Das Gewölbe des Himmels:

Band 1: Der Vergessene”
Band 2: “Der Unrechte”
Band 3: “Der Ausgestoßene”

Tahn und Sutter ist es gelungen, sich nach Decalam durchzuschlagen. Doch ganz spurlos sind die Ereignisse in Steinsberg nicht an ihnen vorüber gegangen. Und kaum erreichen sie Decalam, geraten sie sofort ins Visier der Stadtwache …

Wendra und Penit ist es ebenfalls gelungen, Jastail zu entkommen und Decalam zu erreichen, ersteres allerdings nur durch Einsatz von Wendras Gabe, und darüber ist Wendra gar nicht glücklich, zweiteres mit Hilfe eines Sängers. Der Maester der Discantus Kathedrale würde Wendra gern ausbilden. Doch dafür müßte sie sich von Penit trennen …

Vendanji und seine Begleiter haben mit einiger Mühe den Verbannten Grant gefunden. Doch Grant hat mit der Welt abgeschlossen und ist zunächst nicht bereit, seinen Verbannungsort und seine Schützlinge zu verlassen …

Echte Neuzugänge gibt es in der Charakterzeichnung eigentlich nicht. Elan, der König der Fern, tauchte noch zu wenig auf, und Grant kam im ersten Band bereits vor. Der grimmige, wortkarge Mann verweigert sich den menschlichen Gesetzen, die gegen den Allwillen verstoßen, noch rigoroser als selbst Vendanji, und das will schon etwas heißen.

Auch in Grants Fall ist es dem Autor gelungen, innere Wunden, Zweifel und Zerissenheiten hautnah darzustellen. Eine Weiterentwicklung bei den übrigen Charakteren bieten allerdings nur Braethen, der zunehmend selbstbewusster wird, und Wendra, über die ich mir im Verlauf der Ereignisse allmählich Sorgen zu machen begann.

Vendanji ist immer noch ausgesprochen zugeknöpft. Das empfand ich diesmal allerdings als weit weniger frustrierend. Zum einen dauert es eine Weile, bis die drei Gruppen tatsächlich Decalam erreichen, und Wendras und Tahns Bekanntschaften sind wesentlich gesprächiger und eher bereit, Fragen zu beantworten, als Vendanji. Zum anderen nehmen auch die Ereignisse in Decalam noch ziemlich viel Raum ein, sodass zwei Drittel des Buches gelesen sind, bis die Gefährten erneut aufbrechen, um ihr nächstes Ziel zu erreichen.

Erst hier stellt Tahn erneut Fragen und wird vertröstet, da sie sich diesmal ihrem Ziel jedoch wesentlich rascher nähern als Decalam, muss der Leser auf die Antworten nicht so lang warten wie noch im ersten Band. Die Antworten selbst fallen immer noch spärlich aus, und ich an Tahns Stelle hätte längst Braethen gebeten, in Ogeas Büchern nach Informationen zu suchen. Auch konnte ich nicht so ganz verstehen, warum Tahn nicht einmal Sutter von seinen Alpträumen erzählt. Für mich ist es offensichtlich, dass Quietus auf diese Weise versucht, Tahn zu beeinflussen.

Was unverändert geblieben ist, ist die massive Reduzierung auf ein absolutes Minimum in der Darstellung von Begegnungen und Örtlichkeiten. Naltus Fern macht den Eindruck von düsterer Strenge, aber im übrigen erfährt man so gut wie nichts über das Volk, das dort lebt. Elan, der König der Fern, ist im Gefüge der Welt, wie Peter Orullian sie entworfen hat, eigentlich eine wichtige Persönlichkeit, doch er wird nur so kurz gestreift, dass man ihn kaum als Nebenfigur bezeichnen kann.
Das Ende der Welt wurde nicht ganz so stiefmütterlich behandelt, aber auch hier wird das Flair des Geheimnisvollen, Faszinierenden so stark von der Handlung überlagert, daß es sich nicht voll entfalten kann.

Das fand ich zwar schade, immerhin aber waren die Konfrontationen mit den Geschöpfen des Born, von denen es zwischen Naltus Fern und dem Weltenende mehrere gab, sehr gut gemacht und haben mir vor allem durch ihre unvorhergesehenen Wendungen gut gefallen. Außerdem schienen sie endlich mal einen bestimmten Zweck zu verfolgen, der über das bloße Aufhalten der Gruppe hinausging. Ein durchgehender Spannungsbogen fehlte allerdings noch immer.

Immerhin wurde dies durch die größere Abwechslung innerhalb der Handlung besser ausgeglichen als noch im ersten Band. Es sind nicht die immer gleichen Angriffe von Bar’dyn, mit denen man es diesmal zu tun bekommt. Und obwohl ich die rasche Aufwiegelung der halben Stadtbevölkerung Decalams innerhalb so kurzer Zeit für etwas übertrieben halte, sorgten diese kurzen Kämpfe doch zumindest vorübergehend für Spannung und Tempo.

Unterm Strich fand ich den zweiten Band besser als den ersten, nicht nur, weil die Handlung durch die Aufteilung der Gruppe an Vielfalt gewonnen hat, sondern auch, weil der Anteil an überraschenden Überfällen durch Verfolger diesmal gering war, sodass der Handlungsverlauf nicht mehr so überstürzt wirkte. Und obwohl Vendanji noch immer wenig geneigt ist, Fragen mehr als nur rudimentär zu beantworten, war der Informationsfluss diesmal wesentlich höher. Beim Blick auf den Originaltitel erklärte sich auch das in der Luft hängende Ende des ersten Bandes: Das Original wurde in der deutschen Ausgabe auf zwei Bände verteilt.

Richtiger wäre es also eigentlich zu sagen, dass der erste Band des Zyklus sich zum Ende hin gesteigert hat. Es bedeutet aber wohl auch, dass der nächste Band “Der Ausgestoßene”, der im März erscheint, ebenfalls nur eine erste Hälfte ist und wie “Der Vergessene” einfach in der Luft enden wird. Leider gibt es zum Erscheinen der zweiten Hälfte des zweiten Bandes noch keine Informationen.

Peter Orullian arbeitet bei Mircosoft, nebenher ist er auch noch Musiker und Autor. Er studierte Gesang, war Mitglied mehrerer Bands und auch schon auf Tournee. Seine erste literarische Veröffentlichung war eine Kurzgeschichte. Die Trilogie Das Gewölbe des Himmels ist sein Romandebut, und ebenfalls um einige Kurzgeschichten erweitert. Zurzeit schreibt der Autor an einem Thriller. Er lebt mit seiner Familie im Nordwesten der USA.

Taschenbuch: 636 Seiten
Originaltitel: The Vault of Heaven 1 – The Unremembered
Deutsch von Maike Claußnitzer
ISBN-13: 978-3-442-26840-5

http://www.orullian.com
www.randomhouse.de/blanvalet

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