Rüggeberg, Dieter – Theosophie und Antroposophie im Licht der Hermetik

Mit diesem Buch liegt eine sehr gute Einführung in Theosophie, Antroposophie und Hermetik vor. Der Autor wählt als Hauptbezugspunkt die hermetische Tradition nach Bardon, um die anderen Disziplinen zu vergleichen. So erreicht er eine wichtige Distanz zu den teils widersprüchlichen oder für sich genommen schwer verständlichen Aussagen Steiners und Blavatskys. Rüggeberg gibt mehr Überblick, wo andere Autoren voreingenommen sind oder aus ideologischen Gründen Kritik keinen Platz hat. Der Autor ist mit den Themen umfassend vertraut und bietet eine gelungene Mischung aus Zitaten und erklärenden eigenen Überlegungen. Mit Rudolf Steiners oder Helena Blavatskys Originaltexten werden ‚Einsteiger‘ oft Schwierigkeiten haben, da die verwendeten Begriffe und Modelle nur wenig erklärt werden; außerdem sind – besonders bei Steiner – viele Grundzusammenhänge nicht systematisch aufbereitet. Genau hier ist vergleichende Sekundärliteratur wichtig. Angenehm fielen mir die über das Buch verteilten Tabellen auf, in denen Aspekte des Kosmos und des Menschen dargestellt werden. Rüggeberg zeigt auch Lücken und Schwachstellen auf, dabei ist er stets sachlich begründend.

Zum Anliegen des Buches schreibt der Autor: „Eine Aussage von Steiner, die ich … voll unterstreichen kann…: ‚Nichts ist schlimmer für den esoterischen Schüler, als wenn er bei einer gewissen Summe Begriffe, die er schon hat, stehen bleiben will, und mit ihrer Hilfe alles begreifen.‘ Es sind insbesondere Sätze wie dieser, die mich zur Veröffentlichung des vorliegenden Werkes veranlaßt haben, weil mir die Unlust vieler Schüler zu vergleichenden Studien gut bekannt ist. Außerdem schien es mir notwendig, auch die theosophisch-antroposophischen Lehren noch um einige Begriffe zu erweitern.“ (S. 127) Diesem Anliegen ist er gerecht geworden.
Fazit: Unbedingt empfehlenswertes Einführungswerk zur westlichen Esoterik.

aus dem Inhalt:
Akasha und die vier Elemente
Geist, Seele und Körper
Mentale, astrale und physische Welt
Die geistige Hierarchie und die Planetensphären
Der okkulte Weg zur Einweihung
Wer oder was ist Christus?

_Knut Gierdahl _
für die Zeitschrift [AHA]http://www.aha-zeitschrift.de/
Ausgabe 04/2003 (August/September)

Cornwell, Patricia – Wer war Jack the Ripper? Porträt eines Killers

„Wer war Jack the Ripper?“ Bis jetzt gelang es wohl niemandem, diese Frage mit endgültiger Sicherheit zu beantworten. Seit 115 Jahren wurde versucht, dieses „Mysterium“ zu lösen und dabei hat man unzählige Theorien über die Identität des Rippers entwickelt. Einige davon klingen äußerst plausibel, jedoch beruhen alle auf Annahmen und Vermutungen. Für keine Theorie konnten bis jetzt schlüssige Beweise erbracht werden.

Fakt ist, dass zwischen dem 31. August und dem 9. November 1888 in Londons „East End“-Stadtteil Whitechapel fünf Prostituierte auf grausame Weise ermordet wurden. (Über die Jahre schwankte die Zahl der dem Ripper zugeschriebenen Morde, aber diese fünf werden von fast allen Autoritäten auf diesem Gebiet akzeptiert.)
Das erste Opfer, Mary Ann (Polly) Nichols, wurde am 31. August gegen vier Uhr morgens gefunden. Sie starb an zwei vertikalen Schnitten durch ihren Hals, die sowohl die Luftröhre als auch die Speiseröhre durchtrennten. Nach Aussage des herbei gerufenen Arztes war sie noch nicht länger als eine halbe Stunde tot und sie wurde an ihrem Fundort getötet. Von den befragten Anwohnern hatte jedoch niemand etwas Verdächtiges gesehen oder gehört. Im Leichenschauhaus wurde dann festgestellt, dass Polly’s Unterleib tiefe Messerschnitte aufwies, die ihr aber vermutlich erst nach dem Tod zugefügt wurden.
Das zweite Opfer, Annie Chapman, wurde am 8. September um sechs Uhr morgens gefunden. Obwohl die Straßen um diese Zeit schon belebt waren, hatte auch diesmal niemand etwas gesehen oder gehört. Der untersuchende Arzt vermutete, dass sie seit etwa zwei Stunden tot war. Annie Chapman wurde am Fundort vermutlich erst bis zur Bewusstlosigkeit gewürgt und anschließend mit einem Schnitt durch die Kehle getötet. Auch ihr Unterleib wurde nach dem Tod mit einem Messer zerschnitten.
In der Nacht vom 29. auf den 30. September wurden zunächst das dritte Opfer Elisabeth Stride und dann das vierte Opfer Catherine Eddowes gefunden. Elisabeth Stride, entdeckt um ein Uhr morgens in Dutfield Vard, war vermutlich erst eine halbe Stunde tot, als man sie fand. Ihr wurde die Kehle durchgeschnitten und ihr Unterleib wurde mit einem Messer ausgeweidet. Ebenso war es bei Catherine Eddowes, die etwas später am Mitre Square aufgefunden wurde.
Das fünfte und vermutlich letzte Opfer des Rippers war Mary Kelly, die man am 9. September in ihrem Zimmer mit durchtrennter Kehle und grausam verstümmeltem Unterleib fand.

Die wohl bekannteste und in Filmen und Büchern am meisten verwendete Theorie über die Identität des Rippers ist die „Königliche Verschwörung“ (die auch die Grundlage für den neuesten Ripper-Film „From Hell“, basierend auf einer Comic-Reihe, bildete):
Prinz Albert Victor, Enkelsohn von Queen Victoria, verliebt sich in ein armes Mädchen aus Whitechapel, schwängert und heiratet sie anschließend in einer geheimen Trauung. Um einen Skandal für die Queen zu vermeiden, müssen sowohl das Mädchen und ihr Kind, aber auch ihre fünf Freundinnen, die davon wissen, beseitigt werden. Der königliche Leibarzt nimmt sich der Sache an, bringt das Mädchen in ein Irrenhaus und erfindet für die fünf Freundinnen „Jack the Ripper“. Da diese Theorie sehr viele Lücken aufweist und Teile davon einfach erfunden wurden, gehört sie zu den weniger glaubwürdigen.

Die amerikanische Krimi-Autorin Patricia Cornwell, die vor allem durch ihre Kay-Scarpetta-Romane bekannt geworden ist, behauptet nun, dass die grausamen Morde von Englands angesehenem viktorianischen Maler Walter Sickert begangen wurden. Die ehemalige Polizeireporterin gab über sechs Millionen Dollar aus, um ihre Theorie mit Beweisen zu untermauern. Sie befragte Forensiker, DNA-Analytiker, Graphologen und Kunsthistoriker und kaufte mehrere Bilder Sickerts, um diese auf DNA-Spuren zu untersuchen. Diese wollte sie dann mit DNA-Spuren vergleichen, die eventuell auf einem oder mehreren von den 250 von Jack the Ripper unterschriebenen Briefen vorhanden waren. Leider hatte sie bei der Suche nach DNA-Spuren keinen Erfolg. Ihre Theorie stützt sich bislang also nur auf Vermutung und Indizien. So malte Walter Sickert einige makabre Gemälde, die Cornwell mit dem Ripper in Verbindung bringt. Auf einem seiner Gemälde will sie beispielsweise das Zimmer wiedererkennen, in dem Mary Kelly (Opfer Nr. 5) ermordet wurde. Außerdem hat sie herausgefunden, dass ein weithin als echt eingestufter Brief des Rippers das gleiche Wasserzeichen aufweist wie die Korrespondenz des Malers. Walter Sickerts psychologisches Profil scheint dazu für einen Serien-Killer maßgeschneidert zu sein. Er hatte einen gewalttätigen Vater und wurde mit einer Penis-Mißbildung geboren. Durch einen chirurgischen Eingriff im Kindesalter musste er wahrscheinlich mit einer Verstümmelung leben.

Patricia Cornwell schafft es aber in „Wer war Jack the Ripper?“, ihre Vermutungen auf packende und überzeugende Weise darzustellen. Vor allem die Beschreibungen der fünf Whitechapel-Morde sind sehr eindrücklich und nichts für schwache Nerven, obwohl, oder gerade weil sie ohne die in fiktiven Romanen übliche Effekthascherei beschrieben werden. Die Atmosphäre der viktorianischen Epoche wird durch die sorgfältige Recherche der Autorin überzeugend geschildert. Ein großer Nachteil bleibt jedoch, dass Patricia Cornwell in der Chronologie hin und her springt, was zwar dem wirklichen Verlauf ihrer Ermittlungen entspricht, es aber dem Zuhörer sehr erschwert, ihrem Versuch, Walter Sickert als Ripper zu überführen, zu folgen.

Die im Vergleich zum Buch gekürzte Hörbuchfassung wird im Wechsel von Fransiska Pigulla (bekannt als Synchronstimme von „Scully“ aus „Akte X“) und Stephan Benson gelesen. Sie besteht aus vier CDs mit einer Gesamt-Laufzeit von 293 Minuten. Negativ fällt das Papp-Booklet auf, das die CDs enthält. Es ist nicht sehr stabil und die CDs werden nur eingesteckt, können also jederzeit bei unvorsichtiger Handhabe herausrutschen und die Handhabung ist für die Oberflächenbeschichtung nicht gerade schonend.

Homepage der Autorin: http://www.patriciacornwell.com

Deutsche Infoseite zum Thema: http://www.jacktheripper.de

Follett, Ken – Leopardin, Die

Frankreich, 28. Mai 1944: Die alliierte Landung in der Normandie steht kurz bevor. Die Résistance begeht verstärkt Sabotageakte hinter den feindlichen Linien, sprengt Bahntunnel und Kommunikationsknoten. An einem besonders schwer zu knackenden Château in Saint-Cécile, in dem eine hochmoderne Fernmeldezentrale sowie ein Gestapo-Hauptquartier untergebracht sind, versucht sich nun der Bollinger-Kreis unter der Leitung der britisch-französischen Top-Agentin Felicity Clairet, genannt Flick, bekannt unter dem Decknamen „Die Leopardin“… Doch der frontale Überraschungsangriff schlägt fehl, fast alle werden erschossen oder gefangen genommen – und mit Major Dieter Franck ist ein gefürchteter Verhörspezialist vor Ort.

Flick hat jedoch einen neuen Plan: Mit den Ausweisen der nur aus weiblichen Mitgliedern bestehenden Putztruppe könnte man ein sechsköpfiges Team in das Château einschleusen und Sabotage verüben – effektiver als die bisher fruchtlosen Bomberangriffe und der gescheiterte Handstreich. Doch man gibt ihr nur noch wenige Tage Zeit in London, da man in Kürze die Invasion starten will. So kann Flick bei der Wahl ihrer Begleiterinnen nur auf den nicht zur Agentin geeigneten Rest zurückgreifen, den man bestenfalls als dritte Garnitur bezeichnen kann: Die Sprengstoffexpertin ist eine ehemalige Panzerknackerin, der Fernmelde-Experte ein Transvestit, auch der Rest der Truppe wäre unter normalen Umständen niemals eingesetzt worden.

Gefährlich wird die Situation durch Major Franck: Anders als der nur durch seine Führertreue glänzende Sturmbannführer Willi Weber schleicht er sich geschickt in die Reste der Zelle von Flicks Ehemann Michel ein, und es gelingt ihm, sich das Vertrauen des Kontaktmanns „Helicopter“ zu erschleichen – er kennt nicht den genauen Auftrag Flicks, aber er weiß, wann und wo sie und ihre „Dohlen“ in der Normandie landen wollen… Ein SS-Empfangskomitee steht zur Begrüßung schon bereit…

Sehr spannend, gut recherchiert, sehr realistisch und… leider dann doch stellenweise sehr trivial. Begeistern konnten mich Feinheiten des Spionagewesens, so zum Beispiel, wie eine Zelle operiert, in der ein Mitglied gerade mal das andere kennt und sonst wenig mehr über den Rest weiß. Auch sorgen delikate Konkurrenz zwischen MI6 und Flicks Sabotage-Abteilung SOE für Spannung, Fehler und Misserfolge schiebt man gerne der anderen Abteilung unter. Bei den Deutschen ist es kaum anders: Der intelligente Wehrmachts-Major Franck ist ein cleverer Fuchs, der seinen Gefangenen Informationen etwas subtiler als der brutale Folterknecht Becker und sein nicht minder grober Chef, Sturmbannführer Willi Weber, entlocken kann. Beide können sich nicht leiden, der dumme Weber, der durch seine Führertreue im Reich begrenzt Karriere machen konnte, neidete dem Lebemann Franck schon damals bei der Kölner Polizei seinen Erfolg.

Franck selbst ist neben Flick eine der interessantesten Figuren: Er ist wahrhaft ein Kriegsgewinnler. Er fährt einen exklusiven Sportwagen, hat einen Adjutanten, führt an und für sich ein Leben, das er in Friedenszeiten niemals hätte, kommt in der Welt herum und liebt Frankreich. Seine halbjüdische Mätresse Stéphanie hat er sich in seiner manipulativen Art gefügig gemacht, aber da er grundsätzlich kein schlechter Mensch ist und sich selbst in seine Gespielin immer mehr verliebt, kann man ihn sogar sympathisch finden, trotz der Grausamkeiten, die er seinen Gefangenen zufügt.

Doch in Flick hat er eine erfahrene Gegenspielerin. Die harte und mit allen Wassern gewaschene Agentin führt trickreich ihr unerfahrenes Team ins Gefecht und ist ihm immer einen Schritt voraus, so dass sie trotz der Gefangennahme und dem Tod einiger ihrer Begleiterinnen entwischen kann.

Insgesamt ein sehr spannender Agenten-Thriller aus dieser Zeit, der leider auch einige sehr triviale Elemente beimischt: So betrügt Michel, Flicks Ehemann, sie mit der blutjungen Gilberte, etwas, das Franck zu nutzen weiß. In London verliebt sich derweil Flick in Paul Chancellor, der die Leitung ihres gewagten Putztruppen-Einsatzes übernommen hat. „Greta“ ist natürlich die einzig greifbare Transvestiten-Alternative zu einer echten Fernmelde-Expertin für die Truppe, wobei ich mich frage wozu man eine solche braucht, eine Sprengmeisterin hat man ja bereits und will sowieso fast das ganze Château in die Luft jagen. Als offenkundig wird, dass Flick in Gefahr ist, fliegt ihr Paul nach Frankreich nach – und das keine drei Tage vor der möglichen Invasion. An und für sich schon unlogisch, so noch unglaubwürdiger. Weiter dreht sich das Liebeskarussell: Nun verliebt sich auch Diana, eine alte Freundin von Flick, in die weniger kluge Maude, die auch zum Team gehört. Beide sind natürlich in Frankreich ein gefundenes Fressen für Franck und die Gestapo…

Die Rekrutierung der natürlich wegen ihrer Mängel recht schillernden Figuren der Damen geht auch bemerkenswert flott und problemlos voran. Wenigstens wird die pathologische Lügnerin, die ihr Maul nicht halten kann, in England zurückgelassen…

Diese ärgerlichen Mängel, die man eher in einem Groschenroman erwarten würde, und die unnatürlich vielen Liebschaften konnten mir das Buch trotz allem nicht vermiesen. Flick und Franck sind tolle Antagonisten, Spionage und Agententätigkeit an und für sich ein interessantes Thema, vor allem wenn es so gut recherchiert und dargestellt wird. Dass Flick und viele Mädels sowie ihr Mann Michel allesamt recht hübsch sind, ließ mich manchmal daran denken, wie einfach man aus diesem Roman ein Drehbuch machen könnte – Liebe, Sex, Gewalt, Schießereien, Nazis – was braucht man in Hollywood mehr?

Für zarte Gemüter ist das Buch nichts: Die perversen Foltermethoden der Gestapo mit weiblichen Gefangenen, ich deute nur mal an wo man überall am Körper Klemmen für Elektroschocks anschließen kann, wenn man jemand demütigen und wehtun will, sind starker Tobak. Mir hat es sogar besser gefallen als Follett’s Einstands-Klassiker „Die Nadel“, da „Die Leopardin“ actionlastiger und spannender ist. Zu dem plötzlichen Hormonkoller aller Beteiligten möchte ich sagen: Liebe und Krieg sind und waren schon immer Garanten für Spannung und emotionale Beteiligung, auch wenn hier übertrieben wurde.

Das Buch hat einen etwas einfallslosen Papierumschlag, das Hardcover ist aber sehr gut gebunden und der Druck von hoher Qualität. Tippfehler fand ich keine, jeder Tag der Handlung ist ein Kapitel und wird mit einer schönen Bleistiftillustration eingeleitet. Die Übersetzung machte auf mich einen sehr guten Eindruck. Gesalzen ist der Preis: Für die 543 Seiten muss man glatt 24 Euro (Mai 2003) berappen! Immerhin ist dafür wenigstens ein Stoff-Leseband in die Bindung eingenäht.

Ich bin mir sicher, die „Leopardin“ und Major Franck werden uns über kurz oder lang im Kino beehren. Selten war ein Roman schon in Rohform so gut zur Verfilmung geeignet. Die Rechte hat Dino de Laurentiis – wer nicht warten will, sollte zugreifen, bis auf kleine Schönheitsfehler ist „Die Leopardin“ ein unheimlich spannender und sehr gut gelungener Unterhaltungs-Agententhriller.

Ken Follett’s Homepage (englisch): http://www.ken-follett.co.uk/
„Die Leopardin“ Homepage (deutsch): http://www.die-leopardin.de/

Dan Brown – Illuminati

Das Weiße Haus bot schon oft Romanstoff für Bombenattentate, aber das kann man noch steigern: Auch den Vatikan mitsamt Papst einzuäschern, verspricht Spannung satt.

Der Streit zwischen katholischer Kirche und der Wissenschaft ist uralt. Galileo Galilei’s heliozentrisches Weltbild wurde Jahrhunderte lang nicht anerkannt, trotz aller Fakten, die dafür sprachen. Hier setzt der Autor Dan Brown an: Die legendäre Bruderschaft der Illuminaten stand Pate für den deutschen Titel des schon im Jahre 2000 in den USA veröffentlichten Thrillers „Angels & Demons“.

