Paul S. Kemp – Pakt des Blutes

Einfallsreiche Schwert&Zauberei-Action-Fantasy

Die Familie Norristru steht seit Jahren in einem Pakt mit dem Dämonengeschlecht der Thyss. Ihre Frauen müssen den Höllengeistern zu Willen sein, als Gegenleistung erhalten ihre Nachkommen magische Fähigkeiten. Um den Bund zu erfüllen, belegt das gegenwärtige Familienoberhaupt Rakon die zwei Grabräuber Nix und Egil mit einem Bann, um ein wichtiges Artefakt zu stehlen. Damit soll ein neuer Dämon heraufbeschworen werden.

Warum gerade sie? Dummerweise waren sie es, die den bisherigen Dämon Vik-Thyss bei einer kleinen Grabräuberei erschlagen haben. Als Nix und Egil erfahren, was es mit dem ganzen Pakt-Klimbim auf sich hat, beschließen sie, den Frauen dieses grausame Schicksal zu ersparen. Doch sie haben nicht mit den magischen Fähigkeiten Rusillas und Mereldas gerechnet …

Der Autor

Der US-Amerikaner Paul S. Kemp ist Bestsellerautor von mehreren Fantasyromanen. Erfolg hatte er mit STAR-WARS-Romanen. „Neben spannenden Actionszenen zeichnen Kemp vor allem freche Charaktere und knackige Dialoge aus“, tönt der deutsche Verlag. Kemp lebt mit seiner Familie in Michigan. Mehr Info: www.paulskemp.com (ohne Gewähr).

Handlung

PROLOG

Als sie im „Schlüpfrigen Tunnel“ zu Dur Follin ihr Bier süffelten, erschien ihnen die Idee, das Grab von Abn Thahl zu plündern, ausnehmend glorreich zu sein, Doch als sie nun vor dem Grabmal in der Höhle jenseits der Höhle stehen, finden Nix und Egil die Lokalität nicht ganz nach ihrem Geschmack. Das Grabmal ist verfallen – und mit Todesfallen gespickt.

Nix Fall ist fix mit dem Dolch, und Egil, der Expriester eines obskuren Gottes, schwingt seine zwei Hämmer gar anmutig. Wenn es drauf ankommt. Beide finden es nicht gerade fair, dass aus der Öffnung, die sie gerade raffiniert geöffnet haben, ein Säurebad hervorquillt. Auch die Pfeile, die ihnen aus dem offenen Tor – und es ist nur das erste! – entgegenschwirren, wirken alles andere als einladend.

Nun, dieser Erzmagier Abn Thahl, dessen Sarkophag ihnen sagenhaften Reichtum verspricht, war ja nicht gerade für seine Menschenfreundlichkeit bekannt. Eher im Gegenteil, und er verhieß jedem, der ihn in seiner Grabesruhe stören wolle, einen grausigen Tod. Was Nix und Egil bislang jedoch nicht hat abschrecken können. Erst in der zweiten Kammer stoßen sie auf einen ernstzunehmenden Gegner: einen Dämon aus der Hölle, der noch nicht mal einen Kopf sein Eigen nennt, sondern nur einen zähnestarrrenden Schlund.

Ihn zu bezwingen, erweist sich als schweißtreibendes Stück harter Grabräuberarbeit. Aber nichts kann einen Nix aufhalten, und Egil hat ja immer einen Hammer zur Not griffbereit. Die Luft, die aus dem Sarkophag dringt, ist zwar alles andere als Veilchenduft, doch die Schätze, die in dem Grabbehälter warten, entschädigen das Duo vollauf. Abn Thahl muss ihrer Gier sogar ein paar Finger opfern. Endlich! Nix triumphiert: Mit dem Szepter des alten Magierknackers können sie den „Schlüpfrigen Tunnel“ von Dach bis zum Keller kaufen – und sich fortan Tag für Tag beziehungsweise Nacht für Nacht volllaufen lassen!

