Terry Pratchett, Graham Higgins, Stephen Briggs – Wachen! Wachen!

Die Stadtwache von Ankh-Morpork ist sicher eine der glorreichsten Erfindungen Terry Pratchetts für seine Scheibenwelt. Dieser Comic, den es seit 2002 als Hardcover-Ausgabe gibt, schildert eines der bekanntesten Abenteuer der Wache: das mit dem Drachen und dem König.

Handlung

Karotte ist als Waise bei den Zwergen aufgewachsen. Eines Tages ruft ihn ein Brief in die Hauptstadt, nach Ankh-Morpork, um der Stadtwache beizutreten. Schweren Herzens nimmt er als rechtschaffener Zwergenbub von rund 1,90 m Größe Abschied von den einzigen Eltern, die er kennt. Er hat ein Gesetzbuch geerbt und ein Schwert und ein seltsames Muttermal.

Doch ach! Die Stadtwache, sie ist ein demoralisierter Haufen, der sich nicht gerade auf die Durchsetzung von Gesetz und Ordnung spezialisiert hat. Selbst das Mitternacht-Ausrufen erfolgt dezent und nervenschonend. Das Durchgreifen Karottes gegenüber Sperrstundenbrechern ist ihr geradezu peinlich.

Wie soll es dieser Haufen mit dem Geheimbund unzufriedener Bürger aufnehmen, der sich die Monarchie zurückwünscht? Denn die Kapuzenmänner beschwören zu diesem Zweck einen riesigen Drachen, den der neue König besiegen soll, um zu beweisen, dass ihm allein der Thron und die Stadtherrschaft gebühren.

Während Hauptmann Mumm noch bei Madame Käsedick, einer Züchterin von Sumpfdrachen, die nötigen „Spezialkenntnisse“ erwirbt, um der neuen Gefahr zu begegnen, wird schon der Patrizier in den Kerker geworfen und der Luftkrieg gegen die Wache eröffnet. Leider gerät dem Geheimbund das drakonische Ungetüm außer Kontrolle und bringt sämtliche anderen Bürger in Gefahr. Doch alles wird gut – bis plötzlich ein zweiter Drache auftaucht…

Mein Eindruck

Corporal Nobbs ist mein absoluter Liebling. Er sieht nämlich aus wie einer der Freak Brothers seligen Angedenkens: ständig bekifft und kurz davor, aus den Riesenlatschen zu kippen. Dabei kann ihn eigentlich nichts umhauen, selbst wenn er mit 1,20 m Körpergröße weit unterhalb der Ebene von Karotte operiert.

Graham Higgins hat Nobbs so sympathisch gezeichnet und Stephen Briggs den Text für die Comic-Version bearbeitet. Stellenweise sehen die Bilder recht düster aus, aber was kann man von Ankh-Morpork schon anderes erwarten? Seltsamerweise hängen aber überall Telegrafendrähte zwischen den Häusern. Nun ja: Anachronismen sind das Salz in der Suppe.

Auch der Schnitt zwischen einzelnen Szenen ist recht gewöhnungsbedürftig: Die Sprünge sind noch heftiger als bei einigen Videoclips, die ich kenne (es sind nicht viele Clips). Besonders gegen Schluss wurden offenbar einige Lücken gelassen. Immerhin zu erkennen: Zwischen Hauptmann Mumm und Madame Käsedick läuft was. Auch zwischen den beiden Drachen…

Unterm Strich

Wer es schafft, sich das fortwährende Grinsen bei der Lektüre aus dem Gesicht zu wischen, ist olympiareif. Sozial auffälliges Verhalten ist ebenfalls zu entschuldigen, solange nicht die Männer in den weißen Kitteln auftauchen.

Gebundene Ausgabe: 128 Seiten
www.randomhouse.de/Verlag/Manhattan

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