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Krege, Wolfgang – Elbisches Wörterbuch. Nach J.R.R. Tolkien

Do you speak Elbisch? Solch ein Werk hat uns noch gefehlt: ein elbisches Wörterbuch! Damit können die Elben nun endlich den Klingonen Konkurrenz machen, von denen es ebenfalls bereits ein Wörterbuch gibt (von Marc Okrand, einem der Star-Trek-Experten). Mal sehen, wer das Rennen macht. Bis es soweit ist, behelfen wir Stuttgarter uns immer noch mit Schwäbisch (bekanntlich können wir ja alles – außer Hochdeutsch).
Wolfgang Krege ist am bekanntesten geworden durch seine neue Übersetzung des „Herrn der Ringe“, die durchaus umstritten ist. Die Rubriken des Buches im Einzelnen:

„Vorbemerkungen“: Nun könnte der Laie meinen, wenn er den Titel liest, es gäbe nur ein einziges Elbisch. Das ist ein Irrtum: Es gibt bei Tolkien, diesem fleißigen und unermüdlichen Spracherfinder, zum einen Quenya, das etwa dem Latein der Gegenwart entspricht, und zum anderen die „Verkehrssprache“ Sindarin, das von den meisten Elben gesprochen wird. (Mit den Menschen sprechen sie jedoch meist in Westron.)

„Grammatiken von Quenya und Sindarin“: Nun kann man sich leicht vorstellen, dass sich Quenya und Sindarin – allein schon aufgrund der zeitlichen Weiterentwicklung – beträchtlich voneinander unterscheiden. Eine Figur wie Galadriel bringt es auf rund 10.000 Jahre Lebenszeit, da sie noch aus dem Ersten Zeitalter stammt, als sie mit ihrem Volk, den Noldor, nach Valinor zog. Klar, dass sie sowohl Quenya als auch Sindarin, aber auch Westron beherrschen muss, um mit allen Völkern kommunizieren zu können.

Nun ist es ja schon ein kleines Wunder, dass man anhand Tolkiens Aufzeichnungen ein komplettes Wörterbuch zusammenstellen kann, doch auch noch deren (ebenso fiktive) Grammatik aufzuzeichnen, schlägt alles. Immerhin gesteht auch Krege die Grenzen des Unternehmens ein: Das Elbische scheint in der Regel über keine Präpositionen zu verfügen – es wird alles über Kasus geregelt. Außerdem scheinen Konjunktivformen weitgehend zu fehlen. Alle wichtigen Formen sind in Tabellen dargestellt.

Das alles hat sich Krege natürlich nicht aus den Fingern gesaugt. Fehlende Formen und Regeln haben Sprachwissenschaftlern seit den siebziger Jahren erschlossen, vor allem in den USA. Dort war ja bekanntlich der ganze Tolkien-Rummel erst richtig losgegangen – nach der illegalen Veröffentlichung einer Taschenbuchausgabe des „Herrn der Ringe“ (ca. 1966) fuhren die Studenten voll auf dieses neue Paralleluniversum ab und forderten „Gandalf for President!“

„Zur Aussprache“: Dies sind einige wichtige Anmerkungen dazu, wie die beiden Sprachen klingen könnten. Krege weist darauf hin, dass Quenya mehr ans Altfinnische erinnert und Sindarin mehr am Walisischen orientiert ist.

„Die Tengwar“ (elbische Schriftzeichen): „Silmarillion“-Titel-Inschrift, Inschrift über dem West-Tor von Moria, Ringinschrift (in der Schwarzen Sprache)

„Quellen“: Hier führt der Autor seine linguistischen Quellen an, aber vor allem die zahlreichen posthumen Tolkien-Veröffentlichungen, die Tolkiens Sohn Christopher als „History of Middle-Earth“ in zwölf Bänden herausgegeben hat. Hinzu kommen die von Tolkien veröffentlichten Werke, allen voran die Anhänge zum „Herrn der Ringe“, aber auch „The Road Goes Ever On“, das verschiedene Lieder enthält.

„Abkürzungen“: Die im Text gebräuchlichen Abkürzungen orientieren sich an den in Wörterbüchern üblichen Akronymen.

„Wörterbuch Elbisch – Deutsch“: Seiten 51-204

Dieser relativ ausführliche Teil ist zwar hochinteressant, um elbische Wörter mit allen verwandten Wortstämmen zu lernen, hat aber nur einen begrenzten praktischen Wert. Wenn man sagen will „Nenne mir deinen Namen!“, so muss man im zweiten Teil, Deutsch – Elbisch, nachschlagen. Hier, im Elbisch-Teil, jedoch dürfte man wenigstens in der Lage sein, die Ausdrücke, die die Elben in den drei Jackson-Filmen verwenden, zu übersetzen.

Ein Beispiel: Sowohl Arwen als auch Elrond beschwören Frodo mit den Worten „lasto bethnín!“ ‚Lasto‘ ist das Wort für ‚zuhören‘ und ‚beth‘ bedeutet ‚Wort‘. Aus den Grammatikregeln für Sindarin können wir schließen, dass ‚bethnin‘ die Pluralform von ‚beth‘ sein muss, also ‚Wörter‘ bedeutet. Der Ausdruck bedeutet also „Höre die Wörter!“ bzw. „Hör mir zu!“

Da es keinerlei Zitate aus den Filmen gibt, muss man sich alle weiteren elbischen Ausdrücke auf diese Weise erschließen. Selbst ein Liedtitel wie „A Elbereth Gilthoniel“ erfordert Arbeit. ‚Elbereth‘ ist die ‚Sternenkönigin‘ und ‚Gilthoniel‘ die ‚die Sterne entfacht Habende‘. Beide Bezeichnungen sind Beinamen der göttlichen Macht (Valar), die die Sterne geschaffen hat. Sie hat insofern für die Elben besondere Bedeutung, da die Elbenvölker weder unter Sonne noch Mond geschaffen wurden, sondern zu einer Zeit, als es ausschließlich Sterne gab. Daher nennen sich die Elben auch Eldar, das Sternenvolk.

(Frodo erhält in HdR 1 von Galadriel eine Phiole geschenkt, die das Licht Earendels enthalte, „unseres über alles geliebten Sterns“. Earendel trägt, so Tolkiens Mythos, den letzten, einzig übrig gebliebenen Silmaril über das Firmament. Die Silmarils jedoch, um deren Wiedererlangung die Noldor-Elben so verlustreich und lange gegen den Dunklen Herrscher Morgoth fochten, enthalten als einzige Artefakte das Licht Valinors. Insofern erhält Frodo von der Elbenherrscherin ein extrem kostbares Geschenk: einen Widerschein des elbischen Paradieses.)

„Wörterbuch Deutsch – Elbisch“: Seiten 205-289

Diese Wortlisten sind wesentlich einfacher gehalten als im ersten Teil. Dem deutschen Wort – immerhin rund 2200 Wörter! – stehen eine oder mehrere elbische Entsprechungen gegenüber. Wer will, kann daraus ganze Ausdrücke formen, aber ohne grammatische Hilfen dürfte sich dies als schwierig erweisen.

„Platz für Notizen“: zehn leere Seiten

Das Büchlein ist wirklich wie ein praktisches Reisewörterbuch aufgemacht: mit einem robusten Plastikeinband und in einem Format, das es erlaubt, es in jeder Hosen- oder Handtasche unterzubringen. Kaum läuft einem ein Elb über den Weg, zückt man kurz das Büchlein und schlägt im 2. Teil nach, was man auf dem Herzen hat. (So lautet zumindest die Theorie.) Besonders schön finde ich, dass als Frontmotiv die Inschrift auf dem Westtor von Moria ausgewählt wurde. Sogar in lateinischen Buchstaben wurde der rätselhafte Ausdruck hinzugefügt, der es erlaubt, das Tor zu öffnen: „Pedo mellon a minno“ – „Sprich ‚Freund‘ und tritt ein!“ Darunter stehen noch zwei Zeilen in Elbisch, die es selbst zu übersetzen gilt.

Natürlich ist jedes neue gelehrte Werk über Tolkiens Universum, wie es dieses „Elbische Wörterbuch“ darstellt, ein Leckerbissen für Leute, die sowieso zur Hälfte bereits in Mittelerde leben und sich nur noch zufällig auf Terra befinden. Ihnen brauche ich das Buch nicht zu empfehlen, da es für sie Pflicht ist. Dann gibt es natürlich die zahlreichen Laien, die über die drei Filme mit Mittelerde in Berührung gekommen und seitdem davon begeistert sind. Sie seien gewarnt: Auch mit diesem Wörterbuch ist das Erlernen von Elbisch nicht so ohne Weiteres möglich, und selbst einfaches Übersetzen erfordert Arbeit. Schließlich gibt es noch die große graue Mehrheit, die vielleicht die Filme toll finden, sich aber keinen Deut um Tolkiens Mythologie scheren. Ihnen können Elaborate wie Wolfgang Kreges Fleißarbeit gestohlen bleiben.

Und dann gibt es noch Leute wie mich, die seit Jahren Tolkiens Werke intensiv kennen gelernt haben, ohne dabei fanatisch zu werden (das ist man vielleicht mit 17 oder 18). Ich sehe das Wörterbuch als Werk von begrenztem Nutzwert an, das einem am meisten hilft, wenn man bereits die Anhänge zum „Herrn der Ringe“ und „Das Silmarillion“ durchgeackert hat. Das ist eine Aufgabe, nicht jedem zusagt, aber sie belohnt den, der er es versucht. Wahrscheinlich wollte ja Prof. Tolkien mit seinen Geschichten nur dies bezwecken: Dass Leute von heute lernen, wie man Sprachen begreift.

Im November (also Mitte Oktober) will Bastei-Lübbe ebenfalls ein Elbisches Wörterbuch für Anfänger und Fortgeschrittene auf den Markt bringen. „Dr. Fantasy“ Helmut W. Pesch, der auch schon das „Mittelerde-Lexikon“ herausgegeben hat, erarbeitet dieses Wörterbuch. Man darf spannende Vergleiche anstellen, denke ich: Wurden andere Quellen benutzt als bei Krege? Kommt Pesch daher zu anderen Ergebnissen als Krege? Wie werden Anfänger, und wie Fortgeschrittene bedacht? Wie ist die Ausstattung? Eine berechtigte Frage, denn das Pesch-Wörterbuch soll vier Euro weniger kosten als das von Krege.

_Michael Matzer_ (c) 2003ff
(lektoriell editiert)

Anmerkung des Lektors: Krege hat bei einigen Übersetzungen wohl unsauber gearbeitet und sich nicht an den Originalschriften orientiert, zudem werden die elbischen Worte so angeführt, wie sie in den Tolkien-Schriften auftauchen, also nicht in der Grundform, sondern bereits grammatisch gebeugt. Das ist für ein Wörterbuch natürlich ziemlich eigenartig und etwas sinnlos. Quelle: Kommentare anderer Leser.

McCormack, Patrick – Hüter des Grals, Die

Nach dem Untergang des arthurischen Reiches von Britannien fallen irische Piraten und sächsische Eroberer über die Überreste her. Doch einer von Artus‘ Gefährten hat überlebt, und er hütet ein kostbares Kleinod. Um die Vorherrschaft in Britannien zu erlangen, ist der Pirat Eremon hinter diesem Schatz her, und er hat einen Zauberer mitgebracht. An der Küste Cornwalls kommt es zum Showdown.

Patrick McCormack wurde 1958 in der Grafschaft Kent (die auch im Roman als sächsische Eroberung vorkommt) geboren. Laut Verlag arbeitete er lange Zeit als Buch- und Antiquitätenhändler. Sein Interesse gelte der keltische Mythologie und der Frühgeschichte Großbritanniens. Zur Zeit lebt er in Dartmoor zwischen Cornwall und Devonshire, jener Gegend, in dem ein Großteil des Romans spielt, der im Original 1997 erschien.

Zehn Jahre sind seit König Artus‘ Tod in der Schlacht von Camlann vergangen. Nun droht bereits alles, wofür er drei Jahrzehnte lang kämpfte, auseinander zu brechen: Seine Nachfolger verstricken sich in kleinliche Intrigen, Seuchen machen das Land zwischen Kaledonien und Ärmelkanal beinahe menschenleer. Von Norden und Westen bedrohen die Skoten aus Irland und Pikten aus Schottland die Küstendörfer, von Osten her suchen die Sachsenstämme neues Siedlungsland in Englands Südwesten. Sachsen und irische Piraten landen fast zur gleichen Zeit an der Küste Südwestenglands. Hier lebt der letzte Ritter König Artus‘ in der Einsamkeit eines Eremiten. Es ist Mab Petroc, einst der gewaltigste Krieger in der Tafelrunde (seinen allseits bekannten richtigen Namen erfahren wir erst kurz vor Schluss), und er hütet ein ganz besonderes Kleinod: den heiligen Gral. Dies raubte einst Artus selbst den Hütern des Grals, die im äußersten Nordwesten Schottlands lebten: den Leuten, die bereits vor den Kelten hier gelebt hatten.

Die Geschichte, wie der Gral in Mab Petrocs Obhut gelangte, erfahren wir aus verschiedenen Quellen in Rückblenden. Doch wird es dem Ex-Ritter Budoc, wie er sich nun nennen lässt, gelingen, den Schatz vor den marodierenden Piraten, die im Auftrag eines Waliser Fürsten nach ihm suchen, und vor den Sachsen in Sicherheit zu bringen? Er wendet sich an den letzten kümmerlichen Rest von Artus‘ Ritterstreitmacht. Doch Nai und Gorthyn waren bei Camlann nur halbwüchsige Jungen, so dass sie Artus selbst nur vom Hörensagen kennen. Inzwischen sind sie zu furchterregenden ausgebildeten Kriegern herangewachsen, die den drei Anführern der Piraten durchaus Paroli bieten können. Allerdings sind sie nicht in der Lage, es mit Eremons Druiden aufzunehmen. Da offenbart Budoc ungeahnte Fähigkeiten. Vielleicht gelingt es dem Trio doch noch, die letzten Überlebenden der überfallenen Dörfler und der Sachsen vor dem sicheren Tod zu bewahren und den Gral zu beschützen. Denn ebenso wie der Gral für das Land Britanniens steht, so sind die beiden Kinder dessen Zukunft. In mehreren großartig gestalteten Scharmützeln setzen die „zweieinhalb“ Ritter ihren zahlenmäßig weit überlegenen Gegnern zu, bis es zu einem Showdown mit Eremon kommt, bei dem Budoc nur in allerletzter Sekunde eingreifen kann.

Zunächst liest sich der umfangreiche Roman etwas schleppend, denn erst bekommen wir eine Menge Personal vorgestellt. Damit nicht genug, erinnern sich etliche der Figuren an ihre Kontakte mit Artus oder dessen Gefährten. Mit dem Fortgang der Handlung reduziert sich dieser Aufwand jedoch auf eine Handvoll Hauptfiguren, von denen natürlich Budoc die wichtigste ist. Dies ist die Erzählebene der Gegenwart. Die erinnerte Zeit jedoch liegt etwa dreißig Jahre zurück und betrifft vor allem jenes Vorhaben, das zur Erlangung des Grals führen soll. Zunächst einmal muss eine Botin (es ist eine piktische Bardin namens Teleri) an Artus‘ Hof in Südwestengland gelangen. Das ist gar nicht so einfach, wie sich herausstellt, denn Pikten wagen mehrere Überfälle. Dann muss die Botin die Nachricht überbringen und gleichzeitig den König davon überzeugen, dass dies eine Sache von „nationaler Notwendigkeit“ ist: Mit dem Gral in Händen könne Artus, der Oberste Feldherr, endlich den Anspruch auf die britannische Krone erheben. Doch von dieser verhängnisvollen Unternehmung kehren nur sehr wenige zurück. Der Preis, den Gral zu erringen, so zeigt sich, ist mindestens ebenso hoch wie jener, der für seinen Schutz entrichtet werden muss, um die Zukunft Britanniens zu sichern.

Der Autor unternimmt also nichts Geringeres, als erstens die Artus-Legende neu zu erschaffen und zweitens die Bedeutung dieser Legende zu erforschen. Das klingt ziemlich abgehoben, ist aber vom Autor kompetent und weitgehend unauffällig in anschauliche Schilderungen umgesetzt worden. Für Unterhaltung ist also ebenso gesorgt wie für gedanklichen Sinngehalt. Die (literatur-) historischen Hintergrundinformationen hat sich der Autor für den umfangreichen Anhang aufgespart. Wer sich für „Die Nebel von Avalon“ begeistern konnte (eine weitere Umdeutung der Artuslegende), der dürfte sich auch für die zahlreichen Fakten und Umstände interessieren, die aus der Figur des „Artus“ oder „Artor“ eine so wichtige literarische Figur werden ließen. (Alles, was sich um Artus und Britannien dreht, wird in der Literaturkritik als „the matter of Britain“ bezeichnet.)

Nun könnte man meinen, dass sich in dieser Geschichte nur ein paar alte Ritter kloppen und Zauberer ihr Unwesen treiben. Das stimmt zum Teil, und das macht den Roman auch so unterhaltsam. Aber die Magie ist hier mit echtem Wissen über das Wesen von Mythologie und okkulten Praktiken angereichert. Hier redet jemand, der wirklich Ahnung davon hat, doziert aber nicht darüber, sondern setzt sein Wissen in erzählende Bilder um. Und es gibt außerdem zwei Liebesgeschichten: Mab Petroc liebte die Bardin Teleri von ganzem Herzen, und diese starke Frauenfigur ist ein nicht zu unterschätzender Pluspunkt für die Geschichte. (Guinevere kommt nur als ein Name vor, tritt aber nicht selbst auf.) Die zweite Liebesgeschichte entwickelt sich zwischen der jungen Britin Eurgain (die ‚Goldblonde‘) und dem jungen Sachsen Ceolric, der aus Kent stammt (wie der Autor selbst). Eigentlich wollten die Sachsen ja den Briten ihr Land rauben, um darauf ihr Fürstentum zu errichten – doch es hat nicht sollen sein. Und so kommt eine ziemlich unwahrscheinliche, aber versöhnliche Verbindung zustande.

Ein Schwachpunkt: Wenn man den Anhang noch nicht gelesen hat, in dem man alles Bekannte über Artus erfährt, so kommt einem die Gestalt des Artus, den uns der Autor durch die Erinnerungen seiner Gefährten vermittelt, seltsam blass vor, ja geradezu unvollständig. Artus ist zwar eindeutig ein Führer von Menschen und die Verkörperung des Landes, doch mit welcher Legitimität und aufgrund welcher Herkunft oder Erfahrungen? Über die Herkunft klären uns historische Bemerkungen auf, was erzählerisch nicht sonderlich geschickt ist: Man müsste sich diese Informationen aufschreiben, um sich an sie im rechten Moment erinnern zu können (was meist unnötig ist). Es hapert vor allem an den Erfahrungen. Artus scheint aus dem Nichts zu kommen. Aber nur dann, wenn man dieses Buch isoliert als ein eigenes geschlossenes Universum betrachtet. Tut man dies nicht, so steht vor diesem Buch eine ganze Bibliothek von erzählenden und forschenden und deutenden Werken. Darf der Autor die Kenntnis der wichtigsten dieser Werke voraussetzen? Nun, zumindest in Großbritannien darf er das ungestraft. Im restlichen Europa hingegen – das ist eine andere Sache, nämlich eine Sache von Fans und Gelehrten.

