansprüchen. Umso mehr überrascht es ihn, dass er vom todkranken Teddy Maynard, dem Leiter der CIA, als dessen Wunschkandidat für die kommende Präsidentschaftswahl ausgewählt wird. Der Deal ist einfach: Die CIA manipuliert mit Hilfe ihrer weit reichenden Kontakte die Wahl und Lake wird nach seiner Ernennung das amerikanische Militär wieder aufrüsten. Für ein militärisch wiedererstarktes Amerika nimmt Maynard sogar in Kauf, dass bei terroristischen Anschlägen, die er hätte vermeiden können, Amerikaner getötet werden und forciert sogar atomare Zwischenfälle, um den Ruf der Wähler nach einem starken Amerika zu schüren.

Doch Lake, dessen Frau vor etlichen Jahren gestorben ist, hat ein Doppelleben, das die CIA bei ihrer Auswahl übersehen hat und „Die Bruderschaft“ kommt deren Plänen gehörig in die Quere.

Die Welt ist schlecht, jeder ist von Macht und/oder Geld korrumpierbar. Das zumindest scheint die Quintessenz von Grishams „Die Bruderschaft“ zu sein. Dieses mal gibt es keinen einzigen Protagonisten, der frei von moralischem Tadel ist oder für eine gerechte Sache kämpft. Aber Grisham schafft es einmal mehr, dass der Leser trotzdem Sympathie für sie empfindet, sei es nun für die Richter der Bruderschaft, deren verwerfliche Erpressungen einem fast wie die Streiche kleiner Jungen erscheinen wollen, oder für den Präsidentschaftskandidaten, dem man seinen Erfolg fast wünscht, obwohl er von den kriminellen Machenschaften der CIA weiß und für die Wahl seine Seele an den Teufel verkauft.

Grisham entfernt sich ein ganzes Stück von seiner bisher präsentierten Kernkompetenz, die Juristerei hat bei weitem nicht den gleichen Stellenwert wie in den meisten anderen seiner Romane. Für einen reinen und hochklassigen Agenten- oder Politthriller mag es nicht reichen und die unglaubliche Macht und Einflussmöglichkeit der CIA mag übertrieben dargestellt sein, wer vermag das schon zu beurteilen; aber ‚Die Bruderschaft‘ ist eine wohltuende Abwechslung und gehört nach einigen schwächeren Werken mit eher dünnen Stories wieder zu Grishams besseren.

Tolkien, J. R. R. – Hobbit, Der

„Der Hobbit“ von J.R.R. Tolkien ist eine Art Vorgeschichte zum „Herr Der Ringe“, die sich ebenfalls in der Fantasiewelt Mittelerde abspielt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass manch einem, der den „Herr Der Ringe “ bereits gelesen oder den Kinofilm gesehen hat, einige Namen und Begebenheiten bekannt vorkommen werden: So zum Beispiel der Zauberer Gandalf oder der Hobbit Bilbo, der in diesem Buch die Hauptrolle spielt. Er entschließt sich nämlich – nach vielen Tricks und Überredungskunststücken des Magiers – dazu, einen kleinen Zwergentrupp auf ein Abenteuer zu begleiten. Diese wollen zum Einsamen Berg weit hinter dem Nebelgebirge und dem Düsterwald ziehen, wo einst ihre Vorfahren lebten. Denn dort haust nun der grausame Drache Smaug, der sich all der Zwergenschätze bemächtigt hat und die Gegend dort verwüstet. Sie wollen mit Hilfe des „Meisterdiebs“ (vgl. S.29), wie sie Bilbo nennen, den Schatz ihrer Ahnen wiedererlangen und den Drachen töten. Auf der Reise begegnen ihnen mancherlei Gefahren, aber auch immer wieder eine helfende Hand und eine Portion Glück. Viele der Geschehnisse, auf die Tolkien in „Herr Der Ringe“ zurückgreift, lassen sich hier in ausführlicherer Form wiederfinden. So erfährt man zum Beispiel, wie Bilbo zu all den kostbaren Stücken, die später auch Frodo auf seiner Reise begleiten, gekommen ist. Gemeint sind Dinge wie das wertvolle Kettenhemd aus Mithril, die Elbenklinge „Stich“ und natürlich der Ring, die Bilbo in „Herr Der Ringe“ Band I alle an Frodo weitergibt. Alles in allem ist „Der Hobbit“, sowohl als Einstiegsdroge, als auch für bereits vom Tolkien-Wahn Infizierte eine spannende Ergänzung zum absoluten Bestseller „Herr Der Ringe“.