Haupthandlung

Rakon Norristru ist erschüttert. Der Luftgeist, den er gerade beschworen hat, bringt die schlechteste denkbare Kunde: Vik-Thyss, der Dämon des Paktes, sei tot. Getötet von zwei Deppen, die das Grab des Magiers Abn Thahl plünderten. Ein drängendes Kribbeln erfüllt Rakon: Ihm bleiben nur noch fünfzehn Tage bis zur Erneuerung des Paktes mit der Hölle, der ihm seine magischen Kräfte liefert. Ohne die Magie werden alle seine Feinde über ihn und sein Haus herfallen.

Aber wie soll er die Erneuerung schaffen, wenn Vik-Thyss „der letzte Mann des Hauses Thyss“ war, wie der Luftgeist behauptet? Doch halt! Was für eine merkwürdige Wortwahl – und tatsächlich: Als Rakon nachhakt, erfährt er, dass es noch einen allerletzten Thyss-Spross gibt, in irgendeinem tiefen Verlies. Es gibt also einen Funken Hoffnung.

Stolze Besitzer

Der Luftgeist hat ihm von den Grabräubern Nix und Egil berichtet, und dass sie zurück in ihre flohverseuchte Stammkneipe gereist wären. Den „Schlüpfrigen Tunnel“ haben die beiden gerade gekauft und versuchen sich dort nun wie zwei Besitzer und nicht wie zwei Säufer und Hurenböcke aufzuführen. Der Erfolg dieser Bemühungen lässt sehr zu wünschen übrig, denn am Ende des Abends bzw. am Anbruch des Morgens ist sämtliches Mobiliar zu Bruch gegangen. Und eines der Mädchen haben sie auch nicht abgekriegt. Da kann man schon trübsinnig werden.

Zwangsrekrutiert

Als die Mannen Norristrus die beiden einsacken, haben sie ihnen nichts entgegenzusetzen. Nicht einmal das magische Szepter tut, was es soll. Hätte Nix halt damals an der Magier-Uni richtig aufgepasst! Fieserweise trichtert ihnen der Zauberer auch noch je einen Zwangswurm in den Körper ein. Dieses magische Wesen bewirkt, dass dem Opfer, sollte es auf Widerstand sinnen, erst schlecht wird und ihm dann die Zähne ausfallen. Das stellen die beiden „Helden“ auf die harte Tour fest.

Wenigstens sehen die beiden Mädchen, mit denen Norristru durch die Ödlande nach Afirion reist, sehen ansehnlich aus. Nix fällt aber auf, dass er zwar nicht wusste, dass die Mädels in der Kutsche sind, er sie aber unbedingt sehen will. Sind hier etwa noch andere Kräfte am Werk, die er nicht auf den ersten Blick wahrnimmt? Doch bevor sein Schädel vor lauter ungewohnten Gedanken ins Brummen geraten kann, erreichen sie das wüstenhafte Afirion – es ist voll unerwarteter Gefahren …

Mein Eindruck

Dies ist ein unterhaltsames Stück Genre-Fantasy aus dem Unterbereich der Sword & Sorcery. Wie der Name schon sagt, geht es um Schwerter und Zauberei. Der Autor bedankt sich bei den bekanntesten Autoren dieses Subgenres, und sie lieferten allesamt die unschwer zu erkennenden Vorlagen für sein Garn.

Fritz Leibers Geschichten um Fafhrd und den Grauen Mausling sind das Vorbild für das dynamische Duo Nix Fall und Egil. CONAN-Schöpfer Robert E. Howard schuf etliche gruselige Grüfte wie jenes, das die beiden „Helden“ am Anfang plündern, und Michael Moorcocks Ewiger Held – Eric von Melniboné, Hawkmoon, Corum und wie sie alle heißen – folgt Conan, Kull, Almuric und anderen Pulp-Fiction-Helden. Denn Pulp Fiction ist all dies ohne Zweifel: farbig, spannend, auf ironische Weise humorvoll – und voller überraschender Wendungen, die üblicherweise für die Helden schlechte Karten bereithalten.

Egil und Nix kommen aus einfachsten, um nicht zu sagen eldensten Verhältnissen – und das ist in Dur Follin, der Bronx des Planeten Ellerth, nichts Ungewöhnliches. Sie halten sich mit Gaunereien und ab und zu eben auch mit Grabräuberei über Wasser. Zwei sympathische Underdogs also, die ihre Macken und Kanten haben.