Nach einem etwas schleppenden Einstieg gewinnt die Geschichte, die auf zwei Zeitebenen entwickelt wird, allmählich an Fahrt, bis schließlich Rückblenden ganz ausbleiben: Dann beginnt die Action der Ritter und Magier – das Ringen um das symbolische Stück Südküste, das es zu erobern beziehungsweise zu verteidigen gilt, je nach Standpunkt des Akteurs. Hat das Buch erst einmal dieses Stadium erreicht, fällt es dem Leser schwer, es wieder beiseite zu legen. Und so weist das Buch Merkmale von David Gemmell oder bekannter Zauber-Fantasy auf. Hier bleibt McCormack wegen seines umfangreichen Wissens nicht stehen, so greift er noch wesentlich tiefer und weiter als so mancher seiner Kollegen, die vor allem jugendliche Leser gut unterhalten wollen (oder müssen, wenn es das Bankkonto vorschreibt).

Wer also eine ernsthaft vorgetragene Uminterpretation der Artuslegende, eingepackt in eine fesselnde Handlung, nicht verschmäht, ist mit „Hüter des Grals“ durchaus gut bedient.
Ja, und wie heißt nun der „letzte Gefährte“, der im O-Titel „Albion: The last Companion“ herbeizitiert wird, wirklich? Ich werd’s euch nicht verraten, aber sein Name ist durchaus bekannt, selbst noch in den französischen Fassungen des Legendenstoffes. Aber das solltet ihr selbst lesen.

_Michael Matzer_ (c) 2003ff
(lektoriell editiert)

Asaro, Catherine – PSI-Faktor, Der (Das Sternenreich von Skolia)

Dies ist der Startband einer neuen Science-Fiction-Reihe namens „Das Sternenreich von Skolia“ von jeweils eigenständigen Romanen. Die amerikanische Physikerin Catherine Asaro verbindet Sternenoper mit Hightech und Romantik zu einer fesselnden Mischung, die für durchaus gelungene Unterhaltung sorgt.

Ihre bisher erschienenen Science-Fiction-Romane aus dem Skolia-Sternenreich:

1) Primary Inversion, 1995, dt. als „Der PSI-Faktor“ bei Bastei-Lübbe, 2002
2) Catch the Lightning, 1996, dt. als „Jäger des Lichts“ bei Bastei-Lübbe eingeplant [Lektor: 08/2003 erschienen]
3) The Last Hawk, 1997
4) The Radiant Seas, 1998
5) Ascendant Sun, 1999
6) The Quantum Rose, 2000
7) Spherical Harmonic, 2001
8) The Moon’s Shadow, 2002

In ferner Zukunft hat sich das Universum der Menschen in drei Sternenreiche aufgespalten. Die Allianz der alten Erde betrachtet sich als neutrale Partei in dem fortdauernden Konflikt zwischen dem Sternenreich der Skolianer und dem Eubianer-Imperium der so genannten Händler (bzw. Trader). Alle drei Parteien unterhalten Raumschiffflotten und bewaffnete Patrouillen. Psi-gestützte Kommunikationsmittel, die schneller als das Licht arbeiten können, verbreiten Nachrichten in Blitzesschnelle.

Im Mittelpunkt des ersten Romans „Der PSI-Faktor“ steht eine Patrouillengeneralin namens Sauscony Valdoria, die sich aber von allen ihren Kameraden „Soz“ nennen lässt. Sie hat den Rang eines Primary inne, was wohl einem Vier-Sterne-General entspricht; ihr Kamerad Rex Blackstone ist ein Secondary. Wie alle solche Jagernauten ist auch sie mit einem ins Rückgrat eingebauten Computer, dem Nodus, versehen, dem sie Gedankenbefehle erteilen kann, weil sie über eine Gehirn-Computer-Schnittstelle verfügt. Auch Anschlüsse nach außen sind genügend vorhanden, beispielsweise einen von der Art, wie man ihn in „The Matrix“ sehen kann. Außerdem ist Soz eine Em- und Telepathin, die von ihren Freunden, aber auch von feindseligen Menschen starke Gefühle und Gedankennachrichten empfangen kann. Das ist ihre Stärke, aber auch ihre Achillesferse. Mit Hilfe ihrer Psi-Kräfte kann sie sich in das Skolia-weite Psi-Netz einklinken, um zu kommunizieren.

Auf Delos, einem neutralen Planeten der Erd-Allianz, begegnet Soz eines Tages bei einem Bummel einer Gruppe von feindlichen Händlern. Sie macht sofort den hoch gewachsenen Aristo aus und schaudert. Dieser erinnert sie an einen verstorbenen Händler namens Kryx Tarque, der sie zehn Jahre zuvor als „Provider“ missbraucht hatte, als sie auf einer Händler-Welt in seine Gefangenschaft geriet. Ein „Provider“ – Soz will gar nicht daran denken – ist schlimmer dran als ein „Diener“, denn nur Empathen werden Provider: Je größer die Pein eines Providers, desto größer die psychische Lust, die der Aristo daraus zieht. Ein Aristo ist also für einen Empathen das absolut Negative. (Diesen bio-psychologischen Sachverhalt erklärt Soz dem Übersetzer auf der Polizeiwache von Athen auf Delos. Sie hat den Eindruck, dass auch er ein Empath ist.)

Wie sich des weiteren zeigt, ist Soz keine Geringere als die Thronerbin des Skolia-Imperiums. Sie hat aber nun ein schweres Problem: Wen soll beziehungsweise darf oder kann sie heiraten, um den Fortbestand des Reiches zu sichern? Die Thronerbin ist eine ganz besondere Art von Psi-Begabten: Psione wie sie ermöglichen die Existenz des Skolia-Netzes, das den Skolianern allein die überlichtschnelle Nachrichtenübermittlung erlaubt. Ihr künftiger Gatte sollte zu dieser genetischen Bedingung kompatibel sein.

Als wäre nicht alles schon kompliziert genug, macht sie bei einem gewaltsamen Besuch des verdächtigen Aristos eine ungeheuerliche Entdeckung (die hier nicht verraten werden darf). Dieser Aristo ist nicht nur eine Hoffnung für sie, Soz, sondern auch die ultimative Bedrohung des Skolia-Netzes. Sie schließt mit ihm einen privaten Pakt, und er revanchiert sich mit der Information, dass der eubianische Kaiser bereits Kriegsschiffe gegen Tams, eine rebellierende Welt, in Marsch gesetzt habe. Sofort ruft Soz ihre drei Kollegen auf den Posten. So schnell es geht, setzen sich die vier Jagernauten Richtung Tams in Marsch, um die Welt der Rebellen vor dem sicheren Untergang zu bewahren.

Der Handlungsverlauf des hier skizzierten ersten Drittels lässt befürchten, dass Catherine Asaro nur einen weiteren Aufguss von David Weber „Honor Harrington“-Romanen oder Militär-Science-Fiction à la Elizabeth Moon abliefert. Das ist zum Glück nicht so, wie sich in den folgenden zwei Buchteilen zeigt. Für die Autorin, die inzwischen (s.o.) sieben weitere Skolia-Romane veröffentlicht hat, wäre dieses Marktsegment auch viel zu klein gewesen, um so erfolgreich werden zu können.

Vielmehr steht Asaro in nächster Nähe zu der immens erfolgreichen Lois McMaster Bujold. Während in Bujolds Barrayar-Serie jedoch ein Mann, nämlich ein verkrüppelter Prinz im Mittelpunkt steht, ist dies bei Asaro Primary Sauscony Valdoria, Thronerbin des Sternenreiches von Valdoria. Und da sie nun endlich ihren Seelengefährten gefunden hat, muss sie etliche Widerstände überwinden, um ihn zu bekommen und eine Familie zu gründen. Das wiederum wird den Fortbestand des Skolia-Imperiums sichern – und vielleicht sogar den Frieden mit den Eubianern ermöglichen. Eine ganze Menge für einen einzelnen Menschen. Aber genug für eine ausgewachsene Romanze.

Denn „Der PSI-Faktor“ ist im Grunde eine schöne altmodische Romanze, die man in ein hypermodernes Gewand gesteckt hat, statt etwa in ein Mäntelchen aus historischer Fantasy. Die Formeln für die literarische Darstellung sind inzwischen austauschbar. Und amerikanische Lektoren wachen mit Argusaugen darüber, dass die Formeln benutzt und die Regeln nicht gebrochen werden. (Und wenn Bertelsmann/Random House Ullstein-Heyne-List übernehmen darf, werden diese Bedingungen bald für einen Großteil des deutschen Taschenbuchmarktes gelten.) Da viel Sex und Erotik im Spiel ist, eignet sich dieser Roman wohl eher für Jugendliche ab 16 Jahren, während der Großteil der Star-Trek- und Star-Wars-Klone bereits ab 12 Jahren unbedenklich zu konsumieren ist. Warum dieser Roman auch Männer und Erwachsene anspricht, sind jedoch wohl der Science-Fiction-Gehalt an Ideen und die politischen Aspekte.

Enge Verbindungen zwischen Mensch und Maschine sind wie in „Matrix“ gang und gäbe. Befehle werden mittels Gedankenkraft an Maschinen erteilt. Auf einer höheren Ebene als der körperlichen existiert das Skolia-Netz, das rein auf Psi-Kraft basiert und in dem sowohl befähigte Personen wie Soz als auch kompatible Computer miteinander verknüpft sind. (Es gibt noch weitere Ideen, so etwa zum Reisen über Lichtgeschwindigkeit.)

In einer langen komplizierten Szene dringt Soz in Hochsicherheitszonen vor, die nur einer imperialen Thronerbin offen stehen. Sie demonstriert, wie Psi-gestützte Sicherheitseinrichtungen arbeiten, wie die Verbindungen zwischen Mensch und Maschine aussehen können (bis hin zu Nanorobotern) und wie man alle diese wunderbaren Einrichtungen austrickst. Diese Szene ist eindeutig eine Weiterentwicklung von William Gibsons klassischen Cyberspace-Stories, von denen „Chrom brennt“ die wichtigste und beste ist (neben „Neuromancer“). Anders als Neo in „The Matrix“ hat es Soz nicht mit virtuellen Agenten zu tun, sondern mit programmierbaren „Evolving Intelligences“, so genannten EIs (im Unterschied zu KIs). Diese lassen sich wenigstens mit einem Befehl ausschalten; man braucht kein Karateprogramm, um sie außer Gefecht zu setzen.

Doch wer ermöglicht das Skolia-Netz? Es sind natürlich keine Maschinen, sondern Personen, genauer: Soz‘ engste Angehörige, darunter ihr Vater und ihr Halbbruder, der Imperator. Sie bilden die Triade und haben das Netz gemäß ihrer eigenen Interessen abgesichert. Soz braucht all ihre Ausbildung und ihren Grips, um ihre Gegner zu überlisten. Dennoch scheitert sie beinahe. Doch sie erhält Hilfe von unerwarteter Seite.

Soz‘ Familie ist eine Gruppe interessanter und sehr detailreich gezeichneter Charaktere. Die meisten Szenen der Treffen mit ihren Verwandten sind sehr emotional, aber zuweilen auch humorvoll. Manchmal erinnert das an eine Seifenoper, etwa an „Denver-Clan“. Zum Glück nicht immer. Soz lernt auch ganz „normale“ Leute kennen, vor allem im ruhigen zweiten Teil, in dem Soz ihr psychologisches Problem erkennt und es mit Hilfe eines kompetenten Psychologen in den Griff bekommt. In der Folge kann sie ihre neue Einstellung im dritten Teil in die Tat umsetzen und so ihre Zukunft sichern. Dass ihre Verwandlung relativ friedlich verläuft und psychologisch motiviert ist, findet man in heutiger Serien-Science-Fiction nur selten und bringt Asaro einen Pluspunkt ein. Auch das Finale der Handlung entbehrt der Gewalt, ist aber trotzdem spannend.

Was mit politischen Intrigen und einer ausgewachsenen Raumschlacht (immerhin 30 Seiten) beginnt, entwickelt sich zunehmend zu einer anrührenden Geschichte menschlicher Verwandlung. Diese führt dazu, dass die Hauptfigur Hochverrat begeht und mit ihrem Seelengefährten, der dem Feind angehört, ins Exil geht.

Catherine Asaro verknüpft die klassische Romanze um unterschiedliche Liebende auf verfeindeten Seiten (Romeo und Julia!) mit einem Hightech- und Psi-Hintergrund, der einige neue Ideen in die Cyberspace-verwandte Science-Fiction-Welt einbringt. Das Ergebnis ist im ersten Teil aufgrund der Action flott zu lesen, im zweiten Teil ruhig und tiefer gehend, nur um dann im dritten Teil zu einem recht kompliziert eingefädelten Finale ohne richtige Konfrontation oder Gewaltanwendung zu münden. Dies ist zwar nicht überragend oder visionär, aber weitaus besser als Massenware und verdient aufgrund der guten Unterhaltung und der Einfälle einer sehr gute Wertung meinerseits.

Hinweis: Dieser Bericht beruht auf der Lektüre des englischen Originals.

_Michael Matzer_ (c) 2003ff
(lektoriell editiert)

Nachtrag des Lektors: Der zweite Band ist im August gerade frisch erschienen.

Cebulla, Frank – Schlange und Messias. Und andere mythologisch-kabbalistische Schriften

Der Titel des Buches ist wohl hauptsächlich verkaufstechnisch gewählt und dass diese Rechnung aufgeht, ist dem Autor von ganzem Herzen zu wünschen, der damit seinen neuen Verlag eröffnet. Bislang durch die vierteljährlich erscheinende niveauvolle Okkult-Zeitschrift „Der Golem“ bekannt, wagt man sich nun an einen eigenen magischen Verlag.

Enthalten in diesem ersten Band sind Essays zu mythologischen und kabbalistischen Schriften, und tatsächlich ist die einwandfreie Zuordnung zu einem dieser beiden Gebiete nicht wirklich möglich. Die Thematik ist zu sehr ineinander verwoben, was den Reiz, den der inhaltliche Stoff bietet, allerdings nur noch größer macht. Frank Cebullas Spezialgebiet ist die Arbeit mit der Kabbala, die er aber nicht eingrenzt auf eine bestimmte Festlegung, was denn das nun eigentlich genau sei. Es gibt zu viele Deutungsversuche von jüdischen Gelehrten, Historikern, Psychoanalytikern, Okkultisten und Literaten. So verschieden deren Ansichten auch sind, eines hat der Autor verstanden: Alle haben recht! Aus dieser Erkenntnis heraus geht es ganz frisch und unbefangen an die Thematik und was dabei herausgekommen ist, verwirrt in keiner Weise. Cebulla erhebt an keiner Stelle den Anspruch, seine Forschungen und Erkenntnisse als absolute Wahrheiten vermitteln zu wollen, sondern sieht sie als Anregung für den Leser, selber weiter zu forschen. Der inhaltliche Schwerpunkt liegt dabei allerdings bei der mythologischen Forschung um den Gott „Baal“ und was dabei entdeckt wurde – vor allem in Bezug auf kabbalistische Entsprechungen – ist absolut neu und gibt zu denken. Ich habe das Buch an einem einzigen Tag verschlungen und konnte es nicht beiseite legen, bis ich es beendet hatte. Meiner Ansicht nach hat Cebulla ein Grundlagenwerk geschaffen, auf das viele künftige Forscher zurückgreifen werden und es dürfte auch in einigen Jahrzehnten noch als wichtiger Quellenklassiker gelten. Cebulla selbst findet immer mehr den Ursprung der Kabbala in einer Ursprache bzw. einer Ursilbenlehre, deren Basis allerdings nicht in der sprachwissenschaftlichen Erkenntnis der Etymologie liegt. Tabulos reiht er sich damit ein in die Arbeiten der vor einem Jahrhundert lebenden germanisch-pansophisch und ariosophischen Gelehrten wie Hermann Wirth, Rudolf John Gorsleben, Guido von List, Weisthor, Otto Rahn und anderer. Jahrzehntelang wagte sich fast niemand mehr, an deren Texte anzuknüpfen, wollte man nicht die Gefahr eingehen, als „rechter“ Denker diffamiert zu werden. Der Mut, an diese Gedanken wieder anzuknüpfen, hat sich gelohnt, denn der Leser merkt zweifelsfrei durch jeden Satz von Cebulla, dass es außer Frage steht, dass dieser in „rechtem Fahrwasser“ rudern würde.

Meines Erachtens ist dieses erste Buch des Hadit-Verlages ein Titel, der in die Bibliothek jedes an alter Mythologie Interessierten gehört und auf faszinierende Art die kabbalistische Betrachtungsweise zur Grundlage hat. Auf den einzelnen Inhalt einzugehen, ist an dieser Stelle unmöglich, denn die Ergebnisse, die Cebulla aufführt – die vielen Analogien, Korrespondenzen, Allegorien, symbolischen Bilder und numerologischen Sequenzen – sind viel zu umfassend und kreisen dennoch ausschließlich um die ewigen Themen von Himmel und Erde, Geburt und Tod, Sexualität und Schöpferkraft. Man darf sehr gespannt sein auf die weiteren Titel dieses jungen Verlages, die bereits angekündigt sind und neben weiteren eigenen Werken auch von anderen Autoren stammen.

[Homepage des Autors]http://www.equinox-net.de/

_Berthold Röth_
für die Zeitschrift [AHA]http://www.aha-zeitschrift.de/
Ausgabe 04/2003 (August/September)

Przybyszewski, Stanislaw – Gnosis des Bösen, Die

„Stanislaw Przybyszewski (1868-1927) wurde als Sohn eines polnischen Dorfschullehrers in Lojowo geboren, studierte in Berlin und arbeitete als Journalist. Er gehörte dem Berliner Dichterkreis um Richard Dehmel, August Strindberg und Ola Hansson an und galt als führender Vertreter der naturalistisch-symbolistischen Bewegung des ‚Jungen Polen‘.“ Przybyszewski’s Werk „Die Gnosis des Bösen“ ist eine radikale, provokative Streitschrift und kulturhistorische Analyse aus der Sicht des ‚Bösen‘. Das Buch erschien zunächst 1897 als Aufsatzfolge in „Die Kritik“ und wurde 1900 unter dem Titel „Die Synagoge Satans“ als Separatdruck aufgelegt, ein Titel, der auch von der 2. Auflage 1979 übernommen wurde.

