Paul Garrison – Robert Ludlum’s The Janson Option

Actionthriller von der Stange: Rambazamba in Somalia

Paul Janson war früher mal ein Auftragkiller, nun ist er im weltweiten Sicherheitsgeschäft. Wo immer er Personen aus heiklen Situationen herausholen soll, ruft man nach ihm. Zusammen mit der Scharfschützin Jessica Kincaid greift er auf ein Netzwerk enttäuschter Agenten zurück und verhilft ihnen zu einem Leben außerhalb des gewalttätigen Spionagesektors.

Natürlich nimmt er gegen Gebühr Aufträge an, und diesmal bittet ihn der Manager eines US-amerikanischen Ölkonzerns darum, seine entführte Frau Allegra zu befreien. Sie wurde von somalischen Piraten gekidnappt, heißt es. Doch wie sich herausstellt, sind nicht die Piraten das größte Problem in der jungen „Demokratie“ Somalia, sondern sowohl die Dschihadisten der Al-Shabaab-Milizen als auch die Dunkelmänner des Ölkonzerns… (Verlagsinfo)

Dies ist der dritte Roman um Paul Janson – siehe unten.

Der Autor

1) Robert Ludlum

Robert Ludlum wurde 1927 in New York City geboren. Nach dem II. Weltkrieg begann er eine Karriere als Schauspieler, die er verfolgte, bis er vierzig wurde, also bis 1967. Er studierte Kunstgeschichte und fing mit dem Schreiben an. 1971 schießt sein erster Thriller „Das Scarlatti-Erbe“, an dem er 18 Monate schrieb, an die Spitze der Bestsellerlisten. Als ähnlich erfolgreich erwiesen sich auch alle weiteren Romane, so etwa „Das Osterman-Wochenende“ (verfilmt), „Die Scorpio-Illusion“ oder „Der Ikarus-Plan“.

Seine Erfahrung als Schauspieler kam ihm zugute: „Man lernt, wie man die Aufmerksamkeit des Publikums behält.“ Seine Bücher wurde in mehr als 30 Sprachen übersetzt und erreichten eine Auflage von mehr als 280 Millionen Exemplaren (Verlagsangabe Heyne). Zuletzt wurden die drei legendären Bourne-Thriller mit Matt Damon höchst erfolgreich verfilmt. Ludlum lebte bis zu seinem Tod am 12. März 2001 mit seiner Frau Mary und seinen Kinder in Florida und Connecticut.

Mehrere Autoren schreiben an den Serien, die Ludlum schuf, weiter. Derzeit befinden sich die Verfilmungen zu „The Matarese Circle“/“Der Matarese-Bund“ (mit Denzel Washington) und „The Chancellor Manuscript“/“Das Kastler-Manuskript“ (mit Leonardo DiCaprio) in der Produktion. Außerdem gibt es seit 2008 das Videospiel „Robert Ludlum’s: Das Bourne-Komplott“ für PlayStation 3 und Xbox360.

2) Paul Garrison

Der Amerikaner Justin Scott, der auch unter dem Pseudonym „Paul Garrison“ schreibt, wurde in New York City geboren und lebt mit der Regisseurin Amber Edwards in Connecticut. Da er seine Zeit am häufigsten auf Booten und Schiffen verbracht hat, schrieb er mehrere, meist Seefahrts-basierte Thriller. Als Justin Scott schreibt er zusammen mit CLIVE CUSSLER an dessen Serie weiter. Mehr Info: www.justinscott-paulgarrison.com (ohne Gewähr).

1) Fire and Ice
2) Red Sky at Morning
3) Buried at Sea
4) Sea Hunter
5) The Ripple Effect

Die JANSON-Reihe

1) The Janson Directive (Der Janson-Befehl, 2005)
2) The Janson Command (Das Janson-Kommando, 2013)
3) The Janson Option (2013)

Handlung

Paul Janson ist ein alter Hase im internationalen Sicherheitsgeschäft. Wo immer er Personen aus heiklen Situationen herausholen soll, ruft man nach ihm. Ihm zur Seite steht seine Freundin Jessica Kincaid, eine Meisterschützin. Janson kann sich auf ein internationales Netzwerk von Partnern stützen, das es ihm erlaubt, in kürzester Zeit (fast) überall auf der Welt tätig zu werden. Sein letzter Auftrag war der erfolgreiche Schmuggel eines verfolgten Diktatorensohnes aus der Sahara nach Italien.