Nun bekommen sie es mit einem wahren Tyrannen aus der obersten Etage ihrer Stadt zu tun. Kein Wunder, dass Rakon Norristru und seine noble Bagage mit der Hölle im Bunde ist, der er nicht nur seine Seele verschrieben, sondern auch seine Mutter geopfert hat. Nun will er ihr auch seine wehrlos gemachten Schwestern opfern. Na, ob das gut geht?

Grüfte voll Überraschungen

Bevor es zu der beabsichtigten Vergewaltigung durch einen Sohn der Hölle kommen kann, haben Egil und Nix noch ein kleines Wörtchen mitzureden. Sie sollen Rakon ein magisches Horn besorgen (siehe Titelbild), mit dem dieser Teufel befreit werden kann. Und wo gibt es magische Hörner? Natürlich in einer Gruft. Darauf sind die beiden ja spezialisiert.

In dieser Gruft entdecken sie ein weiteres pikantes Geheimnis: Der bestattete Magierkönig war eine SIE – und zwar eine sehr schlaue (und leider auch sehr rachsüchtige). Robert E. Howard, der Conan-Schöpfer, und Clark Ashton Smith, Lovecrafts Freund, die solche Orte mit Vorliebe inszenierten, würden glatt im Grab rotieren. Kemp erschließt ihr Genre auf einmal für die Rechte der Frauen – wie ketzerisch!

Auch einen schönen Lovecraft-Moment gibt es, als Nix nämlich die Wandreliefs wie eine Geschichte der Bestatteten liest – solche Leseszenen gibt es vielfach bei Lovecraft, etwa in „Berge des Wahnsinns“. Sie haben die Aufgabe, den Leser sowohl zu informieren als auch, ihn auf kommendes Grauen vorzubereiten. Für Action und Aufregung ist also genügend gesorgt.

Der lange Weg

Doch der Weg zum Finale ist lang und mühsam. Der Autor zieht seine Geschichte genüsslich in die Länge, so als sei es ihm ein besonderes Vergnügen, den Leser durch unheimliche Andeutungen auf die Folter zu spannen. Da wurde ich ein wenig ungeduldig. Allerdings zeigte sich im Nachhinein, dass auch das langsame Erzählen seinen Sinn und Zweck hat: Alle Monster, denen die Expedition nach Afirion begegnet, tauchen später wieder auf, so dass sie nicht erneut erklärt werden müssen.

Und auf diesem langen Weg vollzieht sich eine psychologisch plausible Annäherung zwischen den beiden zwangsrekrutierten Grabräubern und den Gardisten, die ihre Bewacher spielen sollen. Allmählich wendet sich das Blatt zugunsten der Gefangenen, ja, sie retten ihren Bewachern mehr als einmal das Leben. Schließlich verbünden sich die Gardisten mit ihren Bewachten gegen Rakon selbst. Aber wie schon Nix vermutete, könnte dies auch etwas mit dem telepathischen Einfluss Rusillas zu tun haben.

Sind also die Männer die Marionetten einer Frau? Diese für männliche Leser beunruhigende Möglichkeit muss am Schluss geklärt werden. Die Antwort sei hier aber nicht verraten.

Die Übersetzung

Obwohl sich der Übersetzer Michael Neuhaus Mühe gegeben hat und einen fein ironischen. Lebendigen Stil umsetzt, gelingt es ihm doch nicht, im Text fehlerfrei zu bleiben. Hin und wieder finden sich falsche Endungen und dergleichen, aber zum Glück keine Buchstabendreher. Folgende Fehler sind erwähnenswert.

S. 60: „die unegalen, durchhängenden Dächer“: „unegal“ ist ein anderes Wort für „uneben“ (DUDEN 24. Auflage), hat also etwas mit rechten Winkeln und lotrechten Wänden zu tun.

S. 100: „Söllte“ muss korrekt „sollte“ heißen.

S. 117: „Der Kerl hat mir ein Feilchen verpasst.“ Nun, hier geht es nicht um Feilen, sondern um ein blaues Auge. Daher wäre „Veilchen“ korrekt.