Dieser Auflage entstammt auch das enthaltene Vorwort des Theologen Josef Dvorak, der 1989 sein Monumentalwerk [„Satanismus“]http://www.powermetal.de/book/anzeigen.php?id_book=86 herausbrachte. Dvorak ist eine ausgezeichnete Wahl als Vorredner, denn auch er betrachtet seine Form von Satanismus als künstlerische Ausdrucksform, als Psychodrama, als kulturhistorische Kampfansage an das träge Bürgertum, als rebellisch-spirituelle Weltsicht im positiven Sinne des satanischen Begriffes. In seinem Vorwort nun präsentiert er selbst einen kurzen Abriss über die ’neuere Geschichte‘ (seinerzeit) der satanischen Strömung und ist dabei ebenso wenig zimperlich wie Przybyszewski, wenn nicht nur konservativ-christliches Bürgertum, sondern auch allerlei satanische Auswüchse ihre Packung kritischer Medizin verabreicht bekommen. Aus heutiger Sicht vielleicht etwas eigentümlich zu lesen, aber gerade dadurch so wertvoll, frei von modernen Medienimpulsen und inzwischen verwaschenen Kommentaren und Analysen zum Phänomen des Satanismus.

Dies ist auch eine der Bedeutsamkeiten von Przybyszewski’s Werk, denn, entstanden um 1900, bietet es eine besondere, vom heutigen Terminus abweichende Darstellung, frei von den neueren Einflüssen eines Aleister Crowley auf den Satanismus, philosophisch-psychologisch vereinfacht und auf einen handlich-überschaubaren Überzeugungskomplex gebracht von Vorreitern der ‚gesellschaftsfähigen Öffentlichkeitsarbeit‘ wie LaVey. Interessanterweise hatte der Autor bereits seit der Jahrhundertwende mit ähnlicher Medienaufmerksamkeit und eher verständnisloser Fremdschubladisierung zu kämpfen wie weiland LaVey oder Crowley und darf als einer der Vorreiter einer öffentlichkeitswirksamen Präsentation satanischer Prinzipien und Strömungen der Moderne betrachtet werden, inspiriert durch den literarischen Satanismus, der letztlich Urquell der modern-satanischen Ausrichtung ist.

Sein Schreibstil ist beeindruckend. Prosaisch, mythologisch, geradezu in Form einer biblischen Offenbarung geschrieben, präsentiert er in den Kapiteln „Die Entstehung der Satanskirche I & II“ einen kulturgeschichtlichen Abriss der naturphilosophisch-religiös-heidnischen Ursprünge dieser Strömung, die letztlich stets existent war, in verschiedenen Ausformungen menschliche Wesensarten repräsentierte, die zur Entwicklung jeder (westlichen und arabischen) Kultur gehörte. Die Wurzeln sieht er in den noch vorchristlichen, später besonders durch die Manichäer radikalisierten gnostischen Vorstellungen einer notwendigen, unvermeidbaren Dualität und Koexistenz von Licht und Dunkelheit, ‚Gut‘ und ‚Böse‘, Materie und Transzendenz, die letztlich durch allzu starke Ausformung in der einen Richtung zu einem umso kraftvolleren Aufbegehren der ‚Gegenseite‘ führte und sich in Wellen durch die Geschichte zieht. Das Hauptaugenmerk liegt dabei auf der für unseren Kreis relevanten Epoche christenkirchlicher Dominanz und ihrem Wechselspiel mit heidnischen Ursprüngen, archetypischen und natürlichen Trieben, Sehnsüchten und Bedürfnissen.

Die pikanten, teils schon unappetitlichen Details über kirchliche Verfehlungen und das allgemeine Gebahren der Ecclesia lassen die Grenzen zwischen Heilslehre und Satanismus besonders im ausgehenden Mittelalter unüberschaubar verschwimmen und sind Triebkraft geradezu absurder satanistischer Auswüchse jener Zeit, die wohl in Schwarzen Messen gipfelten, die von hohen klerikalen Würdenträgern abgehalten wurden und zu einem Gutteil letztlich nur einem gelangweilten, erfahrungshungrigen und machtgierigen Adel zweckdienlich sein sollten. Aber das einfache Volk hat seine naturreligiösen Wurzeln nie vergessen und lebt seine Triebe und Bedürfnisse in ausgelassenen Zusammenkünften aus, gibt sich alten Bräuchen und Ritualen hin und bewahrt Geheimnisse der Kräuter- und Heilkunde, die stets mit magischen Aspekten versehen waren und bei denen wie allgegenwärtig die sexuellen Komponenten und Symboliken primär bedeutsam sind. Unter dem Eindruck von Amtsverfehlungen, Pest, Kriegen, Unterdrückung und Ausbeutung – besonders all dessen, was natürlich, triebhaft, unvermeidbar, aber dennoch per Dekret ’sündhaft‘ (‚Sünde‘ leitet sich von ‚absondern‘ her) ist – verwaschen all diese Wellenschläge einer heuchlerischen, von Tod und Strafe dominierten Knechtschaft von Geist und Leib zu einer befreienden und geradezu orgiastischen Gesellschaftsströmung, derer niemand mehr wirklich Herre werden konnte. Und so kommt es immer wieder zur Rebellion der Unfreien, der Verfolgten, der ‚Widersacher‘, blutig niedergeschlagen von kirchlicher Nächstenliebe, wie sich in der Auslöschung von Templerorden oder Katarern (Albigensern, zu Zehntausenden dahingeschlachtet) besonders deutlich zeigt. Diese Namen führen auch direkt zum europäischen ‚Quell des Bösen‘ und allem Ketzerischen; dem Kulturkreis, der Wurzel aller Rebellion, allen Umsturzes, aller häretischer Gedanken und Bestrebungen war: die französischen Lande.

Sehr hilfreich sind übrigens gerade in diesen Passagen die zahlreichen Anmerkungen von Übersetzer und Verleger, die Details zu benannten Persönlichkeiten, Gruppierungen oder Mythen anfügen, wo der Leser heutigentags mit Przybyszewski’s Darstellungsweise überfordert wäre. An dieser Stelle seien auch die zahlreichen beigefügten Bildwerke erwähnt, die wohlgewählt sind.

„Der Kult der Satanskirche I – III“ gibt ein unorthodoxes Bild der satanischen Kultur und Lebensweise, ein orgiastischer, sinnentaumelnder, traumtänzelnder Sabbat der Urtriebe. Interessant sind hier des Autors Ausführungen zum Gebrauch pflanzlicher halluzinogener Drogen, die viele Aussagen der Hexen erklären können, eine Form erfüllender Wirklichkeitsflucht in die Reiche geistiger, gemeinschaftlicher Extase. Allerdings geht er für meine Begriffe an der Stelle zu weit, wo er der Ansicht ist, die meisten Hexenmorde seien insofern berechtigt und in der Tat von solch magisch-dunkler Art gewesen, wie die Inquisition es darstellte. Er lehnt sich damit gegen die aufklärerische Pauschalisierung auf, alle Verfolgungen wären letztlich rein machtpolitisch gewesen und bar jeden religiös-ernsthaften Hintergrundes. Das ist verständlich und vieles dieser Verfolgungen wurzelt sicherlich in dem verzweifelten Versuch, dem satanischen Freiheitsdrange des Volkes Herre zu werden, aber ins andere Extrem umzuschlagen, erscheint mir keineswegs besser, sinnvoller oder glaubhafter.

Dem Werk ist ein späteres Nachwort beigefügt, entnommen dem 1985 erschienenen „Von Ferne komm ich her… Erinnerungen an Berlin und Krakau“. Dies macht des Autors Standpunkt noch einmal etwas deutlicher, da der eher parteilose Rundumschlag seiner Ausführungen zuvor diesbezüglich etwas verwirrt. Er relativiert hier seine frühe Schrift als „seinerseits noch sehr oberflächliche dämonologische Studien“ und bringt einen naturphilosophischen, künstlerisch wirkenden Satanismus zum Ausdruck, der wieder greifbarer und nachvollziehbarer erscheint; zugleich ist es eine kurze Verteidigungsschrift gegen frühe Vorwürfe und Unverständnisbezeugungen der Außenwelt.

Insgesamt handelt es sich bei „Die Gnosis des Bösen“ um ein kulturhistorisch bedeutsames Zeitdokument, das zu einem Verständnis satanischer Strömungen unbedingt gelesen sein sollte; nicht oft hat man noch Gelegenheit, speziell satanische Darstellungen aus der ‚Sicht des Bösen‘ zu erfahren, die so lange zurückliegen und nicht fremdgefärbt sind (auch wenn der Einfluss von Nietzsche oder den satanischen Literaten und Poeten seiner Zeit natürlich spürbar ist).

Dank an [Second Sight Books]http://www.second-sight-books.de für die Überlassung des Rezensionsexemplares.

Bröckers, Mathias – Hauß, Andreas – Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.

Zugleich ein Kommentar.

Wenn man der gleichgeschalteten und sich selbst schulterbeklopfenden Massenmedien-Berichterstattung die letzten zwei Jahre gefolgt ist, so hat man vermutlich inzwischen das „Märchen von Osama und den 19 Räubern“ tiefeninhaliert und durch beständiges Nachkäuen aus dem Reich der Mythen in die Welt der Wahrheiten empor gehoben. Die Geburtshelfer dieser herrlich simplifizierenden und wunderbar schwarz-weiß gemalten Feindbild-Projektion üben sich – unabhängig ihrer vorherigen Äußerungen und Einstellungen; Wendehals-Journalismus vom Feinsten – seither massiv bemüht darum, jedwede anders geartete Sichtweise als „Verschwörungstheorie“ zu degradieren und zumindest ins Lächerliche zu ziehen. Es zeigt sich allerdings ganz deutlich, dass gerade die konstruierte Mogelpackung, welche die amerikanische Regierung und ihre Medienpropaganda (eigentlich recht schlampig, aber erstaunlich effektiv) erschaffen haben, nichts anderes präsentiert als eben eine waschechte Verschwörungstheorie. Im Zuge des verzweifelten Selbstverteidigungsversuches der ‚etablierten‘ Presse macht diese auch bei verdienten und zweifelsfrei fachkundigen Persönlichkeiten wie Andreas von Bülow keine Ausnahmen (siehe Kommentar und Link am Ende des Textes) und scheut nicht davor zurück, ausgesprochen persönlich und aufbrausend zu reagieren (ein Fest für jeden Psychoanalytiker) oder mit dem immer wieder wirksamen Spott und Hohn aufzufahren, natürlich bar jeder wirklichen Argumentationslinie. Damit würdigen sie sich selbst allerdings nur noch mehr herab, als sie dies durch ihr Todesurteil über den investigativen Journalismus ohnehin schon tun.

Besonders angetan hat es ihnen aber der Sturmdränger Mathias Bröckers, der zehn Jahre den Kulturteil der taz leitete, für „Die Zeit“ und „Die Woche“ tätig war und insbesondere der Netzgemeinschaft durch seine Artikelserie und verschiedene Kommentare im Web-Magazin [Telepolis]http://heise.de/tp/ bekannt sein dürfte. Im September 2002 erschien bei Zweitausendeins sein Buch „Verschwörungen, Verschwörungstheorien und die Geheimnisse des 11.9.“, das inzwischen in die 33. Auflage ging und dessen Verkaufszahlen sich direkt hinter Bohlen’s Machwerk „Nichts als die Wahrheit“ bewegten – nur bekam man davon nichts mit, denn Bücher von Zweitausendeins gibt es eben nur dort zu kaufen, daher tauchen sie auch in keiner Verkaufsstatistik und damit auch in keiner Bestsellerliste auf.

Gemeinsam mit Andreas Hauß vom [Internationalen Institut für Medienanalyse und Friedensforschung]http://www.medienanalyse-international.de hat sich Bröckers nun an eine Bestandsaufnahme der Untersuchungen zur Akte 9/11 gemacht, und Ende Juli haben sie ihre gemeinsame Anklageschrift „Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.“ veröffentlicht, die natürlich direkt wieder in unsachlichster Weise und peinlicher Selbstbloßstellung von den Massenmedien verbellt wird. Die ersten beiden Auflagen waren bereits vor Erscheinen ausverkauft und Zweitausendeins rotiert im Blätterwald, um mit dem Interessenansturm mitzuhalten. Gemäß einer aktuellen Umfrage der ZEIT ist jeder Fünfte in Deutschland davon überzeugt, dass die US-Regierung bei den Anschlägen die Finger im Spiel hatte, bei den Unterdreißigjährigen ist es gar jeder Dritte. Knapp 70 Prozent der Deutschen gehen davon aus, dass sie über die wahren Details nicht vollständig informiert werden. Wie sieht es aktuell in Amerika damit aus? Diese Information kann man gleich auf der ersten Seite des neuen Buches nachlesen, und da fällt dem Rezensenten geradezu das Frühstück aus dem Gesicht: „Nach einer CBS-Umfrage im Februar 2003 halten mittlerweile 42 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner Saddam Hussein für den Hauptverantwortlichen der Anschläge und die Flugzeugentführer mehrheitlich für Iraker. Und im März antworteten bei einer CNN-Umfrage auf die Frage, ob Saddam Hussein in diese Anschläge ‚persönlich involviert‘ sei, 72 Prozent mit einem ’sehr wahrscheinlich oder wahrscheinlich‘.“ Man beachte die in Zusammenhang gebrachten Namen und Herkunftsländer – ich glaube, die dressierten Nationalhymnensänger verwechseln da etwas sehr Grundlegendes, aber wer kann bei den ganzen Kriegen für Frieden und Freiheit schon die einzelnen Protagonisten und Länder auseinander halten, nicht wahr, zumal die so angenehm handliche „Achse des Bösen“ diverse Kleinigkeiten ohnehin nivelliert.

„Fakten, Fälschungen und die unterdrückten Beweise des 11.9.“ ist nun keine aufgewärmte Version des Vorgängerbuches, sondern zum einen ein kritischer Blick auf die aktuelle Sachlage zum 11.9., zum andren ist die Schwerpunktsetzung auch anders gelagert als bei Bröckers Einzelarbeit. Bis auf die jeweils von Bröckers allein verfasste Einleitung und das Nachwort „Lügen haben kurze Beine“ bleiben die gemeinsam Feder führenden Autoren dicht an den Ereignissen des 11.9. selbst. Somit wird diesmal weitgehend auf Exkurse zum „Weg des Geldes“, zur Vergangenheit derzeitiger politischer Entscheidungsträger, zu Verflechtungen zwischen den Geheimdiensten oder zu Vorgängen in Afghanistan und Pakistan verzichtet. Anhand einer beeindruckenden Fülle von – nicht selten sofort wieder verschwundenen oder ignorierten – Medienberichten aus aller Welt, größtenteils aus den sog. „renommierten“ und „seriösen“ Fachblättern, trägt das Autorenteam eine völlig andere Darstellung der Ereignisse zusammen und stellt wie bereits vor einem Jahr eine schier endlose Zahl von Fragen, die noch immer nicht beantwortet wurden. Die Unmenge an offensichtlichen Halbwahrheiten, Lügen und Unstimmigkeiten lässt den Leser schwindlig werden; an einigen Stellen empfiehlt es sich wirklich, Bröckers Vorgängerbuch oder seine Artikelserie gelesen zu haben, um den Überblick zu behalten. Und dass, so eine resultierende Feststellung der Beobachtungen, von offizieller wie auch Presseseite aus kein wirkliches Interesse an tieferer Wahrheitssuche besteht, wird bereits an Unstimmigkeiten und schlichtweg blankem Unsinn deutlich, der durch die Medienlandschaft ventiliert wurde und bereits bei oberflächlicher Betrachtung als Humbug oder Propaganda-Ente enttarnt werden kann. Die Autoren nehmen auch weitestgehend Abstand von allzu verzweigten Verschwörungszusammenhängen, Vermutungen und Hypothesen, sondern hangeln sich knallhart an den immer wieder reproduzierten ‚Fakten‘ entlang, die sie bloßstellen und in Widerspruch zur Wirklichkeit setzen; der Schritt von Verschwörungstheorien zu Verschwörungsfakten ist längst vollzogen.

Ich möchte ein wenig die betrachteten Details umreißen, die letztlich keinen anderen Schluss zulassen als den, dass demokratische Regierungen ihr Volk an der Nase herumzuführen versuchen. Nach der lesenswerten und wichtigen Einleitung widmen sich Hauß & Bröckers zunächst der allzu schnell verkündeten ‚Wahrheit‘ von Osama und den 19 Räubern, insbesondere sehen sie sich die 19 Übeltäter einmal genauer an.
Wenn dann belegbar nachgewiesen wird, dass die allzu schnell präsentierte und noch immer unveränderte Liste mindestens sechs lebende Personen (wie unschicklich für Selbstmordattentäter) enthält, die sich teils nie in den USA aufhielten; dass es von einigen der benannten ‚Terroristen‘ Doppel- und Dreifachgänger zu geben scheint; dass mit diesen präsentierten Listen so einiges im Argen liegt und die Originaldokumente noch immer unter Verschluss sind; dass so mancher der mutmaßlichen Terroristen in US-Militäreinrichtungen ausgebildet wurde; dass die meisten Attentäter – neben einigen hundert andren arabischem Schülern – in der gleichen Flugschule in Florida ausgebildet wurden, die zudem einem Freund von Gouverneur Jeb Bush gehört (der übrigens persönlich direkt nach den Anschlägen sämtliche Flugschulunterlagen mit einer Transportmaschine abholte); und dass sich verschiedene Geheimdienste an diesem Ort praktisch seit Jahrzehnten die Klinke in die Hand geben und die verdächtigten Personen seit geraumer Zeit unter geheimdienstlicher Observierung standen – nun, dann ist offensichtlich (sic) einiges faul im Staate von „BrainWashington“ und unmöglicher Begrenztheit.

Sodann widmen sie sich den fehlenden oder stets als Indizien angeführten Beweisen rund um den 11.9.: Fragen zum Verbleib von Attentäter-Leichen, zu den offenkundig falschen Passagierlisten, zu den ominösen und für die Rekonstruktion des Tathergangs wesentlichen Handy-Anrufen und weiteren angeblichen Telefonaten zeigen, dass hier „Beweise, die nichts beweisen“ konstruiert wurden.

„Eine kurze Geschichte des Nichtfliegens“ untersucht, warum während des gesamten Ablaufs keinerlei Einsatztruppen auftauchten, nicht einmal über der best gesicherten Lufthoheit der Welt. Ein akribisch dargelegter Zeitablauf sowie das genaue Flugverhalten der Entführer und verschiedene Aussagen von offizieller Seite und aus den Einsatzzentralen offenbaren so manche Unstimmigkeit, um nicht zu sagen: völlig absurde Zufälle. Statt dessen tauchen seltsame Flugzeuge auf, die eigentlich gar nicht hätten vor Ort sein dürfen – und nähere Betrachtungen legen nahe, dass wohl ein wenig „ferngesteuert“ nachgeholfen wurde.