Sein neuer Auftrag führt ihn in die ehemalige italienische Kolonie Somalia. Somalische Piraten unter ‚Mad Max‘ Maxammed ist es gelungen, die schnelle Superyacht „Tarantula“ des Milliardärs Allen Adler zu kapern. Die „Tarantula“ ist so groß und so schnell wie ein modernes Kriegsschiff, wovon es rund um das Horn von Afrika nur so wimmelt.

Die Piraten setzen die Besatzung in einen Kahn und überlassen diesen seinem Schicksal. Leider begeht daraufhin Allan Adler fahrlässige Dummheiten – so etwa sabotiert er das Radar und den Antrieb – und wird liquidiert. Jansons Auftraggeber Kingsman Helms geht es nur um seine italienische Gattin Allegra, die nun an Bord in höchster Lebensgefahr schwebt. Helms arbeitet für den Ölkonzern American Synergy (ASC), dem Janson mal einen großen Deal vermasselt hat. Seitdem hat ASCs Sicherheitschef Doug Case ihn im Visier.

Als Janson seinen Auftraggeber im Hafen von New York City treffen will, fliegen die blauen Bohnen – doch alle scheinen für Helms gedacht zu sein. Auch die scheinbaren Jogger auf der Uferpromenada stürzen sich alle auf Helms – bis sie auf Janson und Kincaid treffen. Sie alle kommen aus Italien. Wie also kommt Doug Case auf die Idee, jemand könnte es nicht auf Helms, sondern auf Janson abgesehen haben? Ein beunruhigendes Rätsel.

Puntland

Unterdessen ist es Mad Max Maxammed, dem Piraten, gelungen, den Kriegsschiffen der Chinesen, die ihn beschossen haben, und der Amerikaner, die alles auf Video gebannt haben, durch Hochhalten seiner weiblichen Geiseln zu entkommen. Allegra steht unter schwerem Schock, insbesondere dann, als auch noch zwei ihrer italienischen Verwandten sie befreien wollen und dabei erschossen werden. Aber sie bringen auch einen winzigen Lichtblick in ihre verzweifelte Lage…

Die nächste Gefahr wartet indes schon im Hafen: die lieben Kollegen um Home Boy Gutaale, die begierige Blicke auf die Superyacht werfen und sie Mad Max am liebsten abjagen würden. Gutaale sieht sich bereits als Herrscher über ein vereintes Groß-Somalia, das von Kenia bis Äthiopien reicht. Und wer könnte ihn schon aufhalten, sobald er der Vizepräsident geworden ist?

Nach zwei aufschlussreichen und turbulenten Abstechern nach Neapel und Beirut schaffen es Janson und Kincaid, auf den Seychellen eine Operationsbasis einzurichten und Unterstützung von einem reichen russischen Oligarchen zu erhalten. Mit einem Propellerflugzeug gelingt es ihnen, in Reichweite der Superyacht „Tarantula“ zu gelangen, ohne bemerkt zu werden.

Sie steigen in das mitgebrachte Quadrofoil-Wasserfahrzeug, eine Art Wasserscooter auf Skiern, und gelangen so zur Yacht. An Bord scheint alles friedlich zu sein, viel zu friedlich. Janson wirft eine Granate, um für eine Ablenkung zu sorgen, dann entern die beiden das gewaltige Schiff. Doch sie stoßen auf eine böse Überraschung…

Mein Eindruck

Trotz fortschrittlicher Gadgets wie dem Quadfoil ist die Geschichte doch wesentlich glaubwürdiger als so mancher andere Thriller aus dem Ludlum-Franchise-Konzern. Verantwortlich dafür sind vor allem die genauen, stimmigen Schilderungen der politischen und kulturellen Verhältnisse in Somalia, Neapel und Beirut – den (für amerikanische Leser) exotischen Schauplätzen des Romans.