Doch leider wird die Spannung des öfteren durch Tolkien selbst eingedämmt, der sich immer wieder als Schreiber in das Geschehen einmischt und den Leser direkt und in der Mehrzahl anspricht, was sich dann ungefähr so anhört: „Sicher habt ihr schon eher daran gedacht und könnt jetzt über ihn lachen, aber ich weiß nicht, ob ihr es an seiner Stelle wirklich klüger angestellt hättet.“ (S. 190) Das erweckt zum einen den Eindruck, als würde man selbst mitten unter einer kleinen Horde Kinder auf dem Boden vor Opa Tolkien sitzen und zuhören. Zum anderen ist es vor allem dann ärgerlich, wenn er dadurch schon den Ausgang einer brenzligen Situation vorwegnimmt, über die er anschließend noch einige Seiten schreibt.

Deshalb wird das Buch aber noch lange nicht langweilig, sondern ist und bleibt ein faszinierendes Werk, vor allem wenn man bedenkt, mit wie viel Liebe zum Detail sich Tolkien ganz Mittelerde, seine Geschichte und die dort lebenden Wesen ausgedacht hat um auf dieser Grundlage seine Bücher zu schreiben.

Bei dieser Ausgabe handelt es sich übrigens um eine 1998 neu überarbeitete Übersetzung von Wolfgang Krege. Aber ob sie nun besser oder schlechter als die alte Version ist, kann ich nicht beurteilen, da ich bis jetzt nur die neuere gelesen habe.

Grisham, John – Richter, Der

|Originaltitel: The Summons|

Der ehrenwerte Richter a.D. Reuben V. Atlee bestellt seine beiden Söhne Ray und Forrest zu seinem heruntergekommenen Haus in Clanton, einer verschlafenen Kleinstadt in Mississippi, um die Regelung seines Nachlasses mit ihnen zu besprechen. Als Ray, Professor einer juristischen Fakultät, dort eintrifft, ist der Richter bereits verstorben. Bevor sein Bruder ankommt, der seit vielen Jahren drogenabhängig ist, findet Ray ein Testament, das beide Brüder zu gleichen Teilen begünstigt und Ray zum Nachlassverwalter einsetzt. Darüber hinaus findet er über drei Millionen Dollar in bar, nur dürftig in Schuhkartons im Haus versteckt.

Innerhalb kürzester Zeit ist Rays Leben, der seine schmutzige Scheidung noch nicht endgültig verarbeitet hat und der in seinem Beruf zwar Anerkennung, aber keine Befriedigung findet, vollkommen auf den Kopf gestellt. Bei den bescheidenen Einkünften des Richters scheint es unmöglich, dass das Geld aus legalen Quellen stammt. Seinen Bruder, den er vor sich selbst schützen will, und seinen Freund Harry Rex Vonner, einen Kleinstadtanwalt, kann er nicht ins Vertrauen ziehen. Nach wenigen Tagen stellt er fest, dass es Mitwisser geben muss, die ihrerseits Anspruch auf das Geld zu haben glauben und ihm dies mit immer drastischeren Methoden verständlich machen wollen. Ray versucht einerseits, die Quelle des Geldes ausfindig zu machen, und andererseits, das Geld zu schützen. Immer wieder versucht er sich einzureden, dass er das Geld weder will noch braucht, aber immer stärker wird ihm und dem Leser auch klar, dass er es behalten und nicht teilen will.

John Grisham, ehemaliger Anwalt und Abgeordneter des Repräsentantenhauses von Mississippi, produziert seit seinem erstem Roman „Die Jury“ in 1988 einen Weltbestseller nach dem anderen.

Es gibt keinen wirklich schlechten Roman von Grisham. Es ist zwar eine Binsenweisheit, dass kein Buch mehr so gut wird wie der Erstling, aber Grisham beweist das mit jedem seinem Bücher einmal mehr. Bis jetzt hat noch keines seiner Werke nach dem herausragenden Roman „Die Jury“ nur annähernd dessen atmosphärische Dichte und Spannung erreicht und auch „Der Richter“ ist dabei keine Ausnahme.

Das Buch liest sich ohne Frage leicht und auch meistens spannend und die Charaktere sind wie immer gut ausgearbeitet, besonders der Gegensatz zwischen dem sympathischen Ray mit seinen moralischen Stärken und Schwächen und seinem vielschichtigen Bruder Forrest ist sehr gut gelungen. Aber die Story ist insgesamt etwas zu dünn, die Erklärung für den Ursprung des Geldes ist zu einfach konstruiert und fällt Ray geradewegs in den Schoß und das Ende ist weder überraschend noch befriedigend.