Aber nicht nur die Militärs waren ausgesprochen untätig (natürlich muss inzwischen eine absurde „Inkompetenztheorie“ dafür herhalten), auch die Entscheidungsträger der Regierung haben sich genüsslich im Nasebohren geübt in der kritischen Zeitphase. Und so fragen sich die Autoren: „Wer tat was wann am 11.9.?“ Der dargelegte Zeitplan zaubert ein paar hübsche Fragezeichen über des Lesers Haupt. Sehr hilfreich ist hier eine tabellarische „Timeline“.

Es stellt sich die Frage nach dem „Vorauswissen“ der involvierten Dienste und Persönlichkeiten, und dieser Frage gehen Bröckers & Hauß natürlich nach, wobei sie auch hier nicht abschweifen und dicht am Geschehen und seiner Vorgeschichte bleiben. Zufällig zuvor stattgefundene Terror-Simulationen im Pentagon und bei der CIA werden unter die Lupe genommen, ebenso zufällige Neubaumaßnahmen genau im betroffenen Pentagonflügel oder einige sehr interessante, natürlich ebenso zufällige, Zusammentreffen unmittelbar vor oder während des 11.9.

Mohamed Atta (oder zumindest einer seiner Inkarnationen) und seinem Umfeld widmet sich das nächste Kapitel, wobei dessen Verflechtungen mit allerlei geheimdienstlichen Organisationen in Pakistan, Deutschland und den USA von Interesse sind. In diesem Zusammenhang wird die bereits oben erwähnte Flugschule in Venice bedeutsam und damit komme ich auf den dem Buch beigefügten Dokumentarfilm „Mohamed Atta and the Venice Flying Circus“ zu sprechen. Faszinierenderweise gelang es dem Autor und Freien Journalisten Daniel Hopsicker nicht, dieses brisante und vor Ort recherchierte Material in der Presse unterzubringen, nicht einmal die „Yellow Press“ zeigte sich interessiert, was ich wiederum ausgesprochen interessant finde. Ohne Letztbearbeitung, aber immerhin mit deutschen Untertiteln versehen, liegt die 60-minütige Dokumentation auf SVCD bei und fügt somit dem Buch die noch fehlender Prise hautnahen Investigations-Journalismus‘ bei.

Das Kapitel „Nichtermittlungen“ nimmt sich der „Elefantenspuren“ fabrizierter Beweise an, aber ebenso der Liste von zurückgehaltenen oder merkwürdigerweise verschwundenen Beweisen, die bislang Hörensagen bleiben müssen. Die blockierten Ermittlungsversuche und Ergebnisse eher suspekter Ermittlungsausschüsse werden ebenfalls beleuchtet.

Im umfangreichen Nachwort zieht Bröckers noch einmal Resümee, zeigt weitere Ergebnisse heutigen Wissensstandes auf, widmet sich der Vorgeschichte des „Dschihad Inc. – made in USA“, präsentiert sodann drei mögliche Szenarien, die das vorgelegte Material zusammenfassend erklärbar machen, und schließt mit einigen Gedanken zu Europas Rolle in den US-amerikanischen Strategien (die übrigens in der nunmehr Wirklichkeit gewordenen Fassung bereits seit etlichen Jahren ausgearbeitet und zu Papier gebracht waren).

Zum Anhang gilt es noch einige Sätze zu verlieren: Neben dem Register findet sich ein Quell- und Belegverzeichnis, das zum Großteil aus Internetadressen besteht. Dies wurde natürlich sofort von der Mainstream-Presse als Beweis dafür angeführt, dass das Buch blanker Unsinn sein muss (ebenso wie beim Vorgänger), was aber natürlich selbst wiederum Quatsch ist. Da es sich in erster Linie um Berichte der „seriösen“ Pressewelt handelt, spielt es wohl kaum eine Rolle, ob man auf das Druckwerk verweist, das sich der geneigte Leser erst mühevoll zusammensuchen müsste, oder ob man direkt auf den identischen Inhalt im Web verlinkt. Faktisch macht das keinen Unterschied, es hat für die „Verbrennt ihn!“-Brüller nur den deutlichen Nachteil, dass jeder Leser sich, sofern die Artikel noch online sind oder die Datenbank von google Kopien gespeichert hat, unmittelbar mit den Originalquellen auseinander setzen kann. Es sei denn natürlich, die Meister der amtlichen Verschwörungstheorie-Theorie unterstellten, dass gelangweilte Hacker die online-Inhalte von SPIEGEL, ZEIT, FAZ, TIMES etc. massiv verändert hätten, nicht wahr.

Abschließend findet sich im Buch noch eine Abschrift des deutschen Wortlautes zum beigelegten Dokumentarfilm; zum einen zur besseren Handhabe, zum andren für jene Leser, die Probleme mit der SVCD haben sollten.

Was im Gesamtbild bleibt, ist eine fabelhaft geschriebene und sauber recherchierte, aber zugleich geradezu erschreckende Anklageschrift und Beweisführung (bzw. -widerlegung), ein Appell an den gesunden Menschenverstand, an demokratische Rechte, eine Bloßstellung von Informationsbetrug, Amtsmissbrauch, Lug und Trug und politischem Verrat auf höchsten Ebenen, die zusammen mit dem Vorgängerbuch jedes politische Weltbild erschüttern dürfte und für einen aufgeklärten und demokratisch-rechtlich überzeugten Bürger, der nicht länger tumber Spielball ihn ausnutzender und irreführender Kräfte sein will und dem „Pearl Harbor des 21. Jahrhunderts“ keine weitere Chance gibt, schlichtweg zur Pflichtlektüre gehört. Punkt.

[Hintergrundinfos im Interview mit Dr. Andreas von Bülow 12/2001]http://www.broeckers.com/buelow.htm
(25 Jahre Bundestagsmitglied, u.a. in der Parlamentarischen Kontrollkommission für die Geheimdienste; Staatssekretär im Verteidigungsministerium; Bundesminister für Forschung & Technologie; heute Rechtsanwalt in Bonn. – Witzigerweise urteilte ausgerechnet der SPIEGEL vor dem 11.9. über Bülow’s ‚Verschwörungsbuch‘: „Das ist eine eingehend dokumentierte, bissige Kritik an den Machenschaften der CIA und anderer West-Dienste.“ Wie’s danach aussah, ist ja allgemein bekannt bzw. wurde weiter oben ausgeführt.)

[Reaktionen – Pressestimmen – Kommentare]http://www.broeckers.com/reaktionen.htm

[Homepage von Mathias Bröckers]http://www.broeckers.com

[Internationales Institut für Medienanalyse und Friedensforschung]http://www.medienanalyse-international.de

[Infoseite von Daniel Hopsicker]http://www.madcowprod.com/

[SteinbergRecherche]http://www.steinbergrecherche.com (speziell unter „Texte“)

[Faktensammlung von GEHU]http://home.debitel.net/user/andreas.bunkahle/default.htm

[Themenseite bei Muslim Markt]http://www.muslim-markt.de/wtc/antiterrorspezial.htm

[UnansweredQuestions.org]http://unansweredquestions.org/

Für Interessierte gibt es nur die Möglichkeit, das Buch direkt bei [Zweitausendeins]http://www.zweitausendeins.de zu beziehen oder z. B. über die Amazon-Gebrauchtanbieter zu bestellen (2001 liefert auch von dort aus).

Voenix – Tolkiens Wurzeln. Die mythischen Quellen zu \’Der Herr der Ringe\‘

Noch ein Buch zum Herrn der Ringe? Gleich vorweg: Voenix ist sich der mit einem solchen Thema verbundenen Fragen und Schwierigkeiten bewusst: zu viele Tolkien-Fans haben den Deutungsrahmen dieses Buches so überstrapaziert, dass alles und jedes darin gefunden werden kann. Dagegen sprach Tolkien sich klar gegen nachträgliche allegorische o. a. Deutungen aus und hielt davon nichts. Voenix schildert im Vorwort deutlich diese konträren Positionen und findet eine gelungene Synthese, die beidem Rechnung trägt: Jedes Kapitel ist in sich unterteilt in einen beschreibenden Teil, eine mythologische Ausleuchtung und eine Charakterisierung.

Die Gefahr der Überdeutung besteht bei Voenix nicht, da er als Kenner der nordischen Mythen den Schwerpunkt auf genau diese Bereiche legt. Durch diese Hintergründe bekommt Tolkiens Werk eine Tiefe und Verbindungen, die eine große Bereicherung für den Leser darstellen. Die Charakterisierungen in den einzelnen Kapiteln orientieren sich modellhaft an der Psychologie, besonders den Archetypen C.G. Jungs. Die archetypischen seelischen Prozesse sind eine naheliegende Parallele zum Mythos, Geschehnisse und Grundfragen des Lebens in einer zeitgemäßeren Sprache anders darzustellen und dadurch eine neue Perspektive zu gewinnen. Die Wahl ist also thematisch gut begründet; darüber hinaus zeigen sich hier Verbindungen zu Akron, mit dem der Autor seit Jahren befreundet ist und deren Zusammenarbeit dieses Buch in der Form erst ermöglichte.

An manchen Stellen scheint mir die Übertragung der HdR-Geschichte auf psychische Prozesse zu holzschnittartig, zu polar konstruiert, beispielsweise, wenn an einer Stelle Triebe und Erlösung(sstreben) als Gegensätze benannt werden oder ein dunkler (verdrängter) Persönlichkeitsanteil wie eine Konstante behandelt wird. Aber das sind insgesamt Kleinigkeiten, die am gelungenen Gesamteindruck von „Tolkiens Wurzeln“ verblassen. Und ob der Leser mit einer umfangreichen Psychologie-Einführung in einem Tolkien-Buch zufriedener wäre… das ist fraglich. Vielmehr werden bestimmte psychische Aspekte betont, und Schwerpunkte muss man gerade bei einem so facettenreichen Werk wie von Tolkien setzen – es bleiben Fragen offen, an denen der Leser gewinnbringend weiterdenken kann.
Noch ein paar Worte zum Inhalt: Wie schon erwähnt, ist die systematische Trennung einzelner Bereiche der Beschreibung und Deutung sehr positiv sowohl für das Mitdenken und Nachvollziehen, als auch für das Auffinden eines Themas. Die einzelnen Kapitel sind thematisch gruppiert; einige Themen sind ‚Die Völker von Mittelerde‘, ‚Die neun Gefährten‘, ‚Die Verbündeten und Frauen im HdR‘, die Gegner der Gefährten, mythische Motive und Historisches.

Voenix hat das Buch mit zahlreichen farbigen Illustrationen versehen, bei denen er sich an den Darstellern der Verfilmung von Peter Jackson orientierte, was bei mir so manche Erinnerung weckte und die Geschichte noch lebendiger werden ließ. So „verspricht dieses Buch neben neuen Antworten und Einsichten einen doppelten Lesegenuss für alle Fans des Fantasy-Genres, Mythenliebhaber und solche, die es werden wollen.“ (Klappentext) Jo, Recht hamse.

_Knut Gierdahl_
für die Zeitschrift [AHA]http://www.aha-zeitschrift.de
Ausgabe 04/2003 (August/September)

Homepage des Autors: http://www.voenix.de
Homepage des Verlages: http://www.akron.ch/verlag/verlag.htm

Peter Priskil , Beate Mittmann – Kriegsverbrechen der Amerikaner und ihrer Vasallen gegen den Irak und 6000 Jahre Menschheitsgeschich

Zehn Jahre nach der Erstveröffentlichung erfolgt zum politisch richtigen und notwendigen Zeitpunkt die vierte aktualisierte und stark erweiterte Auflage dieses brisanten Buches. Kriegsverbrecher in Washington waren dabei, zugunsten des US-Monoimperialismus den Irak restlos zu zerstören, was im Grunde bereits 1991 begann und mit bislang 1,5 Millionen Toten bereits jetzt den ersten neuzeitlichen Genozid des von den Türken an Armeniern begangenen Völkermords erreicht hat. Die Begründung, mit dem der aktuelle politische Coup gegen den Irak ausgelöst wurde, lieferte der 11. September 2001 – keiner versteht zwar, was das mit dem Irak zu tun haben solle – und die Herausgeber dieses Enthüllungsberichtes halten es zudem für sehr wahrscheinlich, dass die Angriffe auf das World Trade Center auch selbst inszeniert worden sein könnten und erinnern an die Art des von den Nazis gelegten Reichstagsbrands [oder an Pearl Harbor; Anm. d. Lektors].

Peter Priskil , Beate Mittmann – Kriegsverbrechen der Amerikaner und ihrer Vasallen gegen den Irak und 6000 Jahre Menschheitsgeschich weiterlesen

Grobe-Hagel, Karl – Krieg gegen Terror? El Qaeda, Afghanistan und der Kreuzzug der USA

Der Autor schreibt seit 30 Jahren für die „Frankfurter Rundschau“ und geht davon aus, dass Kriege noch nie wegen Religionen stattfanden, sondern solches immer der Deckmantel für ganz andere Interessen ist. Nach dem ersten Entsetzen und der daraus erfolgten weltweiten US-Solidarität haben die USA aber sehr schnell unverblümt ihr wahres Interesse gezeigt: das der absoluten Weltherrschaft mit den Mitteln bis hin zum atomaren Erstschlag, selbst gegen nicht nuklear gerüstete Staaten. Nicht weniger perfide sind biologische und chemische Waffen, deren Herstellung, Lagerung, Kühlung und Sicherheit so kompliziert sind, dass sie im kriegszerstörten Irak sowieso nicht vorhanden sein konnten. Wohl aber in den USA, aus deren Labors die postalisch verschickten Milzbrand-Erreger, die die Bevölkerung in Atem hielten, stammten. Neben diesen doch brisanten Feststellungen gelingt es dem Autor, eine Neutralität zu wahren, die den meisten anderen Berichterstattern fehlt. Es ist nämlich nicht einfach, in diesen Konflikten keine Position zu ergreifen. Grobe-Hagel führt lediglich die Fakten der Realität auf. Wichtig ist das Buch vor allem, weil es intensiv auf die politische Situation Afghanistans eingeht und auch detailliert die jetzige Regierung analysiert. Die zukünftigen Kriegsziele der USA von Irak (mittlerweile schon erfolgt), Iran, Nordkorea und was da sonst alles noch in Planung ist, werden am Ende kurz angerissen. Lesenswert, da derartige Informationen entweder sowieso kaum zugänglich sind oder aber leider die Durchschnittsbevölkerung erst gar nicht interessieren.

_Berthold Röth_
für die Zeitschrift [AHA]http://www.aha-zeitschrift.de
Ausgabe 04/2003 (August/September)

Wer an einer ausführlicheren inhaltlichen Darstellung interessiert ist, möge sich dazu die Buchbesprechung in der [TAZ]http://www.taz.de/pt/2002/10/15/a0208.nf/textdruck besehen. [Anm. d. Lektors]

Görnitz, Thomas – Görnitz, Brigitte – kreative Kosmos, Der

„Der kreative Kosmos – Geist und Materie aus Information“ gehört zu jenen Werken, die imstande sind, Weltbilder neu zu formen und neue Wege des Denkens zu ebnen. Dies gelingt in diesem populärwissenschaftlich formulierten Buch – gut verständlich dargestellt, ohne unpräzise und beliebig zu werden – auf exzellente und nachhaltig beeindruckende Weise. Der interdisziplinäre, umfassende Ansatz dieser Arbeit vollzieht sich dabei aus so vielen Ebenen und unterschiedlichen Blickwinkeln heraus, dass ein beachtlicher Teil der Hauptfragen moderner Naturwissenschaft und Philosophie einbezogen werden – ein wahrer Rundumschlag also.

Das Autorenduo ist für eine solche, fast schon insolent wirkende Herausforderung bestens gewappnet: Thomas Görnitz war nach seiner Promotion in Physik an der TU Braunschweig sowie an mehreren Max-Planck-Instituten aktiv, woraus sich auch eine langjährige Zusammenarbeit mit Carl Friedrich von Weizsäcker ergab. Derzeit ist er Professor für Didaktik der Physik in Frankfurt und überdies Vorstandsvorsitzender der „Carl Friedrich v. Weizsäcker-Gesellschaft ‚Wissen und Verantwortung‘ e.V.“. Seine vorherige Buchveröffentlichung „Quanten sind anders. Die verborgene Einheit der Welt“ fand bereits einige Beachtung und bietet sich als mathematikfreie Beschäftigung mit Quantenwelten, Bewusstsein und Transzendenz geradezu an. Brigitte Görnitz promovierte in Veterinärmedizin und ist zudem Diplompsychologin.

Im Wesentlichen geht es den Autoren um eine Annäherung an das Verständnis von Geist und Bewusstsein unter Einbindung des materiellen Aspektes und des Lebendigen. Dabei spielen das Leib-Seele-Problem und die Frage nach dem freien Willen eine bedeutsame Rolle. Sie nähern sich dieser Betrachtung aus mehreren verflochtenen Perspektiven, die Biologie, Psychologie und moderne Physik einbeziehen. Zentraler Ansatzpunkt ist dabei der Begriff der Information, die neben ihrem Bedeutungsaspekt in einer neuartigen Sichtweise definiert und als Basisgröße erklärt wird: Aus kosmologischen Überlegungen heraus kommen die Verfasser zu einer abstrakten Quanteninformation, die das Fundament für die Evolution von Materie, Leben und letztlich Bewusstsein bildet und somit ein einheitliches und grundlegendes Erklärungsmodell liefert. Die hier dargestellten Zusammenhänge und Schlussfolgerungen bewirken so manchen Aha-Effekt und bieten eine ausgezeichnete Grundlage für weiteres Verständnis und Überlegungen in allen Bereichen, die damit in Bezug stehen oder sich aus den Grundannahmen ergeben. Es werden weniger neuartige Erkenntnisse und physikalische Theorien bemüht oder präsentiert als vielmehr auf philosophischer, erkenntnistheoretischer Grundlage gearbeitet, verwoben in eine ausgezeichnete Überblicksdarstellung zu zentralen Problempunkten und Erkenntnissen moderner Wissenschaft sowie der resultierenden Konsequenzen. Neben ihrer eigenen, gemeinsamen Arbeit kann sich das Autorenpaar Görnitz auf die Vorarbeit namhafter Größen beziehen, wie beispielsweise Stephen W. Hawking, Sir Roger Penrose, einigen Wissenschaftlern aus der Familie von Weizsäcker, Wolfgang Pauli, George Spencer-Brown, Holger Lyre und besonders Carl Gustav Jung als Schnittstelle zwischen Psychologie, Naturwissenschaft, Philosophie sowie „esoterischen“ und transpersonalen Ansätzen, die allesamt für die Hauptthese und ihre Schlussfolgerungen bedeutsam sind.