Somalia, der gescheiterte Staat, ist zerrissen zwischen der demokratischen Bewegung des neuen Präsidenten, der antidemokratischen von Vizepräsident Gutaale und der dschihadistischen Al-Shabaab-Miliz. Drogenschmuggel, Piraterie, Waffenhandel sind an der Tagesordnung, alle Männer kauen ständig die Droge Khat (die auch in Deutschland angebaut wird).

Klar, dass auch jede Menge ausländische Konzerne ihr Stück vom Kuchen abhaben und sichern wollen. Unter Somalia werden erhebliche Ressourcen an Erdöl und Erdgas vermutet – im Buch sind sie bereits von ASC festgestellt worden. Nun geht’s an die Sicherung der Rechte zwecks Ausbeutung. Aber auch die Chinesen haben ihre Eisen im Feuer, denn die sind genauso energiehungrig wie die Westler. Es kommt zu etlichen handfesten Actionszenen, die lediglich bildlich darstellen, was politisch hinter den Kulissen abläuft.

In dieses Pulverfass aus Interessenskonflikten bzw. Wespennest aus schwerbewaffneten Milizen, Terroristen und Agenten stößt nun Jansons kleine Truppe. Auch hier scheint von Anfang an einiges schiefzugehen. Und das liegt vor allem an den Somalis selbst. Isse etwa, ein Exilsomali aus Minneapolis, ist von einem Hassprediger, der sich Thumper nennt, zum Islamismus konvertiert worden und schließt sich stante pede der Al-Shabaab-Miliz an. Dies entpuppt sich als vom „Italiener“ unterwanderte Dschihad-Miliz, die einen Teufelspakt mit der ASC geschlossen hat, um die Regierung abzusetzen.

Ahmed, der zweite Exil-Somali aus Minneapolis, setzt sich ebenfalls ab. Statt sich um die allmächtigen Clans zu kümmern, macht er seinen eigenen schwunghaften Handel auf – mit was nur, fragt sich Janson verblüfft? Sind es schon wieder Drogen? O nein, es ist einfach nur ein Autowaschmittel, das ohne Wasser auskommt – denn Wasser ist in der Wüste bekanntlich Mangelware. Ahmed ist auf dem besten Weg, ein Krösus zu werden, als die Dinge in Mogadischu aus dem Ruder laufen. So ein Pech aber auch.

Zweiter Anlauf

Der erste Anlauf führt leider nicht zum Ziel, nämlich Gräfin Allegras Befreiung. Janson ordnet den Rückzug an, um von anderer Seite und mit verstärkten Kräften erneut zuzuschlagen. Durch den Abbruch des ersten Anlaufs wird das Buch quasi in der Mitte geteilt. Das ist aber gut so, denn nun entwickelt sich aus anderer Richtung ein doppeltes Finale, wie man es sich actionreicher gar nicht wünschen kann.

Die Frage, ob eine solche Hightechyacht wie die „Tarantula“ plausibel ist oder nicht, ist im Grunde müßig. Jeder Milliardär, der heute etwas auf sich hält und vor allem, wenn er etwas zu verbergen hat, lässt sich neuerdings so einen Riesendampfer bauen, mit allen Schikanen: U-Boot, Panic Room, doppelter Antrieb (Diesel und Dampfturbinen), mindestens einen Heli-Landeplatz und und und. Dieses Feld der Nautik und des Schiffsbaus ist neben der somalischen Geografie usw. Garrisons zweite Stärke. Er hat ja schon unter Beweis gestellt, dass er Thriller inszenieren kann, die unter modernen Seefahrern auf dem Meer spielen.