S. 162: „ausstiegt“. Das T ist überflüssig.

S. 275: „Mir misfällt“. Hier fehlt das zweite S: „missfällt“ sollte es korrekt heißen.

S. 289: „der Pries[t]er“. Das T fehlt.

S. 305: „zeromoniell“ statt „zeremoniell“

S. 327: „Zähen flogen durch die Luft“. Gemeint sind wohl Zähne. Hier geht’s wirklich zur Sache.

S. 354: „Egil hatte seinen Umhang abgestreift und [hielt] ihn in seiner Rechten parat.“ Das Wörtchen „hielt“ fehlt.

S. 357: „Wvynn“ sollte korrekt „Vwynn“ heißen. So heißen die schuppigen Monster, die es auf die Menschen in Afirion abgesehen haben.

S. 382: „die Wand, wo er sich [die] Wange aufriss.“ Das Wörtchen „die“ fehlt.

S. 382: „stattdesse[r]n“: Das R ist überflüssig.

S. 382: „Sphinkter“ ist ein anderes, vornehmeres Wort für Schließmuskel. Naheliegende Assoziationen sind sicherlich beabsichtigt.

Unterm Strich

„Pakt des Blutes“ greift erfolgreich auf klassische Vorbilder des Fantasy-Subgenres Sword & Sorcery zurück, wendet das alte Schema „Held (und/oder seine Freundin) ist in Not, Held findet magische Mittel und ein Schwert, Held tötet alle Widersacher und wird zum Retter der Welt“ auf humorvoll-ironische Weise zu einem moderneren Ausdruck. Hier spielen auch Frauen eine wesentliche Rolle. Alte Magierkönige waren in Wahrheit Frauen (man denke an Päpstin Theodora), und auch die scheinbar so wehrlosen Norristru-Schwestern sind alles andere als passiv.

Natürlich werden Monster und Teufel erschlagen, aber von einem gut aufgelegten, unzertrennlichen Duo aus genau herausgearbeiteten Charakteren. Ihre Einfälle verleihen der Geschichte die Würze von kuriosen Einfällen und Gaunergeschick, ohne sie allerdings zu Intelligenzbolzen zu machen. Warum würden sie sonst ihr höchster Glück darin sehen, sich eine ganze Nacht lang volllaufen zu lassen und von hübschen Mädchen zu träumen? Was ja an sich nicht verkehrt ist, aber doch nur eine bedingt langfristige Perspektive bietet.

Neben all dieser glorreichen Action müssen sich Nix und Egil aber auch als Männer bewähren. Immer wieder stellt jemand in Nix‘ Verstand die Frage „Bist du so ein Mann?“ und fordert ihn auf: „Sei so ein Mann.“ Was für eine Art Mann denn nun? Ein Mann von Ehre, ein tapferer Kerl, ein flinker Dolchschwinger oder was? Gefragt ist ein Mann, der wehrlose Frauen nicht dem Teufel überlässt und der ein Herz für ihre Not hat. In schrecklichen Albträumen erlebt Nix, wie eine junge Frau gefangen ist und von einem Monster zu ihrer Vergewaltigung gezerrt wird – ohne dass diese je beschrieben wird. Aber die Schreie sind Andeutung genug.

Man sieht also: Dies ist ein Anti-Gor-Roman, in dem Frauen nicht als willige Sklavinnen ihr Glück finden, sondern in denen im Gegenteil wehrlose Frauen vor eben diesem elenden Schicksal bewahrt werden. In jedem Fall sollte der Leser eine gewisse Reife mitbringen. Ich würde das Buch frühestens ab 14 Jahren empfehlen. Auch „Game of Thrones“ ist ja erst ab 16 Jahren freigegeben.

Schade, dass dem Buch keine Landkarte beigefügt ist, sonst könnte sich der Leser besser orientieren. Vielleicht in der unvermeidlichen Fortsetzung? Dann ist vielleicht auch die Fehlerquote des Textes nicht so hoch.

Taschenbuch: 400 Seiten
Originaltitel: The Hammer and the Blade (2012)
Aus dem US-Englischen von Michael Neuhaus
ISBN-13: 978-3404207541

www.luebbe.de

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