Pauli und Jung spielen dabei eine besonders tragende Rolle; ihnen sowie Sigmund Freud sind daher ausführliche Überblickstexte gewidmet. Überhaupt ist die Anschaffung dieses beeindruckenden Werkes schon des Überblickscharakters wegen lohnenswert, denn das Autorenpaar nimmt sich ausreichend Raum, um alle für ihre Überlegungen notwendigen Ansatzgedanken und Grundkenntnisse größtenteils gut verständlich darzustellen. So findet man durchaus umfassende Texte und Erklärungen zu Hirnforschung, Psychologie, Quantenphysik, Evolutionsbiologie, Bewusststeinsforschung oder Informationstheorie, teils in komprimiert konventioneller Darstellung, teils in veränderten Betrachtungsebenen. Die meisten Begriffe werden innerhalb des Buches erläutert und sehr anschaulich, lebendig und verständlich formuliert, so dass man außer einem gewissen wissenschaftlichen Grundverständnis keine wesentlichen Voraussetzungen für eine genüssliche und erhellende Lektüre benötigt; lediglich die Bereiche der Biologie und Hirnforschung sind allein wegen der vielen Fachbegriffe nicht ganz leicht zu verdauen. Wer es gern etwas genauer hat, kann sich an dem mathematisch-physikalischen Anhang gütlich tun, der zehn Themenbereiche wissenschaftlich genauer anreißt.

So umfassend die einbezogenen und fundierten Fachkenntnisse in „Der kreative Kosmos“ sind, so elementar und fundamental ist die darauf aufbauende Hauptaussage sowie die daraus folgende Modellbildung. Dass all dies neben dem fachlichen Anteil auf teils unkonventionell ansetzender und in „offenem Geist“ formulierter philosophischer und psychologischer Basis durchdacht ist, verleiht dem Werk eine basale, ausgreifende Bedeutsamkeit. Ich möchte dazu neigen, diesem wichtigen Buch eine noch umfassendere Brisanz und Gewichtigkeit als dem im Bereich der populärwissenschaftlichen Literatur schon legendären „Eine kurze Geschichte der Zeit“ von Stephen W. Hawking zuzusprechen, und es könnte ihm ein ähnlicher Erfolg beschieden sein. Leider scheint „Der kreative Kosmos“ vom Verlag ein wenig stiefmütterlich behandelt zu werden, was schon bei einem sehr oberflächlichen Lektorat beginnt und nicht zuletzt an der Aufmachung deutlich wird, welche die zwar zweckhaften, aber doch sehr rudimentären und, gerade im Vergleich mit oben genanntem Welterfolg, recht dürftig erscheinenden Grafiken bzw. Abbildungen wohl größtenteils den Autoren selbst und ihren Quellen überließ.

Wer neue und ungewöhnliche Denkansätze mag, auf naturwissenschaftlicher Basis philosophiert, gern sein Weltbild und auch sein Basiswissen erweitert, um zu einem besseren Verständnis von Information, Kosmos und Materie, Leben und Bewusstsein unter neuem Ansatzpunkt zu gelangen, der ist bestens beraten, sich dieser fabelhaften Arbeit zu widmen und an der Evolution eines lebendigen, kreativen Kosmos der Information teilzuhaben.

Aufgrund der umfassenden Thematik ist nachfolgend das ausführliche Inhaltsverzeichnis wiedergegeben:

Vorwort

1 Einleitung
1.1 Die Wahrnehmung von Ganzheit
1.2 Die Entwicklung zum Menschen
1.3 Die Rolle des Gehirns
1.4 Zerlegende und vereinheitlichende Wissenschaft
1.5 Schichtenstruktur der Naturbeschreibung
1.6 Der Zufall in der Naturwissenschaft
1.7 Geist und Bewusstsein, Leib und Seele
1.8 Die Einheit von Leib und Seele
1.9 Der Weg der universalen Evolution

2 Das Verschwinden des Geistes aus der Naturwissenschaft
2.1 Objektive Naturerkenntnis – Ausschaltung des Subjektes
2.2 Ist alles vorherbestimmt – auch unsere Erkenntnis?
2.3 Der Zusammenhang von Gehirn und Kosmos

3 Die kosmische Evolution: Der lange Weg vom Urknall zum menschlichen Gehirn
3.1 Kosmologie als notwendiger Teil empirischer Naturwissenschaft
3.2 Die kosmische Entwicklung: Vom Urknall zur Erde
3.3 Der Beginn der Evolution des Lebendigen
3.4 Die Sonderstellung des Menschen in der Evolution

4 Das Universum der Information
4.1 Was ist alles „Information“?
4.2 Information als Begriff der Physik

5 Die zentrale Rolle der Quantentheorie
5.1 Die Unterschiede zwischen klassischer Physik und Quantenphysik
5.2 Quantentheorie als Physik der Beziehung
5.3 Klassische und Quanteninformation

6 Von der Information der Schwarzen Löcher zur kosmischen Information
6.1 Schwarze Löcher – klassisch
6.2 Schwarze Löcher – quantentheoretisch
6.3 Anbindung der Information an die Kosmologie
6.4 Kosmische Information
6.5 Die Vereinheitlichungstendenzen der modernen Physik

7 Vom Schattenwurf zu den neuronalen Netzen – Abbildung als Informationsbearbeitung
7.1 Die Idee der Abbildung
7.2 Computer und künstliche neuronale Netze
7.3 Künstliche neuronale Netze als Modelle der natürlichen Neuronennetze

8 Der Weg von den neuronalen Netzen zu einer Biophysik des Geistes
8.1 Leben als makroskopischer Quantenprozess
8.2 Die biologische Erzeugung von Bedeutung
8.3 Das Gehirn als bedeutungsschaffendes Organ
8.4 Vergleich künstlicher neuronaler Netze und natürlicher Neuronennetze
8.5 Quantennetze: Ausblick auf den Geist

9 Die psychische Entwicklung des Individuums
9.1 Instinkte
9.2 Aspekte der Gehirnentwicklung
9.3 Die Entfaltung von Wahrnehmungsfähigkeiten
9.4 Affekte und Gefühle
9.5 Frühe Interaktionen gestalten den Kontext für Bedeutungen
9.6 Auswirkungen früherer Erfahrungen
9.7 Vom präsymbolischen zum symbolischen Denken
9.8 Sich selbst erkennen und den anderen

10 Das Zusammenwirken von Bewusstem und Unbewusstem
10.1 Die Wissenschaft entdeckt die Psyche
10.2 Sigmund Freud
10.3 Carl Gustav Jung

11 Wolfgang Pauli
11.1 Wolfgang Pauli als Physiker
11.2 Wolfgang Pauli und C. G. Jung: Die Suche nach dem Hintergrund

12 Das Ziel des Weges – von der kosmischen Information zur Einheit von Geist und Körper
12.1 Die Bindung von Wahrnehmungen zu Objekten und Ereignissen
12.2 Quanteninformation als Voraussetzung von Bewusstsein
12.3 Erleben und Bewusstsein
12.4 Das ausgedehnte reflexionsfähige Ich
12.5 Das Selbst
12.6 Die dynamische Schichtenstruktur und die psychischen Prozesse
12.7 Das Selbst und seine Beziehungsmöglichkeiten
12.8 Die Frage der Willensfreiheit

13 Rückblick und Ausblick
13.1 Rekapitulation des Erkenntnisganges – von der kosmischen Information zum Bewusstsein
13.2 Die Einheit von Leib und Seele
13.3 Die Freiheit des Menschen
13.4 Kultur als Teil der Natur
13.5 Ethische Folgerungen
13.6 Geist jenseits des menschlichen Gehirns?

14 Literatur

15 Mathematisch-physikalischer Anhang

Index

[Homepage von Thomas Görnitz]http://www.rz.uni-frankfurt.de/~goernitz/

Darin zusätzliche [Ausführungen der Autoren zum Buchkonzept]http://www.uni-frankfurt.de/fb13/didaktik/Goernitz__Veroeffentlichung.html

Anmerkung: Entgegen der Informationen bei Amazon und auf der Verlagsseite hat das Werk gebundene 407 Seiten, nicht nur 300.

Deschler, Netti, Kolb, u.a. – Skullcrusher – Your Skull Will Be Mine

„Liebe Freunde des Metals und der gepflegten Unterhaltung, ja es ist mal wieder soweit…… HEAVY METAL IS THE FUCKIN‘ LAW!!!!!“

Ich kann da beim Lesen des Vorworts, welches ich oben kurz zitiert habe, uneingeschränkt zustimmen, denn die 10. Ausgabe des legendären SKULLCRUSHER-Mags versprüht wieder massenhaft Metalvibes, ehrlichen Undergroundcharme, fundiertes Szenewissen und eine große Portion Humor.

Gehuldigt wird dieses Mal den Thrashgöttern EXODUS und OVERKILL, den Aufsteigern CHILDREN OF BODOM, den fantastischen CALLENISH CIRCLE, den unterbewerteten BRAINSTORM und den Altposern HELLOWEEN. Sehr interessant finde ich auch das Interview mit den mir bis dato unbekannten Schweizern von CRYPTIC VOICE sowie den aus dem Raum Wolfsburg stammenden WASTELAND. Sehr klasse, dass der Underground auch immer noch am Leben ist und von qualitätsbewussten Mags gefeatured wird. Das Interview mit Quorthon von BATHORY habe ich in ähnlicher Weise schon mal irgendwo gelesen und zeigt einfach nur, wie furztrocken, aber auch irgendwie cool der Typ ist.
Auch die SKULLCRUSHER-History-Story wird fortgeführt und entpuppt sich wieder einmal als amüsante(r) Rock’n’Roll-Geschichte (-Movie). Wo ist eigentlich der Kasten Bier, den man meiner Ansicht nach während des Lesens schlabbern sollte? Den gibt es leider nicht, dafür bekommt man aber einen CD-Sampler vom kleinen aber feinen Label Insanity Records: http://www.insanityrecords.de , der es wahrlich in sich hat, denn hier wird einem über 70 Minuten die Rübe geföhnt. Dafür verantwortlich sind Bands wie PROTOTYPE, DARCANE, POSITIVELY NEGATIVE, MINDSCAPE, EVERFLOW, AVANISH oder LUNACY, um nur einige zu nennen.

Bleibt als Fazit: Das Produzententeam Dachser, Hamburger Royal TS und Dominik hat wiedermal ganze Arbeit geleistet. Tolle Ausgabe.

Wer übrigens an der Aktion „Deutschland sucht den Metalstar“ teilnehmen möchte, der bewirbt sich schleunigst bei:

SKULLCRUSHER Magazine
c/o Harald Deschler
Jörgstr. 9
88410 Bad Wurzach

oder schaut mal unter:

http://www.skullcrusher.net

Barry, Max – Logoland

Max Barry, 1973 geboren, war Computerverkäufer für Hewlett-Packard, bevor er sich dem Schreiben widmete. Sein Debütroman „Syrup“, der hierzulande unter dem Titel „Fukk“ veröffentlicht wurde, wurde laut Verlag ein Bestseller. Für „Logoland“ haben sich demnach bereits Steven Soderbergh und George Clooney („Solaris“) die Rechte gesichert.

Zu „Logoland“ gibt es ein begleitendes Internetspiel des Autors, das man unter der Adresse http://www.nationstates.net findet. Jeder Spieler könne seinen eigenen Staat mit seinen eigenen politischen Idealen kreieren, heißt es in den Buchinfos.

Die Satire schildert eine nahe Zukunft, in der die globalen Multis das gesellschaftliche Leben übernommen haben und alles bestimmen: die neue Weltordnung ist in greifbarer Nähe. Doch freie Marktwirtschaft führt auch in letzter Konsequenz zur schärfsten Auseinandersetzung, wenn keine Regierung mehr vermittelnd eingreift.

Die Welt in wenigen Jahren: Die Vereinigten Staaten von Amerika haben ihr Territorium beträchtlich ausgeweitet. Dazu gehören jetzt die beiden Amerikas, Großbritannien, Indien, Russland, Japan und natürlich Australien. Die USA wiederum gehören keineswegs dem Volk und seiner gewählten Regierung, sondern vielmehr den multinationalen Konzernen – daher der Titel „Logoland“. Nur die EU und der schwarze Kontinent sowie der Orient leisten noch hartnäckigen Widerstand. (Die geografischen Verhältnisse sind auf einer Landkarte im Buch dargestellt.)

Die Konzerne treten als Sponsoren auf. So etwa gibt es Kindergärten und Schulen, die komplett von Mattel oder Microsoft geleitet und finanziert werden. Das Gleiche gilt für Straßen und Gesundheitsdienste: Ohne Cash (= Kreditkarte) kein Service. Die Regierung und die Kommunen sind einfach zu pleite, um diesen Job zu übernehmen. Es gibt nämlich keine Steuern mehr – wozu auch? Auch die Polizei wurde inzwischen privatisiert; das kann groteske Folgen haben. Die National Rifle Association (NRA) bildet inzwischen eine weltweit operierende Privatarmee, die gerne auch „Freischaffende“ engagiert und für jeden, der zahlungskräftig genug ist, Aufträge ausführt.

Hack Nike – alle Mitarbeiter in Logoland tragen automatisch den Firmen- als ihren Nachnamen – hat einen großen Fehler gemacht. Wieder einmal. Hack ist eigentlich für das Merchandising zuständig, doch zum Wasserlassen hat er sich in die Etage der Marketingfritzen gewagt. Dort wird er sofort von John Nike, dem Oberbösewicht des Romans, erspäht und für einen ungewöhnlichen Auftrag rekrutiert. Um seinen Job zu behalten, unterschreibt Hack einfach, was John ihm vorlegt. Wenige Minuten später ahnt Hack bereits, dass auch dies wohl ein Fehler war. Sein ganzes Leben scheint daraus zu bestehen.

Und das ist Hacks Job: Sportschuhhersteller Nike will einen sauteuren Schuh auf den Markt werfen, der pro Paar 2500 Dollar kosten soll. Null problemo, denn die Kids sind verrückt nach Nike’s Produkten. Um die „Street Credibility“ (Glaubwürdigkeit, Prestige) des Nike Mercury zu erhöhen, soll Hack bei der Markteinführung lediglich zehn Teenager töten. Sie starben für ihren Fetisch, soll es später heißen. Doch Hack hat noch nie einen Menschen getötet, könnte das auch gar nicht, wenn er seiner Freundin Violet glaubt.

In Logoland kann er diesen Auftrag ohne weiteres „outsourcen“: Er geht zur Polizei von Melbourne. Senior Sergeant ist auch gar nicht abgeneigt, gegen ein kleines Entgelt von 130 Mille den Job auszuführen. Doch niemand bei der Polizei will sich an so etwas die Finger schmutzig machen, und so wird der Auftrag erneut outgesourct: an die NRA. Die Waffenlobby und Privatarmee hat für so etwas genau die richtigen Leute. Leute wie Billy etwa, die eigentlich nur in Neuseeland Ski laufen wollten, aber dann doch wegen ihrer Zielsicherheit rekrutiert wurden.

Es kommt, wie es kommen muss: Am Tag der Markteinführung der Nike Mercurys werden in Melbournes Einkaufsmeile junge Menschen sterben. Zum Glück gibt es noch die Regierung – so unglaublich das klingen mag. Auch hier gilt das Namensprinzip, wonach ihre Mitarbeiter, die „Agenten“, statt des Familiennamens den Zusatz „Government“ tragen (daher auch der Original-Titel). Jennifer Government ist ein echte Powerfrau, die in jeder Situation automatisch die Leitung übernimmt. Und wie sich herausstellt, hat sie mit John Nike noch ein Hühnchen zu rupfen: Ihre Tochter ist sein Kind, das er nicht haben wollte.

Am Mercury Day also versucht Jennifer Government den Mord an zehn Teenagern zu verhindern und die Drahtzieher des Anschlags ausfindig zu machen. Wird es ihr gelingen?

So viel zu den ersten 50 Seiten. Der Rest des Buches wird noch wesentlich besser. Denn John Nike hat kapiert, was die ultimative Konsequenz aus der neuen Weltordnung ist: Krieg. Und warum sollte er nicht als neuer Weltpräsident daraus hervorgehen? Es kommt eben auf das richtige Marketing an, und dafür ist er mit seiner Guerillataktik genau der richtige Mann. Wenn nur nicht Jennifer Government wäre, seine Nemesis.

Im Verlauf der Handlung kristallisiert sich heraus, dass es in Logoland USA zwei konkurrierende Treuegesellschaften gibt, also etwas wie „Miles & More“ von der Lufthansa. United Alliance hat 500 Mio. Mitglieder, Team Advantage „nur“ 290 Mio. Mitglieder. Die beiden Systeme ersetzen die alten Machtblöcke Kapitalismus vs. Sozialismus, denn wer dem einen Block angehört, bekommt keine Services vom anderen Block. Und Konzerne wie IBM oder Nike gehören entweder dem einen oder dem anderen Block an. So kommt es, dass im turbulenten Finale des Romans ein Geschäft von Burger King im Auftrag von McDonald’s von der NRA per Raketenangriff pulverisiert wird. Geschäft ist eben Krieg. Buchstäblich. Man sollte das Wort „Konsumterror“ endlich ernst nehmen.

Die Tatsache, dass die Kapitel und ihre Unterabschnitte äußerst kurz sind und an die Dimensionen eines James-Patterson-Krimis erinnern, trägt stark zur Lesbarkeit des Buches bei. Die einzige Möglichkeit, mit dem Lesen innezuhalten, bilden die fünf großen Buchteile: eine Pause von immerhin zwei bis drei Seiten. Da der Text zu 90 Prozent aus Dialog besteht, liest sich der Roman wie das Drehbuch zu einem noch nicht realisierten Film.

Dieser Film, den ja Clooney & Soderbergh planen, würde wesentlich weiter über die schöne neue Konsumwelt von „Minority Report“ hinausgehen. In der von Spielberg adaptierten Vision des Jahres 2054 wird jeder Bürger per Netzhautabtastung erkannt und sofort mit personalisierten Lokal-Services bestürmt: „Besuchen Sie The Gap!“ „Nutzen Sie unsere halbstündigen Sonderangebote jetzt, Mister Anderton!“ In Logoland könnte Mr. Anderton mit seiner Treuekarte nur noch bei bestimmten Herstellern kaufen. Alle seine Bewegungen würden von Videokameras überwacht und aufgezeichnet, seine Kreditwürdigkeit würde in Sekundenschnelle feststellbar sein. Die Wunder der EDV machen dies bereits jetzt möglich. Auch der Computervirus, der im Buch von einem Konzern gegen den anderen eingesetzt wird, wäre wohl bereits jetzt möglich. Immerhin hat sich der Autor kompetent beraten lassen, wie man aus seiner eloquenten Danksagung erfährt, und vermeidet erfolgreich die gröbsten Schnitzer.

Eine ganze Reihe von Near-future-Szenarien wie „Logoland“ existiert bereits, und einige davon sind sogar satirisch aufgezogen. Doch leider fehlt ihnen einerseits der Biss und die Glaubwürdigkeit der Vision, weil sie sich nur auf bestimmte Ausschnitte der beschriebenen Realität beschränken. Zum anderen kommt häufig die menschliche Wärme zu kurz und die Möglichkeit, dass sich Menschen im Laufe der Zeit grundlegend ändern können. Schließlich sind Menschen doch lernfähig, oder?