Die hübsche Gesellschaft auf solchen Luxxusbooten ist nicht zu vergessen: Nicht nur die Reichen zeigen hier, was sie haben, sondern auch die Schönen. Alan Adler gedenkt, Allegra zu verführen und zu der Seinen zu machen. Das haut nicht so ganz hin, weil ihn ein paar blöde Piraten abmurksen. Der Kontrast zwischen Superreichen und abgerissenen, Khat kauenden Piraten sorgt nicht nur für Ironie, sondern vielleicht auch für einen gut verborgenen, sozialkritischen Kommentar.

Schwächen

S. 106: „They would be derelict not to seize any chance…“ „Derelict“ im Sinne von „nachlässig“ ist im allgemeinen hier unpassend. Korrektes Englisch wäre „negligent“ oder „neglectful“. Das Langenscheidt-Wörterbuch belehrte mich aber, dass „derelict“, das sonst „verfallen, vernachlässigt“ durch korrektes Amerikanisch ist. Hoffentlich weiß das später der Übersetzer auch…

S. 122: Kincaid ruft auf italienisch „Via! Go!“ Natürlich muss es richtig „Vai!“ heißen. Wahrscheinlich ist das nur ein Buchstabendreher.


Unterm Strich

Durch das Spezialwissen des Autors über Schiffahrt, Waffen und Somalia wirkt die Geschichte glaubhafter als so mancher Thriller aus der Ludlum-Franchise-Fabrik – Lustbaders BOURNE-Romane nicht ausgenommen. Der Roman ist sorgfältig und unvorhersehbar geplottet, ohne unübersichtlich zu werden oder sich in Nebenhandlungen zu verlieren. Am Schluss gibt es zwei actionreiche Finali und eine handfeste Überraschung. So gehört sich das.

Natürlich muss man auf tiefgehende Charakterbeschreibungen und lange innere Monologe verzichten – kein Verlust! Hauptsache, die Handlung kommt voran und sorgt in jedem Kurzkapitel für mindestens eine zusätzliche Info, die den Plot voranbringt. Da mehrere Handlungsfäden schließlich zueinander finden, ist stets für Abwechslung gesorgt.

Figuren

Janson ist der Obermacker, aber Kincaid, Assistentin und Geliebte, kann ihm durchaus das Wasser reichen, vor allem was das scharfe Schießen betrifft. Ihre amerikanischen Widersacher werden nicht als Witzfiguren dargestellt, sondern als fiese Manager aus dem Westen, die in Somalia nur den eigenen Vorteil suchen, und zwar um jeden Preis. Merke: Rollstuhlfahrer wie Doug Case sollte man keinesfalls unterschätzen!

Auch dass es die somalischen Piraten und Drogenschmuggler faustdick hinter den Ohren haben, gehört zu den Infos, die der geneigte Leser mitnimmt. Maxammed ist noch der rationalste Schurke auf der „Tarantula“, denn alle seine Leute und Leutnants sind ständig vom Khat bekifft. Und das macht sie so „trigger-happy“, also schießwütig.

Humor

Schließlich sorgt noch ein bipolar veranlagter Flugzeugpilot für eine geballte Ladung schwarzen Humors. Kirpal Singh ist ein ausgezeichneter Pilot – solange er seine Medikamente nimmt. Falls nicht, müssen seine bedauernswerten Passagiere – in diesem Fall die beiden Hauptfiguren Janson und Kincaid – mit unangenehmen Überraschungen rechnen, etwa einer Notwasserung in einem Sturm…

Leseerlebnis

Als ich endlich genug Muße hatte, um den Roman am Stück lesen zu können, konnte ich das schließlich gar nicht mehr beiseite legen. Ich musste einfach erfahren, wie die beiden prallel geführten Geschichten ausgehen. Wer nicht mehr verlangt als gut gemachte Action-Unterhaltung, ist also mit „The Janson Option“ gut bedient. Das Englischniveau ist nicht sonderlich anspruchsvoll, aber auch nicht das eines Heftchenromans für Zehnjährige. Etwas Englischleseerfahrung sollte man schon mitbringen.

Taschenbuch: 339 Seiten
Sprache: Englisch
ISBN-13: 978-1409139461

www.orionbooks.co.uk

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