Es gibt in Logoland einige Figuren, die sich radikal ändern, meist zum Besseren. Dazu gehört Hack Nike. Am Anfang nur ein Jammerlappen und Loser, wie er im Buch steht, entwickelt er sich durch die Fürsorge und Liebe einer Frau, Claire, zu einem Rebellen, der sich sogar gegen John Nike zu behaupten vermag. Wer hätte das gedacht. Wie in einem Roman von John Brunner (ich denke an „Der Schockwellenreiter“ und „Schafe blicken auf“) wird er zu einem Aktivisten, der seine Mitmenschen zu mehr Bewusstheit verhelfen will: Er manipuliert Werbeplakate und überfällt sogar einen McDonald’s. Leider hat er es auch in Nike Town schwer, den Kids, die bereits alles gewöhnt sind, was an Promotion auf sie losgelassen wird, klarzumachen, dass er keine Werbefritze ist, sondern ein Kritiker. Erst als die Kids bemerken, dass er KEINE LOGOS trägt, ist er glaubwürdig!

Ebenso positiv entwickelt sich der Börsenmakler Buy Mitsui. Er schafft gerade noch sein Plansoll und hat nach dem Nike-Town-Zwischenfall, in den er gerät, eine Art Burnout. Er kann sich zu nichts mehr aufraffen, das nach Geschäft riecht. Nicht einmal einen 45er Colt kann er richtig bedienen, um sich damit umzubringen. Über Umwege wird er von Jennifer Government quasi als Babysitter und Ersatzvater ihrer Tochter Kate adoptiert. Im Beisammensein mit dem Mädchen und in der Fürsorge blüht er richtig auf. Als Kate von John Nike entführt wird, muss er all seinen Einfallsreichtum aufbieten, um die Lage, d.h. sein Leben zu retten.

John Nike hingegen ist so ‚was von zielbewusst und skrupellos, dass er schon wieder als Verkörperung des Bösen erscheint. Dieses Urteil würde ihm aber keine Gerechtigkeit widerfahren lassen: Er ist lediglich ein zielbewusster Marketingheini, der weiß, was auf dem Personalmarkt gebraucht wird und was er dadurch erreichen kann. Er erklärt zum Beispiel den US-Präsidenten für abgesetzt, weil der eh nichts zu sagen habe. Es lebe das freie Spiel der Marktkräfte! Der Rest des Buches besteht daraus aufzuzeigen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben. Sie sind keineswegs angenehm: NRA-Heckenschützen, Virenattacken und NRA-Raketenangriffe sind die nunmehr legalisierten Auswüchse des „Laissez-faire“, das John Nike erklärt hat.

Kostprobe gefällig? John Nike: „Demokratie ist ein einziger Schwachsinn, Li.“ [NRA-General] Li setzte sich. „Wir beim Militär haben schon immer die Demokratie abgelehnt.“ – „Sehr vernünftig“, sagte John. „Also gut, reden wir über Panzer.“

Natürlich wird „Logoland“ das, was eine Satire seit jeher beabsichtigt: eine Warnung an die Lebenden. Durch absichtliche Übertreibung von bestehenden Entwicklungen und Auswüchsen entsteht ein Zerrbild, in dem sich eine mögliche Zukunft abzeichnet, wenn keine Maßnahmen eingeleitet werden, um sie zu verhindern. Manche Satiren übertreiben es (s.o.) in dieser Hinsicht, sind bierernst oder gar statisch. „Logoland“ schafft es gerade noch, auf dem Teppich zu bleiben. Sein Dystopia ist bereits zum Greifen nahe. Amerikanisches Expansionsstreben hat sich im Irak wieder einmal bewiesen. Aber geografische Expansion ist nichts gegen die globale Expansion der US-Konzerne, auch und gerade in Deutschland. Und diese Konzerne sind keineswegs Freunde der Gewerkschaften, sondern operieren – wie mehrfach im Roman – nach dem Prinzip „hire and fire“.

Neben der Funktion des Warnschildes soll eine Satire aber noch mehr können: Es sollte Spaß machen, sie zu lesen. Die überspitzten Dialoge und die grotesken Verhältnisse, die der Autor schildert, liefern so manchen Aha-Effekt und lassen den Leser manchmal, besonders am Anfang, lauthals auflachen. Bis irgendwann der Punkt kommt, an dem man der Groteske Glauben schenkt und einem das Lachen im Halse stecken bleibt. Spätestens dann sollte der Roman auch spannend werden. Und das ist „Logoland“ ebenfalls – bis zur letzten Seite des Hauptteils. (Der Epilog beleuchtet das weitere Schicksal von John Ex-Nike.) Ich zumindest habe das leicht lesbare Buch in zwei Tagen verschlungen.

„Logoland“ ist beides: ein actiongeladener, geradezu rasanter Wirtschaftsthriller, aber auch eine Charakter- und Gesellschaftsstudie. Der schier atemlose, dialoglastige Text macht das Lesen leicht, doch sollte man dabei die zahlreichen intelligenten und mitunter witzigen Ideen nicht übersehen, die dem australischen Autor eingefallen sind.

Statt an Philip K. Dick hat mich „Logoland“ weitaus mehr an den Schotten Irvine Welsh („Trainspotting“) und den Manchester-Briten Jeff Noon („Alice im Automatenland“, „Gelb“, „Pollen“, „Nymphomation“) erinnert: der gleiche Einfallsreichtum, der gleiche Mut zur Groteske, nur diesmal übertragen auf die Wunderwelt der Globalwirtschaft. Logoland, wir kommen!

_Michael Matzer_ © 2003ff

Mankell, Henning – Hunde von Riga

Neun Bände umfasst inzwischen die Krimiserie um Kurt Wallander, dem dauer-Kaffee-trinkenden schwedischen Polizisten, dessen Erfolg mit dem „Mörder ohne Gesicht“ begann. Laut seinem Schöpfer, Henning Mankell, ist damit das Ende der Serie beschlossen, allerdings scheint Wallanders Tochter Linda in seine Fußstapfen treten zu wollen, wie der neueste Krimi „Vor dem Frost“ vermuten lässt..
Mankell, geboren 1948 in Härjedalen, Nordschweden, geht mit 17 Jahren nach Stockholm und lernt dort am Riks-Theater Regie führen. Kurz darauf beginnt er zunächst über gesellschaftliche und politische Themen zu schreiben. Nach einer Afrikareise, 1972, widmet er seine nächsten Werke den Themen Arbeiterbewegung, Imperialismus und Klassenkampf. Sein erster Roman „Das Gefangenenlager, das verschwand“ erscheint 1979.
Mankell teilt sein Leben zwischen Afrika und Schweden auf; in Afrika unterstützt er den Aufbau eines Theaters und engagiert sich mit der Hilfsorganisation „Ärzte ohne Grenzen“, in Schweden arbeitet er als Schriftsteller und in verschiedenen Theatern als Intendant und Regisseur.

Nun liegt mir mit „Hunde von Riga“ der zweite Wallander-Roman vor, ein Buch, das sich ebenfalls deutlich dem politischen Thema widmet. Geschrieben 1992, führt Mankell sich die schwierige Situation der östlichen Länder zu Gemüte, im Besonderen jene von dem immer noch unter sowjetischen Einfluss stehenden Lettland. Kurt Wallander taucht dort in ein Nest von Verschwörung, Korruption und Armut ein, das er nur schwer begreifen kann.
Beginn ist das Auftauchen eines Rettungsbootes am schwedischen Strand, das zwei Leichen und unzählige Fragen mit sich bringt, zumal ein anonymer Anrufer dieses Geschehen voraus gesagt hatte. Die Männer wurden gefoltert und hingerichtet, dies ist Wallander schnell klar, doch die Identität bleibt ein völliges Rätsel. Immerhin ergibt die Obduktion, dass es sich nicht um Schweden, sondern wahrscheinlich um Russen handelt, und das Boot wird als ein jugoslawisches Exemplar erkannt, was die Einmischung des Außenministeriums zur Folge hat. Dieses nimmt Kontakt mit der baltischen und der sowjetischen Polizei auf, und tatsächlich wird mit einem Anruf von Major Liepa aus Riga, Lettland, die Identitäten der Männer aufgedeckt, allerdings bleibt das Mordmotiv weiterhin unbekannt.
Major Liepa fliegt in Schweden ein, um Wallander bei den Ermittlungen behilflich zu sein. Wallander, dessen politisches Wissen in Bezug auf Lettland und Sowjetunion alles andere als ausreichend ist, lernt durch Liepa den Freiheitsdrang der Letten näher kennen. Schon nach kurzer Zeit empfindet er einen tiefen Respekt für seinen lettischen Kollegen und dessen Arbeitsweise. Dann wird der Fall nach Riga abgegeben und für Wallander scheint dies das Ende der Ermittlungen zu sein, worüber er nicht gerade unzufrieden ist.
Als ihn die Nachricht erreicht, dass Major Liepa am Tag seiner Rückkehr ermordet wurde, wird er nach Riga gerufen, um Liepas Vorgesetzten bei der Aufklärung zu helfen. Doch Ungereimtheiten fallen ihm ins Auge: der Tatort wurde unzulänglich untersucht, es gibt keine schriftlichen Berichte vom Major über seine Arbeit in Schweden, Wallander selbst wird beschattet und abgehört.
Als die Ehefrau des Majors heimlich Kontakt mit ihm aufnimmt und ihm anvertraut, dass der Major einer Gruppe angehörte, die für die Freiheit und Unabhängigkeit Lettlands kämpft, und dass sie einen der Vorgesetzten von Liepa des Mordes an dem Major verdächtigen, wird Wallander langsam klar, in welchen gefährlichen, fast überkochenden Kessel er da geraten ist.

Aus der Sicht eines unwissenden, alternden Polizisten zeichnet Mankell mit genauem, stechendem Blick ein Horrorszenarium, das unter die Haut geht. „Hunde von Riga“ ist sowohl ein spannender Krimi als auch der Versuch, die politische und menschliche Situation eines Landes zu verstehen, das durch die Besetzung mit russischen Truppen seiner Unabhängigkeit beraubt wurde und nun die Chance sieht, diese wieder herstellen zu können. Eine Zeit des Umbruchs und eines drohenden Bürgerkrieges, in der die Mafia, korrupte Polizisten und Drogenhandel eine bedeutende Rolle spielen.
Mankell lässt seine Charaktere wie guten Wein geduldig reifen, gibt jedem eine kleine, persönliche Note und erzählt in einfachen, deutlichen und fesselnden Worten die Geschichte eines Mannes, der seines Berufes überdrüssig ist, aber einfach nicht aufhören kann, der seine Tochter viel zu selten sieht, der große Probleme mit seinem Vater hat und der sich in eine Frau verliebt, für die er selbst seine Existenz aufs Spiel setzt, obwohl ein Zusammensein unerreichbar scheint.
Unglaubliche Spannung, eine teilweise schwermütige Atmosphäre und eine bewundernswerte, erzählerische Intensität katapultierten dieses Buch berechtigterweise in die Bestsellerlisten und bei mir in die Favoritenabteilung. Ein unbedingtes und ohne Diskussion notwendiges Muss für alle Krimileser!

Leseprobe:
„Obwohl es mitten am Tag war, befanden sich nicht viele Menschen auf der Straße. Wallander näherte sich langsam dem Haus, das Major Liepa an jenem Abend verlassen hatte, als er zu seinem letzten Spaziergang aufbrach. Ihm fiel ein, dass Rydberg einmal gesagt hatte, ein Polizist müsse manchmal wie ein Schauspieler sein und das Unbekannte mit Einfühlungsvermögen erkunden. Einem Täter oder Opfer unter die Haut kriechen, sich Gedanken und Reaktionen vorstellen. Wallander ging zur Eingangstür und öffnete sie. Im Treppenhaus war es dunkel und ein beißender Uringestank schlug ihm entgegen. Er ließ die Tür los, die sich mit einem schwachen Knacken fast lautlos wieder schloss.
Woher die Eingebung kam, konnte er nicht sagen. Aber als er dort stand und in das dunkle Treppenhaus starrte, schien er plötzlich deutlich vor sich zu sehen, wie alles zusammen hing. Ein kurz aufflackerndes Bild, das unmittelbar darauf wieder erlosch. Es war entscheidend, dass er sich an alle Einzelheiten erinnerte. Es muss vorher schon etwas geschehen sein, fuhr es ihm durch den Kopf. Als Major Liepa nach Schweden kam, war bereits viel passiert. Das Rettungsboot, das Witwe Forsell bei dem Mossby-Strand entdeckt hatte, war nur Teil eines Ganzen, dem Major Liepa auf die Spur gekommen war. Das war es, was Upitis wissen wollte, als er seine Fragen stellte. Hatte Major Liepa sich ihm anvertraut, hatte er darüber gesprochen, dass er von einem Verbrechen in seiner Heimat etwas wusste oder ahnte? Wallander wurde schlagartig klar, dass er bisher einen Gedankenschritt übersprungen hatte, den er schon früher hätte erkennen müssen. Wenn Upitis mit seiner Vermutung Recht hatte, dass Major Liepa von jemandem aus seinen eigenen Reihen verraten worden war, vielleicht von Oberst Murniers, lag es dann nicht auf der Hand, dass sich außer Upitis noch andere Leute dieselbe Frage stellten? Was weiß eigentlich der schwedische Polizist Kurt Wallander? War es möglich, dass Major Liepa ihm etwas anvertraut hatte?
Wallander wusste jetzt, dass die Angst, die er in Riga schon mehrmals verspürt hatte, ein Warnsignal gewesen war. Vielleicht sollte er wachsamer sein als bisher? Es bestand kein Zweifel, dass die Verantwortlichen für die Morde an den Männern im Rettungsboot und an Major Liepa nicht zögern würden, noch einmal zu töten.“

Homepage von „Kurt Wallander“: http://www.wallander-web.de

Kronlob, Lars – Magie des Seins, Die

Spirituelle Menschen und Esoteriker betrachten unsere Zeit als eine Phase des Umbruchs, die den Weg ins Neue Aeon, das Horus- oder Wassermannzeitalter, öffnet und unser Wirken in sowie unsere Wahrnehmung von der Welt grundlegend umstrukturiert. Die Symbiose verschiedener spiritueller Systeme, das Zerfließen starrer Grenzen und die Vernetzung an gemeinsamen Knotenpunkten sind deutlich wahrnehmbare Aspekte dieses Wandels. Lars Kronlob widmet sich in seinem aktuellen Buch „Die Magie des Seins“ einer besonders für Einsteiger und Interessierte gut geeigneten Darstellung der meisten bei uns dominanten spirituellen und weltanschaulichen Strömungen, um dem Leser zum einen Einblick in die Grundzüge dieser Systeme zu geben, zum andren aber auf Gemeinsamkeiten aufmerksam zu machen, die ganz klar zeigen, dass scheinbar unabhängige und nach noch immer verbreiteter Auffassung klar unterschiedene Wege letztlich benachbarte Verzweigungen zu gleichen Zielen beschreiten.

Teil 1 des Buches steigt mit philosophischen Grundsatzbetrachtungen ein, die sich des Wesens des Seins, der Existenz annehmen und sich mit freiem Willen und bewussten Wahlmöglichkeiten befassen. Dazu zählen unter andrem Betrachtungen zur Unterscheidung und Polarität, zum Wesen und Prinzip der Magie und Metaphysik sowie der Methodik von Sein und Handeln. (Für Neueinsteiger in diese Materie: Der Begriff der Magie hat nichts mit Hokuspokus-Simsalabim zu tun, nicht wahr, ebenso wenig, wie sich das vorliegende Buch mit Licht-und-Liebe-Kristallkugel-Esoterik befasst.)
Da die Einfachheit der Dinge und Zusammenhänge ebenso zum hier dargelegten Weltbild gehört, befleißigt sich Kronlob einer sehr gut verständlichen, einfachen Überblicksdarstellung ohne Schnörkel und unverständliche Fachausschweifungen.
Eines der Basiswerke der hermetischen Philosophie, die Tabula Smaragdina, wird in Grundzügen vorgestellt und inhaltlich analysiert. Die Übersetzung stammt hierbei übrigens, ebenso wie beim angeführten „Haute Magie“ von Éliphas Lévi, von Lars Kronlob selbst; eine vorbildliche Arbeitsweise.
Da auch der gern zitierte Paradigmenwechsel in der Wissenschaftswelt für eine Verschiebung des philosophischen Weltbildes verantwortlich zeichnet, geht der Autor in diesem Zusammenhang ebenfalls auf die Wissenschaftsproblematik und grundlegende Neuerkenntnisse ein, die prägende Wirkung hatten und haben (Planck, Einstein, Heisenberg, Tipler, Hawking u.a.).
Um Möglichkeiten zur Veränderung einzuleiten, bleibt eine kritische Betrachtung und psychologische Sezierung der christlichen Kultur, starrer Strukturen, Konditionierungen und der nur auf dem Papier bestehenden Religionsfreiheit nicht aus; hierbei verweist Kronlob u.a. auf die exzellenten Betrachtungen von Whitehead.
Gesellschaftsphilosophisch gesehen, wird die Möglichkeit eines anarchistischen Ansatzes angerissen, der wohlgemerkt nichts mit Chaostagen und linksradikalen Auswüchsen zu tun hat.

Damit wäre ein Überblick über die wichtigsten Geisteswerkzeuge des Neuen Aeons gegeben. Im zweiten Teil des Buches werden die wesentlichen Strömungen dieser Wegrichtung beleuchtet und knapp umrissen, als da wären: der viel umstrittene, oberflächlich pauschalisierte und stets unrechtens verleumdete Satanismus; der Weg von Thelema, des Gesetzes von Aiwaz, vornehmlich durch A. Crowley voran getragen; Chaosmagie, ein moderner, unorthodoxer Ansatz der magischen Arbeit; Ásatrú, die Treue zu den Asen und nordischen Traditionen; Hexentum und Wicca, die derzeit geradezu in eine emanzipatorische Modeerscheinung ausarten.

Auch ohne dass letztlich eine explizite Synthese erfolgt oder ein summierendes Modell vorgestellt wird, werden die Gleichartigkeiten, Gemeinsamkeiten und Grundsätzlichkeiten der Wege ins Neue Aeon klar deutlich. Wer bereit ist, neue Pfade zu beschreiten, sich von Konventionen und geistiger Knechtschaft zu befreien, seinen Willen zu ergründen und zu tun, der findet in diesem sehr liebevoll gestalteten und ausgeschmückten Band zahlreiche Ansätze und Denkanstöße, die mächtens sind, den Konsum- und Obrigkeitssklaven aus dem Tiefschlaf wachzurütteln und alternative Betrachtungs-, Denk- und Handlungsweisen freizulegen. Ein solides Einsteigerwerk mit wichtigen Grundgedanken über Welt und Wirken, das ich den Interessierten als Überblicksbetrachtung nur wärmstens empfehlen kann – und ich hoffe, dass die Lektüre dazu anregen kann, sich eingehender in der Fachliteratur mit den hier vorgestellten Wegen zu beschäftigen, denn ein Neues Aeon lässt sich nur gemeinschaftlich erschaffen.

Homepage des Verlages: http://www.esoterick.de
Homepage des Autors: http://www.LarsKronlob.de
[Inhaltsverzeichnis]http://www.larskronlob.de/esoterick/inhaltmagiedesseins.htm
[Leseprobe aus Teil 1]http://www.larskronlob.de/esoterick/leseprobemagiedesseins.htm

Randi, James – Lexikon der übersinnlichen Phänomene

James „The Amazing“ Randi, Preisträger des MacArthur Genius Award, kann auf eine beachtliche Karriere als Zauber- und Entfesselungskünstler verweisen, ist aber seit geraumen Jahren vor allem als führender Vertreter der Skeptikerbewegung bekannt und tat sich hervor, indem er das Wirken von Sonderlingen wie Uri Geller durchleuchtete und bloßstellte. Aufmerksamkeit erhascht er seit einigen Jahren vor allem durch seine fragwürdige Aktion, eine Million Dollar für die unwiderlegbare Präsentation eines paranormalen Phänomens ausgesetzt zu haben. Diese Summe dürfte er verschmerzen können; allein sein Dutzend Buchveröffentlichungen findet reißenden Absatz in der Gemeinschaft seiner Glaubensbrüder. Im deutschsprachigen Raum ist kürzlich das „Lexikon der übersinnlichen Phänomene“ erschienen, das ich etwas näher betrachten möchte und dessen skeptischem Inhalt ich ausgesprochen skeptisch entgegen trete.

Die Irritationen beginnen bereits beim Titel und seinem Anspruch. Im Deutschen als „Lexikon der übersinnlichen Phänomene“ betitelt, lautet die 1995 entstandene und 1997 erschienene Originalfassung „An Encyclopedia of Claims, Frauds and Hoaxes of the Occult and Supernatural“, eine deutlich abweichende Gewichtung, wie ich finde, die in der deutschen Fassung falsche Erwartungen wecken und voreilige Käufer unangenehm überraschen dürfte. Der Untertitel „Die Wahrheit über die paranormale Welt“ ruft einiges Stirnrunzeln bei mir hervor, denn abgesehen von dem damit postulierten Wahrheitsanspruch – jubilieret, endlich wieder jemand, der die viel zitierte Wahrheit kennt und durchschaut hat – wird die Erwartungshaltung noch zusätzlich in eine falsche Richtung gelenkt; im Gegensatz zum Originaltitel, der sich zumindest noch größtenteils mit dem tatsächlichen Inhalt deckt. Der Anspruch, sich als „Enzyklopädie“ oder „Lexikon“ bezeichnen zu dürfen, ist allerdings in beiden Fällen überzogen – und bei einem Einzelautoren ohnehin fragwürdig – und nicht gerechtfertigt, und das betrifft die Ebenen von Sachlichkeit, Objektivität, Umfang, Betrachtungstiefe, Vollständigkeit und Qualität.

In dieser eher als Kommentarsammlung zu betrachtenden Veröffentlichung geht es saftig skeptisch zur Sache. Was das anbelangt, bekommt das Buch durchaus seinen Existenzberechtigungsschein genehmigt und hätte eine solide Angelegenheit werden können, wenn Randi bei Themen geblieben wäre, von denen er konkret etwas versteht und die er gründlich recherchiert hat. So wären Entlarvungen von Spiritisten, Medien, Hochstaplern etc. garantiert in einen Bereich gefallen, zu dem Randi gerade als Zauberkünstler etliche fundierte Beobachtungen und Anmerkungen anbringen kann. Diese Themen werden im Buch auch angesprochen, die biographischen Ausführungen zu derlei Persönlichkeiten sowie einige Erklärungen zu besonders häufigen Tricks und Fehlannahmen stellen auch die wenigen Lichtblicke des „Lexikons“ dar. Außerdem dürfte für Leser, die selbst passionierte und glaubensfundamentierte Skeptiker sind, der überaus zynische, ironische und abfällige Tonfall, der das Buch durchzieht, eine echte Wonne sein; auf sachlicher Ebene ist diese Form allerdings völlig unangemessen und klar am Ziel vorbei kalkuliert. Das reicht höchstens, um sich unter Gleichdenkenden gegenseitig amüsiert bestätigend auf die Schulter zu klopfen, so wie es bei diesem Buch allein schon durch die Anmerkung von Isaac Asimov und das Vorwort von Arthur C. Clarke geschieht, ein Gespann, das sich in dieser Schulterklopferei schon seit langer Zeit genüsslich übt.
Es stellt sich bei der herablassenden Art und Weise direkt die Frage, für wen das Buch gedacht ist. Bei Berufs-Skeptikern reichen die hier verkündeten Wahrheiten nämlich höchstens für ein süffisantes „Ich hab’s schon immer gesagt“, bei noch schwankenden oder allzu leichtgläubigen Menschen, die sicher einigen Nutzen aus diversen Buchanteilen ziehen könnten, dürfte der Stil und die Art der Themenbehandlung sehr schnell abschreckend wirken.
Außerdem leiden selbst die vernünftig ansetzenden Passagen unter dem sich durchziehenden Makel der Oberflächlichkeit, subjektiven Auswahl und bruchstückhaften Darstellung. Oftmals ist nicht einmal klar, aus welchem Grunde bestimmte Schlagworte Einzug in die Sammlung fanden oder nach welchem Kriterium hier überhaupt ausgewählt wurde, manche Stichworte sind nicht mehr als hingeworfene Stichpunktbrocken, die zudem auch noch einzelne Teilaspekte aus dem Gesamtbegriff herauspicken. Zu einem klaren Kopfschütteln führt nach der Lektüre folgende Vorbemerkung Randis:
„Ich bin aufrichtig bemüht gewesen, mich bei der Zusammenstellung dieses Buches nicht dogmatisch auszulassen. Sollten in einzelnen Artikeln persönliche Ansichten – statt rein sachlicher Darstellungen – eingeflossen sein, bitte ich diese Aufdringlichkeit zu entschuldigen.“ Es tut mir leid, aber das ist schlichtweg lächerlich und entweder bewusst geheuchelt, ironisch gemeint oder aus mangelnder Selbsterkenntnis heraus formuliert. Das Buch besteht praktisch aus kaum etwas anderem, wobei auch hier völlig unklar ist, warum manche Einträge tatsächlich eine rein faktische Kurzdarstellung sind, andere mit ähnlichem Inhalt dagegen direkt ins Lächerliche gezogen und unsachgemäß abgehandelt werden. Willkür, Sprunghaftigkeit, Inkonsistenz, die angesprochene Oberflächlichkeit, Knappheit, Überheblichkeit und Wahrheitsansprüche ließen meine noch so bemühten Versuche, der Betrachtungsweise des Autoren zu folgen, versauern und führen letztlich dazu, dass ich auch die vernünftigen und sinnvollen Beiträge nicht mehr ernst nehmen kann und dem Skeptiker mit massiver Skepsis entgegen treten muss, wie schon eingangs angemerkt.

Als kleiner Einschub sei hier eine Kostprobe von Randis objektiver Logik kredenzt:
„Glauben Sie, dass Homöopathie okay ist, wenn sich jemand dadurch besser fühlt, auch wenn es nur im Geiste ist?“
Randi: „Auch durch Heroin fühlen sich die Leute besser, aber ich würde nicht empfehlen, Heroin zu nehmen.“
Man mag mir verzeihen, aber dieser völlig stumpfsinnige Vergleich ist jeden weiteren Kommentars unwürdig.

Ich möchte zur Verdeutlichung meines Eindrucks eine frei herausgegriffene Anzahl von Fallbeispielen aus dem Buch zitieren und kommentieren, die wiederum eher unbeabsichtigt mein Amusement hervorriefen (denn sich über derart geballte Schwachmatik zu ärgern hieße, derlei Äußerungen mehr Energie und Aufmerksamkeit zu widmen, als sie tatsächlich wert sind):

Um bei obigem Zitat zu bleiben, dessen Thema auch im Buch angesprochen wird, sei auf die Untersuchungen zur Homöopathie von Dr. Masuro Emoto (Untersuchungen der individuellen Kristallstruktur von Wassermolekülen) verwiesen sowie auf Arbeiten von Dr.rer.nat. Wolfgang Ludwig, des Schweizer Chemikers Louis Rey oder jene einiger Wissenschaftler des Kwangju Institute of Science of Technology in Korea; einige Artikel dazu waren beispielsweise auch hierzulande in der Bild der Wissenschaft nachzulesen. Die Sachlage ist bei der Homöopathie alles andere als geklärt.
Ein echter Schenkelklopfer ist der Kommentar zur Homöopathie: „Einziges Ziel der Homöopathen ist es, die Symptome einer Krankheit zu behandeln – nicht ihre Ursachen, die sie nicht anerkennen. Deshalb fällt die Homöopathie korrekterweise in den Bereich der Magie. Und der Quacksalberei.“ Köstlich. Wie die meisten aufgeschlossenen Mediziner bestätigen dürften, behandelt der Großteil schulmedizinischer Arzneien ebenfalls nur das Symptom von Krankheiten und löst nicht das ursächliche Problem (und versteht dieses zumeist gar nicht erst, so weit ist die Medizin noch nicht gediehen). Damit wissen wir ja nun, wo die Schulmedizin einzuordnen ist.
Ähnlich putzig sind die Ausführungen zum Begriff „Wissenschaft“: „Wahre Wissenschaft erkennt ihre eigenen Mängel. Diese Bereitschaft, die eigenen Grenzen, Fehler und das Vorläufige aller Schlussfolgerungen anzuerkennen, macht eine ihrer Stärken aus. Auf die Vorteile dieses Verfahrens verzichten müssen jene, die Wissenschaft zu betreiben vorgeben, aber es nicht wirklich tun: die zahlreichen produktiven Pseudowissenschaftler und die Spinner.“ Sehr amüsant, vielleicht sollte sich der gute Mann einmal in der Realität der „wissenschaftlichen“ Inquisition umsehen.

Unter dem Begriff „Abrakadabra“ lesen wir: „Name der höchsten Gottheit der Assyrer“. Das ist unbelegter Blödsinn, wenn man mich fragt. Die hier erwähnten Bezüge zu Amuletten etc. sind vielleicht auf die gnostische Gottheit „Abraxas“ zurückzuführen, die ebenfalls nur eine abgeschliffene Namenskürzung ist. „Abraxas“ kann in diesem „Lexikon“ übrigens auch nachgeschlagen werden, hier findet aber interessanterweise kein Rückverweis oder eine Verbindung statt. Amüsanterweise findet sich später im Lexikon der Eintrag „Marduk: In der assyrischen Mythologie der Gott der Götter…“. Oh, also doch. Ja, was denn nun? Ethymologisch lässt sich das „Abrakadabra“, das eigentlich ein „abrahadabra“ ist, übrigens auf das hebräische „ha brachah dabarah“ zurückführen, das etwa „den Segen sprechen“ bedeutet. So viel Tiefgang in der Recherche hat den Autor aber scheinbar überfordert.

Akupunktur ist Randi zufolge ebenso wie Homöopathie eine esoterische Behandlungsform ohne nachweisbare Wirkung und Nutzen. Kein Kommentar.

Die Kurzdarstellung des Okkultisten Dr. Rudolf Steiner im Zusammenhang mit seiner Anthroposophie ist ausgesprochen oberflächlich und hätte durchaus mehr Anlass geboten, um sich mit dem selektiven Geschichtsgedächtnis der Anthroposophen näher zu befassen, die Steiners führende Zugehörigkeit zu den Form gebenden okkulten und nationalistischen Organisationen und Orden der Jahrhundertwende, auch jenen, die sie selbst als „satanistisch“ verteufeln, gern ignorieren. Nur ein Beispiel unter vielen, wo eine an sich interessante biographische Betrachtung durch ihre selektive Form zur Nutzlosigkeit verkommt. Eine „Enzyklopädie“ bietet sicherlich etwas mehr Raum für eine paar zusätzliche Zeilen, ansonsten hätte man sich diese gesonderten Stichpunkte auch gerade heraus sparen können.

Wir lernen außerdem: „Beelzebub“ ist im Neuen Testament der oberste Teufel und ein anderer Name für Satan. Die Bibelstelle dazu lasse ich mir gern zeigen, aber soweit mir bekannt, hat der „Oberste der bösen Geister“ dort den Namen „Beelzebul“, vermutlich in Anlehnung an den alttestamentarischen „Baal“. Wiederum recht dürftig.

Erich von Däniken wird als „Mystiker“ bezeichnet. Vielleicht sollte er mal den hier recht frei verwendeten Begriff in einem richtigen Lexikon nachschlagen – oder die Übersetzer haben hier schwer gefuscht.

Aleister Crowley wird schlichtweg als „Satanist“ bezeichnet, was nicht nur oberflächlich, sondern rundheraus falsch ist. Er nannte sich Randi zufolge „Das Tier 666“ wegen des Bezuges aus der Offenbarung. Dass er dies letztlich eher provokativ und selbstironisch tat, weil seine Mutter ihn stets als das Große Tier bezeichnete, scheint dabei unwesentlich und ginge für ein derart oberflächliches Buch wohl analytisch auch zu sehr in die Tiefe.

Die durch den englischen Hofmagus Dr. John Dee gefundene und bekannt gewordene Sprache des Enochischen oder Henochischen wird im Lexikon als „Enochianisch“ angegeben, eine Formulierung, die mir gänzlich neu und vermutlich eine kreative Eigenleistung der Übersetzer ist.

Zum Begriff der Kundalini: „Ein Sanskritwort, das ‚Schlangenkraft‘ bedeutet. Dabei handelt es sich um die feurige Schlange, die angeblich zusammengerollt an der Basis der menschlichen Wirbelsäule schläft. Trotz eifriger Suche ist es Anatomen bisher nicht gelungen, die Kundalini aufzuspüren.“ Ein selten unqualifizierter Kommentar zu bildhaft-mythologischen und metaphysischen Überlieferungen.

In Bezug auf Nostradamus gibt es einen netten kleinen Schnitzer, als er erwähnt, dass in II,51 das Wort „antique“ im Altfranzösischen nicht „alt“, sondern „exzentrisch“ oder „schrullig“ bezeichnet. Warum in seiner Übersetzung dann die entsprechende Zeile mit „Die alte Dame wird von [ihrem] hohen Platz stürzen“ angegeben wird, weiß vermutlich nur Wahrheitsapostel Randi. An späterer Stelle wird das Wort dann noch mit „senil“ gleichgesetzt. Saubere Arbeit. Er liefert an dieser Stelle übrigens auch gleich die einzig korrekte Interpretation des zugehörigen Vierzeilers, endlich jemand, der weiß, was Nostradamus uns sagen wollte (was natürlich nicht als Eigenwerbung für sein diesbezügliches Buch verstanden sein darf).
Zu Nostradamus sei allerdings angemerkt, dass zu den erfreulichen Lichtblicken des Buches die zahlreich vertretenen Weltuntergangs-Prophezeiungen gehören, die Randi genüsslich zerlegt. Hier ist der Tonfall durchaus mal angemessen, das Lesen macht Freude und die zeugenden Jehovas dürfen sich verschämt die Augen zuhalten.

So, weiter im Text. Beim Eintrag unter „Pentagramm (auch Drudenfuß)“ wird in keiner Weise auf Herkunft oder Symbolik eingegangen, sondern lediglich erwähnt, dass man dieses Zeichen als Talisman mit sich herumträgt oder als Bannkreis für Dämonen verwenden kann. Sehr fundierte und schrecklich hilfreiche Analyse. Genau deswegen sind Lexika wie dieses so unentbehrlich für die Allgemeinbildung. Aber ich weiß jetzt ja auch dank Randi, dass „Abrakadabra“ gern als Spruch zum Höhepunkt eines Zaubertricks verwendet wird…

Zu der Tatsache, dass man auch in der „Neuen Welt“ Runenzeichen auf Monolithen und Grabmalen fand, merkt Randi an, dass es sehr unwahrscheinlich wäre, dass diese echt sind. Dass die Wikinger schon geraume Zeit vor den katholischen Eroberern in Amerika gelandet waren und dies inzwischen auch nicht mehr angezweifelt wird, scheint nicht bis zu ihm vorgedrungen zu sein. Andererseits ist Randi natürlich im Alleinbesitz der einzigen Wahrheit und schlägt jeden Fachwissenschaftler, da er meint, zu so ziemlich jedem Wissensgebiet seinen Kommentar abgeben zu müssen.

Der „Sabbat“ wird von Randi nur auf seinen Wesenszug als heidnisches Hexenfest erwähnt, er hält es nicht einmal für nötig, dies begrifflich als „Hexensabbat“ abzuheben. Da werden sich die Juden freuen. Vollständige und tief greifende „Enzyklopädien“ sind doch immer eine Bereicherung.

Nun ja, und bevor ich mich doch noch zu ärgern beginne, klatsche ich dieses Buch, das die Welt nicht braucht, in eine dunkle Ecke und widme mich wieder sinnhafter Lektüre. Zur Belustigung für zwischendurch ganz nett, wenngleich es an die Broschüre über Okkultismus von der Hamburger Behörde nicht ganz heran kommt. Schade, hätte durchaus etwas draus werden können. Wenigstens weist der Anhang ein Literaturverzeichnis auf, so dass man sich darüber informieren kann, woher die fundierten Ansichten abgepinselt wurden.

Homepage des Autors: http://www.randi.org/
[Beispiel]http://www.alternativescience.com/randi_retreats.htm für die Ablehnung einer leider gut überprüfbaren Herausforderung

Robert Charles Wilson – Darwinia

Europa ist verschwunden, das British Empire existiert nicht mehr, es schlägt die Stunde der Neuen Welt: Der Kontinent Darwinia, der an der Stelle der Alten Welt aufgetaucht ist, lädt zur Erkundung ein. Dieser Roman vereinigt Elemente aus Büchern von Joseph Conrad, Stephen King und Arthur C. Clarke zu einer ganz eigenen, faszinierenden Mischung.

Robert Charles Wilson wurde 1953 in Kalifornien geboren und lebt in Toronto. Er gehört seit seinem mehrfach preisgekrönten Roman „Darwinia“ zu den bedeutendsten Science-Fiction-Autoren der Gegenwart. Für diesen Roman erhielt er den Philip K. Dick Award für das beste Science-Fiction-Taschenbuch. Er schrieb auch den Bio-Thriller „Bios“ (1999), der bei uns Anfang 2003 erschien.

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